
Frau Welt ist eine mittelalterliche Personifikation weltlicher Sinnenfreude und weltlichen Glückes. Sie erscheint von vorn als schöne betörende Frau, ihr Rücken aber ist voller Eiter und grässlichem Ungeziefer. Verführungskraft und Vergänglichkeit werden in dieserAllegorie wiedergegeben, die mit lehrhaftem Ziel vielfach in der Literatur und bildenden Kunst des Mittelalters erscheint. Diesem Sinnbild der Verlockung und Versuchung entsprichtVoluptas, die römischePersonifikation der Lust und Begierde, die den Menschen blind macht und ins Verderben führt.
Beispielsweise wird Frau Welt amWormser Dom an der rechten Seite des Südportals in einer Figurengruppe dargestellt, die kurz nach1298 nach dem Vorbild desStraßburger Münsters entstand. Vor Frau Welt kniet anbetend ein Ritter, der von ihrer äußeren Erscheinung geblendet ist. Frau Welt offenbart ihre wahre Natur aber nur dem, der ihre Rückseite mit Kröten und Schlangen und dem ganzen Unrat der Welt sieht, also ‚hinter die Dinge schauen‘ kann.
Eugen Drewermann interpretiert im MärchenFrau Holle die Stiefmutter als die Frau Welt, die für die Schlechtigkeit der äußeren, materiellen Welt steht, als Gegenspielerin von Frau Holle (siehe auch:Mutter Courage).
Männliche Darstellungen mit ähnlich verunstaltetem Rücken sind alsFürst der Welt bekannt.[1]