Futterwicke

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Futterwicke

Futterwicke (Vicia sativa), Illustration

Systematik
Ordnung:Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie:Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie:Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus:Fabeae
Gattung:Wicken (Vicia)
Art:Futterwicke
Wissenschaftlicher Name
Vicia sativa
L.

DieFutterwicke (Vicia sativa), oder auchSaat-Wicke[1] genannt, ist einePflanzenart, die zur Unterfamilie derSchmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie derHülsenfrüchtler (Fabaceae) gehört.[2] Sie ist eine weit genutzte Futterpflanze.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

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Die Futterwicke ist eine einjährigekrautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 cm erreicht. Die Laubblätter bilden an ihrer Spitze stets eine geteilte Ranke aus und sind zwei- bis achtpaarig gefiedert.

Die Futterwicke blüht in den Monaten März und April und noch einmal von August bis Oktober.[3] Ihre einzeln oder zu zweit in denBlattachseln stehenden und kurz gestielten Blüten sindzygomorph und 16 bis 26 mm lang. Die Kelchzähne sind gleich lang wie oder länger als die Kelchröhre (im Gegensatz zurSchmalblättrigen Wicke). DieKronblätter sind purpurn bis violett gefärbt. DieFahne ist kahl.

Die reifenHülsenfrüchte sind aufrecht und braun gefärbt.

Der Karyotyp von Vicia sativa besteht aus 5, 6 oder 7 Chromosomen, wobei sechs (n=6) am häufigsten vorkommen und am besten beschrieben sind. Da das Genom vonVicia sativa aufgrund großer Mengen an repetitiver DNA relativ groß ist (1,75 Gb), war die Sequenzierung des Genoms im Vergleich zu anderen Leguminosen wieMedicago truncatula oderSojabohnen eine Herausforderung.[4]

Ökologie

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EineSelbstbestäubung ist sehr häufig, der Anteil derFremdbestäubung liegt bei maximal 10 %.[3]Bestäubt wird die Futterwicke vonInsekten wieBienen und zahlreichen Faltern.

Ihre Samen breiten sich von alleine aus (Autochorie).[3]

Vorkommen und ihre Geschichte

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Die Futterwicke ist ursprünglich ein mediterran-eurasischesFlorenelement.[3] und originär imMittelmeerraum und inWestasien verbreitet.Adventiv kommt sie in Mittel- und Nordeuropa bis Irland und Skandinavien vor. Sie wurde weltweit in praktisch alle Kontinente verschleppt.[3]

In Europa zählt man die Futterwicke zu denArchäophyten, da sie schon vor langer Zeit in den europäischen Raum eingebürgert wurde. Die Futterwicke gilt in Europa als unbeständig, da es viele schwer zu unterscheidende Unterarten gibt. Man nimmt an, dass sich die Futterwicke aus derSchmalblättrigen Wicke entwickelt hat.[3] Die Futterwicke ist eineKulturpflanze und daher überall dort zu finden, wo der Mensch sie anbaut. Ansonsten gibt es auch zahlreiche wild lebende Formen, die vor allem auf nährstoffreichenBöden wachsen. Zwischen Mai und Juli ist die Futterwicke auch anRuderalstellen, an Wegrändern sowie häufig auf Wiesen zu finden. In ganzDeutschland ist sie häufig anzutreffen, nur im Alpenvorland ist sie selten. InVorarlberg wächst sie an der Bergstation derKanzelwandbahn auf bis zu 1920 Metern über dem Meeresspiegel.[5] In alten Texten bezeichnet der wissenschaftliche ArtnameOrobus verus neben anderen Wickenarten auch die Futterwicke.[6]

Systematik

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  • Reife Hülsenfrucht von Vicia sativa subsp. nigra
    Reife Hülsenfrucht vonVicia sativa subsp.nigra
  • Blüte von Vicia sativa
    Blüte vonVicia sativa
  • Stängel mit Nebenblatt
    Stängel mit Nebenblatt
  • Unreife Hülsenfrucht von Vicia sativa subsp. nigra
    Unreife Hülsenfrucht vonVicia sativa subsp.nigra
  • Stängel mit Blüte
    Stängel mit Blüte
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Unterscheidung in Sippen

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In Mitteleuropa kommen vier Sippen der Futterwicke vor, die je nach Auffassung zu einer einzigen Art gehören oder auf mehrere Arten aufgeteilt werden.

  • Vicia sativa subsp.cordata(Hoppe) Batt.: Sie ist ein seltenerNeophyt (Nachweise v. a. im Rheinland) mit dunkelbraunen Hülsen, bei der die unteren Blättchen breit herzförmig und die oberen schmal linealisch sind. DieChromosomenzahl beträgt 2n = 10.[7] Die ökologischenZeigerwerte nachLandoltet al. 2010 sind für diese Unterart in derSchweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[8]
  • Vicia sativa subsp.sativa: Sie ist eine Kulturpflanze mit mehr oder weniger hellbraunen Hülsen und noch etwas breiteren Blättchen, die manchmal verwildert. DieChromosomenzahl beträgt 2n = 12.[7] Die ökologischenZeigerwerte nachLandoltet al. 2010 sind für diese Unterart in derSchweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz 1 = tolerant.[8]
  • Vicia sativa subsp.segetalis(Thuill.) Corb.: Sie besitzt schwarze Hülsen und kann leicht mitsativa verwechselt werden, kann aber anhand der Farbe der Hülsen unterschieden werden. DieChromosomenzahl beträgt 2n = 12.[7]
  • Vicia sativa subsp.nigra(L.) Ehrh.: Sie hat mitsegetalis die schwarzen Hülsen gemeinsam, unterscheidet sich aber von dieser durch schmalere Blättchen, eine etwas andere Form der Krone und ein wenig andere Standortspräferenzen. DieChromosomenzahl beträgt 2n = 12.[7] Die beiden Unterarten sind in Mitteleuropa relativ weit verbreiteteArchäophyten. Die ökologischenZeigerwerte nachLandoltet al. 2010 sind in derSchweiz fürVicia sativa subsp.nigra: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[8]

Unterschiedliche Taxonomie in verschiedenen Quellen

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In derFlora Europaea werden die einzelnen Sippennigra,cordata undsativa mit weiteren mediterranen Sippen wiemacrocarpa zu einer einzigen Art namensVicia sativa (s.lat.) zusammengefasst. Die Unterartsegetalis ist nachFlora Europaea ein Synonym derVicia sativa subsp.nigra.

Der Index Synonymique de la Flore de France geht ähnlich vor, trennt jedoch dieVicia sativa subsp.segetalis von derVicia sativa subsp.nigra und führt weitere in Mitteleuropa nicht vorkommende Unterarten an.

In derExkursionsflora von Österreich und derExkursionsflora von Deutschland vonWerner Rothmaler (Kritischer Band, 4. Aufl.) undOberdorfer (4. Aufl.) gibt es drei Arten:Vicia sativa (s. str.),Vicia cordata undVicia angustifolia, letztere mit den Unterartenangustifolia undsegetalis.

NachFloraWeb gibt es zwei Arten:Vicia sativa (mit den UnterartenVicia sativa subsp.sativa undVicia sativa subsp.cordata) undVicia angustifolia (mit den UnterartenVicia angustifolia subsp.angustifolia undVicia angustifolia subsp.segetalis).

Schmeil-FitschensFlora von Deutschland (92. Aufl., 2003) beschreibt nur die ArtVicia sativa mit den Unterartennigra,sativa,segetalis undcordata. Hier wird dieSchmalblättrige Wicke (Vicia angustifolia) als Synonym zur Unterartnigra behandelt.

Quellen

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Einzelnachweise

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  1. Vicia sativa L. s. str., Saat-Wicke. auf FloraWeb.de
  2. Viciasativa imGermplasm Resources Information Network (GRIN),USDA,ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  3. abcdefOskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.):Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3:Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Droseraceae bis Fabaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1992,ISBN 3-8001-3314-8.
  4. Alice Navrátilová, Pavel Neumann, Jiří Macas:Karyotype Analysis of Four Vicia Species using In Situ Hybridization with Repetitive Sequences. In:Annals of Botany.Band 91,Nr. 7, Juni 2003,ISSN 0305-7364,S. 921–926,doi:10.1093/aob/mcg099,PMID 12770847,PMC 4242401 (freier Volltext). 
  5. Erhard Dörr,Wolfgang Lippert:Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004,ISBN 3-930167-61-1, S. 155.
  6. Otto Zekert (Hrsg.):Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 149.
  7. abcdErich Oberdorfer:Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001,ISBN 3-8001-3131-5. Seite 613–614.
  8. abcVicia sativaL. In:Info Flora, demnationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 8. Juni 2022.

Weblinks

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Commons: Futterwicke (Vicia sativa) – Album mit Bildern
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