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Göttin

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Dieser Artikel behandelt weibliche Gottheiten – zu anderen Bedeutungen sieheGöttin (Begriffsklärung).
Sogenanntekleine Schlangengöttin aus dem Palast vonKnossos in Kreta, um 1600 v. Chr.[1][2][3]
Sumerische Göttin, Fragment einer Stele von 2120 v. Chr.
Hinduistische GöttinSarasvati, Göttin der Kunst, Wissenschaft und Weisheit, in Kolkata für das FestVasant Panchami hergerichtet

EineGöttin ist eine weiblicheGottheit. In vielenReligionen wurden und in einigen werden gegenwärtig Göttinnen verehrt, deren Vorstellungen und Wirkungsbereiche oft mitFruchtbarkeit,Mutterschaft, dem Werden und Vergehen allgemein und derErotik verbunden sind, aber ebenso gibt es beispielsweise Kriegsgöttinnen, Meeresgöttinnen und Göttinnen des Wissens und der Weisheit.

Bedeutung

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Göttinnen stehen, wie männliche Götter im Hinblick auf ihre Zeugungskraft, oft in Zusammenhang mitWeltschöpfungsmythen. Dasweibliche Prinzip wird mit der Geburt, also auch mit der Geburt des Kosmos, assoziiert. Hieraus resultieren die möglicherweise weit in die Vorgeschichte der Menschheit weisenden Vorstellungen einerMuttergöttin, auchErdgöttin, die sich etwa durch die 100 bis 200Venusstatuetten aus demJungpaläolithikum (ab 40.000 Jahre vor heute, wie der jüngste Fund mit derVenus vom Hohlen Fels) historisch zu bestätigen scheinen, alles kleine figürliche Darstellungen nackter Frauenkörper unter besonderer Betonung der Geschlechtsmerkmale.[4] Diese Interpretation wird jedoch von der Archäologie mehrheitlich zurückgewiesen.[5]

Die Göttin erscheint in vielen Mythen auch als Gestalt, die dem heute geläufigen Bild des Weiblichen nicht zu entsprechen scheint. So wird sie auch mit scheinbar männlichen Attributen in Zusammenhang gebracht: mit Krieg, Jagd, Herrschaft, Gewalt und Macht, vollkommenem Geist und autonomer Sexualität, wie er dem bis heute historisch immer noch nicht geklärten Mythos von denAmazonen zugrunde liegt. Darüber hinaus stellt sie auch das Prinzip des Todes dar, wobei das Leben gebende das Leben auch nimmt, wenn dies auch im Zusammenhang mit dem Glauben an einer hierdurch ermöglichten Wiedergeburt steht.[6] In der Rolle als Lebens- und Todesgöttin wird das Weibliche mit dem menschlichen Schicksal in Verbindung gebracht. Durch die gegensätzlichen Eigenschaften, die Göttinnen zugeschrieben werden, erscheinen viele (wie auch maskuline Götter) als Verkörperung der Vereinigung der komplementären Gegensätze wie Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod, Liebe/Hass, Gut/Böse, Geist/Materie, Licht/Dunkel.

Göttinnen in der Entwicklung der Zivilisation

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Im Übergang von kleineren sozialen Organisationen zu Zivilisationen hatten Göttinnen-Kulte weltweit eine Bedeutung, so z. B. in Indien, Ägypten, Mesopotamien, China, Japan, Griechenland und Rom. Göttinnen waren in diesen komplexen Agrargesellschaften u. a. zuständig für fruchtbaren Ackerbau, das Königtum, Schutz der religiösen Zentren und siegreiche Kriege.[7]

In den verschiedenen Kulturen hatten Göttinnen eine Vielzahl wichtiger Funktionen inne, einen universalen Kult der 'Großen Mutter' kann man jedoch nicht feststellen. In einigen Kulturen waren die Göttinnen eng verbunden mit dem Aufkommen größerer Städte sowie dem Königtum und galten als Ursprung komplexer sozialer Organisationen. Oftmals waren sie für soziale Einrichtungen wie Steuererhebung und Verteilung von Ressourcen zuständig, während in anderen Kulturen Göttinnen lediglich Gefährtinnen von männlichen Göttern darstellten oder aus älterenschamanistischen Kulten inMysterienkulte übernommen wurden.[8]

Historische Religionen

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Immesopotamischen Raum gehören die Göttinnen mit zu den ältesten Gottheiten und einige Forscher vermuten, dass eine Präsenz weiblicher Gottheiten bis in die Vorgeschichte zurückreicht, da ein Großteil der gefundenen Skulpturen weiblich ist und männliche Skulpturen eher die Ausnahme bilden.

Umstritten ist, ob ein Primat von Göttinnen mit einem sozialenMatriarchat zusammenhing. Ein Vergleich mit heutigen Kulturen, die viele Göttinnen kennen oder bei denen die Verehrung von Göttinnen prominent ist, zeigt, dass dies „nicht zwingend Gesellschaften [sind], in denen Frauen geschätzt werden und ihnen Chancen offenstehen.“[9]

Mit Ausnahme derhethitischenSonnengöttin von Arinna stehen in den meisten Religionen desAltertums keine Göttinnen an der Spitze einer Götterhierarchie. Sie fungieren oft als Fruchtbarkeits-, Mutter- oder Erdgöttinnen, oder auch nur „als spekulative Ergänzungen ihres Gatten ohne eigenen Tempel.“[10]

Die akkadischeIschtar – der sumerischenInanna und der westsemitischenAstarte entsprechend – war eine Kriegs-, Mutter- und Liebesgöttin. Als dominierende Göttin konnte ihr Name auch gleichbedeutend fürGöttinnen überhaupt verwendet werden.[11]

Erd-, Fruchtbarkeits- und andere Göttinnen wurden auch in Regionen verehrt, in denen Ackerbauern lebten, von Ägypten über den Orient und Kleinasien bis zu denKelten,Germanen undSlawen. Auch die Hochkulturen derAzteken,Mayas undInkas verehrten Göttinnen.

Ägypten

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Im alten Ägypten gab es eine Vielzahl bedeutender Göttinnen. Beispielsweise die HimmelsgöttinNut, die auch die Ehefrau des ErdgottesGeb war,Neith, die Göttin des Webens und der siegreichen Waffen undHathor, die als Himmelsgöttin in unterschiedlichen Formen vorkommt.[12] Andere wichtige Göttinnen in Ägypten waren z. B.Maat,Bastet undMut.

Eine der bekanntesten ägyptischen Göttinnen istIsis. DerPharao wurde als Sohn der Isis angesehen und ihr Name ist linguistisch dem Wort für Thron verwandt, so dass sie auch als der heilige Sitz des Pharao galt. Später war Isis die Gattin desOsiris und Mutter desHorus und wurde schließlich zu einer universalen Göttin, deren Kult sich auch nach Griechenland und Rom ausbreitete.[12]

Griechenland und Rom

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Dievorolympischen GöttinnenGriechenlands waren normalerweise in Vegetations-Rituale eingebunden, wie z. B. dieErdmutter undchthonische Mutter der Götter,Gaia. Bevor dasOrakel von Delphi demApollon gewidmet war, stand es mit Gaia in Verbindung. In Ausübung des Gaia-Kultes wurdenOpfer von Tieren, Getreide und Früchten dargebracht undBesessenheitstrance praktiziert.[13]

ImMysterienkult von Eleusis wurde die ErdgöttinDemeter verehrt. In diesem Kult erscheint das Thema derWiedergeburt an Demeters Tochter,Persephone, die vonHades in dieUnterwelt entführt wurde.[13]

Spätere griechische Göttinnen stammten häufig von prähellenischen Göttinnen der Erde ab. Olympische Göttinnen warenHera,Athene,Artemis,Demeter,Hestia undAphrodite. Diese Göttinnen hatten unterschiedliche Rollen und Funktionen, die auch noch die früheren Einflusssphären zeigten. Die griechischen Göttinnen verloren teilweise frühere chthonische Aspekte nach der Einordnung in eine Hierarchie, deren oberster GottZeus war. Sie zeigten nun häufig keine Verbindung mehr zu den Kräften des Lebens und des Todes. Anstelle der Erdgöttinnen traten nun im männlich ausgerichteten Pantheon Göttinnen hervor, die Teilaspekte der Göttinnenidee verkörperten. In der Entwicklung der griechischen Kultur stellte diese „Aufspaltung der Göttin in Einzelteile“ eine Transformation der Göttinnen-Verehrung dar.[13]

In derrömischen Kultur liegt eine starke Identifikation von römischen und griechischen Gottheiten vor, die meisten römischen Götter hatten eine griechische Entsprechung. Göttinnen, die den griechischen entsprechen sind z. B.Juno,Diana,Minerva,Venus,Vesta,Ceres undProserpina.[13]

In derAntike galten neben denParzen (Schicksalsgöttinnen)Artemis,Eileithyia (in Verbindung mitHera),Juno undLucina u. a. als Geburtsgöttinnen.

In Rom wurden auch Göttinnen anderer Völker und Kulturen übernommen, so die anatolischeKybele[13] und die ägyptische Isis.

Celticum

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Epona
Hauptartikel:Keltische Gottheiten
Hauptartikel:Liste keltischer Götter und Sagengestalten#Weibliche Gottheiten und Sagengestalten

Im Celticum, dem von den Kelten besiedelten Gebieten Europas und Kleinasiens, sind Göttinnen insbesondere als Mutter- und Landesgöttin verehrt worden. Sie spielten von Anfang an in derKeltischen Religion eine bedeutende Rolle, was auch dadurch bezeugt ist, dass dasindogermanische*deivā („Göttin“, daraus auchlateinischdea) in allenkeltischen Sprachen in der häufigsten VarianteDeva gut belegt ist. Diese Landesgöttinnen gehen oft noch auf vorkeltische, manchmal sogar vorindogermanische Lokalgottheiten zurück.

Die Vorstellung der Kelten von ihren Göttinnen und deren Mythen ist kaum belegt, da es fast keine Schriftquellen dazu gibt. Von antiken griechischen und römischen Autoren sind wenige Namen überliefert, wieAndraste undEpona. In Weihe- und anderen Inschriften sind oft durch dieInterpretatio Romana alte keltische mit römischen Gottheiten in Verbindung gebracht worden (BeispielAbnobaDiana). Einige dieser Göttinnen sind nach derChristianisierungeuhemeristisch zu weltlichen, wenn auch oft zauberkundigen Heroinnen umgedeutet worden (Epona –Rhiannon imPwyll Pendefig Dyfed, „Pwyll, Fürst von Dyfed“). Ihre ehemalige göttliche Funktion ist lediglich in einzelnen Zügen der späteren Überlieferungen noch zu erkennen.

Die Muttergöttinnen zeigen sich in der Verehrung der meist in Triaden auftretendenMatronen, einzeln personifiziert in der GöttinDea Matrona. Als Landesgöttinnen sind sie eng mit dem Brauch desHieros gamos („Heilige Hochzeit“) verbunden. Hiemit ist die – oft real mit einer Priesterin – vollzogene Geschlechtsverbindung mit der Göttin des Landes gemeint, da nur durch diesen Weiheakt der König als solcher anerkannt wurde. Ein Beispiel aus deririschen Mythologie ist die SageBaile in Scáil („Die Weissagung des Phantoms“, „Die Vision des Gespenstes“) über die InthronisationConn Cétchathachs.

Sowohl Mutter- als auch Landesgöttinnen sind eng mit der Funktion von Fruchtbarkeitsgöttinnen verbunden. In der Gestalt derTailtiu ist die Wandlung einer Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin zu einer Sagengestalt erkennbar.[14]

Vorislamisches Arabien

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Auch diealtarabische Religion kannte mehrere Göttinnen. Zu den bedeutendsten Göttinnen, die in vorislamischer Zeit in Nordarabien in Form von Steinmalen verehrt wurden, gehörtenal-Lāt,al-ʿUzzā undManāt. Nach der EinnahmeMekkas im Jahre 630 wurden die Steinmale dieser Göttinnen zerstört und ihre Verehrung verboten.

Außereuropäische Religionen

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Japan, China und Tibet

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In Tibet und der Mongolei stellt dertantrische Buddhismus eine Religion dar, die stark auf die Verehrung von Göttinnen ausgerichtet ist. Dabei wird die göttliche Macht als gleichzeitig entgegengesetzt undkomplementär verstanden, die sich in männlichen und weiblichen Manifestationen ausdrückt (vgl.Yab-Yum). Diese Verbindung von weiblichen und männlichen Prinzipien und dynamischen Spannungen entstammt dem hinduistischenTantra. Es gibt eine Fülle von Göttinnen, die die Gefährtin und den Gegensatz einer männlichen Gottheit darstellen. Jedoch gibt es auch unabhängige und eher autonome Göttinnen, beispielsweise den weiblichenBodhisattvaTara.[8]

Im tibetischenBön haben Göttinnen, gleich dem Vajrayana, auch eine bedeutende Rolle. Eine bekannte Bön-Göttin ist z. B.Palden Lhamo.

Im chinesischenDaoismus undVolksglauben gibt es ebenfalls eine große Anzahl an Göttinnen. Besonders im Volk verehrt wirdGuanyin, ursprünglich ein Bodhisattva, im Volksglauben jedoch die Göttin der Gnade. Guanyin wird auch in Japan noch verehrt. ImAmitabha-Buddhismus bringt Guanyin Gläubige insReine Land desAmitabha-Buddha und verleiht die Gewissheit der Erleuchtung. Auch gilt sie als Lehrerin.[8]

Die höchste daoistische Göttin istXiwangmu, andere populäre Göttinnen sind z. B.Mazu undDoumu.

Im japanischenShintoismus gibt es eine Vielzahl von weiblichen und männlichen Naturgottheiten. Der GottIzanagi und die GöttinIzanami gelten als Schöpfer der Welt und stellen ein Paar dar. Sie sind die Eltern der SonnengöttinAmaterasu und des Sturmgottes Susano-o no Mikoto und auch anderer Naturgottheiten. Die japanische Kaiserfamilie bezog sich auf Amaterasu als Kultgottheit, wobei sie nicht nur als shintoistische Sonnengöttin angesehen wurde, sondern auch als StrahlenderBuddha des Himmels. Der japanische Kaiser galt als Nachfahre Amaterasus und sollte deshalb den Frieden in der Welt aufrechterhalten und war für AmaterasusHaupt-Schrein verantwortlich.[8]

Hinduismus

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Hauptartikel:Shakti
Hauptartikel:Shaktismus
Hauptartikel:Devi

BeiHindus auf der ganzen Welt ist der Glaube an die Gestalt Gottes in weiblicher Form sehr populär. DerShaktismus, eine der drei Hauptströmungen, sieht die Göttin als über die männlichen Gottheiten dominierend an. Das Bild der schwarzen GöttinKali, die triumphierend auf dem männlich gedachten, weißen GottShiva steht, drückt diese Überlegenheit aus. Dagegen zeigen andere Darstellungen dieselbe Göttin als tugendhafte, liebevolle GattinParvati an seiner Seite. Wieder andere weisen deutlich auf die Einheit von männlich/weiblich hin, wenn etwa die TraditionRama undSita in einer einzigen Lotusblüte darstellt oder das göttliche Liebespaar zu einer anscheinend untrennbaren Einheit umschlungen ist. In der Gestalt derMahadevi hingegen erscheint die Göttin als höchste Gottheit und Allwesen, aus der die männlichen Götter hervorgehen.

Obwohl meist alspolytheistisch bezeichnet, lehren fast alle hinduistischen Religionen das formlose göttliche Eine, wenn auch in unterschiedlichen Philosophien. Für Shaktianhänger ist dieses höchste EineShakti, die weiblich gedachte Form Gottes. Erscheint sie einmal als junge Frau ohne männliches Gegenstück wieDurga, ist sie dann wieder Ehefrau, Mutter oder sehnsuchtsvolle Geliebte; ist sie alsLakshmi die Göttin der Hausfrauen und der Schönheit, stellt sie alsSarasvati die Herrin über Künste und Wissenschaften dar. Nicht nur die hinduistische Philosophie drückt die Einheit des Göttlichen aus, auch diePuranas undTantras, Bücher, deren Wissen im Volk weit verbreitet ist, machen diese Tatsache in bildhafter Sprache, in Geschichten und in Gebeten deutlich:

Wie die Sonne, die sich in den Teichen spiegelt, als ungezählte Sonnen erscheint, so erscheinst auch du, O Mutter, als viele – Du Eine ohne Zweites, HöchstesBrahman! (aus der tantrischen Schrift Mahakalasamhita)

Dieindische Volksreligion kennt ebenfalls eine Vielzahl von Göttinnen.

Persien

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Hauptartikel:Anahita

Afrikanische und afroamerikanische Religionen

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Inafrikanischen Religionen, darunter derReligion der Yoruba, sowie inafroamerikanischen Religionen, wieCandomblé,Santería undUmbanda, werden Göttinnen verehrt. Unter denOrishas sind beispielsweiseYemaja undOyá wichtige Göttinnen.

Westliche Göttinnen der Neuzeit

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Während derFranzösischen Revolution wurde auf BetreibenRobespierres in den Jahren 1793 und 1794 versucht, die herkömmliche Religion durch den Kult einerallegorischenGöttin der Vernunft zu ersetzen. Bei den ersten Feierlichkeiten verkörperte eine Schauspielerin diese Göttin in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Mit dem Ende der Herrschaft derJakobiner scheiterte dieser Versuch einesatheistischen Staatskultes.

Mit dem Aufkommen vonWicca undNeopaganismus wurde die Idee einer Göttin auch in Europa und den USA wieder populär. Hier tritt besonders dieDreifaltige Göttin hervor.

Theoretische Aspekte der Verehrung von Göttinnen

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Einer der ersten europäischen Forscher im 19. Jahrhundert, der Göttinnen in seinem Werk darstellte, warJohann Jakob Bachofen.

Auch von einigen Psychologen wurden Theorien über die Verehrung von Göttinnen aufgestellt.Sigmund Freud interpretierte die Verehrung von Göttinnen als kindlichen Wunsch, sich wieder mit der Mutter zu vereinigen. Er nahm an, dass es unbewusste Fantasien gebe, die aus einer Phase der frühen psychischen Entwicklung stammen, in der die Mutter als allmächtig erscheint. Freuds Theorien sind heutzutage stark umstritten.

Carl Gustav Jung befasste sich mehr mit den religiösen Impulsen der Göttinnen-Verehrung. Er nahm an, das feminine Prinzip sei ein universaler, innerpsychischerArchetypus, der in der Psyche auch eigenständig handle.

Der JungianerErich Neumann entwickelte 1955 eine voll ausgearbeitete Theorie zur Göttinnen-Verehrung in seinem WerkDie große Mutter, das Göttinnen anhand einer Vielzahl von psychologischen Perspektiven erläutert. Neumann geht nicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge ein, sondern verwendet ausschließlich Begrifflichkeiten des Innerpsychischen. Obwohl Neumann methodologisch kritisiert wird, stellt sein Werk eines der umfangreichsten der Göttinnen-Forschung dar. Er beschreibt die große Fülle an Erscheinungen der Göttinnen und legt transformative Aspekte der religiösen Impulse in Bezug auf Verehrung von Göttinnen dar.[15] Im archetypischen Symbol der Göttin stellt er vier Dimensionen fest, unter die jede Göttin eingeordnet werden könne:[16]

  • die gute Mutter, die in Verbindung steht zu Themen wie Geburt, Wiedergeburt und Vegetationskulten;
  • die schreckliche Mutter, die in Verbindung steht zu Themen wie Krankheit, Erlöschen und Tod;
  • die positiveGöttin der Transformation, die mitInspiration undWeisheit,Ekstase undVisionen verbunden ist;
  • die negative Göttin der Transformation, die mitWahnsinn, Zurückweisung, Impotenz und Deprivation in Zusammenhang steht.

Joseph Campbell hat in seinem WerkDie Masken Gottes ebenfalls einen jungianisch ausgerichteten Beitrag zur Göttinnen-Verehrung dargelegt, der auch auf phänomenologische Perspektiven eingeht.[16]

DerAnthropologe undReligionswissenschaftler Edwin Oliver James vertrat 1959 in Bezug auf Göttinnen einen geschichtlichen und kulturellen Ansatz, jedoch auch eine jungianische Perspektive.[12]

Zwischen den 50er und den 80er Jahren gab es keine Hauptwerke über das Phänomen der Göttinnen. Erst in den 80er Jahren wandten sich Anthropologie, Religionswissenschaft undfeministische Wissenschaften diesem Forschungsgebiet wieder zu. Gründe für diese neueren Forschungen waren das Wiederaufleben der Matriarchatsdiskussion, die Beschäftigung desFeminismus mit der Symbolik der Göttinnen und neue Ansätze in der vergleichenden Religionswissenschaft.[16]

So beschäftigte sichMircea Eliade 1982 mit dem Thema in seinem WerkMother Worship: Theme and Variations. Carl Olson war 1983 der Herausgeber des WerkesThe Book of the Goddess: Past and Present, das Artikel von Religionshistorikern und feministischen Wissenschaftlern enthält.[16]

Die Annahme über eine Kulturstufe desMatriarchats ist, obwohl die meisten Religionswissenschaftler und Anthropologen davon ausgehen, eine solche habe es nie gegeben, nicht aus der Diskussion verschwunden. Einige wenige bekannte Wissenschaftler, wie Joseph Campbell, nehmen an, dass es ein „Mutterrecht“, wie Bachofen es postulierte, gegeben hat. Diese Forscher gehen davon aus, dass ein Matriarchatarchäologisch nachweisbar sei. Die feministischen Wissenschaften stimmen im Allgemeinen inzwischen der anthropologischen Sichtweise zu, obwohl einige feministische Autorinnen weiterhin an der Idee einerGroßen Göttin und matriarchaler Kulturen festhalten, ein Beispiel stelltStarhawk dar.[16]

Siehe auch

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Literatur

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  • Stephen Benko:The Virgin Goddess: Studies in the Pagan and Christian Roots of Mariology, Studies in the History of Religions (= Numen Bookseries. 59). E. J. Brill, Leiden 1993,ISBN 90-04-09747-3.
  • K.-H. Bernhardt: Art.Götter, fremde. In:Biblisch-historisches Handwörterbuch. Band 1, S. 590–593.
  • Mircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion, Band 6, New York 1987.
  • Christoph Elsas: Art.Muttergottheit. In:Evangelisches Kirchenlexikon. Band 3, S. 562–565.
  • Marija Gimbutas:Göttinnen und Götter im Alten Europa : Mythen und Kultbilder 6500 bis 3500 v. Chr. Arun, Uhlstädt-Kirchhasel 2010,ISBN 978-3-86663-043-7.
    • englisch:The Gods and Goddesses of Old Europe, 7000—3500 B. C.: Myths, Legends and Cult Images. University of California Press, Berkeley / Los Angeles 1974,ISBN 0-520-01995-4.
  • W. Helck:Betrachtungen zur Großen Göttin und den ihr verbundenen Gottheiten (= Religion und Kultur der alten Mittelmeerwelt in Parallelforschungen. 2). Oldenbourg, München/Wien 1971,ISBN 3-486-43261-3.
  • Joe J. Heydecker:Die Schwestern der Venus: Die Frau in den Mythen und Religionen. Heyne, München 1994,ISBN 3-453-07824-1.
  • Monika Hörig:Dea Syria-Atargatis. In: W. Haase (Hrsg.):ANRW. II, 17.3, Berlin / New York 1984, S. 1536–1581.
  • Monika Hörig:Dea Syria. Studien zur religiösen Tradition der Fruchtbarkeitsgöttin in Vorderasien (=Alter Orient und Altes Testament. 208). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1979,ISBN 3-7887-0604-X (auch: Butzon und Bercker, Kevelaer 1979,ISBN 3-7666-9060-4).
  • Edwin Oliver James:The Cult of the Mother-Goddess: An Archeological and Documentary Study. Praeger, New York / London 1959,OCLC807107142. (auch: Barnes & Noble, New York 1961,LCCN 61-003056).
  • Othmar Keel, Christoph Uehlinger:Göttinnen, Götter und Gottessymbole: neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen. (= Quaestiones disputatae. 134). Herder, Freiburg i. Br. u. a. 1992,ISBN 3-451-02134-X (6. Auflage: Academic Press Fribourg, Freiburg, Schweiz, 2010,ISBN 978-3-7278-1680-2).
  • Julia Katharina Koch, Christina Jacob,Jutta Leskovar (Hrsg.):Prähistorische und antike Göttinnen - Befunde - Interpretationen - Rezeption. Waxmann Verlag GmbH, 2020,ISBN 9783830991922, S. 27.
  • James J. Preston (Hrsg.):Mother Worship: Theme and Variation. University of North Carolina Press, Chapel Hill/N. C. 1982,ISBN 0-8078-1471-7.
  • R. Stigliti:Die grossen Göttinnen Arkadiens: Der Kultname Megalai theai und seine Grundlagen (= Sonderschriften / Österreichisches Archäologisches Institut. 15). Selbstverlag, Wien 1967,DNB364670010.
  • Christoph Uehlinger:Nackte Göttin, B. In:Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie. IX, 1998–2001, S. 53–64.

Weblinks

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Wiktionary: Göttin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise und Anmerkungen

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  1. Emile Gilliéron und sein Sohn wirkten bei der Rekonstruktion von der Funde von Knossos entscheidend mit. Die Echtheit etwa der minoischen Schlangengöttin von Knossos (Minoische Religion) wird anhand der Ergebnisse derRadiokarbonmethode (14C-Datierung) ernsthaft angezweifelt.
  2. Kenneth D.S. Lapatin:Snake Goddesses, Fake Goddesses. How forgers on Crete met the demand for Minoan antiquities. Archaeology (A publication of the Archaeological Institute of America) Volume 54 Number 1, January/February 2001
  3. Kenneth D.S. Lapatin:Mysteries Of The Snake Goddess: Art, Desire, And The Forging Of History Paperback. Da Capo Press, 2003,ISBN 0-30681-328-9
  4. Vgl. Franz Sirocko (Hrsg.):Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2009,ISBN 978-3-534-22237-7, S. 79, Karte Verbreitung der Fundstellen von Venusstatuetten 34.000 -24.000 BP; Siegmar von Schnurbein (Hrsg.):Atlas der Vorgeschichte. Stuttgart 2009, S. 28–29; vgl. auchProjekt Hypersoil Universität Münster, Mutter Erde in der Altsteinzeit
  5. Russell Dale Guthrie:The nature of Paleolithic art. University of Chicago Press, London 2005, S. 368. Guthrie bezieht sich hier auf Martha Ann, Dorothy Myers Imel:Goddesses in world mythology. ABC-CLIO, Santa Barbara, Calif. 1993 / New York 1995. Vgl. zur Einordnung und Bewertung ferner (von Guthrie rezipiert) Lynn Meskell:Goddesses, Gimbutas and ‚New Age’ archaeology. In:Antiquity. 69/262, 1995, S. 74–86.
  6. Harald Haarmann:Die Madonna und Ihre Töchter, Rekonstruktion einer kulturhistorischen Genealogie. Georg Olms, Hildesheim / Zürich / New York 1996,ISBN 3-487-10163-7, S. 34 ff.
  7. Mircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion. Band 6, New York 1987, S. 37.
  8. abcdMircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion. Band 6, New York 1987, S. 40.
  9. Meret Fehlmann:Die Rede vom Matriarchat. Chronos Verlag, Zürich 2011, S, 105
  10. K. H. Bernhardt:Göttin. In:Biblisch-Historisches Handwörterbuch. (BHH), Band 1, S. 600.
  11. R. Border, Art.Ischtar. In: BHH 2, 778
  12. abcMircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion. Band 6, New York 1987, S. 38.
  13. abcdeMircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion. Band 6, New York 1987, S. 39.
  14. Bernhard Maier:Lexikon der keltischen Religion und Kultur (=Kröners Taschenausgabe. Band 466). Kröner, Stuttgart 1994,ISBN 3-520-46601-5, S. 146 f. (gesamter AbschnittCelticum;Helmut Birkhan:Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997,ISBN 3-7001-2609-3, S. 513 ff.)
  15. Mircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion. Band 6, MacMillan, New York 1987, S. 54.
  16. abcdeMircea Eliade (Hrsg.):The Encyclopedia of Religion. Band 6, MacMillan, New York 1987, S. 55.
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