DieGeschichte Ecuadors umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet derRepublik Ecuador von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie lässt sich in acht Perioden einteilen. Die Region wurde bis ins 15. Jahrhundert von mehreren unabhängigen Völkern bewohnt. Für etwa ein Jahrhundert herrschten dieInkas über das Gebiet. Zwischen den 1530er und den 1820er Jahren war Ecuadorspanische Kolonie. Zwischen 1810 und 1830 erlebte das Land den Unabhängigkeitskrieg und wurde Teil vonGroßkolumbien und danach unabhängiger Staat. Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre war das Land geprägt durch die Auseinandersetzungen zwischen „konservativen“ Kräften aus derSierra und „liberalen“ Fraktionen aus derCosta, wobei der Exportboom vonKakao für eine dominante Stellung letzterer sorgte. Zwischen 1925 und 1947 war Ecuador geprägt von politischem Chaos, dem Zusammenbruch der Kakaoindustrie sowie derWeltwirtschaftskrise. Von 1947 bis in die 1960er Jahre erlebte das Land einen ökonomischen Aufschwung dank dem Anbau vonBananen und ersten Ansätzen einerIndustrialisierung. Seit 1973 bestimmt dieErdöl-Produktion die wirtschaftliche und politische Stabilität des Landes in zentraler Weise mit.
DiePräinkazeit kann ihrerseits in vier Abschnitte gegliedert werden:
Der Beginn der Präkeramikzeit fällt mit dem Ende derletzten Eiszeit und dem Einsetzen desHolozäns zusammen. Sie dauerte bis zirka 4200 v. Chr.
Die älteste bekannte Kulturstufe Ecuadors war dieLas-Vegas-Kultur (9000 bis 6000 v. Chr.). Sie konzentrierte sich auf die Pazifikküste mit Schwerpunkt auf derSanta-Elena-Halbinsel. In ihrer Entwicklung lassen sich drei Phasen unterscheiden. Zu Anfang waren ihre Kulturträger vorwiegendJäger und Sammler, die auchFischfang betrieben. Ab rund 6000 v. Chr. wurde zumAckerbau übergegangen, es wurden folglichFlaschenkürbis undMais kultiviert. Die best erhaltenen menschlichen Überreste aus dieser Epoche sind die so genanntenLiebenden von Sumpa, die im Kulturzentrum von Santa Elena ausgestellt werden.
Die Menschen derInga-Kultur (9000 bis 8000 v. Chr.) waren spezialisierteJäger der Sierra im Umfeld vonQuito. Mehrere, an einer uralten Handelsroute gelegene Fundstätten, können ihr zugewiesen werden.[1] Die gefundenen Steinwerkzeuge aus vorwiegendObsidian weisen große Ähnlichkeiten mit vergleichbaren Funden derFell’s Höhle inSüdchile und selbst mit den Riefenspitzen der nordamerikanischenClovis-Kultur auf.[2]
Während der dreiteiligenFormativen Periode erfolgte der Übergang von einer Jäger- und Sammlerexistenz mit einfachem Ackerbaumethoden hin zu einer komplexeren Gesellschaft mit nachhaltigen Entwicklungen (Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und erstmaliger Gebrauch vonKeramik). Im Küstenbereich entstanden dieValdivia-Kultur, dieMachalilla-Kultur und dieChorrera-Kultur, im zentralen Bereich der Sierra dieCotocollao-Kultur und dieChimba-Kultur. Im Osten Ecuadors (Oriente) bildeten sich dieMayo-Chinchipe-Kultur (4500 v. Chr. bis 1532), diePastaza-Kultur, dieChiguaza-Kultur und andere. In den SüdprovinzenCañar undAzuay profilierten sich zwischen 2000 v. Chr. und 600 dieCerro-Narrío-Kultur und dieChaullabamba-Kultur.[3]
Im 40. Jahrhundert v. Chr. setzte in der Küstenregion mit derValdivia-Kultur dieÄltere Formative Periode ein. Ihre reichhaltigen, unter den über ganz Ecuador verstreutenArtefakten finden sich die ältesten Keramiken Amerikas, darunter Schalen und Töpfe. AuchWebrahmen waren bereits bekannt. Aus Ton wurdenFrauenfigurinen gefertigt, die wohl bei religiösen Fruchtbarkeitsriten Verwendung fanden. Bemalte Muschelschalen wurden zuMasken umgestaltet. Erstmals wurde jetzt auch auf mit Segeln besetztenFlößen das Meer befahren. Handelsbeziehungen bestanden zu Stämmen imAnden- undAmazonasraum.
Anfang 2024 veröffentlichten Archäologen nach Jahrzehnten der Beforschung, dass amRío Upanofünf größere und zehn kleinere Siedlungen entdeckt worden waren, womit dort erstmals für die Zeit um 500 v. Chr. stadtartige Siedlungen belegt werden konnten („Gartenstädte“). In einem 300 km² großen Gebiet fanden sich rund 6000 künstlich aufgeschüttete, rechteckige Plattformen, deren Fläche meist 10 mal 20 m aufwies und die 2 bis 3 m hoch aufragen. Vermutlich zentraler Ort war eine Siedlung 35 km vomSangay-Vulkan entfernt. Das von Kanälen und breiten Straßen durchzogene Gebiet wurde bis etwa 300/600 n. Chr. unterhalten.Francisco de Orellana, der 1541 von diesen Gartenstädten berichtet hatte, fand keinen Glauben.[4]
DieMittlere Formative Periode wird durch dieMachalilla-Kultur repräsentiert, sie bestand zwischen dem 18. und dem 10. Jahrhundert v. Chr. Ihre Keramik war eine nahtlose Weiterentwicklung aus der Valdivia-Kultur, sie war jedoch generell dünnwandiger. Als Neuerungen tratenBügelgefäße und anthropomorphe Gefäße erstmals auf. Es wurden auch Statuetten gefunden, die den seltsamen Brauch derSchädeldeformation darstellen.
Die zurJüngeren Formativen Periode zählendeChorrera-Kultur lässt sich ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. nachweisen. Ihre Existenzgrundlage basierte bereits vorwiegend auf derLandwirtschaft. NebenMais undGartenbohne wurden auch Kalebassen und Kürbisse (Cucurbitaceae) angebaut. Gegen Ende der Kultur, das durch den Vulkanausbruch desPululahua um 476 v. Chr. beschleunigt wurde, kam erstmals derGoldhandel auf.

DiePeriode regionaler Entwicklung dauerte in etwa von 500 v. Chr. bis 500 n. Chr. Ihre Bezeichnung nimmt Bezug auf den hohen sozialen und politischen Organisationsgrad der damaligen Kulturen, deren autonome Gebilde vorwiegend natürlichen, geographischen Gegebenheiten folgten. Die Gesellschaften waren jetzt arbeitsteilig organisiert mit Priestern, Töpfern, Webern, Bauern und Händlern als Berufsständen. Im Küstenbereich Ecuadors etablierten sich dieTumaco-La-Tolita-Kultur, dieGuangala-Kultur, dieTejar-Daule-Kultur, dieJama-Coaque-Kultur und dieBahía-Kultur.
Im Küstengebiet Nordecuadors und Südkolumbiens war ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. dieTumaco-La-Tolita-Kultur anzutreffen. Ihre Handelsbeziehungen reichten bis nach Nordperu und in die Andenregion um Quito. DieGoldverarbeitung begann wegen der unweit im Hinterland liegendenSeifen schon sehr früh, das Edelmetall wurde später aber meist zuTumbaga legiert. Überhaupt erstmals in der Kulturgeschichte war die Verwendung vonPlatin im Zeremonialzentrum La Tolita Platin. Die Kultur bestand bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts.
DieGuangala-Kultur breitete sich ab dem3. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet zwischen Pazifikküste und der Cordillera Chongón-Colonche aus. Wesensmerkmale sind delikat gearbeitete Keramiken sowie anthropomorphe und zoomorphe Skulpturen. Zum ersten Mal wird in EcuadorKupfer verarbeitet und gegen Ende der Kultur im5. Jahrhundert aufgrund der Handelskontakte mit der Tumaco-La-Tolita-Kultur auch Gold und Platin.InCochasqui im Hochland findet sich monumentale Architektur der Prä-Inka-Zeit, welche einen südlichen Bereich der Tumaco-La-Tolita-Kultur einnahm und zwischen 950 und 1550 nach Christus datiert.[5]
Nördlich vonQuito ist von 850 bis 1500 in Ecuador dieCapulíkultur fassbar.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts eroberten die Inka unter der Herrschaft vonTúpac Yupanqui in langwierigen Kämpfen gegen dieQuitu-Cara das Gebiet bis in die Gegend vonPasto (heute Südkolumbien) und etablierten den Hauptort Quito als nördliche Hauptstadt ihres Reiches. Von hier aus errang der letzte Inka-HerrscherAtahualpa in einem mehrjährigen Bürgerkrieg gegen seinen BruderHuáscar die Macht.
Im Zuge derConquista eroberte kurz daraufSebastián de Belalcázar, ein Hauptmann desFrancisco Pizarro, die Gebiete zwischen dem heutigenPeru und demChibchareich und gründete 1534 die heutige Hauptstadt San Francisco de Quito. Von hier aus entdeckte die Expedition desGonzalo Pizarro 1546 den Amazonas, weshalb Ecuador immer wieder, aber letztlich vergeblich Anspruch auf einen Zugang zu diesem Strom erhob.
Als Vorläufer des heutigen Ecuador bestand während der gesamten Kolonialzeit dieReal Audiencia de Quito, die mit nicht immer genau bestimmten Grenzen zumVizekönigreich Peru und später zum von Peru abgetrenntenVizekönigreich Neugranada gerechnet wurde.
Im Jahre 1802 bereiste und erforschteAlexander von Humboldt die Gegend und bestieg denPichincha sowie die Hänge desChimborazo.
Im Bereich der Real Audiencia von Quito begannen die Bestrebungen nach Selbstbestimmung bereits 1809. Die 1810 ausgerufeneerste Unabhängigkeit von Ecuador, der „Staat Quito“, dauerte allerdings nur bis 1812, da vor allem die Spanier Perus ihre Truppen entsandten und dieSeparatisten militärisch besiegten. Danach wurden jegliche Aufstandstendenzen von den Spaniern nachhaltig unterdrückt.

Mit der BefreiungNeu-Granadas 1819 keimte erneut Hoffnung auf, die einen Aufstand in Guayaquil auslöste. Mit der Hilfe von außen, die zuerst von der argentinisch-chilenischenExpedition von San Martín in Peru und später aus Großkolumbien vonSimón Bolívar kam, gelang es schließlichAntonio José de Sucre, im Auftrag Bolívars, die Spanier im Jahre 1822 in der Schlacht amPichincha bei Quito endgültig zu besiegen und aus dem Land zu vertreiben. DieSchlacht am Pichincha (24. Mai 1822) brachte neben der Unabhängigkeit die Einverleibung als südliches Departement von BolívarsGroßkolumbien, das auch die Gebiete der heutigen Staaten Ecuador, Kolumbien,Venezuela undPanama, das bereits zur Kolonialzeit zu Neu-Granada gehört hatte, umfasste.
Die Republik Ecuador entstand im Jahre 1830 aus dem Zerfall Großkolumbiens. Die Namensgebung geht auf die französisch-spanische Expedition (unter Beteiligung vonCharles Marie de La Condamine,Pierre Bouguer,Louis Godin, sowie vonJorge Juan undAntonio de Ulloa) zurück, die im 18. Jahrhundert unter anderem zum ersten Mal die genaue Lage desÄquators vermessen hatte.
Erster Präsident der Republik Ecuador wurde GeneralJuan José Flores, ein Parteigänger Simón Bolívars. Er galt als Drahtzieher und Hauptprofiteur des nur auf unterster Ebene aufgeklärten Mordes an Sucre, der ebenfalls für das Amt kandidiert hatte. Er wurde 1845 durch die sogenannteMärzrevolution gestürzt. Wie schon in der Kolonialzeit verlor Ecuador Gebiete, vor allem in den östlichen, von Urwald bedeckten Landesteilen, an Peru.
1832annektierte Ecuador die bis dahin mehr oder weniger unbewohnten undherrenlosenGalápagos-Inseln, die in etwa 1000 km Entfernung vor der Küste des Landes liegen. Drei Jahre später, 1835, besuchteCharles Darwin im Rahmen der britischen Expedition derBeagle die Inselgruppe und sammelte dort Erkenntnisse, die ihn später zur Entwicklung derEvolutionstheorie führten.
Die gesamte weitere Geschichte des Landes war durch die schroffen Gegensätze zwischen Liberalen und Konservativen, Großgrundbesitzern und der indigenen landlosen Bevölkerung,Mestizen und Indianern, den rückständigen Provinzen und den Städten, dem Hochland und der Küste sowie der Konkurrenz zwischen der Hauptstadt Quito und der größten HafenstadtGuayaquil geprägt. Diese Gegensätze bewirkten eine mehr oder weniger bis heute durchgängig chaotische politische Entwicklung, die in kurzer Folge immer wieder durchPutsch und Gegenputsch, kurzen Bürgerkriegsepisoden und regionalen Partikularismus gekennzeichnet war. Zeitweise „regierten“ in Ecuador bis zu drei nominelle Staatsoberhäupter gleichzeitig.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt durch die Auseinandersetzungen zwischen konservativen und liberalen politischen Kräften. Nach der Absetzung von General Flores in derMärzrevolution dominierten zunächst liberale Kräfte, bevor der klerikal-konservativeGabriel García Moreno (in Allianz mit Flores) als Sieger aus dem Bürgerkrieg der „Nationalen Krise“ der Jahre 1859/1860 hervorging. Er verfolgte während seiner beiden Präsidentschaften ein umfassendes, vor allem auf das Bildungswesen und die Infrastrukturentwicklung ausgerichtetesModernisierungsprogramm. Andererseits unterdrückte er politische Gegner mit harter Hand, strebte an, das Land anfundamentalchristlich-katholischen Werten auszurichten, und räumte Ordensgemeinschaften wie denJesuiten großen Einfluss ein. So weihte er Ecuador als erstes Land derHerz-Jesu-Verehrung, einem Kult, der im 19. Jahrhundert für die Ablehnung des Liberalismus stand.[6] Er wurde 1875 ermordet.
Es folgten 20 Jahre erneuter politischer Instabilität. 1895 kam durch einen Putsch in Guayaquil der bereits seit über 20 Jahren an Aufständen gegen verschiedene Regierungen beteiligte GeneralEloy Alfaro an die Macht, und mit ihm begann die Epoche derLiberalen Revolution, die erneut ein insbesondere bildungs- und infrastrukturorientiertes Modernisierungsprogramm implementierte. Dies geschah allerdings unter der Moreno-Herrschaft entgegengesetzten Vorzeichen: Alfaro und seine Mitstreitersäkularisierten konsequent den ecuadorianischen Staat: Sie konfiszierten Kirchengüter, führtenReligionsfreiheit undZivilehe ein und stärkten die Oberhoheit des Staates im Bildungswesen. Alfaro wurde 1911 durch einenPutsch gestürzt, nachdem er versucht hatte, seinen gewählten Nachfolger Estrada zum Rückzug zu bewegen, um weiter regieren zu können. 1912 wurde er nach einem erneuten Versuch, die Macht zu ergreifen, festgenommen und gefangengesetzt. Er wurde im Gefängnis ermordet, sein Leichnam öffentlich verbrannt.
Nach der Liberalen Revolution lösten sich auch im 20. Jahrhundert gewählte und durch Militärputsch installierte Regierungen in raschem Wechsel ab, eine Festigung demokratischer Institutionen scheiterte am Einfluss desecuadorianischen Militärs. Im Durchschnitt wurde die jeweilige Regierung etwa alle eineinhalb Jahre durch einen militärischen oder zivilen Putsch gestürzt. Seit den 1940er Jahren wurden in Ecuador Erdölfelder gefunden und gefördert, was besonders in den 1970er Jahren zu einer Phase wirtschaftlichen Wachstums und relativer politischer Stabilität, allerdings meist unter Militärregierungen, führte. Ecuador gehört zu der 1969 gegründetenAndengemeinschaft, die seit 1995 eineFreihandelszone zwischen den Mitgliedsstaaten aufgebaut hat.
Eine bedeutende Rolle spielte jahrzehntelang der konservative PopulistJosé María Velasco Ibarra (1893–1979). Er war insgesamt fünfmal Präsident:
1972 wurde er in Zusammenhang mit der Entdeckung großer Erdölvorräte imAmazonas-Tiefland durch den Putsch des GeneralsGuillermo Rodríguez Lara gestürzt. Ecuador trat derOPEC bei.
Die Nachfolger dieser zunächst relativ stabilen, selbst ernannten national-revolutionärenMilitärdiktatur wurden 1979 durch den frei gewählten sozialdemokratisch orientierten PräsidentenJaime Roldós abgelöst, der am 24. Mai 1981 unter bis heute ungeklärten Umständenbei einem Flugzeugabsturz starb. Ihm folgte VizepräsidentOsvaldo Hurtado im Amt; diesem folgte 1984 der konservativeLeón Febres Cordero. Cordero folgten der sozialdemokratischeRodrigo Borja und der konservative ArchitektSixto Durán-Ballén (Präsident August 1992 bis August 1996). Diese drei Präsidenten regierten jeweils ihre gesamte verfassungsgemäße Amtszeit.
Bereits nach wenigen Monaten endete 1997 die Präsidentschaft vonAbdalá Bucaram, eines Schwagers von Jaime Roldós, im durch politische Unfähigkeit und Korruption hervorgerufenen Chaos, woraufhin der Präsident fluchtartig das Land Richtung Panama verlassen musste.
Eine neue Konstellation ergab sich, als in der Folgelinksgerichtete Militärs mittlerer Ränge in seltener Koalition mit indianischen Gruppen durch einen Putsch am 21. Januar 2000 den PräsidentenJamil Mahuad stürzten. Hintergrund waren vor allem die Proteste gegen die Abschaffung der eigenen LandeswährungSucre zugunsten desUS-Dollar. Nachdem kurz einTriumvirat aus dem IndianerführerAntonio Vargas, dem ehemaligen VerfassungsrichterCarlos Solórzano und dem ObristenLucio Gutiérrez die Macht übernommen zu haben schien, wurde schließlich – auch auf Drängen der US-amerikanischen Botschaft – der bisherige VizepräsidentGustavo Noboa als Präsident eingesetzt und vereidigt. Er amtierte 22. Januar 2000 bis 15. Januar 2003 und brachte Mahuads Amtszeit zu Ende.

Ecuador verlor 1904 große Teile seines nominellen Staatsgebiets im Norden und Osten an seine Nachbarländer Peru und Kolumbien, wobei es diese Gebiete nie wirklich kontrolliert hatte.
1941 marschierte dieperuanische Armee in den Süden von Ecuador ein und löste damit denPeruanisch-Ecuadorianischen Krieg aus. Das peruanische Militär brannte die Stadt Santa Rosa nieder, besetzte den wichtigen BananenhafenMachala und bedrohte Guayaquil. Ecuador musste daraufhin 1942 im Vertrag von Rio de Janeiro die Hälfte seines verbliebenen Territoriums an Peru abgeben, wobei auch hier wieder zum großen Teil Gebiete vor allem im Osten und Südosten am Amazonas betroffen waren, in denen eine ecuadorianische Verwaltung seit der Kolonialzeit de facto nie bestanden hatte.
Der letzte Grenzkrieg mit Peru um das Gebiet derCordillera del Condor amRío Cenepa brach Anfang 1995 aus. Die Streitigkeiten um die Auslegung des Rio-Protokolls wurde offiziell erst am 26. Oktober 1998 durch einen nunmehr als „endgültig“ bezeichneten Grenz- und Friedensvertrag beendet.
Bei denWahlen im Oktober 2002 traten neben den Ex-PräsidentenRodrigo Borja undOsvaldo Hurtado und dem MultimillionärÁlvaro Noboa auch der inzwischen zum Politiker gewandelte Lucio Gutiérrez an. Er gewann im zweiten Wahlgang mit 54 % der Stimmen die Präsidentschaftswahl, konnte aber keine dauerhaft stabile Regierung bilden, da er seine Wahlversprechen insbesondere im Bereich der Sozialpolitik kaum umsetzen konnte. Die Minister der an der Regierung beteiligten Plurinationalen IndianerbewegungPachakutik verließen daraufhin das Kabinett. Gutiérrez' eigene ParteiPSP verfügte nur über sechs von 100 Parlamentsmandaten, so dass er in der Folgezeit auf wechselnde Koalitionen und instabile Mehrheiten angewiesen war. Unter anderem ließ er verfassungswidrig Richterposten am Obersten Gerichtshof neu besetzen, um Ex-Präsident Abdalá Bucaram die Rückkehr aus dem Exil zu ermöglichen.
Zeitweise drohte Ecuador unverschuldet eine Verwicklung in denkolumbianischen Bürgerkrieg, da die Rebellen derFARC die Nordgrenze des Landes immer wieder überschritten, um die unwegsamen Gebiete südlich desPutumayo als Ruheraum zu nutzen. Weiter haben dieUSA im Jahre 2000 eine Marinebasis an der Pazifikküste inManta errichtet, um von dort aus kolumbianischeCocastrauch-Felder aus der Luft zu vernichten und dieGuerilleros zu bekämpfen.

Am 20. April 2005 wurde der Präsident nach etwa einmonatigen Demonstrationen in Quito, die ihm Unfähigkeit, Korruption und Vetternwirtschaft vorwarfen, in einer Sondersitzung desNationalkongresses seines Amtes enthoben; an seiner Stelle wurde der ehemalige VizepräsidentAlfredo Palacio vereidigt. Dieser war vom 20. April 2005 bis zum 15. Januar 2007 Präsident und führte die Amtsperiode Gutiérrez’ zu Ende. Sein Nachfolger wurde der vormalige WirtschaftsministerRafael Correa, der sich bei denWahlen 2006 in der Stichwahl gegen Álvaro Noboa durchsetzte. Correa setzte sich kurz nach Amtsantritt für eine Volksabstimmung über die Einberufung einerverfassungsgebenden Versammlung ein, die im April 2007 abgehalten wurde. Die Ecuadorianer stimmten mit deutlicher Mehrheit für den Beginn der Ausarbeitung einer neuen Verfassung, die schließlich Ende September 2008 in einer Volksabstimmung angenommen und zum 20. Oktober 2008 in Kraft trat. Anstelle des Nationalkongresses trat dieNationalversammlung, die am26. April 2009 erstmals gewählt wurde, zugleich stellte sich auch Präsident Correa zur Wiederwahl. Die stärkste Fraktion des 124 Abgeordnete starken Parlaments wurde mit 59 Abgeordneten Correas RegierungsparteiAlianza PAÍS und der Präsident erhielt im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit. Am17. Februar 2013 wurde Rafael Correa in dritter Amtszeit zum Präsidenten gewählt. Nach seiner Regierungszeit war die Staatskasse leer, nachdem in den Erdölboomjahren bis 2014 die Staatsausgaben verdreifacht und die Staatsverschuldung mehr als verdoppelt worden waren. Ein Gesetz, das das Wachstum der Staatsausgaben beschränkt hatte, war von Correa noch in seiner Zeit als Finanzminister ausgehebelt worden. Der Schuldendienst des Landes übertraf im Frühjahr 2017 die Bildungsausgaben.[7]
Nachfolger Correas wurde 2017 mit knapper Mehrheit sein WunschkandidatLenín Moreno. Er musste ein Haushaltsdefizit von 5,5 Prozent übernehmen und schlug bald einenneoliberalen Kurs ein. Um die Bedingungen für einen Kredit desIWF über 4 Mrd. US$ zu erfüllen, verfügte er Anfang Oktober 2019 die sofortige Streichung aller Subventionen auf Diesel- und Benzintreibstoff, was den Preis für Diesel etwa verdoppeln würde (allerdings auf immer noch vergleichsweise niedrige US$ 2,40 proGallone). Damit löste er landesweiteProteste, Straßensperren und Unruhen aus. Präsident Moreno rief den Notstand aus[8] und ließ den Regierungssitz von Quito nachGuayaquil verlegen. Am 7. Oktober hatten Demonstranten dreiErdölförderanlagen besetzt.[9] Correa hatte schon kurz nach Morenos Amtsantritt mit diesem gebrochen und später, aus dembelgischen Exil heraus, mit demMovimiento Revolución Ciudadana eine neue politische Bewegung gegründet.
Moreno verzichtete auf eine Kandidatur bei denPräsidentschaftswahlen 2021, gewählt wurdeGuillermo Lasso, während gleichzeitig die zuvor stärkste ParteiMovimiento PAÍS von Moreno aus dem Parlament verschwand.
DiePolitische Krise in Ecuador 2023 vom 9. Mai bis zum 17. Mai war eine Folge des Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Guillermo Lasso.Im selben Jahr erreichte Ecuador eine Welle der Gewalt durch die im Land aktivenDrogenkartelle, welche Ecuador alsTransitland fürKokain benutzen. DieMordrate übertraf diejenige von Mexiko. Vor diesem Hintergrund fandenvorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, nachdem Präsident Lasso unter Eindruck von Korruptionsvorwürfen das Parlament aufgelöst und damit auch die Neuwahl des Präsidenten besiegelt hatte. Der PräsidentschaftskandidatFernando Villavicencio wurde wenige Tage vor dem ersten Wahlgang im August 2023 ermordet und die Wahl sowie der zweite Wahlgang, den schließlichDaniel Noboa für sich entschied, unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen abgehalten.
Ab Sonntag, den 7. Januar 2024, eskalierte die Gewalt erneut, nachdem eine der Drogenbanden ihren Anführer aus einem Gefängnis befreit hatte. Es kam allein bis Dienstag durch verschiedene Banden zur Tötung von 10 Menschen (inGuayaquil) sowie zur Geiselnahme von 7 Polizisten und mindestens 139 Gefängnismitarbeitern, unter anderem bei einer weiteren Befreiung eines Anführers einer anderen Bande.[10] Am Montag verhängte Staatspräsident Noboa für 60 Tage den Ausnahmezustand über das Land.[11]