Es gibt dieGemarkungen Furth im Wald, Grabitz,Herzogau, Lixenried, Ränkam und Sengenbühl. Von der Gemarkung Herzogau liegt nur der Gemarkungsteil 0 auf dem Stadtgebiet von Furth im Wald, der Gemarkungsteil 1 liegt in der StadtWaldmünchen.[5]
Am 9. April 1086 wurde Furth im Wald erstmals urkundlich erwähnt. Damals schenkte der SalierkaiserHeinrich IV. mehrere erbuntertänige Dörfer und deren Einnahmen in derMarkgrafschaftCham imNordgau (Bayern), darunter auchVurte, das sich später zur Stadt Furth im Wald entwickelte, an denRegensburger Domvogt Friedrich aus dem Hause der Grafen vonBogen (Adelsgeschlecht) für dessen Verdienste während desInvestiturstreits zu Gunsten des Kaisers. Wie der NameVurte vermuten lässt, befand sich das Dorf an einer Furt, durch die Handels- und Heereswege entlang der Flussauen des mäandrierendenChambs in das Siedlungsgebiet derChoden inWestböhmen führten.Im Jahr 1300 wurde Furth im Wald erstmals als Zollstation genannt. 1332 bestätigte der bayerische HerzogHeinrich XIV. die Stadtrechte. 1426 plünderten und mordeten Heeresgruppen der Reformbewegung derHussiten im GrenzlandKünisches Gebirge, wobei vermutlich auch die Stadt Furth zerstört wurde. 1470 wurde eine Grenzhauptmannschaft Furth, als eine der ältesten bayerischen Landwehrorganisationen gegründet und dieGrenzfahne mit dem Stammwappen der Grafen vonBogen (Adelsgeschlecht), den weiß-blauen Rauten, geweiht. Eine Nachfolge-Ausführung aus kostbarem Material wurde im Heimatmuseum der Stadt in einer Vitrine aufbewahrt (siehe Literatur beiJohanna von Herzogenberg).
Im Jahre 1514 ließ der Further Grenzhauptmann Sigmund vonSeyboltsdorff einGrenzvisier erstellen, die älteste kartographische Grenzbeschreibung von Furth im Wald bis zum Arber imBöhmerwald. DerFurther Drachenstich wurde erstmals 1590 erwähnt. Er ist eines der ältesten Volksschauspiele im deutschen Sprachraum, ursprünglich entstanden bei einemFronleichnamsumzug. In diesem Festspiel werden seit 1951 dieHussitenkriege als Hintergrund desDrachenstichs dargestellt.1633 während desDreißigjährigen Krieges (1618–1648) verwüsteten evangelisch-lutherische Heeresgruppen der Schweden die Stadt, als GeneralfeldmarschallWallenstein u. a. mitOttavio Piccolomini in Furth im Wald einen Kriegsrat abgehalten hatte und den Abzug seines Heeres nach Eger (Cheb) beschlossen hatte. Das Gefecht am Antlesbrunn mit Einnahme und Plünderung der Stadt imSpanischen Erbfolgekrieg fand 1703 statt. 1764 erfolgte die endgültige Festlegung des Grenzverlaufs zwischenBöhmen undBayern zwischen KaiserinMaria Theresia und dem bayerischen KurfürstenMaximilian III. Joseph. Durch das bayerischeGemeindeedikt von 1818 wurden die kommunaleSelbstverwaltungsrechte Furth im Walds erneuert. 1838 erfolgte die Verlegung eines Landgerichtssitzes nach Furth im Wald, Furth war bis 1862 Verwaltungs- und Gerichtssitz. 1861 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Furth im Wald wurde Haltepunkt der Hauptlinie Nürnberg–Prag. 1862 wurde Furth verwaltungstechnisch dem neu gegründetenBezirksamt Cham zugeordnet, das Landgericht als Gerichtsbehörde bestand weiterhin. 1863 verwüstete ein Stadtbrand Furth, wobei die gesamte östliche Stadthälfte sowie der alte Further Stadtturm zerstört wurden.
Den Zweiten Weltkrieg (1939–1945) überstand Furth weithin unbeschadet, obwohl es im April und Mai 1945 im Grenzgebiet beiCham noch zu teils erbitterten Kämpfen mit den nach West- und Südböhmen vorrückenden Truppenverbänden der amerikanischen Streitkräfte kam. Furth im Wald sollte als „Frontstadt“ zur Verteidigung der „Festung Böhmen“ dienen und wurde bis Kriegsende mit zahlreichen Bunkeranlagen im Stadtbereich und der Umgebung gerüstet. In Folge von amerikanischen Tieffliegerangriffen am 03. April 1945 gab es Gebäudeschäden im Bereich Bayplatz und im Betriebsgebäude der Holzschuhfabrik Rank-Seidl. Erhebliche Gebäudeschäden wurden nach einem Luftangriff vom 17. April 1945 gemeldet, allein im Stadtkern Schäden an 25 Anwesen registriert, es folgten weitere Tieffliegerangriffe vom 22. und 23. April 1945 mit wesentlichen Gebäudeschäden. Am 23. April 1945 wurde die Eisenbahnbrücke bei der Späthenmühle naheDieberg gesprengt, nach Vermittlung durch Bürgermeister Hörmann erfolgte der Abzug des größten Teils der Verteidigungseinheiten. Durch alliierten Artilleriebeschuss vom 25. und 26. April 1945 traten Sach- und Gebäudeschäden ein, u. a. am Friedhof, am evangelischen Pfarrhaus, im Bereich des Holzlagers der Firma Edelmann sowie am Stadtplatz, am Schießstättenweg und am Lagerweg. Furth lag in der Nacht unter Störfeuer einer US-Artilleriebatterie, im 30-Minuten-Takt wurden jeweils fünfzehn Sprenggranaten gezündet. Einen Toten und mehrere Verletzte waren am 26. April 1945 zu beklagen, als Furth durch deutsche Artillerie gegen 14:00 Uhr vom Bereich Ösbühl-Daberg beschossen wurde, als die US-Armee vorrückte. Nach Vermittlung durch Bürgermeister Hörmann wurde schließlich der deutsche Beschuss eingestellt und das 359. Infanterieregiment der US-Armee konnte kampflos einmarschieren. Während des US-Einmarsches am 26. April 1945 wurde ein Anwesen in der Eschelkamer Straße durch Sprengung von deutscher Munition beschädigt und ein deutscher Soldat getötet. Am 27. April 1945 wurden die letzten Kampfhandlungen zwischen US- und deutschen Einheiten in Ösbühl-Daberg gemeldet. Ende Juli 1945 waren japanische Kriegsgefangene in der Stadt untergebracht. 1946 errichtete man ein Grenzdurchgangslager für Flüchtlinge. 1950 waren 2.531 von 9.453 Einwohnern Heimatvertriebene. Wohnungsbau und Maßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur wurden vorangetrieben, neue Betriebe siedelten sich an.[6]
Von 1946 bis 1957 war in Furth im Wald ein Auffanglager für ca. 706.000Heimatvertriebene während der Zeit derVertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. 1964 wurde der Straßengrenzübergang über Vollmau (Folmava) in derTschechoslowakei unter strengen Visa-Bestimmungen derČSSR wieder eröffnet, als einer von damals nur vier Grenzübergängen für den Straßenverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechoslowakei.[7]
Der Abbau der Grenzsperren auf tschechoslowakischer Seite erfolgte 1990. Die Unterzeichnung der Staatsverträge über die Erleichterung der Grenzabfertigung im Eisenbahn-, Straßen- und Schiffsverkehr sowie über die gegenseitige Unterstützung der Zollverwaltungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland undTschechien folgte 1995 im Rathaus von Furth im Wald. Am 21. Dezember 2007 entfielen die Grenzkontrollen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Tschechien und die Grenzstation wurde aufgelöst.
Im Jahr 1946 wurde ein Teil der Gemeinde Grabitz eingegliedert. Ränkam(mit dem anderen Teil der ehemaligen Gemeinde Grabitz) und Sengenbühl(bis Mitte 1904 imBezirksamt Kötzting) wurden im Zuge derGebietsreform in Bayern am 1. Januar 1972, Lixenried und ein Teil der Gemeinde Herzogau (beide aus demLandkreis Waldmünchen) am 1. Juli 1972 eingemeindet.[8]
Der Rat der Stadt besteht aus 20 Räten sowie demErsten Bürgermeister.Nach den Kommunalwahlen 2014 und 2020 ergab sich folgende Stimmen- und Sitzverteilung:[9]
Dabei schlossen sich die Umland-Wählergemeinschaften in den vergangenen Amtsperioden traditionell der CSU-Fraktion an, gründeten aber 2008 eine eigene „Umlandfraktion“.
Nach dem Ableben von Bürgermeister Reinhold Macho wurde Johannes Müller zum Ersten Bürgermeister gewählt (siehe unten).
Erster Bürgermeister ist Sandro Bauer (CSU).[10] Nach dem Tod des langjährigen Bürgermeisters Reinhold Macho am 8. September 2005 fanden am 4. Dezember 2005 Neuwahlen statt. Es kam zur Stichwahl zwischen Volker Heiduk (Freie Wähler) und Johannes Müller (CFW). Am 18. Dezember 2005 wählten die Further Bürger Johannes Müller mit 56,93 % der Stimmen zum neuen Bürgermeister. Bei der nächsten Wahl im November 2011 kamen Johannes Müller und der Bewerber der CSU, Sandro Bauer, in die Stichwahl. Diese gewann Bauer am 20. November 2011 mit 61,1 %; Amtsinhaber Müller kam auf 38,9 %. Die Kommunalwahl am 16. März 2014 gewann Sandro Bauer (CSU) mit 82,89 %. Sein Gegenkandidat Günter Stelzer (CFW) kam auf 17,11 %. Bei der Wahl vom 15. März 2020 wurde Bauer mit 58,2 % für weitere sechs Jahre gewählt; Toni Schmidt (Freie Wähler) kam auf 33,9 % und Günter Stelzer (CFW) auf 7,9 % der Stimmen.[11]
Zweiter Bürgermeister ist Michael Mühlbauer (Freie Wähler)
Dritter Bürgermeister ist Franz Former (Christliche Wählergemeinschaft)
Drachenhöhle: Die Hauptattraktion desFurther Drachenstichs und größter vierbeinigerSchreitroboter der Welt (Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde) kann in seiner „Höhle“ am Festplatz besichtigt werden.
Museen am Stadtturm
Landestormuseum mit Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte, zur Geschichte der Stadt und der Landesgrenze zuBöhmen, zu Handwerk, religiöser Volkskunst und bäuerlichem und bürgerlichem Leben in der Stadt
Das Erste Deutsche Drachenmuseum zeigt die Geschichte des lokalen Festspieles und eine allgemeine Kulturgeschichte derMythologie desDrachen.
Das Museum des Heimatkreises Bischofteinitz ging aus den 1972 gegründeten Sammlungen des sudetendeutschen HeimatkreisesBischofteinitz im südlichenEgerland hervor.
Abteilung Glas und Glasstraße mit einem Kinder-Erlebnisbereich
Privates Museum Flederwisch mit der Transmissionswerkstatt einer historischen Druckerei, einer Schmiede und einer Agentur für Auswanderer
Die historischeHammerschmiede Voithenberghütte liegt im Tal der Kalten Pastritz unmittelbar an der Grenze zuTschechien. Sie wurde 1823 durch den Freiherrn Zacharias Voith von Voithenberg als Arbeitgeber erbaut und war bis 1926 in Betrieb. Heute ist diese Hammerschmiede eine Außenstelle des Landestormuseums, beherbergt eine Ausstellung von Schmiedeprodukten, sonstigen Dokumenten und zeigt Schmiedevorführungen mit zwei wasserradgetriebenen Hämmern.
Das private Waldmuseum Sengenbühl am Steinbruchsee enthält eine Sammlung von etwa 800 Präparaten einheimischer Tiere, Anschauungsmaterial zur Geologie und Pflanzenwelt aus der Umgebung von Furth im Wald, Werkzeugen zur Holzbearbeitung, eine umfangreiche Uhrensammlung und hat ein angegliedertes Wildgehege und Fischteiche.
Der Schlossplatz mit dem 1865 errichteten 35 m hohen Stadtturm ist als Ensembledenkmalgeschützt. Der Turm beherbergt das Landestor- und Drachenmuseum, zu dessen Öffnungszeiten auch die hoch über den umliegenden Dächern liegendeAussichtsplattform zugänglich ist.[13]
Wie zahlreiche andere Städte, ist Furth im Wald auf einer felsigen Anhöhe errichtet, teilweise von unterirdischen Flucht- und Verbindungsgängen untertunnelt. Diese wurden durch engagierte örtliche Heimatforscher und ehrenamtlich interessierte Helfer wieder zugänglich gemacht. Die freigelegten Felsengänge sind in den Sommermonaten zu besichtigen. Sie bilden mit dem seit demMittelalter erhaltenen, fast unveränderten Grundriss der Bebauung einen Blick in die Geschichte der nach zahlreichen Bränden immer wieder aufgebauten Straßenzüge.
Nach dem Drachen aus dem FurtherVolksschauspiel, demFurther Drachenstich, wurde der 2009 entstandeneHochwasserspeicher Furth im Wald „Drachensee“ benannt. Rund um den 175 Hektar umfassenden Stausee des FlussesChamb bei Furth im Wald finden Erholungssucher und Natur-Entdecker einen besonderen Erlebnisbereich. Was den Drachensee von anderen Stauseen desBöhmerwaldes unterscheidet, ist ein sogenanntes Vier-Zonen-Konzept. Dabei stehen die Zone des Naturerlebnisses und die ökologische Regenerationszone im Vordergrund. Die hier angestrebten Ausgleichsmaßnahmen zwischen Mensch und Natur lassen einen neuen beachtenswerten Lebensraum entstehen, der gute Voraussetzungen besitzt, auch bedrohten Tieren und Pflanzen eine Heimat und Überlebensmöglichkeiten zu bieten.
Am nördlichen Westufer des Drachensees befindet sich eine Seebühne sowie die ausCOR-TEN-Stahl gefertigteSkulptur „Mythos Drache“, die eine begehbareAussichtsplattform besitzt.[14]
Jedes Jahr am Vormittag desOstermontags findet seit über 200 Jahren einLeonhardiritt um die Leonhardi-Kirche mit anschließender Feldmesse undPferdesegnung auf dem Stadtplatz statt.
Sie wurde 1668 erbaut und hatte im 17. Jahrhundert eine größere Bedeutung alsWallfahrtskirche. Sie beherbergt das wohl älteste Kunstobjekt der Stadt, eineKreuzigungsgruppe aus dem 14. Jahrhundert.
2017 gab es in der Stadt 3.392 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 3.290 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Einpendler um 102 Personen größer als die der Auspendler. 201 Einwohner waren arbeitslos.
Der Bahnhof Furth im Wald istGrenzbahnhof an derStrecke aus Schwandorf, die inRichtung Plzeň weiterführt. Aufgrund der Grenzlage und der vom Güter- und Personenverkehr stark genutzten Strecke bestehen hier großflächige Gleisanlagen für Güterzüge und den Lokwechsel.
Es besteht ein annähernd stündliches Angebot zur KreisstadtCham. Ferner gibt es regelmäßige Verbindungen nachSchwandorf,Regensburg,Nürnberg undMünchen sowie mit den tschechischen Staatsbahnen (České dráhy) im Regionalverkehr nachDomažlice (Taus), im Fernverkehr nachPlzeň undPrag. Die Verbindungen werden auch vonPendlern genutzt.
Furth im Wald hat mit derB 20 bzw. auf tschechischer Seite dieN 26 beiČeská Kubice Anschluss an das überörtliche Straßennetz.
Aus einer traditionellenGlashütte entstand die „Flabeg“, auf die in Further Arbeiterkreisen jedoch stets nur als „Glashütte“ Bezug genommen wird. Die „Flabeg GmbH & Co. KG“ verfügt über eine selbstentwickelte Technik zum Glasbiegen und ist ein bedeutender Hersteller von Kfz-Spiegeln, Display-, Bildschirm- und Scannerglas sowie Sonnenkollektoren für Parabolrinnenkraftwerke.
Johanna von Herzogenberg:Zwischen Donau und Moldau. Bayerischer Wald und Böhmerwald. Das Mühlviertel und Südböhmen, Prestel Verlag München 1968, Furth im Wald Seite 54–59, 60. Der Schutzumschlag des Buches zeigt eine Ansicht des Grenzversier des Jahres 1514 und enthält im Anhang eine Landkarte mit einer Übersicht der Straßenverbindungen nach Pilsen inWestböhmen.
Sebastian Werner, Heinrich Blab, Gertrud Löffelmann:Bausteine zu einer Geschichte der alten Grenzstadt Furth im Wald, Furth im Wald, Perlinger Druck, 1985.
Furth im Wald – „Oberpfalz und Böhmen – Begegnungen über Grenzen“. Festschrift zum 32. Nordgautag 1998, mit mehreren Aufsätzen zur Further Geschichte (online)