Gideon Botsch studierte Politikwissenschaft an derFreien Universität Berlin und erwarb 1997 sein Diplom mit einer Arbeit zurKontinuität nationalsozialistischer Europa-Konzepte im frühen Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Ab 1999 war erPromotionsstipendiat derHans-Böckler-Stiftung. 2003 wurde er amOtto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft mit der durchPeter Steinbach undJohannes Tuchel betreutenDissertation„Politische Wissenschaft“ im Einsatz. Das Deutsche Auslandswissenschaftliche Institut und die Auslandswissenschaftliche Fakultät der Universität Berlin 1940–1945 zumDr. phil.promoviert.[1]
2000 bis 2004 war er Lehrbeauftragter am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin und 2004/05 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenk- und BildungsstätteHaus derWannseekonferenz,[2] wo er eine neue Dauerausstellung mitgestaltete. Seit 2004 ist er Dozent amTouro College Berlin und seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, das der Universität Potsdam angegliedert ist, an der er auch als Lehrbeauftragter tätig wurde. 2007 wurde er Geschäftsführender Redakteur derZeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte. Seit 2010 ist erVertrauensdozent derHans-Böckler-Stiftung.[3] 2012 legte er eine umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte desRechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland vor.[4] 2014 folgte dieHabilitation (Heinz Kleger) und die Privatdozentur für Politikwissenschaft an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Seit 2015 koordiniert er überdies das Promotionskolleg Ludwig Rosenberg Kolleg „Historische Bezüge zwischen Arbeiterbewegung und Judentum“ des Moses Mendelssohn Zentrums und der Hans-Böckler-Stiftung. Seit 2018 ist Botsch außerplanmäßiger Professor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.[5]
In einem von zwei Berliner SPD-Kreisverbänden in Auftrag gegebenenGutachten[6] überThilo Sarrazins Interview inLettre International bezeichnete Botsch 2009 Teile von Sarrazins Äußerungen als „rassistisch, elitär und herabwürdigend“.[7] Das Landesschiedsgericht der Berliner SPD entschied, Sarrazin habe sich nicht rassistisch geäußert; er wurde deshalb zunächst nicht aus der Partei ausgeschlossen.[8] Erst 2020 schloss die SPD-Bundesschiedskommission Sarrazin wirksam aus der SPD aus.[9]
„Politische Wissenschaft“ im Zweiten Weltkrieg. Die „Deutschen Auslandswissenschaften“ im Einsatz 1940–1945 (mit einem Geleitwort vonPeter Steinbach). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2006,ISBN 978-3-506-71358-2.
Die NPD und ihr Milieu. Studien und Berichte. Klemm & Oelschläger, Münster 2009,ISBN 978-3-932577-41-3.
Politik des Hasses. Antisemitismus und radikale Rechte in Europa, als Hrsg. (=Haskala – Wissenschaftliche Abhandlungen. Bd. 44). Georg Olms Verlag, Hildesheim, 2010,ISBN 978-3-487-14438-2
Islamophobie und Antisemitismus – ein umstrittener Vergleich, als Mitherausgeber, De Gruyter, Berlin 2012,ISBN 978-3-11-026510-1.
Jugendbewegung, Antisemitismus und rechtsradikale Politik. Vom „Freideutschen Jugendtag“ bis zur Gegenwart, als Herausgeber mit Josef Haverkamp (=Europäisch-jüdische Studien. Beiträge. Bd. 13). De Gruyter Oldenbourg, Berlin u. a. 2014,ISBN 978-3-11-030622-4 [gehört zurAnne-Frank-Shoah-Bibliothek].
Wahre Demokratie und Volksgemeinschaft. Ideologie und Programmatik der NPD und ihres rechtsextremen Umfelds (=Edition Rechtsextremismus), Springer VS, Wiesbaden 2017.
„Umvolkung“ und „Volkstod“. Zur Kontinuität einer extrem rechten Paranoia, als Herausgeber mitChristoph Kopke (=edition pyrrhus, Bd. 5), Klemm & Oelschläger, Ulm 2019,ISBN 978-3-86281-148-9.
Rechtsrock. Aufstieg und Wandel neonazistischer Jugendkultur am Beispiel Brandenburgs, als Herausgeber mitJan Raabe und Christoph Schulze (=Potsdamer Beiträge zur Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung, Bd. 1), be.bra Verlag, Berlin 2019,ISBN 978-3-95410-229-7.
Rechtsparteien in Brandenburg. Zwischen Wahlalternative und Neonazismus, 1990–2020, als Herausgeber mit Christoph Schulze (=Potsdamer Beiträge zur Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung, Bd. 2), be.bra Verlag, Berlin 2021,ISBN 978-3-95410-278-5.
↑Rezension von Lars Legath:Gideon Botsch: Die extreme Rechte in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis heute, in:Sehepunkte, Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften, Ausgabe 12/2012, Nr. 7/8.