In jedem Fall ist eine Gattung, die aus mehreren Arten besteht, lautErnst Mayr (1950) eine Gruppe von Arten gemeinsamer Abstammung, die von einer anderen Art oder von einer Gruppe von Arten durch einen deutlichenmorphologischen Abstand getrennt ist.[1]Willi Hennig präzisierte diese Definition 1966 in seinem WerkPhylogenetic Systematics dahingehend, dass die Arten einer Gattung engermiteinander verwandt sein müssten als mit irgendeiner anderen Art einer anderen Gattung.[2]
Alle Arten innerhalb einer Gattung haben stets einen zweiteiligen (binären) Namen (dasBinomen), der aus dem Gattungsnamen und dem Art-Epitheton besteht. Der Gattungsname steht stets in der Singularform und das Art-Epitheton wiederholt das Geschlecht des Gattungsnamens, falls es ein Adjektiv ist.Abies alba (dieWeißtanne) etwa ist eine von ca. 51 Arten innerhalb der GattungAbies (Tannen). Die binäreNomenklatur der Artnamen geht aufCarl von Linné zurück, der sie 1753 inSpecies Plantarum für die Pflanzen einführte. In der 1758 erschienenen 10. Auflage vonSystema Naturæ wurden neben den Pflanzen auch für die Tiere binäre Namen vergeben. Da beide Systeme,ICN undICZN, bis heute voneinander unabhängig existieren, gibt es Gattungsnamen, die sowohl in derBotanik als auch in derZoologie existieren, sogenannteHemihomonyme.
Wenn eine Gattung vieleArten enthält, die nach unterschiedlichen Kriterien geordnet werden können, stehen die folgenden hierarchischen Ränge oberhalb des RangesArt zur Verfügung:
Untergattung, kurz subg.
Sektion, kurz sect.
Untersektion, kurz subsect.
Serie, kurz ser.
Unterserie, kurz subser.
Dabei liegt es im Ermessen des beschreibenden Biologen, welcher der Ränge angemessen erscheint.
Bedeutende Unterschiede werden in der Regel durch Untergattungen ausgedrückt (Beispiel: UntergattungSolanum subg.Leptostemonum); bei unscheinbaren Variationen wird eher die Sektion benutzt, z. B.BrombeerenRubus sect.Rubus. Es gibt also keine Vorschrift, dass bestimmte Ränge bevorzugt zu benutzen sind. Allerdings wird die Untersektion (bzw. Unterserie) nur gebraucht, wenn auch die Sektion (bzw. Serie) benutzt wird.Der Name der Untergattung kann in runden Klammern zwischen Gattungsname undArtepitheton eingefügt werden (Beispiel:Geißklee-BläulingPlebejus (Plebejus) argus undHochmoor-BläulingPlebejus (Vacciniina) optilete). In der Regel werden dabei Namen verwendet, denen in der Vergangenheit oder auch heute noch von anderen Autoren Gattungsniveau eingeräumt wird. Bei der Unterteilung in Untergattungen muss eine Untergattung den Namen der Gattung tragen. Sie soll in diesem Fall die Art oder Artgruppe umfassen, dieTypus der Gattung ist oder diesen mit umfasst, im Falle der GattungHelix dieWeinbergschneckeHelix (Helix) pomatia.
Die Ränge unterhalb der Einheit Untergattung, also Sektion und Serie, sind nach den heutigen Regeln derNomenklatur im Bereich der Zoologie, anders als in der Botanik, nicht mehr zulässig.
In derVirologie ist von diesen Unterteilungen Stand Juli 2022 nur die Untergattung zulässig.
↑„a genus consists of one species, or a group of species of common ancestry, which differ in a pronounced manner from other groups of species and are separated from them by a decided morphological gap.“Ernst Mayr:Taxonomic categories in fossil hominids. In:Cold Spring Harbor Symposia on Quantitative Biology 1950, Band 15, 1950, S. 109–118, (hier: S. 110),doi:10.1101/SQB.1950.015.01.013.
↑Willi Hennig:Phylogenetic Systematics. University of Illinois Press, Urbana 1966.