DieExxon Mobil Corporation, kurzExxonMobil, ist einUS-amerikanischerMineralölkonzern, der 1999 durch den Zusammenschluss vonExxon (Standard Oil Company of New Jersey) undMobil Oil (Standard Oil Company of New York) entstanden ist. ExxonMobil gilt als ein direkter Nachfolger derStandard Oil Company.
Mit einem Umsatz von 255,2 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 10,8 Mrd. USD, steht Exxon Mobil laut denFortune Global 500 auf Platz 8 der weltgrößten Unternehmen (Stand: 2019).[2] Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 ergab, dass ExxonMobil mit einem Ausstoß von 41,90 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent seit 1965 das Unternehmen mit dem weltweit vierthöchsten Ausstoß in diesem Zeitraum war.[3]
1911 ordnete derOberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Auflösung von Standard Oil an. Als neue Unternehmen entstanden dadurch unter anderem die Standard Oil Company of New York (Socony), die später über dieSocony-Vacuum Oil zurMobil Oil wurde, und die Standard Oil of New Jersey, abgekürzt SO (gesprochen EssO), die spätereExxon. Beide wuchsen somit in den darauffolgenden Jahrzehnten rechtlich unabhängig voneinander weiter.
Am 30. November 1999 konnten sich die beiden nunmehr großen Konzerne aufgrund von geänderten gesetzlichen Bestimmungen wieder vereinigen.
Im Juli 2023 übernahm ExxonMobil das ErdölförderunternehmenDenbury Inc. für 4,9 Milliarden US-Dollar.[4]
Die Geschichte von ExxonMobil in Deutschland begann 1890 inBremen mit der Gründung derDeutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft (DAPG, späterDeutsche Esso GmbH aufgegangen inExxonMobil GmbH), die das Petroleumgeschäft derStandard Oil in Deutschland betreiben sollte.[7]
1899 folgte inHamburg die Gründung von Mobil in Deutschland alsDeutsche Vacuum Oil Company (ab 1955Mobil Oil A.G. in Deutschland).[8] Das Unternehmen wickelte den Import und Verkauf von Schmierölen und -fetten ab, die aus den USA in Holzfässern per Schiff nach Hamburg kamen.[9]
Am 3. Februar 1923 wurde das WortESSO – die phonetische Schreibweise der Abkürzung SO für Standard Oil – als Markenname registriert. Im selben Jahr am 14. April eröffnete die DAPG ihre erste Straßen-Zapfstelle mit unterirdischem Tank in der Hamburger Wagnerstraße, wo Benzin unter dem MarkennamenDapolin verkauft wurde. 1925 standen in Deutschland bereits 1000 solcher Tankstellen.[10]
Mit der Umstellung auf dieKriegswirtschaft im September 1939 arbeitete die DAPG innerhalb der staatlich zentralen Lenkung durch die Arbeitsgemeinschaft Mineralölverteilung (AMV). Tankstellen wurden dem Zentralbüro für Mineralöl als Vertriebssyndikat der AMV unterstellt und gabenFahrbenzin nur noch markenlos gegen Tankausweis oderBezugsschein ab.
Nach dem Ende desZweiten Weltkrieges war nur noch eine kleine Anzahl Tankstellen betriebsbereit, die Schiffsflotte auf ein einziges Schiff zusammengeschmolzen und der Kesselwagenbestand um 2/3 dezimiert. Die Produktionsstätten, mehrfach das Ziel schwerer Luftangriffe der Alliierten, waren stark beschädigt.[11]
1950 firmierte dieDeutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft (DAPG) zurESSO A.G. um. 1953 begann dieDeutsche Vacuum Oil Company mit derErdgassuche und -förderung in Deutschland und wurde 1955 zurMobil Oil A.G.[12]
1965 erschien an allen Esso-Stationen in Europa, die den KraftstoffEsso Extra verkaufen, derTiger als Werbefigur mit dem SloganPack den Tiger in den Tank.[13]
Im Jahr 1985 verkaufte dieEsso Tankschiff Reederei GmbH (ETR, ursprünglich Waried Tankschiff Rhederei) mit derEsso Deutschland ihren letzten hochseetüchtigen Tanker. Bis Ende 1993 wurden alle Binnenschiffe verkauft und die Reederei zum 1. Januar 1994 aufgelöst.[14]
1999 fusionierten die beiden amerikanischen GesellschaftenExxon Corporation undMobil Corporation zurExxon Mobil Corporation.[15] Es entstand daraus der damals größte Erdölkonzern der Welt und Weltmarktführer bei der Produktion vonPolyolefinen.[16] Ihre Esso- und Mobil-Tochtergesellschaften in Deutschland wurden 2000 unter dem Dach der neugegründeten ExxonMobil Central Europe Holding GmbH mit Sitz in Hamburg zusammengeführt. Seit 2002 sind die Produktionsaktivitäten in der ExxonMobil Production Deutschland GmbH zusammengefasst.
Im Jahr 2010 wurde das österreichische Tankstellennetz an die italienischeENI/Agip verkauft. 2012 hat SOCAR Energy Switzerland die Esso Schweiz GmbH von ExxonMobil übernommen.[17] 2014 verfügte Esso über 1051 Tankstellen in Deutschland.[18]
Am 29. November 2017 gab ExxonMobil bekannt, sein deutsches Tankstellennetz bis Ende 2018 an die britische EG Group zu verkaufen. Exxon wird die von der EG-TochterEcho Tankstellen GmbH betriebenen Tankstellen unter dem neuen Eigentümer auch weiterhin mit Kraftstoffen beliefern.[19] 2020 flaggte zudem der mittelständische TankstellenbetreiberMinera Kraftstoffe – Mineraloelwerk Rempel GmbH ausMannheim seine rund 80 Tankstellen vonAvia auf Esso um.[20]
ExxonMobil erzielt seit mehreren Jahren hohe Gewinne und gehört deshalb laut der ListeFinancial Times Global 500 regelmäßig, gemessen an derMarktkapitalisierung, zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Die gesamte Marktkapitalisierung des Unternehmens belief sich Anfang 2017 auf 343,2 Milliarden US-Dollar.[21]
Der Umsatz des Unternehmens schwankt stark, abhängig von den jeweiligenÖlpreisen. Er entsprach 2007, gerechnet nach derKaufkraft, demBIP vonBelgien. Im Geschäftsjahr 2008 erzielte ExxonMobil mit 45,22 Milliarden US-Dollar den höchsten Gewinn, den bis dato ein nichtstaatliches Unternehmen jemals erzielt hat.[22] Im Geschäftsjahr 2016 betrug er, aufgrund des gesunkenen Ölpreises, noch 7,8 Milliarden Dollar.[21] Im Jahr 2022, das von großen Energiepreissteigerungen nach demRussischen Überfall auf die Ukraine geprägt war, machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 413,7 Milliarden Dollar mit 55,7 Milliarden Dollar den höchsten Gewinn seiner Geschichte. US-PräsidentJoe Biden forderte die US-Handelskommission FTC auf, Hinweisen auf mögliche Preisabsprachen in der Ölbranche auf den Grund zu gehen.[23]
Aktionärsstruktur: Hauptaktionäre des Unternehmens sind Fonds und institutionelle Investoren, von denen jedoch keiner mehr als 4 % besitzt.
2023 zahlte das Unternehmen nach eigenen Angaben Steuern und Abgaben in Höhe von insgesamt 49 Milliarden US-Dollar (Mrd. USD; Gewinn: 41 Mrd. USD), wobei der größte Anteil in Höhe von 7,41 Mrd. USD an dieVereinigten Arabischen Emirate (VAE) gezahlt wurde. Zu den nächstgrößeren Empfängern von Steuerzahlungen gehören die USA (6,58 Mrd. USD),Indonesien,Nigeria undMalaysia (zusammen 10,8 Mrd. USD), sowieGuyana (1,62 Mrd. USD), das als zuletzt wachstumsstärkster und lukrativster Markt des Konzerns galt.[27]
ExxonMobil erzielte 2023 seine Umsätze und Gewinne in vier Hauptsegmenten:
Upstream: Öl- und Gasförderung, mit rund 25,57 Mrd. USD Umsatz und 21,3 Mrd. USD Gewinn – stark geprägt durch weltweite Förderprojekte (z. B. Guyana, Permian Basin).
Energy Products: Umfasst Raffinerie, Logistik, Handel und Marketing, und ist mit etwa 268,3 Mrd. USD der größte Umsatzträger, der 12,14 Mrd. USD Gewinn erwirtschaftet.
Chemical Products: Produktion von Chemikalien wie Olefine und Polyolefine, mit 22,26 Mrd. USD Umsatz und 1,63 Mrd. USD Gewinn.
Specialty Products: Hochwertige Produkte wie Schmierstoffe (z. B. Mobil 1) tragen mit 18,4 Mrd. USD Umsatz und 2,71 Mrd. USD Gewinn bei.[28]
2011 gelang es ExxonMobil als erstem ausländischen Unternehmen, einen Vertrag über die Erschließung umfangreicher Erdöl- und Erdgasreserven inOst-Prinowosemelski in derArktis abzuschließen, dazu inTuapse amSchwarzen Meer mit einer zugesagten gesamten Investitionssumme von 3,2 Milliarden US-Dollar.[29]2014 beendete Exxon Mobil die Beteiligung wegen der Sanktionen gegen Russland.
Im März 2014 forderten die kritischen AktionärsvereinigungenArjuna Capital undAs You Sow in einem Antrag Exxon auf, Vorsorge für den Fall zu treffen, dass große Teile der unternehmenseigenen Ölreserven nicht mehr gefördert werden könnten.[30][31] Hintergrund ist die sogenannteKohlenstoffblase, eine potenzielleBörsenblase. Diese ergibt sich aus der Unvereinbarkeit der zum Erreichen des 2015 international vereinbartenZwei-Grad-Klimaschutzzieles (COP21: „well below 2 degrees“) nötigen CO2 Emissionsreduktionen einerseits und der um ein Vielfaches größeren Menge fossiler Reserven der Öl-, Gas- und Kohleindustrie andererseits. Sie forderten anstelle neuer Investitionen in, aus ihrer Sicht, nicht mehr förderbare Öllagerstätten eine höhere Dividende oder anderweitige Rückvergütung an die Aktionäre.
Exxon erklärte daraufhin, kein Risiko 'gestrandeter Investitionen' zu sehen, da sowohl die Weltbevölkerung als auch der weltweite Energiebedarf weiterhin ansteigen würden.[32]
Die Carbon Tracker Initiative, auf deren Report zur Kohlenstoffblase die Argumentation der Aktionäre basierte, wirft Exxon daraufhin vor, die Gefahren, insbesondere sog. „high cost high carbon“ Investitionen zu unterschätzen. Diese könnten durch fallende Ölpreise und/oder strengere Klimaschutzvorgaben ggf. nicht mehr wirtschaftlich zu fördern sein[33].
DieRockefeller-Familie, eine der letzten großen US-Industriedynastien, plante, sich bis zum Jahr 2017 von ihren Anteilen an Exxon zu trennen.[34] Vor mehr als einem Jahrhundert machteJohn D. Rockefeller Sr. mitStandard Oil, einem Exxon-Vorläufer, ein gewaltiges Vermögen, er gilt als reichster Mann aller Zeiten.[35] In einem Statement dazu hieß es: „Wir können nicht mit einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, das dem öffentlichen Interesse anscheinend Verachtung entgegenbringt.“ Grund für den Schritt sei die existenzielle Bedrohung, der sich die Menschheit und das natürliche Ökosystem durch den Klimawandel ausgesetzt sähen. „Es macht keinen Sinn – weder finanziell noch ethisch – weiter in diese Unternehmen zu investieren, während die globale Gemeinschaft die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreibt.“ Das Statement schließt mit einem Aufruf: „Es ist überfällig, dass alle Menschen ihre Kräfte bündeln und diesen neuen Weg bestreiten, der den Zusammenhang zwischen der Zukunft der Menschheit und der Gesundheit unseres Ökosystems anerkennt.“[36][35][37]
Das Handelsblatt teilte am 28. August 2020 mit, dass Exxon nach 92 Jahren aus demDow-Jones-Index ausgeschieden ist. Exxon wird als weniger zukunftsträchtig angesehen als andere Unternehmen.[38]
Ende September 2022 begann in Frankreich ein Streik in den Raffinerien von ExxonMobil/Esso undTotalEnergies, so dass die Tankstellen mit Nachschub von Treibstoff zu kämpfen hatten.[39][40]
Die neue Unternehmenssparte Low Carbon Solutions wurde offiziell mit der Unternehmensumstrukturierung von ExxonMobil im Jahr 2022 gegründet. Sie soll dieDekarbonisierung in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren wie der Schwerindustrie, dem gewerblichen Verkehr und der Stromerzeugung durch eine Kombination aus emissionsärmeren Kraftstoffen, Wasserstoff undCO2-Abscheidung und -Speicherung vorantreiben.[41] Zwischen 2022 und 2027 sind Investitionen von 20 Milliarden US-Dollar in „Low Carbon“-Aktivitäten geplant, ein Teil von fließt in die Förderung vonLithium, mit der im November 2023 inArkansas begonnen wurde.The Economist weist darauf hin, dass Exxon bereits in der Vergangenheit ähnliche Ankündigungen gemacht hat und wirft die Frage auf, ob die Pläne diesmal wie angekündigt umgesetzt werden.[42]
ExxonMobil gilt in der wissenschaftlichen Literatur als einer der einflussreichstenSponsoren von klimaskeptischen, bzw. klimaleugnenden Positionen.[43] Von 1998 bis 2005 erhielt davon 1,6 Millionen US-Dollar dasAmerican Enterprise Institute. Dieses bot Wissenschaftlern 10.000 US-Dollar sowie Spesen für Berichte, die denKlimabericht der UNO in Frage stellen.[44] Zu den gesponserten Personen zähltWillie Soon, dessen Arbeiten viele Klimaskeptikern als Beleg gegen die menschengemachte globale Erwärmung zitieren, wogegen Klimaforscher seine Arbeit wegen schwerer methodischer und inhaltlicher Mängel ablehnen.[45] Exxon Mobil und die Generaldirektion Binnenmarkt gewannen den Worst EU Lobby Award 2006. Betont wurde damit das stetige Bemühen des Ölkonzerns, eine faire öffentliche Debatte zum Klimaschutz aufgrund von Geschäftsinteressen zu verhindern.
Tatsächlich investierte ExxonMobil zweistellige Millionensummen in Frontgruppen, umKlimaleugnern zu helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu verschleiern. Das Unternehmen übte zudem Druck auf die Regierung Bush aus, um Klimawissenschaftler aus dem IPCC zu entfernen.[46] Eine aus dem Jahr 2015 stammende Auflistung listet mehr als 70 Klimawandelleugnerorganisationen auf, denen ExxonMobil zwischen 1997 und 2015 insgesamt fast 34 Millionen Dollar zukommen ließ. Wichtige Empfänger waren unter anderem dasAmerican Enterprise Institute, dasCompetitive Enterprise Institute, dasGeorge C. Marshall Institute, dieHeritage Foundation, dasHeartland Institute und dasCommittee for a Constructive Tomorrow, die allesamt mindestens eine halbe Million Dollar erhielten. Spitzenreiter war das AEI mit ca. 4,2 Millionen Dollar.[47]
2025 veröffentlichte Dokumente legen dar, dass Exxon in den 1990ern und 2000er Jahren dasAtlas Network finanzierte, um dieKlimawandelleugnung in Südamerika und weiteren Staaten des globalen Südens zu verbreiten und u. a. klimawandelleugnende Medien wie Bücher in Sprachen wie Spanisch oder Chinesisch zu übersetzen. Gemäß einem Strategiepapier des Atlas Networks, das das Netzwerk nutzte, um Exxon um Geld zu bitten, war es ein Ziel, die Klimapolitik zu sabotieren und internationale Klimaschutzverträge zu verhindern. So sollten dieEntwicklungsländer von den „schädlichen Auswirkungen globaler Klimaschutzabkommen“ überzeugt werden, außerdem warb das Netzwerk damit, dass diese „Investition [Exxons] in marktorientierte öffentliche Maßnahmen ein entscheidender Schlüssel für unseren künftigen Wohlstand und unser Wohlergehen [sei] – und für weiterhin hohe Renditen für die Investoren von Exxon.“ Gemäß der Dokumente war Exxon zu dem Zeitpunkt zufrieden mit der Finanzierung von Klimaleugnerorganisationen in den USA, bat aber das Atlas Network um Förderung von Freier-Markt-Think-Tanks außerhalb der USA. So überwies Exxon z. B. 1998 50.000 Dollar, um „internationale Gruppen, die die Fähigkeit haben, die Politik der Regierung zu beeinflussen“ wachsen zu lassen. Atlas berichtete später Exxon, das damit südamerikanische Partner eine vonFred Singer verfasste Broschüre mit Titel „The Scientific Case Against the Global Climate Treaty“ (Die wissenschaftlichen Argumente gegen das globale Klimaabkommen) übersetzt hätten, in der behauptet wird, dass „es keine signifikanten wissenschaftlichen Belege für eine globale ‚Bedrohung‘ durch die Klimaerwärmung“ gebe. Auch wurde z. B.Patrick Michaels zu einer Veranstaltung eingeladen, der den Klimawandel als „Hysterie“ bezeichnete, um ihn Entscheidern aus Politik und Wirtschaft bekannt zu machen. Atlas organisierte auch Meetings mit dem indischen Think TankLiberty Institute und amerikanischen klimawandelleugnenden Think Tanks wie derHeritage Foundation und demCato Institute. Das Atlas Network berichtete 1998 an Exxon, dass „ohne die großzügige finanzielle Unterstützung der Exxon Corporation nur wenige dieser Erfolge möglich gewesen wären.“ Sowohl Exxon als auch das Atlas Network betonten in den Dokumenten, dass die Aktivitäten nicht öffentlich bekannt werden sollten.[48][49]
2008 erklärte ExxonMobil auf Druck seiner Aktionäre, zukünftig keine Frontgruppen mehr finanzieren zu wollen, die Zweifel am Klimawandel hervorriefen. Tatsächlich lief diese Förderung bis mindestens 2019 weiter. 2009 war der Konzern zudem Hauptfinanzier einer Lobbykampagne gegen ein von der Regierung Obama eingebrachtes umfassendes Klimaschutzgesetz, bei dem die Öl- und Gasindustrie eine halbe Milliarde Dollar für Lobbyismus gegen die vorgeschlagenen Energiegesetze investierte.[50] 2014 zahlte der Konzern nach Informationen von Forschern desMIT sowie derHarvard University mehrere hunderttausend Dollar für die Verbreitung von Falschinformationen zum Klimawandel.[51] Auch 2018 gab der Konzern rund 770.000 Dollar an insgesamt 10 Klimaleugnerorganisationen, den Großteil davon an dieUnited States Chamber of Commerce und das American Enterprise Institute. 2017 lag der Beitrag noch etwa beim Doppelten. Zudem gab der Konzern von den 1,65 Mio. Dollar, die es in der Wahlperiode 2017/18 anKongressabgeordnete spendete, zwei Drittel an Politiker aus, die den Klimawandel leugnen.[52]
Der bis zur Ernennung zumUS-Außenminister im Februar 2017 amtierende Exxon-VorstandRex Tillerson nannte den Klimawandel ein „ingenieurtechnisches Problem“. 2012 riet er z. B.Landwirten, sich neue Gebiete für den Getreideanbau zu suchen.[53][54]
Exxon selbst war sich hingegen über die menschengemachte globale Erwärmung und ihre negativen Folgen im Klaren. Nach einer im September 2015 von der Journalistin Neela Banerjee beiInsideClimate News veröffentlichtenRecherche mit dem TitelExxon: The Road Not Taken („Exxon: Der nicht gewählte Weg“)[55] war 1979 bei einerAnhörung zum Klimawandel vor demUS-Senat Henry Shaw dabei. Dieser ist Autor einer davor veröffentlichten Studie zu vonExxon auf einerSupertanker-Fahrt zwischen derKaribik und demPersischen Golf zurCO2-Konzentration in derErdatmosphäre erhobenen Daten.[56] Nach ihr „wusste Exxon seit Mitte der 1970er-Jahre, dass die Verbrennung fossiler Rohstoffe die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre erhöht, jene erhöhte Konzentration den Planeten erwärme und diese Erwärmung für den Großteil der Welt sehr negative Folgen haben könne“.[57]
Die Öffentlichkeit täuschte ExxonMobil hingegen bewusst über diese Fakten, wie ein Vergleich interner und öffentlicher Mitteilungen der Jahre 1977–2014 ergab. Während über 80 % der internen Nachrichten und wissenschaftlichen Arbeiten denStand der Wissenschaft anerkannten, nämlich dass der gegenwärtige Klimawandel stattfindet und menschliche Aktivität ihn verursacht, verbreiteten knapp 80 % der von Exxon gekauftenAdvertorials – redaktionell aufgemachte Anzeigen – Zweifel am Klimawandel sowie an den dafür ursächlichen Treibhausgasen. Je stärker die Meldungen für die Öffentlichkeit bestimmt waren, desto mehr säten sie Zweifel.[58] Zuvor hatten Wissenschaftler des Unternehmens und ein internes Forschungsprogramm, das Exxon von 1978 bis Ende der 1980er-Jahre betrieb, bestätigt, dass CO2-Emissionen zu einemKlimawandel führen.[59][60] Tatsächlich entsprachen die Prognosen Exxons für den Kohlendioxid- und Temperaturanstieg nahezu exakt dem tatsächlich eingetretenen Trend. So erwartete Exxon im Jahr 1982 für das Jahr 2019 einen CO2-Anteil von knapp 420 ppm und eine Erwärmung von 0,9 Grad gegenüber einem vorindustriellen Referenzwert. Tatsächlich lag der CO2-Anteil zu diesem Zeitpunkt bei 415 ppm, die von Exxon prognostizierte Erwärmung um 0,9 Grad war 2017 erreicht.[61]
Eine im FachjournalScience veröffentlichte Analyse von Wissenschaftlern derHarvard University und desPotsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sagte schon 1977 korrekt voraus, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe ein kohlendioxidinduziertesSuperinterglazial verursachen würde. Zwar war bereits seit längerem bekannt, dass Exxon seit den 1970er Jahren von der Bedrohung durch die globale Erwärmung wusste. Die im Januar 2023 veröffentlichte Studie sei aber die erste quantitative Überprüfung der frühen Klimawissenschaft des Unternehmens.[62]
Im Oktober 2019 sagte der Wissenschaftler Martin Hoffert, der in den 1980er Jahren als wissenschaftlicher Berater für Exxon tätig war, vor dem US-Repräsentantenhaus aus, dass Exxon „Zweifel über die Gefahren des Klimawandels“ verbreitet habe und dies „falsch“ gewesen sei. Die „Folge dieser Desinformation“ sei es gewesen, „das Handeln nach innen und außen zu verzögern“. Als Ergebnis dieses Vorgehens würden seiner Ansicht nach „Häuser und Lebensgrundlagen wahrscheinlich zerstört und Leben verloren gehen“.[63]
2016 leitete derNew YorkerGeneralstaatsanwalt Ermittlungen gegen ExxonMobil ein.[64] Dabei geht es um die Frage, ob der Konzern seine Aktionäre seit den 1980er-Jahren (damals noch alsExxon) über die Klimagefahren in die Irre geführt hat.[65] Die Staatsanwaltschaften Kaliforniens, Massachusetts und der Virgin Islands folgten New York und leiteten ebenfalls Ermittlungen ein.[66][67]
Kurze Zeit später begann auch die Generalstaatsanwältin vonMassachusetts mit einer entsprechenden eigenen Untersuchung; ihr Schwerpunkt sind mögliche Verstöße gegen das US-Verbraucherschutzgesetz.
Daraufhin verklagte Exxon die Generalstaatsanwälte von Massachusetts und New York vor einem Gericht in seiner FirmenheimatTexas, um die laufenden Untersuchungen zu stoppen, ein bislang beispielloser Vorgang. Nachdem das Gericht die Klage nicht sofort ablehnte, beantragte Exxon Vorladungen gegen elfNichtregierungsorganisationen,Stiftungen undRechtsanwälte. Diese Vorladungen wurden eingefroren, nachdem der Richter in Texas Exxons Klage an die Gerichte in New York undBoston zurückverwies.[68]
Anfang 2024 beantragte der Konzern vor einem texanischen Gericht den Ausschluss zweier Anteilseigner vom Stimmrecht. Grund ist die wiederholte Aufforderung des InvestmentfondsArjuna Capital und der kritischen Shareholder-GruppeFollow This, in etwa vergleichbar mit demDachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, der Konzern möge konkrete Ziele zurCO2e-Emissionsreduktion festlegen. Der Konzern begründete die Klage mit der Geschäftsaktivität zuwider laufenden Forderungen der Anteilseigner. Frühere, ähnliche Vorschläge von Follow This bei Aktionärsversammlungen erzielten 28 Prozent (2022) und 10 Prozent (2023) Zustimmung.[69][70]
2025 verklagte ExxonMobil den StaatKalifornien, nachdem dieser die Berichtspflichten zu den Emissionsbilanzen großer Konzerne gesetzlich verankert hatte. Der Konzern argumentiert dabei, dass die Offenlegungspflichten das Recht des Konzerns auf freie Meinungsäußerung verletzte, da es ihn dazu verpflichte „die von Kalifornien bevorzugte Botschaft zu verbreiten, obwohl ExxonMobil der Ansicht ist, dass diese Aussage irreführend und fehlgeleitet ist“. In einer Klage gegen ein zweites Gesetz erklärte ExxonMobil, dieses würde das Unternehmen dazu zwingen, „sich auf detaillierte Spekulationen über unvorhersehbare zukünftige Entwicklungen einzulassen und diese Spekulationen auf seiner Website öffentlich zu verbreiten“.[71]
Im März 2013 brach eine Pipeline von ExxonMobil, die Schweröl vomÖlfeld Wabasca inNord-Alberta durch den US-BundesstaatArkansas transportiert. Journalisten, die über den Fall berichten wollten, wurden bedroht.[72]
Seit dem 20. November 1990 strömt Methan in größeren Mengen aus einem Vorkommen rund 400 Meter unter der Nordsee, rund 140 Kilometer vor der Küste Schottlands. Es entstand, als die Stena Drilling Company im Auftrag der Exxon-TochterMobil North Sea bei einer Erdölbohrung mit der PlattformHigh Seas Driller einenBlowout auslöste.[73][74]
Auf Grund undichter Rohrleitungen, rostender Öltanks und fehlender Maßnahmen zum Grundwasserschutz sind im Januar 2007 weite Teile desNewtown Creek beiNew York City mit giftigen Chemikalien und Öl verseucht worden, unter anderem mit Blei, Benzol und Kerosin. Auf Exxons altem Brooklyner Betriebsgelände war jahrzehntelang Öl in den Grund gesickert und hatte sich im Grundwasser unter einem Wohnviertel ausgebreitet. Dämpfe steigen aus den Kellern und der Kanalisation und führen zu schweren Gesundheitsschäden unter den Einwohnern. Der ExxonMobil-Konzern musste sich zu der Zeit – auf Grund von Sammelklagen der New Yorker Bevölkerung – vor Gericht verantworten. Auch die Stadt New York leitete eine Umweltstudie ein, nachdem gütliche Verhandlungen mit dem Konzern gescheitert waren. Das US-Justizministerium erwog eine Klage. Zwar hatte Exxon bereits mit dem Abpumpen der Giftschicht begonnen, stand daraufhin aber wegen fragwürdiger Beseitigungsmaßnahmen in der Kritik.[75]
Sinkende Ölplattform „Thunder Horse“Säubern der mit Öl verschmutzten Felsen nach der Havarie derExxon Valdez
ImSchwarzbuch Markenfirmen wird dem US-Konzern unter anderem die Finanzierung von Bürgerkriegen und dem damit verbundenen Waffenhandel sowie auch die Zerstörung der Lebensgrundlagen in Ölfördergebieten vorgeworfen.[76]
Nach Ansicht vonGreenpeace missbraucht ExxonMobil seine geballte Wirtschaftsmacht gegen den Klimaschutz, Umweltinteressen und Menschenrechte. Dem Ölkonzern wird vorgeworfen, den internationalen Klimaschutz massiv zu behindern, was unter anderem von derUnion of Concerned Scientists (UCS), einem Wissenschaftsverband mit 200.000 Mitgliedern in den USA, bestätigt wird.[77]
ExxonMobil ist einer der größten Anwender derFracking-Methode in den USA und immer mehr in Europa. Anfang 2014 wurde bekannt, dass Rex Tillerson, Vorstandsvorsitzender von ExxonMobil, sich einer Klage gegen ein Fracking-Projekt in der Nähe seiner Ranch inBartonville (Texas) angeschlossen hat. Er gab an, dass dies den Wert seines Grundstücks beeinträchtigen könnte.[78][79] Daraufhin wurden Tillerson und ExxonMobil im US-amerikanischen WirtschaftsmagazinForbes kritisiert:
„Sometimes, the hypocrisy expressed in real life is so sublimely rich that one could never hope to construct a similar scenario out of pure imagination. Meet Rex Tillerson, the CEO of oil and gas superstar ExxonMobile Corporation — the largest natural gas producer in these United States of America—and a newly emerging giant in the world of exquisite hypocrisy.“
„Manchmal ist dieHeuchelei, die im wirklichen Leben zum Ausdruck kommt so überragend ergiebig, dass man niemals hätte hoffen können, ein ähnliches Szenario aus reiner Phantasie zu erschaffen. Darf ich vorstellen: Rex Tillerson, der Vorstandsvorsitzende des Öl- und Gas-Superstars ExxonMobile Corporation – des größten Erdgasproduzenten in den Vereinigten Staaten von Amerika – und ein neu aufkommender Riese in der Welt der exquisiten Heuchelei.“
ExxonMobil begann 2014 ein neues Projekt mit dem russischen EnergiekonzernRosneft in derArktis.[81] Die dortige Erdölgewinnung ist aus ökologischen Gründen (langsamer Abbau des Öls im Falle einer Havarie) sehr umstritten. Hinzu kommt, dass die US-Regierung Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufgrund desKrieges in der Ukraine erlassen hat.
↑Neela Banerjee, Lisa Song, David Hasemyer, John H. Cushman Jr.: Exxon: The road not taken. In: Inside Climate News. 15. September 2015, abgerufen am 23. Juli 2024 (amerikanisches Englisch).