Frickenhausen am MainSpätmittelalterliches Rathaus mit barockem Bürgerhaus und MariensäuleUnteres Tor, westliches Haupttor der im 15. Jahrhundert erbauten Befestigung mit Renaissancegiebel von 1518Die Valentinskapelle im Frickenhäuser Weingarten im Besitz der Familie PfeufferSchwarzenberg PalaisFrühere Weinkellerei des Domkapitels zu Würzburg, 1475 unter Wilhelm Herr zu Limburg errichtet von dem Baumeister Jorg von ElrichhausenPfarrkirche St. GallusLuftaufnahme von Frickenhausen am Main (im Hintergrund Stadt Ochsenfurt)
Bis zum 9. Jahrhundert gehörte die Siedlung zum Herrschaftsbereich derBabenberger. Der örtliche Weinbau und die Errichtung einer eigenen Kirche dürfte auf dieses Adelsgeschlecht zurückgehen. Frickenhausen gelangte dann an dasHochstift Würzburg im Wege einerSchenkung, nachdem der gräflich babenbergische Besitz infolge derBabenberger Fehde dem Reich verfallen war. Diese Schenkung ist dokumentiert in einer Urkunde von KönigLudwig dem Kind aus dem Jahr 903. Der König schenkte dem Bistum Würzburg Kirche und Königsgut in Frickenhausen.[6] Damit sollte es für die Verwüstungen durchAdalbert von Babenberg entschädigt werden.
Die Würzburger Bischöfe erhoben Frickenhausen zum bischöflichenTafelgut. Sie förderten das örtlicheGewerbe und die Landwirtschaft, insbesondere denWeinbau. Am 12. Mai 1182 bestätigte PapstLucius III. dem Hochstift die „villa, que dicitur Frickenhusen.“[7] BischofBerthold II. von Sternberg inkorporierte 1276 mit Zustimmung des Domkapitels die bischöfliche Patronatspfarrei „Frickenhusen“ mit ihren Kapellen dem Hochstift zur Aufbesserung derPfründe.[8] Im 14. Jahrhundert sammelte das Hochstift immer mehr Schulden an, was zu Anfang des 15. Jahrhunderts den damaligen BischofJohann I. von Egloffstein dazu veranlasste, durch Verkäufe die Verschuldung des Hochstifts zu reduzieren.
So kam Frickenhausen durch einen Verkauf im Jahr 1406 für 10.000Gulden an das WürzburgerDomkapitel, das den Ort weiter förderte. Es kann nicht mit Bestimmtheit nachgewiesen werden, wann der Ort dasMarktrecht erhielt. Wenn kein Datum der Marktrechtverleihung überliefert ist, deutet dies auf ein hohes Alter des Marktgeschehens hin. Da aber KönigRuprecht von der Pfalz (1400–1410) am 14. November 1406 vom Domkapitel die schriftliche Bitte vorgelegt wurde, den Jahrmarkt amGallustag (16. Oktober) um drei Tage zu verlängern, müssen schon früher regelmäßig Märkte stattgefunden haben. Im Jahre 1642 wurde mit dem Jahrmarkt auch ein Viehmarkt verbunden. Allen Besuchern, die sich am Frickenhäuser Markt beteiligten, wurde des Hl. Römischen Reichs Schirm und Geleit zugesichert.
Im Jahre 1475 baute das Domkapitel eine große Weinkellerei. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde außerdem eine massive Befestigung mit Mauer und Türmen angelegt. Der spätmittelalterliche Mauerring umfasst den Ort in einem etwa rechteckigen Umriss und ist in seinem ganzen Umfang erhalten. Im 16. Jahrhundert wurden die Pfarrkirche St. Gallus, eine dreischiffige Hallenkirche, und das angrenzende Rathaus im Stil der Spätgotik errichtet.
Insbesondere gedieh der Weinbau auf denMuschelkalkböden an den Hängen zum Main. Zahlreiche adlige Geschlechter und geistliche Grundherren erwarben Weinkeller in Frickenhausen. Es wurden prächtige Fachwerkhäuser gebaut. In der Zeit des Barock entstanden dann auch einige repräsentativePatrizierhäuser.
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1221 auf 1248 um 27 Einwohner bzw. um 2,2 %. 1999 hatte der Markt 1321 Einwohner.Quelle: BayLfStat
Blasonierung: „In Silber ein aufrechter goldenerKrummstab, dem ein waagrechtes grünesRebstück unterlegt ist; daran beiderseits je ein nach oben gerichtetes grünes Blatt und eine herabhängende goldene Traube.“[11]
Wappenbegründung: Frickenhausen ist seit alters her bekannt für seine gute Weinlage. Dies kommt durch das Rebstück mit den Trauben zum Ausdruck. Der Bischofsstab erinnert an das Hochstift Würzburg, das seit dem frühen 10. Jahrhundert in Frickenhausen belegt ist. 1406 kam der Markt an das Würzburger Domkapitel. Aus dem Jahr 1537 ist der Abdruck eines Siegels mit den nebeneinander hängenden Trauben und dem Bischofsstab überliefert. Gleiches Bild steht auch in zwei späteren Siegeln. In der Bürgermeistermedaille von etwa 1820 und in Abbildungen des 19. Jahrhunderts fehlt der Bischofsstab bisweilen.
Dieses Wappen wird seit dem 16. Jahrhundert geführt.
Kindergarten des Bezirksverbandes der AWO Unterfranken
Grundschule in Frickenhausen (aufgelöst zum 1. August 2016)
Der Gemeinderat beschloss am 6. Oktober 2015, bei der Regierung von Unterfranken eine Schulsprengeländerung zu beantragen, so dass ab dem Schuljahr 2016/17 die Frickenhäuser Schüler, welche die Klassen 1 bis 4 besuchen, unter dem Dach des Grundschulverbandes Eibelstadt unterrichtet werden.
Die Grundschule in Frickenhausen wird in den Schuljahren 2016/17 sowie 2017/18 von der Grundschule Eibelstadt mitgenutzt, da die dortige Schule saniert wird.
Durch den Osten des Gemeindegebietes verläuft dieBundesautobahn 7; die nächste Anschlussstelle istMarktbreit, einige Kilometer südöstlich auf der anderen Mainseite gelegen.
Die Gemeinde liegt im Gebiet des VerkehrsverbundsNahverkehr Mainfranken. Die Buslinie 554 verbindet Frickenhausen stündlich und sonntags zweistündlich mit der kreisfreien StadtWürzburg.Der nächste Bahnhof,Ochsenfurt an derStrecke Ansbach–Würzburg, liegt auf der anderen Mainseite, etwa drei Kilometer vom Ortszentrum entfernt.
Conrad Ludwig Gallus Hermes (1728–1784), Bildhauer und Bildstockmeister, Hermes lebte ab 1762 als Bürger in der Marktgemeinde Frickenhausen und starb hier
Franz Berg (1753–1821), katholischer Theologe, Philosoph und Professor in Würzburg
↑Monumenta Germaniae Historica DD Kar. Germ. I 23; Karl Puchner, Die Ortsnamen auf -hausen in Unterfranken, in: BllOberdtNamenforsch 5 (1962/64) Heft 1/2, S. 15 Nr. 38
↑Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Standbücher 122, fol. 16r;Enno Bünz, Gründungsausstattung und Güterteilung des Würzburger Kollegiatstiftes Haug im Spiegel der ältesten Papsturkunden (1182–1195), in: Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 57 (1995), S. 33–78, Editionsanhang Nr. 1
↑Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg IX: Urkundenregesten zur Geschichte der kirchlichen Verwaltung des Bistums Würzburg im hohen und späten Mittelalter (1136–1488), bearb. von Wilhelm Engel, 1954, S. 31 Nr. 22