Dieser Artikel behandelt Handfeuerwaffen der Kategorie Granatmaschinenwaffe; früher oder in anderen Ländern als Granatwerfer bezeichnete Rohrwaffen finden sich unterMörser (Geschütz).
GMW 40 mm (GraMaWa) der BundeswehrGranatwerfer zum Verschießen vonTränengasgranaten
EinGranatwerfer ist eineGranatwaffe, dieGranaten in größere Entfernung wirft, als es mit der Hand möglich wäre (sieheHandgranaten).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in denUSA handgeführte Granatwerfer (Grenade Launcher, engl. für Granatwerfer) entwickelt, welche die Lücke zwischen Handgranate undMörser füllen sollten, zum Beispiel derM79-Granatwerfer. Weitere Entwicklungen erfolgten in allen Armeen, so auch in Deutschland, wobei die englische Bezeichnung wörtlich ins Deutsche übersetzt übernommen wurde. Mit der Einführung dieser Waffen im deutschsprachigen Raum überschnitten sich diese Bezeichnungen mit denen der Steilfeuergeschütze der Infanterie. Daher wurde der Begriff Mörser, früher nur für großkalibrige Steilfeuerwaffen verwendet, auf die bisher Granatwerfer genannten Waffen übertragen und mit Granatwerfer die hier beschriebenen Waffen bezeichnet.
Es gibt Einzelschuss-, halbautomatische und automatische Granatwerfer, die entweder als eigenständige Handfeuerwaffe geführt, als Anbauwaffe an ein konventionellesSturmgewehr montiert oder auf einemDreibein, einerDrehringlafette oderfernbedienbaren Waffenstation als schwere Infanteriewaffe benutzt werden. Allen gemeinsam ist der Verschuss von Kalibergeschossen aus einem Abschussrohr in einerballistischen Flugbahn. Auch dieGranatpistolen gehören zur Gruppe der Granatwerfer, da sie eigenständige Schusswaffen darstellen und nur zum Zweck des Verschießens von Granaten gebaut werden. Die BezeichnungPistole leitet sich vor allem aus den kompakten Abmessungen ab. In den Anfängen ihrer Entwicklung wurden teilweise auch Überkalibergeschosse verschossen.
Gewehrgranaten sind keine Rohrmunition, sondern Überkalibergeschosse, die von derMündung einer Handfeuerwaffe verschossen werden. Manchmal ist dazu ein Aufsatz, das Gewehrgranatgerät, welches auf der Mündung befestigt wird, notwendig. Gewehrgranaten wurden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.
Granatwerfer verschießen Granaten im „Hochdruck-Niederdruck-System“. Die Treibladung wird dabei in einer besonders dickwandigenKartusche untergebracht, in der sie nach der Zündung verbrennt und hohen Druck erzeugt. Die entstehenden Gase strömen über enge Kanäle aus der Kammer, wobei sich ihr Druck deutlich vermindert. Erst danach treiben sie die Granate mit relativ geringerMündungsgeschwindigkeit aus dem Lauf, bei handgeführten Granatwerfern mit typischerweise etwa 75–80 m/s. Automatische Granatwerfer auf Dreibein verschießen Granaten mit einer wesentlich stärkerenTreibladung mit 210–240 m/s, da derRückstoß nicht vom Schützen aufgefangen werden muss.
Antisabotagegranatwerfer DP-61 zur Abwehr vonKampfschwimmern
Die ersten Granatwerfer wareneigenständige Handfeuerwaffen, welche nur zu diesem Zweck gebaut wurden (zum Beispiel derM79). Der Nachteil war, dass der Schütze sich mit dieser Waffe nicht verteidigen konnte und eine zweite Waffe mitführen musste. Aus diesem Grund wurdenAnbauwaffen entwickelt, die an normalen Sturmgewehren befestigt werden konnte (zum Beispiel der M203). Der Schütze ist damit in der Lage, Granaten im Einzelschuss abzufeuern sowie mit seinem Sturmgewehr Projektile zu verschießen. Solche Waffen werden auch alsUnterlauf-Granatwerfer bezeichnet, da sie meist unter den Lauf der Schusswaffe anmontiert werden.
Später wurdenhalbautomatische Granatwerfer wie der südafrikanischeMilkor MGL entwickelt, im Prinzip ein auf ein sehr großesKaliber vergrößerterRevolver. Häufig eingesetzt werden seit demVietnamkrieg auchautomatische Granatwerfer (zum Beispiel derMk 19). Sie sind jedoch keineMaschinenkanonen. Die automatischen Granatwerfer verschießen Granaten mit stärkerer Treibladung in größere Entfernungen als die handgeführten Varianten und erreichenKadenzen von 320 Schuss pro Minute.
Mit einem handgeführten Granatwerfer soll es dem Infanteristen ermöglicht werden, über größere Entfernungen Gegner mit Granaten zu bekämpfen, ohne sich dabei zu sehr exponieren zu müssen. Durch den indirekten Steilfeuerbeschuss können auch Gegner hinter Deckungen bekämpft werden. Mit einem automatischen Granatwerfer wird die Effektivität einer für Infanteriewaffen großkalibrigen Granate mit der Feuerkraft einerMaschinenkanone vereint. Dabei bleibt die Waffe, im Gegensatz zu Maschinenkanonen, begrenzt transportfähig, indem sie in mehreren Teilen transportiert wird.Des Weiteren wird ein automatischer Granatwerfer auch als Bordkanone für leichte Militärfahrzeuge eingesetzt, die nicht oder nur bedingt in der Lage wären, eine Maschinenkanone zu führen.
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