Geschwenda LandgemeindeGeratal | |
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| Koordinaten: | 50° 44′ N,10° 50′ O50.73138888888910.825833333333478Koordinaten:50° 43′ 53″ N,10° 49′ 33″ O |
| Höhe: | 478 m |
| Fläche: | 5,88 km² |
| Einwohner: | 1972 (31. Dez. 2018)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 335 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Januar 2019 |
| Postleitzahl: | 99331 |
| Vorwahl: | 036205 |
Geschwenda ist ein Ortsteil derLandgemeindeGeratal imIlm-Kreis inThüringen. Er liegt nordwestlich vonIlmenau direkt an derBundesautobahn 71 sowie derBundesstraße 88. Im lokalen Dialekt wird der Ort verkürzendSchwäng genannt.
Geschwenda liegt am Nordhang desThüringer Waldes in etwa 470 m Höhe. Der Ort wird vomWirrbach, einem Nebenfluss derZahmen Gera durchflossen. Westlich von Geschwenda liegt dieAlte Burg, ein 635 Meter hoher Berg, nach dem ein 874 m langer Tunnel derA 71 benannt ist. Südlich liegt der unbewaldete, 496 m hoheGeschwendaer Berg. Nördlich befindet sich der ebenfalls unbewaldete, 524 m hoheKammberg.
Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden:Liebenstein,Angelroda,Geraberg,Gräfenroda
Auf dem Dörrberg südwestlich von Geschwenda befand sich mit derAlteburg (auchRaubschloss genannt) ein Stützpunkt zur Kontrolle und Sicherung der Handelsstraße zwischen Geraberg und dem Thüringer Wald über den PassSchmücke. Die Burg stammte aus dem 12. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Gebäude und Mauern weitestgehend abgetragen.[2]
Der Ort wurde 1302 erstmals urkundlich in der SchreibweiseGyswende erwähnt. Damals schenkte Graf Günther vonKäfernburg dem Abt vonHersfeld und erhielt ihn als Lehen zurück. Zu dieser Zeit lautete der Name noch „Gyswenda“. Eine Deutung leitet diese Ortsbezeichnung von „schwenden“ ab. Ein „Geschwende“ ist ein durch Abbrennen des Gehölzes gewonnenes Stück Land – im Gegensatz zum Roden des Waldes. So zeigt das Ortswappen eine Tanne, aus deren Wurzeln Flammen schlagen.
Die Besitzer des Rittergutes waren seit alters her bis 1729 die Herren von Lichtenberg, von 1729 bis 1740 die Herren von Plassenberg, von 1740 bis 1760 der Herr von Röder, Fürstlicher Württembergischer Geheimrat, Burggraf und Erboberstallmeister. Sein Sohn verkaufte es 1760 an den Freiherrn vonBelmont. Nach deren Aussterben gehörte der Ort von 1829 bis 1920 zumSchwarzburg-Sondershäuser AmtArnstadt in derOberherrschaft. Der Ort war eine schwarzburgische Exklave, da er vom übrigen schwarzburgischen Gebiet getrennt lag.
Geschwenda war 1887 mit 1259 Einwohnern das größte Dorf in derSchwarzburg-Sondershäuser Oberherrschaft. Von 1920 an gehörte es bis 1952 zumLandkreis Arnstadt, zwischen 1952 und 1994 zumKreis Ilmenau und seit 1994 zumIlm-Kreis. Geschwenda hat sich 1993 derVerwaltungsgemeinschaft Oberes Geratal mit Sitz inGräfenroda angeschlossen. Mit Auflösung dieser am 1. Januar 2019 wurde Geschwenda ein Ortsteil Geratals.[3]
Entwicklung der Einwohnerzahl:
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember[1]
Der Ortsteilbürgermeister von Geschwenda ist seit dem 1. Juli 2022 René Buhr (CDU),[7] er wurde zuletzt bei denKommunalwahlen in Thüringen am 26. Mai 2024 im Amt bestätigt.[8] Buhr bildet zusammen mit acht weiteren Mitgliedern den Ortsteilrat. Zuvor waren von 1994 bis 2016 Ralf Groteloh (FWG) und von 2016 bis 2018 Berg Heyer (FWG) die ehrenamtlichen Bürgermeister von Geschwenda. Nach der Eingemeindung nach Geratal fungierte Berg Heyer von 2019 bis 2022 als Ortsteilbürgermeister.[9][10]
Seit dem 3. November 1990 besteht ein Partnerschaftsvertrag mit derGemeinde Diemelsee inHessen. Weitere Partnerschaften bestehen seit dem 14. Oktober 2006 mit der südfranzösischen GemeindeBelgentier und seit dem 11. November 2010 mit der südenglischen Gemeinde Ringmer.
Geschwenda besitzt einen historischen Ortskern mit für dieThüringerwaldregion typischenschieferverkleideten Häusern. Markant im Ortszentrum ist die ab 1741 errichtete spätbarockeDorfkirche St. Nikolai.
Im Jahr 1743 schlug der neu erbaute Kirchturm auf die daneben stehende Schule auf und zerstörte das Schulgebäude. 1886 wurde ein neues Schulgebäude gegenüber der Kirche erbaut, in dem sich heute das Ärztehaus befindet. Bereits 1904 wurde wiederum eine neue Schule errichtet, diese erhielt in der Inflationszeit zu Beginn der 1920er-Jahre einen weiteren, vier Räume umfassenden Seitenflügel. Der Mangel an Klassenräumen wurde 1985 durch den Erweiterungsbau des Schulgebäudes mit weiteren sechs Unterrichtsräumen und dem Sanitärbereich behoben.
Im Rahmen einer Aktion des EU-Programms „SOKRATES“ bestehen Partnerschaften zwischen der heutigenStaatlichen Grundschule Geschwenda und Schulen in Belgien, Dänemark, Nordirland und England.
Geschwenda ist ein wirtschaftlich starker Ort, der mit den FirmenKHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH, derStahl- und Förderanlagenbau GmbH, dem börsennotierten UnternehmenGeratherm, derUmweltsensortechnik GmbH und zahlreichen weiteren Firmen mehrere überregional tätige Firmen besitzt. Südlich des Ortes, direkt an der A71 liegt das Gewerbegebiet Geschwendas, in dem sich viele mittelständische Unternehmen angesiedelt haben.
Seit2004 besitzt Geschwenda eine Ortsumgehung, auf der dieB 88Ilmenau−Gotha verläuft. Dort befindet sich auch die 235 Meter lange, 40 Meter hoheWirrbachtalbrücke. Ungefähr zwei Kilometer südlich liegt dieA 71-AbfahrtGräfenroda. Des Weiteren existiert noch eine Straße nachAngelroda. Einen Bahnanschluss hatte Geschwenda nie, der Haltepunkt Dörrberg an derBahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen liegt jedoch nur etwa 1,5 km westlich des Ortes.
Wegen der ärmlichen Bodenerträge der Landwirtschaft wurde einst von Bauern aus den Nachbargemeinden der Spottvers: „In Geschwende hat das Brot ein Ende“ erdacht und in Umlauf gebracht. Mit der stürmischen Industrialisierung der letzten Jahre haben sich die Verhältnisse ins Gegenteil gewandelt.[11]