Gedern ist eine Kleinstadt im Nordosten deshessischenWetteraukreises. Der Ort war ein anerkannter Luftkurort. Seit dem März 2023 darf sich Gedern Tourismusort[2] nennen und entsprechende Beiträge von Übernachtungsgästen erheben.
Die Stadt Gedern liegt ca. 50 km nordöstlich vonFrankfurt am Main am Rande desVogelsberges, etwa in der MitteHessens. Sie liegt in einem Tal des Mittelgebirges Vogelsberg, ungefähr in der Mitte zwischenFulda (37 km) und Frankfurt am Main (50 km). Sie ist Teil desNaturparks Vulkanregion Vogelsberg.[3] Gedern liegt auf einer Höhe von 357 m.
Gedern wurde am 24. Mai 780 erstmals in einer vomKloster Lorsch ausgestellten Urkunde alsGauuirada/Gauuirida erwähnt.[4] 797 schenkte Regniher die Gederner Marienkirche samt 18Hörigen dem Kloster Lorsch. 1000 n. Chr. wird Gedern in einerFuldaer Urkunde als „Gewiridi“ erwähnt, 1187 wird „Wenings“ erstmals in einem Besitzverzeichnis derJohanniter zuNidda erwähnt. 1247 fiel Gedern nach dem Tod Gerlachs von Büdingen an die Herren vonBreuberg undTrimberg. Erbberechtigt waren die GeschlechterKempenich,Ysenburg und Breuberg.
1316 belehnte ErzbischofBalduin von TrierEberhard III. von Breuberg mit der Gerichtsbarkeit von Gedern und der Hälfte des Ortes. 1320 wird Ober-Seemen erstmals als „Ober-Siemene“ erwähnt, als Luther von Isenburg in einer Urkunde den Verkauf des „Zehnten“ bestätigte. Das Landgericht Gedern fiel 1327 an Trimberg. 1336 verlieh KaiserLudwig der Bayer Wenings dieStadtrechte. Dieerste Pestwelle suchte Gedern in den Jahren 1348–1352 heim. Die Verleihung derMarkt- und Stadtrechte an Konrad von Trimberg für den Ort „Gaudern“ (Gedern) durch KaiserKarl IV. erfolgte 1356. Die Linie Trimberg starb 1376 aus und „Gaudern“ (Gedern) fiel anEppstein-Königstein. 1381 verpfändete Eberhard von Eppstein das Gederner Gericht an Engelbert vonLißberg und an die Herren vonHanau undSchlitz. 1398 fand Gottfried von Eppstein mit 330 Gulden den Johann vonRodenstein in Lißberg ab; die Herren von Lißberg waren ausgestorben. 1424 waren alle Pfandrechte an Gedern abgelöst, somit war Eppstein Alleinbesitzer. Während desBauernaufstandes 1431 wurden dieEisenhütten von Gedern und Hirzenhain zerstört. 1465 kaufte Eberhard von Eppstein die Wüstung „Klein Niddern“, somit wird auch die Waldschmiede von Gedern urkundlich erwähnt. Wenings wurde im Jahre 1467 zur Festungsstadt erklärt, nachdem die Stadtmauer, fünf Türme sowie drei mächtige Tore fertiggestellt worden waren.
1468 wurde eine Urkunde über die Verleihung der Pfarrstelle in Gedern ausgestellt. Daraus geht auch hervor, dass die Kirchen in Ober-, Mittel- und Niederseemen sowie inVolkartshain von der Kirche in Gedern abhängig waren. Im Jahr 1497 fiel das Gericht Gedern an das Haus Königstein, sieben Jahre später (1504) schiedBöß-Gesäß aus dem Gericht Gedern aus.
1524 wurden Gedern und Weningslutherisch. 1530 wurde der Betrieb der Eisenhütte am Schmitterberg eingestellt; heute ist noch gut zu erkennen, wo sich der Erzbruch in etwa befand. Mit Eberhard IV. von Eppstein-Königstein starb sein Geschlecht 1535 in der männlichen Linie aus, und dieHerrschaft Gedern fiel an seinen Neffen Graf Ludwig II. vonStolberg-Wernigerode. Am 29. Juli 1568 erhielt die Stadt „Gaidern“ durch KaiserMaximilian II. das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten. 1572 wurde die Eisenhütte „Schmitterberg“ an Hirzenhain verpachtet. Die bei den Bauernaufständen zerstörte Eisenhütte Gedern wurde 1585 neu errichtet.
1635 erreichte die zweite Pestwelle die Stadt. 1638 wurde die Grafschaft Stolberg geteilt, Gedern wurde Sitz der älteren Linie. Nach Ende desDreißigjährigen Krieges waren Stadt und umliegende Dörfer fast vollständig entvölkert.
Zwischen 1675 und 1710 baute Graf Ludwig Christian dasSchloss Gedern zu seiner Residenz aus. 1678 wurde ein Galgen, 1679 die Brauerei errichtet, 1710 dasRentamt fertiggestellt. Die jetzige barocke Turmhaube, die einen gotischen Spitzturm ersetzte, erhielt die Gederner Kirche im Jahre 1738.
1742 wurde GrafFriedrich Karl von KaiserKarl VII. gegen Zahlung einer beträchtlichen Geldsumme in den Fürstenstand erhoben.
Das Gederner Kirchenschiff wurde 1884 zur Basilika umgebaut.
1888 wurde dieOberwaldbahn(Eisenbahnlinie Stockheim–Gedern) fertiggestellt.
1905 wurden die ersten Wasserleitungen in Gedern verbaut, hierbei wurden auf der heutigen Frankfurter- und Lauterbacherstraße Mauerreste entdeckt, die auf Stadttore schließen lassen, jedoch keine großen. Die steilste in Deutschland zulässige Bahntrasse wurde 1906 eröffnet. Sie umfasste die Strecke von Gedern nach Ober-Seemen (Stand 1995). Heute verläuft hier der Vulkanradweg.1907 wurde dasFransecky-Denkmal enthüllt, es musste in den 1960ern dem Neubau der Volksbank und des Parkdecks weichen. 1925 wurde Gedern in den Bund oberhessischer Städte aufgenommen. 1926 zählte Gedern zum Kreis Büdingen. Ebenfalls 1926 erhielt Gedern sein Stadtwappen.1929 wurde das Bezirkskrankenhaus erbaut und in Betrieb genommen.
Gedenktafel für die jüdischen Opfer des NS-Regimes in Gedern
Bereits wenige Wochen nach derMachtergreifung durch die Nationalsozialisten kam es in Gedern zu gewalttätigenantisemitischen Ausschreitungen, die von der örtlichenSA initiiert wurden. Bereits am Abend des 13. März 1933 traf sich eine Menschenmenge auf demSchlossberg und zog danach vom nördlichen Ende Gederns Richtung Stadtkern. Von dort lief die Menge über die Mühlstraße und die Untergasse weiter. Auf ihrem Weg wurden wenigstens zwölf jüdische Familien heimgesucht und auf offener Straße sowie nach gewaltsamem Eindringen in deren Wohngebäude teils schwer misshandelt. Dabei kamen Knüppel und Motorradketten zum Einsatz. Die Schreie der Misshandelten waren weithin zu hören, wie in einem Gerichtsprotokoll vomLandgericht Gießen aus dem Jahre 1949 festgehalten wurde.
Am Abend des 26. September 1933 fand eine zweite Terroraktion gegen jüdische Einwohner aus Gedern statt. Wenigstens vier jüdische Männer wurden gewaltsam zu Reinigungsarbeiten herangezogen. Sie mussten unter Zwang Wahlparolen derEisernen Front entfernen und wurden dabei von Angehörigen der SA beaufsichtigt und auf ihrem Weg zu den Wahlplakaten misshandelt. Dies fand unter Beifall von etwa 100 bis 200 ortsansässigen Zuschauern statt.
Im Jahre 1933 lebten noch 118 jüdische Personen in Gedern, aber bereits 1937 waren alle zuvor in Gedern ansässigen Juden aufgrund der Repressalien geflohen. Die Existenzgrundlage war der jüdischen Gemeinde durchBoykott der Geschäfte entzogen worden. Viele versuchten die Flucht in die Anonymität nachFrankfurt am Main, einige wanderten direkt ins Ausland aus.[6][7][8]
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die örtlicheSynagoge in ein Wirtshaus umgewandelt. Durch den Umbau des Hauses deutet heute nichts mehr auf die ehemalige Nutzung hin. Im Jahr 2010 wurde vor dem Gebäude eine Gedenktafel errichtet, auf der 35 Namen von Familien genannt sind, die zwischen 1933 und 1937 Gedern verlassen mussten.[9] Der neue und der alteJudenfriedhof von Gedern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in einen würdigen Zustand versetzt und werden seitdem fortlaufend von der Kommune gepflegt.
Die Stadt Gedern in ihren heutigen Grenzen entstand im Jahre 1972 durch dieGebietsreform in Hessen. Zugleich wurde die Stadt zum 1. August 1972 Teil des neu gebildetenWetteraukreises.
Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass neben der Stadt Schotten auch Gedern in den neuen Vogelsbergkreis wechseln würde, doch Gedern entschied sich für den Wetteraukreis. So wurden die ehemaligen Vogelsberggemeinden Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen am 1. August 1972 an die Nachbarstadt Schotten abgetreten.
Aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit zu Gedern haben die Dörfer Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen heute noch die gleiche Vorwahl wie die Stadt Gedern, des Weiteren gehen die Schüler nach Gedern zur Schule.[14]
1987 bis 1989 kam Gedern bundesweit in die Schlagzeilen, als der jüdische ArztDan Kiesel in Gedern antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war und daraufhin die Stadt verließ.Die Zeit, dietaz, dasZDF und andere berichteten.[16] Kiesel sah sich Telefonterror, Sachbeschädigung und Brandstiftung ausgesetzt.[17][18] Einige Gederner Bürger wehrten sich gegen die „Pressehetze gegen Gedern“, was sogar im hessischen Landtag debattiert wurde; außer reißerischen Reportagen gebe es keinerlei Beweise für Verfolgungen und Attentatsversuche gegen Dan Kiesel.[19] DieLandesärztekammer Hessen sprach unverzüglich Erklärungen gegen die Hetze gegen Dan Kiesel aus.[20]
Nach den Erhebungen desZensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Gedern 7594 Einwohner. Darunter waren 400 (5,3 %) Ausländer, von denen 135 aus demEU-Ausland, 198 aus andereneuropäischen Ländern und 67 aus anderen Staaten kamen.[26] (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 9,0 %.[27]) Nach dem Lebensalter waren 1348 Einwohner unter 18 Jahren, 3061 zwischen 18 und 49, 1630 zwischen 50 und 64 und 1559 Einwohner waren älter.[28] Die Einwohner lebten in 2967 Haushalten. Davon waren 734Singlehaushalte, 848Paare ohne Kinder und 1071 Paare mit Kindern, sowie 260Alleinerziehende und 54Wohngemeinschaften.[29] In 615 Haushalten lebten ausschließlichSenioren und in 1912 Haushaltungen lebten keine Senioren.[30]
Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS[21]; Hessisches Statistisches Informationssystem[27];Zensus 2011[26] nach 1970 einschließlich der im Zuge derGebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird derBürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einerDirektwahl, und ist Vorsitzender desMagistrats, dem in der Stadt Grünberg neben dem Bürgermeister ehrenamtlich einErster Stadtrat und acht weitereStadträte angehören.[37] Bürgermeister ist seit August/September 2015 der parteiunabhängigeGuido Kempel, der bis dahinHauptamtsleiter der Stadtverwaltung war.[38] Sein Amtsvorgänger Klaus Bechtold (SPD) trat während seiner ersten Amtszeit Ende März 2015 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. DerErste Stadtrat Herbert Weber (FWG) leitete die Stadtverwaltung kommissarisch und die Wahl eines neuen Bürgermeisters musste vorgezogen werden.[39] Guido Kempel erhielt am 5. Juli 2015 im ersten Wahlgang bei 49,1 Prozent Wahlbeteiligung 51,7 Prozent der Stimmen. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2021.[40]
Für alle Stadtteile und die Kernstadt besteht je einOrtsbezirk mitOrtsbeirat undOrtsvorsteher nach Maßgabe der §§ 81 und 82HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung.[15]Die Ortsbezirke sind durch die Gebiete der Stadtteile abgegrenzt und bestehen aus sieben bzw. für den Stadtteil Gedern aus neun Mitgliedern.Deren Wahl erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin. Zur Zusammensetzung siehe die jeweiligen Stadtteile.
Bei denKommunalwahlen in Hessen 2021 gehörten alle Kandidaten der „Bürgerliste Kernstadt Gedern“ an.[42] Der Ortsbeirat wählte Ines Zajonc-Kaehler zur Ortsvorsteherin.[43]
WappenForellenbrunnen der Stadt Gedern in Anlehnung an das Wappen der Stadt
Das Wappen wurde am 23. August 1926 vom Ministerium des Inneren genehmigt.
Blasonierung: „Auf rotem Feld mit zwei silbernen Pfählen zwei einander zugekehrte, pfahlweise gestellteForellen in verwechselten Farben.“
1925/26 forschte man in Gedern nach einem alten Wappen der Stadt, jedoch ohne Erfolg. Im 1885 erschienenenWappenbuch vonJohann Siebmacher wurden ebenfalls keine Hinweise auf die Existenz eines alten Stadtwappens gefunden; im Gegenteil wurde dort behauptet, dass Gedern gar kein Wappen habe. Aufgrund dessen wurde ein Antrag auf Erteilung eines Wappens gestellt. Am 21. August 1926 unterbreitete das Ministerium des Inneren einen Vorschlag, der das Wappen so darstellt, wie es noch heute zu sehen ist. Die Begründung des Ministers lautete wie folgt: Das Haus Trimberg, mit dem Gederns Vergangenheit sehr verbunden ist, habe die Farben rot-weiß gehabt, ebenso wie das Land Hessen. Deshalb solle das Stadtwappen aus einem rot-weiß oder rot-silber gestreiften Schild bestehen. Des Weiteren sollten zwei nach außen gekrümmte Forellen das Wappen zieren. Als im Jahre 1417 inWernigerode die Erbverbrüderung zwischen dem letzten Wernigeroder Grafen und GrafBotho zu Stolberg stattfand, wehte vom Turm des Wernigeroder Schlosses das Banner mit zwei roten Forellen auf weißem Feld. 1429 starb GrafHeinrich von Wernigerode und sein Wappen wurde zerbrochen. Die roten Forellen des zerbrochenen Wappens wurden vom Minister daher ebenfalls für das Stadtwappen vorgeschlagen. Am 31. August 1926 wurde dieser Vorschlag vom Gemeinderat Gederns genehmigt. Die Forellen passen symbolisch auch gut zum Wasser- und Fischreichtum der Stadt.
Seit 1992 (bezogen auf die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags) ist Gedern mit der amerikanischen StadtColumbia inIllinois verschwistert. DieStädtepartnerschaft hat ihren Ursprung in der Initiative von einigen Einwohnern Columbias, die nach ihren Ahnen forschten. Erst rund 150 Jahre nachdem 156 Leute aus Wenings und Umgebung in die USA (hauptsächlich Columbia und Waterloo) ausgewandert waren, wurden Verbindungen in die alte Heimat festgestellt. Dies geschah im Jahr 1990. Bereits ein Jahr später besuchte eine Delegation aus Gedern die Auswanderer in Columbia. Im April 1992 wurde während des Besuchs der Leute aus Columbia ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Die offizielle Verschwisterungsfeier fand im Mai 1993 in Columbia, Illinois statt.
Des Weiteren ist Gedern seit 2004 mit der polnischen StadtPolanow verschwistert. Der StadtteilWenings ist seit 1970 mitNucourt in Frankreich verschwistert.
Der Gederner See zieht im Sommer viele Camper und Badegäste an.[44] Gedern verfügt weiter über ein beheiztesHallenbad im Sportzentrum am Schmitterberg. Oberhalb des Gederner Sees liegt dasSegelfluggelände Gedern.Der so genannteVulkanradweg verläuft auf der ehemaligenBahnstrecke Stockheim–Lauterbach (Hess).[45] Der Vulkanradweg ist Teil desBahnradweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt. Der ehemalige Bahnhof wird heute als Gaststätte genutzt.[46] Im Ortsteil Ober-Seemen befindet sich das Kinder- und Jugendferiendorf des Landkreises Groß-Gerau.[47]
Bis 1975 war Gedern mit dem Zug auf derVogelsbergbahn zwischenGlauburg-Stockheim undLauterbach Nord erreichbar. Das örtliche Schienennetz wurde in den 1970er bis 1980er Jahren zurückgebaut. Heute befindet sich auf der alten Bahntrasse derVulkanradweg.ImÖPNV wird die Stadt nunmehr auf verschiedenenBuslinien angefahren.
Gedern verfügt über einSegelfluggelände, das von Segelflugzeugen, selbststartenden Motorseglern und Luftfahrzeugen, soweit diese bestimmungsgemäß zum Schleppen von Segelflugzeugen oder Motorseglern zugelassen sind, angeflogen werden darf. Zudem besteht eine Sonderlandegenehmigung für eine historischeMesserschmitt Bf 108 (D-EBFW).
Des Weiteren befindet sich auf einem Hügel zwischen dem Ortsteil Ober-Seemen und Kirchbracht einDrehfunkfeuer, das für den internationalen Luftverkehr von Bedeutung ist. Das Funkfeuer wird unter anderem für An- und Abflüge auf demFlughafen Frankfurt Main genutzt. Das Funkfeuer sendet, neben den Richtungsradialen, auf der Frequenz 110,80 MHz den Erkennungscode GED für Gedern als Morsezeichen ( − − · · − · · ).
DasGederner Schloss entstand aus einer Befestigungsanlage des 14. Jahrhunderts.[48]Auf einigen Gebäuden, die sich auf dem Schlossberg befinden, sind die Jahreszahlen der Errichtung eingemeißelt; zumeist sind diese am obersten Stein eines (Tor-)Bogens zu sehen.Anhand dieser Zahlen lässt sich gut erkennen, dass der Ausbau des Schlossareals in mehreren Etappen geschehen sein muss. Aber gerade durch die Jahreszahlen an den Gebäuden kommen einige geschichtlich interessante Fragen auf. So wurde die Torhalle mit der Brücke auf das Jahr 1605 datiert, allerdings wurde die Schlossmauer zum Teil bereits im Mittelalter errichtet. Der Mittelbau des Schlosses stammt aus dem Jahre 1706, fast 100 Jahre nach Errichtung des Torbogens.1225 wird ein Zeuge Wolfram aus Gedern genannt, deshalb hat sich in Gedern auch der Name Wolframsburg erhalten.
Zu den ältesten Bauten der Schlossanlage zählt die Torhalle mit Brücke,Marstall und das Schilderhaus (1605), der Bau der alten Brauerei gegenüber der Torhalle stammt von 1679. Das Hauptgebäude entstand in verschiedenen Bauabschnitten, die auf die Jahre 1670–1710 datiert sind. Erhalten sind ebenfalls Schmiede und dieRemise. Das Schlossanlage liegt in einemenglischen Park.
Die Gebäude wurden bis 1927 von der Linie Stolberg bewohnt und dienten bis 1945 demArbeitsdienst als Unterkunft. Nach Kriegsende wurden in den Gebäuden Heimatlose und Flüchtlinge untergebracht. Am 1. August 1987 kaufte die Stadt Gedern das Schloss mit Nebengebäuden.
Nach umfangreicher Sanierung zog hier 1997 die Stadtverwaltung ein. Im ehemaligen Marstall sind eineSeifensiederei und das Stadtarchiv untergebracht. Im Torbogenhaus befindet sich ein kulturhistorisches Museum.Des Weiteren befindet sich im Westflügel des Schlosses seit 2007 ein 4-Sterne-Hotel.
Weidenkirche
Die Weidenkirche im Stadtteil Steinberg wurde von den Bürgern errichtet, um den Gottesdienst auch in der freien Natur feiern zu können.
In der Region rund um den Vogelsberg werden vereinzelt als lokale Spezialität die sogenanntenBeulches undSpitzbube in Gaststätten mit traditioneller deutscher Küche angeboten. Beulches sind wurstförmige Kartoffelrollen, die aus einem Teig aus rohen geriebenen Kartoffeln, Lauch, Zwiebeln und Gewürzen bestehen. Meistens wirdDörrfleisch in diese Kartoffelmasse gegeben, als Variationen sindKasseler,Blutwurst oder Speck möglich. Man serviert dieBeulches, nachdem man sie in den namensgebenden kleinen Leinensäcken (Beulche ugs.Oberhessisch fürkleiner Beutel) gekocht hat, zusammen mitZwiebelsoße.
Spitzbuben werden ähnlich hergestellt, allerdings wird die Teigmasse nicht in Leinenbeuteln, sondern nach Formung in der Hand zu länglichen Klößen wie z. B.Schupfnudeln in siedendem Wasser gekocht. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Form des entstandenen Kloßes mit spitzen Enden.
Bedingt durch die aufwändige und zeitintensive Herstellung werden Beulches oft nur für besondere Anlässe wie z. B. in Gedern für den Gassemäärt oder in der Gastronomie auf besondere Bestellung zubereitet. In früheren Zeiten bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren sowohl Spitzbube als auch Beulches ein „Arme-Leute-Essen“, da hierfür verwertbare Fleisch- und Wurstreste mit in jeder Region angebauten Kartoffeln, Lauch und Zwiebeln vermengt wurden und so eine kostengünstige und nahrhafte Mahlzeit hergestellt werden konnte.
↑Glöckner, Cod. Lauresh. 3, S. 235 Nr. 3631 = 3751b.
↑Arthur Benno Schmidt:Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 108, Anm. 36 und S. 25, Anm. 81, sowie beiliegende Karte.
↑Eingliederung der Gemeinde Ober-Seemen in die Stadt Gedern, Landkreis Büdingen vom 24. November 1970. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.):Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970Nr.49,S.2291,Punkt 2283 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF;6,3MB]).
↑Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.):Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971Nr.28,S.1117,Punkt 988; Abs. 11. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF;5,0MB]).
↑Gemeindegebietsreform in Hessen; Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.):Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972Nr.3,S.84,Punkt 93 Abs. 34 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF;6,0MB]).
↑Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 1. Januar 1900
↑Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.):Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen.Band13. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872,OCLC162730471,S.12ff. (Google Buch).
↑Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte.Band22. Weimar 1821,S.411, 421 (online bei Google Books).
↑Georg W. Wagner:Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen.Band3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830,S.181ff. (online bei Google Books).
↑abDer genaue Datum für den Beginn der Amtszeit von Guido Kempel nach Einführung, Verpflichtung, Ernennung und Vereidigung hat sich der online-Recherche bislang nicht erschlossen – FNP, 10. August 2023:80 Jahre für Gedern: „Kempel berichtete, dass er als Hauptamtsleiter unter Bürgermeister Stefan Betz schon mit vielen Vorgängen befasst gewesen sei, die auch heute zu seinen Aufgaben zählen. … Trotzdem habe er zunächst nicht an eine Kandidatur gedacht, als sein Vorgänger Klaus Bechtold (SPD) seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen angekündigt habe.“ – Stadtverordnetenversammlung:1. Sitzung, konstituierende Sitzung, Do, 22.04.2021 19:00 Uhr: „15. Einführung, Verpflichtung, Ernennung und Vereidigung des Bürgermeisters“
↑abFR, 12. September 2011:Klarer Sieg für Bechtold (SPD): „Bechtold ist Nachfolger des parteilosen Bürgermeisters Stefan Betz, der nach einer Amtszeit nicht mehr angetreten war. … Klaus Bechtold ist 63 Jahre alt und Gederner Urgestein. … Bis März war er fünfeinhalb Jahre lang ehrenamtlicher Erster Beigeordneter.“ – Stadt Gedern, 2011:Bürgermeisterwahl Gedern 2011: „Neuer Bürgermeister von Gedern ist ab 01.01.2012 Herr Klaus Bechtold.“
↑Zum Schloss siehe Rolf Müller (Hrsg.):Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990,ISBN 3-89214-017-0, S. 132–134.