
DieZeitungGibraltar Chronicle wird seit 1801 inGibraltar herausgegeben und erscheint seit 1821 alsTageszeitung. Sie ist Gibraltars älteste Tageszeitung und weltweit die zweitälteste ununterbrochen inenglischer Sprache veröffentlichte Zeitung.[1]
Das Entstehen desGibraltar Chronicle steht in engem Zusammenhang mit derGarnison. Anfangs wurden Gefallenenlisten auf einem schwarzen Brett der Garnisonsbibliothek angeschlagen. Am 4. Mai 1801 wurde ein Bulletin mit derSchlagzeile „Continuation of theINTELLIGENCE FROM EGYPT received by His Majesty’s ship Flora in three weeks from Alexandria“ gedruckt. Der Bericht hatte vier Seiten, drei davon in Englisch und Französisch. Auf der vierten Seite gab es einen Artikel überNelsons Sieg bei derSeeschlacht von Kopenhagen und eine Liste der Offiziere, die seit der Landung inÄgypten gefallen waren. Die zweite Ausgabe erschien am 8. Mai 1801. Der erste Redakteur war ein Franzose namensCharles Bouisson, der sich 1794 in Gibraltar niedergelassen hatte.[2]

Die letzte Ausgabe desGibraltar Chronicle, die noch mitrömischen Zahlen nummeriert war, trug am 22. September 1804 die Nummer CLX (160). Die Veröffentlichung wurde dann für fünf Monate wegen derGelbfieber-Epidemie eingestellt, bis am 23. März 1805 die Nummer 161 erschien und danach wöchentlich eine Ausgabe mitarabischen Zahlen herausgegeben wurde.
Die ersten 160 Nummern enthielten wörtliche Auszüge aus derThe London Gazette und (im Original oder als Übersetzung) aus offiziellen spanischen, französischen und russischen Verlautbarungen sowie weiterhin Gerichtsbeschlüsse, Parlamentsdebatten und Proklamationen, Militär- und Marine-Depeschen, lokale Vorschriften, Wechselkurse und Berichte aus ausländischen Zeitungen. Sie enthielten nur wenige Briefe, Anzeigen oder Details von gesellschaftlichen Anlässen außer denjenigen, die mit dem königlichen Hof und den Aktivitäten der Mitglieder der Garnison in Verbindung standen. Daher hatte in diesen Tagen derGibraltar Chronicle wenig oder gar keine lokalen Inhalte. Die Zeitung wurde zu einem Preis von 1½Realen verkauft und die Leserschaft bestand größtenteils aus Beamten.[3]
DerGibraltar Chronicle behielt seinen militärischen Charakter bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein bei. Er wird derzeit von einem unabhängigen lokalenTrust herausgegeben.
DerGibraltar Chronicle veröffentlichte den Bericht über denSieg bei Trafalgar vom 21. Oktober 1805 zwei Wochen vor denLondoner Zeitungen: Bereits am 22. Oktober 1805 hatte diebritische Flotte ein Fischerboot getroffen, das die Nachricht nach Gibraltar brachte, die dort am 23. Oktober 1805 imGibraltar Chronicle auf Englisch und Französisch publiziert wurde. Die Veröffentlichung gab einen Brief von Admiral Collingwood an den Gouverneur von Gibraltar Henry Edward Fox wieder, in dem die Schlacht beschrieben wurde. Erst am 26. Oktober 1805, fünf Tage nach der Schlacht, konnteAdmiral Collingwood die Siegesbotschaft an Leutnant Lapenotiere übergeben, den Kommandanten eines kleinenSchoners, der auf dem Weg nach England war.PremierministerWilliam Pitt undKönig George III. erhielten die Nachricht deshalb erst in den Morgenstunden des 6. November 1805, was die Publikation inThe Times auf den 7. November 1805 verzögerte.[4][5]
Nur zwei vollständige oder nahezu vollständige Bestände desGibraltar Chronicle sind archiviert, und beide befinden sich in Gibraltar. Die Garnisonsbibliothek hält eine komplette Serie ab 1801 vor, darunter die Ausgabe mit der „Exklusivmeldung“ des Sieges bei Trafalgar. Eine nahezu vollständige Sammlung, bei der nur die ersten Jahre fehlen, gibt es in denGibraltar Archives.[6]