Galoistheorie

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DieGaloistheorie ist ein Teilgebiet derAlgebra. In klassischer Sicht beschäftigt sich die Galoistheorie mit den Symmetrien derNullstellen vonPolynomen. Diese Symmetrien können grundsätzlich durchGruppen vonPermutationen, also Untergruppen dersymmetrischen Gruppe, beschrieben werden.Évariste Galois entdeckte, dass diese Symmetrien Aussagen über die Lösbarkeit der Gleichung erlauben. In moderner Sicht werdenKörpererweiterungen mit Hilfe ihrerGaloisgruppe untersucht.

Die Galoistheorie hat viele Anwendungen bei klassischen Problemen, wie etwa „Welcheregelmäßigen Polygone lassen sich mitZirkel und Lineal konstruieren?“, „Warum kann ein Winkel nichtdreigeteilt werden?“ (wieder nur mit Zirkel und Lineal), „Warum kann zu einem Würfel nicht die Seite einesWürfels mit doppeltem Volumen konstruiert werden?“ und „Warum gibt es keine geschlossene Formel zur Berechnung derNullstellen von Polynomen fünften oder höheren Grades, die nur mit den vierGrundrechenarten undWurzelziehen auskommt?“ (DerSatz von Abel-Ruffini).

Inhaltsverzeichnis

Klassischer Ansatz

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Eine „Symmetrie der Nullstellen von Polynomen“ ist einePermutation derNullstellen, so dass jedealgebraische Gleichung über diesen Nullstellen auch dann noch gültig ist, nachdem man die Nullstellen mittels der Permutation vertauscht hat. Diese Permutationen bilden eineGruppe. Abhängig von denKoeffizienten, die in den algebraischen Gleichungen erlaubt sind, ergeben sich unterschiedliche Permutationen. Durch Untersuchen dieser algebraischen Gleichungen und Permutationen lässt sich die Galoisgruppe eines Polynoms bestimmen.

Galois selbst beschrieb eine Methode, mit der eine einzelne von den Nullstellen erfüllte Gleichung konstruiert werden kann (die sog.Galois-Resolvente), so dass die Galois-Gruppe aus den Symmetrien diesereinen Gleichung besteht.

Bestimmung der Galoisgruppe über alle Permutationen im Ausschlussverfahren

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Die Galoisgruppe des Polynoms(x25)224{\displaystyle \left(x^{2}-5\right)^{2}-24}  soll über demKörper derrationalen Zahlen bestimmt werden. Durch zweifaches Wurzelziehen ergeben sich, zusammen mit der Beziehung5±26=(2±3)2{\displaystyle 5\pm 2{\sqrt {6}}=({\sqrt {2}}\pm {\sqrt {3}})^{2}}, die Nullstellen:

x1=+2+3{\displaystyle x_{1}=+{\sqrt {2}}+{\sqrt {3}}} ,
x2=+23{\displaystyle x_{2}=+{\sqrt {2}}-{\sqrt {3}}} ,
x3=2+3{\displaystyle x_{3}=-{\sqrt {2}}+{\sqrt {3}}} ,
x4=23{\displaystyle x_{4}=-{\sqrt {2}}-{\sqrt {3}}} .

Es gibt4!=24{\displaystyle 4!=24} Möglichkeiten, diese vier Nullstellen zu permutieren (zu vertauschen):

(x1,x2,x3,x4)...{\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto ...}
Nr.PermutationNr.PermutationNr.PermutationNr.Permutation
01(x1,x2,x3,x4){\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)}07(x2,x1,x3,x4){\displaystyle \left(x_{2},x_{1},x_{3},x_{4}\right)}13(x3,x1,x2,x4){\displaystyle \left(x_{3},x_{1},x_{2},x_{4}\right)}19(x4,x1,x2,x3){\displaystyle \left(x_{4},x_{1},x_{2},x_{3}\right)}
02(x1,x2,x4,x3){\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{4},x_{3}\right)}08(x2,x1,x4,x3){\displaystyle \left(x_{2},x_{1},x_{4},x_{3}\right)}14(x3,x1,x4,x2){\displaystyle \left(x_{3},x_{1},x_{4},x_{2}\right)}20(x4,x1,x3,x2){\displaystyle \left(x_{4},x_{1},x_{3},x_{2}\right)}
03(x1,x3,x2,x4){\displaystyle \left(x_{1},x_{3},x_{2},x_{4}\right)}09(x2,x3,x1,x4){\displaystyle \left(x_{2},x_{3},x_{1},x_{4}\right)}15(x3,x2,x1,x4){\displaystyle \left(x_{3},x_{2},x_{1},x_{4}\right)}21(x4,x2,x1,x3){\displaystyle \left(x_{4},x_{2},x_{1},x_{3}\right)}
04(x1,x3,x4,x2){\displaystyle \left(x_{1},x_{3},x_{4},x_{2}\right)}10(x2,x3,x4,x1){\displaystyle \left(x_{2},x_{3},x_{4},x_{1}\right)}16(x3,x2,x4,x1){\displaystyle \left(x_{3},x_{2},x_{4},x_{1}\right)}22(x4,x2,x3,x1){\displaystyle \left(x_{4},x_{2},x_{3},x_{1}\right)}
05(x1,x4,x2,x3){\displaystyle \left(x_{1},x_{4},x_{2},x_{3}\right)}11(x2,x4,x1,x3){\displaystyle \left(x_{2},x_{4},x_{1},x_{3}\right)}17(x3,x4,x1,x2){\displaystyle \left(x_{3},x_{4},x_{1},x_{2}\right)}23(x4,x3,x1,x2){\displaystyle \left(x_{4},x_{3},x_{1},x_{2}\right)}
06(x1,x4,x3,x2){\displaystyle \left(x_{1},x_{4},x_{3},x_{2}\right)}12(x2,x4,x3,x1){\displaystyle \left(x_{2},x_{4},x_{3},x_{1}\right)}18(x3,x4,x2,x1){\displaystyle \left(x_{3},x_{4},x_{2},x_{1}\right)}24(x4,x3,x2,x1){\displaystyle \left(x_{4},x_{3},x_{2},x_{1}\right)}

Aber nicht alle diese Permutationen gehören auch zur Galoisgruppe. Dies liegt daran, dass alle algebraischen Gleichungen mit ausschließlich rationalen Koeffizienten, die die Variablenx1{\displaystyle x_{1}},x2{\displaystyle x_{2}},x3{\displaystyle x_{3}} undx4{\displaystyle x_{4}} enthalten, auch unter den Permutationen der Galoisgruppe ihre Gültigkeit bewahren müssen. Betrachtet man beispielsweise

x1+x4=0{\displaystyle x_{1}+x_{4}=0},

so ist diese Gleichung nicht für alle Vertauschungen der Nullstellen erfüllt. Unter der Permutation, diex1{\displaystyle x_{1}} undx2{\displaystyle x_{2}} gleich lässt undx3{\displaystyle x_{3}} undx4{\displaystyle x_{4}} vertauscht, entsteht bei der Gleichung eine falsche Aussage, dennx1+x3{\displaystyle x_{1}+x_{3}} ist ungleich0{\displaystyle 0}. Deshalb gehört diese Permutation (Nr. 2) nicht zur Galois-Gruppe. Entsprechendes gilt für die Permutationen Nr. 4, 5, 6, 7, 9, 10, 12, 13, 15, 16, 18, 19, 20, 21, 23 in der Tabelle, denn als Summe von zwei der vier Nullstellen sind lediglich die Gleichungenx2+x3=x3+x2=0{\displaystyle x_{2}+x_{3}=x_{3}+x_{2}=0} undx4+x1=0{\displaystyle x_{4}+x_{1}=0} richtig.

Eine weitere algebraische Gleichung mit rationalen Koeffizienten, die die Nullstellen erfüllen, ist

(x1+x2)28=0{\displaystyle (x_{1}+x_{2})^{2}-8=0}.

Deshalb können zusätzlich die Permutationen Nr. 3, 11, 14 und 22 ausgeschlossen werden, denn es ist(x1+x3)280{\displaystyle (x_{1}+x_{3})^{2}-8\neq 0},(x2+x4)280{\displaystyle (x_{2}+x_{4})^{2}-8\neq 0},(x3+x1)280{\displaystyle (x_{3}+x_{1})^{2}-8\neq 0} und(x4+x2)280{\displaystyle (x_{4}+x_{2})^{2}-8\neq 0}.

Übrig bleiben vier Permutationen: Nr. 1, 8, 17 und 24. Da es sich bei dem Polynom(x25)224{\displaystyle \left(x^{2}-5\right)^{2}-24} um ein überQ{\displaystyle \mathbb {Q} }irreduzibles Polynom 4. Grades handelt, besteht die Galoisgruppe aus mindestens vier Elementen. Also bilden diese vier Permutationen die Galoisgruppe des Polynoms(x25)224{\displaystyle \left(x^{2}-5\right)^{2}-24}:

(x1,x2,x3,x4)(x1,x2,x3,x4){\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)}
(x1,x2,x3,x4)(x2,x1,x4,x3){\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{2},x_{1},x_{4},x_{3}\right)}
(x1,x2,x3,x4)(x3,x4,x1,x2){\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{3},x_{4},x_{1},x_{2}\right)}
(x1,x2,x3,x4)(x4,x3,x2,x1){\displaystyle \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{4},x_{3},x_{2},x_{1}\right)}

oder inZyklenschreibweise:

id{\displaystyle \operatorname {id} } (Identität),(x1x2)(x3x4){\displaystyle (x_{1}x_{2})(x_{3}x_{4})},(x1x3)(x2x4){\displaystyle (x_{1}x_{3})(x_{2}x_{4})} und(x1x4)(x2x3){\displaystyle (x_{1}x_{4})(x_{2}x_{3})}.

Diese Gruppe istisomorph zurKleinschen Vierergruppe.

Bestimmung der Galoisgruppe mit Hilfe eines primitiven Elementes

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Alternativ kann die Galoisgruppe auch mit Hilfe einesprimitiven Elementes bestimmt werden. Hier liegt ein Spezialfall vor, denn die Nullstellex1{\displaystyle x_{1}} ist – ebenso wie die Nullstellex2,x3{\displaystyle x_{2},x_{3}} oderx4{\displaystyle x_{4}} – bereits solch ein primitives Element. Mit

x12=5+26{\displaystyle x_{1}^{2}=5+2{\sqrt {6}}},x13=112+93{\displaystyle \quad x_{1}^{3}=11{\sqrt {2}}+9{\sqrt {3}}\quad } undx14=49+206{\displaystyle \quad x_{1}^{4}=49+20{\sqrt {6}}}

erhält man die Gleichungen:

x139x1=22{\displaystyle x_{1}^{3}-9x_{1}=2{\sqrt {2}}\quad } undx1311x1=23{\displaystyle \quad x_{1}^{3}-11x_{1}=-2{\sqrt {3}}}.

Damit lassen sich2{\displaystyle \textstyle {\sqrt {2}}} und3{\displaystyle \textstyle {\sqrt {3}}} als Polynom mit der Variablenx1{\displaystyle x_{1}} ersetzen:

2=12(x139x1){\displaystyle {\sqrt {2}}={\tfrac {1}{2}}(x_{1}^{3}-9x_{1})} und3=12(x1311x1){\displaystyle {\sqrt {3}}=-{\tfrac {1}{2}}(x_{1}^{3}-11x_{1})}.

Somit ergeben sich auch die vier Nullstellen als Polynomep1,p2,p3,p4{\displaystyle p_{1},p_{2},p_{3},p_{4}} mit der Variablenx1{\displaystyle x_{1}}:

x1=p1(x1)=+x1{\displaystyle x_{1}=p_{1}(x_{1})=+x_{1}},
x2=p2(x1)=+x1310 x1{\displaystyle x_{2}=p_{2}(x_{1})=+x_{1}^{3}-10\ x_{1}},
x3=p3(x1)=x13+10 x1{\displaystyle x_{3}=p_{3}(x_{1})=-x_{1}^{3}+10\ x_{1}},
x4=p4(x1)=x1{\displaystyle x_{4}=p_{4}(x_{1})=-x_{1}}.

Im allgemeinen Fall müssen zu dem primitiven Element das zugehörigeMinimalpolynom sowie dessen weitere Nullstellen bestimmt werden. Bei diesem Beispiel ist jedoch das Minimalpolynom vonx1{\displaystyle x_{1}} das Ausgangspolynom mit den bereits bekannten weiteren Nullstellenx2,x3{\displaystyle x_{2},x_{3}} undx4{\displaystyle x_{4}}. (Zum allgemeinen Vorgehen: sieheBeispiel zum Satz vom primitiven Element.)Ersetzt man nun in den Polynomenp1,,p4{\displaystyle p_{1},\dotsb ,p_{4}} die Variablex1{\displaystyle x_{1}} durchx2,x3{\displaystyle x_{2},x_{3}} oderx4{\displaystyle x_{4}}, so ergeben sich wiederum die Nullstellenx1,x2,x3,x4{\displaystyle x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}} des Ausgangspolynoms, allerdings in einer anderen Reihenfolge. Diese Permutationen der Nullstellen bilden die Galoisgruppe.[1]Einsetzen vonx1{\displaystyle x_{1}} liefert die Identität, die übrigen Beziehungen ergeben sich durch Nachrechnen:

p1(x1)=x1,p2(x1)=x2,p3(x1)=x3,p4(x1)=x4σ1:(x1,x2,x3,x4)(x1,x2,x3,x4){\displaystyle p_{1}(x_{1})=x_{1},\quad p_{2}(x_{1})=x_{2},\quad p_{3}(x_{1})=x_{3},\quad p_{4}(x_{1})=x_{4}\quad \Longrightarrow \quad \sigma _{1}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)},
p1(x2)=x2,p2(x2)=x1,p3(x2)=x4,p4(x2)=x3σ2:(x1,x2,x3,x4)(x2,x1,x4,x3){\displaystyle p_{1}(x_{2})=x_{2},\quad p_{2}(x_{2})=x_{1},\quad p_{3}(x_{2})=x_{4},\quad p_{4}(x_{2})=x_{3}\quad \Longrightarrow \quad \sigma _{2}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{2},x_{1},x_{4},x_{3}\right)},
p1(x3)=x3,p2(x3)=x4,p3(x3)=x1,p4(x3)=x2σ3:(x1,x2,x3,x4)(x3,x4,x1,x2){\displaystyle p_{1}(x_{3})=x_{3},\quad p_{2}(x_{3})=x_{4},\quad p_{3}(x_{3})=x_{1},\quad p_{4}(x_{3})=x_{2}\quad \Longrightarrow \quad \sigma _{3}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{3},x_{4},x_{1},x_{2}\right)},
p1(x4)=x4,p2(x4)=x3,p3(x4)=x2,p4(x4)=x1σ4:(x1,x2,x3,x4)(x4,x3,x2,x1){\displaystyle p_{1}(x_{4})=x_{4},\quad p_{2}(x_{4})=x_{3},\quad p_{3}(x_{4})=x_{2},\quad p_{4}(x_{4})=x_{1}\quad \Longrightarrow \quad \sigma _{4}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{4},x_{3},x_{2},x_{1}\right)}.

{σ1,σ2,σ3,σ4{\displaystyle \textstyle \sigma _{1},\sigma _{2},\sigma _{3},\sigma _{4}}} ist damit die Galoisgruppe des Polynoms(x25)224{\displaystyle \left(x^{2}-5\right)^{2}-24}.

Berechnung der Galoisgruppe mit Hilfe der Galois-Resolvente

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Die Galoisgruppe eines Polynoms ist in der Regel nicht leicht zu bestimmen. Insbesondere im Standardfall eines Polynoms mit ganzzahligen Koeffizienten können allerdings genügend genaue numerische Näherungen der Nullstellen dazu verwendet werden, die Galoisgruppe zu berechnen.

Hauptartikel:„Galois-Resolvente“ im Artikel „Lagrange-Resolvente“

Moderner Ansatz

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Der moderne Ansatz, der aufRichard Dedekind zurückgeht, formuliert die Galoistheorie in der Sprache deralgebraischen Strukturen: Ausgehend von einerKörpererweiterungL/K{\displaystyle L/K} definiert man dieGaloisgruppeGal(L/K){\displaystyle \operatorname {Gal} (L/K)} als die Gruppe allerKörperautomorphismen vonL{\displaystyle L}, welche die Elemente vonK{\displaystyle K} einzeln festhalten.

Dabei istL{\displaystyle L} einZerfällungskörper des gegebenen Polynoms, also ein kleinster Erweiterungskörper vonK{\displaystyle K}, in dem das Polynom in Linearfaktoren zerfällt. Er heißtnormaler oderGaloisscher Erweiterungskörper vonK{\displaystyle K}. DieGaloisgruppe, bestehend aus denjenigen Automorphismen vonL{\displaystyle L}, die den UnterkörperK{\displaystyle K} elementweise fest lassen, lässt damit notwendig auch jeden Term fest, dessen Wert ein Element ausK{\displaystyle K} ist.

Der Bezug zum klassischen Vorgehen von Galois ergibt sich, wenn man einen Automorphismusσ{\displaystyle \sigma } der Galoisgruppe auf eine Nullstelleα{\displaystyle \alpha } des entsprechenden Polynomsp(x)=xn+an1xn1++a0{\displaystyle p(x)=x^{n}+a_{n-1}x^{n-1}+\dots +a_{0}} anwendet:

p(α)=αn+an1αn1++a0=0{\displaystyle p(\alpha )=\alpha ^{n}+a_{n-1}\alpha ^{n-1}+\dots +a_{0}=0}.
p(σ(α))=(σ(α))n+an1(σ(α))n1++a0{\displaystyle p(\sigma (\alpha ))=(\sigma (\alpha ))^{n}+a_{n-1}(\sigma (\alpha ))^{n-1}+\dots +a_{0}}.

Weilσ{\displaystyle \sigma } einKörperhomomorphismus ist und außerdem die Koeffizienten des Polynoms als Elemente des KörpersK{\displaystyle K} fest lässt, ergibt sich:

p(σ(α))=σ(αn+an1αn1++a0)=σ(p(α))=σ(0)=0{\displaystyle p(\sigma (\alpha ))=\sigma (\alpha ^{n}+a_{n-1}\alpha ^{n-1}+\dots +a_{0})=\sigma (p(\alpha ))=\sigma (0)=0}.

Also istσ(α){\displaystyle \sigma (\alpha )} ebenfalls eine Nullstelle des Polynomsp{\displaystyle p}. Dies bedeutet, dass der Automorphismusσ{\displaystyle \sigma } die Nullstellen vertauscht. Die Galoisgruppeoperiert somit auf der Menge der Nullstellen des Polynoms und wirkt dort als Permutationsgruppe.

Die Kenntnisse überauflösbare Gruppen in derGruppentheorie erlaubt uns, herauszufinden, ob ein Polynom durchRadikale auflösbar ist, und zwar abhängig davon, ob dessen Galoisgruppe auflösbar ist oder nicht. Jede KörpererweiterungL/K{\displaystyle L/K} gehört zu einerFaktorgruppe der Hauptreihe der Galoisgruppe. Falls eine Faktorgruppe der Hauptreihezyklisch von der Ordnungn{\displaystyle n} ist, ist die zugehörige Körpererweiterung eine radikale Erweiterung, und die Elemente vonL{\displaystyle L} können als dien{\displaystyle n}-ten Wurzeln eines Elements ausK{\displaystyle K} aufgefasst werden.

Wenn alle Faktorgruppen der Hauptreihe zyklisch sind, wird die Galoisgruppe als auflösbar bezeichnet, und alle Elemente des zugehörigen Körpers können durch sukzessives Wurzelziehen, Produktbilden und Summieren aus den Elementen des Grundkörpers (normalerweiseQ{\displaystyle \mathbb {Q} }) erhalten werden.

Einer der größten Triumphe der Galoistheorie war der Beweis, dass für jedesn>4{\displaystyle n>4} ein Polynom mit Gradn{\displaystyle n} existiert, welches nicht durch Radikale auflösbar ist. Dies beruht auf der Tatsache, dass fürn>4{\displaystyle n>4} diesymmetrische GruppeSn{\displaystyle S_{n}} einen einfachen nichtzyklischenNormalteiler enthält.

Hauptsatz der Galoistheorie

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WennL{\displaystyle L} eine endliche Galoiserweiterung des KörpersK{\displaystyle K} ist, undGal(L/K){\displaystyle \operatorname {Gal} (L/K)} die zugehörige Galoisgruppe, dann istL{\displaystyle L}galoissch über jedem ZwischenkörperZ{\displaystyle Z}, und es existiert eine inklusionsumkehrende Bijektion

{Zwischenko¨rper}{Untergruppen von Gal(L/K)}ZGal(L/Z){\displaystyle {\begin{aligned}\{\mathrm {Zwischenk{\ddot {o}}rper} \}&\to \{{\text{Untergruppen von }}\operatorname {Gal} (L/K)\}\\Z&\mapsto \operatorname {Gal} (L/Z)\end{aligned}}}

Ihre Umkehrabbildung ist gegeben durchHLH{\displaystyle H\mapsto L^{H}}, wobeiLH{\displaystyle L^{H}} denFixkörper vonL{\displaystyle L} unterH{\displaystyle H} bezeichnet.

Normale KörpererweiterungenM/K{\displaystyle M/K} entsprechen unter dieser Bijektion Normalteilern vonGal(L/K){\displaystyle \operatorname {Gal} (L/K)}.

Außerdem gilt:

Eine etwas allgemeinere Formulierung wird im ArtikelGaloisgruppe erläutert.

Bestimmung der Galoisgruppe als Automorphismengruppe

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Für das oben angegebene Beispiel sollen die Elemente der Galoisgruppe nun als Körperautomorphismen bestimmt werden. Die Nullstellen des Polynoms(x25)224{\displaystyle \textstyle \left(x^{2}-5\right)^{2}-24} sind

x1=+2+3{\displaystyle x_{1}=+{\sqrt {2}}+{\sqrt {3}}} ,
x2=+23{\displaystyle x_{2}=+{\sqrt {2}}-{\sqrt {3}}} ,
x3=2+3{\displaystyle x_{3}=-{\sqrt {2}}+{\sqrt {3}}} ,
x4=23{\displaystyle x_{4}=-{\sqrt {2}}-{\sqrt {3}}} .

DerZerfällungskörper ist somitQ(x1,x2,x3,x4)=Q(2,3){\displaystyle \mathbb {Q} (x_{1},x_{2},x_{3},x_{4})=\mathbb {Q} ({\sqrt {2}},{\sqrt {3}})}. EineBasis fürQ(2,3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}},{\sqrt {3}})} alsVektorraum überQ{\displaystyle \mathbb {Q} } ist{1,2,3,6}{\displaystyle \{1,{\sqrt {2}},{\sqrt {3}},{\sqrt {6}}\}}, d. h. jedes Element ausQ(2,3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}},{\sqrt {3}})} ist von der Forma+b2+c3+d6{\displaystyle a+b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}} mita,b,c,d{\displaystyle a,b,c,d} ausQ{\displaystyle \mathbb {Q} }. Es handelt sich somit beiQ(2,3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}},{\sqrt {3}})} um einealgebraische Körpererweiterung vom Grad 4 überQ{\displaystyle \mathbb {Q} }. Die Ordnung der Galoisgruppe stimmt mit dem Grad der Körpererweiterung überein, ihre Elemente permutieren – wie oben gezeigt – die Nullstellen des Polynoms folgendermaßen:

σ1:(x1,x2,x3,x4)(x1,x2,x3,x4){\displaystyle \sigma _{1}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)}
σ2:(x1,x2,x3,x4)(x2,x1,x4,x3){\displaystyle \sigma _{2}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{2},x_{1},x_{4},x_{3}\right)}
σ3:(x1,x2,x3,x4)(x3,x4,x1,x2){\displaystyle \sigma _{3}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{3},x_{4},x_{1},x_{2}\right)}
σ4:(x1,x2,x3,x4)(x4,x3,x2,x1){\displaystyle \sigma _{4}:\left(x_{1},x_{2},x_{3},x_{4}\right)\mapsto \left(x_{4},x_{3},x_{2},x_{1}\right)}

σ1{\displaystyle \sigma _{1}} (als Permutation) bleibt die Identität, wird nun allerdings zu einem Körperautomorphismusσ1{\displaystyle \sigma _{1}'} vonQ(2,3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}},{\sqrt {3}})}:

σ1:a+b2+c3+d6a+b2+c3+d6{\displaystyle \sigma _{1}':a+b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}\mapsto a+b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}}.

Man sieht, dass unterσ2{\displaystyle \sigma _{2}} bei der Permutation der vier Nullstellen stets3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und3{\displaystyle -{\sqrt {3}}} vertauscht werden. Der zugehörige Körperautomorphismusσ2{\displaystyle \sigma _{2}'} lautet somit:

σ2:a+b2+c3+d6a+b2c3d6{\displaystyle \sigma _{2}':a+b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}\mapsto a+b{\sqrt {2}}-c{\sqrt {3}}-d{\sqrt {6}}}.

Dabei bleibt der KörperQ(2){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}})} elementweise fest. Entsprechendes gilt beiσ3{\displaystyle \sigma _{3}} für2{\displaystyle {\sqrt {2}}} und2{\displaystyle -{\sqrt {2}}}. Unterσ4{\displaystyle \sigma _{4}} ändert sich bei beiden Wurzeln das Vorzeichen. Die entsprechenden Körperautomorphismen sind:

σ3:a+b2+c3+d6ab2+c3d6{\displaystyle \sigma _{3}':a+b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}\mapsto a-b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}-d{\sqrt {6}}}  mit dem Fixkörper Q(3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {3}})} und
σ4:a+b2+c3+d6ab2c3+d6{\displaystyle \sigma _{4}':a+b{\sqrt {2}}+c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}\mapsto a-b{\sqrt {2}}-c{\sqrt {3}}+d{\sqrt {6}}}  mit dem Fixkörper Q(6){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {6}})}.

σ2{\displaystyle \sigma _{2}'},σ3{\displaystyle \sigma _{3}'} undσ4{\displaystyle \sigma _{4}'} sind zu sich selbst invers, bilden also zusammen mit der Identität jeweils eine Untergruppe der Galoisgruppe. Mehr echte Untergruppen gibt es nicht, denn die Hinzunahme eines weiteren Elementes würde bereits die ganze Galoisgruppe erzeugen. Die Hintereinanderausführung vonσ2{\displaystyle \sigma _{2}'} undσ3{\displaystyle \sigma _{3}'} ergibtσ4{\displaystyle \sigma _{4}'}, damit ist die Galoisgruppe isomorph zurKleinschen Vierergruppe und insbesondere kommutativ. Deshalb sind alle Untergruppen der Galoisgruppe auch Normalteiler. Also sind nach dem Hauptsatz der GaloistheorieQ(2){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}})},Q(3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {3}})} undQ(6){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {6}})} die einzigen Zwischenkörper der KörpererweiterungQ(2,3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}},{\sqrt {3}})}. Die Zwischenkörper selbst sind Körpererweiterungen vom Grad 2 überQ{\displaystyle \mathbb {Q} }.

Bestimmung der Galoisgruppe durch Matrizenrechnung

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Im Falle eines Polynoms, das zu einem normalen oder Galoisschen Körper gehört, ist die Bestimmung der Galoisgruppe auch mit Hilfe derMatrizenrechnung möglich.

Ist ein Polynomf(x){\displaystyle f(x)} vom Graden{\displaystyle n} irreduzibel überQ{\displaystyle \mathbb {Q} } und die Gleichungf(x)=0{\displaystyle f(x)=0} normal[2] überQ{\displaystyle \mathbb {Q} }, so gilt für jede Nullstellexi{\displaystyle x_{i}}(i=1,,n){\displaystyle \left(i=1,\dots ,n\right)}: Die Elemente1,xi,xi2,,xin1{\displaystyle 1,x_{i},x_{i}^{2},\dots ,x_{i}^{n-1}} bilden einelinear unabhängige Basis des Erweiterungskörpers, der ausQ{\displaystyle \mathbb {Q} } durch Adjunktion dieser Nullstelle entsteht[3]. Sind die Nullstellenxi{\displaystyle x_{i}} bekannt, so kann man auch ihre Potenzenxi2,,xin1{\displaystyle x_{i}^{2},\dots ,x_{i}^{n-1}} ermitteln. Stellt man diese in Matrixform bezüglich einer gemeinsamen Basis dar, so lässt sich damit die Automorphismengruppe direkt berechnen.

Für das oben angegebene, überQ{\displaystyle \mathbb {Q} } irreduzible und normale Polynom(x25)224{\displaystyle \textstyle \left(x^{2}-5\right)^{2}-24} mit den Nullstellenx1,,x4{\displaystyle x_{1},\dots ,x_{4}} erhält man

x12=5+26{\displaystyle x_{1}^{2}=5+2{\sqrt {6}}},x13=112+93{\displaystyle \quad x_{1}^{3}=11{\sqrt {2}}+9{\sqrt {3}}}
x22=526{\displaystyle x_{2}^{2}=5-2{\sqrt {6}}},x23=11293{\displaystyle \quad x_{2}^{3}=11{\sqrt {2}}-9{\sqrt {3}}}
x32=x22=526{\displaystyle x_{3}^{2}=x_{2}^{2}=5-2{\sqrt {6}}},x33=x23=112+93{\displaystyle \quad x_{3}^{3}=-x_{2}^{3}=-11{\sqrt {2}}+9{\sqrt {3}}}
x42=x12=5+26{\displaystyle x_{4}^{2}=x_{1}^{2}=5+2{\sqrt {6}}},x43=x13=11293{\displaystyle \quad x_{4}^{3}=-x_{1}^{3}=-11{\sqrt {2}}-9{\sqrt {3}}}

Alle Potenzen sindLinearkombinationen von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}}. Diese sind linear unabhängig, daher wählt man{1,2,3,6}{\displaystyle \{1,{\sqrt {2}},{\sqrt {3}},{\sqrt {6}}\}} als gemeinsame Basis. Mit ihrer Hilfe erzeugt man nun MatrizenMxi(i=1,,4){\displaystyle M_{x_{i}}\left(i=1,\dots ,4\right)}, deren Zeilenvektoren der Reihe nach die Elemente1,xi,xi2,xi3{\displaystyle 1,x_{i},x_{i}^{2},x_{i}^{3}} jeweils in Abhängigkeit von den Elementen der gemeinsamen Basis darstellen.

Mx1=(10000110500201190){\displaystyle M_{x_{1}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&1&1&0\\5&0&0&2\\0&11&9&0\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen1{\displaystyle 1},x1{\displaystyle x_{1}},x12{\displaystyle x_{1}^{2}} undx13{\displaystyle x_{1}^{3}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)
Mx2=(10000110500201190){\displaystyle M_{x_{2}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&1&-1&0\\5&0&0&-2\\0&11&-9&0\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen1{\displaystyle 1},x2{\displaystyle x_{2}},x22{\displaystyle x_{2}^{2}} undx23{\displaystyle x_{2}^{3}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)
Mx3=(10000110500201190){\displaystyle M_{x_{3}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&-1&1&0\\5&0&0&-2\\0&-11&9&0\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen1{\displaystyle 1},x3{\displaystyle x_{3}},x32{\displaystyle x_{3}^{2}} undx33{\displaystyle x_{3}^{3}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)
Mx4=(10000110500201190){\displaystyle M_{x_{4}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&-1&-1&0\\5&0&0&2\\0&-11&-9&0\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen1{\displaystyle 1},x4{\displaystyle x_{4}},x42{\displaystyle x_{4}^{2}} undx43{\displaystyle x_{4}^{3}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)

Die MatrizenMxi{\displaystyle M_{x_{i}}} haben wegen der linearen Unabhängigkeit ihrer Zeilen vollenRang und sind daher invertierbar. Jede TransformationAxi,xj{\displaystyle A_{x_{i},x_{j}}} einer MatrixMxi{\displaystyle M_{x_{i}}} in eine andere MatrixMxj{\displaystyle M_{x_{j}}} stellt einen Automorphismus des Erweiterungskörpers dar. DieAxi,xj{\displaystyle A_{x_{i},x_{j}}} sind Lösungen der GleichungenMxiAxi,xj=Mxj{\displaystyle M_{x_{i}}\cdot A_{x_{i},x_{j}}=M_{x_{j}}}, wegen der Invertierbarkeit derMxi{\displaystyle M_{x_{i}}} giltAxi,xj=Mxi1Mxj{\displaystyle A_{x_{i},x_{j}}=M_{x_{i}}^{-1}\cdot M_{x_{j}}}. Um die Automorphismengruppe zu ermitteln, genügt es, eine der MatrizenMxi{\displaystyle M_{x_{i}}} zu invertieren und dieseInverse mit den anderen Matrizen zu multiplizieren. Denn für ein festesMxi1{\displaystyle M_{x_{i}}^{-1}} sind dieseMatrizenprodukte alle verschieden und ihre Anzahl stimmt mit der Anzahl der Automorphismen des Erweiterungskörpers überein.

Wegen2=92x1+12x13{\displaystyle \quad {\sqrt {2}}=-{\tfrac {9}{2}}x_{1}+{\tfrac {1}{2}}x_{1}^{3}} ,3=112x112x13{\displaystyle \quad {\sqrt {3}}={\tfrac {11}{2}}x_{1}-{\tfrac {1}{2}}x_{1}^{3}\quad } und6=52+12x12{\displaystyle \quad {\sqrt {6}}=-{\tfrac {5}{2}}+{\tfrac {1}{2}}x_{1}^{2}\quad } ist

Mx11=(10000920120112012520120){\displaystyle M_{x_{1}}^{-1}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&-{\tfrac {9}{2}}&0&{\tfrac {1}{2}}\\0&{\tfrac {11}{2}}&0&-{\tfrac {1}{2}}\\-{\tfrac {5}{2}}&0&{\tfrac {1}{2}}&0\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},x1{\displaystyle x_{1}},x12{\displaystyle x_{1}^{2}} undx13{\displaystyle x_{1}^{3}} dar).

Damit ergeben sich:

Ax1,x1=Mx11Mx1=I{\displaystyle A_{x_{1},x_{1}}=M_{x_{1}}^{-1}\cdot M_{x_{1}}=I}   (Einheitsmatrix, entspricht der identischen Abbildung)
Ax1,x2=Mx11Mx2=(1000010000100001){\displaystyle A_{x_{1},x_{2}}=M_{x_{1}}^{-1}\cdot M_{x_{2}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&1&0&0\\0&0&-1&0\\0&0&0&-1\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen jeweils das Bild von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)

Durch diesen Automorphismus geht3{\displaystyle {\sqrt {3}}} in3{\displaystyle -{\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} in6{\displaystyle -{\sqrt {6}}} über. Invariant bleibt2{\displaystyle {\sqrt {2}}}, somit istQ(2){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {2}})} der zugehörige Fixkörper. WegenAx1,x22=I{\displaystyle A_{x_{1},x_{2}}^{2}=I} gehört zu ihm die Untergruppe{I,Ax1,x2}{\displaystyle \{I,A_{x_{1},x_{2}}\}}.

Ax1,x3=Mx11Mx3=(1000010000100001){\displaystyle A_{x_{1},x_{3}}=M_{x_{1}}^{-1}\cdot M_{x_{3}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&-1&0&0\\0&0&1&0\\0&0&0&-1\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen jeweils das Bild von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)

Durch diesen Automorphismus geht2{\displaystyle {\sqrt {2}}} in2{\displaystyle -{\sqrt {2}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} in6{\displaystyle -{\sqrt {6}}} über. Invariant bleibt3{\displaystyle {\sqrt {3}}}, somit istQ(3){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {3}})} der zugehörige Fixkörper. WegenAx1,x32=I{\displaystyle A_{x_{1},x_{3}}^{2}=I} gehört zu ihm die Untergruppe{I,Ax1,x3}{\displaystyle \{I,A_{x_{1},x_{3}}\}}.

Ax1,x4=Mx11Mx4=(1000010000100001){\displaystyle A_{x_{1},x_{4}}=M_{x_{1}}^{-1}\cdot M_{x_{4}}={\begin{pmatrix}1&0&0&0\\0&-1&0&0\\0&0&-1&0\\0&0&0&1\end{pmatrix}}}   (die Zeilen stellen jeweils das Bild von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} in Abhängigkeit von1{\displaystyle 1},2{\displaystyle {\sqrt {2}}},3{\displaystyle {\sqrt {3}}} und6{\displaystyle {\sqrt {6}}} dar)

Durch diesen Automorphismus geht2{\displaystyle {\sqrt {2}}} in2{\displaystyle -{\sqrt {2}}} und3{\displaystyle {\sqrt {3}}} in3{\displaystyle -{\sqrt {3}}} über. Invariant bleibt6{\displaystyle {\sqrt {6}}}, somit istQ(6){\displaystyle \mathbb {Q} ({\sqrt {6}})} der zugehörige Fixkörper. WegenAx1,x42=I{\displaystyle A_{x_{1},x_{4}}^{2}=I} gehört zu ihm die Untergruppe{I,Ax1,x4}{\displaystyle \{I,A_{x_{1},x_{4}}\}}.

WegenAx1,x22=Ax1,x32=Ax1,x42=I{\displaystyle A_{x_{1},x_{2}}^{2}=A_{x_{1},x_{3}}^{2}=A_{x_{1},x_{4}}^{2}=I} ist auch die Isomorphie der Automorphismengruppe zur Kleinschen Vierergruppe unmittelbar ersichtlich. Ansonsten kann man die Gruppenstruktur anhand derVerknüpfungstafel oder anhand derOrdnungen der Gruppenelemente ermitteln.

Das dargestellte Verfahren zeigt sehr konkret, wie die Nullstellen des Polynoms und die Vektorraumeigenschaften des zugehörigen Erweiterungskörpers zusammenhängen. Die erforderlichen Berechnungen von Potenzen und Matrizen können mit Hilfe von Computerprogrammen durchgeführt werden. Zudem sind, wie man am obigen Beispiel sieht, Invarianten der Automorphismen und damit Fixkörper einfach zu bestimmen.

Kroneckerscher Satz

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DerKroneckersche Satz zu Galoiserweiterungen desKörpers derrationalen ZahlenQ{\displaystyle \mathbb {Q} } ist einer der klassischen Sätze des MathematikersLeopold Kronecker und gilt als einer derschönsten Sätze deralgebraischen Zahlentheorie. Der Satz besagt:[4][5]

Jede GaloiserweiterungL/Q{\displaystyle L/{\mathbb {Q} }} mitabelscherGaloisgruppeGal(L/Q){\displaystyle \mathrm {Gal} (L/{\mathbb {Q} })} ist in einem derKreisteilungskörperQ(ζn)(nN){\displaystyle \mathbb {Q} (\zeta _{n})\;(n\in \mathbb {N} )} enthalten.

Verallgemeinerungen

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Im Fall einer unendlichen ErweiterungL/K{\displaystyle L/K} kann man die AutomorphismengruppeAut(L/K){\displaystyle \mathrm {Aut} (L/K)} mit der so genanntenKrulltopologie (nachW. Krull) versehen. IstL/K{\displaystyle L/K}separabel und normal (also eine Galoiserweiterung), gibt es dann eine natürliche Bijektion zwischen TeilerweiterungenKZL{\displaystyle K\subseteq Z\subseteq L} undabgeschlossenen Untergruppen vonGal(L/K){\displaystyle \operatorname {Gal} (L/K)}.

IstL/K{\displaystyle L/K} eine nicht notwendigerweise algebraische unendliche Erweiterung, so gibt es keine derartige allgemeine Theorie mehr: Ist beispielsweiseL{\displaystyle L} ein vollkommener Körper der Charakteristikp>0{\displaystyle p>0}, so ist durch

Fp:LL,xxp{\displaystyle F_{p}\colon L\to L,\quad x\mapsto x^{p}}

ein Körperautomorphismus definiert, der so genannteFrobeniushomomorphismus. Die vonFp{\displaystyle F_{p}} erzeugte UntergruppeH{\displaystyle H} vonAut(L/Fp){\displaystyle \mathrm {Aut} \left(L/\mathbb {F} _{p}\right)} ist im Allgemeinen »viel« kleiner als die Gruppe der Automorphismen vonL{\displaystyle L}, aber es giltLH=Fp{\displaystyle L^{H}=\mathbb {F} _{p}}. IstL{\displaystyle L} einalgebraischer Abschluss vonFp{\displaystyle \mathbb {F} _{p}}, so liegt allerdings die vom Frobeniusautomorphismus erzeugte Untergruppedicht inGal(Fp¯/Fp){\displaystyle \mathrm {Gal} \left({\bar {\mathbb {F} _{p}}}/\mathbb {F} _{p}\right)}, das heißt ihrAbschluss ist gleich der Galoisgruppe.

Ist jedochL/K{\displaystyle L/K} eine Körpererweiterung mitLGal(L/K)=K{\displaystyle L^{\mathrm {Gal} (L/K)}=K} (das impliziert nicht, dass L/K algebraisch und damit insbesondere nicht galoissch ist), so gilt trotzdem noch:HLH{\displaystyle H\mapsto L^{H}} undMGal(L/M){\displaystyle M\mapsto \mathrm {Gal} (L/M)} sind zueinander inverse, inklusionsumkehrende Bijektionen zwischen der Menge derkompakten Untergruppen vonGal(L/K){\displaystyle \mathrm {Gal} (L/K)} und der Menge der ZwischenkörperKML{\displaystyle K\subseteq M\subseteq L}, bei denenL{\displaystyle L} galoissch überM{\displaystyle M} ist.

Es gibt auch eine Verallgemeinerung der Galoistheorie für Ringerweiterungen statt Körpererweiterungen.

Das Umkehrproblem der Galoistheorie

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Es ist einfach, Körpererweiterungen mit einer beliebigen vorgegebenenendlichen Gruppe als Galoisgruppe zu konstruieren, wenn man den Grundkörper nicht festlegt. Alle endlichen Gruppen treten daher als Galoisgruppen auf.

Dazu wählt man einen KörperK{\displaystyle K} und eine endliche GruppeG{\displaystyle G}. Nach demSatz von Cayley istG{\displaystyle G} isomorph zu einer Untergruppe der symmetrischen Gruppe auf den Elementen vonG{\displaystyle G}. Wählt man Variablen{Xa}aG{\displaystyle \{X_{a}\}_{a\in G}} für jedes Elementa{\displaystyle a} vonG{\displaystyle G} und adjungiert sie zuK{\displaystyle K}, so erhält manF=K({Xa}){\displaystyle F=K\left(\left\{X_{a}\right\}\right)}. InF{\displaystyle F} enthalten ist der KörperL{\displaystyle L} dersymmetrischen rationalen Funktionen in den{Xa}{\displaystyle \{X_{a}\}}. Dann istGal(F/L)=S|G|{\displaystyle \operatorname {Gal} (F/L)=S_{|G|}}, und der FixkörperM=FG{\displaystyle M=F^{G}} vonF{\displaystyle F} unterG{\displaystyle G} hat GaloisgruppeG=Gal(F/M){\displaystyle G=\operatorname {Gal} (F/M)} nach dem Hauptsatz der Galoistheorie.

Das skizzierte Vorgehen stellt die Strategie vonEmmy Noether (1918)[6] für die Lösung des inversen Galoisproblems dar[7], wobei sie als GrundkörperK=Q{\displaystyle K=\mathbb {Q} } die rationalen Zahlen betrachtete. Ist der FixkörperM{\displaystyle M} einrationaler Funktionenkörper über den rationalen Zahlen, kann man nach Noether mit demIrreduzibilitätssatz von Hilbert eine Galoissche Körpererweiterung vonQ{\displaystyle \mathbb {Q} } konstruieren mit GaloisgruppeG{\displaystyle G}. Ein Gegenbeispiel für ihre Strategie wurde allerdings 1969 vonRichard Swan gefunden. Es ist ein im Allgemeinen ungelöstes Problem, wie und ob man eine solche Konstruktion für einenfesten Grundkörper, etwaQ{\displaystyle \mathbb {Q} }, ausführen kann.

Das allgemeine Umkehrproblem der Galoistheorie fragt für einen gegebenen KörperK{\displaystyle K} und speziellK=Q{\displaystyle K=\mathbb {Q} } (die rationalen Zahlen) danach, ob jede endliche Gruppe als Galoisgruppe einer Körpererweiterung vonK{\displaystyle K} realisiert werden kann. FallsK{\displaystyle K} einendlicher Körper ist, ist dies nicht der Fall, da in diesem Fall die Galoisgruppe zyklisch ist. Das Umkehrproblem ist aber für jede endliche Gruppe für den Fall des Funktionenkörpers in einer Variablen über den komplexen Zahlen oder allgemeiner über algebraisch abgeschlossenen Körpern mit Charakteristik 0 lösbar. Schon für den Fall des Körpers der rationalen ZahlenQ{\displaystyle \mathbb {Q} } gibt es nur Teilresultate. Für endliche abelsche Gruppen überQ{\displaystyle \mathbb {Q} } wurde das Umkehrproblem bereits im 19. Jahrhundert gelöst (Leopold Kronecker,Heinrich Weber), und es ist auch für endliche auflösbare Gruppen (Igor Schafarewitsch) und für diesporadischen Gruppen überQ{\displaystyle \mathbb {Q} } mit Ausnahme der Mathieugruppe M23 gelöst (für die MathieugruppenHeinrich Matzat, für die MonstergruppeJohn Griggs Thompson, womit gleichzeitig auch die meisten Fälle der sporadischen Gruppen erledigt waren).

Literatur

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Weblinks

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Wikiversity: Vorlesung über Körper- und Galoistheorie – Kursmaterialien
  • Fields and Galois Theory – eine Einführung in die Galoistheorie von J. S. Milne. (englisch, PDF, 971 KiB)
  • Galois Theory – kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Galoistheorie (englisch)
  • The Evariste Galois Archive – mehrsprachiges Projekt mit Originaldokumenten von Evariste Galois, einer Kurzbiographie über Galois, einer Liste von Monographien über Galois sowie etlichen Weblinks
  • Die Ideen der Galois-Theorie – relativ elementare Einführung in die Galoistheorie von Jörg Bewersdorff

Einzelnachweise

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  1. Nieper-Wißkirchen, Universität Augsburg: "Galoissche Theorie", S. 126, Proposition 4.8 und Beispiel,online (Memento vom 15. Juli 2019 imInternet Archive)
  2. B. L. van der Waerden, Algebra I, 8. Auflage 1971, § 41, Ende. Normal bedeutet hier, dass der durch Adjunktioneiner Nullstelle des Polynomsf(x){\displaystyle f(x)} entstehende Körper schon normal ist, d. h. dass in ihmf(x){\displaystyle f(x)} völlig in Linearfaktoren zerfällt. Ein Beispiel für ein Polynom, das nicht normal ist, findet man im Artikel Galoisgruppe, AbschnittGaloisgruppe eines kubischen Polynoms.
  3. B. L. van der Waerden, Algebra I, 8. Auflage 1971, § 40, Beispiel, in Verbindung mit § 46, Folgerung („Jede separable endliche Erweiterung ist einfach“). Siehe aucheinfache Körpererweiterung.
  4. Michael Artin:Algebra. 1998, S. 652.
  5. Der kroneckersche Satz wird auch mit dem Namen vonHeinrich Weber verbunden und alsSatz von Kronecker-Weber bezeichnet. Er wird gelegentlich auch als „Jugendtraum von Kronecker“ bezeichnet.
  6. Emmy Noether, Gleichungen mit vorgeschriebener Gruppe, Mathematische Annalen, Band 78, 1918, S. 221–229,SUB Göttingen
  7. Meredith Blue, Galois theory and Noether’s problem, Proc. Thirty-Fourth Annual Meeting Florida Section MAA, 2001,pdf
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