Flughöhe
UnterFlughöhe versteht man die gemessene vertikale Höhe einesLuftfahrzeuges über einer bestimmten Bezugsfläche. Je nach Flugsituation kommen dabei unterschiedliche Bezugsflächen in Betracht. Die genaue Messung der Flughöhe ist für die Flugsicherheit von großer Bedeutung, um ausreichende Sicherheitsabstände zu anderen Luftfahrzeugen sowie Bodenhindernissen sicherstellen zu können.
Es ist international üblich, Flughöhen inFuß (ft) anzugeben. Auch die Bezeichnung der Flugflächen entstammt dort der angezeigten Höhe in Fuß. In wenigen Ländern werden alle Flughöhenangaben inMeter ausgedrückt. In Deutschland ist nur imSegelflug, fürLuftschiffe undFallschirmspringer eine Höhenmessung in Meter üblich. 100 ft entsprechen 30,48 m.
Begriffe
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- height (HGT)
- ist die Höhe über GND (ground) (AGL), also über dem Boden. Mitheight wird auch z. B. die Höhe eines Turmes angegeben.
- altitude (ALT)
- ist die Höhe überMSL, bzw. derBezugshöhe (ELEV + HGT = ALT).
- elevation (ELEV)
- bezeichnet die Höhe des Bodens (GND) über der mittleren Meereshöhe (mean sea level, MSL). Bei Flugplätzen bezieht sich die Angabe auf den höchsten Bodenpunkt im Landebereich des Flugplatzes.
- flight level (FL)
- (deutschFlugfläche) ist das Hundertstel der Höhe in Fuß, die dem augenblicklich vom Höhenmesser gemessenen Luftdruck über derStandardatmosphäre von 1013,25hPa entspricht. Einflight level entspricht also einerIsobare. Der Höhenmesser wird für die Anzeige vonflight level-Höhen eingerichtet, indem der Bezugsluftdruck auf denStandardluftdruck (engl.standard pressure level) von 1013,25hPa eingestellt wird.
- transition altitude
- (deutschÜbergangshöhe) bezeichnet in Deutschland eine Höhe, die 1640 m über MSL, mindestens aber 656 m über GND liegt. Diese wird imSteigflug erreicht. Eselsbrücke: Das „A“ in „Altitude“ ähnelt einem Pfeil nach oben. Hier beginnen dieFlugflächen, daher muss der Pilot den Höhenmesser auf denStandardluftdruck 1013,25 hPa umstellen. In anderen Ländern können die Flugflächen schon bei niedrigeren Werten beginnen. Dietransition altitude ist für den jeweiligen Flugplatz auf IFR-Karten vermerkt.
- transition level
- ist die Flugfläche oberhalb dertransition altitude, bei der im Sinkflug der Höhenmesser wieder auf QNH umgestellt wird, um für den Landeanflug die tatsächliche Flughöhe anzuzeigen. Eselsbrücke: Das „L“ in „Level“ ähnelt einem Pfeil nach unten (mit viel Phantasie). Den aktuellen QNH-Wert erhält der Pilot über Funk von derFlugsicherung/Flugleitung, von einer automatischen Bandansage (ATIS) oder von einem Flugplatz in seiner Nähe. Zwischen dertransition altitude und demtransition level liegen mindestens 328 m Abstand (transition layer). Daraus lässt sich ableiten: QNH größer 1013 hPa: TL 60, QNH von 983 bis 1013 hPa: TL 70, QNH kleiner 983 hPa: TL 80.
- transition layer
- bezeichnet die Höhendifferenz zwischen dertransition altitude und demtransition level. Diese Höhendifferenz von meistens 328 m wird von größeren Flugzeugen für dashandling, also Erledigung der Cockpitarbeiten wie QNH-Justierung usw., benötigt.
Typische Flughöhen
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Die folgende Übersicht, in welchen Flughöhen sich welche Luftfahrzeuge befinden, stellt keine Vorschriften oder festen Regeln dar, sondern dient nur dazu, dass der Laie sich eine ungefähre Vorstellung machen kann. Zur besseren Übersicht sind die Höhen in Meter über demErdboden (GND) angegeben und gelten in höheren Lagen nur bedingt.
Höhe über GND | Objekte in der Luft |
---|---|
0 m bis 100 m | Vögel,Fledermäuse,Insekten,Drachen; gefesselte Ballons (auch zeppelinförmige) für Werbung, Beleuchtung, Kameras |
150 m bis 1500 m | Luftsportgeräte,Hängegleiter,Gleitschirme,Heißluftballone,Hubschrauber,Luftschiffe |
1500 m bis 3000 m | Kleinflugzeuge im Reiseflug,Segelflugzeuge im Streckenflug,Verkehrsflugzeuge in Warteschleifen zum Landeanflug |
3000 m bis 5000 m | Absprung vonFallschirmspringern (üblicherweise 4000 m),Geschäftsflugverkehr, mancheZugvögel |
5000 m bis 10000 m | Geschäftsflugverkehr,Düsenflugzeuge undTurbopropflugzeuge im Reiseflug (FL 150 bis FL 290) |
10000 m bis 15000 m | Düsenverkehrsflugzeuge im Reiseflug (FL 300 bis FL 450) |
15000 m bis > 18000 m | Überschallpassagierflugzeuge wie dieConcorde und dieTupolew Tu-144. Sehr leichte, unbemannte vonSolarzellen angetriebene Pseudo-Satelliten (Airbus Zephyr). |
DieSicherheitsmindesthöhe für Luftfahrzeuge, die nur bei Start oder Landung unterschritten werden darf, beträgt in Deutschland:
- allgemein 150 m (500 ft) GND
- über Ortschaften oder großen Menschenansammlungen 300 m (1000 ft) über dem höchsten Hindernis in 600 m Umkreis
Messung
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Die Flughöhe wird grundsätzlich mit dembarometrisch arbeitendenHöhenmesser (engl.altimeter) gemessen, wobei man sich den Umstand zunutze macht, dass der Luftdruck mit wachsender Höhe abnimmt. Da jedoch erstens unterschiedliche Bezugsflächen zur Höhenmessung genutzt werden und zweitens der Luftdruck sich nicht nur mit der Höhe, sondern auch mit dem Wetter ändert, besitzen Höhenmesser immer eine Einstellmöglichkeit für den Bezugsdruck (den Druck, bei dem sie die Höhe Null anzeigen würden).
Folgende Bezugsflächen für die Höhenmessung werden in derLuftfahrt angewendet:
Bezug Erdoberfläche: height (HGT)
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Es liegt nahe, als Bezugsfläche für die Höhenmessung den Erdboden heranzuziehen, um beispielsweise Sicherheitshöhen über dem Gelände und Bodenhindernissen einhalten zu können. Die Flughöhe über Grund (abgekürzt GND fürground oder auch SFC fürsurface) wirdheight (HGT) genannt. In der fliegerischen Praxis spielt diese Höhe nur in besonderen Fällen eine Rolle. Während eines Streckenfluges ändert sich die Höhe des darunterliegenden Geländes viel zu schnell, als dass eine solche Messung sinnvoll wäre. Der Bezugsdruck (QFE) müsste sehr häufig der Geländehöhe angepasst werden und wäre obendrein noch vom gerade durchflogenen Wetter abhängig.
Bezug Meereshöhe: altitude (ALT)
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Soll die Flughöhe unabhängig von der Höhe des überflogenen Geländes ermittelt werden, wird sie alsHöhe über dem Meeresspiegel (MSL,mean sea level) ausgedrückt. Auch Hindernishöhen aufFlugkarten sind in Fuß über MSL angegeben, so dass Sicherheitshöhen eingehalten werden können. Die Höhe bezogen auf MSL wirdaltitude (ALT) genannt. Der jeweils einzustellende Bezugsdruck dafür, also der auf Meereshöhe umgerechnete aktuelle Luftdruckwert, wird alsQNH bezeichnet. Er wird zumindest vor dem Abflug eingestellt, bei Streckenflügen in geringer Höhe muss die Einstellung regelmäßig an wetterbedingte lokale Luftdruckänderungen angepasst werden. Im Flug kann der jeweils aktuelle Wert Flugwetterberichten oder Landeinformationen von Flughäfen entnommen werden.
Bezug auf Normaldruck: Flugflächen (FL)
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Im hindernisfreien Luftraum ist die tatsächliche Höhe nicht mehr interessant, da ausreichende Abstände zu Bodenhindernissen in jedem Fall gegeben sind. Viel wichtiger ist es hier, eine auch vom Wettergeschehen unabhängige Bezugsgröße zu verwenden, um sicherzustellen, dass alle Luftfahrzeuge ihre Höhe nach demselben Bezugsdruck messen und vertikale Abstände zueinander zuverlässig eingehalten werden können. Als dieser einheitliche Bezugsdruck wurde der Normaldruck von 1013,25 hPa (entspricht 29,92Inch Hg) festgelegt. Auf diesen Bezugswert wird der Höhenmesser beim Durchsteigen der sogenanntenÜbergangshöhe eingestellt – unabhängig vom tatsächlich bestehenden Luftdruck. Der so gemessene Wert der Flughöhe wird nun nicht mehr als Höhe bezeichnet, sondern (durch 100 geteilt) alsFlugfläche (FL,flight level): FL 120 entspricht einer Höhenmesseranzeige von 12.000 Fuß (3658 m) bezogen auf Normaldruck. Im Sinkflug wird der Höhenmesser beim Durchsinken derÜbergangsfläche wieder auf den aktuellen meteorologischen Wert eingestellt.
Messfehler
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Anzeige eines barometrischen Höhenmessers folgt derNormatmosphäre. Da der Zusammenhang zwischen Druck und Höhe auch (geringfügig) von Temperatur und Wasserdampfgehalt der Luft abhängt, entsprechen die angezeigten Flughöhen nur selten exakt den tatsächlichen Werten. Da dieser Anzeigefehler jedoch minimal ist und außerdem für alle Flugzeuge gleich ausfällt, ist dies nicht kritisch.
Andere Messmethoden
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Unter bestimmten Umständen wird eine direkte (und genaue) Höhenmessung über dem Boden (HGT) per Funksignal durchgeführt. ImLandeanflug mitVerkehrsflugzeugen wird beispielsweise die direkte Höhenbestimmung durch Funkhöhenmessung (Radar-Altimeter) als zusätzliche Information herangezogen. Nur bei denILS-Kategorien (CAT) II und III wird dieEntscheidungshöhe mittels eines Radarhöhenmessers gemessen.
Daneben kann die Flughöhe auch vom Boden aus mittelsRadar festgestellt und dem Piloten per Sprechfunk übermittelt werden, meist allerdings nur durch militärische Radaranlagen.
Gesundheitliche Aspekte
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Der menschliche Organismus ist an das Leben auf dem Erdboden angepasst. Die beim Fliegen auftretenden Luftdruckbedingungen können daher problematisch werden:
- Der Druck desMittelohres muss ständig dem Außendruck angepasst werden, um dasTrommelfell entspannt zu halten. Dafür ist dieEustachi-Röhre zuständig, die bei Schluckvorgängen geöffnet wird. Ist diese Röhre, etwa infolge einer Erkrankung, zugeschwollen, dann kann der Ohr-Innendruck den Änderungen des Außendrucks beim Fliegen, insbesondere der schnellen Druckzunahme beim Sinkflug, nicht folgen, worauf der höhere Außendruck das Trommelfell nach innen spannt und heftige Schmerzen verursacht. Abhilfe kann dasValsalva-Manöver schaffen. Kauen und Lutschen helfen ebenfalls dabei, die Eustachi-Röhre möglichst oft zu öffnen.
- Ab Flughöhen von 2600 bis 3280 m MSL wird die Dichte derAtemluft so niedrig, dass mit einer zuverlässigen Versorgung des (untrainierten) menschlichen Organismus mit Sauerstoff nicht mehr gerechnet werden kann und entwederSauerstoffgeräte oderDruckkabinen eingesetzt werden müssen. Bei besonders empfindlichen Personen können sogar schon bei 1640 m MSL (was etwa der Höhe desFeldbergs imSchwarzwald entspricht)Sauerstoffmangelerscheinungen auftreten.
Sichtweite zum Horizont
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Mit zunehmender Flughöhe rückt der aus dem Flugzeug beobachteteHorizont in immer größereEntfernung. Fliegt ein Flugzeug über demMeer oder über einem flachen Gebiet, wie zum Beispiel über derKalahari, wird dieSichtweite wie folgt berechnet:
Hier muss die Flughöhe inMetern eingegeben werden. Die Distanz wird inKilometern ausgedrückt. Fliegt ein Flugzeug in 900 Metern Höhe über flachem Grund, so liegt der Horizont in 108 Kilometern Entfernung. Dementsprechend beträgt die Sichtweite aus 10.000 Metern Höhe rund 360 Kilometer. Die Formel wird auch Horizontformel genannt.[1]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Dieter Franzen –Kompaktlernprogramm zur Vorbereitung auf die Flugfunksprechprüfung AZF 1991
- Jeppesen Sanderson:Private Pilot Study Guide 2000,ISBN 0-88487-265-3
- Jeppesen Sanderson:Privat Pilot Manual 2001,ISBN 0-88487-238-6
- Walter Air: CVFR Lehrbuch Mariensiel 2001
- Wolfgang Kühr –Der Privatflugzeugführer, Luftrecht, Luftverkehrs- und Flugsicherungsvorschriften, Band 5 1983,ISBN 3-921-270-13-8
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Flughöhe im Katalog derDeutschen Nationalbibliothek
- https://www.xflight.de/pg_org_par_cec_altimeter.htm (Cockpit)