Er wird auch definiert als ein „Merkmalswert, der die vorgegebenen Forderungen nicht erfüllt“ und als „Nichterfüllung einer Anforderung“;[1] dabei wird die Anforderung definiert als „Erfordernis oder Erwartung, das oder die festgelegt, üblicherweise vorausgesetzt oder verpflichtend ist“.
Anzeige eines Fehlers? Ob eine Uhr außer Betrieb ist oder welche falsch anzeigt, ist auf dem Foto nicht entscheidbar.Beispiel für ein fehlerhaftes Formular (fehlender vordefinierter Raum für die Angabe des Kalenderdatums) und für fehlerhafte Befüllung des Formulars (der Unterstrich vor „den“ ist eigentlich für den Ort der Ausstellung gedacht)
Um einen Zustand oder ein Ergebnis als Fehler zu erkennen, muss eine Bewertung erfolgen. Dazu wird eine Definition benötigt, wie der beabsichtigte Zustand, das erwartete Ergebnis oder das gewünschte Verhalten aussehen soll. Außerdem kann eine zulässige Abweichung vom fehlerfreien Soll zum Ist definiert werden. Wenn der Ist-Zustand oder das Ist-Ergebnis vom Soll abweicht, so kann dies als Fehler bewertet werden.Um einen Fehler festzustellen, ist also immer eine Beschreibung der Erwartung erforderlich, mit der eine Bewertung des tatsächlichen Ergebnisses vorgenommen wird.
Als Beschreibung der Erwartung kommen beispielsweise Normen in Frage. Normen sindrechtliche,soziale,sprachliche odertechnische Vorgaben oder der inArbeitsanweisungen geregelteArbeitsablauf. Wird hiervon abgewichen, handelt es sich um einen Fehler. Diese Normen müssen vorher feststehen und den Beteiligten bekannt sein, sonst liegen keine fehlerhaften Normabweichungen vor. Werden sie eingehalten, bestehtKonformität mit Normen oder Regeln; Abweichungen hiervon sind als Fehler nachweisbar. Fehler betreffen nicht nurHandlungen wieKunstfehler oderGussfehler, sondern auch Zustände wieHerzfehler oderMaterialfehler. Fehler ist auch das, was einerSache bzw. einerGegebenheit fehlt, etwa eine fehlendeRohrleitung oder fehlendeInformationen. Der Fehler steht jedoch auch für die Abweichung eines gemessenen Wertes vomwahren Wert oder von derFehlertoleranz.George A. Miller definierte Fehler deshalb im Jahre 1960 als alle Abweichungen des Ist-Zustandes vom Soll-Zustand.[2] Der Ist-Zustand, etwa das tatsächlich erzielteArbeitsergebnis, wird mit dem Soll-Zustand (hier dieArbeitsaufgabe) verglichen. Deshalb kann ein Fehler auch dadurch aufgedeckt werden, dass eineHandlung oder einMessergebnis nachträglich einerBeurteilung unterzogen wird. Hierbei kann es wiederum zuBeurteilungsfehlern kommen.
Die Worte „Fehler“, „fehl“, „fehlen“ oder „falsch“ wurzeln auf Betrug/Täuschung (lateinischfalla -Substantiv- oderlateinischfallere -Verb-).[5]Hermann Weimer wies bereits 1925 darauf hin, dass „bei weitem nicht alles, was falsch ist, ein Fehler“ sein muss.[6][7]
Informationsverarbeitung: Wahrnehmungsverzerrungen entstehen bei der Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung durch denEntscheidungsträger. Aufgrund einer (physiologisch bedingten) begrenzten Aufnahme- und Verarbeitungskapazität können aus quantitativen Gründen nicht alleReize wahrgenommen werden, denen ein Entscheidungsträger ausgesetzt ist. Die nicht wahrgenommenen Reize stellen einenWahrnehmungsfehler dar.
Diese externen (Umfeld) und internen Fehlerquellen können isoliert oder auch kombiniert auftreten.
In derFehleranalyse gab es viele Versuche, die Fehlerarten zu systematisieren. So gibt es die Einteilung in
strukturelles/mechanisches/sonstiges Versagen,
Informationsfehler, Diagnosefehler, Zielfehler, Strategiefehler, Prozedurfehler und Ausführungsfehler.[9]
James Reason klassifizierte 1990 menschliche Fehler nachunbeabsichtigt (Aufmerksamkeitsfehler),vergesslich (Gedächtnisfehler),fehlerhaft (regelbasierte Fehler) undbeabsichtigt (Verstoß gegen Routine, Ausnahmeverstoß, Sabotage).[10]
Außerdem kann man Fehler in systematische und zufällige einteilen:
Einsystematischer Fehler liegt vor, wenn Normen oder Messgeräte falsch oder ungenau sind und die – eigentlich objektiv richtigen – Arbeitsergebnisse hiervon abweichen. Ist beispielsweise eineWaage falschjustiert, können die Gewichte der gewogenen Gegenstände nicht genau bestimmt werden. Diese Fehler entstehen durch gesetzmäßige Zusammenhänge einerHandlung, die auf fehlerhafte Normen trifft. DieFehlerhäufigkeit liegt hierbei sehr hoch, im Extremfall bei 100 %. Die Fehlerbehebung setzt bei der übergeordneten Fehlerquelle an und führt zur Beseitigung einer Vielzahl von fehlerhaften Messungen.
Ein zufälliger Fehler tritt ohne gesetzmäßigen Zusammenhang durchZufall auf und beruht auf dem Fehlverhalten durchmenschliche Fehler,technische Defekte oder maschinelle Fehlfunktionen. Um letztere handelt es sich, wennMaschinen oder sonstigeApparate nicht aufgabenkonformfunktionieren. Die Fehlerhäufigkeit ist bei zufälligen Fehlerntendenziell wesentlich geringer als bei systematischen Fehlern. Die Fehlerbehebung ist dagegen schwieriger als bei systematischen Fehlern, weil jedes einzelne Fehlerobjekt eine andere Fehlerursache haben kann.
Verkettungen von Fehlern in einem Zusammenhang werdenFehlerkette genannt; sie können zu einem Zusammenbruch ganzer Systeme führen,[11] z. B.Flugzeugabsturz oder weiträumigerStromausfall.
Nebenfehler beeinträchtigen die Funktion gering oder sindSchönheitsfehler.
Kardinalfehler sind grundlegende oder schwerwiegende Fehler.[13]
Die Folgen eines Fehlers sind in der Regel unerwünscht. Daher werden Fehler häufig – aber nicht ausschließlich – nach der Schwere derFehlerauswirkungen klassifiziert. Nach dem Fehlerausmaß unterscheidet man zwischen
Entscheidend für die Fehlererkennung ist, wer die Fehler entdeckt, entweder der Handelnde selbst oder ob Fehler erst bei derKontrolle auffallen.Lediglich 20–30 % der Fehlerarten sind nach derPareto-Verteilung für 70–80 % aller Fehler verantwortlich.[14]
In einzelnenFachgebieten gibt es andere Fehlerarten, wie etwa in derPädagogik oderMathematik. Die Pädagogik kenntReproduktionsfehler (mangelnder Abruf gelernter Inhalte),Verständnisfehler (Verständnisschwierigkeiten),Anwendungsfehler (mangelnde Anwendung von vorhandenem Wissen in neuen Situationen) oderKommunikationsfehler (Missverständnisse). Dienumerische Mathematik definiert den Fehler anders als die Umgangssprache. Danach liegt ein Fehler vor, wenn durch den Verstoß gegenRechenregeln, die Verwendung von falschenGleichungen oder eine falsche mathematischeSchlussfolgerung ein unbrauchbares Ergebnis entsteht. Auch die Abweichung einesNäherungswerts von einem – meist unbekannten –wahren Wert ist ein Fehler.[15]
Ein ärztlicherBehandlungsfehler wird vermutet, wenn sich ein allgemeines Behandlungsrisiko verwirklicht hat, das für den Behandelnden voll beherrschbar war und das zur Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit desPatienten geführt hat (§ 630h Abs. 1BGB). Alleberatungsintensiven Berufe beinhalten das Risiko derFalschberatung. DerReiseveranstalter ist verpflichtet, dieReise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach demReisevertrag vorausgesetzten Nutzen aufheben oder mindern (§ 651c Abs. 1 BGB).
EinProdukt hat einen Fehler, wenn es nicht dieSicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere seiner Darbietung, des Gebrauchs, mit dem billigerweise gerechnet werden kann oder des Zeitpunkts, in dem es in den Verkehr gebracht wurde, berechtigterweise erwartet werden kann (§ 3 Abs. 1ProdHaftG). Wird durch den Fehler eines Produkts jemand getötet, sein Körper oder seine Gesundheit verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derHersteller des Produkts verpflichtet, dem Geschädigten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen (§ 1 Abs. 1 ProdHaftG).
EinVerwaltungsakt istnichtig, soweit er an einem besonders schwerwiegenden Fehler leidet und dies bei verständiger Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände offensichtlich ist (§ 44 Abs. 1VwVfG). Ein schwerwiegender Fehler macht den Verwaltungsakt schlechterdings unerträglich, ihn also „mit tragenden Verfassungsprinzipien oder der Rechtsordnung immanenten wesentlichen Wertvorstellungen unvereinbar erscheinen lässt [...]. Die an eine ordnungsgemäße Verwaltung zu stellenden Anforderungen müssen in einem so erheblichen Maße verletzt sein, dass von niemanden erwartet werden kann, den Verwaltungsakt als verbindlich anzuerkennen“.[18] Zu unterscheiden ist der bloß unrichtige, der rechtswidrige und derunwirksame Verwaltungsakt. Unrichtige Verwaltungsakte beinhalten die in§ 42 VwVfgG aufgezählten Fehler (Schreibfehler, Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten).
EineStraftat ist gekennzeichnet durch dieTatbestandmäßigkeit,Rechtswidrigkeit undSchuld. Der Kern des Schuldvorwurfs besteht darin, dass derTäter rechtswidrig gehandelt hat, obwohl er seinenAnlagen und Umständen entsprechend fähig war, normgemäß zu handeln.[19] Erfüllt er mithin durch sein schuldhaftes Fehlverhalten eine bestimmte Strafnorm, so droht ihm Strafe.
Beispiel für eine harmloseMutation, die bei der betroffeneTulpe zu einer farblichen Abweichung geführt hat
Genetisch betrachtet werden Fehler, die bei derTranskription entstehen, alsMutationen bezeichnet. Als Ursache für diese Veränderungen können unterschiedlicheMutagene in Frage kommen, welche die Wahrscheinlichkeit einesDNA-Schadens steigen lassen. Nicht nur bei der Transkription, sondern auch bei derTranslation kann es zu Fehlern kommen, die zur Veränderung desErscheinungsbildes oder dergenetischen Ausstattung eines Lebewesens führen können. Im ungünstigsten Fall führt die Veränderung zu schweren Beeinträchtigungen oderFehlbildungen.[20] Dennoch werden diese Fehler in der Biologie nicht nur als negativ betrachtet, da sie auch Eigenschaften hervorbringen können, welche die Anpassung einesOrganismus begünstigen können. Diese Mutationen können so zu einemevolutionären Vorteil werden (siehe hierzu:Selektion)[21]. Im Labor können Mutationen darüber hinaus unter kontrollierten Bedingungen gezielt herbeigeführt werden. In derPflanzenzüchtung wird hierfür oftStrahlung (z. B.Röntgen- oderNeutronenstrahlung) verwendet, durch deren Einsatz sich die Häufigkeit der auftretenden Mutationen signifikant erhöht.
Fehler und ihre Folgen können auch durch Fehlfunktionen wietechnische Defekte verursacht werden. In diesem Fall wird der Fehler nicht durch Menschen verursacht, die ein System oder ein Gerät benutzen und bedienen, sondern sie entstehen bei Produktion und/oder Konstruktion (Konstruktionsfehler). Vielfach sind technische Fehler deshalb im weiteren Sinne wiederum auf menschliche Fehler in derKonstruktionsphase oder imProduktionsprozess zurückzuführen. DieFehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) versucht alle möglichen Fehler, die Fehlerfolgen und möglichen Fehlerverkettungen systematisch zu erkennen und zu bewerten, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die digitaleDatenübertragung verwendetFehlerkorrekturverfahren.
Dieklassische Physik setzt für die verwendetenphysikalische Größen eindeutigewahre Werte voraus. Ziel derMesstechnik ist es, die Werte dieser Größen mit abschätzbarer Annäherung zu ermitteln. In aller Regel verbleibt aber eine Abweichung von dem Wert, der mit der Definition der betrachteten speziellen Größe übereinstimmt. Die Bezeichnung jeder Art von Messabweichung alsFehler geht aufCarl Friedrich Gauß zurück und wurde bis in das Jahr 1983 beibehalten.[22]
Im Sinne der Definition des Begriffs Fehler als „Nichterfüllung einer Anforderung“ gilt die Bezeichnung Fehler (seit 1983) nur für unzulässige Realisierungen, wie sie durch technische Unzulänglichkeiten einer Messeinrichtung oder einer Maßverkörperung entstehen können.[23] Nur „grobe“ Messabweichungen, die von falscher Handhabung oder offensichtlichen Mängeln der Messgeräte herrühren, können korrekt alsMessfehler bezeichnet werden.[24]
Auch beizulässigen Realisierungen, bei denen nichts Regelwidriges eingesetzt oder Defektes verwendet wird, wird nicht der wahre Wert gemessen. Die Abweichungen eines solchen Messwertes vom wahren Wert sind aber keine Fehler im Sinnedieses Begriffs. Zur Unterscheidung ist nach zehnjähriger Diskussion[22] die Sprachbildung in der deutschsprachigenNormung, insbesondere in der Grundlagennorm zur MesstechnikDIN 1319, auf die BezeichnungMessabweichung umgestellt worden mit einer Bedeutung, die im zugehörigen Hauptartikel behandelt wird. Im Sprachgebrauch wird vielfach diese Messabweichung gemeint, wenn von Messfehler geredet wird. Aber selbst international ist festgelegt: „Messabweichung sollte nicht mit Fehler verwechselt werden.“[25]
Fehlerhaften Dateninput (z. B. falsche Bedienung oder andere Anwendungsfehler): Ein Programm kann nur bei korrektem Input auch ein korrektesOutput liefern. Neben dieser Kernfunktion, welche oft demEVA-Prinzip folgt, muss ein robustes Programm aber auch alle voraussehbaren Fehleingaben behandeln. Dabei sollen dem Anwender sachdienliche, möglichst eindeutige, für den Anwender verständliche Hinweise in Form vonFehlermeldungen dazu gegeben werden, was er falsch macht bzw. wo die Ursache der Fehleingabe liegt. Diese Fehlermeldungen können optisch auf dem Bildschirm, (zusätzlich) akustisch oder fortlaufend in einem gleichzeitig fortlaufendenFehlerprotokoll erfolgen.
DieLinguistik versteht unter Fehler die Abweichung von einer verbindlichenSprachregel und unterscheidetKompetenzfehler als grundsätzliche Unsicherheit oderWissenslücke;Performanzfehler dagegen zeigen ein Scheitern an Umsetzungsschwierigkeiten.Sichtbare Fehler sind äußerlich erkennbar,verdeckte Fehler bleiben zunächst verborgen;produktiver Fehler ist ein durch eigenes Sprechen wahrnehmbarer Fehler,rezeptiver Fehler dagegen ein Hörfehler.[26] DieFehlerlinguistik untersucht Fehler beim Sprechen und Lesen.
Bei einemSpiel oder imSport ist ein Fehler einSpielzug oder eine Handlung, die normalerweise eineNiederlage oder eine Minderung desGewinns verursacht. Ein Fehler kann spielentscheidend sein, aber oft auch durch andere Handlungen ausgeglichen werden. DerSchach-GroßmeisterSavielly Tartakower behauptet in seinenTartakowerismen: „Die Existenz des Schachspiels wird allein durch die Existenz von Fehlern gerechtfertigt“.[27]
Unter Fehleranalyse wird eine systematische, rigorose, objektive Untersuchung des Sachverhaltes, des Entscheidungsprozesses, der Aktion, der Handlung und der übrigen Umstände verstanden, die zu einem „nicht erwünschten Ereignis“ geführt haben.[28] Sie ist die Methode, die Ursachen der Fehler zu eruieren, und dies möglichst sorgfältig, um sie in der Zukunft zu vermeiden. DurchFehlerdiagnose undFehler-Ursachen-Analyse werden entstandene Fehler statistisch erfasst, Fehlerquellen systematisiert und im Rahmen einerFehlerquote dargestellt. DasFehlermanagement hat für die Aufdeckung und Behebung vonSchwachstellen zu sorgen, wodurch künftige Fehlerpotenziale verringert oder völlig ausgeschlossen werden können. DieFehlerbereinigung trägt zur Beseitigung aufgetretener Fehler bei. EineFehlerkultur schließlich soll zum richtigen Umgang mit Fehlern sorgen. Dabei spielt dasLernen aus Fehlern eine wichtige Rolle. Es konzentriert sich auf die Fehlerursachen und entwickelt imQualitätsmanagement Strategien zur Fehlervermeidung. Der Umgang mit Fehlern ist ein wesentliches Merkmal einer nachhaltigen Betriebsführung und damit wirtschaftlichen Erfolges.[29]
Durch eine detektiveKontrolle sollen entstandene Fehler aufgedeckt werden. Sie kann im Hinblick auf den Kontrollumfang alsStichprobenkontrolle oder Totalkontrolle durchgeführt werden. Ist sie in einzelneAblaufabschnitte einesArbeitsprozesses integriert, kann sie Fehlerketten verhindern. Die Ergebnisse systematischer Kontrollen können zur Fehleranalyse beitragen, die zur Fehlerprävention genutzt werden kann.
ImControlling unterscheidet man bei der Analyse von Abweichungsursachen drei Fehlerarten:
Planungsfehler: hier wird die Umweltsituation falsch beschrieben. Dies kann durch falsche Annahmen vonMarktentwicklungen, falsche Annahmen überKosten- oderErtragsfunktionen oder ähnliches beruhen.
Realisationsfehler: dies kann durch unbeabsichtigtes Fehlverhalten aber auch durch beabsichtigtes(Prinzipal-Agent-Theorie) entstehen.
Auswertungsfehler durch Messfehler,Fehlbuchungen, falsche Interpretationen oder ähnlich verursachte Fehler.
Ziel beider Arten ist es, entdeckte Fehler zu bereinigen, aber aus Fehlern künftig zu lernen.
Die Fehlerforschung ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit der Erforschung vonDenk-,Planungs- und Handlungsfehlern befasst. Als ersterPsychologe versuchteJames Sully bereits im Jahre 1881, Wahrnehmungsfehler und Erinnerungsfehler (bzw. Illusionen) zu klassifizieren[30] und kognitive Erklärungsprinzipien dafür zu finden.[31] BereitsSigmund Freud trug mit den von ihm geprägten BegriffenFehlleistung (1901)[32] undFehlhandlung (1935)[33] zur Fehlerforschung bei. Fehlleistungen sind demnach dasVersprechen,Vergessen,Verschreiben,Verhören,Verlieren, Vergreifen oder Verlegen bei Gegenständen. Typische Fehlhandlungen etwa der Küchenarbeit sind Begießen, Bespritzen oder Beflecken. Fehlleistungen und Fehlhandlungen sind Leistungen oder Handlungen, die unter dem Einfluss unbewusster Konflikte als Störfaktoren das ursprünglich beabsichtigte Ziel verfehlen oder doch nur in entstellter Weise erreichen, und dabei unbewusstenWünschen zum Durchbruch verhelfen.[34] Die Fehlerkunde und Fehlerforschung brachte 1926Hermann Weimer mit seinen fehlerkundlichen und fehlerpsychologischen Schriften in den Mittelpunkt. Der Umgang mit Fehlern und dasLernen aus Fehlern werden beimLernen durch Einsicht, Lernen durchVersuch und Irrtum und demProblemlösen thematisiert.
In der Betriebswirtschaft werden Fehler und der Umgang mit ihnen etwa zum Zweck der Effizienzsteigerung untersucht. Hier zeigt sich nach dem Jahrtausendwechsel auch ein zunehmendes wissenschaftliches Interesse an der Fehler- bzw.Fehlermanagementkultur. Hinter letzterem steht der Grundsatz, dass eine Fehlerprävention nicht immer zu realisieren ist und es daher Strategien für den Umgang mit ihnen braucht. In empirischen Studien konnte ein positiver Effekt des Fehlermanagement-Ansatzes für das Lernen von Gründern,[35] für die Profitabilität von Firmen,[36] für die Innovativität in Unternehmen[37] sowie für die Qualität von Dienstleistungen[38] gezeigt werden.
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Philip B. Crosby:Quality is free: the art of making quality certain. McGraw-Hill, New York 1979,ISBN 0-07-014512-1.
John Taylor:Introduction to Error analysis: The Study of Uncertainties in Physical Measurements. (dt. „Fehleranalyse“). 2. Auflage. Univ. Science Books, 1997,ISBN 0-935702-75-X. (auf dem Titel des Buchs ist ein Foto vomEisenbahnunfall am Gare Montparnasse 1895)
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