DerGibet de Montfaucon (französisch für „Galgen von Falkenberg“) war der wichtigste Galgen derKönige von Frankreich. Er stand am Fuße der AnhöheButte de Chaumont nordöstlich desmittelalterlichen Paris nahe der Straße nachMeaux (der sogenanntenroute d'Allemagne).
Der Galgen war denjenigen Delinquenten vorbehalten, die wegen Verbrechen gegen den König und den Staat verurteilt waren. Einfache Kriminelle wurden am nahegelegenenGibet de Montignygehängt.
Der NameFaucon geht wahrscheinlich auf eine FamilieFulco oderFaucon (deutsch: Falke) zurück, die im 12. Jahrhundert Eigentümerin des dortigen Landes war. 1189 verkaufte einRobert Faucon ein Stück des Landes an dieenclos Saint-Lazare.
Ein Galgen an der Stelle wurde erstmals urkundlich im September 1233 erwähnt. 1274 schrieb der DichterAdenès von Gehängten in Montfaucon.[1]
Die Errichtung des großenGibet de Monfaucon wirdEnguerrand de Marigny (geb. um 1260) zugeschrieben. Er war Berater des KönigsPhilipp dem Schönen. De Marigny selbst wurde 1315 verurteilt und in Montfaucon gehängt.
Der Galgen, auch bezeichnet alsgrande Justice de Paris, erhob sich auf einem gemauerten Steinsockel. Der quaderförmige Sockel war zwei bis dreiToise hoch (etwa vier bis fünf Meter). Hinter einer verschließbaren Pforte führte eine Steintreppe auf die sechs bis sieben Toise lange und fünf bis sechs Toise breite Plattform (etwa zwölf auf zehn Meter). Darauf standen 16 dicke, quadratische Pfeiler, 32 oder 33 Fuß hoch (rund zehn Meter), die mit hölzernen Querbalken verbunden waren. In der Mitte des Sockels war ein Keller gebaut, in dem die Gebeine der Gehängten entsorgt wurden.[2]
Zwischen 1440 und 1460 wurden zahlreiche Frauen auf dem Galgenberglebendig begraben.[3] Mitte des 16. Jahrhunderts, unter KönigKarl IX., hingen bis zu 80 Exekutierte gleichzeitig imGibet.[4]
Nachdem 1607 etwas südlich vonMontfaucon dasKrankenhausHôpital Saint-Louis eröffnet hatte, wurde die Zahl derExekutionen geringer. Die letzte Hinrichtung wurde 1629 ausgeführt, danach verwahrloste der Galgen.
1761 wurde der Galgen um etwa fünfhundert Meter nach Nordosten versetzt zwischen die GemeindenBelleville undLa Villette (nahe dem heutigenMarché Secrétan). Er stand dort, ungenutzt, als Symbol derjustice royale bis zu seiner Zerstörung während der Französischen Revolution.[5]
1823 sollen Steine des Galgens beim Bau des nahegelegenenCanal Saint-Martin für Brüstungen verwandt worden sein. Eine der Schleusen des Kanals wurde „Schleuse der Toten“(Écluse des Morts) benannt.
Überreste des Galgens wurden 1954 beim Bau einer Garage gefunden. Im10. Arrondissement,rue de la Grange-aux-Belles Nummer 53, nahe derPlace du Colonel Fabien, gruben Bauarbeiter alte Pfeiler, Pflastersteine sowie die Gebeine einer Frau aus.[6]
1978 wurde ein großer Wohnblock auf dem Gelände errichtet. Die offizielle Gedenktafel in derrue de la Grange-aux-Belles Eckerue des Écluses Saint-Martin nennt diePlace Robert Desnos, zwischen Wohnblock und Kanal, als Standort des altenGibet.[7]
Unter den Hingerichteten waren fünffranzösische Finanzminister, von denen vier postum rehabilitiert wurden.
48.8778432.368078Koordinaten:48° 52′ 40,2″ N,2° 22′ 5,1″ O