EinFuß (anhörenⓘ/?) (englischfoot, Pluralfeet) bzw.Schuh ist ein früher in vielen Teilen der Welt verwendetesLängenmaß, das je nach Land meist 28 bis 32 cm maß, in Extremfällen auch 25 und 34 cm.
Das einzige heute noch übliche Fußmaß, derenglische Fuß, beträgt 1 ft = 30,48 cm (12Zoll). Obwohl es sich nicht um eineSI-Einheit handelt, wird die EinheitFuß auch international noch häufig verwendet, vor allem in der See- und Luftfahrt.
Seit wann der Fuß alsMaßeinheit verwendet wird, ist umstritten. Sichere Schlüsse können aus den frühesten Funden von Maßstäben gezogen werden. Das älteste unbeschädigte Fundstück dieser Art ist die sogenannteNippur-Elle aus Mesopotamien. Durch Einkerbungen erschließen sich Untereinheiten zu 30Fingerbreit (digiti à 1,73 cm), woraus sich die MaßeinheitenFuß mit 16digiti (27,6 cm) sowie dieHandbreite(palmus = 4 digiti) ergeben. Versuche, die Länge der Elle an Gebäuden zu überprüfen, führten zu einem Mittelwert von 518,65 mm.[1]
Ob daraus – wie im Fall desmegalithischen Yard – ein gemeinsames Urmaß abgeleitet werden kann, ist in der Fachwelt umstritten. Identische Längen oder ihre Untereinheiten in verschiedenen Kulturen könnten auch eine Folge der Einheitlichkeit von Körpermaßen sein, auf die sie zurückgehen.[2]
Noch vor der IV. Pharaonen-Dynastie teilten ägyptischeGeometer die Nippur-Elle nur noch in 28 Teile. Dadurch wuchs der Fuß als Maß auf 51,8 cm ÷ 28 × 16 ≈ 29,6 cm. Genau diese Länge hatte auch das römische Fußmaß. Demnach unterhalten der megalithische bzw. Nippur-Fuß und der römische Fuß ein Verhältnis von genau 28 zu 30.
Ein Fuß (lat.pes ≈ 29,6 cm) ist also vierHandbreit (lat.palmus ≈ 7,4 cm) bzw. sechzehnFingerbreit (lat.digitus ≈ 1,85 cm). Neben dem offiziellenpes monetalis wurde in einigen Teilen der römischen Nordwestprovinzen auch der sogenanntepes drusianus (≈ 33,27 cm) verwendet, der gegenüber dem offiziellen Fußmaß um etwa 2 digiti länger war. Er wurde benannt nach dem FeldherrnNero Claudius Drusus.[3] Das „Vier-Fuß-Maß“ nannte man in der Spätantike auf Lateinischulna (Elle). Das „Maß von 1½ Fuß“ ist die natürliche Elle (lat.cubitus). Das „Fünf-Fuß-Maß“ ist der Doppelschritt (lat.passus). Das englischeYard hat genau drei Fuß.
Im alten Griechenland zum Beispiel gab es neben dem hauptsächlich verwendeten, eigentlichen Fuß (griechischpous) zu 16 Fingerbreit auch eine sogenanntePygme zu 18 Fingerbreit. Diese Pygme (Unterarm bis zum Handgelenk) wurde oft in Übersetzungen in Ermangelung eines geeigneten Wortes auch als „Fuß“ bezeichnet. Dennoch kann festgehalten werden, dass über die gesamte Zivilisationsgeschichte hinweg der Fuß stets 16 Fingerbreit beträgt, wobei der „Finger“ als die eigentliche Grundeinheit angesehen werden kann.
Erst im Mittelalter mit seiner Vorliebe für dasDuodezimalsystem wurde der Fuß statt in sechzehn in zwölf Untereinheiten geteilt. Dadurch ergab sich die Daumenbreite, das sogenannte Zoll (lat.uncia, engl.inch, frz.pouce). Auch in anderen Kulturkreisen, z. B. inJapan oderChina, sind Längenmaße in Größe des menschlichen Fußes bekannt.
Einkarolingischer Fuß maß 32,24 cm, der „Pariser Königsfuß“ 32,48 cm (vermutlich vompes drusianus abgeleitet[5]) und der weit verbreitete Rheinfuß knapp 31,4 cm.
Der Karlsfuß war auf 32,5 Zentimeter festgelegt.[6]
Bei nahezu allen Bauwerken des Mittelalters wurde der Fuß als Grundbaumaß verwendet. Er lässt sich bei Kirchenbauwerken meist durch Teilung des Breitenmaßes mit einer theologisch relevanten ganzen Zahl rekonstruieren. DieDombauhütten und ihre Baumeister verwendeten regional unterschiedliche eigene Fußmaße, die entweder antike Fußmaße oder deren Ableitungen waren. Die rekonstruierten Längen liegen zwischen 25 und 35 cm.
„Ein Meßrute nach rechter Art vnd künstlichem gemeinẽ Gebrauch sol also gemacht werden. Es sollen sechtzehen mann / klein vnd groß / wie die vngefehrlich nach einander auß der Kirchen gehẽ / ein jeder vor den andern einen Schuch stellen / vnnd damit ein Lenge / die da gerad sechtzehen derselben Schuch begreiffet / messen / Dieselbige Lenge ist / vnd sol seyn / ein gerecht / gemein Meßrute / damit man das Feldt messen soll / …“[7]
Bestimmung der mittleren Fuß-Länge durch Aneinanderreihung der Füße von 16 Männern (Frankfurt am Main), nachJakob Köbel (1460–1533)
Mit der Einführung des dezimalenMeters inFrankreich im Jahre 1793 brach man erstmals in der Menschheitsgeschichte mit der Verwendung aller konkret auf den Menschen bezogenen Grundmaße sowie mit der traditionellen Bezugnahme auf andere, schon bestehende Maße. Dieneue Referenz sollte nun derErdumfang sein. In bestimmten Bereichen, etwa der Landvermessung und Schifffahrt, wurden allerdings schon zuvor verschiedene „geografischeMeilen“ (z. B. in Deutschland 1/15 Äquatorgrad lang) und davon abgeleitete Größen verwendet. Der Meter wurde rein abstrakt als zehnmillionster Teil der Entfernung vomPol zumÄquator definiert. In der Folge verschwand das klassische menschliche Fußmaß im Geltungsbereich des Meters.
Zur Vereinfachung und besseren Akzeptanz der Umstellung auf den Meter wurde im 19. Jahrhundert da und dort das alte Fußmaß auf runde Werte des neuen Systems gebracht. Dieser erneuerte Fuß entsprach imGroßherzogtum Hessen genau 25 cm, imGroßherzogtum Baden sowie in derSchweiz (siehe auch:Schweizer Fuss) genau 30 cm und imHerzogtum Nassau genau 50 cm. Diese Einheiten wurden dann meistens in zehn statt wie zuvor in zwölf Zoll geteilt. Andere Staaten beschränkten sich darauf, ihren Fuß und andere Maßeinheiten in Abhängigkeit zum metrischen Systems zu definieren.
Aus demLehrbuch des gesammten Rechnens für die vierte Classe der Hauptschulen in denk. k. Staaten (1848)
Die verschiedenen alten deutschen Fußmaße sind durch denNorddeutschen Bund und die Übernahme seiner Gesetze bei der Gründung des Deutschen Reiches (1871) sowie den darauf folgenden deutschen Beitritt zur internationalenMeterkonvention (1875) ganz aufgegeben worden. InÖsterreich galt überwiegend derpous metrios zu 31,61 cm.
Terminologisch entsprach dem Fuß regional derSchuh.
Beispiele der Fußmaße in einigen deutschen Städten und Ländern (gerundet):
RheinischeElle und rheinischer Fuß, öffentliches Maß am alten RathausMannheim, 1711 Preußische Elle und preußischer Fuß am Rathaus von Bad Langensalza, Thüringen Kulmbacher Fuß, 29 cm Preußischer Fuß am Rathaus von Mühlhausen/Thüringen, 37,6 cm, 1825
Von 1893 (Mendenhall Order) bis 1959 war der Fuß in den USA als 1 Fuß = 1200/3937 Meter definiert. Der so definierte Fuß wurde noch bis 2022 alsU.S. survey foot in der Mehrheit der US-Bundesstaaten für die Landvermessung verwendet.[16] Die Diskrepanz betrug 2 Millionstel: Derinternational foot ist exakt0.999998-mal so groß wie derU.S. survey foot. Seit 2023 wird derU.S. survey foot nicht mehr verwendet.[17]
Im Gegensatz zum Zoll, der auch heutzutage noch weltweit verbreitet ist, beispielsweise bei der Größenangabe vonAutofelgen, ist der Fuß im technischen Bereich so gut wie nicht mehr international im Gebrauch. Eine der seltenen Ausnahmen ist die gelegentliche Bezeichnung der Breite beimMähdrescher-Schneidwerk.
Viele Angaben sind in Fuß und Zoll angegeben, so z. B. die Abmessungen der weltweit verbreitetenISO-Container. Insbesondere die Längenmaße sind hier von Bedeutung, da sie die Grundlage der Klassifikationen darstellen, aus denen sich alle weiteren Maße im Wesentlichen ableiten. Der Standard sind 20′-, 40′- und 45′-Container.
Direkte Werte in Fuß sind am häufigsten in derLuftfahrt anzutreffen, wo sie alsfeet die gebräuchlichste Maßeinheit derFlughöhe darstellen. Bei geografischen Höhenangaben inLuftfahrtkarten (speziell für Flugplätze und Berge) wird im Zusammenhang mit der Angabe in Fuß der Begriff „Elevation“ (ELEV) verwendet. ImLuftraum über derÜbergangshöhe werden dieFlugflächen (engl.:flight level, FL) nach ihrer Höhe in Vielfachen von 100 Fuß benannt. Beispiel: Die Höhenangabe „FL120“ bedeutet: „12000 ft über derStandard-Bezugsfläche“.
Viele Maße basieren auf Fuß undZoll oder werden immer noch direkt darin angegeben. Maße bei Bauvorschriften für z. B. Durchstiege, Raumhöhen oder dieSeereling wurden in Fuß oder Zoll definiert und werden heute als Millimeterwerte angegeben (Höhe der Reling 2 Fuß entspricht 610 mm, Abstand der Stützen höchstens 7 Fuß entspricht 2134 mm). Grenzwerte für Schiffsklassen sind oft ganze Fußmaße. EineRegistertonne sind 100 Kubikfuß.Tiefgangs-Marken, die sogenanntenAhmings, die am Bug und Heck eines Seeschiffes und bisweilen auch mittschiffs angebracht sind, sind oft in Fuß skaliert. Bei der Fertigung von Kettengliedern wird zumeist der Zoll verwendet, während die Produkte in Millimeter ausgezeichnet werden (die Glieder einer ¼-Zoll-Kette sind 6,35 mm dick, werden aber als 6-Millimeter-Kette bezeichnet; ⅜ Zoll sind 9,53 mm, werden aber als 10 mm verkauft; und ½ Zoll sind 12,7 mm, heißen aber 13 mm). Auf allen amtlichen amerikanischenSeekarten und nautischen Veröffentlichungen werden Wassertiefen in Fuß angegeben. Hingegen sind die Seekarten der britischen Admiralität inzwischen fast durchgehend metrisch.
Auch wenn es nicht exakt stimmt, nutzen auch Nichtengländer Fußwerte im Namen eines Bootstyps oder einer Marke, um das Boot genauer zu spezifizieren (Boote der KlasseMelges 24 sind 750 cm lang, dieSwan 48 hat 1483 cm und nicht korrekte 1463,04 cm = 48 ft).
In manchen Sportarten sind Maße ursprünglich runde Fußwerte, werden inzwischen aber häufig in Metern spezifiziert und dabei nur manchmal auf glatte Werte gerundet. DerBasketballkorb beispielsweise hängt 10 ft hoch (umgerechnet 3,048 m). Die Abmessungen einesFußballtors stammen aus der Zeit, als in England erste Regeln wie die Acht-Acht-Regel aufgestellt wurden. 8 ft (= 2,44 m) hoch und 8 yds (24 ft = 7,32 m) breit. Die britischen Maße werden auch heute noch imFIFA-Regelwerk parallel zu den metrischen Maßen angegeben.[18] Alle vorgegebenen Abmessungen einesBaseball-Spielfeldes sind grundsätzlich Fuß-Maße.
Im Orgelbau wird der Fuß heute für die Angabe der Tonhöhe vonOrgelpfeifen verwendet. Die sogenannteFußtonzahl gibt die klingende Tonhöhe einesOrgelregisters an. Bei einem 8′-Register lässt die Taste C auch den Ton C erklingen, bei einem 4′-Register den Ton c0 usw. Dabei wird von einer theoretischen Standardpfeife für die Taste C ausgegangen. Für die heutige Stimmung hat im Orgelbau ein Fuß etwa 32 cm. Abhängig von der Bauart weicht die tatsächliche Länge einer Pfeife bei gleicher Tonhöhe jedoch von der in Fuß angegebenen Länge ab.
Auch die Unterschiede der regional üblichen Fußmaße im historischen Orgelbau spielten bei der Nennung der Fußtonzahl keine Rolle, da sie nur grob angegeben wurde. So wurde beispielsweise das Maß22⁄3′ regelmäßig als 3′ geschrieben.
Albrecht Kottmann:Fünftausend Jahre messen und bauen. Planungsverfahren und Maßeinheiten. Verlag J. Hoffmann, Stuttgart 1981,ISBN 3-87346-065-3.
Albrecht Kottmann:Vom Geheimnis der alten Meister. Symbolzahlen, Maßeinheiten und Bemessungsverfahren von der Vorzeit bis zur Einführung des metrischen Systems. Verlag J. Fink, Lindenberg i. Allgäu, 2003,ISBN 3-89870-020-8.
↑Clive J. Bridger:The Pes Monetalis and the Pes Drusianus in Xanten. In: Britannia 15, 1984, S. 85 ff.
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↑Heinz-Dieter Haustein:Weltchronik des Messens. Universalgeschichte von Mass und Zahl, Geld und Gewicht. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001,ISBN 978-3-11-017173-0,S.91 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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↑Jürgen W. Koch:Der Hamburger Spritzenmeister und Mechaniker Johann Georg Repsold (1770–1830). Diss. Hamburg 2001,S. 179(Google Books).
↑Lagen der Thürme und der Sternwarte in Hamburg gegen den Thurm der grossen Michaeliskirche nebst ihren Höhenunterschieden und Tafeln, um das Hamburger Fussmaass in Dänisches, Preussisches, Französisches und Englisches Maass, und die fremden Maasse in Hamburger Fussmaass zu verwandeln. S. 8. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1843.Digitalisat
↑Dr. Franz Mozhnik:Lehrbuch des gesammten Rechnens für die vierte Classe der Hauptschulen in den k.k. Staaten. Im Verlage der k.k. Schulbücher Verschleiß-Administration bey St. Anna in der Johannisgasse, Wien 1848.S. 131 als jpg-Datei.
↑abcJohann Christian Nelkenbrecher:Allgemeines Taschenbuch der Maaß-, Gewichts- und Münzkunde, der Wechsel-, Geld- und Fondscourse usw. für Banquiers und Kaufleute. Sandersche Buchhandlung, Berlin 842, S. 444.
↑Johann Schön:Die Ziffernrechnung. 2., überarbeitete Auflage. Goebhardt’sche Buchhandlung, Bamberg/Würzburg 1815,S.318–320 (Volltext in der Google-Buchsuche).; für ZürichHans Kläui,Otto Sigg:Geschichte der Gemeinde Zell. Zürich 1983 (beispielhaft für etliche Ortschroniken).
↑Gotthard Oswald Marbach:Populäres physikalisches Lexikon. Band 2, Otto Wigand, Leipzig 1835, S. 470.
↑Johann Friedrich Krüger:Vollständiges Handbuch der Münzen, Masse und Gewichte aller Länder der Erde. Gottfried Basse, Quedlinburg/Leipzig 1830, S. 100.