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Franziskanerkloster Bautzen

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Blick vom Petridom auf das Areal des Franziskanerklosters

DasFranziskanerkloster Bautzen war ein Kloster desFranziskanerordens (Ordo fratrum minorum, ‚Orden der Minderbrüder‘), das um 1240 gegründet wurde und bis 1562 bestand. DerKonvent mit demPatrozinium derJungfrau Maria war anfangs einige Jahre Hauptkloster einerKustodie des Ordens, etwa 10 mal tagte dasProvinzkapitel derSächsischen Franziskanerprovinz im Kloster. In der Oberlausitz war er nach demFranziskanerkloster in Görlitz der zweitälteste Konvent. Von der Klosteranlage ist heute nur noch die Ruine der Klosterkirche, die sogenannteMönchskirche, und eine Wand des Refektoriums erhalten.

Gründung

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Der früheste Beleg für das Kloster ist dieBulle vom 6. Mai 1248, mit der PapstInnozenz IV. allen Gläubigen, die zum Bau der Kirche und anderer Gebäude des Bautzener Franziskanerklosters beitrügen, einen vierzigtägigenAblass gewährte.[1.1][2.1]

Im GörlitzerNekrolog gibt eine beim Jahr 1475 eingeschobene Anmerkung an, wann Konvente in die Kustodie übernommen wurden. Darin heißt es:

„Conuentus budissensis fundatus est per march. brandenb. et lusaciensem ante castrum ibidem et nobiles terre fratribus aream de dominibus suis in subvrbio dederunt et nobiles de benewitz dederunt aream orti sui propter terram fratrum ad laterinam faciendam. Ao. dni 1240 In honore S. marie.
(Im Jahr des Herrn 1240 ist der Bautzener Konvent zur Ehre St. Mariens gegründet worden durch den Brandenburgischen und Lausitzer Markgrafen (Otto der Fromme) vor der dortigen Burg, und Adlige des Landes schenkten den Brüdern ein Grundstück aus ihrem Besitz im Vorburgbereich, und die Herren von Benewitz (Pannewitz) schenkten ihnen ein Stück ihres Gartens, damit die Brüder dort Ziegelsteine herstellen konnten.)“[3]

Otto der Fromme erhielt das Gebiet um Bautzen und dieLausitz zwar erst zwischen 1243 und 1253 als Hochzeitsgut bei seiner Hochzeit mit Beatrix (Božena), der Tochter des böhmischen KönigsWenzel I. Aber seine Beteiligung an der Bautzener Klostergründung ist plausibel, wenn man berücksichtigt, dass solche Gründungsphasen bis zu zwei Jahrzehnte dauern konnten.[4.1]

In der Literatur wurde wiederholt das Jahr 1225 als Gründungsdatum des Bautzener Klosters angegeben, zuletzt 1984 bei Schrammek.[5.1] Dieses Datum bezieht sich auf die Weiheurkunde der St.-Georgs-Kapelle im Bereich derOrtenburg, wo es heißt, dass diese Kapelle „in claustro budissinensis“ gelegen sei. Daraus wurde geschlossen, dass die Kapelle im Franziskanerkloster („in claustro“) lag. Diese Deutung passt aber nicht zur Ausbreitungsgeschichte des Franziskanerordens und zu Berichten über Gründungsvorgänge in anderen Städten.[4.2]

Der im Jahr 1210 gegründetenFranziskanerorden breitete sich in großer Geschwindigkeit in Europa aus; erste Niederlassung war 1221 in Augsburg, 1224 wurde Erfurt erreicht, kurz nach 1230 bereits Riga. DasGeneralkapitel des Ordens richtete 1239 eine BöhmischeOrdensprovinz (Bohemia) ein, ordnete das neue Kloster in Bautzen dieser slawisch geprägten Provinz zu und ernannte es zum Vorort einer eigenenKustodie in derBohemia mit Sitz des Kustos, des Oberen der Kustodie. Wegen anhaltender nationaler Spannungen wurde das Kloster jedoch bereits 1263 vorübergehend und ab 1274 endgültig wieder ausgegliedert und mit den schlesischen Klöstern derSächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) zugeordnet.[6]

Lage und Gebäude

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Plan von 1805: Mönchskirche (L) und Areal des Klosters zwischen Heringstraße (f) und Hohengasse (p), A7=Mönchsbastei, A=Ortenburg, E=Dom

Das Areal des Franziskanerklosters lag zwischen der Großen Brüdergasse im Norden und der Judengasse (heute Heringstraße) im Süden und wurde an den Seiten von der Hohengasse und der Mönchsgasse begrenzt. Die Fläche von ca. 6000 m² fällt von der Großen Brüdergasse zur Heringstraße etwa 9 m ab. Zwei Steinbrüche an der Südwestecke wurden bis ins 14. Jahrhundert genutzt und danach verfüllt.[7.1] Über die gesamte Fläche verfügte das Kloster erst nach zwei Schenkungen in den Jahren 1324 und 1334.

Das Kloster lag dicht bei den weltlichen und kirchlichen Machtzentren der Oberlausitz: derOrtenburg, dem Sitz desDomstifts Bautzen und demBautzener Rathaus. Auf der nördlichen Seite der Großen Brüdergasse, am Irrenberg, erstreckte sich das Viertel der Handwerker und Händler. Grabungsfunde lassen vermuten, dass in der Großen Brüdergasse ein wirtschaftliches Zentrum der frühen Stadt lag.[7.2]

Südwand des Refektoriums

Mangels schriftlicher Unterlagen, muss sich die Rekonstruktion der Klosteranlage auf archäologische Untersuchungen stützen, dieFritz Rauda um 1900 begann[8], und die in den 1930er und 1990er Jahren fortgeführt wurden.[7]An der Großen Brüdergasse stand die als Ruine erhalteneKlosterkirche. An sie schloss sich südlich derKreuzgang mit einer Fläche von etwa 25 × 35 Metern an, die Wände waren ausgemalt, die Gewölberippen und Konsolen aus Backstein. An der Westseite des Kreuzgangs wird die 1506 erwähnte Barbarakapelle vermutet. Östlich schloss sich derKapitelsaal an den Kreuzgang an. Daneben lag an der Hohengasse die Klosterpforte. Am südlichen Kreuzgangarm wird dasKalefaktorium vermutet, worauf eine dort ausgegrabene Steinofen-Luftheizung hindeutet.[7.3] Nach Süden wurde dieKlausur von einem großen Gebäude abgeschlossen, in dem sich zweiRefektorien und dasDormitorium befanden. Eine Wand des Refektoriums mit großenVorhangbogenfenstern ist noch erhaltenen. Südlich der Klausur lag an der Heringstraße der von einer Mauer umschlossene Wirtschaftshof mit Brau-, Koch- und Backhaus, Ställen und Lagerräumen sowie einem eigenen Brunnen und einem kleinen Garten. Das Torhaus an der Südostecke bildete den Zugang.[4.3] Reymann erwähnt einSiechenhaus ohne genauere Ortsangabe.[9.1]

Vom Wirtschafthof führte später ein überdachter Gang über die Heringstraße zurMönchsbastei, den Bauplatz dafür hatten Colman vonMetzradt und seine Söhne dem Kloster 1324 geschenkt.[10] In der Bastei befand sich auch eine großeLatrinenanlage für das Kloster. Die Ordensmänner mussten die Bastei unterhalten und bei Gefahr mit einer angeworbenen Besatzung verteidigen, so z. B. 1429 bei derBelagerung von Bautzen durch dieHussiten. Der Gang wurde 1563 abgerissen.[4.4]

Außerhalb des Klosterareals lag in nördlicher Richtung dieMönchsschäferei, in der Schafe, Schweine und Hühner gehalten wurden, und auf dem Burglehn dasRegelhaus für die Beherbergung vonLaienschwestern.[9.1] Gegenüber der Eingangspforte zur Klosterkirche stand das nicht zum Kloster gehörendeSeelhaus, in dem gemäß einer Stiftung des DomdekansHeinrich Porschin von 1394 Brot für die Armen ein Mal wöchentlich verteilt wurde.[1.2][2.2]

Mönchskirche

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Nordwand der Mönchskirche
Kugelpanorama der Mönchskirch-Ruine und des Wasserturms an der Ecke Große Brüdergasse / Predigergasse (2023)
Als Kugelpanorama anzeigen

Über Größe und Gestalt der um 1248 errichteten ersten Kirche ist nichts bekannt, sie dürfte den Vorgaben derBettelordenskirchen entsprochen haben. Bei Grabungen in den 1990er Jahren wurdenEckkonsolen mitKelchkapitellen wahrscheinlich aus der Mitte des 13. Jahrhunderts gefunden, die der ersten Kirche zugerechnet werden.[4.5]

Die Bauformen und stilistischen Merkmalen der heute noch sichtbaren Ruine legen nahe, dass um 1300 ein Neubau begonnen wurde. Vermutlich verlangte das Anwachsen der Ordensgemeinschaft eine Vergrößerung der Kirche und anderer Gebäude. Die Möglichkeit dazu ergab sich als 1324 Kalman vonMetzradt und 1334 Günter vonRechenberg ihre Burglehnhöfe dem Kloster schenkten. 1339 erwarb das Kloster zudem einige Häuser und ließ sie zur Verbesserung der Feuersicherheit abreißen.[11] Die neue Kirche wurde als zweischiffige Hallenkirche mit acht Jochen errichtet und war etwa 18 Meter breit und 50 Meter lang. Das schmalere südliche Schiff war in zwei Geschosse unterteilt, unten lag die Sakristei und der Nordflügel des Kreuzgangs, der damit in das Kirchengebäude integriert war, während das obere Geschoss als Empore diente. Zunächst wurden im Westen beginnend vier Joche in Bruchsteinmauerwerk (aus den eigenen Steinbrüchen) fertiggestellt, die Fundamente und Strebepfeiler aus regelmäßigen Granitquadern. Konsolen, Gewölbedienste und Fenstereinfassungen waren aber bereits aus Backstein. Dieser Teil der Kirche dürfte um 1350 vollendet gewesen sein.[4.6]

Ob der östliche Teil der Kirche sofort im Anschluss oder erst nach einer längeren Pause um 1400 begonnen wurde, ist nicht sicher zu ermitteln. Beim Stadtbrand am 1. August 1401 wurden Kloster und Kirche schwer beschädigt. Mit der Bulle vom 13. Januar 1402 gewährte PapstBonifatius IX. sieben Jahre und sieben mal 40 Tage Ablass für Beihilfe zur Wiederherstellung der Kirche.[1.3] Das Kirchendach wurde 1441 erneut durch Brand beschädigt.

Die östlichen vier Joche wurden auf einem Fundament von Granitquadern vollständig aus Backstein errichtet. Die Kirche hatte kein Chorpolygon, sondern einen geraden Abschluss. In der Südostecke entstand – das Turmverbot der Anfangszeit ignorierend – ein hoher Glockenturm. Die vorhandenen Reste der Fenstereinfassungen, desMaßwerks und der verzierten Gesimse zeugen von hoher baukünstlerischer Qualität. In der Entstehungszeit des Ostteils galt Backstein wegen seiner Farbe als fürstliches Baumaterial, deshalb war er geeignet, den liturgisch bedeutsamsten Teil der Kirche, dasPresbytrium, hervorzuheben. Die Kirche zeigt bemerkenswerte Parallelen zu der um die gleiche Zeit erbauten Kirche desZisterzienserinnenklostersMarienstern: beide sind Hallenkirchen ohne Chorpolygon, die Schiffe haben etwa gleiche Länge und Breite (Marienstern hat jedoch 3 Schiffe) und beide haben einen in das südliche Seitenschiff einbezogenen Kreuzgang mit darüberliegender Empore.[4.7] Fritz Rauda entdeckte in denZwickeln derGewölbeanfängerSchallgefäße unterschiedlicher Tiefe aus schwach gebranntem Ton, die der Schallverstärkung dienten.[8.1]

Eine umfassende Bautätigkeit gab es noch einmal Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Damals wurde eine Orgel eingebaut, vermutlich durchBlasius Lehmann.[12.1] Nach den baulichen Veränderungenweihte BischofJohann VII. von Schleinitz die Kirche 1520 erneut.[1.4]

Ausstattung

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Die wichtigste Quelle für die Ausstattung der Kirche ist eine Jahresrechnung aus dem Jahr 1506. Darin sind Ausgaben verzeichnet für den Einbau einer Empore, den Bau der Orgel und die Ausmalung desHeiligen Grabes, das vermutlich in der Kirche lag. Außerdem Ausgaben für einTafelbild zur Aufstellung in der Barbarakapelle und ein weiteres Tafelbild desheiligen Franziskus, fürKirchenfahnen, einAltartuch, einTriumphkreuz,liturgische Gewänder undliturgisches Gerät, auffällig ist dabei eine silberneMonstranz („höher als ein Mann“), für die der Bautzener Goldschmied den beachtlichen Lohn von 120 Talern erhielt.[4.8]Ein Inventar der Sakristei von 1512 verzeichnet 16 aufwendig gestaltete Kelche, 11 Reliquiengefäße, 14Paternoster aus Koralle und 15 ausHalbedelsteinen, 4 größere Kreuze und eine vergoldete Krone mit Edelsteinen für das Standbild der Jungfrau Maria.[1.5]

Begräbnisse

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Begräbnisse in der Klosterkirche und innerhalb des Kreuzgangs waren ein Angebot des Konvents an die Gläubigen der Stadt und des Umlands. Stiftungen und Vermächtnisse zum Erwerb einerGrablege und für regelmäßigesTotengedenken bildeten eine sichere Einnahmequelle. Eine Urkunde von 1345 nennt fast 200 Personen, die sich bei den Franziskanern hatten begraben lassen. Darunter befinden sich Namen der Bautzener Ratsfamilien, zahlreicher Stadtbürger und von Angehörigen der Adelsfamilien Metzradt,Kopperitz,Temritz undNostiz.[2.3][4.9]Repräsentative Grabplatten hatten der Meißner BischofJohann III. († 1408), derLandvogt der OberlausitzJohann von Wartenberg († 1464) („beigesetzt unter dem Schwibbogen bei der Kanzel“) und Helferich vonMeckau († 1494)[12.2]. Reymann nennt außerdem denErbschulzen Heinrich zu Budissin und denMünzmeister Nikolaus zu Budissin.[9.2]

Stiftungen

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Für Unterhalt und laufenden Bedarf sorgten große Stiftungen. Wegen der vielen Fastenzeiten bestand ein hoher Bedarf an Fischen. Die StadtLöbau lieferte jährlich zwei Tonnen Heringe als Zins auf eine wiederverkäufliche Anlage von 200 rheinische Gulden.[1.6][2.4] Jeweils eine Tonne Heringe im Jahr lieferten die Stiftung ChristofGersdorffs zu Baruth und die Stiftung AlbertSchreibersdorffs. Weil die Stiftungen den Bedarf nicht deckten, hatte sich auf der Judengasse beim Kloster der „Häringskram“ etabliert, was zum Namen Heringstraße führte. Daneben erhielt das Kloster auch frischen Fisch.[1.5]1390 verschrieb KönigWenzel IV. den Bautzener Franziskanern auf ewig Zeiten jährlich drei Malter Korn aus der Landvogtei. Dafür sollten die Franziskaner eine regelmäßige Marienmesse für den König und seine Vorfahren halten.[4.10] Ein halber Malter Korn kam aus der PfarreiKittlitz. Andere Lebensmittel wie Butter, Käse und auch Korn erhielt das Kloster aus dem Umland. Fleisch kam aus der Mönchsschäferei.

1407 verkaufte Hartmann von Tichnitz demGuardian undKonvent in Bautzen auf Wiederverkauf ein Schock Groschen Jahreszins auf seinen Gütern und Gebäuden in Tischnitz.[11.1]1440 erwarben mehrere Bautzener Bürger – vermutlich eine Bruderschaft – einen Teil des Waldes beimBöhmischen Steig (amMönchswalder Berg, der davon seinen Namen bekam) und übereigneten ihn dem Franziskanerkloster.[1.7] Ein weiteres Waldstück, das Barbara Mayaweine von Rosental von Jakob Gemeiner gekauft hatte, schenkte sie 1449 dem Kloster zu einemSeelengeräte.[11.2] Ein drittes Teilstück kam 1460 als Schenkung von Nikel Kobirshavn in Bautzen dazu.[11.3] 1462 bestätigten Bürgermeister und Rat von Bautzen vor dem böhmischen KönigGeorg von Podiebrad die drei Schenkungsurkunden.[11.4]

Geschichte

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Situation um 1240

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DasLand Budissin und sein Hauptort Bautzen erfuhren im Zuge desmittelalterlichen Landesausbaus im 13. Jahrhundert einen deutlichen Entwicklungssprung durch die Anlage neuer Ortschaften sowie die Schaffung neuer weltlicher und kirchlicher Verwaltungsstrukturen. DieBautzener Ortenburg war Sitz desBurggrafen und desLandrichters, die nach 1250 im Amt desLandvogts der Oberlausitz zusammengefasst wurden. Zwischen 1213 und 1218 gründete der Meißner BischofBruno II. amBautzener Petridom als Leitungsgremium für die Oberlausitz dasDomstift Bautzen. Die Stadt der aufstrebenden Bürgerschaft und des lokalen Adels errichtete 1213 ihr erstesRathaus und erhielt spätestens zu dieser Zeit auch dasStadtrecht.

Die Franziskaner, die um 1240 nach Bautzen kamen, waren nicht mehr die lose Gruppe vonWanderpredigern, die sich ab 1207 umFranz von Assisi gesammelt hatte, in strikter Armut lebte und die klösterliche Lebensweise ablehnte. Mit der BulleSolet annuere bestätigte PapstHonorius III. am 29. November 1223 die franziskanische Ordensregel und gab der Gemeinschaft endgültig die Form eines rechtlich ausgestalteten Ordens. Der Orden war strikt regional organisiert und hatte eine auf Zeit gewählte Leitungshierarchie, die vomGuardian als Leiter einesKonvents über den Kustos als Leiter eineKustodie und weiter über Provinzialminister einerOrdensprovinz bis zumGeneralminister aufstieg.[13.1]Mit seinem geistlichen Testament vom Frühjahr 1226 hatte Franziskus dem Orden ein Dilemma hinterlassen, indem er die vollkommene Armut der Ordensbrüder für unabdingbar erklärte: „Hüten sollen sich die Brüder, Kirchen, ärmliche Wohnungen und alles, was gebaut wird, überhaupt anzunehmen.“[13.2] Als das Generalkapitel klagte, man könne das Armutsgebot nicht einhalten, hob PapstGregor IX. 1230 die Verbindlichkeit auf. 1245 wurde schließlich bewegliches wie unbewegliches Gut des Ordens zum Eigentum der römischen Kirche erklärt, an dem die Ordensbrüder nur dasNutzungsrecht haben. So wurde dasArmutsideal zu einer juristischen Fiktion.[13.3]

Die nicht an feste Klöster gebundenen Franziskaner ließen sich fast nur in Städten nieder, wo sie großen Zulauf hatten. „In die Franziskaner wurden Hoffnungen gesetzt, weil sie anders als der von seinen Pfründen zehrende Klerus das Evangelium Christi vorzuleben suchten und als Priester nunmehr auch mit der Spendung der Sakramente und mit vollem Predigtrecht Sorge tragen konnten für das Heil der sich ihnen Anvertrauenden.“[13.4] Im Land Budissin trafen sie auf eineEndzeitstimmung und ein Verlangen nach intensivererFrömmigkeit, die der herandrängendeMongolensturm ausgelöst hatte, besonders nach derSchlacht bei Liegnitz (1241), die nur 130 km von Bautzen entfernt stattfand.[4.11]

Zwischen 1240 und 1450

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Das Klosterarchiv des Bautzener Franzikanerklosters scheint bereits während der Reformationszeit oder während desDreißigjährigen Krieges verloren gegangen zu sein.[4.12] Karl Alexander Edelmanns auf den verfügbaren Quellen beruhender AufsatzDas Franziskanerkloster in Bautzen[1] ist nach dem Urteil Hermann Kinnes „Die erste wissenschaftliche und bis heute beste Darstellung.“[2.5]

Klostergründungen in der Frühzeit des Franziskanerordens begannen meist mit dem Besuch einzelner Brüder in der Stadt, die dann in vorhandenen Kirchen predigten, Gleichgesinnte sammelten und die wirtschaftlichen Bedingungen prüften. Erst wenn sich Förderer fanden und ein Grundstück für den Bau der Klosteranlage zur Verfügung stand, wurden weitere Brüder herbeigerufen und ein neuer Konvent gegründet. Für Bautzen kann man deshalb annehmen, dass dieser Gründungsprozess um 1240 begann. Der Kirchenbau wurde wahrscheinlich erst kurz vor 1248 in Angriff genommen, denn nach damaligem Brauch bemühte man sich sofort nach Baubeginn um einen Ablassbrief.[8.2] Wie der Görlitzer Nekrolog berichtet, stellten Adlige der Oberlausitz Grundstücke zur Verfügung, genannt werden Mitglieder der FamilienPannewitz[3] undMetzradt.[14] Es ist nicht bekannt, aus welchem Konvent die ersten Brüder nach Bautzen kamen. Im weiteren Umkreis von Bautzen bestanden 1240 bereits Konvente inHalberstadt (1223),Magdeburg (1223),Zwickau (1231), Prag (1232),Görlitz (1234), Freiberg (1235),Breslau (um 1236) und Brandenburg (1237).

Das Bautzener Kloster war nach seiner Gründung Sitz derCustodia Budensis in derOrdensprovinzBohemia (die 1239 aus derProvinz Saxonia abgetrennt worden war), wurde 1262 in dieSaxonia eingegliedert, 1266 zurückgegliedert und war ab 1269 dauerhaft Teil derSaxonia. 1274 beschloss das Generalkapitel in Lyon, den Sitz der Kustodie Bautzen nach Goldberg zu verlegen und inKustodie Goldberg umzubenennen.[15.1]In den Jahren 1294, 1304, 1330, 1342, 1352, 1370, 1482, 1485, 1498 fanden Provinzkapitel der Saxonia in Bautzen statt.[15.2][4.10] Es ist sehr wahrscheinlich, dass im Bautzener Franziskanerkloster eineKlosterschule bestand.[16.1]

Verhältnis zum Rat und zum Adel

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Das Verhältnis des Stadtrats zum Kloster war ungetrübt. Einige Urkunden lassen vermuten, dass der Rat aus seiner MitteProkuratoren für das Kloster ernannt hat. Der in der Stadt und der Umgebung sesshafte Adel zeigte eine besondere Gönnerschaft gegenüber dem Kloster, wie die zahlreichen Stiftungen zeigen. Die Ritterschaft des Budissiner Landes wie auch die Ritterschaft desOberlausitzer Sechsstädtebunds pflegte ihre Beratungen im Refektorium des Klosters abzuhalten.[1.8]

Großen Einfluss auf Stadt und Land gewann der Franziskanerorden durch die „Dritten Orden“ sowiegeistliche Bruderschaften, in die männliche wie weibliche Laien und auch ganze Zünfte aufgenommen wurden und die von den Franziskanern eines Klosters geistlich betreut wurden. Von ihnen kam auch ein beträchtlicher Teil der Stiftungen und Spenden an das Kloster.[1.8]

Auseinandersetzungen mit dem Bautzener Domstift

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Das Bautzener Franziskanerkloster hatte besonders enge, aber auch besonders gegensätzliche Beziehungen zum Domstift, dem das Kloster nicht unterstand. Zeichen der Zusammenarbeit beider Institutionen sind Urkunden des Stifts, in denen Bautzener Minderbrüder als Zeugen auftreten, wie auch die Verhandlungen des Hofgerichts im Refektorium des Klosters.[2.4]Ursache der permanent schwelenden Auseinandersetzungen zwischen Kapitel und Franziskanern war ihre Konkurrenzsituation, nicht nur in Bautzen. Klöster erzielten aus ihren seelsorgerlichen Dienstleistungen einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen: Opfergaben während der Messen, in der Beichte auferlegte Bußen, Zuwendungen aus Testamenten, Stiftungen und Vermächtnissen für eine Grablege und für regelmäßiges Totengedenken. Je höher die Franziskaner in der Volksgunst stiegen, desto mehr wurde der Weltklerus in seiner geistlichen Wirksamkeit und in seinen Einnahmen geschädigt. Höhepunkte erreichten die Auseinandersetzungen in Bautzen in den Jahren 1295, 1345, 1372 und 1442 bis 1447. Jedes Mal wurden die Streitfragen nur vorübergehend ausgeräumt.

Im Jahr 1295 begannen Streitigkeiten umBeichte,Kommunion undKrankensalbung. Im April 1295 erließ der Meißner BischofBernhard von Kamenz das Verbot, die Bautzener Kirche in ihren Rechten einzuschränken, und untersagte unter Androhung der Exkommunitkation, irgendwen zur Wahl seines Begräbnisortes oder zur Aufrichtung von Testamenten oder zum Empfang der Sakramente gegen den kanonischen Gebrauch zu verleiten. Das war offensichtlich gegen die Bautzener Franziskaner gerichtet, ohne sie explizit zu nennen. Im weitern Verlauf exkommunizierten Dompropst Dietrich vonTorgau und der Guardian des Klosters sich gegenseitig. Ein Schiedsgericht entschied schließlich im Oktober 1295: Die Minderbrüder zu Budissin sind zu Predigt, Beichte, Absolution und Sakramentshandlungen vollkommen berechtigt, und es steht jedermann frei, sich im Kloster oder anderswo beerdigen zu lassen, ebenso Vermächtnisse oder Testamente ohne den Ortspfarrer zu errichten.[1.9][2.6]

Ähnliche Streitigkeiten an vielen Orten veranlassten PapstBonifatius VIII. im Jahr 1300 mit der BulleSuper cathedram die geistlichen Befugnisse derBettelorden festzulegen: Sie sind berechtigt, in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen zu predigen (nur nicht in zeitlicher Konkurrenz zur Predigt der Ortspfarrer), die Beichte abzunehmen und Verstorbene in ihren Klöstern zu beerdigen. Als Entschädigung sollen sie ein Viertel von ihren Einnahmen aus Beerdigungen, die sogenanntekanonische Portion, an die Parochialkirche abführen.[2.7]

Im März 1345 urteilte ein Schiedsgericht in Breslau über die Klage des Bautzener Domkapitels, die Franziskaner hätten 500 Mark kanonische Portion zurückgehalten, und verurteilte sie zur Zahlung von 55 Mark. In dieser Urkunde wurden fast 200 Personen genannt, die sich bei den Franziskanern hatten begraben lassen.[2.3]Im Juni 1345 wurden in der bischöflichen Residenz in Meißen die Differenzen zwischen dem Bautzener Domkapitel und den Franziskanerkonventen in Bautzen, Görlitz und Lauban verhandelt. Ein Streitpunkt war derOpfergang in den Klosterkirchen, d. h. der Brauch, dass die Gläubigen während der Messfeier als sichtbaren Ausdruck ihrer Gottesverehrung Geld auf dem Altar ablegten, das die Klöster verwendeten. Der Bischof entschied, dass auf den Altären geopfertes Geld denKanonikern zusteht, die Franziskaner dürften nur mit einem Gefäß an den Altarstufen zusätzliche Spenden sammeln. Außerdem wurde den Franziskanern in Bautzen auferlegt, ihre zweite Kirchenglocke zu entfernen, an Sonn- und Feiertagen die Predigt in sorbischer Sprache vor Beginn der Messe in der Petrikirche zu beenden und Messfeiern nicht zum Schaden des Domkapitels auszudehnen.

1371 erhoben die Bautzener Kanoniker neue Anschuldigungen gegen die Franziskaner: Sie würden nicht zugelassene Beichtväter einsetzen und die Absolution gegen Geld oder zu geringe Bußen erteilen; sie würden große Gefäße mit Bier aufstellen, aus denen sich die Beichtenden nach Belieben bedienen könnten; der Guardian würde nachts Frauen zu Hause besuchen, um sie zum Begräbnis ihres kranken Ehegatten im Kloster zu überreden; die Brüder würden zuWeihnachten dieGeburt des Herrn nachspielen. Derapostolischen Legat Patriarch Johannes von Alexandria und der Prager ErzbischofJohann Očko von Wlašim kamen 1372 nach Bautzen um diesen Streit zu schlichten. Sie bestätigten nochmals das Urteil von 1345 und bekräftigten die Rechte der Franziskaner, niemand dürfe am Besuch der Messe und der Beichte in der Klosterkirche gehindert werden.[2.8][1.10]

Auch der Schaden, den das Kloster beim Stadtbrand im August 1401 genommen hatte, dämpfte die Rivalität zwischen Domkapitel und Franziskanern nicht. Weil der Ablass, der im Januar 1402 zur Wiederherstellung der Klosterkirche gewährt wurde, auch für die Mitfeier kirchlicher Feste in ihr galt, sorgte das Domkapitel dafür, dass eine weitere Bulle vom April Mitglieder der Domgemeinde und benachbarter Landkirchen davon ausschloss.[1.11]

Zu der Frage, von welchen Einnahmen des Klosters die kanonische Portion zu zahlen ist, holte BischofJohann IV. von Meißen Rechtsgutachten von den Universitäten Erfut und Leipzig ein und entschied 1443, dass die kanonische Portion von allem zu zahlen ist, was dem Kloster von Verstorbenen zufällt. Der Streit darüber schwelte aber noch bis 1447, und die schlesischen HerzögeBalthasar von Sagan undRudolf von Sagan sowie der Bautzener Landvogt Thimo IX. vonColditz bemühten sich bei der Kurie um eine Schlichtung.[2.9]

Observanzbewegung

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Die gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstandeneObservanzbewegung forderte eine strenge Befolgung der Regeln und des Armutsideals. Unter dem NamenObservanten begann sich ein gesonderter Zweig abzuspalten, der bald hunderte Klöster umfasste und institutionelle Unabhängigkeit von der herkömmlichen franziskanischen Gemeinschaft, den sogenanntenKonventualen, anstrebte.[13.5] In der böhmisch-polnischen Ordensprovinz setzte dieser Trennungsprozess 1452 ein, als einÖsterreichisch-Böhmisches Observantenvikariat gebildet wurde. 1469 spaltete sich davon ein böhmisches Observantenvikariat ab. In der Oberlausitz fand diese Reformbewegung keinen Widerhall, von ihr gingen jedoch Impulse aus, die zu Reformen nach derMartinianischen Konstitutionen führten, so 1462 in Görlitz, 1487 inLauban, 1492 in Bautzen und 1498 in Löbau.[17.1]

Der böhmische KönigVladislav II., der nach dem Tod desMatthias Corvinus 1490 die Landeshoheit über die Oberlausitz übernahm, war ein Förderer der Observanten. 1492 gründete er gegen den Willen des Kamenzer Rats dasFranziskanerkloster Kamenz, in das Observanten aus Böhmen einzogen und das in die böhmischen Observantenprovinz eingegliedert wurde. Weil die Observanten vielfach auf Abwehr stießen, verordnete Vladislav 1497, dass sie überall zum Almosensammeln zuzulassen seien und zu ihren Gunsten errichtete Stiftungen nicht aufgehalten werden dürfen. Der Bautzener Rat schrieb 1511, er wolle die Observanten nicht eindringen lassen, damit die Stadt in Frieden und unbekümmert bleiben möge.[1.12]1515 erließ Vladislav II. den Befehl, dass in den sächsischen, österreichischen und polnischen Provinzen nur Brüder der Observanz eingeführt und angenommen werden dürften und dass alle Konventualen innerhalb der Provinzen Breslau und Goldberg, die zu den Observanten übertreten wollten, sich unter das Vikariat derProvinz Bohemia zu begeben hätten. Das betraf auch die Klöster der Oberlausitz und rief den entschiedenen Widerspruch der Oberlausitzer Stände (Adel und Sechsstädte) hervor. Sie erkannten darin eine Verletzung ihrer verfassungsmäßigen Rechte, die ihnen bei der Eingliederung der Oberlausitz als Lehen der böhmischen Krone (1319 und 1329) und bei der Gründung des Oberlausitzer Sechsstädtebunds (1346) bestätig worden waren. 1522 entschiedKönig Ludwig II., dass diese Klöster der Provinz Böhmen zugeteilt werden, nahm das aber nach einiger Zeit wieder zurück, so dass die Klöster in Bautzen, Görlitz, Löbau, Zittau und Sagan in der Provinz Saxonia blieben.[1.13] Bei der Teilung der Saxonia auf dem Generalkapitel inLyon 1518, wurden sie dann der ProvinzSaxonia Sancti Johannis Baptistae zugeordnet, während die Observanten die ProvinzSaxonia Sanctae Crucis bildeten.

Reformationszeit und Auflösung des Klosters

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Seit den frühen 1520er Jahren breitete sich die neue lutherische Lehre auch in Bautzen aus. Die sächsischen Franziskaner wandten sich 1520 an den Kurfürsten von Sachsen mit der Bitte, der Lehre Luthers Einhalt zu gebieten.[15.3]Seit 1523 wirkten mehrere lutherische Prediger am Dom St. Petri, die die Unterstützung des Rates hatten. Eine AufforderungGeorgs des Bärtigen vom Mai 1523, das Kapitel solle die Predigt solcher „verdampten leeren“ abstellen, blieb ebenso ohne Wirkung,[18.1] wie eine ähnliche, 1524 an die Stände gerichtete Aufforderung KaiserFerdinands I. Denn die ständische Verfassung der Oberlausitz bewirkte, dass hier der Grundsatzcuius regio, eius religio nicht auf der landesherrlichen, sondern auf der Ebene desPatronatsinhabers zur Geltung kam. Die Entscheidung über den Konfessionsstand lag somit beim Rat der Stadt. 1543 kam es zu einem ersten Vertrag zwischen dem Domkapitel und dem Rat über die künftige Nutzung der Domkirche durch Katholiken und Protestanten und damit zur Gründung desSimultaneums, das beiden Konfessionen den Gottesdienst im Dom gestattete. Damit gilt 1543 als Einführungsjahr der Reformation in Bautzen.[19.1]

Der große Zuspruch zur neuen Lehre führte zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Domkapitel und im Kloster: Spenden, Opfergaben und Stiftungen flossen spärlicher. Der Meißner BischofJohann VII. von Schleinitz beklagte sich 1523 beim böhmischen König, dass die Geistlichkeit kein Einkommen mehr erlangen würde.[18.1] Brüder verließen nach und nach das Kloster, weil sie Mangel litten oder weil sie sich durch Luthers Schriften von ihremOrdensgelübde befreit sahen.[20.1] Einige sollen dabei Kirchengerät mitgenommen haben. Deshalb ließ der Rat im Jahr 1524 die Schätze des Klosters gerichtlich verzeichnen und zusammen mit wichtigen Urkunden in das Rathaus bringen, eine Maßnahme, die dem Schutz des Klosters dienen sollte, aber auch als Sicherstellung des Nachlasses zu sehen war, den die Stadt später zu übernehmen hoffte.[1.14][18.2]

Im Januar 1527 fand im Kloster dieBautzener Disputation vor einer ansehnlichen Versammlung von Adligen, Amtspersonen und Bürgern statt. Auf Veranlassung des Bautzener Amtshauptmanns, Nikolaus von Gersdorf aufMalschwitz und des Rates der Stadt disputierten der Guardian, der Lektor und mehrere Franziskaner mit zwei lutherischen Geistlichen über die Frage „Ob die Messe ein Opfer sei?“ Das Domkapitel verweigerte die Teilnahme.[18.3]

Über Jahrhunderte hatte das Domstift eine Stiftsschule unterhalten. Als es 1527 Differenzen über die Besetzung einer Lehrerstelle gab, die dem Rat erst ein Jahr zuvor zugestanden worden war, richtete er in den Räumen des Klosters eine eigene „Neue Schule“ ein und zahlte dem Kloster dafür eine jährliche Beihilfe von 24 Schock Groschen. Wegen Zwistigkeiten mit dem Guardian zog die Schule im Sommer 1540 in die Michaeliskirche und 1541 in eine Bastei zwischen Lauentor und Reichentor.[1.15]

1530 wurde dem Kloster der größte Teil seines Kirchenschatzes zurückgegeben. Das Kreuz und die Monstranz verkaufte die Stadt aber 1532 an einenProbierer in Leipzig. 1539 verlangte Kaiser Ferdinand I. die vollständige Rückgabe der Kleinodien. Daraufhin vereinbarte der Rat mit dem Guardian, dass von den 573 Gulden, die Kreuz und Monstranz erbracht hatten, jährlich 30 Mark sog. „Monstranzgeld“ an das Kloster gezahlt werden. BeimOberlausitzer Pönfall 1547 wurde die Stadt wegen Beschlagnahme der Klosterkleinodien zur Zahlung von 2000 Gulden an die Königliche Kammer verurteilt, weswegen sie fortan das Monstranzgeld verweigerte.[1.16]

1558 lebte im Franziskanerkloster noch zwei Ordensbrüder. Vom Besitz des Klosters hatte der Rat das Haus an der Heringstraße und die Mönchsbastei für die Stadt eingezogen, die Mönchsschäferei fiel 1540 an die Stifter zurück, alles übrige einschließlich des Waldes und der Wiese am Mönchswalder Berg ging an das Domkapitel. 1562 übergab der letzte noch lebende Franziskaner das Kloster an das Domstift. Schon 1562 ließ DekanJohann Leisentrit im ehemaligen Klosterwald Häuser bauen, aus denen sich das Dorf Mönchswalde entwickelte.[1.6]

Spätere Nutzung des Klosterareals

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alternative Beschreibung
Kloster und Kirche (7) aufJohann G.Schreibers Plan 1709

Im Franziskanerkloster lebten zunächst noch fünf Nonnen aus dem 1568 aufgelöstenKloster Heilig Kreuz Meißen. Am 2. Juli 1598 brach in der Hohengass ein Feuer aus, das Kloster brannte bis auf das Mauerwerk nieder. Das Domstift benötigte die Kirche nicht, und der Stadtrat hätte sie zwar gern als eigenes lutherisches Gotteshaus genutzt, kämpfte aber in einem Jahrhunderte dauernden Rechtsstreit gegen die Übertragung an das Domstift und die Kirche blieb Ruine. Das Domstift erlaubte Handwerkern und Tagelöhnern, sich in der Klosterruine anzusiedeln, so entstand das Quartier „Mönchskirche“, das der Jurisdiktion des Domstifts unterstand und fast 300 Jahre Bestand hatte. Um diese Siedler zu vertreiben, begann die Stadt 1620 mit dem Abriss der Kirchenruine. KönigFriedrich V. stoppte den Abriss, aber große Teile der Südwand waren bereits zerstört.[4.13]

Runine der Mönchskirche 1914, links das 1824 in den Chor gebaute domstiftliche Arresthaus

Nach demDreißigjährigen Krieg wuchs in der Klosterruine durch den Zuzug von immer mehr Armen ein Labyrinth aus kleinen Häuschen und engen Gassen. 1720 wurde an der Ecke Hohegasse-Heringstraße der Gasthof „Zum Goldenen Lamm“ errichtet. An der Gebäudeecke ließ der Domdekan ein großes Stiftswappen anbringen als sichtbares Zeichen des Besitzanspruchs. 1824 wurde das domstiftliche Arresthaus in den Chor der Domkirche hineingebaut, wesentliche Teile der Ruine wurden zerstört, darunter auch das Unterteil des Glockenturms. 1877 wurde der Westteil des ehemaligen Gotteshauses abgerissen, um Platz zu schaffen für den Bau des heute noch existierenden Wasserturms. 1894 zerstörte ein Großbrand das Quartier „Mönchskirche“. Die Stadt erwarb die Brandruine, in der noch Teile des Kreuzgangs und anderer Klostergebäude erhalten waren, und ließ alles abreißen, ohne es zuvor baugeschichtlich untersuchen zu lassen. Erst 1903 unternahmen Fritz Rauda undCornelius Gurlitt archäologische Grabungen auf dem beräumten Areal.[8] Raudas Vorschlag, das Klosterareal zu einem archäologischen Park umzugestalten, wurde von den Stadtverordneten mehrheitlich abgelehnt, obwohl Stadtrat und sächsisches Finanzministerium die dafür benötigten Gelder bereits bewilligt hatten.[4.14]

Wasserturm

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Der 1877 errichtete Wasserhochbehälter im Westteil der Kirche hatte ein Fassungsvermögen von ca. 1.000 m³. Die Holzverkleidung des Oberteils besteht seit 1936. Die Wasseranlage wurde 1979 stillgelegt. Die Ruine der Mönchskirche und der Wasserturm wurden 2017 saniert. Dabei entstand auch ein Zugang in den unteren 300 m³ fassenden Behälter des Turms. Seitdem ist der Turm für Führungen und Veranstaltungen nutzbar.[21]

Trivia

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Von dem Franziskanerkloster, der Mönchskirche und dem Hüttendorf in der Klosterruine handeln mehrere Sagen.[22]

Literatur

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Weblinks

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Commons: Mönchskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Mönchsbastei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Karl Alexander Edelmann:Das Franziskanerkloster in Bautzen. In:Neues Lausitzisches Magazin 49, 1872, S. 1–54Münchner Digitalisierungszentrum.
    1. S. 10, die Bulle ist Kriegsverlust, Abschrift der Bulle S.36,
    2. S.7
    3. S. 19
    4. S. 28
    5. abS. 24
    6. abS. 34
    7. S. 23
    8. abS. 21
    9. S. 13–14
    10. S. 16–19
    11. S. 19–20
    12. S. 25
    13. S. 26–27
    14. S. 29
    15. S. 30–32
    16. S. 31–32
  2. Hermann Kinne:Das Kollegiatstift St. Petri zu Bautzen von der Gründung bis 1569. In:Germania Sacra. Dritte Folge, 7:Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg. Das (exemte) Bistum Meißen 1. De Gruyter, 2014. (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (PDF))
    1. S. 459 Fußnote 4
    2. S.811
    3. abS.464
    4. abS.469
    5. S.459, Fussnote 4
    6. S.460–463
    7. S.463–464
    8. S.464–466
    9. S.467
  3. abGustav Köhler (Hrsg.):Kalendarium Necrologicum Fratrum Minorum Conventus in Goerlicz. In:Scriptores rerum lusaticarum, Neue Folge. Band 1, Oberlausitzische Gesesllschaft der Wissenschaften, Görlitz 1839. S. 274-275.Digitalisat
  4. Kai Wenzel:Das Franziskanerkloster St. Marien. In: Silke Kosbab, Kai Wenzel (Hrsg.):Bautzens verschwundene Kirchen. Lusatia-Verlag, Bautzen 2008,ISBN 978-3-936758-48-1. S. 52–85.
    1. S. 54
    2. S. 23
    3. S. 65–70
    4. S. 69
    5. S. 58
    6. S. 59-60
    7. S. 60-65
    8. S. 70
    9. S. 74
    10. abS. 73
    11. S. 55
    12. S. 53
    13. S. 77–78
    14. S. 79–81
  5. Rochus Schrammek:Verkehrs- und Baugeschichte der Stadt Bautzen. Domowina-Verlag, Bautzen1984
    1. S. 90, 92, 107
  6. Lucius Teichmann:Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993. Leipzig, 1995, S. 36.
  7. Matthias Wilhelm:Das Bautzener Franziskanerkloster - Geschichte eines Denkmals. In: Angelica Dülberg, Norbert Oelsner (Hrsg.):Historische Bauforschung in Sachsen, (= Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen 4), Micheael Sandstein, Dresden 2000,ISBN 3-930382-46-6, S. 126–135
    1. S. 127
    2. S. 128
    3. S. 133
  8. abFritz Rauda:Die mittelalterliche Baukunst Bautzens. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitz 1905, =Dissertation an der Technischen Hochschule Dresden, (Kloster und Kirche S. 21-50)Werkansicht SLUB Dresden
    1. S. 40
    2. S. 21
  9. Richard Reymann:Geschichte der Stadt Bautzen.Verlag von Gebr. Müller, Bautzen 1902. (Werkansicht SLUB Dresden)
    1. abS. 298
    2. S. 368
  10. Ratsarchiv Bautzen. 1. Or. (Original) Ratsarchiv Bautzen. 1324 Sept. 14.
  11. Chrysogonus Reisch:Urkundenbuch der Kustodien Goldberg und Breslau, Teil I: 1240–1517. Düsseldorf 1917,Digitalisat bei Opolska Biblioteka Cyfrowa, PDF
    1. S. 102, Nr. 294
    2. S. 174, Nr. 434
    3. S. 198, Nr. 480
    4. S. 198, Nr.480
  12. Cornelius Gurlitt:Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 33. Heft - Bautzen (Stadt), C.C.Meinhold, Dresden 1909, S. 79-90 und 166-167.Digitalisat SLUB Dresden
    1. S. 79
    2. S. 167
  13. Gert Melville:Die Welt der mittelalterlichen Klöster. C.H. Beck, München 2012,ISBN 978-3-406-63659-2.
    1. S. 185–188
    2. S. 193
    3. S. 193–196
    4. S. 195
    5. S. 255
  14. E. H. Kneschke (Hrsg.):Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 6, Friedrich Voigt’s Buchhandlung, Leipzig 1865, S. 268–269. (Digitalisat)
  15. Bernd Schmies, Kirsten Rakemann:Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Dietrich-Coelde Werl 1999,ISBN 978-3-87163-240-2
    1. S. 59–67
    2. S. 107, 111, 117, 121, 201, 203
    3. S. 253
  16. Grit Richter-Laugwitz:Das Schulwesen von den Anfängen bis zur Gegenwart. In:Stadtarchiv Bautzen (Hrsg.):Von Budissin nach Bautzen: Beiträge zur Geschichte der Stadt Bautzen. Lusatia Bautzen 2002,ISBN 978-3929091915, S. 198–221.
    1. S. 198
  17. Norbert Kersken:Die Oberlausitz von der Gründung des Sechsstadtebundes bis zum Übergang an das Kurfürstentum Sachsen (1346–1635). In:Joachim Bahlcke (Hrsg.):Geschichte der Oberlausitz. Universitätsverlag, Leipzig 2001,ISBN 3-935693-46-X, S. 55–97.
    1. S. 124–125
  18. Friedrich Hermann Baumgärtel:Die kirchlichen Zustände Bautzens in 16. und 17. Jahrhundert dargestellt nach urkundlichen Quellen. Beigabe zum Programm der Realschule Bautzen 1898.Digitalisat Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
    1. abS. 11
    2. S. 10
    3. S. 15
  19. Karlheinz Blaschke,Siegfried Seifert:Reformation und Konfessionalisierung in der Oberlausitz. In:Joachim Bahlcke, Volker Dudeck (Hrsg.):Welt - Macht - Geist: Das Haus Habsburg und die Oberlausitz 1526-1635. Oettel Zittau 2002,ISBN 3-932693-61-2, S. 121–128
    1. S. 121, 126
  20. Enno Bünz:Das Ende der Klöster in Sachsen. Vom »Auslaufen« der Mönche bis zur Säkularisations(1521-1543). In:Glaube und Macht. Sachsen im Europa der Reformationszeit. Michael Sandstein Verlag Dresden 2004,ISBN 3-937602-07-0, S. 80–90
    1. S. 80–81
  21. Stadt Bautzen - Bautzener Türme, Abruf 2026-01-12
  22. Wikisource: Bautzener Sagen, Abruf 2026-01-12

51.18215414.421905Koordinaten:51° 10′ 55,8″ N,14° 25′ 18,9″ O

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