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Flussdelta

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Falschfarben-Satellitenaufnahme des 32.000 km² großenLenadeltas

EinFlussdelta, auchDeltamündung oderMündungsdelta, ist eineFlussmündung in einenSee oder einMeer, die durch einen annähernd dreieckigen Grundriss und die Gabelung des Hauptstromes in mehrere Mündungsarme gekennzeichnet ist. Deltas können nicht nur als Flussmündungen in ein Meer oder einen See entstehen, sondern (selten) als aufgefächerteBinnendeltas in einSumpfgebiet münden, ohne erkennbare offene Wasserfläche, wie dasOkavangodelta.[1]

Wortherkunft

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Das WortDelta (PluralDeltas)[2] geht ursprünglich auf den BuchstabenDaleth (, vermutlich „Tür“) derphönizischen Schrift zurück. Um die Mitte des neunten Jahrhunderts v. Chr. wurde dieser alsDelta (Δέλτα) in dasgriechische Alphabet übernommen. Der griechische HistorikerHerodot verwendetDelta vierzehn Mal in seinenHistorien als geographischen Eigennamen für dasNildelta, wobei er die Ausdehnung des Nildeltas beschreibt, aber keine explizite Parallele zur Form des Buchstabens zieht. Wie Herodot erwähnt, war das WortDelta für die Mündung des Nil bereits vorher bei den Griechen (Ioniern) bekannt.

Erst später wandelte sich der Charakter des Worts und ging vom Eigennamen zu einem Fachausdruck für Flussdeltas über, nun auch explizit im Hinblick auf die Dreiecksform des Buchstabens. Die Verallgemeinerung wird inArrians GeschichtswerkAlexandri Anabasis überAlexander den Großen Anfang des zweiten Jahrhunderts n. Chr. deutlich, wo die Mündungen vonIndus,Donau und Nil verglichen und als Deltas bezeichnet werden.[3]

Entstehung

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Satellitenaufnahme der Mündung des FlussesRapaälv in den SeeLaitaure,Provinz Norrbotten, Schweden. Diese Mündung ist prinzipiell ein Delta, jedoch ist aufgrund der Enge des Tals der See zu schmal, als dass sich die charakteristische Deltaform voll herausbilden könnte. Stattdessen verlandet der See auf voller Breite und wird in ein Mosaik aus Flussarmen und kleineren Restseen verwandelt.

Eine Deltamündung entsteht, wenn im Mündungsbereich des Flusses dessenFließgeschwindigkeit auf faktisch Null abgebremst wird, sodass er das meiste bis dahin noch mitgeführte Material alsSediment ablagert (vgl. → Hjulström-Diagramm). Bei weitgehend konstantemMeeresspiegel verlagert der Fluss seine Mündung über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg durch kontinuierliches Abladen seiner Sedimentfracht immer weiter auf das Meer hinaus, und der vormalige Mündungsbereichverlandet. Die eigenen Ablagerungen versperren ihm dabei zunehmend den Weg zum Meer, sodass der Hauptstrom sich mehrfach aufgabelt. Auf diese Weise entsteht die charakteristische Deltaform, wie sie in Karten und Satellitenaufnahmen bei vielen Flussmündungen zu sehen ist. Voraussetzung für die Bildung von Deltamündungen ist ein geringerTidenhub im Mündungsbereich, da andernfalls Gezeitenströmungen die ungestörte Aufschüttung eines Mündungsfächers verhindern.

Der Mündungsfächer lässt sich im Querschnitt grob in drei Bereiche gliedern, die jeweils eine bestimmte Sedimentationsphase repräsentieren. Zuunterst liegen die flachlagernden sehr feinkörnigen Basisschichten (engl.bottomset), die ursprünglich vor dem Delta im Tiefwasser sedimentiert wurden (daher auchProdelta genannt). Darüber folgen die steil seewärtigeinfallenden untermeerischen Vorschüttschichten des Deltas (engl.foreset oder auchsubmerged delta genannt) und schließlich die fluviatil sedimentierten und daher waagerecht lagernden Dachschichten der Verlandungsphase (engl.topset oderemerged delta genannt).

Delta-Arten

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Ökologische Bedeutung

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Flussdeltas bieten meist eine sehr reichePflanzenwelt, ausgedehnteBrutgebiete, eine Vogelwelt häufig durchziehenderWasservögel (oft durchVogelschutzgebiete ausgewiesen), und eine an dieFeuchtgebiete angepassteTierwelt.[4][5] Daher stehen viele Deltas teilweise unter strengem Naturschutz, wieParc Natural del Delta de l’Ebre oderBiosphärenreservat Donaudelta.

In Flussdeltas werden unter geringer Strömung die Inhalte der Fließgewässer in Meere eingebracht. Die Deltaseutrophierter Gewässer sind daher in hohem Maß mit Nährstoffen angereicherte Zonen, woraus sich Folgeprobleme ergeben.[6] Aber auch ohne anthropogene Eutrophierung sind Deltas nährstoffreich. Daher werden Deltas landwirtschaftlich gern genutzt, trotzhämatophagerStechmücken, mancherorts bereits seit Jahrtausenden.[7]

Bei einem relativ schnellen Anstieg des Meeresspiegels (wenige Meter pro 100 Jahre) ist es möglich, dass Flussdeltas vollständig wieder vom Meer überspült und mit Meeressedimenten bedeckt werden. Solche fossilen Deltas sind ausseismischen Erkundungen derKontinentalschelfe bekannt. Sie können Aufschluss über den Stand des Meeresspiegels und den Verlauf der Küsten und Flüsse während derletzten Eiszeit liefern. Ein sehr ernstes Folgeproblem des gegenwärtigenKlimawandels und des damit einhergehendenAnsteigens der Meeresspiegel stellt dar, dass gleichzeitig alle Flussdeltas an Meeresküsten von Salzwasser überflutet werden.[8][9] Da Deltas besonders flach ausgebildete Landschaften sind und genau auf den heutigen Meeresspiegel eingestellt sind, wird dort ein sehr großes Areal, welches bisher hauptsächlich durchSüßwasser geprägt ist, geflutet undversalzen.[10] Damit werden großeHabitate in ihrem Bestand völlig verändert, wahrscheinlich noch innerhalb des 21. Jahrhunderts muss mit großräumigenBiotopzerstörungen gerechnet werden: Weder die meist reiche Flora, noch die Vogelwelt, noch die Fauna wird sich trotz Schutzmaßnahmen halten können und in den allermeisten Fällen stehen auch keineRückzugsgebiete zur Verfügung. Eine besondere Rolle für den Menschen spielt dabei der bald drohende Verlust landwirtschaftlich intensiv genutzter Deltas wie demMekongdelta, welches für den Reisanbau Vietnams von zentraler Bedeutung ist.[11][12]

Einige Flussdeltas

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Außerirdische Beispiele

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Siehe auch

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Literatur

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  • Frank Ahnert:Einführung in die Geomorphologie. 4. Auflage, 2009,ISBN 978-3-8001-2907-2 (Ulmer) /ISBN 978-3-8252-8103-8 (UTB), Kap. 17.2. Deltas
  • Claudia Kuenzer, Valentin Heimhuber, Juliane Huth, Stefan Dech:Remote Sensing for the Quantification of Land Surface Dynamics in Large River Delta Regions - A Review. Remote Sensing, 11(17), 2019, S. 1–42.doi:10.3390/rs11171985. ISSN 2072-4292.
  • Michel Leonard Wolters, Claudia Kuenzer:Vulnerability assessments of coastal river deltas - categorization and review. Journal of Coastal Conservation, 3/2015 (3/2015), 2015, S. 1–24, doi:10.1007/s11852-015-0396-6. ISSN 1400-0350.

Weblinks

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Commons: Flussdelta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. T. S. McCarthy, W. N. Ellery:The Okavango Delta. In:Transactions of the Royal Society of South Africa, Band 53, Nr. 2, 1998, S. 157–182,doi:10.1080/00359199809520384.
  2. Duden:Delta, eingesehen am 10. März 2021.
  3. Francis Celoria:Delta as a Geographical Concept in Greek Literature. In:Isis, vol. 57, Nr. 3, Herbst 1966, S. 385–388.
  4. V. F. Olaleye, O. A. Akinyemiju:Flora and Fauna of Abiala Creek, Niger Delta, Nigeria. In:Journal of Aquatic Sciences, Band 14, Nr. 1, 1999, S. 61–65.
  5. H. R. Gould:The Mississippi delta complex. 1970.
  6. R. Eugene Turner, Nancy N. Rabalais:Coastal eutrophication near the Mississippi river delta. In:Nature, Band 368, Nr. 6472, 1994, S. 619–621,doi:10.1038/368619a0.
  7. Daniel Jean Stanley, Andrew G. Warne:Sea level and initiation of Predynastic culture in the Nile delta. In:Nature, Band 363, Nr. 6428, 1993, S. 435–438,doi:10.1038/363435a0.
  8. Zhongyuan Chen, Daniel Jean Stanley:Sea-level rise on eastern China's Yangtze delta. In:Journal of Coastal Research, 1998, S. 360–366.
  9. Jeffrey Mount, Robert Twiss:Subsidence, sea level rise, and seismicity in the Sacramento–San Joaquin Delta. In:San Francisco Estuary and Watershed Science, Band 3, Nr. 1, 2005.
  10. J. W. Day Jr, P. H. Templet:Consequences of sea level rise: implications from the Mississippi Delta: In:Coastal Management, Band 17, Nr. 3, 1989, S. 241–257.
  11. Reiner Wassmann, Nguyen Xuan Hien, Chu Thai Hoanh, To Phuc Tuong:Sea level rise affecting the Vietnamese Mekong Delta: water elevation in the flood season and implications for rice production. In:Climatic Change, Band 66, Nr. 1, 2004, S. 89–107(PDF).
  12. P. S. J. Minderhoud, L. Coumou, G. Erkens, H. Middelkoop, E. Stouthamer:Mekong delta much lower than previously assumed in sea-level rise impact assessments. In:Nature Communications, Band 10, Nr. 1, 2019, S. 1–13,doi:10.1038/s41467-019-11602-1(PDF).
  13. Major Agglomerations of the World - Population Statistics and Maps. Abgerufen am 6. November 2017 (amerikanisches Englisch). 
Normdaten (Sachbegriff):GND:4149048-4 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS) |LCCN:sh85036614
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