Germania magna im frühen 2. Jahrhundert, Karte von Alexander George Findlay aus dem 19. Jahrhundert
Ab derZeitenwende prägte der Kontakt mit den Römern die germanische Welt, wie auch die Entwicklung desRömischen Reiches sich zunehmend mit der germanischen Welt verband. In derSpätantike kam es im Verlauf der „Völkerwanderung“ zu weitreichenden Zügen mehrerer germanischer Stämme(gentes), die teilweise größere Verbände bildeten (sieheEthnogenese), und schließlich zu deren Einfall in das Römische Reich. Ihr Ziel war vor allem Teilhabe am Wohlstand des Imperiums, dessen Strukturen und Kultur sie keineswegs zerstören wollten. Einige dieser Gruppen gründeten Reiche nach antikem römischen Vorbild auf dem Boden desWestreiches, das um das Jahr 476 unterging. Elemente dergermanischen Religion und des religiösen Brauchtums wurden unter anderem durchAkkommodation in das angenommeneChristentum übertragen. In der neueren Forschung wird dabei die SammelbezeichnungGermanen zunehmend kritisch gesehen, da die so bezeichneten Gruppen sich niemals als Einheit verstanden hätten, sondern es sich um eine reine Fremdbezeichnung handle, die Unterschiede verwische.[1]
Die Herkunft des BegriffsGermanoí (griechisch Γερμανοί),lateinischGermani ist bis heute nicht zufriedenstellend geklärt. Unklar bleibt ebenso diesprachlich-etymologische Herkunft wie das genaue Alter des Begriffes. In der Forschungsgeschichte wurden sprachliche Wurzeln aus dem Lateinischen,Keltischen undGermanischen diskutiert. Die gelegentlich hergestellte Verbindung mitgermanisch*gaizaz, ‚Ger, Wurfspeer‘ gilt heute als widerlegt. Als unwahrscheinlich gilt aus phonetischen Gründen auch die Ableitung von lat.germānus ‚leiblich, echt, wahr‘, die schonStrabon vorschlug.[2] Am wahrscheinlichsten wird damit eine keltische Etymologie. Erwogen werden die Wurzeln vonaltirischgair ‚Nachbar‘ odergairm ‚Schrei‘, woraus die Benennungsmotive „die Nachbarn“ bzw. „die Schreienden“ resultieren.[3]
Der Germanenname bildete in der Antike einenvölkerkundlichen Oberbegriff für eine Großgruppe zwischenKelten undSkythen. Es handelte sich also in der Hauptsache um eineFremdbenennung bestimmter Völker und nur zum geringeren Teil und wohl erst sekundär um eineSelbstbezeichnung der germanischen Völker. Die rechts des Rheins siedelnden Völker blieben vor Caesarsgallischen Feldzügen (58–52 v. Chr.) weitgehend außerhalb des Horizonts der antiken Beobachter und wurden, als man von ihnen erfuhr, zunächst für Kelten gehalten oder zumindest nicht ausdrücklich von diesen unterschieden. Älteste historische Berichte über germanische Kulturen stammen von Begegnungen mit denGriechen und dem Römischen Reich; eigene Schriftzeugnisse wie zum BeispielRuneninschriften finden sich dagegen erst nach der Zeitenwende. Die Berichte der antiken Autoren zu den Germanen basieren dabei häufig nicht auf eigener Beobachtung, sondern auf Hörensagen. Der griechische ReisendePytheas ausMassalia berichtete bereits um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die ostgermanischenBastarnen drangen ab etwa 200 v. Chr. nach Südosten in das heutigeOstrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe derMakedonen und anderer Völker auf derBalkanhalbinsel verwickelt. Um das Jahr 120 v. Chr. zogen dieKimbern,Teutonen undAmbronen südwärts und brachten den Römern einige ernsthafte Niederlagen bei (Kimbernkriege).
Als ältester Beleg für den Volksnamen werden manchmal dieFasti Capitolini zum Jahre 222 v. Chr. angeführt.[4] Dort ist von einem Sieg desMarcus Claudius Marcellus „de Galleis et Germaneis“ („über Gallier und Germanen“) beiClastidium die Rede. Allerdings kann es sich bei dieser Erwähnung des Germanennamens auch um eine nachträgliche Umschreibung im Rahmen deraugusteischenFastenredaktion handeln.[5] Die erste zweifelsfreie Verwendung des Germanennamens findet sich um 80 v. Chr. beiPoseidonios.[6] Der Begriff bezog sich zunächst nur auf eine kleine Stammesgruppe im belgisch-niederrheinischen Bereich, deren Gebiet ursprünglich auf rechtsrheinischer Seite lag. Poseidonios schildert, dass diese „Germanen“ als Hauptmahlzeit Glieder gebratenen Fleischs zu sich nähmen und dazu Milch sowie unvermischten Wein tränken, und entsprach damit in gewisser Weise demBarbarentopos seiner Zeit.
Gaius Iulius Caesar berichtet in seinemDe bello Gallico für das Jahr 55 v. Chr. von den links des Rheins siedelndenBelgerstämmen derRemi,Condrusi,Eburones,Caerosi,Paemani undSequani, dass sie sich Germanen nannten, und bezeichnet diese Stämme (immer den Angaben der mit ihm verbündetenRemer folgend) alsGermani cisrhenani, nicht aber die (heute ebenfalls als germanisch geltenden)Atuatuci – die er für Abkömmlinge derKimbern hielt – und nur mit Einschränkungen dieAmbivarites.[7] Die Bezeichnungcisrhenani („linksrheinisch“) legt nahe, dass man die so benannten Stämme schon damals von den rechtsrheinischenGermani unterschied.
Im Laufe von Caesars Kriegsbericht wird der Germanenbegriff inhaltlich weiter aufgefüllt bis hin zu seiner umfassenden Erläuterung imGermanenexkurs des sechsten Buchs (53 v. Chr.). Hier verwendet Caesar auch explizit einen erweiterten Germanenbegriff, indem er den Rhein zur Kulturscheide zwischen Galliern am Westufer und Germanen östlich des Stromes erklärt und alles Land östlich davon alsGermanien bezeichnet.[8] Der AlthistorikerMischa Meier kommt deshalb zu dem Befund: „Caesar hat die Germanen erfunden“. Ethnisch-kulturelle Kriterien, nach denen Personengruppen objektiv als germanisch oder nicht-germanisch identifiziert werden könnten, gebe es nicht.[9]
Was Caesar dazu bewog, alle östlich des Rheins lebenden Völkerschaften mit Germanen zu identifizieren, ist in der historischen Forschung umstritten. Eine Erklärung könnte sich aus der Absicht des Feldherrn ergeben, den Rhein als Völkergrenze anzunehmen, derart eine tiefe Kluft zwischen Galliern und Germanen postulierend, und so sein militärisches Werk als „Eroberung Galliens“ darzustellen.[10]
In diesem Fall wäre die geographische Unterscheidung von Kelten und Germanen auch politisch motiviert gewesen, konnte sie doch dabei helfen, den Herrschaftsanspruch Roms auf alle linksrheinischen Gebiete zu festigen. Hatte Caesar schon zuvor unterschiedliche Gruppen, die sich selbst alsAquitaner,Kelten undBelger verstanden, vereinheitlichendGallier genannt, so übertrug er nun den Germanenbegriff auf verschiedene Völkergruppen rechts des Rheins.[11] Eine eindeutige Kulturscheide stellte der Rhein jedoch damals nicht dar, da sowohl östlich davon keltische als auch westlich davon germanische Gruppierungen siedelten, wie schon aus Caesars Bericht hervorgeht. Aus archäologischer Sicht lässt sich lediglich das Gebiet der keltischenoppida in nördlicher und östlicher Richtung abgrenzen. Die Definition Caesars wirkte sich fortan auch inethnographischer Hinsicht differenzierend aus.
Vor Caesar hatte man angenommen, dass nördlich derAlpen im Westen dieKelten und im Osten – durch den Fluss Tanaïs (heuteDon) von jenen getrennt – dieSkythen leben.Cicero kannte den Germanenbegriff Caesars im Jahre 56 v. Chr. noch nicht.[12] Aber schon fürPomponius Mela (um 44 v. Chr.) waren die südliche Grenze des Germanengebietes die Alpen, die westliche Grenze derRhein, die östliche dieWeichsel und das Gebiet derSarmaten, die nördliche die Meeresküste.[13] AuchPlinius der Ältere nennt in seinerNaturalis historia (um 77 n. Chr.) Germanen in den Alpen.[14] Noch Strabon beschrieb die Germanen in seinerGeographie (zwischen 20 v. Chr. und 23 n. Chr. verfasst) als ein den Galliern ähnliches Volk.[2] Auch der Zug der Kimbern, Teutonen und Ambronen wurde erst spät als Auftakt zur römisch-germanischen Konfrontation aufgefasst. Zur Zeit ihres Auftretens wurden die Kimbern noch nicht als Germanen identifiziert. ErstPlutarch prägte um 100 n. Chr. die Bezeichnung „Germanen“ auch für den nordseegermanischen Stamm, der zuvor überwiegend für keltisch gehalten worden war.[15] Der römische HistorikerTacitus teilt in seinerethnographischen SchriftGermania (frühestens 98 n. Chr.) zu den von ihm verwendeten BegriffenGermani undGermania mit:
„Die Bezeichnung Germanien sei übrigens neu und erst vor einiger Zeit aufgekommen. Denn die ersten, die den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben hätten, die jetzigenTungrer, seien damals Germanen genannt worden. So habe der Name eines Stammes – nicht eines ganzen Volkes – allmählich weite Geltung erlangt: zuerst wurden alle [rechtsrheinischen Völker] nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen bezeichnet, bald aber nannten auch sie selbst sich so, nachdem der Name einmal aufgekommen war.“[16]
Diese Nachrichten des Tacitus stimmen mit den von Caesar überlieferten Angaben der belgischen Remer aus der Zeit desGallischen Krieges überein.[17] Demnach wurden die rechtsrheinischen Stämme zuerst von den benachbartenGalliern in einem umfassenderen Sinn als „Germanen“ bezeichnet. Diese Ausweitung des Germanennamens wird heute meist darauf zurückgeführt, dass die Gallier die östlichen Invasoren als fremd oder andersartig empfanden und sich von ihnen abzugrenzen suchten. Die Römer hätten den Germanennamen dann von den Galliern übernommen.[18]
Von Tacitus stammt die Überlieferung einer mythischen Genealogie, nach der sich die Germanen aufTuisto, seinen SohnMannus und dessen drei Söhne zurückführten, die den Stammesgruppen derIngaevonen,Hermionen undIstaevonen ihren Namen gegeben hätten. Eine Variante habe noch dieMarsi,Gambrivii,Suebi undVandilii hinzugefügt.[19] Die Selbstzuordnung von Stämmen zu einer gemeinsamen Volksgruppe, wie sie sich in dieser mythischen Genealogie zeigte, lässt auf ein irgendwie geartetes Gefühl der Zusammengehörigkeit schließen.
In historischer Zeit kam es zu verschiedenenEthnogenesen im germanischen Bereich. Diese Tendenz zur Vereinheitlichung ging von verschiedenen Zentren aus und war häufig eher von außen als von innen her stimuliert. Dabei spielte auch die Infiltration geographischer Randgruppen an der Elbe und in Jütland sowie in Südskandinavien eine Rolle. NachReinhard Wenskus beförderten vor allem dieSueben eine Ethnogenese der Germanen im mitteleuropäischen Bereich.[20] Auch nach außen wirkte die Dominanz der Sueben, deren Tradition und Erscheinung bestimmend für die ethnographische Wahrnehmung und Beschreibung zahlreicher germanischer Stämme in der antiken Welt wurden. Dass sich letztlich nicht der Suebenname, sondern der ältere der Germanen durchsetzte, ist nach Wenskus auf die Konfrontation der Sueben mit den Römern zurückzuführen, die die politische Kraft des Suebentums gebrochen habe. Seit dem Ende des 5. Jahrhunderts ging die Außenwirkung des Suebennamens teilweise auf dieGoten über, so dass der Ausdruck „gotische Stämme“ für zahlreiche, meist ostgermanische Völker gebräuchlich wurde.[21] Für die Germania magna blieb es aber auch in dieser Zeit beim Germanenbegriff, neben dem die wandernden ostgermanischen Großstämme unter einer eigenen Identität – als Goten,Vandalen usw. – auftraten.
In jüngster Zeit wird in der Forschung verstärkt die Instabilität ethnischer Identitäten gerade in der Antike betont und dabei auch das vermeintlich dem nationalstaatlichen Denken des 18. und 19. Jahrhunderts entstammende Konzeptder Germanen in Frage gestellt. „Germane“ sei (wie „Barbar“) nur eine Fremdbezeichnung, die mehr über Griechen und Römer aussage als über die mit den Begriffen bezeichneten Gruppen und Individuen. Vereinzelt wird sogar gefordert,Germane undgermanisch im wissenschaftlichen Kontext überhaupt nicht mehr zu verwenden.[22]
Johannes Janssonius:Germaniae Veteris Nova Descriptio, an Tacitus, Strabon und vor allemClaudius Ptolemäus orientierte Karte des antiken Germanien von 1657
Der moderne Germanenbegriff baut auf der Begriffsbildung der antiken Schriftsteller auf, die spätestens im Zeitalter desHumanismus erneut aufgegriffen wurde. Obwohl bereits Tacitus Teile Skandinaviens zu Germanien zählte, ist die allgemeine Ausweitung des Germanenbegriffs auf Skandinavien eine spätere Entwicklung, die vor allem auf sprachlichen und ethnographischen Beobachtungen gefußt haben dürfte. Der schwedische Reformator und HistorikerOlaus Petri unterstellte im 16. Jahrhundert Schweden und Deutschen eine gemeinsame Herkunft. Im späten 18. Jahrhundert war die Idee einer historischen, ethnischen und sprachlichen Zusammengehörigkeit der nordischen Länder mit Deutschland unter den Gelehrten allgemeine Überzeugung geworden.Gottfried Wilhelm Leibniz schrieb in seinenUnvorgreifflichen Gedancken, betreffend die Ausübung und Verbesserung der Teutschen Sprache (postum 1717, Neudruck 1995, S. 22), dass alles, was die Schweden, Norweger und Isländer von ihren Goten rühmen, auch unser sei; diese Völker müssten für nichts anderes als Norddeutsche gehalten werden. AuchJohann Gottfried Herder teilte 1765 diese Auffassung in einer Rezension zu derEinführung in die Geschichte Dänemarks des Historikers Paul Henri Mallet.
Zur gleichen Zeit wurde der humanistische Germanenbegriff mit demromantischenVolksbegriff zusammengebracht und führte über die „Volksgeistlehre“ zur Vorstellung einer Kontinuität zwischen antiken Germanen und neuzeitlichen Deutschen.[23] Der Fortschritt derSprachwissenschaft im frühen 19. Jahrhundert erlaubte es, diesen Volksbegriff mit der nunals „germanisch“ titulierten Sprachfamilie zu verknüpfen. Auch der modern-archäologische Germanenbegriff ging von diesem sprachwissenschaftlichen Germanenbegriff aus: Weil sich der „Volksgeist“ auch in seinen materiellen Schöpfungen ausdrücke, wurden archäologische Fundtypen dann bestimmten Kulturgruppen zugeordnet, wenn eine durchgehende Besiedlung nachgewiesen werden konnte und diese mit den antiken Quellen vereinbar war, wie insbesondereGustaf Kossinna festhielt.[24] Im späten 19. Jahrhundert erlebte die Germanenforschung dank dem Bedürfnis nach einer nationalkulturellen Identitätsbestimmung einen weiteren Aufschwung, führte so zu wichtigen Erkenntnissen, aber auch zu einem verstärkten Rekurs auf die angenommene Geschichtskontinuität von den Germanen bis zum deutschen Kaiserreich des 19. Jahrhunderts, die schließlich in denGermanenmythosvölkischer Bewegungen und dann desNationalsozialismus münden konnte.[25] Zahlreiche Aussagen und Begriffsbildungen dieser älteren Germanenforschung sind daher inzwischen fragwürdig geworden.[26]
In jüngerer Zeit löste sich der einheitliche Germanenbegriff teils in verschiedene Germanenbegriffe auf. Dafür gab es mehrere Ursachen: Zum einen war die Identifikation von archäologischen Fundtypen mit einheitlichen Volksgruppen nicht mehr aufrechtzuerhalten. Auch der durchaus berechtigte Sprachstammbaum begründet noch keine wesensmäßige Einheit „germanischer Völker“. Die den unterschiedlichen Fachrichtungen (historische Forschung, Linguistik, Archäologie) eigentümlichen Germanenbegriffe sind daher heute nicht mehr unbedingt deckungsgleich, auch wenn eine engere Zusammenarbeit beispielsweise zwischen Archäologie und Linguistik, besonders im Zeichen derTopo- undHydronymie, durchaus alsDesiderat angesehen wird.[27] So sind dieSkandinavier nur im Bereich der germanischenPhilologie Germanen, nicht aber in der historischen Forschung zum Römischen Reich. Andererseits handelt es sich beim einzigen Volk, das sich nach antiker Überlieferung selbst als Germanen bezeichnete, nämlich den caesarischenGermani cisrhenani, vielleicht gerade nicht um Germanen, sondern um keltisch assimilierteBelger.[28] Wenn auch die Vertreter der prähistorischenJastorfkultur als Germanen benannt werden, dann wird der ethnographische Germanenbegriff auf Zeiträume übertragen, in denen es ihn – in antiker ebenso wie in moderner Ausprägung – noch nicht gab.
Die germanischen Sprachen zählen zur Westgruppe derindogermanischen Sprachen.[29] Die germanische Sprache in ihrer Urform bildete sich durch die erste oder germanische Lautverschiebung (sieheGrimmsches Gesetz undVernersches Gesetz) aus dem westlichen Indogermanisch heraus.
Ausgliederungsreihenfolge und „Verwandtschaftsverhältnisse“ (nicht nur) der westindogermanischen Sprachgruppen Balto-Slawisch, Germanisch, Keltisch und Italisch bleiben umstritten. Zu jeder engeren Zweierbeziehung gibt es Befürworter und Gegner. Keltische Entlehnungen in der Lexik des Germanischen beruhen auf dem kulturellen Kontakt der Eisenzeit um und vor 500 v. Chr. Insbesondere betreffen diese das Wortmaterial aus den Bereichen Herrschaft, Handel und Produktion von Waren. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches begann danach eine nachhaltige Wirkung der lateinischen Sprache auf die germanischen.
Die älteste umfassend schriftlich belegte germanische Einzelsprache ist dasGotische. Die teilweise zeitlich früher festsetzbaren sprachlichen Zeugnisse aus den sehr kurzen und teilweise schwer deutbaren Runeninschriften oder zeitlich zuvor aus Personennamen, Ortsnamen sowie anderen Begrifflichkeiten in antiken Quellen festgehalten, bestehen im Gegensatz zum Gotischen aus einzelnen nicht in Zusammenhang stehenden Nennungen.
Das ältereFuthark, die ersten germanischen Schriftzeichen
Eigenschriftliche germanische Zeugnisse setzen um 200 n. Chr. mit den ältestenurnordischen Runeninschriften ein. Die Bedeutung überlieferter Inschriften umfasst Namensnennungen und Besitzangaben, Herstellerinschriften, magische Inschriften, kultische Handlungen sowie das Totengedenken.[30] Die bekanntesten Schriftträger sind die monumentalen skandinavischenRunensteine. Die namentlichen Bezeichnungen der einzelnen Runen sind durchRunengedichte überliefert.
Die wesentliche frühzeitliche Übermittlung von beispielsweise historischen Informationen, seien es Dinge der Abstammung oder andere, erfolgte mündlich, und in diesem Bezug durch dasPreislied. Aus diesem hat sich die spätere Tradition der Heldensage entwickelt, als sich ein an das Lateinische angelehntes Schriftsystem für die Ermöglichung einer nennenswerten Literatur herausformte (Altnordische Schrift).[31] Bei den von Tacitus in Kapitel 10 derGermania beschriebenen „Zeichen“, im Zusammenhang der Losorakel, handelte es sich vermutlich eher um sonstig verwendete Symbole als um Runen im Sinne von Schriftzeichen. Gleichwohl sind einige von ihnen in die Runenalphabete integriert worden.[32]
Die erste eigentliche Form einer entwickelten germanischen Schriftsprache sind die gotischen Schriften. Die Goten nutzten, ursprünglich wie andere Stämme und Völker, die gemeinsame Runenschrift und ritzten diese ebenso in Gegenstände aus Holz und anderen Materialien (Ring von Pietroassa). Der gotische BischofWulfila entwickelte für die christliche Mission der Goten ein Alphabet, das sich aus griechischen, lateinischen und runischen Schriftzeichen zusammensetzt. Er nahm zeitlich gesehen die Entwicklung des nordischen Schriftsystems vorweg, aus denselben bedingten Umständen. Die Runenschrift alsMonumentalschrift ist unzulänglich für eine Schriftsprache, die literarisch umfassende Textinhalte nachhaltig und sinnschlüssig für eine lokale wie überregionale Gruppe von Rezipienten lesbar und begreifbar macht. Seine volkssprachige Übersetzung des Neuen Testamentes bildet, neben anderen gotischen Quellen, die Grundlage der vergleichenden Forschung zur germanischen Schriftlichkeit und Sprachlichkeit, durch den dargestellten umfangreichen gotischen Wortschatz. Die einzelnen Namen der gotischen Buchstaben sind durch die sogenannte Salzburg-Wiener Handschrift überliefert.[33]
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Historische Beschreibungen über das soziale, wirtschaftliche und politische Leben der Germanen speisen sich meist aus den Texten Caesars und derGermania des Tacitus[34], die jedoch in die Zeit und in den Kontext der Absichten der Verfasser zu stellen sind.[35] Aber einige Züge haben in der Wissenschaft eine allgemeine Anerkennung gefunden. Wesentliche Erkenntnisse bieten heute die Ergebnisse derArchäologie.
Die Germanen wohnten in verhältnismäßig kleinen Siedlungen. Aus der Größe der Bestattungsplätze (Brandgräber) der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Daneben gab es die aufwendigenPrunkgräber von Lübsow mit Körperbestattungen. Die Siedlungen entwickelten sich selten planmäßig. Ein Erbe daraus sind bis heute die so genanntenHaufendörfer in Deutschland und anderen Ländern des germanischen Kulturkreises. Häufig wurden die Dörfer von einer Art Zaun, selten durch eine richtigePalisade umgeben. Nur in den Grenzregionen zumRömischen Reich wurden mit Beginn der Feindseligkeiten und gegenseitigen Übergriffe die Dörfer mit Wällen oder Palisaden geschützt und bewacht.
Rekonstruiertes germanisches Dorf inFritzlar-Geismar, basierend auf Ausgrabungen an dieser Stelle
Jernalderhus, Rekonstruktion eines eisenzeitlichen Hauses um 400 im Moesgaard-Museum beiAarhus, Dänemark
Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern inSkelettbauweise wohnten. Da im Gegensatz zu Steinhäusern das Holz mit der Zeit verrottet, geben lediglich die archäologisch nachweisbaren Pfostenlöcher eine grobe Indikation über den Aufbau der Häuser. Die verbreitetste Art war das zwei- oder dreischiffigeLanghaus, sechs bis acht Meter breit und oft mehr als doppelt so lang. Unter seinem Dach beherbergte es sowohl die Familie als auch alleHalbfreien undSklaven sowie die Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Dies hatte vor allem den Vorteil, dass die Tiere dazu beitrugen, das Haus in den kalten Wintermonaten mitzuheizen. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen. Fenster besaßen die germanischen Häuser wohl nicht.
Obwohl die wichtigste Bestattungsmethode zur Zeitenwende die Verbrennung mit anschließender Urnenbestattung war, sind auch zahlreicheMoorleichen bekannt, die mit sehr unterschiedlichen Todesumständen verknüpft sind. Ab etwa 300 nimmt der Anteil derKörpergräber stark zu, wenn auch die Verbrennung bei einigen Kulturen weiterhin üblich bleibt.
Germanische Ratsversammlung, Zeichnung eines Reliefabschnitts derMark-Aurel-Säule zu Rom
Die Gesellschaft war in Freie, Halbfreie (Knechte) und Rechtlose (Kriegsgefangene, Sklaven) gegliedert. Zu bestimmten Zeitpunkten fanden Versammlungen der freien Männer (Volksthing) statt, bei denen wichtige Entscheidungen besprochen und getroffen wurden, so z. B. die Wahl eines Anführers. Nur diese und die Gaufürsten hatten beim Volksthing das Vorschlagsrecht. Die Gesellschaft warpatriarchalisch organisiert und die Hausgemeinschaft hatte eine besondere Stellung in ihr. Die Macht der Anführer[36] reichte nur bis zum Hausherrn, aber alle im Haus Lebenden unterstanden diesem, wobei die Aufsicht der Sippe einen Schutz vor Willkür bot. NachTacitus war dieEinehe verbreitet. Damit bildeten die Germanen eine Ausnahme unter den barbarischen Stämmen der Antike.
Grabfunde weisen auf eine zunehmende soziale Differenzierung in den ersten Jahrhunderten n. Chr. hin. Herausgehobene Personen wurden zunehmend unverbrannt mit reichen Beigaben bestattet, während sonst die Urnenbestattung weiterhin üblich blieb. Die Gemeinschaften waren durchGefolgschaften undHeerkönige geprägt und überdauerten politische Bündnisse. Die halbnomadische Lebensweise ließ ein stabiles Königtum nicht zu.
Im Laufe der Zeit bildete sich bei den germanischen Stämmen eine besondere Führungsschicht heraus, erkennbar auch an den sich verbreitenden Erdbestattungen mit Grabbeilagen. Die Kultgemeinschaften der früheren Kaiserzeit wurden durch Gefolgschaftsverbände abgelöst, die mehrere Stämme umfassen konnten. Heerkönige kamen aus führenden, angesehenen Familien, deren Herrschaft oft aber auf einzelne Personen beschränkt blieb. Es handelte sich um eine faktische Stellung infolge von Leistung (vor allem im Kampf) und selbsterrungener Macht. Es gab im Osten auch geteilte Königtümer, entweder bei mehreren Stämmen im Gesamtverband wie bei Kimbern und Alamannen, oder neben dem politischen einSakralkönigtum, so wohl bei denLugiern.[37] Ein monarchisches Königtum bildete sich erst imFrühmittelalter mit der Entstehung germanisch-romanischer Königreiche heraus. Die erste Erwähnung eines KönigsMaelo für die Sugambrer bei Augustus gilt als unsicher.[38] Der erste historisch bekannte Heerkönig germanischer Völker istAriovist. Seine Herrschaft war nicht auf einen einzelnen Stamm beschränkt. Zur Zeitenwende bildeten bereits dieSueben einen Großverband, der so auch von Tacitus beschrieben wurde.[39] Über die mit der germanischen Großstammbildung verbundenen sozialen Konflikte ist wenig bekannt und der Gegensatz vonArminius undMarbod kann hier lediglich als ein Beispiel dienen:
Arminius und Marbod
Der Cherusker Arminius († 21 n. Chr.) und der Markomanne Marbod († 36 n. Chr.) waren beide adliger Abstammung und verfolgten in Bezug auf Rom die gleichen Ziele, vor allem die Unabhängigkeit ihrer Stämme. Beide hatten die römische Kultur intensiv kennengelernt. Marbod war einige Jahre in Rom und stand in der Gunst vonAugustus. Nach seiner Rückkehr wurde er Stammesführer derMarkomannen. Arminius und sein BruderFlavus standen als Befehlshaber cheruskischer Einheiten in römischen Diensten und besaßen dasrömische Bürgerrecht. Arminius besaß denrömischen Ritterstand; die Cherusker hatten sich freiwillig den Römern unterworfen. In der folgenden Zeit spaltete der Konflikt mit den Römern auch die cheruskische Führungsschicht. Arminius heirateteThusnelda gegen den Willen ihres VatersSegestes. Es kam zu gegenseitigen Belagerungen. Segestes paktierte mit Varus und Germanicus, Arminius’ Onkel namens „Inguimer“ mit Marbod.
Für beide Heerführer war die adlige Abstammung notwendige Voraussetzung für den Aufstieg zumHeerkönig, jedoch allein nicht ausreichend. In der gegebenen historischen Situation waren auch militärische Erfolge gegen die Römer erforderlich und beide besaßen die nötige Kenntnis römischer Militärorganisation. Arminius errang den militärischen Erfolg im Jahr 9 n. Chr. durch einen Sieg über die drei römischenLegionen desVarus und konnte sich auch gegenüber den Angriffen desGermanicus 14–16 n. Chr. behaupten. Auch Marbod verfügte über ein Heer von vermutlich 70000 Fußsoldaten und 4000 Reitern, gegen dasTiberius 6 n. Chr. zwölf Legionen aufbot. Lediglich einpannonischer Aufstand verhinderte die direkte Konfrontation. Nach Verhandlungen wurde ein Frieden „unter gleichen Bedingungen“ geschlossen, der das militärischePrestige Marbods ungemein stärkte.[40] Vor allem Arminius konnte nach Ende der römischen Bedrohung die monarchische Gewalt nur aufrechterhalten, wenn er gegen Marbod kämpfte.[41] Im Jahre 17 n. Chr. kam es zur Schlacht, Marbod zog sich zurück, verlor sein militärisches Prestige, zwei Jahre später sein Königreich durchKatwalda und musste bei den alten Feinden um Asyl bitten. Dass es kein Konflikt zwischen Stämmen war, zeigt auch, dass Inguimer auf der Seite Marbods kämpfte. Arminius schließlich, dessen Macht zu groß wurde, brachten seine eigenen Verwandten um.[42]
Die Germanen waren hauptsächlichsesshafteBauern odertranshumanteViehzüchter[43], gingen aber, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zurJagd. Sie waren vor allem Selbstversorger. Neben der Land- und Viehwirtschaft gab es auch Handwerker wieSchmiede,Töpfer undTischler. Das Rad war bereits seit indoeuropäischer Zeit bekannt. Es gab in den germanischen Dialekten sogar zwei Wörter dafür (urgermanisch*raþą, daraus deutschRad, neben*hwehwlą, woraus englischwheel), vielleicht um das ursprünglicheScheibenrad von der Innovation desSpeichenrads zu unterscheiden.[44] Geld kannten die Germanen nicht, ihr Handel beschränkte sich auf reineNaturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt bis heute die Bedeutung des englischen Wortesfee ‚Gebühr‘, ursprünglich ‚Vieh‘.
Unter den Feldfrüchten kam derGerste eine besondere Rolle zu. VerschiedeneWeizenarten,Roggen,Hafer undHirse kamen – regional unterschiedlich – hinzu. Vor allem im Nordseeküstengebiet wurde dieAckerbohne angebaut, daneben auchErbsen,Flachs sowieNutzhanf. Gartenbau wurde ebenso betrieben; Obstbau wahrscheinlich nicht. Auch Wildfrüchte wurden gesammelt, zum BeispielEicheln[45], verschiedene Beeren (Brombeeren,Himbeeren,Walderdbeeren),Schlehen und Wildkräuter wieSpörgel, der in den Mägen einiger germanischerMoorleichen nachgewiesen werden konnte.Bienenhonig wurde von wildlebenden oder eingefangenenWildbienenvölkern gesammelt[46],Bienenzucht im heutigen Sinne gab es wohl nicht.
Gezüchtet wurden hauptsächlich Rinder, ebenso Schafe, Schweine, Ziegen und Geflügel sowie Pferde, Hunde und Katzen. Ebenfalls wussten die Germanen, wie Käse zubereitet wird. Die germanischen Sprachen kannten ein eigenes Wort für Weichkäse, das in denskandinavischen Sprachen im Wortost (‚Käse‘) fortlebt. Für Hartkäse wurde später das lateinische Wortcaseus (← dt.Käse) entlehnt.
Der einfachePflug war lange bekannt, vereinzelt wurde auch ein Scharpflug genutzt. Ebenso warenEgge,Spaten,Hacke,Harke,Sichel undSense in Gebrauch. Die Äcker ließen die Germanen regelmäßig brach liegen, und sie wussten um den Nutzen der Düngung. Getreide wurde hauptsächlich in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins Mittelalter nur die Oberschicht leisten.
Die ländlichen Siedlungen waren ebenso der Raum handwerklicher Tätigkeiten. Die Verarbeitung vonLeder oblag den Männern, währendTextilien von Frauen produziert wurden (Spinnen undWeben). Spezialisierte Handwerker – die immer auch noch Bauern waren – waren alsZimmerer,Tischler,Drechsler oderSchnitzer tätig. Ebenso wurdenEisen,Buntmetall,Bein sowieTon verarbeitet. Überörtliche Manufakturen bzw. Handwerksbetriebe waren selten. Es gibt keine Hinweise auf ein ausgebautes Straßennetz, Warenverkehr auf Rädern oder mit Schiffen. Jedoch sind römische Luxusgüter überall auf germanischem Gebiet zu finden. Umgekehrt wurden vermutlichBernstein,Pelze und von Römerinnen sehr geschätztes blondes Frauenhaar exportiert. Römisches Geld war in Besitz von vielen, diente jedoch nicht dem Geldverkehr. Eine eigene Münzprägung ist erst aus nachantiker Zeit bekannt.
Nach neuesten Erkenntnissen soll sich in der Nähe des heutigen Berlin bereits eine ArtHütten-„Industrie“ entwickelt haben. Der dort hergestellteStahl soll von hoher Qualität gewesen und vor allem in das Römische Reich exportiert worden sein. Auch der Schiffbau war bereits hoch entwickelt, wie dasHjortspringboot und dasNydamboot zeigen.
Die allgemeine Produktivität war wesentlich geringer als bei den Römern. Es gab Hungersnöte, und viele Germanen litten an Unterernährung, was zu einer relativ geringenLebenserwartung führte. Der Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht; Gelenkerkrankungen undBandscheibenschäden waren verbreitet.
Vorchristliche Religion und der Wechsel zum Christentum
Die Religion der Germanen[47] ist insgesamt betrachtet, über die Zeit- und Kulturräume der einzelnen germanischen Völker und Stammesgruppen hinweg, eine dezentral auf lokale Kultzentren bezogenepolytheistische Religion. Es scheint daher sinnvoll, eher von den mannigfaltigen, regional verschiedenen Kulten als von einem vereinheitlichenden Begriffsmuster auszugehen. Zudem kann man aus methodologischen Gründen nicht von einer Konstanz der religiösen Kulte ausgehen; vielmehr müssen (besonders im Verlauf derVölkerwanderung) immer auch die politischen und kulturellen Verhältnisse beachtet werden, denen die einzelnen Stammesgruppen ausgesetzt waren und denen die jeweiligen Zeugnisse zuzuordnen sind.
Grundlegende Merkmale der germanischen Religion lassen sich auf die durch Vergleiche mit anderen historischen Religionen (Indien,Griechenland, Rom, Kelten) erschlosseneindogermanische Religion zurückführen. Eine nachträgliche Beeinflussung könnte sich durch den kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt mit denKelten,Balten,Slawen und (spät) auch denRömern ergeben haben. Die religionswissenschaftliche Klassifizierung in den nordgermanischen, südgermanischen und gesonderten angelsächsischen Kultus erschließt sich aus der allgemeinen Quellenlage der schriftlichen und archäologischen Zeugnisse und ist durch die historischen Entwicklungen und Ereignisse bedingt.[48]
Quellen für die Rekonstruktion und Bestimmung der germanischen Religion sind im Wesentlichen drei Gruppen zuzuordnen:
Historische Berichte, Rechtstexte: Neben den Aufzeichnungen der antiken Historiker (Germania des Tacitus,Getica desJordanes) diverse mittelalterliche Missionsberichte und kirchliche Verbots- und Bußschriften wie das Christenrecht in derGulathingslov, dieIndiculien, Rechtsfragmente, wie zum Beispiel dieLex Salica, und Zusätze wie zu derLex Frisionum, dasaltsächsische Taufgelöbnis.
Archäologische Funde: Wie zum Beispiel Kult- und Opferplätze und die sogenannten „Fürstengräber“ samt Inventar aus Skandinavien und Westeuropa. Besonders die Funde aus Grabungen an ehemaligen Opfermooren und Seen können Aufschluss geben, wo schriftliche Quellen schweigen, oder, wenn je vorhanden, verloren sind. Herausragende Bedeutung haben:Thorsberger Moor,Opfermoor Niederdorla,Nydamer Moor,Moorfund von Vimose.
Philologisch erschlossene Quellen aus Sprache und geformter Sprache wie Dichtung und Inschriften (Runentexte): Diehochmittelalterlichen Literaturen Nordwestskandinaviens, Islands und Norwegens die schriftlichen Hauptquellen, vor allem dieSagas und die Sammlung derLieder-Edda sowie derProsa-Edda. Kurze Versfragmente und Texte wie dieMerseburger Zaubersprüche, namenkundliche Quellen wie Ortsnamen. Inschriften auf archäologischen Funden wie auf derBügelfibel von Nordendorf, dieBrakteaten und Runensteine sowiegotländische Bildsteine.
Grundsätzlich prägend für die germanische Religionsgeschichte war der Übergang von der Jagdgesellschaft zur bäuerlichen Kulturform und später der Übertritt zur christlichen Religion. In der etwa zweitausendjährigen Periode zwischen diesen epochalen Zäsuren war die germanische Religion als solche mit ihren regionalen Unterschieden in ihren Grundzügen relativ stabil. Aus der vorhistorischen Zeit ist aus Funden in Opfermooren und bronze- und eisenzeitlichenGrabhügeln ein ausgeprägter Toten- und Ahnenkult durch die Deponierung von Urnen oder Keramiken mit Resten von organischen Inhalten bekannt. Andere Votivgaben sind Schmuckgegenstände und Güter des alltäglichen Gebrauchs. Zu diesen Funden kommenanthropomorphe Pfahlgötter, Figuren aus grob bearbeiteten Holzbalken, wie zum Beispiel dasGötterpaar von Braak. Diese Figuren wurden durch die Herausarbeitung der primärenGeschlechtsmerkmale deutlich erkennbar als männlich oder weiblich gestaltet. Ein Begriff für „Gott, Gottheit“ aus späteren Perioden,Ase, geht auf das gemeingermanische Wort*ansuz, ‚Pfahl, Balken‘ zurück. Die Zuordnung zu einer bestimmten namentlich aus späterer Zeit bekannten Gottheit beiderlei Geschlechts ist nicht möglich, außer einem gewissen Fruchtbarkeitskult durch die Geschlechtstypisierungen im Zusammenhang mit derHierogamie.
Der Zusammenhalt der germanischen Stämme in historischer Zeit wurde vor allem durch einen gemeinsamen Götter- und Ahnenkult und gemeinsame Opferhandlungen begründet. Teilweise kamen auch verschiedene Stämme zu gemeinsamen Riten zusammen und bekräftigten so ihr Bündnis (Nerthuskult). Allgemein waren die religiösen Handlungen der germanischen Kulturen jedoch sehr vielfältig, so dass Götter wie in vergleichenden polytheistischen Systemen des Mittelmeerraumes sowohl unterschiedliche Bezeichnungen, als auch unterschiedliche Attribute aufweisen. Wie in anderen indogermanischen Religionssystemen wird auch in der religiösen Praxis der Germanen die Möglichkeit desHenotheismus erwogen. Unter den Göttern sindOdin (Wodan),Thor (Donar),Tyr (Ziu) undFreyja die bekanntesten, die sich auch in unseren heutigenWochentagsnamen widerspiegeln. Der südgermanischen Gottheit Nerthus (sprachlich ein Neutrum, jedoch beiTacitus alsTerra Mater, ‚Mutter Erde‘ erläutert) entsprach vermutlich der skandinavische GottNjörðr männlichen Geschlechts. EintranszendentalesGottesverständnis war den Germanen wohl fremd und entwickelte sich erst spät in der Auseinandersetzung mit dem Christentum, nachweislich durch nordwestnordische Quellen.
Tempelbauten wie bei den Römern waren selten. Die Götter wurden meist auf Waldlichtungen, in heiligen Hainen und an heiligen Gewässern bzw. Mooren verehrt, teilweise mit Menschen-, in der Regel aber mit Tieropfern. Diese sakralen Orte wurden durch Einhegungen von der profanen Umwelt separiert, dementsprechend gilt bei natürlichen Örtlichkeiten wie Hainen, dass diese Waldungen kultiviert wurden und so eine sichtbare Trennung bewirkt wurde (Flechtwerkzäune aus Gehölzruten). Im angelsächsischen Siedlungsbereich und im römerzeitlichen Süddeutschland übernahmen einwandernde Germanen teilweise Kultstätten der verdrängten oder assimilierten keltischen Vor- und Restbevölkerung. Für die Völkerwanderungszeit und den kontinentalen Bereich sowie zur Wikingerzeit für Skandinavien lassen sich durch schriftliche Quellen und durch den Wortschatz Tempelbauten beziehungsweise Kultorte mit einer gewissen konstruktiven Substanz bestätigen oder rückschließen (vgl. denTempel von Uppsala).
Das Opfermoor bei Niederdorla in Thüringen, mit rekonstruierter Holzstatue als stilisiertemIdol (Bildmitte)
Der besondere Begriff für die Opferhandlung lautet altnordischblót (in Varianten auch in der altenglischen und althochdeutschen Sprache belegt) mit der Bedeutung von ‚stärken, anschwellen‘; eine sprachliche Verbindung zum BegriffBlut und im übertragenen Sinn eines blutigen Opfers besteht nicht. Die dargebrachten Opfer waren dabei vor allem Bitt- und Dankopfer. Geopfert wurde individuell im privaten Kult, aber auch gemeinschaftlich, dann auch zu festen jahreszeitlichen Anlässen wie im Frühjahr, im Mittsommer oder zum Herbst und Mittwinter. Beim Opfer, das konkret einer Gottheit bestimmt war, wurde zum einen das Idol symbolisch „gespeist“, zum anderen hatte durch den Verzehr des Opfermahls – bestehend aus den gegarten Opfertieren – die Opfergemeinschaft Anteil. Auch Waffen und andere militärische Ausrüstung, vermutlich von besiegten Feinden, wurden an diesen Orten dargebracht. Auffällig ist, dass geopferte Waffen zuvor unbrauchbar gemacht wurden. Teilweise sind diese Gegenstände von hohem materiellen wie ideellen Wert (Schwerter, aber auch Schmuck,Fibeln), wodurch der kultisch-rituelle Bezug ersichtlich ist (Brunnenopfer von Bad Pyrmont). Menschenopfer sind aus historischer Zeit teils in der ethnographischen Literatur belegt, wie beispielsweise die Opferung eines Sklaven beim Nerthuskult, die Tacitus beschreibt. Die archäologischen Fundauswertungen zeigen, dass Menschenopfer statistisch gesehen sehr selten praktiziert wurden. Auch für die in Norddeutschland und Dänemark gefundenen Moorleichen, die oft mit Menschenopfern in Verbindung gebracht werden, gilt: Lediglich ein kleiner Teil der etwa 500 Funde weist sicher auf einen kultischen Hintergrund hin (sieheGrauballe-Mann). Im Zusammenhang mit Menschenopfern ist eine bedingte kultischeAnthropophagie nachgewiesen, die aufanimistische Züge der germanischen Religion verweisen.[49]
Ein weiterer Begriff für Opfer, beziehungsweise die Opferhandlung war altenglischlāc (von urgermanisch*laikaz, vgl. nordischleikr, gotischlaiks) mit der Bedeutung, Spiel, Tanz, Kampf‘, scheint nahezulegen, dass die Kulthandlungen durch rituelle Tänze oder Umzüge begleitet oder initiiert wurden. Ein organisierter oder besonders kenntlich gemachter Priesterstand ist für die frühe historische Zeit nicht bezeugt. Zu dieser Zeit wurden sakrale Handlungen durch die Familien- und Sippenhäupter durchgeführt. Im Laufe der römischen Kaiserzeit und in der Zeit der Völkerwanderung werden priesterliche Strukturen erkennbar, die aber immer noch stark privaten Charakter trugen. Diesbezüglich dienen vor allem angelsächsische und isländische Belege als Nachweise, wie zum Beispiel für den isländischenGoden. Entsprechend den weiblichen Gottheiten gab es weibliches Kultpersonal. Zu diesen zählten auch Seherinnen.[50]
Zum kultisch-rituellen religiösen Spektrum gehört ebenfalls die Magie, der Zauber durch Losorakel, wie schon durch Tacitus beschrieben, mit der Nutzung vonRunen als Medium, sowie derRunenzauber an sich, welcher sich in denRunengedichten und Runenalphabeten zeigt(Abecedarium Nordmannicum,Tiwaz), und runische Formeln als Inschriften aufBrakteaten wieauja „Glück“ undlaukr „Lauch“ (als magisch wirkende Pflanze). Erhaltene Zaubersprüche wie dieMerseburger Zaubersprüche oder altenglische Zaubersprüche wie derCanterbury Charm zeigen noch die alten Schichten oder Nachklänge der germanischen Religiosität an. Magie und Zaubersprüche konnten eineapotropäische, schadenabwehrende sowie eine heils- und heilbringende Funktion erfüllen, ebenso aber auch der Verfluchung dienen und Schaden und Unheil bringen. Weihesprüche, Ansprachen innerhalb der Zaubersprüche oder in Runeninschriften haben im Norden oft einen Bezug zu Thor; auf dem Kontinent wird im zweiten Merseburger Spruch und auf derNordendorfer Runenspange zudem oder auch allein Wodan genannt.
Eine monographische Gesamtdarstellung der Christianisierungsgeschichte der Germanen fehlt bisher. Diese Geschichte muss in drei großen, in Raum und Zeit unterschiedlichen Verläufen gesehen werden:
die Verbreitung des gotischen arianischen Christentums im 4. bis 6. Jahrhundert,
die Christianisierung des fränkischen Reiches vom Ende des 5. bis zum frühen 9. Jahrhundert und die der Angelsachsen vom Ende des 6. bis zum 7. Jahrhundert,
die Christianisierung des Nordens Europas im 10. und 11. Jahrhundert.
Die Goten waren die ersten, die an der unterenDonau und auf derKrim mit demChristentum in Form desArianismus in Berührung kamen. Die abwertende Fremdbezeichnungarianisch – nach dem alexandrischenPresbyterArius († 336) – bezeichnet eine um 350 entstandene Position, die in den Streitigkeiten um die Trinitätslehre vermitteln sollte und die in der römischen Staatskirche zeitweilig (im Ostteil des Reiches bis 378) offizielle Geltung besaß. So wurde sie einerseits von den reichsansässigen sogenannten KleingotenWulfilas, für den allerdings Jesus Christus im Widerspruch zu der Lehre des reinen Arianismus „Gott und Herr“ war, und auch von denTerwingen (Westgoten) aufgenommen. Kurz vor dem Hunneneinfall im Jahre 375 wurde bei den Terwingen noch mit römischer Unterstützung eine rudimentäre kirchliche Organisation aufgebaut. Wulfila wurde einer der ersten Bischöfe der Westgoten.
Seite aus demCodex Argenteus, der Abschnitte aus der Wulfilabibel enthält und vermutlich um 500 in Italien entstanden ist
In einem ähnlichen Kontext ist auch dieWulfilabibel zu sehen. Im Gegensatz zur westlichen Kirche, die den Gottesdienst an die lateinische Sprache band, war die östliche Kirche bereit, die Volkssprache in der Liturgie zu verwenden. Die Übersetzung der Bibel ins Gotische ist nicht gleichzusetzen mit mittelalterlichen Übersetzungen biblischer Texte, die der Erbauung und Unterweisung dienten. Die gotische Bibel war ein liturgisches Buch, dessen Sprache eng mit der Vorlage verbunden blieb. Ein im Westen provokantes Merkmal des östlichen Ursprungs der gotischen arianischen Kirche war die erneute Taufe übertretender nichtarianischer Christen.[51]
Die Verdrängung der heidnischen Religion wurde auch als Bedrohung der sozialen Ordnung gesehen und es kam 350 bzw. 370 zuChristenverfolgungen. Mit der Westwanderung christianisierter Germanen (Goten, Vandalen, Burgunden, Langobarden) und den Reichsgründungen verbreitete sich der Arianismus auch in der – im übrigen katholischen – westlichen Hälfte des römischen Reiches. Jedoch wurden längst nicht alle Germanen christianisiert, so dass mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches auch die Verbreitung des Christentums einen Rückschlag erlitt.
Das Frankenreich wurde von dem kulturellen Überlagerungsbereich zwischenRhein undLoire aus christianisiert. BereitsChlodwig I. hatte sich taufen lassen, um sich den Einfluss auf die katholische Kirche zu sichern. Ab dem 7. Jahrhundert griff die Christianisierung auch auf die Randzonen und Nachbarländer desFränkischen Reiches über und fand ihren Abschluss mit der Eroberung und Eingliederung derFriesen undSachsen. Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts waren auch angelsächsische Kräfte an der Mission beteiligt. Die Missionierung des angelsächsischen Englands ging mit unterschiedlichen Traditionen vom Kontinent und vonIrland aus. Die Christianisierung des Nordens erfolgte durch deutsche und englische Kräfte und hatte entscheidenden Anteil an der Ausbildung der Königsmacht ab dem Ende derWikingerzeit.
Die Missionierung setzte bei den politischen Führungsspitzen an. Für diese ergaben sich durch die Annahme des Christentums neue Möglichkeiten der religiösen Legitimierung, die sich voll ausgebildet zuerst im Westgotenreich in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts in Form derKönigssalbung zeigen. Die neuartige Verbindung königlicher Kirchenherrschaft führte zur räumlichen Abgrenzung der kirchlichen Bezirke durch politische Herrschaft und trug zur spätrömischen Partikularisierung der westlichen Kirche bei. Diese Entwicklung wurde ab dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts u. a. durch das „Leitbild der romorientierten Partikularkirche“ umgekehrt.[52]
Kreuzanhänger, gefunden in einem Frauengrab inBirka
Die Religion der Germanen galt für die christliche Mission, wie auch vorher schon die hellenistisch-römischen Religionen, als dämonische Verblendung, die die Menschen hinderte, zu ihrer gottgegebenen Bestimmung zu finden. Die Missionierung verfolgte einerseits das Ziel der Integration des ganzen politischen Verbandes in die Kirchenorganisation und andererseits die Beseitigung der heidnischen Kulte. Massenhaft vollzogene Taufen ohne ausreichende Vorbereitung dienten der Aufnahme in die Kirche, und die christliche Religion ersetzte als neuer einzuhaltender Kult den alten. In der Karolingerzeit wurde die dem Taufgelöbnis vorangehende Absage an den Teufel um das Abschwören der heidnischen Götter und Kulte erweitert. In derLex Saxonum Karls des Großen wurden bestimmte heidnische Bräuche (Hexenverbrennung,Leichenverbrennung,Menschenopfer u. a.) mit der Todesstrafe bedroht. Private heidnische Kultausübung wurde mit Geldstrafen belegt.[53] Der Alleingeltungsanspruch wurde zuerst im öffentlichen Raum durchgesetzt und die politisch-sozialen Funktionen der heidnischen Kulte übernommen. Diese funktionale Kontinuität hatte auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums. In der Forschung wurde in diesem Zusammenhang der Begriff derGermanisierung des Christentums diskutiert.[54]
Wesentliches Element der politischen und gesellschaftlichen Ordnung auf germanischem Gebiet waren dieStämme. Ein Stamm verfügte als Siedlungsgemeinschaft über ein bestimmtes Siedlungsgebiet, auf dem auch Angehörige anderer ethnischer Gruppierungen leben konnten, wie beispielsweise in eroberten Gebieten. Der Stamm besaß eine einheitliche politische Führung und stellte eine Rechtsgemeinschaft dar. Ebenso gab es natürlich eine gemeinsame Sprache, religiöse Riten und ein Identitätsbewusstsein, dessen deutlichster Ausdruck einMythos der gemeinsamen Abstammung war. Tatsächlich waren jedoch auch Stämme keine einheitlichen und stabilen Gebilde, sondern immer von Durchmischung, Neubildung, Abwanderung, Untergang und dergleichen betroffen.
Erstmals detaillierte Beschreibungen der Germanen finden sich beiTacitus. Er beschreibt eine recht einheitliche germanische Kultur auf einem Gebiet ungefähr vomRhein im Westen bis zurWeichsel im Osten und von derNordsee im Norden bis zuDonau undMoldau im Süden. Hinzu kommen die – von Tacitus nicht beschriebenen – germanischen Siedlungsgebiete in Skandinavien. Tacitus legt dar, dass sich die germanischen Stämme in drei Gruppen gliedern und dass es zahlreiche Stämme gibt, die nicht in diese Gliederung passen. Nach Tacitus unterscheiden sich die einzelnen Stämme nach ihren Kultorten. Die germanischen Stämme zur Zeitenwende waren also vermutlich vor allemKultgemeinschaften. Dieser Unterteilung lassen sich auch archäologische Gruppierungen zuordnen.
Seit dem 2. Jahrhundert traten Großstämme als bedeutendste Akteure in der germanischen Welt auf. Sie wurden aggressive Gegner des römischen Imperiums und Träger der Völkerwanderungsreiche. Sie verflochten sich in unterschiedlicher Weise mit der mediterranen Hochkultur und beendeten die relative Einheit der Germanen zu Gunsten gesonderter Entwicklungen. Der Germanenname verschwand aus den antiken Quellen und wurde durch die Namen der Großstämme mit eigenen Traditionen ersetzt. Sie bestimmten das Geschehen der Völkerwanderungszeit und bildeten die Grundlage der europäischen Völker- und Nationalstaatengeschichte. Die diesen Vorgang analysierenden Untersuchungen von Wenskus[55] stellen den heutigen Forschungsstand zu diesem Thema dar. Es handelte sich um einen aus Bündnissen entstehenden Konzentrationsprozess, der politische und militärische Durchschlagskraft zum Ziel hatte. Gleichzeitig setzte eine zunehmende Differenzierung der sozialen Schichtung ein. Herrschaftsbildung auf personaler Grundlage, Land-, Menschen- und Beutegewinn auf der einen Seite und Instabilität der Ergebnisse auf der anderen Seite war auf engen Austausch mit imperialen und kulturellen Gegebenheiten im römischen Machtbereich angewiesen. Tiefgreifende politische und soziale Veränderungen waren Voraussetzung für stabile politische Formen.[56]
Dabei ist ein fundamentaler Unterschied zwischen den Großstämmen des Westens (Franken, Alamannen) und dengentes des Ostens (Goten, Vandalen, Heruler, Gepiden) festzustellen. Die Großstämme des Westens sind erst im 3. Jahrhundert bezeugt, während sich die gentes des Ostens zunächst der antiken Wahrnehmung entzogen. Deren Wanderungsverbände bildeten sich nicht an der Peripherie des Reiches, sondern weit im Hinterland. Die Grenznachbarn des römischen Reiches wurden dann auf diesen Zügen integriert.
Elbgermanen (vielleicht mit den taciteischenHerminones zu verknüpfen): Aus der elbgermanischen Gruppe – bestehend ausHermunduren,Langobarden,Markomannen,Quaden,Semnonen,Sueben und vielleicht denBastarnen – ging im 3. Jahrhundert vor allem der Großstamm derAlamannen hervor. Daneben bildeten die Markomannen durch Vermischung mit anderen Stämmen und Volksgruppen den Großstamm derBajuwaren, die Hermunduren den derThüringer. Ein Teil der Sueben überquerte zusammen mitAlanen undVandalen 406 den Rhein (Rheinübergang von 406) und wanderte mit diesen 409 nachHispanien ein. Dort bildeten sie im Nordwesten das Reich der Sueben, das die Grundlage des späteren StaatesPortugal bildete. Die Langobarden, nach denen dieLombardei benannt ist, nahmen ebenfalls andere germanische Gruppen in ihren Stamm auf, gründeten zuerst inPannonien und 568 nach Eroberung inItalien ein Reich.
Nordgermanen: Die auf derKimbrischen Halbinsel und inSkandinavien siedelnden Nordgermanen bzw. Ostseegermanen – Tacitus nennt einen Stamm derSuionen – werden aus sprachlichen Gründen zu einer Gruppe zusammengefasst. Aus ihnen gingen später dieDänen,Schweden,Norweger undIsländer hervor. Archäologisch werden die Nordgermanen in die ost- und die westnordische Gruppe aufgeteilt. Einen Übergangsbereich zu den Nordseegermanen bilden die Angeln und dieJüten.
Weichselgermanen: DieBastarnen,Gepiden,Gotonen,Rugier,Skiren werden archäologisch derWielbark-Kultur (Willenbergkultur) zugeordnet, deren Vorgänger dieOxhöft-Kultur war. Nachdem die Wielbark-Kultur in den Raum südlich der Ostsee expandierte, hat sie sich nach Südosten verlagert, wo sie in dieTschernjachow-Kultur des 2. bis 5. Jahrhunderts übergeht. Diese archäologischen Funde spiegeln möglicherweise die Wanderung derGoten wider.
Die germanischen Stammesverbände, deren Namen in derSpätantike bekannt wurden, existierten zur Zeit des Tacitus noch nicht oder allenfalls als vage Bezeichnungen. Franken, Goten, Burgunden u. a. m. bildeten sich als Großstämme erst in den Jahrhunderten nach der Zeitenwende heraus und sind seit dem 3. Jahrhundert in den römischen Quellen greifbar. Diese Entwicklung blieb den römischen und griechischen Ethnographen vermutlich längere Zeit verborgen, so dass sich in den historischen Aufzeichnungen kaum Beschreibungen finden. Die Vielfalt von über 40Stämmen (lat.gentes) bei Tacitus reduzierte sich auf einige wenige, die in der Antike als „neue“ Völker zu den bisherigen dazugezählt wurden. Als kleinere Verbände oder als Volksgruppen, die sich den Großstämmen anschlossen oder Teilstämme bildeten, wurden noch in der Spätantike u. a. folgende Stammesnamen genannt:Warnen,Angeln,Jüten,Juthungen,Rugier,Heruler.
DieAlamannen werden das erste Mal unter den Stämmen erwähnt, die nach 260 das von den Römern aufgegebene rechtsrheinischeDekumatland(Agri decumates) besetzten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Alamannen eine Mischung aus Stammesgruppen derSemnonen,Burgundionen,Rätovariern,Brisigaviern u. a. m. Entsprechend könnte der Name ursprünglich „alle Männer, Menschen“[57], „edle Männer, Menschen im eigentlichen Sinn“ oder gar „Nachkommen desMannus“[58] bedeutet haben. Die Alamannen wurden von den Römern geduldet, da sie den Rhein als Grenze anerkannten. Erst ab der Mitte des 5. Jahrhunderts dehnten sie – jetztAlemannen genannt – ihr Siedlungsgebiet auch auf linksrheinische Gebiete aus – bis in dieChampagne. Damit kam es zum Konflikt mit den Franken und die nördlichen Territorien gingen nach derSchlacht von Zülpich (lat. Tolbiacum) 496 an diese verloren. Im 7. Jahrhundert expandierten die Alemannen in die Nordschweiz.[59]
Die ostgermanischenBurgunden siedelten zur Zeitenwende nachPlinius im Gebiet zwischen Oder und Weichsel. Ab dem 2. Jahrhundert bewegten sie sich nach Westen und besiedelten die Lausitz und östliche Teile Brandenburgs. Ein Jahrhundert später erreichten Stammesgruppen das Maintal und zu Beginn des 5. Jahrhunderts kam es zur ersten Reichsgründung in der Region vonWorms undSpeyer. Die Burgunden kamen in intensiveren Kontakt mit dem Römischen Reich und traten auch zum Christentum über.[60]
DieFranken bildeten sich aus einem lockeren Kampfverband derChamaver,Salier,Chattuarier,Ampsivarier,Brukterer und anderer Stammesgruppen. Raubzüge in Gallien werden ab der Mitte des 3. Jahrhunderts erwähnt. Im Norden Galliens wurden fränkische Söldner in römischen Diensten angesiedelt. Diesalischen Franken erhielten alsfoederati Siedlungsgebiet inToxandrien. Diese Besiedlung expandierte und umfasste im 5. Jahrhundert die Region zwischenLüttich undTournai. Am Niederrhein gründetenripuarische Franken ein Fürstentum mit Köln als Zentrum.[61]
DieGoten entwickelten sich wahrscheinlich als Stammesverband im Gebiet derWeichselmündung. Dort sind sie jedenfalls zur Zeitenwende belegt. Aussagen über die weitere Herkunft der Goten bleiben problematisch: Die vonJordanes überlieferte Stammeslegende(Origo gentis), wonach die Goten aus Skandza (Skandinavien oder Gotland) stammen sollen, ist archäologisch nicht zu beweisen[62], zumal die Goten wohl polyethnisch zusammengesetzt waren. Nach 150 verschob sich ihr Siedlungsraum langsam in Richtung Schwarzes Meer.
Die Vorfahren derLangobarden siedelten zunächst im Bereich der Niederelbe. Später zogen erste Gruppen entlang der Elbe nach Böhmen und in angrenzende Gebiete. Zur Zeit der Markomannenkriege in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts gelangten Langobarden über die Donau bis nach Pannonien. Dort schlossen sich ihnen weitere elbgermanische Stammesgruppen an. Ebenso erhielten sie Zuzug von germanischen Populationen aus Thüringen. Bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts bildeten diese Gruppen ein ethnisches Eigenprofil aus und werden 488 erstmals als Langobarden erwähnt.[63]
DieMarkomannen traten erstmals im Heer desAriovist in Erscheinung. Ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet lag am Main, jedoch wanderten sie unter dem Druck der Römer kurz vor der Zeitenwende unter dem HeerführerMarbod nachBöhmen. Dort bildeten sie das Zentrum einesStämmebundes. In denMarkomannenkriegen konnten die Römer die Nordgrenze ihres Reiches nur unter großen Anstrengungen stabilisieren. Auch in den folgenden Jahrhunderten stießen die Markomannen immer wieder nach Süden vor. Im 4. Jahrhundert erwähnte man sie das letzte Mal.[64]
DieSachsen bildeten sich vermutlich im 3. Jahrhundert[65], eventuell jedoch erst im 4. Jahrhundert aus älteren Stämmen der Nordseegermanen. Die früheste unbestrittene Nennung stammt vonKaiser Julian aus dem Jahre 356.[66] Im 5. Jahrhundert teilten sich die Sachsen in die nach England abwanderndenAngelsachsen und die auf dem Festland verbleibendenAltsachsen. Ein Jahrhundert später beherrschten die Altsachsen weite Gebiete an der Nordseeküste. Gleichzeitig verstärkte sich im Westen der Druck desFrankenreichs und im Osten jener der in den Elbraum expandierenden Slawen.
Der Konflikt mit dem Frankenreich führte unterKarl dem Großen zu denSachsenkriegen (772–804). In dieser Zeit war Altsachsen in die drei Teilstämme oderHeerschaftenWestfalen,Engern undOstfalen gegliedert. Nach derZwangschristianisierung wurde diese Einteilung durchGrafschaften ersetzt. Erst im 13. Jahrhundert wurde das inzwischen weiterentwickelte StammesrechtLex Saxonum imSachsenspiegel niedergeschrieben. Dagegen existiert keine Kontinuität zwischen den heutigen Sachsen imgleichnamigen Freistaat und den historischen Altsachsen des frühen Mittelalters[67], da der Sachsenname erst durch verschiedene dynastische Verschiebungen auf diese im Mittelalter germanisierten Landschaften überging.
Nach dem Abzug derHunnen etablierten dieThüringer ein Königreich, welches 531 von denFranken unterworfen wurde. Nordthüringen (ungefähr das heutigeSachsen-Anhalt links der Elbe) wurde danach teilweise von denSachsen besiedelt, ebenso wurdenHessen,Schwaben undFriesen angesiedelt. Die vermutlich eher dünn besiedelte Gegend zwischen Saale und Elbe im heutigen FreistaatSachsen hingegen konnte gegen die eindringendenSlawen nicht gehalten werden. Die slawische Landnahme in diesen Gebieten erfolgte im ausgehenden 6. Jahrhundert.
DieVandalen hatten ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet in der Region zwischenOder undWarthe im Bereich derPrzeworsker Kultur. Die Stammesgruppe war in die Teilverbände derHasdingen und derSilingen – die der Region möglicherweise den Namen „Schlesien“ gaben – gegliedert. Im 2. Jahrhundert wanderten einige Stammesgruppen bis zumKarpatenbogen und in dieTheißebene.[68]
Germane. Römisches Triumphalrelief im Vatikanischen Museum zu Rom
Die den Germanen benachbarten keltischen Kulturen hatte der Kontakt mit den Römern an die Schwelle zur Hochkultur geführt, bevor sie erobert und romanisiert wurden. Die Romanisierung war z. T. so umfassend, dass z. B. die keltischen Sprachen auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs verschwanden.
Die Germanen bildeten keine gemeinsame kulturelle Einheit zu dem Zeitpunkt, als sie dieKelten bzw.Gallier in der Rolle der nördlichen Nachbarn des römischen Reichs beerbten. Sie bewahrten ihre Eigenständigkeit, obwohl es auch zwischen Römern und Germanen einen intensiven Austausch gab.
Die Konfrontation mit den Römern verhalf den Germanen zu „germanischer“ Identität. In der Folgezeit gab es unterschiedliche Bestrebungen, an der römischen Kultur teilzuhaben. Oft ging es nur um den Erwerb materieller Güter, die friedlich durch Handel oder Geschenke oder kriegerisch durch Raub und Plünderung angeeignet wurden. Später kam die Teilhabe an der Macht und die Aneignung römischen Territoriums hinzu. Diese Bestrebungen waren von Stamm zu Stamm unterschiedlich, jedoch waren alle germanischen Kulturen bestrebt, ihre ursprüngliche barbarische Existenz hinter sich lassen und eine höhere Stufe der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung zu erreichen. Dies lief in der konkreten historischen Situation auf eine beständige Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen hinaus und sie endete im Westen mit einem Erfolg der Germanen, während der Osten des römischen Reiches diese Bedrohung abwenden konnte.[69]
Um 120 v. Chr. brachenKimbern,Teutonen undAmbronen in Richtung Süden auf. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut inJütland, aufgrund der die Einwohner ihre Heimat verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte aufgrund klimatischer Veränderungen dafür verantwortlich waren.
Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als „Schlacht bei Noreia“ bezeichnet) entgingen die Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendesOmen (Grollen) ihres WettergottesDonar deuteten.
Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch weitere Male zu Kämpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erlitten. Erst nachdem sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern.
Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch das damals noch keltischeMittelgebirge führte zur Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, sodass später auch andere Germanen, insbesonderesuebische Stämme, in Hessen und dasMaingebiet eindringen konnten. Unter ihrem FührerAriovist ließen sie sich ab 71 v. Chr. teilweise am Oberrhein nieder. Andere Gruppen drangen in Gallien ein, wurden jedoch durchCaesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den Rhein zurückgeworfen.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. machte die römische EroberungGalliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt führte in der darauffolgenden Zeit zu ständigen Konflikten: Immer wieder kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch, bei denen er in spektakulärer Weise eineRheinbrücke in nur zehn Tagen errichten ließ. Diese Expeditionen hatten vor allem demonstrativen Charakter und führten zu keiner dauerhaften rechtsrheinischen Präsenz der Römer. Caesar erkannte den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.
Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische KaiserAugustus beschloss deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren.
Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Taktik änderte: Er beabsichtigte, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen (siehe auchAugusteische Germanenkriege undGeschichte der Römer in Germanien). Zwischen 12 v. Chr. und 9 v. Chr. führteDrusus, Stiefsohn von Augustus, mehrere Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf dieFriesen,Chauken,Brukterer,Marser undChatten. Trotz derDrusus-Feldzüge gerieten aber die wenigsten Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus im Spätsommer 9 v. Chr. auf dem Rückmarsch von der Elbe bei einem Sturz von seinem Pferd gestorben war, führte sein BruderTiberius die Feldzüge im Jahr 8 v. Chr. erfolgreich zu Ende. Im Jahr 1 n. Chr. brach mit demimmensum bellum ein Aufstand aus, der erst in den Jahren 4 und 5 n. Chr. durch Tiberius beendet werden konnte. Die Römer begannen repräsentative römische Städte östlich des späterenLimes zu gründen, beispielsweise im heutigenWaldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser Siedlung ist so wenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle inHaltern,Anreppen oderMarktbreit am Main.
Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 sollte das Reich desMarkomannenkönigsMarbod inBöhmen zerschlagen. Er war kein Gegner Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Unterwerfung der Germanen gewesen. Von der Lippe über das Land der Chatten, und dem RaumWien Richtung Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen eines überraschenden,großen Aufstandes inPannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden.
Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurdePublius Quinctilius Varus damit beauftragt, in den Gebieten östlich des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er gleichzeitig Oberbefehlshaber über die rheinischen Legionen. Varus, der sich zuvor in der römischen ProvinzSyrien den Ruf eines brutalen undkorrupten Verwaltungsfachmanns erworben hatte, brachte die Germanen bald gegen sich auf. Gegner der Besatzung ließ er mit aller Härte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingeführten Steuern wurden von den Germanen zudem als zutiefst ungerecht empfunden, da sie eine solche Abgabe nur für Unfreie kannten.
Unter diesen Umständen gelang es demCheruskerfürstArminius, der die römischen Bürgerrechte undRitterwürden besaß, mehrere germanische Stämme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen, das ihm Varus entgegenbrachte, aus und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden Schlacht („Varusschlacht“ oder „Schlacht im Teutoburger Wald“ genannt) verloren die Römer dreiLegionen (etwa 18.000 Legionäre, plus etwa 2.000 bis 3.000 zusätzliche Truppen). Laut den Überlieferungen desSueton soll Augustus daraufhin ausgerufen haben: „Quinctili Vare, legiones redde!“ („Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!“). Der römische Eroberungsversuch scheiterte damit im Jahre 9. Germanien blieb danach bis zurVölkerwanderung von derrömischen Kultur wenig beeinflusst.
Die römisch-germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht
UnterGermanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. weitere Vorstöße über die Rheingrenze hinweg (Germanicus-Feldzüge). Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die Fortsetzung der römischen Expansionspläne handelte, ist umstritten.
In den Folgejahren kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern: Im Jahr 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis dahin römerfreundlichenFriesen nieder. Im Jahr 69 mussten sogar Truppen aus Spanien und Britannien für Verstärkung herangezogen werden, um die Revolte derBataver (Bataveraufstand) unter Führung desIulius Civilis niederzuschlagen.
83 entschloss sich KaiserDomitian, die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen Norden zu verschieben. Nach Beendigung derChattenkriege begannen die Römer mit dem Bau desNeckar-Odenwald-Limes, der im Süden durch die so genannte Sibyllenspur, denLautertal-Limes, mit demAlblimes verbunden war, um die Grenzen zwischen Germanien (dem „Barbaricum“) und dem römischen Reich zu sichern. Im selben Zeitraum entstanden die ProvinzenGermania superior (Obergermanien) undGermania inferior (Untergermanien).
Neueste Forschungen ab etwa 1995 deuten darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon um 83/85 unter Domitian, sondern erst um 98 unter KaiserTrajan angelegt wurde. Vor allem fehlt bis heute auch nach über hundertjähriger Forschung ein zuverlässig datierter römischer Fund von der Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein Militärdiplom oder eindendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes militärtechnisch zu anderen Anlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, während für die Zeit Domitians ähnliche Parallelen fehlen.
Um 122 wurde die römisch-germanische Grenze unter Kaiser Hadrian zwischen dem mittleren Neckar und der Donau bei Eining um etwa 20 bis 40 Kilometer nach Norden verschoben. Eine der letzten römischen Expansionen in Germanien, die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes um rund 25 Kilometer nach Osten unter KaiserAntoninus Pius, ist inzwischen recht sicher auf das Jahr 159 datierbar.
Germanische Gesandtschaft an Kaiser Mark Aurel, Relief der Mark-Aurel-Säule zu Rom
Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende Veränderungen rechts des Rheins statt: Zum einen schlossen sich die germanischen Stämme zu Großstämmen zusammen, zum anderen nahm der Druck verschiedener Stämme auf die römischen Grenzen immer mehr zu.
Im Jahre 167 fielen dieMarkomannen,Quaden,Langobarden,Vandalen,Jazygen und weitere Stämme in die römische ProvinzPannonien ein und lösten damit die Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In insgesamt vier Feldzügen schlug der römische KaiserMark Aurel unter Aufbietung aller Kräfte des Imperiums die Germanen. In der sehr unzuverlässigenHistoria Augusta wird erwähnt, dass die Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten; ob dies den Tatsachen entspricht, ist ungewiss. Damit wäre jedenfalls das Vorfeld derApenninhalbinsel auch in nordöstlicher Richtung nach gallischem Vorbild gesichert worden.
Viele Historiker sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großenVölkerwanderung. Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen wohl durch die Wanderungen derGoten zumSchwarzen Meer und derVandalen in Richtung Donau. Die Ursachen für diese aufkommende Wanderbewegung germanischer Stämme konnten bisher nicht geklärt werden, denkbar wären zum Beispiel Hungersnöte.
Mit den Markomannenkriegen 166–180 unterMark Aurel führten die Konflikte zwischen Germanen und Römern zu Veränderungen im Kräfteverhältnis. Als Mark Aurel 180 starb, waren die Germanen zwar geschlagen, aber nicht endgültig besiegt; der Erfolg war nur vorübergehender Natur. Mark Aurels SohnCommodus kehrte zur Defensivpolitik des Augustus zurück und schloss Friedensverträge mit den Germanen. Auch die Kräfte des Römischen Reiches waren erschöpft und die verwüsteten Provinzen mussten restauriert werden.
Der Verzicht auf eine expansive Politik gegen Germanien unter Augustus, die sich auf die Grenzsicherung des Römischen Reiches konzentrierte, war den neuen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Bündnisse mit einzelnen Stämmen waren nicht von Bestand, da ein stabiles Königtum als zuverlässiger Ansprechpartner noch nicht existierte. Auch derLimes reichte als Kontrollinstrument nicht aus, um die sich oft jährlich wiederholenden Einfälle gewaltiger Völkermassen zu stoppen. Zudem geriet das Imperium in eine schwere Krise, die von der modernen Forschung alsReichskrise des 3. Jahrhunderts bezeichnet wird: Die meisten dieserSoldatenkaiser hielten sich nur für kurze Zeit auf dem Thron, während der Druck durch die germanischen Großverbände an Rhein und Donau auf der einen, am Euphrat durch dasSassanidenreich auf der anderen Seite stetig zunahm. Die nötige Trennung des Heeres in einen Teil zur Grenzsicherung und eine weitere mobile Eingreiftruppe erfolgte erst um 260 unter KaiserGallienus. Hauptmotiv der Germaneneinfälle war Ansiedlung im Römischen Reich, doch das Imperium wollte diesen Wunsch nicht erfüllen. Es kam zum Wechselspiel von Einfällen, Plünderungen, Landnahme und späterUsurpationen.
Im Dezember 2008 wurde bekannt, dass bei der GemeindeKalefeld in Süd-Niedersachsen einrömisches Schlachtfeld aus dem 3. Jahrhundert entdeckt wurde. 1800 überwiegend militärische Fundstücke wurden registriert. Die römischen Münzfunde belegen, dass die Schlacht um 235 stattgefunden hat. Die archäologischen Funde stützen die der Fachwissenschaft schon lange Zeit bekannten Berichte, wonach es im 3. Jahrhundert zu römischen Militäroperationen im vorgelagerten Grenzgebiet kam.
Karte Europas mit Siedlungsräumen und Migrationen germanischer Verbände
Die zur Zeit der sogenannten „Völkerwanderung“ weit wandernden germanischen Kriegergruppen gehörten vor allem zu den Ostgermanen – zum Beispiel die Burgunden, Gepiden, Goten, Langobarden und Vandalen. Zumeist gelangten sie alsFoederaten in das Römische Reich, und alsWestrom im 5. Jahrhundert zusammenbrach, füllten sie das Machtvakuum und bildeten eigeneregna. Ihre Reichsgründungen hatten jedoch zumeist keinen dauerhaften Bestand, und zudem bildeten die Krieger nur eine verschwindende Minderheit gegenüber der romanisierten Bevölkerung; die ostgermanischen Sprachen sind daher heute ausgestorben. Die westlich der Elbe lebenden Stämme – zum Beispiel dieFranken,Sachsen undAngeln – waren vergleichsweise sesshaft. Ebenso die Nordgermanen, die erst im Mittelalter zur Zeit derWikinger unter anderen Bedingungen ausgedehnte Wanderungstätigkeiten entwickelten. Ihre Sprachen (westgermanische Sprachen undnordgermanische Sprachen) haben sich bis heute erhalten und weiterentwickelt.
In der Zeit der sogenanntenVölkerwanderung[70] gründeten germanische Krieger Reiche in Nordafrika, im heutigen Frankreich, in Italien, auf derIberischen Halbinsel undBritannien. Die Germanen kannten meist kein Verwaltungsstaatswesen im römischen oder heutigen Sinne. Die Reiche der germanischen Krieger waren ähnlich demPersonenverbandsstaat organisiert, vor allem wurden aber römische Verwaltungsmuster übernommen, weshalb man heute eher von „poströmischen“ als von „germanischen“ Reichen spricht. Die Angehörigen eines Kriegerverbandes schworen ihremrex Treue und waren damit an sein Reich gebunden. Der „Staat“ (wobei nicht der moderne Terminus von Staatlichkeit zugrunde gelegt werden darf) wurde nicht über eine räumliche Ausdehnung definiert, sondern über seine Menschen und deren Stellung zum Herrscher. Deshalb waren die Reiche stark mit dem jeweiligen Herrscher bzw.warlord verbunden, und sein Tod bedeutete oft auch den Untergang des Reiches.
Allerdings traten auch zahlreiche Germanen (einzeln oder in Gruppen) in römische Dienste und kämpften anschließend auch gegen ihre alten Stammesgenossen. Viele dieser Germanen stiegen im römischen Militär auf, wobei die germanischstämmigenHeermeister teils eine unrühmliche Rolle spielten, vor allem imWeströmischen Reich. Viele wiederum standen aber durchaus loyal zum Kaiser (wie etwaStilicho,Bauto oderFravitta). Während imOströmischen Reich der Kaiser die Kontrolle über das Militär behalten konnte, konnte im Westen nur noch mit den „Barbaren“ regiert werden.
Nach dem Rückzug der Römer überschritten ab 406 die Burgunden zusammen mit denVandalen den Rhein und ließen sich als römische Bundesgenossen inMogontiacum (Mainz), Vicani Altiaienses (Alzey) und Borbetomagus (Worms) nieder. Das Gebiet wurde ihnen vertraglich zugesichert. Nach einem Einfall in die römische ProvinzBelgica 435 zerstörte im darauffolgenden Jahr der weströmischeHeermeisterAëtius mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen das Burgundenreich – bis ins Spätmittelalter blieb die Erinnerung an dieses Ereignis in derNibelungensage erhalten. Die verbliebenen Burgunden wurden durch Rom ins Gebiet desRhone-Tals umgesiedelt und gründeten dort später ein neues Reich, das 532 imFränkischen Reich aufging und dort nebenAustrien undNeustrien einen eigenen Reichsteil bildete.
Nach dem Zusammenbruch der Rheingrenze 406/407 wurden dieLegionen aus Britannien abgezogen und die römische Präsenz auf der Insel erlosch vollständig. Die romano-britische Bevölkerung warb zum Schutz angelsächsische Söldner an. Gruppierungen der Angeln, Sachsen undJüten siedelten sich im östlichen Teil der Insel an und vertrieben teilweise die keltische Bevölkerung, die im Laufe der Zeit immer weiter nach Westen abgedrängt wurde. Bis zum Ende des 7. Jahrhunderts hatten die Angelsachsen den größten Teil der Insel unterworfen und konnten ihre Herrschaft auch gegen die späterenWikingereinfälle behaupten, bis England 1066 durch dieNormannen erobert wurde.
Bereits seit Beginn des 4. Jahrhunderts waren am nordöstlichen Ende Galliens Franken (später auchSalfranken) alsFöderaten angesiedelt worden. Ende des 4. Jahrhunderts kam es wiederholt zu Kampfhandlungen zwischen Franken und Römern (sieheMarcomer). Nach dem Tode des weströmischenHeermeistersAëtius, der 436 dasBurgundenreich zerstörte und 451 in derSchlacht auf den Katalaunischen Feldern dieHunnen stoppte, wurde das Gebiet durch Westrom praktisch nicht mehr kontrolliert. Nach dem Zusammenbruch 476 existierte im Norden Galliens im Gebiet umSoissons ein römisches Restreich unter dem StatthalterSyagrius, dem Sohn des HeermeistersAegidius. 486/487 besiegten die Salfranken unter demMerowingerChlodwig I. Syagrius in derSchlacht von Soissons. Dadurch verschob sich die Grenze des durch die Franken kontrollierten Gebiets bis an dieLoire. Chlodwig, der zuerst nur einer von mehreren fränkischenKleinkönigen war, beseitigte die anderen Teilkönigreiche. Er sah sich selbst in der Kontinuität römischer Herrschaft, übernahm die römischen Verwaltungsinstitutionen, trat zumkatholischen Glauben über und sicherte sich seinen Einfluss auf die Kirche. Militärische Siege 496 und 506 gegen dieAlamannen sowie 507 gegen die Westgoten in derSchlacht von Vouillé trugen zur weiteren Expansion fränkischer Herrschaft bei. Die Politik des Frankenreichs blieb auch weiterhin feindlich gegen die letzten unabhängigen germanischenGentes. Aus der Verschenkung eroberten Grundbesitzes durch den König entwickelte sich dasLehnswesen. Im frühen 6. Jahrhundert (nach 507) entstand die lateinische Sammlung des Volksrechts der FrankenLex Salica. Das Reich von Soissons wird alsNeustrien Bestandteil des Fränkischen Reichs, das bis zu seiner Teilung 843 imVertrag von Verdun die bestimmendeGroßmacht in Mittel- und Westeuropa war.
Um 150 bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts dehnten sich die Goten entlangWeichsel undDnister bis zumSchwarzen Meer aus. Um 290 kam es zur Trennung der Goten inTerwingen undGreutungen; beide sind nicht völlig deckungsgleich mit den späteren West- undOstgoten. In Südrussland errichteten die Greutungen ein Reich, über dessen Größe und inneren Aufbau wenig bekannt ist. Die Terwingen rückten in das von den Römern unterAurelian aufgegebeneDakien ein und ließen sich dort nieder.
Die Goten lagen häufig mit den Römern im Konflikt, wurden jedoch nie unterworfen und besiegten 252 sogar ein römisches Heer.Durch den Einfall derHunnen aus den asiatischen Steppen um 375 n. Chr. wurde das Reich der Greutungen zerstört bzw. fiel an die Hunnen. Die Greutungen zogen nach Westen und siedelten im Raum des heutigen Ungarn. Fortan standen sie unter Waffengefolgschaft der Hunnen und zogen 451 bei derSchlacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Westgoten und Burgunder zu Felde.
488 zog der ostgotische KönigTheoderich mit den sich nun formierten Ostgoten nach Italien und besiegte den dortigen germanischen HerrscherOdoaker. Theoderich gründete daraufhin ein neues ostgotisches Reich in Italien, welches aber bald nach seinem Tod unterging.
Die Terwingen hingegen hatten sich dem hunnischen Zugriff entzogen und sich 376 über die Donau ins römische Reich abgesetzt. Dort wurden sie angesiedelt, rebellierten aber bald darauf, was zurSchlacht von Adrianopel 378 führte, in der KaiserValens und der Großteil des römischen Bewegungsheeres im Osten untergingen. ErstTheodosius I. schloss 382 einen Vertrag, der ihnen weitgehende Rechte einräumte. Nach dem Tod des Kaisers Theodosius im Jahre 395 plünderte der GoteAlarich I. mit seinem Heer die römischen Provinzen; 410 eroberte er sogar Rom. Im Jahre 418 wurden die Terwingen, die sich nun endgültig zu den Westgoten formiert hatten, inAquitanien angesiedelt, wo sie dasWestgotenreich gründeten. Sie dehnten ihren Machtbereich auch auf die Iberische Halbinsel aus und verlagerten im frühen 6. Jahrhundert den Schwerpunkt dorthin. Im frühen 8. Jahrhundert wurde das Westgotenreich durch die Invasion derMauren vernichtet.
Nach der Eroberung desGepidenreichs 567 wurden die Langobarden durch dieAwaren verdrängt und eroberten unter KönigAlboin Norditalien mit der HauptstadtPavia und weitere Gebiete in Mittel- und Süditalien. Die anderen Regionen blieben unter Kontrolle des oströmischen Reiches. Diese Landnahme gilt als Abschluss der spätantikenVölkerwanderung. KönigAuthari (584–590) trat vomarianischen zumkatholischen Glauben über. Erst 662 verdrängt derKatholizismus denArianismus offiziell – gleichzeitig mit dem Vordringen desIslam.Karl der Große eroberte 774 Pavia unter dem letzten LangobardenkönigDesiderius und ließ sich selbst zum König der Langobarden krönen. Im Süden blieb das HerzogtumBenevent bis zur Eroberung durch dieNormannen im 11. Jahrhundert selbstständig. Der Name „Langobarden“ ist in der BezeichnungLombardei (ital. Lombardia), für eine norditalienische Region, bis heute erhalten geblieben.
Im Jahre 406 fielen die Vandalen gemeinsam mit anderen germanischen Stämmen nach Gallien ein. Drei Jahre später hatten sie dieIberische Halbinsel erreicht. Unter KönigGeiserich drangen sie 429 zusammen mitAlanen nachNordafrika vor und eroberten die dortigen römischen Provinzen.Hippo Regius – während der Belagerung starbAugustinus von Hippo – war bis 439 Hauptstadt. Mit der Eroberung vonAfrica Proconsularis wurdeKarthago Hauptstadt und die dortige römische Flotte wurde erbeutet. In der Folgezeit wurden zahlreiche Mittelmeerinseln erobert und 455 Rom geplündert und besetzt. DeroströmischeKaiserZenon erkannte die Herrschaft der Vandalen 474 an. Im Jahre 477 wurdeHunerich der Nachfolger von Geiserich und es kam ab 483 zuVerfolgungen der Katholiken durch diearianischen Vandalen. Erst 523 wurde für kurze Zeit unterHilderich die katholische Religion wieder zugelassen. 534 eroberte der oströmische FeldherrBelisar im AuftragJustinians das Vandalenreich und beendete deren Herrschaft.
Das Ende der kaiserzeitlichen archäologischen Kulturen östlich der Elbe
Über den Niedergang der germanischen Besiedlung des ostelbischen Raums gibt es wenig historische Quellen. Es muss auf archäologische Untersuchungen zurückgegriffen werden. In der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts ist auf polnischem Gebiet noch eine intensive Besiedlung durch die letzte Entwicklungsphase derPrzeworsker Kultur nachweisbar. Das Gebiet stand in regen Beziehungen zum Reich von Attila (mittlerer Donauraum) und hatte wahrscheinlich auch eine gewisse politische Bedeutung („Fürstengrab“ von Jakuszowice). Das Ende dieser Kultur lässt sich um die späte Mitte des 5. Jahrhunderts datieren. Bereits davor brechen die kaiserzeitlichen Spuren auf ukrainischem Gebiet ab. Die Gebiete der Slowakei, Mährens, Niederösterreichs, Böhmens und Ungarns weisen für das 5. Jahrhundert eine intensive germanische Besiedlung auf. Spätere Funde germanischer Kulturen sind in der Slowakei nicht mehr zu finden. Bereits die frühen donauländischenBügelfibeln sind dort selten zu finden. Die Goldmünzfunde aus dem 6. Jahrhundert fehlen bis auf eine Ausnahme ganz. Die gepidische Besiedlung ist für das 6. Jahrhundert auf dem Gebiet Ostungarns nachweisbar, jedoch nicht in der Ostslowakei. Im nordöstlichen Teil Mährens enden die germanischen Funde zu Beginn des 6. Jahrhunderts. In den anderen Regionen, in Niederösterreich und der Südslowakei westlich derKleinen Karpaten ist die langobardische Besiedlung nachweisbar. Diese Besiedlung nimmt zur Mitte des 6. Jahrhunderts hin ab, als die Langobarden Pannonien besetzten. Für Böhmen wird bis nach der Mitte des 6. Jahrhunderts eine germanische Besiedlung vermutet. Über diese Besiedlungsbrücke könnten die Kontakte des mitteldeutschen Raums mit dem mittleren Donauraum verlaufen sein.
Die genannten Gebiete wurden nachfolgend von den Slawen besiedelt. Der Charakter dieser Landnahme ist nicht zweifelsfrei zu klären. Die Kämpfe mit den Bayern (593 und 595) oder die Einfälle in Thüringen im 7. Jahrhundert legen verheerende Einfälle mit anschließender Eroberung nahe. Jedoch waren auch Gebiete (Schlesien, Slowakei) möglicherweise einige Zeit unbewohnt, bevor sie durch die Slawen besetzt wurden. Die geräumten Gebiete sind oft sehr fruchtbar gewesen und die Motive für die Aufgabe der germanischen Besiedlung bleiben unklar. Allerdings blieb wohl teilweise eine germanische Restbevölkerung zurück, die aber in der Folgezeit slawisiert wurde. Mit dem Abzug der Langobarden nach Italien im Jahre 568 und dem Erscheinen der Awaren ergaben sich dann für die slawische Landnahme neue Möglichkeiten.[71]
Hans-Werner Goetz,Karl-Wilhelm Welwei (Hrsg.):Altes Germanien. Auszüge aus den antiken Quellen über Germanen und ihre Beziehungen zum römischen Reich. Quellen der Alten Geschichte bis zum Jahre 238 n. Chr. Latein/griechisch/deutsch. Zwei Teile. Darmstadt 1995.
Hans-Werner Goetz,Steffen Patzold, Karl Wilhelm Welwei (Hrsg.):Die Germanen in der Völkerwanderung. Auszüge aus den antiken Quellen über die Germanen von der Mitte des 3. Jahrhunderts bis zum Jahre 453 n. Chr. Latein/griechisch/deutsch. Zwei Teile. Darmstadt 2006 und 2007.
als vollständige Sonderausgabe (nur über dieWissenschaftliche Buchgesellschaft zu beziehen): Hans-Werner Goetz, Steffen Patzold, Karl-Wilhelm Welwei (Hrsg.):Die Germanen. WBG, Darmstadt 2013.
Joachim Hermann (Hrsg.):Griechische und lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1. Jahrtausends unserer Zeit. Vier Bände. Akademie Verlag, Berlin (Ost) 1988–1992.
Beda Venerabilis:Ecclesiastica gentis Anglorum (Kirchengeschichte des englischen Volkes). Hrsg. und übers. von G Spitzbart, zweite Auflage, Darmstadt 1997.
Jordanes:Gotengeschichte nebst Auszügen aus seiner Römischen Geschichte. Übersetzt von Wilhelm Martens, hrsg. von Alexander Heine, Essen und Stuttgart 1985 (ursprünglich 1914).
Ammianus Marcellinus:Römische Geschichte. Vier Bände. Übersetzt und kommentiert von W. Seyfahrt, zweite Auflage, Darmstadt 1978.
Velleius Paterculus:Historia Romana. Römische Geschichte. Lateinisch/deutsch. Übersetzt und hrsg. vonMarion Giebel, 1989; bibliographisch ergänzte Ausgabe: Reclam, Stuttgart 1998,ISBN 3-15-008566-7.
Publius Cornelius Tacitus:Annalen. Lateinisch–Deutsch. Hrsg. von Erich Heller. Mit einer Einführung von Manfred Fuhrmann (=Sammlung Tusculum), dritte Auflage, Düsseldorf und Zürich 1997.
Publius Cornelius Tacitus:Germania (De origine et situ Germanorum liber). Lateinisch/Deutsch. Übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort herausgegeben vonManfred Fuhrmann. Reclam, Stuttgart 1972, Neuauflage mit aktualisierter Bibliographie 2000,ISBN 3-15-009391-0.
Heinrich Beck (Hrsg.):Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Ungekürzte Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Berlin 1998,ISBN 3-11-016383-7.
Helmut Birkhan:Germanen und Kelten bis zum Ausgang der Römerzeit. Band 1:Der Aussagewert von Wörtern und Sachen für die frühesten keltisch-germanischen Kulturbeziehungen. (=Sitzungsberichte Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse. Band 272). Böhlau, Wien 1970.
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Thomas Fischer:Gladius. Roms Legionen in Germanien. C.H. Beck, München 2020.
Uta von Freeden,Siegmar von Schnurbein (Hrsg.):Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland. Theiss, Stuttgart 2002,ISBN 3-8062-1337-2 (Zugleich:Germanica. Unsere Vorfahren von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Weltbild, Augsburg 2006,ISBN 3-8289-0581-1).
Vilhelm Grønbech:Kultur und Religion der Germanen. Aus dem Dänischen von Ellen Hoffmeyer. Reprint nach der 13. Auflage. Reprint-Verlag-Leipzig, Darmstadt 2011,ISBN 978-3-8262-3013-4.
Otto Holzapfel:Die Germanen. Mythos und Wirklichkeit. (=Herder Spektrum. Nr. 5104). Herder, Freiburg im Breisgau 2001,ISBN 3-451-05104-4.
Karl Reinhard Krierer:Antike Germanenbilder. (=Archäologische Forschungen. Band 11). Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 2004,ISBN 3-7001-3239-5.
Ernst Künzl:Die Germanen. Geheimnisvolle Völker aus dem Norden. 2., erweiterte Auflage. wbg Theiss, Darmstadt 2019,ISBN 978-3-8062-4045-0.
Klaus Tausend:Im Inneren Germaniens. Beziehungen zwischen den germanischen Stämmen vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. (=Geographica Historia. Band 25). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2009,ISBN 978-3-515-09416-0.
Matthias Wemhoff,Gabriele Uelsberg:Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme. (= Begleitband zur gleichnamigen Sonderausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin und des LVR-Landesmuseums Bonn). wbg Theiss, Darmstadt 2019,ISBN 978-3-8062-4261-4.
Reinhard Wenskus:Über die Möglichkeit eines allgemeinen interdisziplinären Germanenbegriffs. In: Heinrich Beck (Hrsg.)Germanenprobleme aus heutiger Sicht. (= Ergänzungsbände zumReallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 1). de Gruyter Berlin/New York 1986,ISBN 3-11-010806-2, S. 1–21.
terra xGroße Völker - Die Germanen. Ein Film von Sahar Eslah. Fachberatung:Rudolf Simek. Unter Mitwirkung von Rudolf Simek, Tania Lousdal Jensen, Ida Demant, Peter Heather, Angelika Abegg-Wigg, Richard North undVolker Gallé.ZDF 2016, 44 min. Abgerufen am 17. Februar 2026.
Wie lebten die Germanen? Vielfältige Dokumentation auf arte.tv (Webseite bei Abruf am 17. Februar 2026 nicht mehr erreichbar).
↑Siehe etwa die Beiträge in: Matthias Friedrich; James M. Harland (Hrsg.):Interrogating the 'Germanic'. A Category and its Use in Late Antiquity and the Early Middle Ages. Berlin: de Gruyter 2020.
↑abStrabon,Geographie 7, 1, 2. Strabon versteht den Germanennamen dabei bezeichnenderweise als „die echten Gallier“ (ὡς ἂν γνησίους Γαλάτας φράζειν βουλόμενοι).
↑Wolfgang Pfeifer:Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München 2000, S. 434.
↑Wolfram Euler und Konrad Badenheuer:Sprache und Herkunft der Germanen. Abriss des Protogermanischen vor der Ersten Lautverschiebung. Inspiration Un Limited, Hamburg und London 2009, S. 12.
↑Vgl. Franz Schön:Germanen sind wir gewesen?. In: Eckart Olshausen, Holger Sonnabend (Hrsg.):„Trojaner sind wir gewesen“ – Migrationen in der antiken Welt. Stuttgart 2002, S. 167 ff., hier S. 172.
↑Poseidonios von Apameia,Historien, Buch 30. Auch der Text des Poseidonios ist allerdings nur durch ein Zitat beiAthenaios (um 190 n. Chr.) belegt. Vgl. Gustav Stümpel:Name und Nationalität der Germanen. Eine neue Untersuchung zu Poseidonios, Caesar und Tacitus. Dieterich, Leipzig 1932; Dieter Timpe:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier S. 183 (Artikel abgerufen überGAO beiDe Gruyter Online).
↑Gaius Iulius Caesar,Commentarii de bello Gallico 2, 4, 4. Vgl. Dieter Timpe:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier S. 184 f. (Artikel abgerufen über GAO beiDe Gruyter Online), v. Petrikovits S. 89.
↑Gaius Iulius Caesar,Commentarii de bello Gallico 6, 21–28.
↑Mischa Meier:Caesar hat die Germanen erfunden – oder doch nicht? In:Martin Langebach (Hrsg.):Germanenideologie. Einer völkischen Weltanschauung auf der Spur. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2020, S. 15–38, hier S. 15 und 29.
↑Walser; dagegen Wiegels, Sp. 955. Vgl. Dieter Timpe:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier S. 188 (Artikel abgerufen über GAO beiDe Gruyter Online).
↑Tacitus,Germania 2, 5. Vgl. Dieter Timpe:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier: S. 184.
↑Reinhard Wenskus:Über die Möglichkeit eines allgemeinen interdisziplinären Germanenbegriffs. In: Heinrich Beck (Hrsg.),Germanenprobleme in heutiger Sicht. Berlin und New York 1986, S. 1–21, hier S. 13.
↑Reinhard Wenskus:Stammesbildung und Verfassung. Köln et al. 1977, S. 267.
↑Herwig Wolfram:Die Germanen. Achte Auflage, München 2005, S. 23.
↑Jörg Jarnut:Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffs der Frühmittelalterforschung. In: Walter Pohl (Hrsg.):Die Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters. Wien 2004, S. 107 ff.
↑Dieter Timpe:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998. S. 181–245, hier: S. 191.
↑Wolfram Euler und Konrad Badenheuer:Sprache und Herkunft der Germanen, S. 31 ff.
↑Vgl. dazu Heinrich Beck (Hrsg.):Germanenprobleme in heutiger Sicht. Berlin/New York 1986; Heinrich Beck, Heiko Steuer, Dieter Timpe (Hrsg.):Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Berlin/New York 1998; Ernst Wolfgang Böckenförde:Die deutsche verfassungsgeschichtliche Forschung im 19. Jahrhundert. Berlin 1961; Stefanie Dick:Der Mythos vom „germanischen“ Königtum. Berlin/New York 2008, S. 2–17;Otto Holzapfel:Die Germanen. Mythos und Wirklichkeit. Basel/Freiburg/Wien 2001;Klaus von See:Deutsche Germanen-Ideologie vom Humanismus bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main 1970; ders.:Barbar, Germane, Arier. Heidelberg 1994
↑Wolfram Euler und Konrad Badenheuer:Sprache und Herkunft der Germanen, S. 30–36.
↑Dieter Timpe:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998. S. 181–245, hier S. 192.
↑Elmar Seebold:Sprache und Schrift. In: Heinrich Beck (Hrsg.) unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter und red. Leitung von Rosemarie Müller:Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Ungekürzte Studienausgabe des Artikels aus demReallexikon der Germanischen Altertumskunde. Berlin 1998,ISBN 3-11-016383-7. S. 99 ff.
↑Klaus Düwel:Runenkunde. Metzler, Stuttgart 2003. S. 1–11
↑Heiko Uecker:Germanische Heldensage. Metzler, Stuttgart 1972. S. 16
↑Klaus Düwel:Runenkunde. Metzler, Stuttgart 2003, S. 178, 203.
↑Wilhelm Streitberg:Gotisches Elementarbuch. Carl Winter, Heidelberg 1909. S. 21–39
↑Siehe hierzu:Das Privatleben der Germanen, inDe origine et situ germanorum liber, Kap. 16–27, mit deutschsprachiger Übersetzung im Portalgottwein.de, abgerufen am 7. September 2013.
↑Rainer Wiegels:Rechtsrheinische Germanen. In:Der Neue Pauly. Bd. 4, Stuttgart 1989, Sp. 955–957, hier Sp. 956.
↑Seit der grundlegenden Arbeit von Stefanie Dick (Der Mythos vom „germanischen“ Königtum. Berlin und New York 2008) können die älteren Auffassungen von einem„sakral fundierten Volkskönigtum“ (ebd., S. 3), das später vomHeerkönigtum abgelöst worden sei, als widerlegt gelten; die grundlegenden Literaturangaben dazu: ebd., S. 1 f. Das Heerkönigtum als Herrschaftsform ist aber kaum zu bezweifeln.
↑Siehe zum frühesten Königtum auch Schlesinger,Verfassungsgeschichte sowie kritisch dazu Dick,Mythos.
↑Mario Alinei:Origini delle lingue d’Europa. Band 2. Il Mulino, Bologna 2000, S. 364. In der übrigen Indogermania finden sich für beide Wurzeln Entsprechungen in lat.rota einerseits, andererseits gr.kýklos (κύκλος).
↑Swantje Bergmann:Eicheln als Nahrungsmittel – Alltägliches Nahrungsmittel oder Indikator für Nahrungsknappheiten? In: Frank M. Andraschko, Barbara Kraus, Birte Meller (Hrsg.):Archäologie zwischen Befund und Rekonstruktion: Ansprache und Anschaulichkeit; Festschrift für Prof. Dr. Renate Rolle zum 65. Geburtstag. Kovač, Hamburg 2007,ISBN 978-3-8300-2711-9,S.327–338.
↑Eva Crane:The archaeology of beekeeping. Duckworth, London 1983.
↑Edgar C. Polomé:Germanentum und religiöse Vorstellungen. In: Heinrich Beck (Hrsg.):Germanenprobleme in heutiger Sicht. de Gruyter, Berlin und New York 1986. S. 267 ff.
↑Åke V. Ström, Haralds Biezais:Germanische und baltische Religion (=Die Religionen der Menschheit. Band 19,1). Kohlhammer, Stuttgart 1975, S. 79.
↑Behm-Blancke (welches Werk?), S. 363 ff.; Simek:Religion und Mythologie der Germanen, S. 42 ff.
↑Walter Baetke:Wörterbuch zur Altnordischen Prosaliteratur. Berlin21976, S. 59, s. v.blót, blótan; Philippson, S. 192.
↑Knut Schäferdiek:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46: Christianisierung. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York 1998. S. 388–395, hier S. 391.
↑Knut Schäferdiek:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46: Christianisierung. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York 1998. S. 388–395, hier S. 392.
↑Knut Schäferdiek:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46: Christianisierung. In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York 1998. S. 388–395, hier S. 393.
↑Knut Schäferdiek:Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46: Christianisierung, In:Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York 1998. S. 388–395, hier S. 393.
↑Reinhard Wenskus:Stammesbildung und Verfassung. Köln u. a. 1977.
↑Walter Pohl:Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration. Stuttgart u. a. 2002.
↑Harald Haarmann:Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 171.
↑Harald Haarmann:Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 183.
↑Eutrop erwähnt zwar aufständische Sachsen für das Jahr 285, in demKaiser Marcus Aurelius Carinus ermordet wurde (Eutrop,Breviarium 9,21). Eutrops Text entstand aber erst zwischen 364 und 380 n. Chr., allerdings auf Grundlage guter Quellen. Eine zeitnahe Anspielung findet sich wohl bereits imPanegyricus von 297, sieheKlaus-Peter Johne:Die Römer an der Elbe. Berlin 2006, S. 287 f.
↑Vgl. Matthias Springer:Die Sachsen. Stuttgart 2004, S. 17–31.
↑Harald Haarmann:Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 238
↑Harald Haarmann:Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 267.
↑Hermann Ament:Die Germanen, in: Die Zeit. Welt- und Kulturgeschichte, Hamburg 2006, Bd. 3, S. 371 f.
↑Zur komplexen Forschungslage der Völkerwanderung (einem hochproblematischen Forschungsbegriff, da in diesem Zusammenhang nie einheitliche „Völker“ migrierten, sondern zumeist recht heterogene Kampfverbände) und der Auflösung Westroms (stark mitverschuldet durch innerrömische Bürgerkriege) siehe nun vor allemMischa Meier:Geschichte der Völkerwanderung. Europa, Asien und Afrika vom 3. bis zum 8. Jahrhundert. München 2019.
↑Kazimierz Godłowski:Das Aufhören der germanischen Kulturen an der mittleren Donau. In: Jan Bemmann, Michał Parczewski (Hrsg.):Frühe Slawen in Mitteleuropa. Wachholtz-Verlag, Neumünster 2005, S. 141–148.
↑Rezension von Gregor Hufenreuter in H-Soz-u-Kult, 22. Juli 2004.