Gambia [ˈgambi̯a] (offiziellenglischThe Gambia bzw.Republic of The Gambia) ist eineRepublik inWestafrika, die an den Ufern des FlussesGambia liegt. Mit Ausnahme eines kurzen Küstenabschnittes an der Mündung des Flusses in denAtlantischen Ozean wird Gambia vollständig vom StaatSenegal umschlossen. Mit einer Gesamtfläche von ungefähr 11.000 Quadratkilometern ist das Land der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes. Die Hauptstadt istBanjul.
Gambia liegt an der Westküste desafrikanischen Kontinents und ist mit 11.295 km² dessen flächenkleinster Staat und z. B. nur halb so groß wie Hessen. Die ungefähr 740 Kilometer lange Grenze folgt auf einer Länge von etwa 480 Kilometern sowie einer Breite von zehn bis 50 Kilometern dem Verlauf des Gambia-Flusses. Abgesehen vom Küstenabschnitt ist Gambia vom zwanzigmal so großenSenegal umschlossen. Häufig wird das Land als eineEnklave bezeichnet, was aber den Zugang zum Atlantischen Ozean nicht berücksichtigt. Der ungewöhnliche Grenzverlauf Gambias wird mit der weit verbreiteten Geschichte erklärt,[5] britische Schiffe hätten vom schiffbaren Teil des Flusses mit Kanonen nach beiden Seiten geschossen, um mit der Reichweite dieser Kanonen eine Grenzlinie gegenüber den Franzosen festzulegen.[6] Gambia ist ein flaches Land, dessen Höhe über dem Meeresspiegel zwischen0 m und53 m beträgt.[7][8]
DasKlima isttropisch mit einer ausgeprägtenRegenzeit undTrockenzeit. Die Trockenzeit dauert von November bis Mai. Sie ist beeinflusst vom trockenen Nordost-Wind aus derSahara, genanntHarmattan. Die Durchschnittstemperaturen steigen dabei auf Werte zwischen 21 und 27 Grad Celsius an, wobei Spitzenwerte bis über 40 °C erreicht werden können. Die relativeLuftfeuchtigkeit bleibt im Bereich zwischen 30 und 60 Prozent. Aufgrund derglobalen Erwärmung haben in Gambia Überflutungen und Stürme in den letzten Jahren stark zugenommen.[9]
Gambia hat eine Küstenlinie von ungefähr 80 Kilometern Länge. Etwa 1300 Quadratkilometer, also 11,5 Prozent der Landesfläche, sind Wasserflächen. Davon trägt derGambia-Fluss – einer der HauptströmeAfrikas – mit seinen Seitenarmen den Hauptanteil.
Die geographische Position des Landes, kombiniert mit den umfangreichenFeuchtgebieten, sorgt für eine große Anzahl verschiedenster Pflanzenarten. Ungefähr 530 verschiedene Pflanzenarten sind in Gambia bekannt. Der nördliche Teil des angrenzenden Senegal liegt in derSahelzone, weiter im Süden Westafrikas schließt sich dertropische Regenwald (Guineazone) an. Die Übergangszone, in der auch Gambia liegt, nennt manSudanzone. Feuchtsavanne ist der vorherrschendeVegetationstyp, wobei nördlich des Gambias die Vegetation spärlicher ist.
Nach der Landnutzungsstudie von 1998 waren etwa 45 Prozent der Landesfläche mit unterschiedlichen Waldtypen bedeckt. Allerdings betrug der Anteil geschlossenen Waldes („dense forest“, mit geschlossenem Kronendach) nur knapp 9 Prozent der Landesfläche, während etwa dreiviertel der Waldfläche als „Waldsavanne“ klassifiziert wurde. Weitere 32 Prozent der Landesfläche wurden als parkartige, offene Busch-Savanne bezeichnet, die meist saisonal beackert wird. Typischerweise werden bei der Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Fläche Einzelbäume bestimmter Baumarten auf den Feldern stehen gelassen, meist solche, die einen übergeordneten Wert haben, z. B. als Lieferant von Früchten (z. B. „Buschmango“ (Cordyla pinnata),Baobab), Medizinalprodukten (z. B. „westafrikanisches Mahagoni“Khaya senegalensis), Viehfutter (grünes Laub während der Trockenzeit, z. B.Anabaum (Faidherbia albida)) oder technische Fasern (z. B. Rinde des Baobab für die Herstellung von Seilen). Die Waldsavanne kann man grob einteilen in eine Variante auf tiefgründigeren, besseren Böden mit höheren Niederschlägen (besonders in der West Coast Region und in der westlichen Hälfte der Lower River Region) und in eine Variante, die eher auf den flachgründigeren Plateaus mit niedrigeren Niederschlägen im Osten des Landes zu finden ist. Die häufigsten Baumarten sindKhaya senegalensis,Cordyla pinnata,Daniellia oliveri,Pterocarpus erinaceus undProsopis africana. Auf den trockeneren Plateaus sind außerdem derrote Seidenwollbaum undAfzelia africana vertreten. Auf den besseren Standorten im Westen sind dagegenAnogeissus leiocarpa,Néré (Parkia biglobosa) undSterculia setigera häufiger zu finden. Auf weiter Fläche ist die Waldsavanne durch Waldbrände,Überweidung und übermäßige Nutzung seit Jahrzehnten degradiert und in der Artenzusammensetzung stark verändert worden. Statt der ursprünglichen Artenvielfalt sind robuste Pionierpflanzen wieTerminalia macroptera und verschiedeneCombretum-Arten vorherrschend geworden.
Über eine Strecke von gut 200 Kilometern von der Mündung landeinwärts finden sich, soweit der Einfluss desSalzwassers reicht – der sogenanntenBrackwasserzone – am Ufer des Gambia dicht verschlungeneMangrovenwälder. Weiter flussaufwärts sowie an einigen der meist kurzen Frischwasserzuflüsse, die zum Teil nur in der Regenzeit Wasser führen, finden sich an den Rändern der Fließgewässer Reste von immergrünem Galeriewald. Hier wachsen außer den meisten der für die Waldsavanne genannten Baumarten auchEbenholz,Erythrophleum guineense,Milicia regia, sowie dieÄthiopische Palmyrapalme (Borassus aethiopum) und zahlreiche Lianen. Typische Beispiele von Galeriewald sind imAbuko Nature Reserve und bei dem OrtPirang in einem kleinen staatlichen Forest Park erhalten geblieben.
Entlang des Atlantiks erstreckte sich vor der Überbauung der Küste durch hauptsächlich touristische Infrastruktur ein Streifen von Küstenwald (Coastal Woodland), der besonders durch geschlossene Bestände der Äthiopischen Palmyrapalme gekennzeichnet ist. Weiterhin sind dortAllophyllus africanus,Malacantha alnifolia mit charakteristisch unrundem Stamm und der dornige BuschFagara zanthoxyloides häufig vertreten. Ein gut erhaltener und geschützter Rest des typischen Küstenwaldes ist beiBijilo zu finden.
Einige in Gambia nicht heimische Baumarten werden in größerem Maße angepflanzt. Insbesondere wurden Plantagen mit der aus Südostasien stammendenGmelina arborea angelegt, beispielsweise imNymbai Forest Park in der West Coast Region, wo eine kleine Sägewerks-Industrie entstanden ist. Diese schnellwachsende Baumart hat sich auch gut bewährt zur Pflanzung auf Feuerschutzstreifen und zur Markierung von unterschiedlichen Besitzverhältnissen in der Waldsavanne, weshalb in Reihen gepflanzteGmelina ziemlich augenfällig entlang von Straßen und Wegen zu sehen sind. Weitere Baumarten, die in Westafrika nicht heimisch sind, aber in Gambia aus forst- oder landwirtschaftlichen Gründen regelmäßig angepflanzt werden, sind z. B.Teakbaum (Tectona grandis),Mango (Mangifera indica),Niembaum (Azadirachta indica) undEukalyptusarten.
Großwild wie Elefanten, Löwen oder Giraffen wurde im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Kolonialherren und Wilderern ausgerottet. Dennoch bietet Gambia mit seinen umfangreichen Savannen- und Feuchtgebieten noch heute einer großen Anzahl von Tierarten Lebensraum.
Bekannt ist das Land für die große Vielfalt seiner bunten Vogelwelt. Über 540 Vogelarten sind in der Fachliteratur beschrieben – ein Drittel dieser Vögel sindZugvögel.
Einst galt der Gambia alskrokodilreichster Fluss Afrikas; heute sind in freier Wildbahn nur noch selten Krokodile anzutreffen, darunter dasNilkrokodil und dasStumpfkrokodil. Zu den Echsen gehört auch der bis zu zwei Meter großeNilwaran. Selten geworden, aber gefährlicher sind dieFlusspferde, von denen oberhalb vonElephant Island noch ungefähr 100 Exemplare leben.
Die geschützte Küstenlinie ist ein beliebtes Laich- und Aufwuchsgebiet für diverse Fische.Delfine sind in der Flussmündung zu beobachten.
Seit den 1970er Jahren kommt es – zusammen mit Buschbränden – zu häufigerem Auftreten von Dürrekatastrophen. Seit Mitte der 1980er Jahre treten Sandstürme, die mehr als drei Tage dauern, fast jährlich auf. In den letzten 20 Jahren sind weite Abschnitte der Küstenlinie zwischen Banjul und Tanji durch Erosion bei Sturmfluten beschädigt worden, wobei es auch zu erheblichen Verlusten an Besitztümern gekommen ist. Seit kurzem treten Überschwemmungen des Flusses jährlich auf, die in vielen Teilen des Landes Felder und Gebäude beschädigen. Im Jahr 2004 bekämpfte die gesamte westafrikanische Region eine riesige Population Heuschrecken. Die gambische Regierung rief deshalb vorsorglich den Notstand aus.
Die Erweiterung der Ackerflächen, Überweidung durch Viehwirtschaft, Buschbrände und unerlaubter Holzeinschlag hat den Waldanteil von ungefähr 70 Prozent in den 1960er Jahren auf weniger als 9 Prozent im Jahr 2000 verringert.
Abuko Nature Reserve
DerAbuko Nature Reserve ist das bekanntesteNaturschutzgebiet in Gambia. Der 1968 eingerichtete etwa 100Hektar große Park liegt ungefähr 20 Kilometer südlich der Kombo-St. Mary Area.
Im Jahr 2023 lebten 65 Prozent der Einwohner Gambias in Städten.[10] Weil die HauptstadtBanjul auf einer Insel liegt, kann sie nicht weiter expandieren. Dadurch istSerekunda in derKombo-St. Mary Area mit Abstand die größte Ortschaft und mit 415.962 Einwohnern das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.
Gambia hatte 2022 2,7 Millionen Einwohner.[11] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,5 %. Dieser Wert ist im Laufe der Zeit angestiegen und erreichte im Jahr 1993 den Zenit mit 3,88 Prozent. Seitdem sinkt die Wachstumsrate wieder. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 32,7 pro 1000 Einwohner[12] vs. Sterbeziffer: 7,1 pro 1000 Einwohner[13]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,6, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9.[14] DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 16,8 Jahren.[15] Im Jahr 2023 waren 42,6 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[16] während der Anteil der über 64-Jährigen 2,4 Prozent der Bevölkerung betrug.[17] DieBevölkerungsstruktur zeigt den für einEntwicklungsland typischen Aufbau, was man in der leichten Pagodenform in derAlterspyramide erkennen kann. In der Altersstruktur ist kein Ausschlag zu erkennen, der auf gesellschaftliche Veränderungen wie zum Beispiel Kriege, Katastrophen oder einenPillenknick hindeutet.
Im Jahre 2017 waren 9,8 % der Bevölkerung im Ausland geboren.[18] Die Gründe liegen wohl in den wirtschaftlichen Verhältnissen, die besser sind als inGuinea undGuinea-Bissau; auch ausGhana gibt es viele Immigranten. Seit 2015 hat sich jedoch auch die Auswanderung beschleunigt; allein unter den in Italien im Jahr 2015 angekommenenBootsflüchtlingen waren etwa 8500 Gambier.[19]
Bei einer Fläche von 10.689 Quadratkilometern[1] macht das eineBevölkerungsdichte von 209 Einwohnern pro Quadratkilometer. Größter Ballungsraum ist dieKombo-St. Mary Area.
Die größte Bevölkerungsgruppe ist die derMandinka mit einem Anteil von fast 40 Prozent, gefolgt von denFulbe, denWolof, denDiola und denSerahuli, die zusammen weitere 53 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Weniger als 8 Prozent gehören kleineren Minderheiten an.
Da in Gambia viele verschiedene Ethnien leben, die sich hauptsächlich durch ihre eigene Sprache definieren, sind die Gambier rechtpolyglott. Häufig sprechen sie mehrere Sprachen fließend oder können sich zumindest darin verständigen. Neun Sprachen sind hauptsächlich verbreitet, aber über zwanzig verschiedene Sprachen[20] werden in dem kleinen Land gesprochen. Am weitesten verbreitet ist mit etwa 454.000 Sprechern[21] dasMandinka aus der Gruppe derMande-Sprachen. Topographische Bezeichnungen sind häufig in Mandinka. DasWolof mit etwa 165.000 Sprechern hat die größte Verbreitung in Senegal und wird vor allem in der Küstenregion um Banjul und in der Kombo-St. Mary Area gesprochen. Wolof wird oft als Handels- und Geschäftssprache benutzt und diente auch in der Zeit derKonföderation Senegambia als Parlamentssprache. DasFulfulde (oderFulani) wird von etwa 263.000 Gambiern gesprochen. An vierter und fünfter Position folgenSoninke undDiola mit Sprecherzahlen von etwas über bzw. unter 60.000 Gambiern.
Die farbenfrohe Kleidung der Frauen
Diearabische Sprache ist eine alte Schriftsprache im Gambia-Tal. Im Zuge desTranssaharahandels kamen schon seit dem 10. Jahrhundert[22] nordafrikanische Händler zu den westafrikanischen Herrscherhäusern. Durch die Annahme desIslam wurde die arabische Sprache, die heute als Bildungssprache und Sprache der Religion gilt, auch in die Region südlich desMaghreb verbreitet. Durch die grenznahen Kontakte mit Senegal haben viele Gambier auch fundierteFranzösischkenntnisse. Gambier, die Kontakt mit demTourismus haben, besitzen oft zusätzlich Sprachkenntnisse inDeutsch,Niederländisch,Schwedisch oderFinnisch.
Moschee in GambiaDas heilige Krokodil auf einer Ein-Dalasi-Münze.
Gambias Bevölkerung ist zu 90 Prozentmuslimisch, 9 Prozentchristlich und etwa 1 Prozent gehört traditionellen indigenen afrikanischen Religionen an.
Gambia verstand sich bis 2015 als ein weltlicher Staat, der den Respekt vor allen kulturellen und traditionellen Werten fördert. Es war in Gambia traditionell üblich, offizielle Veranstaltungen mit Gebeten eines muslimischenImams und eines christlichenGeistlichen zu eröffnen. Am 11. Dezember 2015 erklärte StaatspräsidentYahya Jammeh jedoch Gambia zu einer „islamischen Republik“. Seine Kritiker wiesen darauf hin, dass es für seine Entscheidung keine „verfassungsmäßige Grundlage“ gebe.[23]
Unter den indigenen Religionen findet sich derVoodoo. Im Gegensatz zum Voodoo-Kult in Haiti versteht sich der Voodoo in Westafrika in der Regel als eine weiße, heilende und gute Magie. Trotzdem werden gelegentlich Geschichten verbreitet, in denen jemand böswillig etwas mit Voodoo bewirkt haben soll. Es wurde beispielsweise ein Beschuldigter gelyncht, weil er angeblich einem anderen das Geschlechtsteil weggezaubert hatte.[24]
Ein Tier mitmythologischer Bedeutung ist dasKrokodil. Es gilt alsheiliges Tier und Fruchtbarkeitssymbol. So sehen die Westafrikaner zum Beispiel imVollmond – in der Mandinka-SpracheBambo genannt – ein Krokodil. In den Dalasi-Banknoten ist dieses Tier als Wasserzeichen eingearbeitet.
Es gibt drei bekannteheilige Krokodilbecken, die unter anderem für den Tourismus betrieben werden. Das meistbesuchte ist dasHeilige Krokodilbecken von Kachikally beiBakau. Daneben gibt es Anlagen bei Barra und Allahein. Dort werden in langer Familientradition Krokodile aufgezogen, die dann die Besucher – sofern sie mutig sind – berühren dürfen. Dieses Berühren soll Glück und Fruchtbarkeit bringen. Auch das Wasser aus diesen Kultstätten wird für rituelle Zwecke benutzt.
DerAlphabetisierungsgrad der Erwachsenen (über 15 Jahren) liegt 2015 bei 50,8 Prozent (zum Vergleich 2000: 36,8 Prozent)[25] oder 55,5 Prozent.[26] Nach Geschlechtern aufgeteilt sind das 63,9 Prozent der Männer und 47,6 Prozent der Frauen.[26] Die Staatsausgaben für dasBildungswesen lagen 2018 bei 2,42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (zum Vergleich 1985: 4,30 Prozent; 2004: 0,62 Prozent).[27]
DasSchulsystem ist ansbritische System angelehnt, eineSchulpflicht besteht in der Greater Banjul Area. Das Einschulungsalter liegt bei sieben Jahren in derPrimary School, die sechsSchuljahre umfasst. Nach einem guten Abschluss folgt die fünfjährigeSecondary High School. Danach ist der Weg offen für die zweijährigeHigh School in Banjul. Dieser Abschluss berechtigt zum Besuch einer Universität.
In Serekunda gibt es die im Jahr 1998 gegründeteUniversität von Gambia, die 1999 ihren Lehrbetrieb aufnahm. Zuvor mussten die Studenten ins Ausland gehen, wenn sie ein Medizin- oder Agrarstudium beginnen wollten.
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 3,2 % des Bruttoinlandsprodukts.[28] Im Jahr 2018 praktizierten in Gambia 1,2 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[29] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 45,6 pro 1000 Lebendgeburten.[30] DieLebenserwartung der Einwohner Gambias ab der Geburt lag 2022 bei 62,9 Jahren[31] (Frauen: 64,3[32], Männer: 61,5[33]).
Erfolgreiche Programme zurAIDS-Bekämpfung sorgten dafür, dass die AIDS-Rate in Gambia rückläufig ist. Sie lag 2020 bei rund 2 Prozent,[34] was im Vergleich mit demsubsahara-afrikanischen Durchschnitt von 9 Prozent besonders niedrig ist. Auch dasMalaria-Kontroll-Programm Gambias gilt als vorbildlich für ganz Westafrika.
Weibliche Genitalverstümmelung
Wie in den Nachbarstaaten stellt auch in Gambia die Tradition derweiblichen Genitalverstümmelung eine große Gefahr für die körperliche und seelische Gesundheit von Mädchen und Frauen sowie ihrer Kinder dar. Im Zusammenhang mit der niedrigen Alphabetisierungsquote der Frauen, der vor allem auf dem Land fehlenden Bildung und den zementierten, von Aberglauben beeinflussten Vorstellungen über weibliche Sexualität hat sich die Praxis bis ins 21. Jahrhundert fortgesetzt. Abhängig von der Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Ethnien liegt der Prozentsatz genitalverstümmelter Frauen zwischen 12,5 Prozent bei den Wolof und 98 Prozent bei den Sarahule.Terre des Femmes spricht von 76 Prozent genitalverstümmelter Frauen in Gambia.[35] Allerdings sinkt, auch in Folge von Aufklärungskampagnen,[36] die Anzahl der Befürworterinnen allmählich von 71 Prozent im Jahr 2005 auf 64 Prozent wenige Jahre später.[35] Die Beschneidungen werden nur von Frauen vorgenommen, und Frauen sind auch diejenigen, die am stärksten an der Praxis festhalten. 2015 wurde die weibliche Genitalverstümmelung verboten, weil sie „unislamisch“ ist.
Die genaueetymologische Herkunft des Namens Gambia ist nicht bekannt; es gibt mehrere Deutungen dazu. Er wurde in der Zeit der europäischen Entdecker vor rund 500 Jahren zum ersten Mal schriftlich benutzt. Als diese ihre Expeditionen immer weiter nach Süden ausdehnten, fertigten sie gleichzeitig Karten über die Regionen für zukünftige Reisen an. Ortsnamen wurden in ihren Berichten erwähnt und auf den Karten markiert. Da die Expeditionen zuerst auf dem Wasserweg erfolgten, waren die Flüsse in der RegionSenegambia von großer Bedeutung.[37][38]
Alvise de Cadamosto bezieht sich in den Berichten seiner Expeditionen 1455 und 1456 auf den Fluss und das Land alsGambra oderCambra.Duarte Pacheco Pereira berichtet, dass der Fluss die Grenze zwischen dem KönigreichJolof im Norden und dem derGuambea bildet, das in derSprache der Mandinka auchGuabu genannt wird. Im Jahr 1552 kenntJoão de Barros zwei Bezeichnungen für den Fluss; die Menschen entlang des Flusses nennen ihnGambu, während die Portugiesen ihnGambea nennen.Richard Jobson stellte 1632 fest, dass der Fluss von einigenGambia genannt wird, von anderen aber wiederumGamba. Aus linguistischer Sicht gab es einige Verwirrung darüber, ob sich die WorteCambra,Gambra,Gambu,Guabu undGuambea auf den Fluss, dasMandinka-ReichKaabu oder auf Flussund Reich beziehen. Beide Wortstämme teilen sichKa oderGa (Kam/Gam). Die Silbenbra,bu undbea scheinen unterschiedliche Bedeutungen zu haben. Die Silbebu bezieht sich im Speziellen auf das Land der Kaabu, während sich die Silbenbra undbea auf den Fluss beziehen. Die Silbebra von Cadamosto könnte ihren Ursprung vom WortBur derWolof haben, das so viel wie König bedeutet. Dies könnte erklären, dassGambia ursprünglich vonGambura in der Bedeutung als ‚Platz des Königs‘ zu verstehen ist. Die Nähe des Jolof-Reiches zur nördlichen Grenze zu Kaabu könnte erklären, wie einWolof-Wortstamm sich mit der Sprache der Mandinka vermischt haben kann.[37]
Aus der mündlichen Überlieferung, die in Westafrika eine weitere wichtige historische Quelle ist, stammt eine andere Deutung des NamensGambia. Nach einer Wiedergabe desGriot Fabala Kanuteh anSamuel Carter[38] heißt es, als die PortugiesenJames Island besuchten, sandte der König vonNiumi, Seneke Jamme, einen Boten zu den Fremden. Dieser Bote mit dem NamenKambi Manneh wurde von den Portugiesen gefragt: „Was ist der Name dieses Ortes?“ Seine Antwort auf die Frage, die er wohl nicht richtig verstanden hatte, war: „Mein Name ist Kambi.“Kambi-yaa bedeutetKambis Ort oderan Kambis Ort.[38] Die Geschichte wurde in dieser Form ebenfalls vom GriotFoday Musa Suso wiedergegeben, nur der vollständige Name des Boten warKambi Sonko.[37]
Im 19. Jahrhundert beziehen sich die Dokumente auf die Siedlung am Fluss Gambia (englischSettlement on the River Gambia). 1888 wurde die Kolonie als „die Kolonie von Gambia“ (englischThe Colony of the Gambia) bezeichnet. In der kolonialen Zeit wurden keine Unterschiede zwischen den SchreibweisenGambia undThe Gambia gemacht. Seit der Unabhängigkeit Gambias ist der offizielle Name des StaatesThe Gambia mit einem großgeschriebenen Artikel. Auf diese Schreibweise wird besonders in englischsprachigen Schriften geachtet.[38]
Nach einer weiteren Theorie stammt der Ursprung des Namens vomportugiesischen Wortcâmbio („Austausch“, „Wechsel“ oder „Handel“).Câmbio könnte die Übersetzung der Bezeichnung für den Fluss der damaligen Bevölkerung im 15. Jahrhundert sein. Das Wortba dimma (nach anderer Deutungfura) wird dabei als Quelle genannt.[39]Ba dimma kommt aus derMandinka-Sprache (ba-djio = Fluss).
Die Bewohner am Fluss haben keinen speziellen Namen für ihn; das allgemeine Wort für Fluss in Fula istmaayo,baa in Mandinka oderdex in Wolof. Der BegriffKambi Bolongo, der eine Schlüsselrolle inAlex Haleys RomanRoots spielt, ist einzig im Flussmündungsgebiet bekannt.Bolongo ist ein Wort fürCreek.[38]
Die fruchtbaren Ufer des Gambia-Flusses sind seit Jahrtausenden besiedelt. Ein schriftliches Zeugnis gab derKarthagerHanno der Seefahrer um 470 v. Chr. im Bericht seiner Reise nachWestafrika. Die Verbindung zumMittelmeerraum riss erst mit dem Fall des Römischen Reiches und der Ausbreitung desIslams ab.
1618 vergabKönig James I. einer britischen Gesellschaft das Privileg zum Handel mit Gambia und derGoldküste, dem heutigen Ghana. Auch dieNiederlande und dasHerzogtum Kurland hatten kurzzeitig Kolonien auf dem Gebiet des heutigen Gambia. Vom späten 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stritten sich England undFrankreich um die politische und wirtschaftliche Herrschaft über die Flüsse in Senegal und Gambia. DerPariser Frieden von 1763 übertrug Großbritannien die Herrschaft über Gambia, die Franzosen bekamen lediglich eine kleine Enklave umAlbreda nördlich des Flusses. Diese wurde 1857 an Großbritannien abgetreten.
In der Zeit des transatlantischen Sklavenhandels wurden mehr als drei MillionenSklaven nach Amerika verschleppt. Erst 1807 beendete Großbritannien den Sklavenhandel offiziell, was dem Handel in Gambia vorerst keinen Abbruch tat. Im Jahr 1816 bauten die Engländer inBathurst (heute Banjul) einen Militärstützpunkt. Die folgenden Jahre unterstand Banjul zeitweise dem britischen General-Gouverneur in Sierra Leone. Erst 1888 wurde Gambia eine eigenständige Kolonie. Dabei wurde die Grenze zwischen der französischen Kolonie Senegal und Gambia endgültig festgelegt.
Das allgemeine Wahlrecht wurde 1960 garantiert, damit war das aktive und passiveFrauenwahlrecht eingeführt. DasFrauenwahlrecht wurde bei der Unabhängigkeit 1965 bestätigt.[40][41][42]
Am 18. Februar 1965 wurde Gambia als konstitutionelle Monarchie insCommonwealth aufgenommen. Bei einem Besuch von Senegals PräsidentLéopold Sédar Senghor 1967 in Gambia wurde ein Abkommen über intensive Zusammenarbeit zwischen dem damals noch nicht so genannten Banjul und Dakar geschlossen.[43] Am 24. April 1970 wurde Gambia in eine Republik innerhalb des Commonwealth umgewandelt. Erster Präsident der Republik wurde der bisherige MinisterpräsidentDavid Dawda Kairaba Jawara, der bis 1994 fünfmal wiedergewählt wurde. In seiner Amtszeit erschütterte 1981 ein gewaltsamer Staatsstreich das Land. Im Nachspiel zum Putsch unterzeichneten Gambia und Senegal am 12. Dezember 1981 einen Vertrag, der die Vereinigung der Streitkräfte, der Währung und des Wirtschaftsraumes in derKonföderation Senegambia vorsah. Diese Konföderation bestand vom 1. Februar 1982 bis zum 30. September 1989, als Gambia aus dem Bund austrat.
Der jungeLeutnant Jammeh kam 1994 durch einen militärischen, aber weitgehend unblutigenStaatsstreich an die Macht, der aus einem Protest der Soldaten über verspäteteSoldauszahlungen entstand. Er verkündete damals, mindestens bis zum Jahr 1998 allein regieren zu wollen. Dennoch wurden bereits1996 wieder Wahlen abgehalten, aus denen Jammeh klar als Sieger hervorging. Tatsächlich waren die Jahre von 1996 bis 2000 von einer gewissen Stabilität und wirtschaftlichem Aufschwung geprägt: Derinternationale Flughafen in Banjul sowie zahlreiche Straßen wurden modernisiert, ein neues Krankenhaus, neue Schulen, eine Fernsehstation und ein riesiges Revolutionsdenkmal entstanden, der Tourismus war wieder eine gute Einnahmequelle.
Vor der gambischen Küste ereignete sich 2002 eine der größtenKatastrophen der Seefahrt der Nachkriegszeit. Die senegalesische FähreLe Joola, die damals einzige Fähre zwischenZiguinchor in der RegionCasamance und Dakar, sank in einem Sturm. Dabei kamen über 1800 Menschen um.
Bei den Präsidentschaftswahlen 2006 wurde Yahya Jammeh mit 67,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt und im November 2011 für eine vierte Amtszeit bestätigt. Er erhielt nach Angaben der Wahlkommission 72 Prozent der Stimmen, dieWestafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft hatte im Vorfeld aber die Präsidentschaftswahlen als „nicht frei, fair und transparent“ kritisiert und die Entsendung vonWahlbeobachtern abgelehnt.[44]
2011 gründeten Regimegegner in derDiaspora, vor allem in den USA und Großbritannien, dieCoalition for Change,[45] die sich als oppositionelle politische und Bürgerrechtsbewegung versteht. Einer der Gründer war der ehemalige Informationsminister des Landes,Amadou Scattred Janneh, der auch dieUS-Staatsbürgerschaft besitzt und bis zu seiner Ernennung zum Minister 2003 in der US-Botschaft in Gambia arbeitete. 2011 wurde er inhaftiert, 2012 unter dem Druck amerikanischer Bürgerrechtler wieder freigelassen. Präsident Jammeh suchte daraufhin neue Verbündete in Nahost, besuchte im Jahr 2014Katar und verstärkte die islamische und antiimperialistische Propaganda. Nach einem gescheiterten Putschversuch am 30. Dezember 2014 verschärfte sich die Repression. Jammeh beschuldigte ausländische Regierungen, die Verschwörer unterstützt zu haben.[46] Im Juni 2015 wurde die ständige EU-Vertreterin ohne Angabe von Gründen des Landes verwiesen.[47] Bereits zwei Jahre vorher erklärte Jammeh am 2. Oktober 2013 mit sofortiger Wirkung die Mitgliedschaft im Commonwealth für beendet. Großbritannien hatte zuletzt, wie auch die MenschenrechtsorganisationAmnesty International, die Menschenrechtslage in Gambia gerügt. Die Regierung in der Hauptstadt Banjul teilte mit, das westafrikanische Land wolle „niemals Mitglied einer neokolonialen Einrichtung“ oder einer Institution sein, „die für eine Fortsetzung des Kolonialismus steht“.[48]
Der Präsident ist dasStaatsoberhaupt und gleichzeitigRegierungschef undOberbefehlshaber derStreitkräfte. EinenPremierminister gibt es seit 1970 nicht mehr. Das Staatsoberhaupt wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Im Jahr 2002 ließ der damaligeStaatspräsidentYahya Jammeh eine Verfassungsänderung beschließen, nach der der Präsident unbegrenzt wiedergewählt werden kann. Präsidentschaftswahlen fanden im September2006, November 2011, Dezember 2016 und Dezember 2021 statt.[52]
Bei der Präsidentschaftswahl am 1. Dezember 2016 siegte überraschend der HerausfordererAdama Barrow von derNational People’s Party gegen den langjährigen AmtsinhaberYahya Jammeh, der nach 22 Jahren Amtszeit abgewählt wurde.[53] Im Wahlkampf kam es zu zahlreichen Verhaftungen und Gefängnisstrafen und sogar Todesdrohungen des Amtsinhabers in Richtung Opposition.[54] Nachdem Jammeh zunächst seine Niederlage eingestanden hatte, widerrief er eine Woche später diese Aussage und kündigte Neuwahlen an, die er wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Wahl abhalten wolle. So lange wolle er im Amt bleiben.[55] Die internationale Staatengemeinschaft (Afrikanische Union, Vereinte Nationen, Vereinigte Staaten) verurteilte dieses Verhalten und forderte Jammeh zum Rücktritt auf. Ab Mitte Dezember 2016 versuchten das Nachbarland Senegal sowie Nigeria und weitere Länder der westafrikanischen WirtschaftsgemeinschaftECOWAS in Verhandlungen, Yahya Jammeh von einer geordneten Machtübergabe an Adama Barrow zu überzeugen. Diese Verhandlungen verliefen erfolglos und ECOWAS drohte daraufhin mit einem militärischen Eingreifen. Jammeh bezeichnete dies als „Kriegserklärung“.[56] Nach Ablauf seiner regulären Präsidentschaft marschierten am 19. Januar 2017 senegalesische Truppen in Gambia ein, um die Machtübergabe zu erzwingen.[57][58] Zuvor hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution zum Eingreifen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Gambia beschlossen. Am selben Tag wurde Adama Barrow in der gambischen Botschaft im Nachbarland Senegal als neuer Präsident vereidigt. Nach Ablauf des Ultimatums starteten die Nachbarstaaten am 20. Januar einen letzten Versuch, mit Jammeh zu verhandeln; Jammeh gab schließlich auf, trat von seinem Amt als Präsident Gambias zurück und ging nachGuinea ins Exil.[59][60] Barrow kehrte aus seinem Exil in Senegal zurück, übernahm die Regierungsgeschäfte und stellte am 1. Februar seinKabinett vor.[61][62] Für das zweithöchste Amt alsVizepräsidentin hat Adama BarrowFatoumata Tambajang vorgeschlagen. Allerdings erfüllt sie nicht die Altersvorgabe der Verfassung.Halifa Sallah fungiert seit 2017 als Sprecher (spokesperson) für den neuen Präsidenten Barrow.
Gambias Parlament ist dieNational Assembly (Nationalversammlung). Es besteht aus 53 Mitgliedern, von denen 48 in direkter Wahl vom Volk gewählt werden. Fünf Mitglieder werden vom Präsidenten ernannt. Das aktiveWahlrecht hat jeder Gambier, der über 18 Jahre alt ist und sich zuvor zur Wahl hatte registrieren lassen. Die Wahlen selber fanden in der Vergangenheit frei und ohne Druck statt, es wurde keine Kritik von Oppositionellen und ausländischen Beobachtern geäußert.
Bereits im Sommer 2008 haben mehrere europäische Regierungen ihre Reisewarnungen an schwule Männer verschärft, nachdem zwei Spanier lediglich ihrer Homosexualität wegen verhaftet worden waren. „Man müsse bei einem Besuch des westafrikanischen Landes äußerst vorsichtig sein, so die Empfehlung.“[71] Seit dem Jahr 2014 häuften sich Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen, u. a. überFolter, außergerichtliche Hinrichtungen und die Verfolgung vonHomosexuellen. PräsidentYahya Jammeh bezeichnete Homosexuelle als „Ungeziefer“, das man „töten solle, wie Moskitos“. Weiterhin äußerte er, sie seien „gefährlicher als Tsunamis und Erdbeben“, er werde Homosexuellen „eigenhändig den Hals durchschneiden“.[72]EU undUSA froren daraufhin ihre wirtschaftlichen Förderprogramme für Gambia ein.
Zum Ende der Amtszeit des Langzeitpräsidenten Jammeh rangierte Gambia in derRangliste der Pressefreiheit 2017, die vonReporter ohne Grenzen herausgegeben wird, auf Platz 143 von 180 Ländern.[73] Bereits 2005 nahm die Organisation deninternationalen Tag der Pressefreiheit zum Anlass, Präsident Jammeh in die Liste der „Feinde derPressefreiheit“ aufzunehmen und machte dadurch weltweit darauf aufmerksam, dass die Bedingungen für Journalisten in Gambia kritisch sind.[74] Laut dem Bericht der Nichtregierungsorganisation war die Situation der Pressefreiheit im Land „schwierig“.[75] Seitdem hat sich die Situation verbessert und die Nichtregierungsorganisation sieht nur noch erkennbare Probleme für die Pressefreiheit.[76]
Der Anteil der Staatsausgaben für Verteidigung (Military expenditures) lag 2021 geschätzt bei 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.[79] Damit gehört Gambia zu den Staaten mit den geringstenMilitärausgaben weltweit. Diegambischen Streitkräfte, die sogenanntenGambia Armed Forces, sind etwa 2000 Mann stark und beinhalten dieLandstreitkräfte (Gambia National Army), dieMarine (Gambia Navy) und dieLuftstreitkräfte (Gambia Air Wing). EineWehrpflicht besteht nicht.
Die Armee wurde 1983, zunächst infolge desPutsches von 1981, als eine 200 Mann starke Einheit gegründet. Vorher gab es seit der Unabhängigkeit keine bewaffneten Streitkräfte im Land, lediglich eine 750 Mann starke Polizei und einen halb so großen Verband mit dem NamenField-Force. Man hatte bis zum Putsch ein Verteidigungsabkommen mit dem Senegal abgeschlossen.
Gambia besitzt keineBodenschätze, die sich wirtschaftlich erschließen ließen –Landwirtschaft,Tourismus undFischerei sind die Haupterwerbszweige des Landes. Von den Exporten – im Jahr 2016 geschätzt auf 120 MillionenUS-Dollar – gingen 2017 38 Prozent nach China, 22 Prozent nach Indien, 7 Prozent nach Mali und nach Chile 5 Prozent. Im selben Jahr kamen 38 Prozent der Importe aus China, 10 Prozent aus Indien und je 5 Prozent aus Senegal und Brasilien. Das Land hat aufgrund der niedrigen Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Industrie ein hohesHandelsbilanzdefizit. 2016 betrug es knapp 20 % der Wirtschaftsleistung. Um seinen Importbedarf zu decken, muss sich das Land hoch verschulden. Im Jahr 2017 betrug die geschätzte Staatsverschuldung (Public debt) 88 % des BIP, im Weltvergleich Rang 35.[79]
ImGlobal Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Gambia Platz 117 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).[80]
Zum Umbau der Energieinfrastruktur Gambias auf erneuerbare Energien beschlossen dieEuropäische Union (41 Millionen Euro) dieEuropäische Investitionsbank (65 Millionen Euro Darlehen) und die Weltbank (35,7 Millionen Euro Darlehen) 2019, das Saubere-Energie-Programm des staatlichen Stromversorgers NAWEC zu finanzieren.[81]
Die Erdnuss, Gambias wichtigstes ExportgutDie traditionelle Art, Getreide zu zerstampfen
Zwei Drittel bis drei Viertel der Erwerbstätigen arbeiten im Bereich der Landwirtschaft, die ein Viertel bis ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Der Gambia-Fluss mit seinen Nebenflüssen ist Gambias Lebensader. Das Flusswasser lässt sich am effizientesten in der Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen verwenden. Die dicht besiedelten Gebiete Westgambias hängen völlig von der Nutzung des Grundwassers für den industriellen und häuslichen Gebrauch ab.
Die mit Abstand wichtigste Kulturpflanze ist dieErdnuss, die leicht sandige Böden bevorzugt. Jedes zweite landwirtschaftlich genutzte Feld ist ein Erdnussfeld. Sie bringt mit ihren Nebenprodukten 78 Prozent der Exporterlöse ein. Die exportorientierte, auf die Erdnuss ausgerichtete Landwirtschaft macht es aber notwendig, dass ein Fünftel der benötigten Nahrungsmittel eingeführt werden muss.
Daneben werdenHirse undSorghum,Maniok undMais kultiviert.Reis, das Grundnahrungsmittel Nummer eins, wird nicht ausreichend im Land produziert und muss zusätzlich importiert werden.
Eine untergeordnete Rolle für den Export spielenBaumwolle, die in den östlichen Landesteilen angebaut wird, undPalmkernöl. DieÖlpalme wird in erster Linie an der Küste angebaut. Außerdem werden Tierhäute exportiert.
Die Nutztierhaltung in Gambia erfolgt weitgehendextensiv mit geringem Mitteleinsatz. Unter den Nutztieren sind zahlenmäßig Rinder (ca. 300.000), Ziegen (200.000–230.000) und Schafe (ca. 150.000) am stärksten vertreten.[82]
Der Tourismus in Gambia leistet nach der Landwirtschaft mit etwa 18 % den zweitwichtigsten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Die meisten Touristen besuchen das Land der Strände wegen. Daneben sind Fluss- und Vogelexkursionen besonders wichtig. Auch kulturell Interessierte kommen nach Gambia, um das Trommeln auf einerDjembé in einem mehrtägigen Kurs zu lernen.
Mitte der 1960er Jahre begann ein schwedisches Reisebüro, Reisen nach Gambia anzubieten. Die Zahl der Hotelbetten stieg von anfänglich 52 auf 4500 im Jahr 1989. Durch die Zunahme des Tourismus in den letzten 30 Jahren wurde nach und nach mehr als die Hälfte der erschlossenen Küstenlinie bebaut, und die Regierung Jammeh forcierte die weitere Zunahme des Fremdenverkehrs.
In den Schlagzeilen erscheint Gambia im Zusammenhang mitSextourismus. Die sogenanntenBumster versuchen, sich auf charmante Weise als Reisebegleiter anzupreisen. Allein reisende Frauen, die sich sicher im Land bewegen wollen, nehmen die Dienste gelegentlich an. Die Bumster hoffen, für sich und ihre Familien Almosen zu erhalten, oder spekulieren auf eine Heirat mit anschließender Emigration nach Europa.[83]
2014 kam es zu einem Einbruch des Tourismus aufgrund der Ebola-Epidemie in anderen Ländern Westafrikas.
Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts in Senegal und Gambia seit 1950
Es gibt keine ausgeprägte industrielle Fertigung in Gambia. Den größten Industriezweig bildet die lokale Verarbeitung von Erdnüssen. Die größeren privaten Unternehmen beschäftigen sich mit dem Straßen- und Häuserbau. Weiter gibt es die BrauereiBanjul Breweries, Bäckereien, einen Fahrradhersteller und eine Gießerei. Ein Betrieb eines Pharmaherstellers wurde 2007 eröffnet. Es gibt auch viele Kleinbetriebe, die Möbel herstellen, Metall verarbeiten, Holzschnitzereien fertigen oder Fisch verarbeiten. Viele Betriebe werden staatlich subventioniert.
Im Jahr 2017 investierte dieVolksrepublik China 33 Millionen Dollar in die Entwicklung von Landwirtschaft und Fischerei in Gambia und errichtete dreiFischmehlfabriken entlang der gambischen Küste. Seither werden täglich große Mengen Fischmehl ausGunjur hauptsächlich nach China undNorwegen verschifft, wo es in der industriellenAquakultur vor allem anLachse für den europäischen und amerikanischen Markt verfüttert wird. Die schädlichen sozioökonomischen und ökologischen Folgen der Fischmehlproduktion in Gambia selbst, wo die heimische Fischerei unter der Überfischung der Küstengewässer durch chinesische Fangschiffe leidet, während die ursprünglich versprochenen Infrastrukturinvestitionen ausbleiben und durch die Fabriken auch kaum Arbeitsplätze, wohl aber beträchtliche Umweltprobleme geschaffen werden, werden von der Regierung des Landes systematisch heruntergespielt.[84]
DerStaatshaushalt (Budget) umfasste 2017 Ausgaben von umgerechnet 339 MillionenUS-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 300 Millionen US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,6 Prozent desBruttoinlandsprodukts.[79]
DieStaatsverschuldung (Public debt) belief sich 2017 auf geschätzte 88 Prozent des BIP.[79]
Seit der Ankunft der Portugiesen im 15. Jahrhundert war der Fluss ein Haupthandels- und Transportweg zum afrikanischen Hinterland. VonElfenbein,Eisen,Gold,Sklaven bis hin zuErdnüssen wurde auf dem Fluss alles transportiert. Seit den 1980er Jahren wird der Flusstransport durch den Passagierverkehr beherrscht.
Obwohl der Gambia weitestgehend schiffbar ist, wird er heute für Transportzwecke in das gambische Hinterland fast nicht mehr genutzt. Auch der öffentliche Personenverkehr in West-Ost-Richtung hat sich auf die Straße verlagert.
Die Kraftwerksleistung zur Erzeugung von Strom betrug 2009 etwas mehr als 60 Megawatt Leistung, die ausschließlich von Dieselgeneratoren erzeugt werden.[85] 80 Prozent aller Staatsausgaben dienen dem Öleinkauf, und damit ist Gambia anfällig für steigende Energiepreise. Die Energieversorgung ist lückenhaft, nur jeder zweite Bewohner in den städtischen Siedlungen und jeder vierte in den ländlichen Siedlungen ist ans Stromnetz angeschlossen. Die Netzverluste sind gravierend, rund 40 Prozent der eingespeisten Energie gehen verloren. Gründe liegen in der Leitungsschwäche und im Diebstahl.[85]
Im Bereich dererneuerbaren Energien hat man in Gambia noch kaum investiert, eine erste 150-Kilowatt-Windkraftanlage entstand inBatokunku an der Atlantikküste.[85]
Ein Jahr nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1965 hat Gambia denLinksverkehr auf den Straßen abgeschafft. Seitdem wird auf den Straßen wie in den anderen westafrikanischen Staaten rechts gefahren. Fahrzeuge, die rechts gesteuert werden, sind nicht mehr zugelassen.
Das Straßennetz hatte 2003 eine Länge von ungefähr 3742 Kilometern. Davon sind 723 Kilometer asphaltiert. Nördlich des Gambia-Flusses befindet sich die wichtige StraßeNorth Bank Road, die das Land durchquert. Bedeutender für den Fernverkehr ist jedoch dieSouth Bank Road, die von Banjul überBrikama bis nachBasse Santa Su durch das ganze Land verläuft. Seit einigen Jahren werden auch zunehmend Ampeln installiert, meist aber noch mit Unterstützung eines Verkehrspolizisten, da sich die Ampel noch nicht bei allen Fahrern als ernstzunehmendes Verkehrssignal durchgesetzt hat. 2009 waren bereits sechs Ampeln vorhanden.
Den öffentlichen Personennahverkehr übernehmenSammeltaxis. DieMinibusse fahren die Hauptverkehrsstraßen ab und lassen sich einfach durch Handzeichen anhalten. Konventionelle Taxis in gelber Farbe mit einem grünen Querstrich sind zahlreich vorhanden. In den Touristenzentren fahren aber auch noch grün lackierte Taxis. Sie haben spezielle staatliche Lizenzen, die sie auch als Touristenführer auszeichnen.
Etwas außerhalb von Banjul befindet sich Gambias einziger Flughafen. Das Flugfeld desBanjul International Airport wurde 1987 von derNASA als transatlantische Notlandestelle fürSpace Shuttles ausgewählt und in den folgenden Jahren für diese Aufgabe angepasst, so wurde die Start- und Landebahn auf 3600 Meter ausgebaut.
DerTiefwasserhafen von Banjul spielt für den internationalen Warenverkehr eine große Rolle, betrieben wird er von der staatlichenGambia Ports Authority.
Der Gambia-Fluss ist bis 390 Kilometer ins Landesinnere schiffbar. Hochseeschiffe können, bedingt durch den Tiefgang, den Gambia etwa 190 Kilometer befahren.
Auf dem Fluss gibt es einige Fähren, die für den Personen- und Kraftfahrzeugverkehr eine wichtige Nord-Süd-Verbindung darstellen. Bis in die 1970er Jahre war die Binnenschifffahrt nahezu die einzige Möglichkeit, ins Landesinnere zu kommen. Erst in den 1980er Jahren schritt der Ausbau der Fernstraßen voran, seit dem Untergang derLady Chilel Jawara 1984 wurde keine regelmäßige Fährverbindung längs des Flusses aufgenommen.
Eine wichtige Fährverbindung befindet sich zwischen Banjul undBarra am nördlichen Ufer der Gambia-Mündung, auf der wichtigen Verkehrsstrecke nach Dakar. Für den Fährverkehr wurde am 25. Juli 2005 die in derUkraine gebaute FähreKanilai vom Präsidenten Jammehin Dienst gestellt. Die Fähre mit 50 Metern Länge, 12,5 Metern Breite und einem Tiefgang von 1,7 Metern kann maximal 250 Tonnen Fracht sowie 1200 Personen befördern. Die maximale Zahl der Passagiere wurde aber auf 600 begrenzt.[86]
Satellitenkommunikation in Gambia auf einer 10-Dalasi-BanknoteEin Telecenter in Fajara
Die staatlicheGambia Telecommunications Company, kurz Gamtel, ist Gambias wichtigstes Telekommunikationsunternehmen. Neben den rund 50.000Festnetz-Anschlüssen (Stand 2004) betreibt sie ein Mobilfunknetz. In der Banjul Greater Area und im Westen der Western Division ist dies flächendeckend, in den anderen Landesteilen besteht Netzversorgung mit Mobilfunk nur in den Ballungsräumen.
Ein weiteres Unternehmen, das in Gambia ein Mobilfunknetz betreibt, ist die afrikaregionaleAfricell. Zusammen hatten die beiden Anbieter im September 2005 über 220.000 Mobilfunkteilnehmer, das sind 25 Prozent der 15- bis 64-Jährigen oder 1,9 Handys pro Haushalt. Die Anzahl der Teilnehmer stieg von 5624 im Jahr 2000 innerhalb von fünf Jahren um das Vierzigfache, damit hat Gambia eine der höchsten Mobilfunkquoten von ganz Afrika. Im Jahr 2022 nutzten 54,2 Prozent der Einwohner Gambias das Internet.[87] Es gibt eine Vielzahl vonTelecentern, die verschiedene Kommunikationsdienste wieInternet-Terminals,Faxgeräte oder Festnetztelefone gegen Entgelt zur Verfügung stellen.
Viele gambische Schriftsteller wieEbou Dibba undSally Singhateh haben das Land verlassen und leben in England oder den USA. Eine Ausnahme bildetNana Grey-Johnson. Die FabelThe Golden Days of the Jungle (1998) von Saikou S. Ceesay wurde auch in Europa bekannt.
Zeitungen haben in den letzten Jahren mit dem Sinken der Analphabetenquote an Bedeutung gewonnen. Die Regierung Jammeh war bestrebt, die Rechte der Presse einzuschränken oder gar sie zu verbieten. Unter anderem wurde das Erscheinen der TageszeitungThe Point untersagt.
Die staatlicheRundfunkgesellschaft, dieGambia Radio & Television Service (GRTS) ist der einzige Fernsehsender. Von GRTS gibt es fünf Hörfunkprogramme, es wird aber auch Rundfunk aus dem benachbarten Senegal empfangen. Nach einer Schätzung von 1997 gibt es 197.000Radios.
Traditionelle Instrumente in Gambia sindBalafon,Kora undDjembé. Man findet im ganzen Land immer Männer, die zum Zeitvertreib auf einer Djembé spielen. Für die Touristen werden Trommelkurse angeboten, bei denen die Gäste das Trommelspielen vor Ort erlernen können.
In Westafrika gibt es eine Reihe von Musikern, diepopuläre Musik produzieren. So ist im Nachbarland SenegalYoussou N’Dour ein Superstar, dies ist in Gambia nicht anders. Aus Gambia ist der MusikerFoday Musa Suso international bekannt, in der Schweiz und Deutschland hat sich der Kora-Spieler und SängerTata Dindin einen Namen gemacht.
Die gambische Küche gehört zurwestafrikanischen Küche und ist wie diese durch dienordafrikanischen Länder von derarabischen Küche beeinflusst worden. Es gibt in diesem kleinen Land keine typisch gambischen Spezialitäten; die verbreiteten Gerichte sind die Gerichte aus dem benachbarten LandSenegal, dessen Gerichte mit anderem Namen in den anderen afrikanischen Ländern zu finden sind. DieKüche der ehemaligen KolonialmachtEngland konnte in Gambia nicht Fuß fassen.
DieHauptgerichte sindChicken Yassa (odersisay yassa), ein inZitronensaft undZwiebeln sauer eingelegtes Hähnchen undBenachin, ein Reisgericht, das mit frischem Gemüse und getrocknetem Fisch zubereitet wird. Daneben gibt esDomoda, einenEintopf mit Erdnusssoße, der mit Fleisch und Gemüse zubereitet wird. Als kleineZwischenmahlzeit gelten die Fish Cakes, mit Fisch undGewürzen gefüllte frittierteTeigtaschen. AlsSüßspeise gibt es dasChakery, das mitJoghurt zubereitet wird. Neben frischem Obst wird man immer frisch geröstete Erdnüsse bekommen.
Auf Grund des islamischen Glaubens istAlkohol nicht weit verbreitet. Die VolksgruppenAku undDiola aber trinken gernePalmwein. Dazu wird gegorener Saft aus Palmen mittels aufgehängter Flaschen gesammelt. Das Hauptgetränk der Gambier ist aberAtaya, eingrüner Tee, der wie im nordafrikanischen Raum im Rahmen einer rituellen Teezeremonie getrunken wird. Ferner werden Fruchtsäfte (Mango,Guave,Papaya,Tamarinde) und der aus getrocknetenHibiskusblüten (Hibiscus sabdariffa) zubereiteteBissap-Saft getrunken. Eine weitere Spezialität des Landes ist derKinkéliba-Tee.
Typisches Straßenbild in Westafrika 2004, eine Frau gekleidet in einemBoubou.
DieWestafrikaner tragen gerne bunte Kleider, die Stoffe sind dünn gewebt und in derBatik-Technik gefärbt. Im Straßenbild der Küstenregion umSerekunda mischt sich die europäische Kleidung gleichberechtigt mit den traditionellen Gewändern. Trotz vielfach staubiger und unbefestigter Straßen sind Gambier stets bestrebt, sauber und modisch gekleidet zu sein.
Für das islamischeFreitagsgebet kleiden sich die meisten Männer, auch die jungen Männer in der Küstenregion, die sonst gerne westliche Kleidung tragen, in einenKaftan. Die muslimischen Sitten werden aber hier freier ausgelegt, Frauen haben hier andere Möglichkeiten, Modebewusstsein zu zeigen. So ist eine freie Schulter überhaupt nichts Verwerfliches, selbst eine entblößte Brust einer stillenden Frau wird dort eher akzeptiert als in westlichen Ländern. Einzig das Knie einer Frau sollte bedeckt sein; selbst diese Regel wird in der Küstenregion lockerer gehandhabt.
Die Nation ist stark vomFußball begeistert, in der Nähe von Banjul gibt es ein großesStadion, das 40.000 Zuschauer fassen kann. Das 29 Millionen Euro teureIndependence Stadium wurde von denChinesen im Rahmen einesEntwicklungshilfeprojektes gebaut. Dieses Stadion wird auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Volkssport mit großer Tradition unter den Männern, vor allem der Ethnie der Diola, ist dassenegalesisches Wrestling, eine Form des Ringkampfes. Dieses Wrestling hat in Gambia eine ähnliche Stellung wie dasSumō-Ringen inJapan. Unter den Herrscherfamilien gab es schon im 11. Jahrhundert Ringerwettkämpfe. Heute wird der Wettkampf in jedem Dorf, besonders im Süden an der Grenze zu der senegalesischen Region Casamance, ausgetragen.
In der Vergangenheit stellte Gambia zusammen mit Ghana, Nigeria und Sierra Leone Spieler für dieWestafrikanische Cricket-Nationalmannschaft zur Verfügung. Seit 2002 wird das Land von seiner eigenenNationalmannschaft vertreten, qualifizierte sich jedoch noch nicht für ein internationales Cricketturnier.
Größtenteils ungeklärt sind noch die Herkunft und der Zweck dermegalithischenSteinkreise von Wassu. Ähnliche Anlagen sind in der gesamten Region zu finden.
Die elf gesetzlichen Feiertage gründen sich auf die beidenNationalfeiertage am 18. Februar (Independence Day) und am 22. Juli (Republic Day) und die religiösen Feiertage der beiden größten im Land vertretenen Religionen. Trotz der Mehrheit der muslimischen Bevölkerung haben die christlichen Feiertage ihren Platz, dies liegt begründet in der britischen Kolonialgeschichte.
Der Sonntag ist seit der Kolonialzeit wöchentlicher Ruhetag. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, so wird er auf den folgenden Montag verschoben, der dann arbeitsfrei ist.
Der Freitag ist der Gebetstag der Muslime, Strenggläubige halten nach demMittagsgebet am Freitag ihre Geschäfte geschlossen.
Ulla Ackermann:Merian live!, Senegal, Gambia. Gräfe und Unzer, München 2002,ISBN 3-7742-0730-5.
Thomas Baur:Senegal, Gambia: [Senegambia und den Bijagos-Archipel mit diesem praktischen Urlaubshandbuch entdecken, erleben und genießen]. Rump, Bielefeld 2002,ISBN 3-8317-1112-7.
Clive Barlow, Tim Wacher, Tony Disley:Birds of the Gambia and Senegal. Christopher Helm Publishers, London 2005,ISBN 0-7136-7549-7.
Phyllis Kasper:Some Common Flora of The Gambia. Traute Warnke Verlag, Reinbek 1993,ISBN 3-9801591-3-2.
Lamin Bojang, Ralf Ludwig:Results and Analysis of the National Forest Resources Inventory of The Gambia 1997/98. DFS/GTZ 1998.
Sprache
Michael Franke:Wolof für den Senegal, Wort für Wort. Kauderwelsch. Band 89. Rump, Bielefeld 1998,ISBN 3-89416-280-5.
Karin Knick:Mandinka für Gambia, Wort für Wort. Kauderwelsch. Band 95. Rump, Bielefeld 1994,ISBN 3-89416-286-4.
Geschichte
Werner Forman:Schwarze Königreiche: das Kulturerbe Westafrikas. Atlantis-Verlag, Luzern / Herrsching 1988,ISBN 3-7611-0715-3.
Colin McEvedy:The Penguin atlas of African history. Penguin Books, London 1995,ISBN 0-14-051321-3.
Donald R. Wright:The world and a very small place in Africa: a history of globalization in Niumi, the Gambia. M.E. Sharpe, London 2004,ISBN 0-7656-1007-8.
Karten
Stephen C. Stringall:Gambia Map. International Travel Maps, Vancouver 2003,ISBN 1-55341-217-6.
World Mapping Project (Hrsg.):Senegal & Gambia Mit exakten Höhenlinien, Höhenschichten-Relief, Gradnetz und Ortsindex. GPS-tauglich. Rump, Bielefeld 2004,ISBN 3-8317-7123-5.
↑Philip Briggs, Simon Fenton:The Gambia. 2. Auflage. Bradt Travel Guides, 2018,ISBN 978-1-78477-064-8,S.25 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 10. Januar 2021]).
↑Werner Eckert: Klimawandel. „Die Hüterinnen der Saaten“. Warum Gleichberechtigung eine Rolle beim Klimawandel spielt. In: Tagesschau.de. 9. November 2021, abgerufen am 6. Dezember 2021.
↑abThe World Factbook. Literacy. In: CIA.gov. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Januar 2019; abgerufen am 10. Januar 2021 (englisch).
↑Rangliste der Pressefreiheit. In: Reporter-ohne-Grenzen.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. April 2017; abgerufen am 10. Januar 2021.
↑Gambia at glance. In: FAO.org. Food and Agriculture Organization of the United Nations, abgerufen am 10. Januar 2021 (englisch).
↑Matthew Quaife, Mareme Diallo, Assan Jaye, Melisa Martinez-Alvarez:Partnership preferences, economic drivers, and health consequences of Gambian men’s interactions with foreign tourists: A mixed methods study. In:PLOS Global Public Health.Band3, 28. Februar 2023,ISSN2767-3375,S.e0001115,doi:10.1371/journal.pgph.0001115,PMID 36962966 (plos.org [abgerufen am 11. Februar 2025]).
↑Die FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. In: fifa.com. 19. Januar 2026, abgerufen am 20. Januar 2026. (Mannschaften ohne Platz und Punkte sind seit mehr als 48 Monaten inaktiv.)