DieFédération Internationale de Football Association, kurzFIFA oderFifa, ist der Weltfußballverband. Sie ist ein privaterVerein nach Schweizer Recht mit Sitz inZürich und imHandelsregister eingetragen.[3] Ihr Zweck ist „die Kontrolle desAssociation Football in all seinen Formen“.[4][5][6] Präsident ist seit 2016Gianni Infantino.
Das FIFA-Budget in Milliardenhöhe ist auf die Vierjahresertragsperioden der von ihr organisiertenMänner-Fußball-WM ausgerichtet. Darüber hinaus organisiert sie auch dieFrauen-Fußball-WM und zahlreiche weitere Turniere.
Die FIFA stand wiederholt in der Kritik. Berichte von Investigativ-Journalisten brachten die FIFA-Führung mitKorruption,Bestechung undWahlmanipulation in Verbindung. Strafverfolgungsbehörden in der Schweiz und den Vereinigten Staaten ermitteln strafrechtlich gegen ehemalige und aktuelle hohe Funktionäre. Die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland bzw. Katar wurde in diesem Zusammenhang von Fußballfans kritisiert.[7]
Die beiden letzten Worte im ausgeschriebenen Namen der FIFA, „Football Association“, stehen als Eigenname für die englische Bezeichnung desFußballsports, „Association Football“. Diese Bezeichnung dient zur Unterscheidung von Sportarten, die ebenfalls die BezeichnungFootball führen, so zum BeispielRugby-Football oderAmerican Football. Der französische Name der FIFA übersetzt sich daher als „Internationaler Verband des Association Footballs“ oder schlicht als „Internationaler Zusammenschluss des Verbandsfußballs“.[8]
FIFA-Logo bis 2009Dieukrainische Post gratulierte zum 100. Geburtstag im Jahr 2004 mit vier Briefmarken
Die FIFA wurde am 21. Mai 1904 inParis von dem NiederländerCarl Anton Wilhelm Hirschmann und dem FranzosenRobert Guérin gegründet. Dem vorausgegangen war ein Treffen anlässlich des ersten Länderspiels Belgien gegen Frankreich am 1. Mai 1904 im StadionGanzenvijver/Vivier d’Oie inUccle, bei dem der Vereinssekretär des damals in Belgien führenden VereinsRacing Club de Bruxelles, Louis Muhlinghaus, die Gründung mit den französischen Kollegen vereinbarte und dann auch erster FIFA-Generalsekretär wurde.[9]
Gründungsmitglieder waren die nationalen Fußballverbände derSchweiz,Dänemarks,Frankreichs, derNiederlande,Belgiens undSchwedens, wobei die Gründungsorganisationen in einigen Fällen nicht den heute existierenden Verbänden entsprachen.Spanien war nicht durch einen Verband, sondern vomMadrid Football Club vertreten. DerDeutsche Fußball-Bund trat der FIFA noch am Gründungstag telegrafisch bei. In den nächsten Jahren kamen weitere nationale Verbände hinzu. Der erste große internationale Fußballwettbewerb fand an denOlympischen Sommerspielen 1908 inLondon statt. Auch im Rahmen derOlympischen Sommerspiele 1912 wurde ein Fußballwettbewerb ausgetragen. Während desErsten Weltkriegs geriet die Entwicklung ins Stocken; es konnten keine Spiele mehr ausgetragen werden, und mehrere Verbände (z. B.England) traten aus der FIFA aus.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Tod von PräsidentDaniel Burley Woolfall war es der Niederländer Hirschmann, der durch seine ehrenamtliche Arbeit als Sekretär und als Interimspräsident der FIFA deren Bestand sichern konnte. Der große Aufschwung begann mit der Wahl des neuen PräsidentenJules Rimet, der ab 1924 – gemeinsam mit dem wohlhabenden Uruguayer und SportmäzenEnrique Buero – ein Fußball-Weltturnier plante. 1930 wurde dieerste WM veranstaltet. Als Rimet 1954 zurücktrat, fand bereits diefünfte Weltmeisterschaft statt, und die FIFA zählte 85 Mitglieder. Die Mitgliederzahl wuchs in den Folgejahren von Jahr zu Jahr. Vor allem in Kriegszeiten stellten der Fußball und somit auch die FIFA eine wichtige Verbindung zwischen den Nationen dar.[10]
Nach einer Statistik der FIFA von 1972 nahmen weltweit 16 Millionen Menschen, darunter 42.220 Berufsspieler, am aktiven Fußballsport teil und organisierten sich in ca. 300.000 Vereinen. Die Zahl derSchiedsrichter wurde mit 243.596 angegeben. Der nächste große Schritt war die Erweiterung des Teilnehmerfeldes bei Weltmeisterschaften von 16 auf 24 (zurWM 1982) und später auf 32 Teams (zurWM 1998).
Der FIFA gehören aktuell (Stand 2020) 211 Nationalverbände an. Diese müssen gleichzeitig Mitglied eines von sechsKontinentalverbänden sein, jedoch sind einige Mitglieder der Kontinentalverbände derzeit nur assoziiert [AFC (1), CAF (1), OFC (3)] bzw. zwar Vollmitglieder des Kontinentalverbandes, aber noch kein FIFA-Mitglied [CAF (1), CONCACAF (6)] (Abkürzungen siehe unten).
Australien wechselte 2006 vom Ozeanien-Verband OFC in den asiatischen AFC, um in Qualifikationsspielen gleichwertige Gegner für seineNationalmannschaft zu bekommen.
Bis heute (Stand: 5. Februar 2020) haben sich der FIFA 211 Nationalverbände angeschlossen, zuletzt die Verbände vonGibraltar, desKosovo und desSüdsudan sowie die Verbände vonMontenegro,Osttimor und derKomoren. Allein zwischen 1975 und 2002 wurden 60 Verbände als Mitglieder aufgenommen.
Die Nationalverbände werden finanziell und logistisch über verschiedene Programme der FIFA unterstützt. Sie räumt ihnen eine Anzahl attraktiver Rechte und Privilegien ein. Allerdings ergeben sich aus der Mitgliedschaft auch Verpflichtungen: Als FIFA-Repräsentanten in ihrem Land müssen die Nationalverbände die Statuten, Ziele und Ideale der FIFA respektieren und den Sport dementsprechend bewerben und führen.
Als Alternative für National- und Regionalverbände, die nicht von der FIFA aufgenommen werden, wurde dieCONIFA ins Leben gerufen.
Im August 1993 wurde für Männerfußballnationalmannschaften und 2003 für FrauenfußballnationalmannschaftenWeltranglisten eingeführt. Im Mai 2024 lancierte die FIFA ebenfalls eine Weltrangliste fürFutsal-A-Nationalmannschaften der Herren und Frauen. Diese dienen teilweise dazu, die Mannschaften bei den Wettbewerbsauslosungen einzelnen Lostöpfen zuzuordnen.
Die FIFA veranstaltet im Rahmen derWorld XI in unregelmäßigen Abständen Benefizspiele mit derFußballweltauswahl, gegen die bereits öfter dieEuropäische Fußballauswahl angetreten ist, zuletzt 2005 und 2007.
Die beiden wichtigsten Gremien der FIFA sind der Kongress und der FIFA-Rat, dem der Präsident der FIFA vorsitzt.[11] Der Präsident hatte bis 2016 weitreichende Machtbefugnisse und Management-Kompetenzen, wurde nach dem Rücktritt vonSepp Blatter und durch vom FIFA-Kongress beschlossene Reformen aber auf die Rolle einesAufsichtsratsvorsitzenden beschränkt. Stattdessen wird das operative Geschäft seitdem maßgeblich durch den Generalsekretär bestimmt. Weitere Gremien der FIFA sind:
Der Kongress ist das höchste Entscheidungsorgan des Internationalen Fußballverbands. Bis 1998 kam er alle zwei Jahre zusammen, seit 1998 findet dieses Treffen jährlich statt. Dieser neue Zyklus erlaubt es dem Kongress, Entscheidungen über eine ständig wachsende Anzahl an Themen zu treffen.
Der Kongress trifft Entscheidungen bezüglich derStatuten und der Methoden, mit denen sie eingesetzt und angewendet werden. Der Kongress segnet auch den jährlichen Bericht ab, entscheidet über die Aufnahme neuer Nationalverbände und hält Wahlen ab, vor allem die der FIFA-Präsidentschaft. Jeder Nationalverband wird durch einen Delegierten vertreten und hat eine Stimme. Mitglieder des FIFA-Rats (vor 2016FIFA-Exekutivkomitee) dürfen nicht als Delegierte am Kongress teilnehmen.
Es gibt 25 ständige Ausschüsse (Kommissionen) und mit den Disziplinar- und Berufungsausschüssen zwei operative Organe. Die Ausschüsse spielen eine wichtige Rolle, indem sie Entscheidungen bezüglich der Organisation von Turnieren und der Entwicklung des Fußballs im Allgemeinen treffen. Die von den Ausschüssen getroffenen Entscheidungen werden vom Exekutiv-Ausschussratifiziert.[12]
Ausschüsse und juristische Institutionen (Stand: 3. Juni 2015):[13]
Das Generalsekretariat, welches in Zürich rund 310 Mitarbeiter beschäftigt, ist für die Verwaltung der FIFA zuständig. An der Spitze steht der Generalsekretär, der dafür verantwortlich ist, dass die Entscheidungen des Exekutiv-Ausschusses umgesetzt werden. Weitere Aufgabenbereiche des Generalsekretariats sind die Belange der Finanzen, die Pflege internationaler Beziehungen, die Organisation des FIFA-Weltpokals und die Organisation weiterer FIFA-Fußball-Wettbewerbe. Das Generalsekretariat setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen, die sich mit den Themen Business, Entwicklung, Finanzen, Fußball-Verwaltung, Kommunikation, Personal, Services und Wettbewerbe befassen.
Offizielle Sprachen der FIFA sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. In diesen Sprachen werden sämtliche Satzungen, Vorschriften, Entscheidungen und Ähnliches erstellt. Englisch dient darüber hinaus als offizielle Sprache für Protokolle und Korrespondenz. Für den Kongress gelten zusätzlich die drei Sprachen Arabisch, Portugiesisch und Russisch als offiziell.
Die FIFA plant ihr Geschäft in Anlehnung an den Zyklus derFußball-Weltmeisterschaft der Männer in Vierjahresperioden, die mit dem Kalenderjahr der Austragung der Endrunde enden. Die FIFA selbst verbuchte in ihrem Finanzbericht 2016 vertragliche Sicherung von derzeit 76 % des Vierjahresertragsbudgets von geplanten 5,66 Milliarden Dollar als einen Höhepunkt. Dieses Ertragsbudget basierte weitgehend auf der Vermarktung der Weltmeisterschaft der Männer und bestand 2016 zu
Von den Einnahmen aus Werbeverträgen und Fernsehausstrahlungslizenzen werden jährlich hohe Teilbeträge an die Mitgliedsverbände weitergereicht. Allein durch die weltweiten Fernsehrechte an den Männer-Weltmeisterschaften2002 und2006 nahm man 1,81 Milliarden Euro ein. Die FIFA forderte für die Ausrichtung der WM in Deutschland eine vollständigeSteuerbefreiung, die ihr auch gewährt wurde.
Von 2003 bis 2006 erzielte die FIFA bei Erträgen von 3,328 Milliarden Schweizer Franken einen Gewinn von 816 Millionen Franken. Allein 2006 wies sie einen Gewinn von 303 Millionen Franken aus und bezahlte dafür nur 1,06 Millionen Franken an Steuern, da sie als nicht gewinnorientierte Organisation gilt[4] und wie einVerein besteuert wird.[15] Von 2011 bis 2014 nahm die FIFA 5,718 Milliarden Dollar ein, wovon 338 Millionen Dollar Gewinn verblieben. Sie verfügte im Jahr 2014 über ein Kapital von 1,523 Milliarden Dollar.[16] Etwa 70 Prozent der Einnahmen fließen in verschiedener Form wieder an den Fußball zurück.
Vor jedem von der FIFA organisierten Spiel bis zur WM 2018 ertönte beim Einlaufen der Schiedsrichter und Mannschaften auf das Spielfeld die vonFranz Lambert komponierteFIFA-Hymne. Sie wird seit derFußball-Weltmeisterschaft 1994 gespielt.
Das Motto des Verbandes lautet seit 2007 „For the Game. For the World“ (dt. „Für das Spiel. Für die Welt“).
Hauptsitz in Zürich (2009)Einfahrt zum Gelände des FIFA-Hauptquartiers
Im Jahr 1932 zog der Internationale Weltfußballverband FIFA von Paris nach Zürich und hat seitdem dort seinen Hauptsitz. Im Mai 2004, zum 100-jährigen Bestehen der FIFA, wurde die Grundsteinlegung zum Um- und Neubau gefeiert. Der Grundstein birgt in seinem Inneren einen stählernen Fußball mit 1,3 Metern Durchmesser, der mit 204 Säckchen Erde aus jedem FIFA-Mitgliedsland gefüllt ist, weshalb die FIFA Wert auf die Feststellung legt, dass ihr Haus „auf dem Boden aller Mitgliedsländer“ steht. Ende Oktober 2005 wurde Richtfest gefeiert. Vor dem eigentlichen Baubeginn wurde das alte Gebäude abgerissen.
Am 29. Mai 2007 wurde inZürich-Hottingen der neue Hauptsitz der FIFA eingeweiht – „Home of FIFA“ (Haus oder auch „Heimat“ der FIFA) genannt. Er umfasst 270 Büroarbeitsplätze, einenHörsaal für 200 Personen, 240 Tiefgarageneinstellplätze, Lager- und Archivräume. Im Außenbereich ist ein komplettes Fußballfeld nach internationalem Standard mit unterirdischen Umkleide- und Besprechungsräumen angelegt. Das Gebäude besteht aus neun Etagen (Erdgeschoss eingeschlossen), wovon sechs Etagen sich aus städtebaulichen Gründen unterhalb der Erdoberfläche befinden und fast 20 m tief reichen. Durch den Einsatz energieeffizienter Gebäudetechnik konnte auf Energie aus fossilen Brennstoffen verzichtet werden, wodurch auch keine CO₂-Emissionen von dem Gebäude ausgehen.
Der Bau kostete 240 Millionen Franken (ca. 180 Millionen Euro). Er wurde von der ArchitektinTilla Theus entworfen und von der Schweizer TotalunternehmerinHRS Real Estate AG realisiert.[19][20]
An der FIFA wird kritisiert, dass sie ihreMonopolstellung ausnutze; wie in den meisten anderen Sportarten gibt es im Fußball nur einen Weltverband.
DieKommerzialisierung des Fußballs durch die FIFA und ihreSponsoren sorgt für Kritik, da der Verband die von ihm eingeforderten Vermarktungsprivilegien u. a. auch mit hartem gerichtlichem Vorgehen durchzusetzen versucht.
Das rigorose Vorgehen der FIFA wird insbesondere dann deutlich, wenn Grundregeln des Verbandes durch Vereine oder Landesverbände in Frage gestellt werden. So drohte die FIFA bei einer Auseinandersetzung mit demGrazer AK mit dem Ausschluss Österreichs von derEM 2008 im eigenen Land. Im Juli 2006 wurde der griechische Verband kurzzeitig aus der FIFA ausgeschlossen.
DieNationalmannschaft von Kamerun erschien zumAfrican Cup of Nations 2004 in einem neu entworfenen, körperbetonenden Einteiler (UniQT), den der ausrichtende afrikanische Verband auch genehmigte. Die FIFA sah dies jedoch als Verstoß gegen die eigenen Regeln an, wonach die Sportkleidung aus einem Trikot und einer Hose bestehen muss.[21]Gegen das Team von Kamerun wurde eine Strafe von 200.000 Franken verhängt, und für dieQualifikation zur WM 2006 zog man ihm sechs Punkte ab. Der Punktabzug wurde jedoch nach erfolgreicher Klage seitens AusrüsterPuma von der FIFA wieder zurückgenommen.
Wegen dieses Vorgehens haben Zeitungen und Experten folgende Kritiken geäußert:
Im Juni 2007 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen der FIFA und ihrem ehemaligen SponsorMastercard, wonach die FIFA 90 Millionen US-Dollar an das Kreditkartenunternehmen zahlte. Hintergrund war neben einem Streit um die Verwendung des FIFA-Logos[22] auch die Feststellung durch ein US-Gericht[23], dass die FIFA entgegen ihren vertraglichen Verpflichtungen Mastercard bei den Neuverhandlungen über die Sponsorenvergabe im Kreditkartenbereich im Jahr zuvor zugunsten vonVISA übergangen habe. Damit hatte die FIFA die Hälfte der Einnahmen aus dem Neuvertrag mit VISA für die Auseinandersetzung mit Mastercard verwendet. Der damalige Verhandlungsführer der FIFA,Jérôme Valcke, wurde daraufhin zunächst entlassen, bevor er am 27. Juni 2007 Generalsekretär der FIFA wurde.
Gegen Ende derWM 2010 inSüdafrika wurde von Medienseite bemängelt, dass die FIFA weiterhin zu ihrer Rolle während desApartheidregimes schweige.[24]Kritik erntete die FIFA außerdem wegen der Vergabe der Weltmeisterschaften2018 anRussland sowie2022 an das WüstenemiratKatar. Der ZürcherTages-Anzeiger meinte dazu, dass Russland die Wahl der Macht und Katar die Wahl des Geldes gewesen sei.[25]
Weiter wird die FIFA kritisiert, ihre in den letzten Jahren stark angestiegenen Einnahmen für prestigeträchtige Neubauten und überhöhte Betriebskosten (insbesondere in Form von Personalkosten) verwendet zu haben. Der Umsatz der FIFA stieg zwischen 1990 und 2009 von 10 auf 778 Millionen Euro.[26] Von ihrem Reingewinn zahlte die FIFA nach Schweizer und Zürcher Recht 4,25 Prozent Steuern.[27]
Weitere Kritik erntete die FIFA im November 2019 vonHuman Rights Watch für die Vergabe derFIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2021 anChina, indem sie ihre eigenen „[…] Menschenrechtsverpflichtungen im Rahmen des Vergabeverfahrens missachtet […]“ habe.[28]
Im Oktober 2024 urteilte derEuropäische Gerichtshof, dass einige Transferbestimmungen der FIFA in Bezug auf Arbeitnehmerfreizügigkeit und Wettbewerbsrecht gegen dasUnionsrecht verstoßen. Vorausgegangen war eine Klage des FußballersLassana Diarra, der seinen damaligen Vertrag beiLokomotive Moskau vorzeitig gekündigt hatte und dafür seitens der FIFA eine Strafe auferlegt bekam, die auch Vereine betraf, die Diarra verpflichten wollten. Am 14. Oktober gab die FIFA bekannt, eine „globale Diskussion zum Transfersystem mit wichtigen Interessengruppen“ zu eröffnen, mit dem Ziel der Anpassung der Transferregeln.[29]
Mit dem NegativpreisVerschlossene Auster zeichnete dieJournalistenvereinigungNetzwerk Recherche den Weltfußballverband 2012 aus.[30] Die FIFA habe bisher „alle Versuche kritischer Journalisten, überKorruption und Ungereimtheiten bei der Postenvergabe zu recherchieren, abgeblockt“, erklärte der Vorsitzende des Netzwerks Recherche,Oliver Schröm. Die »Laudatio« hielt der SportmanagerRoland Büchel, ehemaliger FIFA-Mitarbeiter und Mitglied desSchweizer Nationalrates. Das System von Löhnen, Aufwandsentschädigungen undBoni bei der FIFA sei „völlig intransparent“, sagte Büchel und wies darauf hin, dass die FIFA im Vorjahr (2011) 96,8 Millionen Dollar an Löhnen, Zahlungen an Ehrenamtliche undBoni ausgeschüttet habe. Jedoch seien kritische Medienanfragen zu dem Thema nicht beantwortet worden. DerEuroparat sei Ende April 2012 in 124 Punkten zu einem „vernichtenden Urteil“ über die Fußballweltorganisation gekommen und habe daran erinnert, dassAutonomie für die Interessen des Sports da sei und „nicht für die Interessen von skrupellosen Individuen“. Die FIFA schickte keinen Vertreter zur Preisverleihung.[31]
Im Mai 2006 beschrieb der britischeEnthüllungsjournalistAndrew Jennings in seinem BuchFoul! ein angeblich umfangreiches System der Korruption unter der Ägide von João Havelange und Sepp Blatter, das im Zuge des Zusammenbruchs des FIFA-Marketing-PartnersISL ans Licht kam.[32] Kurz nach Veröffentlichung des Buches sendete dieBBC am 11. Juni 2006 einen vierstündigen kritischen Beitrag, in dem der angebliche Schmiergeldskandal im Detail beleuchtet wurde. In Summe soll ISL rund 100 Millionen US-Dollar Schmiergeld gezahlt haben, um Entscheidungen der FIFA zu beeinflussen. Der BBC lag eine Liste von 175 geheimen Zahlungen vor. Der zufolge sollen auch drei Mitglieder desFIFA-Exekutivkomitees, das über die Auswahl des Ausrichters von Weltmeisterschaften entscheidet, Zahlungen erhalten haben. So sollen demnachNicolás Leoz, Präsident der südamerikanischen Fußball-KonföderationCONMEBOL, 1998 und 1999 600.000 US-Dollar,Issa Hayatou, Präsident derConfédération Africaine de Football, 1995 20.000 US-Dollar undRicardo Teixeira, Präsident des brasilianischen Fußball-NationalverbandsConfederação Brasileira de Futebol, 9,5 Millionen US-Dollar erhalten haben.[33][34]
Im Juni 2010 verfügte die Staatsanwaltschaft inZug dieEinstellung des auf Zeugenaussagen der ISMM/ISL-Gruppe beruhenden Verfahrens gegen eine bis auf zwei Funktionäre nicht namentlich genannte Führungsgruppe der FIFA gegen einen Betrag von 5,5 Millionen Schweizer Franken. Davon musste die FIFA 2,5 Millionen Schweizer Franken selbst bezahlen. Die FIFA wehrte sich gegen die Veröffentlichung eines 41-seitigen Papiers der Staatsanwaltschaft, welches das Korruptionssystem rund um die FIFA, den ehemaligen FIFA-PräsidentenJoão Havelange und seinen früheren SchwiegersohnRicardo Teixeira beschreibt, die laut DokumentSchmiergelder in Millionenhöhe kassiert haben sollen. In dem Dokument ersichtlich sind die internationalen Geldflüsse und der Umgang der FIFA-Spitze mit dem Schmiergeldsystem. In der Einstellungsverfügung wird Bezug auf den damaligen FIFA-PräsidentSepp Blatter genommen (ohne ihn namentlich zu nennen), der zumindest von den Schmiergeldzahlungen gewusst haben müsste. In einem Urteil vom 3. Juli 2012 vom Schweizer Bundesgericht wird festgestellt, dass großes „öffentliches und weltweites Interesse“ an den Inhalten des Dokuments bestehe. Den Medien wird hier eine Kontrollfunktion zugestanden.[35][36][37] Im Frühjahr 2014 erstellte der Schweizer AntikorruptionsexperteMark Pieth seinen Abschlussbericht zur Rolle der FIFA im Schmiergeldskandal rund um die ehemalige RechteagenturISL. Vor dessen Veröffentlichung entfernte der damalige FIFA-ChefjuristMarco Villiger mehrere brisante Passagen.[38]
Medien vor dem FIFA-Sitz in Zürich kurz nach Sepp Blatters Rücktrittsankündigung (2015)
Vor dem in Zürich tagenden 66. FIFA-Kongress fanden am 27. Mai 2015 unabhängig voneinander Festnahmen einiger FIFA-Funktionäre und eine Durchsuchung aufgrund einer Strafanzeige im FIFA-Hauptquartier statt.
Unabhängig davon hatte die FIFA am 18. November 2014 eine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, worauf ein Strafverfahren eingeleitet worden war. Daraufhin wurde im Auftrag derBundesanwaltschaft ebenfalls am Morgen des 27. Mai 2015 das FIFA-Hauptquartier durchsucht. Hierbei ging es um die Vergaben der WM an Russland und Katar.[42][43]
Vier Tage nach seiner Wiederwahl durch den FIFA-Kongress kündigte Sepp Blatter am 2. Juni 2015 auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz seinen Rücktritt an.
Am 8. Oktober 2015 gab die Ethikkommission der FIFA bekannt, sowohl FIFA-Präsident Sepp Blatter als auch seinen Vertreter Michel Platini für 90 Tage zu sperren.[44] Dies, nachdem die Schweizer Bundesanwaltschaft gegenSepp Blatter ein Strafverfahren wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung eröffnet hatte.[45] PräsidentschaftskandidatChung Mong-joon wurde für sechs Jahre gesperrt und erhielt eine Geldstrafe von 100.000 Schweizer Franken.[46] Am 21. Dezember 2015 wurde Sepp Blatter vom FIFA-Ethikkomitee für acht Jahre von allen Ämtern ausgeschlossen; eine Strafe, die in der Berufung auf sechs Jahre reduziert wurde.[47]
Am 26. Februar 2016 wurdeUEFA-GeneralsekretärGianni Infantino auf einem außerordentlichen Verbandskongress in Zürich zum Nachfolger Blatters gewählt. Er setzte sich im zweiten Wahlgang gegen den zuvor als Favorit geltendenACF-PräsidentenSalman bin Ibrahim Al Chalifa durch.[48]
Bei der FIFA-Vollversammlung im Mai 2016 inMexiko-Stadt wurde auf Infantinos Vorschlag beschlossen, dass der Council bis zum kommenden Jahr alle Mitglieder der Audit- und Compliance-Kommission, der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der neuen Governance-Kommission selbst bestimmen und entlassen kann. Daraufhin tratDomenico Scala als Leiter desAudit & Compliance Committee der FIFA noch am gleichen Tag von seinem Amt zurück[49] und begründete diesen Schritt wie folgt: „Ich bin über diesen Entscheid konsterniert, da damit eine zentrale Säule der Good Governance der Fifa untergraben und eine wesentliche Errungenschaft der Reformen zunichte gemacht wird.“[50]
Am 2. Juni 2016 wurde die Zentrale der FIFA in Zürich erneut von Vertretern der Ermittlungsbehörden durchsucht.[51] Am 3. Juni teilten zwei Vertreter der von der FIFA seit Juni 2015[52] zur Vertretung ihrer Interessen beauftragten Anwaltskanzlei Quinn Emanuel mit, dass Blatter, Valcke sowie der ehemalige Finanzchef und Interims-GeneralsekretärKattner in den vergangenen fünf Jahren mindestens 79 Millionen Schweizer Franken auf fragwürdiger Grundlage erhalten hätten.[53]Blatters New Yorker Anwalt Richard Cullen betonte dagegen in einem Statement, dass die Zahlungen an Blatter »sauber, fair und in Einklang mit jenen von Präsidenten grosser Sportligen weltweit waren«.[54]Auffallend war, dass die Anwälte den FIFA-RechtsdirektorMarco Villiger, der als viertmächtigster Mann der FIFA-Administration galt, ausdrücklich aus der Schusslinie nahmen.[55] Ab 2015 leitete Villiger die internen juristischen Untersuchungen bei der FIFA und lieferte die Resultate an die SchweizerBundesanwaltschaft.[56]
Im Herbst 2018 startete die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen einen ihrer eigenen Mitarbeiter, den damaligen Leiter Wirtschaftsdelikte in der Bundesanwaltschaft Olivier Thormann, der für die Ermittlungen im FIFA-Themenkomplex zuständig war.[57] Grund dafür war dessen enges und privates Verhältnis zu Marco Villiger als Chefjurist und Rechtsvertreter der FIFA. Die Untersuchung kam zum Schluss, Thormann habe die erforderliche Distanz, Objektivität, Neutralität und Unparteilichkeit vermissen lassen. In der Häufigkeit der Meldungen und deren Diktion habe der Kontakt mit Villiger den beruflichen Rahmen überschritten.[58] Aufgrund dieser Vorfälle erklärte das Schweizer Bundesstrafgericht im Entscheid vom 17. Juni 2019 Olivier Thormann im FIFA-Verfahren als für befangen.[59]
Medien berichteten im Februar 2017 über Bestrebungen von Präsident Infantino, beim FIFA-Kongress im Mai inBahrain die beiden Chefs der Ethikkommission auszuwechseln[60][61] und sich von der US-Anwaltskanzlei Quinn Emmanuel zu trennen.[62] Quinn Emmanuel untersucht im Auftrag der amerikanischen Justiz interne Vorgänge bei der FIFA. Strafrechtsexperten warnten, dass die FIFA durch dieses Vorgehen in den USA aufgrund desRacketeer Influenced and Corrupt Organizations Act unterMafia-Verdacht gestellt und zu hohen Strafzahlungen verurteilt werden könnte. Parallel kündigte derEuroparat eine eigene Untersuchung der FIFA an.[63] DFB-PräsidentReinhard Grindel warnte Infantino vor einer Absetzung der FIFA-Ethikkommissare.[64]
Donald Trump, Gianni Infantino und der Pokal des FIFA-Friedenspreises
Im Rahmen derGruppenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vergab FIFA-Präsident Gianni Infantino den erstmals verliehenen FIFA-Friedenspreis an den US-amerikanischen PräsidentenDonald Trump. Beobachter bewerteten den Preis als bedeutungslos und die Ereignisse als bloße Gefälligkeit der FIFA gegenüber Trump, der mit Infantino befreundet ist.[65] Die internationale Presse fällte ein vernichtendes Urteil der Auslosung. Man schrieb von der Zurschaustellung politischer Speichelleckerei. Bei einer vonHeidi Klum undKevin Hart moderierten Show standen Infantino und insbesondere Trump im Mittelpunkt.[66] Zum FIFA-Friedenspreis sagteMinky Worden, Direktorin der MenschenrechtsorganisationHuman Rights Watch, zwei Tage vor der Auslosung, dass es kein transparentes Verfahren, keine weiteren Nominierungen, keine Jury gebe und der Preis selbst demFIFA-Rat neu gewesen sei.[67]
↑Antwort RR 128/2011: Besteuerung der Fifa. (PDF; 33,44 kB) Regierungsrat des Kantons Zürich, 17. August 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2017; abgerufen am 30. Dezember 2017.
↑Die FIFA-Statuten. In: de.fifa.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. Juli 2017; abgerufen am 1. August 2017.
↑Filip van der Elst, Maarten Verdoodt:Ganzenvijver Ukkel. In:Bruzz. Nr. 1580, 25. August 2017, S. 24–25.
↑Bill Murray:FIFA (Memento vom 4. März 2016 imInternet Archive). In:James Riordan,Arnd Krüger (Hrsg.):The International Politics of Sport in the Twentieth Century. Routledge, London 1999, S. 28–47 (PDF; 903 kB).
↑Finanzberichte. (PDF; 602 MB) In: FIFA Finanzbericht 2016. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Juni 2017; abgerufen am 1. August 2017.