Forgotten Woods (engl. fürVergessene Wälder) ist einenorwegischeBlack-Metal-Band.
Forgotten Woods wurde 1991 gegründet. Nach den 1993 veröffentlichten DemosForgotten Woods undThrough the Woods sowie demPromo 94 debütierte die Band 1994 mit dem AlbumAs the Wolves Gather, das auf dem deutschen LabelNo Colours Records erschien. Dort erschien 1996 auch ihr zweites AlbumThe Curse of Mankind, in der Zwischenzeit erschienen jedoch die EPSjel av natten wie auch ihrPromo 95 unabhängig von No Colours. Im selben Jahr gründeten Rune Vedaa und Olav Berland das NebenprojektJoyless, das experimenteller als Forgotten Woods sein und nicht ausschließlich auf dem Black Metal fußen sollte; auch die ersten beiden Joyless-Alben und ihreSplit-EP mit Apokryphus erschienen auf No Colours.
Die letzte Forgotten-Woods-Veröffentlichung dort war 2003 die 3-CD-ZusammenstellungBaklengs mot stupet, die neben beiden Alben und der EP Bonusstücke enthielt; 2007 lehnte das Label eine Veröffentlichung des neuen AlbumsRace of Cain ab, da im LiedThird Eye (New Creature) mehrereSieg-Heil-Rufe zu vernehmen waren. Vedaa schrieb demDecibel Magazine, er habe dem Labelinhaber die Texte persönlich und detailliert erklärt und ihm mehrere Lösungsvorschläge unterbreitet, sein fehlendes Verständnis für den künstlerischen Blickwinkel und sein kindisches Verhalten hätten der Band keine Wahl gelassen, als das Label zu verlassen; zudem sei seine Entscheidung angesichts der Veröffentlichung von Tonträgern rechtsextremer Gruppen wieGraveland undNokturnal Mortum seltsam. Die Band ist zwar bekennendsozialdarwinistisch, der Text aber sei klar gegen Herdendenken, Konformität und Gehirnwäschen gerichtet gewesen, die Sieg-Heil-Rufe seien als das bekannteste Beispiel für Idiotie und Massenpsychosen gewählt worden. Der Labelinhaber Steffen Zopf gibt keine Interviews und kommentierte den Vorfall deshalb nicht gegenüber demDecibel Magazine.[1] Das Label hatte bereits 1997 eine EP von Rune Vedaas Nebenprojekt Raven (1993 als Ravn gegründet) zensiert; ursprünglich sollte sieFascist Machine heißen, der Titel wurde aber aufF.M. verkürzt. Da das Label zu diesem Zeitpunkt bereits unter anderem den TonträgerFacta Loquuntur der offenneonazistischen BandAbsurd veröffentlicht hatte, wirkte diese Entscheidung ironisch.[2] Seit 2007 wird Forgotten Woods auch vom Franzosen Neige (Peste Noire,Alcest) unterstützt.
Derzeit sind die Mitglieder neben Forgotten Woods und Joyless auch an der „UNpop“[3]-Band Delicatessen, demIndustrial-/Experimental-/Ambient-Projekt Satanismo Calibro 9 und Rapefruit beteiligt.
1994 beschrieb Rune Vedaa die Musik von Forgotten Woods als kalt, dunkel und atmosphärisch. Einer Beschreibung durchRonald Möbus als gegenüberDarkthrone undGorgoroth eher traditionellemMetal im GeisteVenoms widersprach er. Er verwandte in frühen Jahren als Bezeichnung „Winter Metal“, ihre Musik sei, so Vedaa, kein Black Metal und absolut keinViking Metal, und bezog sich auf die traditionelle Definition des Black Metals durchsatanische Texte. An mythologischen Wesen wieHuldra undTroll, an Wikingern und der laut Möbus „glorreichen Vergangenheit“ seines Landes habe er kein Interesse. Für die Texte zuDimension of the Blackest Dark undIn My Darkest Vision gab er seine Gedanken zu vergessenen Wäldern an. Den Namen der Band erklärte er als Bild für eine Art Traumwelt, die nicht von dieser Erde sei, den Ort, nach dem die Band sich sehne.[4] In ihrer Myspace-Biographie kategorisierte die Band sich jedoch als Black Metal.[3]
Forgotten Woods ist stärker als Joyless im norwegischen Black Metal verwurzelt und baut auf primitive,punkige Produktion, die von Nikola Shahpazov in seiner Rezension für das WebzineChronicles of Chaos mit der des Darkthrone-AlbumsUnder a Funeral Moon verglichen wurde;[5] typisch für die Band ist ein laut Dominik T. vonNonpop „vordergründig abgefuckter, punkiger Black Metal“.[6] Kritiker werfen der Band eine zu starke Anlehnung an früheBurzum vor;[7][8] ebenso wie alte Burzum-Veröffentlichungen baut die Band auf „[l]angsame bis Mid-Tempo lastige, zum Teil episch lange Songs, mit harmonisch-melancholischen Melodien und eine Atmosphäre, die fast schon als Referenz für dendepressiven Black Metal angesehen werden kann“.[8] Ebenso wurde der Musik vorgeworfen, sich zwar mit dem „sehr interessant aufgemacht[en]“ Booklet zuRace of Cain und den darin enthaltenen „Fotografien deutlich vom Black Metal Landschaftspurismus“ abzuheben, aber einfallslose Musik zu spielen, die „nur so vor Spielfehlern, Ungenauigkeiten, schlechten Übergängen und Enden“ wimmele.[9] Allerdings weisen Fans auf die „eigene Note […], welche die vier Musiker ihrer Kunst einhauchen“,[8] auf ihre „spezielle Form der Genialität […], die sich erst entfaltet, wenn man lange Zeit in ihre borstige Musik eingetaucht ist“,[6] hin. In der Musik ist einRock-’n’-Roll-/The-Velvet-Underground-Vibe zu finden, der dem Hörer „irgendwann, fast schon in Form eines Schlüsselerlebnisses“ zugänglich wird.[6] Die Musik basiert, anders als bei vielen Black-Metal-Bands mit rohem Klang, selten ausschließlich auf bloßer Geschwindigkeit, sondern oft auf Breaks undGrooves. Obwohl der Klang meist primitiv bleibt, finden sich teilweise auch Melodien in der Musik, zum Beispiel in dem melancholisch gehaltenenHere in the Obsession oder dem ruhiger gehaltenen StückThe Principle and the Whip mit Frauengesang. Das LiedThird Eye (New Creature) wiederum beginnt mit einem simplen Riff, das stilistisch zwischenThe Exploited undMotörhead liegt, und Sieg-Heil-Rufen, geht in ein Sample eines Gesprächs desFernsehpredigersBob Larson mitBoyd Rice in aus der SendungTalkback With Bob Larson und endet metallisch.[5]
Lyrische Themen sind unter anderem Natur undOkkultismus, auf dem AlbumRace of Cain greift sie jedoch auch soziale Probleme auf; das Booklet enthält unter anderem antichristliche Propaganda und ist von antikonservativen Idealen geprägt. Titel und Inhalte des Albums erinnern anCharles Baudelaires GedichtAbel et Caïn (ausLes Fleurs du Mal, einem der Klassiker des literarischenSatanismus), eines seiner wichtigsten Werke.[10]