DasFaksimile (lat.fac simile „mache es ähnlich“; Plural:Faksimiles oderFacsimilia) ist eine originalgetreueNachbildung oderReproduktion einerVorlage, häufig im Falle historisch wertvoller gedruckter oder handschriftlich erstellterDokumente. Früher kamen überwiegend drucktechnische Verfahren wie dielithografische Reproduktion oder deranastatische Druck, heute vor allem fotografische Verfahren zur Anwendung. Ein gutes Faksimile entspricht der Vorlage in Größe,Farbe und Erhaltungszustand. Handwerklich werden Faksimiles in Stichdruckverfahren wieHolzstich gearbeitet. Der technisch aufwendige rasterloseLichtdruck ergab früher die besten Ergebnisse, wird jedoch heute kaum mehr angewendet, nachdem sich digitale Reproduktionstechniken durchgesetzt haben.
Aufgrund des hohen Aufwandes bei der Herstellung (die häufig auch eine Nachbildung des originalenEinbandes umfasst) sind Faksimiles verhältnismäßig teuer. Daher stellen manche Verlage neben dem vollständigen und originalgetreuen Faksimile eines bestimmten Originals auch verkleinerte oder anderweitig vereinfachte Varianten her. Auch Teil-Faksimiles, die etwa nurIllustrationen wiedergeben, sind üblich. Sie werden dann zu günstigeren Preisen, z. B. alsStudienausgabe, angeboten.
Gedruckte Faksimiles waren in früherer Zeit die einzige Möglichkeit, kostbare Handschriften originalgetreu der Forschung zugänglich zu machen, so dass sie von Bibliotheken und Forschungsinstituten erworben wurden. Heute wird dies zunehmend durchDigitalisierung geleistet, so dass Faksimiles eher im Kreis von Liebhabern und Sammlern ihren Absatz finden, zumal Bibliotheken oder Archive meist nicht mehr über die Mittel verfügen, die den Ankauf von Faksimiles ermöglichen würden. Allerdings bieten Faksimiles die Möglichkeit, Handschriften, die in späterer Zeit zerteilt wurden und heute auf verschiedene Standorte verteilt sind (wie etwa dasLorscher Evangeliar), zumindest in der Nachbildung originalgetreu wieder zusammenzufügen.[1]
Der Begriff Faksimile wird darüber hinaus als Bezeichnung für die elektronischen Abbilder von Dokumenten benutzt, die inDokumentenmanagement-,Archiv- oderEnterprise-Content-Management-Systemeneingescannt worden sind. Der BegriffFax für eine Fax-Übermittlung leitet sich ebenfalls von Faksimile ab.
Eine Abbildung des reinen Textes im nicht originalgetreuenLayout bezeichnet man hingegen alsNachdruck.
Falls dasOriginal verloren ging oder zuwertvoll ist, um ausgestellt zu werden, bietet das Faksimile die Möglichkeit, ein historisch bedeutendes Dokument derÖffentlichkeit und derForschung zugänglich zu machen. Dies betrifft beispielsweise mittelalterliche Handschriften mitBuchmalereien, seltener auchUrkunden oderManuskripte literarischer Texte.Dabei streben die darauf spezialisierten Buchdruckereien den maximal möglichen Perfektionsgrad an, um das Faksimile dem Original so ähnlich wie möglich zu machen. Nicht nur der Einsatz von altem Handwerkszeug und alten Techniken sorgt für eine möglichst originalgetreue Nachbildung, sondern auch modernste Scan- und Fototechnik wird dafür angewandt. So stellen diese Bücher damals wie heute ein Zeichen der Fertigungskünste ihrer Zeit dar. Bei Handschriften, die einen kostbaren Einband besitzen, wird oft auch versucht, diesen möglichst originalgetreu nachzubilden, etwa werdenAbgüsse von geschnitztenReliefs ausElfenbein oder Nachbildungen vonGoldschmiedearbeiten auf dem Einband montiert.
Den Faksimiles sind meist wissenschaftliche Kommentarbände mit Erläuterungen beigegeben, die über Geschichte und Bedeutung des Originals informieren.
Faksimiles von seltenenBriefmarken Guatemalas, mit vorderseitiger Kennzeichnung „Facsimile“
In derPhilatelie bezeichnet man Nachahmungen seltenerBriefmarken von privater Seite als Faksimile. Diese Nachahmung muss jedoch vom Original abweichen, da es sich sonst um illegaleFälschungen handeln würde. Eine einfache rückseitige Kennzeichnung als Faksimile reicht dafür nicht aus. Die Abweichung kann beim verwendetenBriefmarkenpapier, in der Farbe, in derPerforierung oder beimDruckverfahren stattfinden. Ein Faksimile ist eine dem Original nur ähnliche Briefmarke.
Findet die Herstellung von Faksimiles von Briefmarken in staatlichem Auftrag statt, nennt man diesNachdruck. Diese werden nicht mit dem Originaldruckstock hergestellt. Briefmarken, die nach Ablauf ihrerFrankaturgültigkeit mit den Originaldruckstöcken oder Druckplatten hergestellt werden, bezeichnet derPhilatelist alsNeudrucke.
Bevorzugte Faksimile-Techniken sind Holzstich, Lichtdruck und fotomechanischer Nachdruck. MittelsRetrodigitalisierung werden zunehmend Faksimiles in elektronischer Form erstellt. DieGranolithographie liefert besonders gute Ergebnisse.
Als Faksimile-Unterschrift wird eineUnterschrift bezeichnet, welche aufgedruckt wird. Oft soll damit beim Leser der Eindruck erweckt werden, der Absender hätte persönlich unterzeichnet, etwa bei Werbeschreiben. Ob Faksimile-Unterschriftenrechtsgültig sind, hängt von der Rechtsordnung des Landes sowie von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab.[2]
Lisa Rieger: Faksimileausgabe. In:KONDE Weißbuch. Hrsg. von Helmut W. Klug unter Mitarbeit von Selina Galka und Elisabeth Steiner im HRSM Projekt„Kompetenznetzwerk Digitale Edition“.
Christine Jakobi-Mirwald:Das mittelalterliche Buch – Funktion und Anwendung. Reclam, Stuttgart 2004,ISBN 3-15-018315-4, S. 17–25 (KapitelDie Handschrift als Faksimile).