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Gerd Faltings

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Gerd Faltings (2005)

Gerd Faltings (*28. Juli1954 inGelsenkirchen) ist eindeutscherMathematiker und Träger derFields-Medaille. Er war von 1995 bis 2022 Direktor amMax-Planck-Institut für Mathematik und beschäftigt sich hauptsächlich mitdiophantischen Gleichungen,Modulräumen undp-adischenGalois-Darstellungen.

Leben

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Faltings wuchs in einem naturwissenschaftlich orientierten Elternhaus auf. Sein Vater war Physiker, seine Mutter Chemikerin. Schon als Schüler fiel er durch mathematische Höchstleistungen auf und gewann zweimal imBundeswettbewerb Mathematik.

Nach dem Studium der Mathematik und Physik an derWestfälischen Wilhelms-Universität inMünster (1972–1978),Diplom undPromotion beiHans-Joachim Nastold zumDr. rer. nat. (1978) mit seiner ArbeitÜber Macaulayfizierung ging er mit einemStipendium derDeutschen Forschungsgemeinschaft für ein Jahr an dieHarvard University und wurde 1981 in Münsterhabilitiert.

1982 wechselte er an dieUniversität Wuppertal und wurde im Alter von 27 Jahren der damals deutschlandweit jüngsteordentliche Professor für Mathematik.

1983 erregte Faltings mit einer 17-seitigen Schrift überalgebraische Kurven Aufsehen in der mathematischen Fachwelt. In dieser Arbeit mit dem TitelEndlichkeitssätze fürAbelscheVarietäten überZahlkörpern bewies er im Alter von nur 27 Jahren, dass auf algebraischen Kurven vom Geschlecht größer als 1 überZahlkörpern nur eineendliche Anzahl vonPunkten mitrationalenKoordinaten liegen kann, eine Vermutung des britischen MathematikersLouis Mordell – die sogenannteMordellsche Vermutung – aus dem Jahre 1922, die also 60 Jahre lang ungeklärt war.[1] Er beweist in dieser Arbeit zudem gleichzeitig dieTate- und dieSchafarewitsch-Vermutung und benutzt dieArakelov-Geometrie. 1986 wurde ihm für diesen Durchbruch in der algebraischen Geometrie dieFields-Medaille verliehen – die höchste Auszeichnung in der Mathematik und in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit einemNobelpreis in anderen Disziplinen verglichen. Er war der erste und bis zur Vergabe 2018 anPeter Scholze einzige Deutsche, der die Fields-Medaille verliehen bekam.[2] Später gab er einen zweiten Beweis der Mordell-Vermutung mit dem Faltingsschen Produktsatz, bei dem er sogar eine noch allgemeinere Vermutung, die Mordell-Lang-Vermutung, bewies. Außerdem gab er zusammen mitGisbert Wüstholz einen neuen Beweis desSatzes von Roth, für denRoth 1958 die Fields-Medaille erhalten hatte.

1985 ging Faltings für längere Zeit in die USA und forschte und lehrte an derUniversität Princeton, behielt aber eineGastprofessur in Wuppertal. Dies löste in der Öffentlichkeit eine Debatte über die Attraktivität des Forschungsstandortes Deutschland für junge Wissenschaftler aus.

1994 kehrte Faltings nach Deutschland zurück und wurde Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn, an dem er ab 1995 auch einen der Direktionsposten übernahm.

Auch zur Lösung der sogenanntenFermatschen Vermutung durch den britischen MathematikerAndrew Wiles hat Faltings Erhebliches beigesteuert. MitChing-Li Chai schrieb er eine Monographie in der Ergebnisse-Reihe des Springer Verlags über die Entartung (Degeneration) abelscher Varietäten und deren Anwendung auf die Kompaktifizierung der Modulräume abelscher Varietäten. Der BegriffAnabelsche Geometrie entstand aus einem Brief vonAlexander Grothendieck an Faltings von 1983 als Reaktion auf dessen Lösung der Mordellvermutung.[3] Der japanische MathematikerShin’ichi Mochizuki, ein Experte auf diesem Gebiet, war ein Doktorand von Faltings, der aber mit dem von Mochizuki vorgelegten Beweisversuch derabc-Vermutung genauso wenig anfangen konnte wie die meisten anderen Experten für arithmetische Geometrie.

Neben Fachliteratur hat Faltings auch eine für Nichtmathematiker verständliche Aufsatzsammlung als Einführung in die moderne Mathematik herausgegeben.

Im Jahr 1992 wurde Faltings zum Mitglied derLeopoldina gewählt.[4] 1999 wurde Faltings in dieNordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste gewählt, 2014 in dieAcademia Europaea.

Faltings ist verwitwet und hat zwei Töchter.[5]

Ehrungen

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Siehe auch

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Schriften (Auswahl)

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  • Faltings,Gisbert Wüstholz (Hrsg.):Rational points. Vieweg, 1984,doi:10.1007/978-3-322-83918-3.
  • Gerd Faltings:Endlichkeitssätze für abelsche Varietäten über Zahlkörpern. In:Inventiones mathematicae.Band 73, 1983,S. 349–366,doi:10.1007/BF01388432 (Digitalisat [abgerufen am 9. September 2010]). 
  • Gerd Faltings:Die Vermutungen von Tate und Mordell. In:Jahresbericht derDeutschen Mathematiker-Vereinigung.Band 86,Nr. 1, 1984,S. 1–13 (uni-bielefeld.de [PDF; abgerufen am 9. September 2010]). 
  • Faltings:Arakelov's theorem for abelian varieties, Inventiones Mathematicae, Band 72, 1983, S. 337–347
  • Faltings:Arithmetische Kompaktifizierung des Modulraums der abelschen Varietäten, Arbeitstagung Bonn 1984, Lecture Notes in Mathematics 1111, Springer 1985, S. 321–383,doi:10.1007/BFb0084598.
  • Faltings:Calculus on arithmetic surfaces, Annals of Mathematics, Band 119, 1984, S. 387–424,doi:10.2307/2007043
  • Faltings:Hodge-Tate structures and modular forms, Mathematische Annalen, Band 278, 1987, S. 133–149
  • Faltings:p-adic Hodge theory, Journal of the American Mathematical Society, Band 1, 1988, S. 255–299,doi:10.1090/S0894-0347-1988-0924705-1
  • Faltings:Crystalline cohomology and p-adic Galois representations, in: Jun-Ichi Igusa (Hrsg.), Algebraic analysis, geometry and number theory, Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1989, S. 25–80
  • Faltings,Ching-Li Chai:Degeneration of abelian varieties,Ergebnisse der Mathematik und ihrer Grenzgebiete, Springer 1990
  • Faltings:Diophantine Approximation on Abelian Varieties, Annals of Mathematics, Band 133, 1991, S. 549–576
  • Faltings:Lectures on the arithmetic Riemann-Roch theorem, Annals of Mathematical Studies 127, Princeton University Press 1992
  • Faltings,Gisbert Wüstholz:Diophantine approximations on projective spaces, Invent. Math., Band 116, 1994, S. 109–138,doi:10.1007/BF01231559,online bei DigiZeitschriften (frei zugänglich)
  • Faltings (Hrsg., Einleitung):Moderne Mathematik. Spektrum, Akademie Verlag (ReiheVerständliche Forschung), Heidelberg/Berlin/Oxford 1996,ISBN 3-8274-0025-2.
  • Faltings:Almost étale extensions, Astérisque, Nr. 279, 2002, S. 185–270.
  • Faltings:Diophantine Equations, in: Mathematics Unlimited, Springer 2001, S. 449–454,doi:10.1007/978-3-642-56478-9_21.

Literatur

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Weblinks

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Commons: Gerd Faltings – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Der entsprechende Satz fürganzzahlige Punkte wurde schon in den 1920er Jahren vonCarl Ludwig Siegel bewiesen. Die Version der Mordellvermutung für Funktionenkörper bewiesenYuri Manin undHans Grauert in den 1960er Jahren. Für Zahlkörper gibt es seit Ende der 1980er Jahre auch einen alternativen Beweis von Vojta.
  2. Klaus Friedrich Roth undAlexander Grothendieck stammten zwar aus Deutschland, waren aber durch die Nationalsozialisten vertrieben worden undWendelin Werner war zwar gebürtiger Deutscher, nahm aber früh die französische Staatsbürgerschaft an.
  3. Anabelian Geometry, ncat-lab
  4. Mitgliedseintrag vonGerd Faltings (mit Bild und CV) bei derDeutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 5. Juli 2016.
  5. heidelberg-laureate-forum.org (Memento vom 28. September 2018 imInternet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt Linktext fehlt.
  6. Prof. Dr. Gerd Faltings. Mitgliedseintrag bei derAkademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 4. August 2016. 
  7. Ministerpräsident Rüttgers überreicht Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an 16 Bürgerinnen und Bürger: „Ihr Engagement zeichnet uns alle aus“. (Memento vom 15. November 2010 imInternet Archive). Pressemitteilung. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, 18. Juni 2009.
  8. Heinz Gumin Preis für Mathematik der Carl Friedrich von Siemens Stiftung. Auf:carl-friedrich-von-siemens-stiftung.de.
  9. „Wie ein Nobelpreisträger aus Münster“. Auf:uni-muenster.de.
  10. The Shaw Prize in Mathematical Sciences 2015 … (Memento vom 21. Oktober 2019 imInternet Archive)
  11. Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste: Aktuell / Mitteilungen aus dem Orden vom 11. September 2024:Der Orden Pour le mérite hat neue Mitglieder gewählt, abgerufen am 11. September 2024
Träger derFields-Medaille

1936:Lars Valerian Ahlfors,Jesse Douglas |1950:Laurent Schwartz,Atle Selberg |1954:Kodaira Kunihiko,Jean-Pierre Serre |1958:Klaus Friedrich Roth,René Thom |1962:Lars Hörmander,John Milnor |1966:Michael Atiyah,Paul Cohen,Alexander Grothendieck,Stephen Smale |1970:Alan Baker,Heisuke Hironaka,Sergei Nowikow,John G. Thompson |1974:Enrico Bombieri,David Mumford |1978:Pierre Deligne,Charles Fefferman,Grigori Margulis,Daniel Quillen |1982:Alain Connes,William Thurston,Shing-Tung Yau |1986:Simon Donaldson,Gerd Faltings,Michael Freedman |1990:Vladimir Drinfeld,Vaughan F. R. Jones,Shigefumi Mori,Edward Witten |1994:Jean Bourgain,Pierre-Louis Lions,Jean-Christophe Yoccoz,Efim Zelmanov |1998:Richard Borcherds,Timothy Gowers,Maxim Konzewitsch,Curtis McMullen |2002:Laurent Lafforgue,Wladimir Wojewodski |2006:Andrei Okunkow,Grigori Perelman,Terence Tao,Wendelin Werner |2010:Elon Lindenstrauss,Ngô Bảo Châu,Stanislaw Smirnow,Cédric Villani |2014:Artur Ávila,Manjul Bhargava,Martin Hairer,Maryam Mirzakhani |2018:Caucher Birkar,Alessio Figalli,Peter Scholze,Akshay Venkatesh |2022:Hugo Duminil-Copin,June Huh,James Maynard,Maryna Viazovska

Personendaten
NAMEFaltings, Gerd
KURZBESCHREIBUNGdeutscher Physiker und Mathematiker
GEBURTSDATUM28. Juli 1954
GEBURTSORTGelsenkirchen
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