Der Dienst wurde im Mai 2007 mit ausgesuchten, nur in den Vereinigten Staaten verfügbaren Ansichten vorgestellt.[1] Seither wurde das Angebot auf über 100 Länder ausgeweitet.[2] Deutschland nahm dabei infolge einer datenschutzrechtlichen Grundsatzdiskussion für längere Zeit eine Sonderstellung ein.
Bei den Rohdaten handelt es sich um digitalisierte 360-Grad-Panoramabilder, die mit ausgerüsteten Pkw und Fahrrädern[3] aufgenommen werden. Die Fahrzeuge haben auf dem Dach in etwa 2,9 Metern Höhe (in der Schweiz 2 Meter und in Japan 2,05 Meter,[4][5] beimGoogle-Bike etwas niedriger) neun Kameras montiert: acht Kameras für den 360-Grad-Blick, eine Kamera ist nach oben gerichtet. Zudem sind drei Lasermessgeräte zur dreidimensionalen Vermessung installiert. Durch die 3D-Daten soll es künftig in Google Earth eine räumliche Darstellung der Gebäude mit Street-View-Daten als Oberflächen geben. Der Erfassungsradius der von der deutschen FirmaSick AG hergestelltenLaserscanner beträgt etwa 50 Meter.
Außer Foto- und 3D-Daten sammelt Google jeweils auch Details zu lokalen Funknetzen, insbesondere Netzwerknamen (SSID), Verschlüsselungsstärke undMAC-Adressen. Die Daten sollen zur WLAN-basierten Ortung dienen.[6] In unverschlüsselten lokalen Funknetzen wurden übermittelte Daten aufgezeichnet.[7][8] Google verwendet dazu das ProgrammKismet.[9] Die Methode ist, unter anderem alsWardriving,[10] seit längerem bekannt. Im März 2011 verhängte Frankreichs DatenschutzbehördeCNIL eine Geldstrafe gegen Google wegen des Aufzeichnens der WLAN-Daten.[11]
Zur Nutzung der Street-View-Daten in Google Maps gelangt der Nutzer, indem er das gelb-orange Symbol eines stilisierten Männchens (Pegman) auf der rechten unteren Seite des Google-Maps-Interface mit dem Cursor in dem ausgewählten Gebiet auf einen bestimmten Ort zieht.[12] Straßen, für die Street-View-Daten verfügbar ist, sind blau unterlegt. Steht Street View für eine bestimmte Karte nicht zur Verfügung, ist das Männchen ausgegraut.
Das Bild ist mit der Maus um 360 Grad sowie nach oben und unten drehbar. In Google Maps sind Pfeile in das Bild integriert, um zum nächsten oder zurück zum vorherigen Panorama zu wechseln. Da etwa alle zehn Meter ein Foto gemacht wird, ist es möglich, eine Strecke virtuell in Google Maps oder Google Earth „abzufahren“.
Google verwendete vier Arten von Street-View-Kameras. Kameras der Generationen 1–, 2, 3 und 4 wurden verwendet, um Fotos in den Vereinigten Staaten zu machen. Die erste Generation war schnell überholt. Die zweite Generation setzte man in Australien ein. Kameras bis zur dritten Generation verursachten mitunter sichtbare Schatten in Bildern, die morgens und abends aufgenommen wurden. Aufnahmen mit Kameras der vierten Generation ersetzen alte Aufnahmen durch Bilder in nahezu HD-Qualität.
Im Februar 2010 führte Google an einemSchneemobil die vierte Generation der Street-View-Kamera mit, um Bilder der „Whistler Blackcomb Ski Slopes“ für dieOlympischen Winterspiele inVancouver (Kanada) aufzunehmen.[13] Im Oktober 2011 begann Google, Bahnstrecken für Street View zu erfassen. Die Verbindung zwischenThusis überSt. Moritz nachTirano gehört zumUNESCO-Welterbe, Google wurde dabei durch dieRhätische Bahn unterstützt.[14]
Seit der Einführung von tragbaren Kameras auf Rucksäcken, den sogenannten „Trakkern“, im Jahr 2012[15] können auch Bilder von Orten, die nicht per Auto zugänglich sind, aufgenommen werden. Nach US-Nationalparks haben Fußgänger Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt dokumentiert. Die Rucksack-Kameras sind in Rund zweieinhalb Metern Höhe und können auch für Aufnahmen auf Booten oder andernorts genutzt werden.[16][17][18] Kamerarucksäcke oder Streetview-kompatible Panoramakameras können zur Aufnahme für Streetview – auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz – kostenlos ausgeliehen werden. Organisationen, Unternehmen, professionelle Fotografen und Privatpersonen können damit für kulturell, historisch oder touristisch bedeutende Orte werben.[19] So nahm beispielsweise der dänische SchauspielerNikolaj Coster-Waldau 2017 medienwirksam die Google-Street-View-Bilder im grönländischen DorfIgaliku auf, dem Heimatort seiner FrauNukâka und seines SchwiegervatersJosef Motzfeldt.[20]
Im Mai 2017 begann Google, alle Street-View-Kameras aufzurüsten.[21]
Das Angebot wurde bis 2017 auf 87 Länder ausgeweitet und deckte 16 Millionen Kilometer Straßenzüge virtuell ab.[22] Ende 2020 rief man dazu rund 170 Milliarden Streetview-Bilder ab, deren Menge ständig erweitert wird. Gut 30 % aller Suchergebnisse in Google Maps oder Websuchen mit Karten liefern Streetview-Ansichten zurück. Im Jahr 2015 waren fast alle Länder der Europäischen Union, mit Ausnahme von Deutschland und Österreich, flächendeckend durch Google Street View erfasst.[23] Seit Juli 2023 wird das Angebot in Deutschland mit der Veröffentlichung neuer Bilder ausgeweitet.[24]
Länder, von denen Street-View-Aufnahmen verfügbar sind
Länder, von denen teilweise Street-View-Aufnahmen vorhanden sind[25]
Länder, von denen Street-View-Aufnahmen geplant werden (offiziell)
Länder, von denen Street-View-Aufnahmen geplant werden (inoffiziell)
Länder, in denen nur Aufnahmen privater Unternehmen verfügbar sind
Länder, in denen nur Street-View-Ansichten von Museen vorhanden sind
Google Streetview Art Car auf derCeBIT 2010Street-View-Fahrzeuge inWienStreet-View-Fahrzeug inGenfEin Google-Street-View-Dreirad, mit dem unter anderem die Aufnahmen inAdeje,Teneriffa, gemacht wurden
Ab Juli 2008 nahm Google deutsche Straßen in vielen Städten und Landkreisen auf und veröffentlichte, an welchen Orten weitere Aufnahmen geplant wurden.[26][27] Im August 2010 gab Google bekannt, dass der Kartendienst für die damals 20größten Städte Deutschlands bereitgestellt wird: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal. Google warb dafür im August 2010 mit ganzseitigen Anzeigen inZeitschriften,Tageszeitungen undRegionalzeitungen.[28][29] Ab August 2010 konnte man vor Veröffentlichung die Unkenntlichmachung des eigenen Hauses beantragen.[30] Nachträgliche Widersprüche sind ebenfalls möglich.[31] Google ließ die Unkenntlichmachung durch denTÜV Rheinland prüfen und bekam das TÜV-Rheinland-Gütesiegel.[32] Google räumte ein, dass es bei der manuellen Unkenntlichmachung vereinzelt zu Fehlern kommen kann. In solchen Fällen ist ein wiederholter Einspruch möglich, den Mitarbeiter bearbeiten. Insgesamt gab es 244.237 Anträge auf Unkenntlichmachung, die vor dem Start bearbeitet werden mussten. Diese Gebäude erscheinen unwiderruflich verpixelt, da Google sich verpflichtet hat, das Rohdatenmaterial zu löschen.[33] Zudem führte Google Gespräche mit dem hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.[34]
Obwohl zunächst keine Bilder aus Deutschland verfügbar waren, erfolgten nach Angaben von Google etwa eine Million Aufrufe pro Tag aus Deutschland, so viele wie aus keinem anderen Land, in dem Street View nicht angeboten wurde.[35] Ähnliche Dienste waren auch bei anderen Anbietern wie sightwalk,Navteq,Bing Maps für einige deutsche Städte geplant oder verfügbar.[36]
Im November 2010 wurden zum ersten Mal Bilder von in Deutschland liegenden Straßenzügen in Street View online gestellt. Neben der Möglichkeit, bekannte Objekte wie dasKanzleramt, dieSiegessäule oder zehnStadien der Fußball-Bundesliga zu betrachten, konnte der Betrachter auch in Teilen des bayerischen OrtesOberstaufen virtuell „spazieren gehen“.[37] Zwei Wochen später wurden die 20 nach Einwohnerzahl größten Städte online gestellt.[38]
Im April 2011 gab Google bekannt, den in Deutschland durch Street View abgedeckten Bereich nicht auszuweiten oder zu aktualisieren.[39] Damit galt Deutschland als das einzige größere westeuropäische Land, für das es weder aktuelle noch flächendeckende Streetview-Aufnahmen gab.[40] Dies führte zu in der Presse mitunter als „Zeitreise“ bezeichneten Effekten, weil sich die Realität seit 2008 vielerorts erheblich veränderte.[41] Seit 2017 immer wieder zu sehende Fahrzeuge von Google aktualisierten lediglich Kartendienste oder erstellten Präzisionskarten für zukünftigesautonomes Fahren.[42]Im Oktober 2019 berichtete dieWelt am Sonntag, dass Gespräche zwischen Google und der Hamburger Datenschutzbehörde liefen, um die aktuelle Rechtslage zu klären. Zur Diskussion stehe, ob der Rechtsanspruch auf Verpixelung weiterhin gelte und ob nun vielleicht eine andere Behörde zuständig sei, da Google seinen Europa-Hauptsitz nun in Irland hat. Auch Gespräche mit anderen Stellen seien geplant.[43]Von 2020 bis März 2022 (in Hamburg geplant bis August 2022) waren in Deutschland wieder Street-View-Autos unterwegs. Dies nährte Spekulationen auf eine Rückkehr des Dienstes nach Deutschland, laut Google werden die neuen Bilddaten jedoch nur zur Aktualisierung der Kartendienste genutzt, es gebe „keine Pläne“, die Bilder zu veröffentlichen.[44] Unterdessen hat der MitbewerberApple mit seinem in die Kartenanwendung integrierten 360-Grad-DienstLook Around in Deutschland 2022 erstmals eine vergleichbare Anwendung online gestellt.[45]
Entgegen vorheriger Aussagen von Google wurde im Juni 2023 bekannt, dass frühestens einen Monat später neue Street-View-Bilder veröffentlicht werden sollen. Unkenntlichmachungen können neu beantragt werden.[46][47] Vormalige Widersprüche verlieren mit den neuen Bildern ihre Gültigkeit.[48] Seit dem 25. Juli 2023 sind aktualisierte Aufnahmen sichtbar. Zudem werden die verfügbaren Regionen ausgeweitet.[24] Einige Tage zuvor wurden alte Aufnahmen aus den Jahren vor 2010 entfernt.[49]
InÖsterreich begann Google Street View im Jahr 2008.[50] Neben Schutz der Privatsphäre, Datenschutz und von anderen Persönlichkeitsrechten bestehen in Österreich insbesondere Bedenken, dass „potenzielle Einbrecher diese Internetdienste [Anm.: StreetView und Norc[51]] heranziehen könnten, um Wohngegenden auszukundschaften und ihre Einbruchsobjekte zu wählen.“ (BMI/Polizei).[52]
DieDatenschutzbehörde bewirkte 2010 eine Pause der Ablichtung der Straßenzüge in Österreich, nicht wegen der Bilder, sondern wegen mitaufgezeichneter Funknetz-Details.[50] Ein Auflagenbescheid Dezember 2010 legte fest, welche Einschränkungen Google einhalten muss, um die Street-View-Aufnahmen fortsetzen zu dürfen.[53][54] So werden zwar Gesichter und Autokennzeichen automatisch unkenntlich gemacht, es müsste zum Beispiel aber vor Kirchen, Spitälern oder Frauenhäusern der ganze Körper verpixelt werden, oder von Spaziergängern nicht einsehbare Privatgärten, die die hochgestellten Kameras erfassen können, retuschiert werden.[55]Da diese Auflagen nicht wirtschaftlich erfüllbar waren,[55] verzichtete die Firma für Österreich auf den Dienst.[56] Bestehende Aufnahmen wurden nach Angabe der Firma gelöscht,[55] doch ging im Juni 2015 eine Anzahl Einzelbilder in Wien kurz ans Netz. Nach Auskunft von Google Österreich handelte es sich um ein Versehen, es waren Aufnahmen von 2009/10, die seinerzeit nie online gestellt worden waren.[57]Seit November 2012 waren bei Google Street View Panoramaaufnahmen vonSkipisten der österreichischen SkigebieteIschgl undSölden verfügbar.[58] Einige weitere Sonderprojekte, bei denen den Datenschutzbestimmungen entsprochen werden kann, wie amRed Bull Ring inSpielberg oder im Stadion der Wiener Austria, wurden angeboten.[55]
Im Juli 2017 kündigte Google Austria an, dass ein spezielles Kamerafahrzeug Aufnahmen in Österreich machen werde, beginnend in Wien, Graz und Linz. Online verfügbar war der Dienst seit Juli 2018.[59]Seit Juni 2020 waren Verbesserungen zu verzeichnen. Neben der Aktualisierung der Aufnahmen in Städten wie Wien und Graz kamen auch einige Aufnahmen aus ländlichen Gegenden hinzu.[60]
Einsatz des Street-View-Rucksacks zu Fuß in New York City
In derSchweiz sind auf den 18. August 2009 die Großräume umBasel,Zürich,Bern sowie das Nord- und Westufer desGenfersees aufgeschaltet worden. Im Oktober 2010 fanden Aufnahmen in Großstädten statt. Ab Mai 2013 kamen Aufnahmen aus fast allen Regionen des Landes hinzu. Seit dem 19. Mai 2015 sind weite Teile der Schweiz mit Google Street View einsehbar.
Um den Vorgaben desBundesgerichts zu folgen, wurden einzelne Straßenabschnitte um sensitive Gebäude weggelassen. Damit entstehen vor allem in Städten Lücken.[61]
Aufnahmen imDisneyland Paris wurden im Herbst 2008 gemacht.Disney öffnete dafür die Tore etwas früher. Google-Mitarbeiter fuhren mit einem speziellen Fahrrad Wege im Park ab und machten Fotos. Laut Google ist das der erste Teil einer „Special Collection“.[63]
Der Dienst erfasst in denUSA bereits einen Großteil des Straßennetzes, nahezu alle Städte und Nationalparks können online eingesehen werden.
Die Ostküste der USA ist ungefähr zu 90 bis 98 Prozent abgedeckt. In der Landesmitte bzw. in der Wüstenregion sind die großen Städte und die großenInterstate Highways online verfügbar.An der Westküste sind mindestens 88 Prozent des öffentlichen Straßennetzes abgedeckt; nicht erfasst sind oft großräumigeGated Communitys. AufHawaii sind ein Großteil der StadtHonolulu sowie die Highways und einige Regionen der InselOʻahu abgedeckt. Auf der InselMaui sind die StadtKahului, die Hawaiʻi State Route 30 und kleinere Highways um und mitKīhei verfügbar. InAlaska sind kaum 15 Prozent des Bundesstaats abrufbar, die StadtAnchorage und die Region um die Stadt sind teilweise abgedeckt. Die Highways und die State Routes (so beidie A-1 oder der Dalton Highway) die den Süden mit dem Norden verbinden, sind ebenfalls teilweise online.
Nachdem seit September 2010 erste Aufnahmen derAntarktis in Street View verfügbar sind, fügte Google im Juli 2012 viele weitere Ansichten hinzu.[64] Dabei liegt der Fokus besonders auf Orten von wissenschaftlicher und historischer Bedeutung. Dazu gehören die Wohnorte der ForscherErnest Shackleton undRobert Falcon Scott, die maßgeblich an der Erkundung der Antarktis und des Südpols im20. Jahrhundert beteiligt waren. Google zählt die Hütte von Scott zu den besonderen Orten auf Street View, die imWorld Wonders Project gesammelt werden.[65]
DieSpecial Attractions ist eine Sonderkollektion der Street-View-Galerie, in der außergewöhnlicheAttraktionen derUSA aufgenommen wurden.[75] Diese Sonderkollektion ist nicht zu verwechseln mit derSpecial Collection, in der beispielsweise das Disneyland Paris enthalten ist.
Im November 2011 startete Google ein Street View ähnliches Projekt, bei dem dasAmazonasbecken im NordwestenBrasiliens erfasst wurde. Hierzu wurden spezielle Kameraboote und Geländefahrzeuge für denRegenwald und die Uferbereiche eingesetzt. Am 21. März 2012 wurden die Bilder, die entlang eines 40 km langen Uferstreifens nordwestlich vonManaus geschossen wurden, veröffentlicht. Die Anregung zu den Aufnahmen ging von derFAS, einer Organisation zum Schutz des Amazonasgebietes, aus. Man will damit möglichst vielen Menschen dieökologische Bedeutung des Regenwaldes nahebringen.[76]
Mittels der Fotos, die von denMars Exploration RovernSpirit undOpportunity aufgenommen wurden, können einzelne Gebiete auf dem PlanetenMars in 360-Grad-Panoramabildern aus der Beobachterperspektive dargestellt werden.
Im Oktober 2012 gab Google diverse Ansichten seiner Rechenzentren auf Street View frei, darunter zum Beispiel eineServerfarm im Ort Lenoir,North Carolina.[78]
Im März 2013 gab Google diverse Bilder derSeven Summits frei, darunterMount Everest sowieKilimandscharo. Die Aufnahmen wurden auf den üblichen Steigrouten aufgenommen und zeigen mitunter andere Bergsteiger und deren Zeltlager.[79]
Seit 23. April 2014 ist es möglich, Street-View-Bilder im Zeitablauf alsZeitreise anzusehen.Dadurch können Bilder am selben Ort von verschiedenen Jahreszeiten oder Baufortschritte an Gebäuden verfolgt werden.[80]
Erstens die Aufnahme von Personen und zweitens die Aufnahme von Privatwohnungen. Das erste Problem ist gelöst. Seit Mai 2008 machen spezielle Programme Gesichter von Passanten undKfz-Kennzeichenschilder durchWeichzeichnung unkenntlich. Google unterzog alle Bilder dieser Prozedur. In diesen automatisierten Prozessen kann es vorkommen, dass Gesichter oder Nummernschilder nicht völlig unkenntlich sind oder Bereiche behandelt werden, die weder ein Gesicht noch ein Nummernschild zeigen. Unbehandelte Gesichter oder Nummernschilder oder Bereiche, die irrtümlich nicht verwischt wurden, können über die Hilfefunktion an den Betreiber weitergeleitet werden.
Das Problem der Erfassung von Privathäusern und Wohnungen in Deutschland wird nach wie vor kontrovers diskutiert.[81] In den klassischen juristischen Kommentaren zumBundesdatenschutzgesetz (BDSG) wird das Problem ausführlich nur im Praxiskommentar von Bergmann, Möhrle und Herb behandelt. Demnach müsse die Zulässigkeit anhand von§ 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BDSG geprüft werden. „Zumindest bei Einfamilien- oder kleineren Mehrfamilienhäusern oder bei Gehöften“ sei das Speichern und zum Abruf Bereithalten dieser Häuserfassaden nach § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BDSG unzulässig.[82]
Der Datenschutzbeauftragte vonSchleswig-Holstein,Thilo Weichert, lehnte das Projekt Anfang Oktober 2008 in einer ersten Bewertung als unzulässig ab.[83] DerDüsseldorfer Kreis kam Mitte November 2008 zu dem Ergebnis, dass sich das Projekt nicht verbieten lasse, aber Gesichter, Kraftfahrzeugkennzeichen und Hausnummern zu verschleiern und alle Betroffenen rechtzeitig darauf hinzuweisen seien, dass sie jederzeit Einspruch gegen die Veröffentlichung sie betreffender Daten erheben können.[84]DasBundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) veröffentlichte dazu ein herunterladbares Musterschreiben.[85]
Ende April 2010 einigten sich Google und das BMELV auf verbesserte Datenschutzregelungen. Street View startete erst nach Berücksichtigung aller Einsprüche in Deutschland. Sammelanträge von Städten und Gemeinden werden von Google akzeptiert, zur Vereinfachung der Widerspruchsverfahren wollte Google mit demDeutschen Städtetag ein Verfahren entwickeln.[86]
2019 kam in einer nicht mit Google Street View zusammenhängenden Entscheidung derEuropäische Gerichtshof für Menschenrechte zum Ergebnis, dass Häuserfotos kein Persönlichkeitsrecht verletzen.[87] Der EGMR bestätigte damit die Entscheidung des OLG Köln und eine Nichtannahme-Entscheidung des BVerfG.
Mit den Fotos zeichnet Google zugeordnete Details lokaler Funknetze auf – auch aus unverschlüsselten Netzen zurWLAN-basierten Ortung. Dies führte zu Kritik.[88] Auf Nachfrage desBundesbeauftragten für den Datenschutz gestand Google im Mai 2010 ein, mehr als die bislang veröffentlichten WLAN-Daten gesammelt zu haben. So seien zusätzlich zu den im April veröffentlichten WLAN-Parametern Inhalte mitgeschnitten worden. Dies wurde von Datenschützern als rechtswidrig bezeichnet und stark kritisiert.[89] Im April 2013 erließ die zuständige Datenschutzbehörde Hamburgs einen Bußgeldbescheid gegen Google.[90]
Im Mai 2010 meldeten sich Befürworter von Street View zu Wort, die in einer geplanten Änderung desBundesdatenschutzgesetzes, wonach Eigentümer und Mieter von systematisch erhobenen und georeferenzierten Internetangeboten die Unkenntlichmachung der Haus-Abbildungen verlangen dürften, eine Aushöhlung derPanoramafreiheit sahen.[91][92] DerDeutsche Journalistenverband betonte, die Rechte der Bildjournalisten müssten gewahrt bleiben.[93]Konrad Lischka kritisierte auf Spiegel Online, dass deutsche Politiker verbindliche schärfere Kontroll- und Sanktionsregeln wie imSafe-Harbor-Abkommen vernachlässigten, stattdessen überböten sie sich mit Forderungen nach härterer Regulierung derGeodatendienste.[94] Der VerbandHaus & Grund befürchtete eine Klagewelle, da es zu Wettbewerbsnachteilen im Immobilienmarkt kommen könne. Jeder Mieter könne ohne Eigentumsnachweis eine Verpixelung beantragen.[95] Nach Angaben von Google erreichten das Unternehmen immer wieder Beschwerden von Nutzern, dass Bilder deutscher Straßen so alt seien.[96]
Im Vorfeld der deutschen Aufschaltung veröffentlichte der BloggerSascha Lobo ein nach eigenem Bekunden juristisch nicht gefestigtes Formular für denWiderspruch zum Widerspruch.[97] Es steht im Kontext mit Hauseigentümern und Bewohnern und Gewerbetreibenden, die wünschen, dass ihre Fassade, etwa wegen eines angenommenen Werbezwecks, im Google-Dienst sichtbar bleibt. Dies ist vor allem für Fälle gedacht, in denen dieser Wunsch gegen die Wünsche anderer, unerkennbarer Dritter steht. In der öffentlichen Diskussion[98] wurde angeführt, dass der Widerspruch einzelner Anspruchsinhaber gegen eine Darstellung in Street View und damit entgegen dem in Deutschland geltenden Recht aufPanoramafreiheit für die Allgemeinheit letztlich eine eher negative Signalwirkung für das jeweils unterdrückte Objekt haben dürfte, was eine vereinzelte Meinung blieb.
Forderungen von Datenschützern, dass Widersprüche gegen Veröffentlichungen von Fotos der Häuser für die in Google Maps eingebundenen Community-Fotos vonPanoramio,Flickr und ähnlichen Onlinediensten gelten müssen, erteilte Google eine Absage. Der Street-View-Produktmanager Andreas Türk sagte: „Wir werden keineZensur anUser-generated content betreiben.“ Die Bilder aus den Foto-Communitys seien frei im Netz verfügbar, Google zeige sie in Street View an, so wie die Google-Suche im Internet verfügbare Webseiten Dritter anzeige.[99]
Nach dem Start des Dienstes rief die vom Webaktivisten Jens Best initiierte AktionVerschollene Häuser dazu auf,[100] unkenntlich gemachte Häuser zu fotografieren und diese Bilder beispielsweise über den DienstPanoramio mittels Koordinatenangabe auf Google-Maps und Google-Earth zugänglich zu machen.[101]Im November 2010 kam es im Essener StadtteilBergerhausen zu Eierwürfen auf Häuser, deren Fassaden bei Google Street View verpixelt waren.[102]
Bereits am 21. August 2009, einen Tag nach der Veröffentlichung in der Schweiz, forderte derEidgenössische Datenschutz- und ÖffentlichkeitsbeauftragteHanspeter Thür Google auf, den Online-Dienst Street View für die Schweiz zu deaktivieren, da mehrere Gesichter undAutokennzeichen (schw.: „Kontrollschilder“) nicht unkenntlich seien und somit die Vereinbarungen zum Schutz der Privatsphäre von Seiten Google nicht eingehalten seien.[103][104] Nach einer Klage beimBundesverwaltungsgericht[103] einigten sich Thür und Google im Dezember 2009, dass Google Aufnahmen fortsetzen, aber nicht veröffentlichen darf, bis das Gerichtsurteil vorliegt.[103] Das Bundesverwaltungsgericht entschied am 30. März 2011, dass Google Street View gegen die Privatsphäre der Menschen und damit gegen schweizerisches Recht verstoße. Das Gericht stimmte fünf von sechs Empfehlungen des Datenschützers zu:[105][106]
Bilder dürfen in Street View nur sichtbar sein, wenn Gesichter und Autokennzeichen vollständig unkenntlich sind.
Google habe zu gewährleisten, dass die Anonymität von Personen im Bereich von sensiblen Einrichtungen gewahrt werde, insbesondere bei Schulen, Spitälern, Altersheimen, Sozialbehörden, Vormundschaftsbehörden, Gerichten, Gefängnissen undFrauenhäusern. Es gilt, „nebst den Gesichtern auch weitere individualisierende Merkmale wie Hautfarbe, Kleidung, Hilfsmittel von körperlich behinderten Personen“ zu verwischen.
Google müsse dafür sorgen, dass der Privatbereich, wie etwa umfriedete Höfe oder Gärten, nicht auf Bildträger aufgenommen und bereits bestehende Bilder dieser Art aus Street View entfernt würden.
Google habe mindestens eine Woche im Voraus darüber zu informieren, in welchen Städten und Dörfern in der darauf folgenden Woche Aufnahmen getätigt würden.
Google habe eine Woche vor Aufschaltung aufs Netz zu informieren, welche Dörfer und Städte aufgeschaltet würden.
Google zog im Mai 2011 das Urteil an dasBundesgericht weiter.[107] Das Unternehmen stellte sich auf den Standpunkt, dass der Dienst in der Schweiz eingestellt werden müsse, falls das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Bundesgericht bestätigt würde, da die Forderungen nicht erfüllt werden könnten.[108] Am 31. Mai 2012 gab das Bundesgericht dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten in fast allen Punkten recht.[109]
Google Japan musste auf Druck derRegierung wegen unzureichenderZensur handeln. Somit mussten dieStreet-View-Kameras um 40 Zentimeter gesenkt werden. Google Japan unternahm im Mai 2009 erneut Fahrten mit den tiefer gelegten Kameras. Es lagen Beschwerden vor, da es Einblicke in Wohnungen gab. Google gab von Anfang an den Personen die Möglichkeit, Beschwerden und Aufforderungen zur Löschung von Inhalten direkt abzulegen. Dies genügte demjapanischen Ministerium für Inneres und Kommunikation aber nicht. Im August wurde Google Japan aufgefordert, Bemühungen zum Schutz der Privatsphäre auszuweiten. Google müsse künftig öffentlich bekanntgeben, wo und wann der Aufnahmewagen fahren wird. Über eine Informationsbroschüre müssen lokale Behörden und betroffene Einwohner vor Street-View-Aufnahmen benachrichtigt werden. In solch einer Broschüre muss angegeben sein, wie sich die Bilder löschen lassen. Wer keinen Internetanschluss hat, müsse Beschwerden gegen eine unerlaubte Street-View-Aufnahme möglichst einfach vorbringen können. Hierfür richtete Google Japan einCallcenter ein.[103]
Darüber hinaus gibt es Klagen über Zweitverwendungen von Street-View-Bildern auf Webseiten von Drittpersonen. Google musste Abhilfe versprechen, indem sich künftig die entsprechenden Opfer direkt bei Google melden. Falls der Tatbestand der Ehrverletzung oder Belästigung gegeben ist, muss Google den Administrator der betroffenen Webseite auffordern, die Bilder sofort vom Netz zu nehmen. Weigert sich der Administrator, so wird die Webseite in der Google-Suche blockiert. Japan ist das erste von neun Street-View-Ländern, das sich der Problematik der Zweitverwendung angenommen hat.[103]
Google zeichnete bei Aufnahmefahrten für Street View – nach eigenen Angaben versehentlich – den Datenverkehr ungeschützter drahtloser Netzwerke auf. In den WLAN-Daten waren unter anderem E-Mails, Internetadressen und sogar Passwörter zu finden. Im März 2013 einigte sich Google mit den Generalstaatsanwälten von 38 US-Bundesstaaten darauf, eine Geldstrafe von sieben Millionen US-Dollar zu zahlen. Google sicherte zu, die Datensammlung komplett zu vernichten.[110]
Bildmaterial von Google Maps unterliegt GooglesUrheberrecht. Es darf weder von Privatpersonen noch von Firmen verwendet werden, wenn die Lizenzbestimmungen von Google nicht exakt eingehalten werden.[111] Zum Beispiel muss eine Privatperson, die ein Bild oder einen Ausschnitt aus Google Maps oder Google Earth benutzt, das Google-Logo in dem Bild belassen, um die Lizenzbestimmungen nicht zu verletzen. Zudem ist in den meisten Fällen eine Genehmigung erforderlich.[112]
Street-View-Bilder und Karten von Google Maps können aufMobiltelefonen oderPDAs angesehen werden. Auf Geräten mitApple iOS war Google Maps mit Street View bis einschließlich iOS 5 schon installiert. Auf vielenAndroid-Geräten ist Google Maps vorinstalliert, kann aber auch aus demGoogle Play Store bezogen werden. Neben den Versionen für iOS und Android gibt es eine aufJava-Basis, die mitWindows Mobile,Symbian undPalm OS kompatibel ist. Die Software kann manuell durch einen Download oder automatisch, durch Erkennung des Handys installiert werden. Von 2013 bis 2016 war der Dienst unter dem NamenWii Street U auch auf derWii U vonNintendo verfügbar.
Google stellte im Oktober 2012 Street View ohne Installation direkt imWebbrowser bereit, sofern erHTML5 oderAdobe Flash unterstützt. Sobald sich Nutzer an einem Ort befinden, für die eine dreidimensionale Ansicht vorliegt, signalisiert Google Maps dies durch ein zusätzliches Symbol. Nach einem Tipp darauf wird die Street-View-Darstellung geöffnet. Im Vergleich zur Desktop-Variante steht nur dieZoom-Funktion nicht zur Verfügung.[113]
Google bietet eineProgrammierschnittstelle (API), mit der man Google Street View und Google Maps in eigene Seiten einbinden kann. Hierzu ist bei Google ein Schlüssel-Text anzufordern, der eigene Seiten berechtigt, Anfragen an den Google-Maps-Server zu stellen. Dieser kann von Google gratis bezogen werden. Die API bietet viele Möglichkeiten, 360°-Panoramabilder auf eigenen Seiten zu konfigurieren, beispielsweise kann eine Zoomleiste eingeblendet werden, oder die Pixel-Abmessungen der Karten definiert werden.[114]
Ein Beispiel der Einbindung ist das BrowserspielGeoGuessr, bei dem dem Spieler ein zufälliges Panorama aus Google Street View angezeigt wird.Der Spieler muss nun anhand der Hinweise, die das Bild ihm gibt, herausfinden, wo dieses Foto aufgenommen wurde.[115]
↑Frederik Bombosch:360-Grad-Bilder: Google zeigt das Berlin, das es nicht mehr gibt. In:Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 6. November 2018]).
↑Pitcairn Islands Archives. In: Google Street View World. 12. Dezember 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. Januar 2023; abgerufen am 30. Januar 2023 (englisch).
↑Google Street View soll vom Netz. Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, 21. August 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 6. März 2012; abgerufen am 21. November 2010.