Florenz ist für seineGeschichte berühmt. Als Zentrum desspätmittelalterlichen europäischen Handels- und Finanzwesens war sie eine der reichsten Städte des 15. und 16. Jahrhunderts. Florenz gilt als die Wiege derRenaissance. Aufgrund ihrer kulturellen Bedeutung – insbesondere für diebildende Kunst – wurde sie schon im 19. Jahrhundert auch als das „italienischeAthen“ bezeichnet.[2]
Durch die mächtige Dynastie der FamilieMedici stieg Florenz in der Renaissance zu einer der florierendsten Metropolen Europas auf. Zahlreiche Künstler und Gelehrte waren hier beheimatet:Leonardo da Vinci verbrachte große Teile seiner Jugend in Florenz,Michelangelo fand Unterschlupf in der Kirche der Medici,Galileo Galilei wohnte als Hofmathematiker in den Palästen der Medici. Von 1865 bis 1871 war die Stadt die Hauptstadt des neu gegründetenKönigreichs Italien.
Das historische Zentrum von Florenz zieht Jahr für Jahr Millionen von Touristen an. LautStatista lag die Besucherzahl im Jahr 2024 bei 5,3 Mio.[3] Die historische Innenstadt wurde von derUNESCO im Jahre 1982 zumWeltkulturerbe erklärt.[4]
Florenz liegt amArno, der durch die Altstadt fließt, und amMugnone, der von Norden kommend westlich der Altstadt in den Arno mündet. Von Süden kommend tritt derEma demGreve bei Galluzzo zu, zusammen münden sie danach im Stadtgebiet von Florenz im Arno. Der Arno war ehedem wichtig als Handelsweg für die Versorgung der Stadtbewohner, verursachte allerdings durch Überflutungen auch Zerstörung und Leid. Nördlich von Florenz erstreckt sich der Höhenzug des toskanisch-emilianischenApennins, im Süden grenzen die Hügel desChianti an die Stadt.Die Höhenlage des Stadtgebiets erstreckt sich von ca.25 m s.l.m. (Arno bei Camaioni) bis ca.330 m s.l.m. (bei Montebeni).
Florenz befindet sich noch in dergemäßigten Klimazone mit sehr warmen Sommern und kalten und feuchten Wintern. Aufgrund seiner Lage und des damit verbundenen Mangels an Ventilation ist es in Florenz im Sommer spürbar wärmer als an der Küste.
Die höchste gemessene Temperatur lag bei 44 °C im Juli 1983. Die tiefste festgestellte Temperatur war −23 °C im Januar 1985.
ImMittelalter war Florenz in vier Stadtviertel(Quartieri) eingeteilt, welche nach denStadttoren benannt waren: San Piero, Duomo oder Vescovo, San Pancrazio und Santa Maria. Später wurden daraus sechs sogenannte Sestieri: San Piero, Duomo, San Pancrazio, San Piero a Scheraggio, Borgo, Oltrarno. Hinzu kommen die Vororte westlich und östlich der Ausfallstraßen und der markanten Hügel San Miniato, Belvedere und Bellosguardo im Süden sowie Careggi, Montughi, Fiesole und Settignano im Norden.[5]
Die moderne Verwaltungsgliederung in fünf Stadtviertel ab 1990 orientiert sich im Außenbereich an den Grenzen der traditionellen Stadtviertel:
Lage von Florenz in der Metropolitanstadt FlorenzModerne Gliederung in fünf Stadtbezirke (Quartiere)
Die fünf modernen Verwaltungseinheiten im Überblick, mit zugehörigen Stadtteilen:
Der Aufstieg der Stadt von einem Armeelager zu einer Hochburg der Renaissance vollzog sich langsam. 1330 zählte die Stadt ungefähr 30.000 Einwohner. Bis zum Jahr 1348 wuchs die Zahl der Einwohner auf bis zu 100.000 an. DiePestpandemie traf Florenz besonders hart und forderte in Florenz geschätzte 70.000 Tote, nur knapp ein Fünftel der Bevölkerung überlebte. Mitte des 19. Jahrhunderts war wieder ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen, die Stadt zählte 150.000 Einwohner. Diese Zahl verdoppelte sich bis zu Beginn der 1930er-Jahre auf 300.000 Einwohner. Nach Ende desZweiten Weltkriegs 1945 stieg die Zahl weiter, Anfang der 1970er-Jahre wurde mit über 450.000 Einwohnern ein historischer Höchststand erreicht. In den 1980er Jahren waren starke Abwanderungsströme und Geburtenrückgänge zu erkennen, weshalb die Einwohnerzahl in Florenz seitdem rückläufig ist.
Oberbürgermeisterin (ital. Sindaco) von Florenz ist seit dem 26. Juni 2024 Sara Funaro desPartito Democratico (PD).[7] Sie löste Dario Nardella (PD) ab, der zuvor am 26. Mai 2014 das Amt angetreten hatte.[8] Der ehemaligeMinisterpräsident ItaliensMatteo Renzi war von 2009 bis 2014 Bürgermeister der Stadt.
Die Geschichte von Florenz ist heute u. a. deshalb so bekannt, weil sie um das Jahr 1520 vonNiccolò Machiavelli (1469–1527) erstmals aufgeschrieben wurde. Machiavelli schrieb seineIstorie fiorentine im Auftrag derMedici und überreichte das umfangreiche Werk im Jahre 1525 Giulio de’ Medici, auch bekannt als PapstClemens VII. Machiavelli begann schon in seiner Jugendzeit, die Geschichte seiner Heimatstadt aufzuschreiben und nannte sein erstes BuchDecannale. Später knüpfte er daran an und wurde einer der erstenHistoriker derNeuzeit.
Florentina (Florenz) wurde nach 59 v. Chr. vonJulius Cäsar alsColonia mit dem NamenFlorentia (nach der römischen Göttin der Blumen und des Pflanzenwachstums) im fruchtbaren, aber noch teilweise sumpfigen Arnotal errichtet. Die Colonia bestand erstens aus einem Militärlager, demCastrum, dessen quadratische Anlage sich auch heute noch im Straßenverlauf widerspiegelt (Via Tornabuoni, Via Cerretani, Via del Proconsolo undPiazza della Signoria). DasForum befand sich an der heutigenPiazza della Repubblica. Florentia verfügte auch über Thermalbäder und einAmphitheater.
Zur Colonia gehörten auch die Ansiedlungen der Veteranen der Garnison außerhalb des Castrum, die gemäß derLex Julia nach der Entlassung aus dem Militärdienst eine Landparzelle zur Bebauung zugewiesen erhielten, die aufgrund der Vergabepraxis in Form einer Verlosungpartes genannt wurde.
Die günstige Lage am Kreuzungspunkt der nach Rom führendenVia Cassia, der vonVolterra kommenden Etruskerstraße (Volterana) und der ebenfalls etruskischen Pisana, die über Pisa ans Meer führte, begünstigte das rasche Aufblühen der Stadt auf Basis des Handels und der Handwerksbetriebe. Die älteren etruskischen Ansiedlungen, vor allem das auf einem Hügel nördlich der neuen Stadt gelegene bedeutendeFiesole (Gründung 7. Jahrhundert v. Chr.) gerieten dadurch rasch ins Hintertreffen. Nachdem Florentia neben Fiesole auch den Etruskerstädten Volterra undChiusi sowie den römischen Coloniae Pistoia und Lucca den Rang abgelaufen hatte, wurde es von KaiserDiokletian zur Hauptstadt derProvinzTuscia et Umbria erhoben.
Im Zuge derbyzantinischen Rückeroberungskriege wurde die Stadt fast vollständig zerstört und nahm erst wieder unter den Langobarden einen Aufschwung. Da die Langobardenherzöge jedoch in Lucca bzw. Pisa residierten, konnte Florenz bis ins 12. Jahrhundert nicht an die Bedeutung vor derVölkerwanderungszeit anschließen. Entscheidend für den Wiederaufstieg wurde die um 1000 erfolgte Verlegung des Amtssitzes des von den Karolingern eingesetzten Markgrafen Hugo nach Florenz. Mit dem Aufkommen desFeudalismus expandierte die Stadt im 12. Jahrhundert und wurde schließlichautonom. DieBürgerschaft gewann an Macht, es kam zu erbitterten Streitereien zwischen den kaisertreuenGhibellinen und den später siegreichen Anhängern des Papstes, denGuelfen.
In den Jahren 1347 bis 1352 starben etwa 40 % der Bevölkerung an einer Pestepidemie (Schwarzer Tod).[9]Im 14. und 15. Jahrhundert blühte Florenz auf und setzte Maßstäbe in der europäischen Kunst und Kultur. Viele Künstler und Gelehrte siedelten sich an, darunterDonatello,Botticelli; späterMichelangelo,Machiavelli,Leonardo da Vinci undGalileo Galilei. Es entwickelte sich die kulturgeschichtlicheEpoche derRenaissance (italienischRinascimento).
Zugleich wurde Florenz zum Handels- und Finanzzentrum. Die reiche Familie derMedici stieg im 15. und 16. Jahrhundert zu einer Großmacht auf und prägte die Stadt wie keine andere Familie. Der erste bedeutende Medici warCosimo, der sich die Stadt nach und nach untertan machte. Cosimo lebte kurze Zeit im Exil, als die Medici durch gegnerische Familien gestürzt worden waren. Da jedoch die Wirtschaft aufgrund der Abwesenheit der Medici zum Erliegen kam, kehrte Cosimo aus seinem Exil zurück und übernahm wieder die Regentschaft. Durch geschicktes Agieren und eine präzise ausgewählte Kundschaft schuf sich Cosimo ein Netzwerk aus bedeutenden Politikern, Handelsleuten und bis in die höchsten Ränge der katholischen Kirche. Die Tatsache, dass die Medici als die privaten Bankiers des Papstes fungierten, machte sie schnell zu einer angesehenen Bankiersfamilie. Hinter den Kulissen wurde die Politik jener Zeit aber von Intrigen und Skandalen erschüttert. Der Einfluss der Medici, ihr Geschick und ihr ausgeprägter Geschäftssinn ließen Florenz prosperieren und zur Kulturhochburg zweier Jahrhunderte in Europa aufsteigen. Stellvertretend steht hierfür unter anderem die Fertigstellung der Kuppel derSanta Maria del Fiore, die als technische Meisterleistung gilt.
Der Poggi-Plan von 1865 gestaltete Florenz, die neue Hauptstadt Italiens, in der städtebaulichen Entwicklung nach dem Vorbild vonGeorges-Eugène Haussmanns Plänen inParis
Erst im 19. Jahrhundert begann ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung. Florenz wurde das Ziel vonBildungsreisen, denGrands Tours.
Nach demWiener Kongress 1815 kam dasGroßherzogtum Toskana mit der Stadt Florenz wieder an das Haus Habsburg-Lothringen zurück und wurde ein Teil desKaisertums Österreich. Aber 1859 verloren die Österreicher denSardinischen Krieg gegenFrankreich und das Königreich vonSardinien-Piemont. Damit wurde Florenz 1861 Teil desvereinigten Italiens (→ Risorgimento). Aufgrund der italienisch-französischenSeptemberkonvention wurde die Stadt 1865 italienische Hauptstadt und beherbergte so – nachTurin, das bis dahin Hauptstadt gewesen war – das erste Parlament des neuen Staates. Während dieser Zeit wurden in der Stadt ganze Viertel neu gebaut, breite Boulevards nachPariser Vorbild rund um die Altstadt angelegt und auch viele Bauten im Zentrum der Stadt für die repräsentativen Bedürfnisse des noch jungen Staates errichtet. Insgesamt waren die PläneGeorges-Eugène Haussmanns in Paris maßgebend für die allgemeine Neugestaltung der Stadt.[10] Nach italienischer Annexion desKirchenstaats verlor sie diese Würde aber bereits im Februar 1871 an Rom.[11] Im Sommer 1871 zog die Regierung von Florenz nach Rom.[12]
Plan der Stadt aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert
Nachdem die Stadtbevölkerung sich im 19. Jahrhundert verdoppelt hatte, verdreifachte sie sich im 20. Jahrhundert (siehe auchDemografie Italiens) und profitierte stark von Tourismus und derIndustrie; auchFernhandel und Finanzwirtschaft blühten auf.
Nach dernationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland (→NS-Staat) siedelten sich viele deutsche Intellektuelle in und um Florenz an. Nicht alle von ihnen waren Emigranten im klassischen Sinne, sondern verließen Deutschland „nur“, weil ihnen das politische und kulturelle Klima in der Heimat nicht behagte. Das gilt etwa für den Kreis umHans Purrmann, der ab 1935 dieVilla Romana in Florenz leitete.[13] Politisch und rassistisch Verfolgte fanden sich dagegen eher in den Kreisen um den VerlegerKurt Wolff, die SchriftstellerAlfred Neumann undKarl Wolfskehl oder amLandschulheim Florenz. Nach der Verabschiedung deritalienischen Rassengesetze von 1938 waren auch in Florenz und Umgebung viele jüdische Emigranten zur abermaligen Flucht gezwungen oder hatten, wie etwa Karl Wolfskehl, diesen Schritt schon nach dem Hitlerbesuch in Italien im Frühjahr 1938 vollzogen. Noch prekärer wurde die Situation ab September 1943: Nach dem Seitenwechsel Italiens besetzte die Wehrmacht Italien (Fall Achse); es kam zu Razzien und anschließenden Deportationen in dasVernichtungslagerAuschwitz.[14]
Ponte Vecchio und von denNationalsozialisten zerstörte Häuser am Arnoufer, August 1944
Mit dem Herannahen westalliierter Truppen im Sommer 1944 wurde der Schutz der Kunst- und Kulturstadt Florenz von deutscher und alliierter Seite geschickt für eigene Propagandazwecke ausgenutzt. Trotz der vermeintlichen deutschen Verlautbarungen, Florenz zuroffenen Stadt zu erklären und des vonKesselring am 27. Juni 1944 erlassenen Befehls die Stadt zu räumen, befanden sich weiterhin zahlreiche militärische Dienststellen und Truppenteile in der Stadt. Auch die Intervention des KardinalsElia Dalla Costa und des deutschen Konsuls in FlorenzGerhard Wolf bei deutschen Dienststellen, sich eindeutig für den Status der offenen Stadt zu bekennen, blieben ungehört. Von deutscher Seite wurde im Gegenteil weiterhin die Zerstörung ziviler Infrastrukturen wie Eisenbahnanlagen, Umspannwerke, Telefonleitungen vorangetrieben. Aufgrund der unklaren deutschen Haltung weigerten sich die Alliierten ihrerseits, Florenz als offene Stadt anzuerkennen. Am 27. Juli 1944 ließ dasKomitee der nationalen Befreiung derResistenza verkünden, den deutschen Verlautbarungen bezüglich der offenen Stadt nicht zu glauben. Am 30. Juli 1944 wurde auf Befehl des Stadtkommandant Fuchs ein breiter Streifen auf beiden Seiten des Arno geräumt, wovon etwa ein Drittel der Bevölkerung betroffen war. Am Tag darauf wurden alle Brücken über den Arno gesperrt und deren Sprengung mit Ausnahme desPonte Vecchio vorbereitet. In der Nacht vom 3. auf den 4. August 1944 wurden die Brücken gesprengt. Anstelle des Ponte Vecchio sprengten die Deutschen auf beiden Uferseiten die zur Brücke führenden Straßenzüge. Wenige Stunden danach erreichten am 4. August 1944 britische Truppen der8. Armee den südlichen Stadtrand von Florenz. In den folgenden Tagen entwickelte sich in den von den Deutschen gehaltenen Stadtteilen am rechten Arnoufer einHäuserkampf mit demitalienischen Widerstand, während sich die Westalliierten am linken Flussufer abwartend verhielten. Am 12. August setzten die ersten alliierten Einheiten über den Arno. Die Kämpfe mit den langsam abziehenden deutschen Truppen dauerten noch bis Ende August an.[15][16][17][18][19]
Beim landesweitenReferendum am 2. und 3. Juni 1946 über die zukünftige Staatsform Italiens stimmten die Florentiner gegen den Erhalt des Königreichs und für die Republik Italien. Von 1946 bis 1950 regierte eine Koalition aus Sozialisten und Kommunisten die Stadt. Es vollzog sich ein rascher wirtschaftlicher und sozialer Wandel und Aufschwung. Die Jahre bis 1964 waren durch den christlich-sozialen Politiker Giorgio La Pira geprägt, der Bürgermeister von 1950 bis 1956 und wieder von 1960 bis 1964 war. DieÜberschwemmung in Florenz 1966 beschädigte viele Kunstschätze und forderte 34 Menschenleben, wobei die genauen Angaben von den Behörden jahrzehntelang unter Verschluss gehalten wurden.
Bildende KunstFlorenz hat ein großes und bedeutendes künstlerisches Erbe.Cimabue undGiotto, die „Väter“ der italienischen Malerei, lebten in Florenz sowieArnolfo undAndrea Pisano. Weitere bedeutende Pioniere in Architektur und Skulptur waren Brunelleschi, Donatello und Masaccio, allesamt verbrachten sie große Zeit ihres künstlerischen Lebens in Florenz. Auch der UniversalgelehrteLeonardo da Vinci gilt als einer der herausragendsten Denker und Erfinder seiner Zeit. Er verbrachte einen großen Teil seines Lebens in der Stadt.
Die Kunst vieler Maler und Bildhauer wird in den zahlreichen Museen in Florenz ausgestellt, die vor allem in den Sommermonaten ausverkauft sind oder sich Schlangen mit stundenlangen Wartezeiten bilden. Die bekanntesten Museen sind dieUffizien und derPalazzo Pitti, mit einer herausragenden Sammlung.
MusikSeit 1933 findet in Florenz das OpernfestivalMaggio Musicale Fiorentino statt. Mit derOpera di Firenze gibt es ein Opernhaus, ferner ist die Stadt Sitz desOrchestra Regionale Toscana.
RechtIm Jahr 1786 endeten mit Abschaffung vonTodesstrafe undFolter durchPeter Leopold (1765 bis 1790 Großherzog der Toskana) diese Methoden in Florenz. Das Großherzogtum Toskana war damit der erste Staat der Welt, der die Todesstrafe abschaffte.
Die Bevölkerung ist zu etwa 99 % römisch-katholisch, bedingt durch den wichtigen Sitz desErzbischofs und der BischofskircheSanta Maria del Fiore. Das Bistum Florenz bestand bereits zur Zeit des Römischen Reiches und wurde 1419 Erzbistum mit Sitz einesMetropoliten.
Neben dem römisch-katholischen Erzbistum existieren mehrere Kirchen anderer christlicher Glaubensgemeinschaften sowie eineSynagoge und Moschee.
Die Innenstadt von Florenz hat einen großen Bestand von historischen Bauwerken – Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Wohnbauten – aus dem 11. bis 19. Jahrhundert; dominierend sind Bauwerke des 14. und 15. Jahrhunderts. Lücken schlugen vor allem umfassende Gentrifizierungsprojekte („Risanamento“) des 19. Jahrhunderts; sie wurden durch engagierte Bürger derAssociazione per la difesa di Firenze antica gestoppt.
Die Altstadt wurde 1982 in dasUNESCO-Welterbe aufgenommen, wobei es hierzu im Antrag heißt, dass „jede Rechtfertigung hierfür lächerlich und unverfroren“ sei, da sich hier die „weltgrößte Anhäufung universell bekannter Kunstwerke“[20] befinde.
Zentrum der historischen Altstadt ist diePiazza della Signoria. Hier sandten die FlorentinerDante 1301 ins Exil, hier verbrannten sie 1497 auf Aufforderung desGirolamo Savonarola im „Fegefeuer der Eitelkeiten“ Schmuck, Kosmetika, Spiegel, Musikinstrumente und Ähnliches und im darauffolgenden Jahr nach päpstlichem Urteil Savonarola selbst. Auf dem Platz befand sich ursprünglichMichelangelos StatueDavid an der Frontseite desPalazzo Vecchio. Die Statue wurde jedoch mittlerweile durch eine Kopie ersetzt, das Original befindet sich in derAccademia di Belle Arti. Auf dem Platz befindet sich zudemBartolomeo Ammanatis marmornerNeptunbrunnen. Er bildet den Endpunkt eines noch funktionsfähigenAquädukts aus der Antike. Außer dem Palazzo Vecchio liegt dieLoggia dei Lanzi an diesem wichtigsten Platz der Stadt.
Die einzige Brücke, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, ist derPonte Vecchio. Die das erste Mal von denEtruskern gebaute Brücke bekam im 16. Jahrhundert mit demVasari-Korridor einen geschützten Weg von denUffizien bis zum Palazzo Pitti. Sie zeichnet sich heute vor allem durch entlang ihrer beidenBrüstungsverläufe erbaute Schmuckläden aus, deren Baulichkeiten teils über die Brücke hinausragen.
DieBasilica di San Lorenzo stammt in ihrer ersten Version von 390 (vonAmbrosius geweiht) und wurde ab 1421 von Brunelleschi in den Formen der Frührenaissance umgebaut. Auf Grund zwischenzeitlichen Geldmangels ruhten die Bauarbeiten mehrfach. Die Ausführung der Pläne Brunelleschis konnte so erst nach seinem Tode vollendet werden, dennoch blieb die Fassade trotz eines spektakulären Entwurfs Michelangelos von 1518 bis heute unvollendet. An ihren Chor schließt sich zwischen den beiden Sakristeien des Brunelleschi und des Michelangelo dieMedici-Kapelle an, die wie dieseGrablegen der FamilieMedici beherbergt. An einem Kreuzgang südlich der Kirche liegt dieBiblioteca Medicea Laurenziana, gleichfalls nach Plänen des Michelangelo geschaffen.
DerPalazzo Pitti, gegenüber der Piazza della Signoria jenseits des Arno gelegen, beherbergt heute die ehemalige Privatsammlung der Medici. Angeschlossen an den Palast ist derBoboli-Garten mit eindrucksvoller Landschaftsgestaltung und vielen Skulpturen, dahinter dasBelvedere, das einen Blick über die Stadt erlaubt.
Unter den mittelalterlichen Palästen erwähnenswert sind ferner:
DieUffizien auf der Südseite des Palazzo Vecchio, bis hin zum Arnoufer, die unter der Herrschaft der Medici als Verwaltungsgebäude für das Großherzogtum Toskana entstanden, beherbergen eines der weltweit bedeutendsten Museen für klassische und frühmoderne Kunst, insbesondere der italienischen Malerei, vonDuccio bisCaravaggio.
DerAccademia di Belle Arti unterstellt und im gleichen Häuserblock an der Piazza delle Belle Arti gelegen sind das KunstmuseumGalleria dell’Accademia (Via Ricasoli 58/60) und das Museum der renommierten florentinischen RestaurierungswerkstättenOpificio delle Pietre Dure (Via degli Alfani 78).
DerPalazzo Pitti, jenseits des Arno gelegen, beherbergt die ehemalige Privatsammlung der Medici, mit einem umfassenden Konvolut aus der Zeit der Renaissance, darunter Gemälde vonRaffael.
In demHaus der ehemaligen Dombauhütte sind heute eine bedeutende Skulpturensammlung mit Werken vonArnolfo di Cambio,Tino di Camaino, Donatello,Luca della Robbia u. a. Gezeigt werden zahlreiche Ausstattungsstücke des Doms und des Baptisteriums, sowie das gesamte Skulpturenprogramm desCampanile. Nach annähernd dreijähriger Bauzeit und Kosten von fast fünfzig Millionen Euro wurde im November 2015 das neue Museum, unter der Leitung von Timothy Verdon, eröffnet. Durch Nutzung des angrenzenden ehemaligenTeatro degli Intrepidi („Theater der Furchtlosen“) konnte die Ausstellungsfläche auf 6000 Quadratmeter erweitert werden und in einem neuen hohen Saal die erste Fassade schematisch rekonstruiert und mit den originalen Skulpturen ausgestattet werden. Der zurückgenommenen Ausstellungsarchitektur gegenüber sind alle drei originalen Portaltüren des Baptisteriums hinter Glas konserviert, darüber auch die entsprechenden Skulpturengruppen.
Giardino Bardini, unweit des Boboli-Gartens und des Forte Belvedere
Giardino delle Rose, unterhalb der Piazzale Michelangelo in westlicher Richtung in der Viale Giuseppe Poggi
Giardino dell’Iris, ebenfalls in der Nähe des Piazzale Michelangelo, jedoch nur im Mai öffentlich zugänglich.
Parco delle Cascine, besser bekannt unter dem NamenLe Cascine, ist der größte öffentliche Park von Florenz (160 Hektar). Er hat die Form eines flachen Streifens von fast 3,5 Kilometern Länge und nur 640 Metern Breite, der sich am rechten Ufer des Arno vom Stadtzentrum westlich bis zur Einmündung des FlussesMugnone erstreckt.
Der Hauptwirtschaftszweig von Florenz ist der Fremdenverkehr. In den Sommermonaten liegt die Zahl der Touristen deutlich über der der Florentiner. Die großen Museen der Stadt sind regelmäßig ausverkauft.
Florenz beherbergt das Hauptquartier derHaute-couture-FirmaGucci, das damit eines der wenigen italienischen Modehäuser ist, das nicht in Mailand ansässig ist. Bedeutende Zweigstellen in Florenz oder der näheren Umgebung betreiben darüber hinaus auchPrada,Pucci,Ferragamo undRoberto Cavalli.
Im Jahr 2008 stand die Stadt bezüglich des Durchschnittseinkommens auf Platz 17 von 119 italienischen Städten.[23]
Als Handelsstadt profitiert Florenz als größte Stadt der Toskana und kann so einen umfangreichenWeinhandel beherbergen.
Kulinarisch ist Florenz auch für die Produktion vonCantuccini bekannt.
Im Nordwesten von Florenz liegt der kleine internationaleFlughafen Amerigo Vespucci, der unter anderem vonITA Airways undLufthansa angeflogen wird. Der Flughafen wird durch Buslinien und eine im Jahr 2019 eröffnete Straßenbahnlinie bedient. Die Linie 2 derStraßenbahn Florenz verbindet seit Februar 2019 den Flughafen mit dem Hauptbahnhof und der historischen Altstadt. Die Fahrtzeit zum Hauptbahnhof beträgt ca. 20 Minuten.[24]
Florenz liegt an den AutobahnenE45–A1 (Mailand–Rom) undA11 (Pisa–Florenz). Hinzu kommen verschiedene Schnellstraßen.
Außerdem ist Florenz seit 1928 Knotenpunkt für Staatsstraßen: die von Rom kommende und endendeSS2, die nach Bologna führendeSS65, die nach Piteglio-La Lima führendeSS66 und die die Stadt durchquerendeSS67 Pisa–Porto Corsini.
In der historischen Altstadt herrscht für auswärtige PKW und Mietwagen – außer für Anwohner und an Feiertagen – ein striktes Einfahrverbot (Zone mit beschränktem Verkehr,zona a traffico limitato, kurz ZTL). An den Einfahrten in die Verkehrszone überprüfen Überwachungskameras – ähnlich wie in London – in Echtzeit anhand des Kennzeichens, ob eine Einfahrtsgenehmigung vorliegt oder nicht. Einfahrten ohne Genehmigung werden sofort mit hohen Geldstrafen geahndet.[25]
Die erste Linie derStraßenbahn Florenz verbindet den HauptbahnhofFirenze S.M.N. mit der NachbarstadtScandicci. Sie wurde am 14. Februar 2010 in Betrieb genommen und hat auf einer Länge von 7,8 Kilometern 14 Stationen.[26] Die Stadt rechnete vor der Inbetriebnahme mit etwa 9,8 Millionen Fahrgästen im Jahr.[26] Sie wird im Rahmen einer nach einer Ausschreibung zugeteilten Konzession mit einer Laufzeit von 30 Jahren vonRATP Dev, einer Filiale des Betreibers der Pariser MetroRATP betrieben und gewartet.[26]
In Florenz befindet sich der Sitz der italienischen Lega Italiana Calcio Professionistico, besser bekannt als Lega Pro, welche die Meisterschaft der Serie C, den Coppa Italia Serie C, den Supercoppa di Serie C, den Campionato nazionale Dante Berretti und ab 2018 den Supercoppa Dante Berretti der dritten Profiliga des italienischen Fußballs organisiert. Bis 2014 organisierte der Verband auch die Lega Pro Seconda Divisione und den Supercoppa di Lega di Seconda Divisione.
Im Bezirk Coverciano befindet sich das nationale Trainings- und Leistungszentrum deritalienischen Fußballnationalmannschaft. Dort trainiert die italienische Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die offiziellen Spiele der Weltmeisterschaften und Europameisterschaften.[27]
Eine besondere Tradition ist dasCalcio Storico (historischer Fußball), auch Calcio Fiorentino genannt, ist eine frühe Mischform aus Fußball, Kampfsport und Rugby, die im Italien des 16. Jahrhunderts ihren Ursprung hatte und heute nur in Florenz gespielt wird.[28] Einst weit verbreitet, soll der Sport auf der Piazza Santa Croce in Florenz begonnen haben. Dort wurde es alsgiuoco del calcio fiorentino, das florentinische Kickspiel, bekannt. Das Spiel könnte als eine Wiederbelebung des griechisch-römischen SportsHarpaston begonnen haben.
Florenz diente bereits öfters als Etappenort desGiro d’Italia, dem größten Radrennen Italiens, und wurde bereits bei der Erstaustragung im Jahr1909 angefahren.[29] In den Jahren1965 und1989 ging die Rundfahrt in Florenz zu Ende.[30][31] BeimGiro d’Italia 1979 diente Florenz als Startort der 62. Austragung.[32]
Mit derTour de France 2024 startete das größte Radrennen der Welt in Florenz. Die italienische Stadt hielt dabei den 26. Auslandsstart desEtappenrennens ab.[34] DerGrand Départ erfolgte somit erstmals in Italien.[35]
Irina Chernetsky:The mythological origins of Renaissance Florence: the city as New Athens, Rome, and Jerusalem. Cambridge University Press, Cambridge 2022. – Rezension von Susanna De Beer,Bryn Mawr Classical Review2023.10.41
↑Carl Eduard Vehse:Die Weltgeschichte aus dem Standpunkte der Cultur und der nationalen Charakteristik. 41 Vorlesungen im Winterhalbjahr 1841/42 zu Dresden gehalten, Band I, Walthersche Buchhandlung, Dresden, 1842, S. 412. Adolf Beer:Über die fortschreitende Entwicklung der geschichtlichen Studien im Königreich Neapel von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart. In: Heinrich von Sybel:Historische Zeitschrift, Sechster Band. Cotta’sche Buchhandlung, München, 1861, S. 326. Franz Grillparzer:Gesammelte Werke. Band 5, R. M. Rohrer, 1949, S. 327.
↑Gazzetta Ufficiale del Regno d’Italia, Jg. 1871, Nr. 35 vom 4. Februar 1871: Gesetz Nr. 33, Art. 1: „La città di Roma è la capitale del Regno.“
↑Rudolf Lill:Geschichte Italiens vom 16. Jahrhundert bis zu den Anfängen des Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980,ISBN 3-534-06746-0, S. 195.
↑Klaus Voigt:Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933–1945. Band 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1989, S. 88 ff.,ISBN 3-608-91487-0.
↑Klaus Voigt:Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933–1945. Band 2. Klett-Cotta, Stuttgart 1993, S. 345 ff.,ISBN 3-608-91160-X.
↑Luca Moreno:Storia della Città di Firenze dal 59 a.C. al 2010. Bordighera, 2012 S. 252–254
↑Enzo Collotti:L’occupazione tedesca in Toscana. In: Marco Palla (Hrsg.):Storia della Resistenza in Toscana. Volome primo. Carocci editore, Rom 2006,ISBN 88-430-3681-5, S. 143–146
↑David Tutaev:Der Konsul von Florenz: Die Rettung einer Stadt. Econ, Düsseldorf-Wien 1967
↑Michael Lingohr:Der Florentiner Palastbau der Hochrenaissance. Der Palazzo Bartolini Salimbeni in seinem historischen und architekturgeschichtlichen Kontext. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1997,ISBN 978-3-88462-137-0