
Franz Vranitzky (*4. Oktober1937 inWien) ist ein ehemaligerösterreichischerBasketballspieler,Manager undPolitiker. Er war von Juni 1986 bis Jänner 1997 österreichischerBundeskanzler und von 1988 bis 1997 Bundesparteivorsitzender derSPÖ.[1]
Als Sohn einesEisengießers wuchs Franz Vranitzky mit einer Schwester in einfachen Verhältnissen im Arbeitermilieu auf. Die Familie wohnte im 17.Wiener GemeindebezirkHernals. Er besuchte dasHernalser Gymnasium Geblergasse und studierte im Anschluss an derHochschule für Welthandel in WienBetriebswirtschaft. Während des Studiums arbeitete er als Nachhilfelehrer fürLatein undEnglisch und als Hilfsarbeiter amBau. 1960 schloss er das Studium alsDiplomkaufmann ab. Seit 1962 ist er Mitglied der SPÖ. Vranitzky war Mitglied derösterreichischen Basketballnationalmannschaft, für die er 42 Spiele absolvierte.[2]
1962 heiratete Vranitzky Christine, geb. Kristen.[3] Aus der Ehe gingen zwei Kinder, Sohn Robert und Tochter Claudia, hervor.
Seine berufliche Laufbahn begann er 1961 in denSiemens-Schuckertwerken. Noch im selben Jahr wechselte er in dieOesterreichische Nationalbank. 1969promovierte er zum Doktor der Handelswissenschaften. 1970 wurde er wirtschafts- und finanzpolitischer Berater vonFinanzministerHannes Androsch in der Regierung von BundeskanzlerBruno Kreisky.
Ab 1976 war Vranitzky in leitender Funktion in verschiedenen österreichischen Banken beschäftigt (1976–1981: stellvertretender Generaldirektor derCreditanstalt-Bankverein, 1981: Generaldirektor der CA-BV und stellvertretender Generaldirektor derÖsterreichischen Länderbank, 1981–1984: Generaldirektor und Vorstandsmitglied der Österr. Länderbank), bis BundeskanzlerFred Sinowatz ihn 1984 als Finanzminister in die Regierung berief. In diesem Zusammenhang kam es zu öffentlicher Kritik an denMehrfachabfertigungen für seine früheren Funktionen in staatsnahen Unternehmen.
Während des Wahlkampfs zurBundespräsidentenwahl trat Bundeskanzler Sinowatz vehement gegen den Kandidaten derÖVP,Kurt Waldheim, auf. Als Waldheim am 8. Juni gewählt wurde, trat Sinowatz infolge der Geschehnisse der so genannten „Waldheim-Affäre“ zurück und empfahl Vranitzky als seinen Nachfolger.

Vranitzky setzte nach seiner Ernennung zum Bundeskanzler durch BundespräsidentRudolf Kirchschläger am 16. Juni 1986 zunächst dieKoalitionsregierung (Kabinett Vranitzky I) mit derFPÖ fort.
Als am 13. September 1986Jörg Haider mit Hilfe des deutschnationalen Flügels der Partei an Stelle des gemäßigtenNorbert Steger zumBundesparteiobmann der FPÖ gewählt wurde (Steger war esseit 1980 gewesen), beendete Vranitzky die Koalition am 14. September[4] und derNationalrat wurde aufgelöst.
Aus den folgendenNationalratswahlen am 23. November 1986 ging die SPÖ wieder als stärkste Partei hervor und Vranitzky bildete 1987 ein neues Koalitionskabinett mit der ÖVP als Koalitionspartner (Kabinett Vranitzky II). Im Frühjahr 1988 kündigte der einstige Bundeskanzler Sinowatz seinen Rücktritt als Parteiobmann an und im Mai 1988 wählten die Delegierten des SPÖ-Parteitags Vranitzky zum neuen Obmann der Regierungspartei.[5]
Außenpolitisch sah er sich mit der andauernden Diskussion um die Kriegsvergangenheit des Bundespräsidenten Kurt Waldheim und der daraus resultierenden internationalen Isolation Österreichs konfrontiert. So übernahm er im Ausland auch wiederholt Repräsentationsaufgaben, die ansonsten dem Bundespräsidenten zugefallen wären. Es gelang ihm, das Verhältnis sowohl zu denUSA, die Waldheim im April 1987 auf die „watch list“ gesetzt hatten, wie auch zuIsrael, das seinen Botschafter nach der Wahl Waldheims abgezogen hatte, zu normalisieren.
Innenpolitisch achtete er darauf, Abstand zu Jörg Haider und dessen Politik zu wahren, was von diesem als „Ausgrenzung“ beklagt wurde.
Bemerkenswert war Vranitzkys Rede vor dem Nationalrat am 8. Juli 1991. Darin relativierte er nicht nur die bis dahin auch von offizieller Seite hochgehaltene „Opferthese“, wonach Österreich erstes Opfer der Machtentfaltung des Deutschen Reiches unterAdolf Hitler gewesen sei (siehe auchAnschluss Österreichs), sondern bekannte auch die Mitschuld der Österreicher amZweiten Weltkrieg und dessen Folgen:
Schwerpunkte seiner Außenpolitik waren, insbesondere nach dem Zusammenbruch des„Ostblocks“, die Intensivierung der Kontakte mit den osteuropäischen Staaten sowie die Vorbereitung und Durchführung des Beitritts Österreichs zurEuropäischen Union, wobei er eng mit dem damaligen Außenminister und VizekanzlerAlois Mock (ÖVP) zusammenarbeitete. Nach derVolksabstimmung am 12. Juni 1994, bei der sich 66,64 % der Österreicher dafür aussprachen, erfolgte am 1. Jänner 1995 derBeitritt Österreichs zur Europäischen Union. Nachdem die Regierungskoalition (Kabinett Vranitzky IV) Ende 1995 auseinandergebrochen war, kam es zu vorgezogenen Neuwahlen. Erneut ging die SPÖ als stimmenstärkste Partei aus der Wahl hervor. Im März 1996 wurde dasKabinett Vranitzky V angelobt, eine weitere Koalitionsregierung mit der ÖVP unter FührungWolfgang Schüssels, der bereits den vorhergehenden Koalitionsregierungen seit 1989 als Wirtschaftsminister und seit Mai 1995 als Vizekanzler und Außenminister angehört hatte.
Am 18. Jänner 1997 trat Vranitzky als Bundeskanzler und auch als Bundesparteivorsitzender zurück. Sein Nachfolger in beiden Ämtern wurdeViktor Klima.

Nach dem Ausscheiden aus der österreichischen Politik wurde er zunächst von März bis Oktober 1997OSZE-Sonderbeauftragter fürAlbanien.
Danach kehrte Vranitzky wieder ins Bankwesen zurück, wurde noch im Jahr 1997 politischer Konsulent derWestLB und hatte diese Funktion bis 2004 inne.[7] Im Dezember desselben Jahres wurde er Aufsichtsratsmitglied inFrank Stronachs KonzernMagna International.[7] Weiters war Vranitzky Aufsichtsratsmitglied derTUI AG und Aufsichtsratsvorsitzender derMagic Life der Club International Hotelbetriebs GmbH.[7] Bei TUI schied er im Mai 2008 aus dem Aufsichtsrat; das Mandat wurde von Wladimir Jakuschew, Manager und Partner vonAlexei Alexandrowitsch Mordaschows BeteiligungsgesellschaftS-Group, übernommen.[8] Drei Jahre später, im Mai 2011, folgte auch der Ausstieg bei Magna.[9]
Im Jahr 1998 war Vranitzky gemeinsam mit dem früheren deutschen PräsidentenRichard von Weizsäcker sowie dem ehemaligen israelischen MinisterpräsidentenSchimon Peres Teil des vonVolkswagen eingesetzten Kuratoriums zur Entschädigung von Zwangsarbeitern.[7] Der Konzern bezahlte daraufhin allen Zwangsarbeitern eine Entschädigungssumme in Höhe von 10.000 DM (rund 5.000 Euro) aus.[7] Im selben Jahr trat er als Berater der bulgarischen Regierung bei der Anpassung der Wirtschafts- und Steuergesetze an die Erfordernisse der Europäischen Union in Erscheinung.[7]
Des Weiteren hielt Vranitzky Vorträge über die Europäische Union inHarvard und war Teilnehmer amDeutsch-Jüdischen Dialog.[7] Von 1990 bis 2005 fungierte er zudem als Vorsitzender desVienna Institute for International Dialogue and Cooperation (auchWiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit).[7]
Im Juni 2005 spendete er seiner anchronischem Nierenversagen leidenden Ehefrau Christine, die bereits 1988 eine Spenderniere erhalten hatte, eine seiner Nieren.[10]
2006 fungierte er im Zuge desNationalratswahlkampfes als Vorsitzender des Personenkomitees für den SPÖ-SpitzenkandidatenAlfred Gusenbauer.
Seiner eigenen Partei steht Vranitzky gegenwärtig für mehrere Tätigkeiten zur Verfügung, u. a. im Rahmen der vierteljährlich stattfindenden von derArbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftspolitik (WIWIPOL) organisierten „Vranitzky-Kolloquien“, in denen er gemeinsam mit geladenen Prominenten aus Wissenschaft, Kultur und Politik wirtschaftspolitische Themen mit Zukunftspotenzial für Österreich und Europa identifiziert und bespricht.
Von 1. Juni 2010 bis ins Jahr 2015 war Vranitzky Vize-Vorsitzender desInterAction Council, einer 1983 vom ehemaligen japanischen PremierministerTakeo Fukuda gegründetenDenkfabrik früherer Staats- und Regierungschefs, die sich der internationalen Zusammenarbeit in den Bereichen Frieden und Sicherheit, Weltwirtschaft sowie Entwicklung und Umwelt widmet.[11]
Ende November 2022 wurde Vranitzky von der SPÖ-AbgeordnetenGabriele Heinisch-Hosek fälschlicherweise für tot erklärt, da sie einer Falschmeldung aufTwitter aufgesessen war. Der Sozialausschuss des österreichischen Nationalrates hielt daraufhin eine Schweigeminute für ihn ab. DasBruno Kreisky Forum stellte klar, dass Vranitzky weiterhin am Leben sei.[12]
Kurz vor derNationalratswahl in Österreich 2006 wurde eine Aussage des InvestmentbankersWolfgang Flöttl veröffentlicht, die er am Rande einer Befragung zu seiner früheren Tätigkeit für dieBAWAG P.S.K. und seine Verwicklung in denBAWAG-Skandal getätigt hatte. Demnach hatte er Vranitzky im Jahr 1999 eine Million Schilling (ca. 72.000 EUR) für telefonische Beratungsleistungen bezahlt. Vranitzky bestätigte die Zahlung, die für Beratungen zur damals bevorstehendenEuro-Einführung erfolgt sei. Im Rahmen des Banken-Untersuchungsausschusses des Nationalrats im Jahr 2007 sagte Flöttl im Mai 2007 aus, dass er diese Zahlung zwar auf Druck des damaligen BAWAG-GeneraldirektorsHelmut Elsner und ohne schriftlichen Vertrag getätigt, dafür aber keine Gegenleistung verlangt habe.[13] Von Seiten der politischen Gegner wurde unterstellt, diese Zahlung sei eine „indirekte Parteifinanzierung“ der SPÖ gewesen, was Vranitzky zurückwies.[14]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vranitzky, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Basketballspieler, Manager und Politiker (SPÖ), Abgeordneter zum Nationalrat, Bundeskanzler |
| GEBURTSDATUM | 4. Oktober 1937 |
| GEBURTSORT | Wien,Österreich |