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Etrusker

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Völker auf derApenninhalbinsel zu Beginn derEisenzeit
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  • DieEtrusker (lateinischEtrusci,Tusci „Tusker“; Eigenbezeichnung möglicherweiseRasenna) waren einantikes Volk inEtrurien, das im nördlichenMittelitalien im Raum der heutigen RegionenToskana,Umbrien undLatium lebte. Die etruskische Kultur ist in diesem Gebiet zwischen 800 v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. nachweisbar. Nach der Eroberung durch die Römer (300 bis 90 v. Chr.) gingen die Etrusker weitgehend in der Kultur desRömischen Reichs auf. Doch berichtet nochProkop im 6. Jahrhundert n. Chr. von Etruskern unter seinen Zeitgenossen. Mit der Erforschung der etruskischen Geschichte,Sprache und Kultur beschäftigt sich dieEtruskologie.

    Bezeichnungen

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    Erwähnungen derVolksbezeichnung „Etrusker“ finden sich am häufigsten in den zwei Hauptsprachen derantiken Geschichtsschreibung, demLateinischen und demAltgriechischen. Im Lateinischen existieren die beiden VariantenEtrusci („Etrusker“) undTusci („Tusker“). Im Griechischen finden sich die VariantenΤυρσηνοίTyrsenoi („Tyrsener“) undΤυρρηνοίTyrrhenoi („Tyrrhener“).

    Der griechische GeschichtsschreiberDionysios von Halikarnassos überliefert in seinem Werk über die römische Frühgeschichte die Information, dass sich die Etrusker selbst alsRasenna bezeichneten.[1] Allerdings existiert in der modernen Forschung auch die Vermutung, dass Dionysios die Bedeutung dieses Begriffs missverstanden habe und es sich in Wirklichkeit um ein etruskisches Wort für „Volk“ oder „Staatsgemeinschaft“ handele, ähnlich den lateinischen Begriffenpopulus oderres publica.[2]

    Statt der heutigen deutschen Standardbezeichnung „Etrusker“ findet sich in älterer Literatur teilweise auch die veraltete FormEtrurier.[3]

    Die Villanovakultur

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    Urne und Fibeln der Villanovakultur (Museo Etrusco Guarnacci,Volterra)

    Seit etwa 1000 v. Chr. blühte im Raum um Bologna die eisenzeitlicheVillanovakultur, die vor allem durch ihre Friedhöfe bekannt ist. Die Menschen, die ihr angehörten, verbrannten ihre Toten und bestatteten die Asche in hohen Urnen, die oftmals einen helmartigen Deckel hatten. Die Urnen waren mit geometrischen Motiven dekoriert, daneben gab esHausurnen, die Wohnbauten kopierten. Typische Grabbeigaben warenFibeln und Waffen. Im Laufe der Zeit griff diese Kultur auch in den Raum der Toskana über. Zu beobachten sind starke Veränderungen ab etwa 750 v. Chr.: Es gab immer mehrNekropolen, was auf Bevölkerungswachstum schließen lässt. In den Gräbern dieser Zeit finden sich vermehrt Importe, vor allem auch aus Griechenland; außerdem wurden die Gräber zunehmend reicher ausgestattet, was auf wachsenden Wohlstand hindeutet. Eine weitere bemerkenswerte Veränderung war die Einführung der Körperbestattung, die die Urnen verdrängte. Mit diesen Veränderungen ist das Aufblühen der Kultur der Etrusker zu verbinden, wobei ihre Herkunft in der Forschung heftig diskutiert wird.

    Theorien über die Herkunft

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    Ehegatten-Sarkophag, Banditaccia-Nekropole,Cerveteri, spätes 6. Jh. v. Chr. (heute imMuseo Nazionale Etrusco di Villa GiuliaRom)
    Etruskerin, Terrakottafigur ausChiusi, 150–120 v. Chr.,Badisches Landesmuseum
    Herrschaftsgebiet der Etrusker

    Die etruskische Kultur hat sich wohl erst auf dem BodenEtruriens entwickelt. Jedoch ist unklar, ob die Bevölkerungsmehrheit erst unmittelbar vor Entstehen dieser Kultur eingewandert ist. Ebenso wenig konnte sicher geklärt werden, woher dieetruskische Sprache stammt. Schon im Altertum wurden zu diesen Fragen zwei Hypothesen vertreten.

    Einwanderungstheorie

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    Laut der durch vielfältige Gen-Analysen belegten Einwanderungstheorie kamen die Etrusker vomkleinasiatischenLydien (Herodot) um 1000 v. Chr. in die heutige Toskana. Als Indiz dafür galt die Verwandtschaft des Etruskischen mit einer aufLemnos gefundenen, dem Frühetruskischen nahestehenden Inschrift inlemnischer Sprache sowie Parallelen zumLydischen.[4] Auch die künstlerische Entwicklung im frühen ersten Jahrtausend imorientalisierenden Stil zeigt erstaunliche Parallelen zum lydischen Raum. Eine Studie des Erbguts toskanischer Rinder zeigte, dass sie einst aus Kleinasien eingeführt wurden.[5]

    Auch Genforschungen derUniversität Turin legten eine Herkunft aus dem antiken Lydien nahe (Alberto Piazza u. a., 2007).[6][7][8] Nach Guido Barbujani sollen Erbgut-Vergleiche ergeben haben, dass ein Drittel der mitochondrialenAllele denen deranatolischen Bevölkerung entspreche und nicht der italischen.[9][10] Zudem bestehe ein homogenes Gen-Kontinuum in der geografischen Verteilung und im Zeitverlauf vom 7. zum 2. Jahrhundert v. Chr. Dieses sei einheitlicher als das der heutigen italienischen oder europäischen Bevölkerung, so dass es zumindest in der sozialen Oberschicht kaum zu Vermischungen kam.[4]

    Autochthone Theorie

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    Dieautochthone Theorie sieht die etruskische Kultur in Mittelitalien als Nachfolger derVillanovakultur.[11] Die etruskische Sprache wäre als vorindogermanische Sprache durch die recht späte Einwanderung indogermanischerItaliker auf dieApenninhalbinsel isoliert worden. Die kulturelle Blüte der Etrusker sei Folge der Einbindung der Toskana in den Handel im Mittelmeerraum durchPhönizier undGriechen im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. Der Abbau reicher Erzvorkommen ermöglichte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Theorie wird durch den nahtlosen Übergang der Villanovakultur in die etruskische Kultur vor allem im Norden, zum Beispiel in Felsina (heuteBologna), unterstützt. Um die Zeitenwende vertratDionysios von Halikarnassos jene Theorie.

    Einepopulationsgenetische Studie (Posth et al. 2021) analysiertealte DNA versteinerter Knochen und Zähne von 82Individuen aus zwölf archäologischen Stätten im Gebiet der Etrusker über einen Zeitraum von 800 v. Chr. bis 1000 n. Chr. Von den 48 Individuen der etruskischen Zeit über acht Jahrhunderte konnten dabei 40 einem gemeinsamen genetischenCluster zugeordnet werden, das deutliche Übereinstimmungen mit demErbgut heutiger Spanier aufweist. Die Forscher folgern daraus, dass der etruskischeGenpool nicht durch Bevölkerungsbewegungen aus demNahen Osten entstanden zu sein scheint. Die Etrusker besäßen eher ein lokales genetisches Profil, das sie mit anderen benachbarten Populationen wie den Latinern aus Rom und Umgebung teilen; zum besseren Verständnis seien weitere Untersuchungen alter DNA aus ganz Italien nötig.[12][13]

    Synthese

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    Die heutige Etruskologie geht von einer altmediterranen Volksschicht aus, die bis um 1000 v. Chr. eine sesshafteBauernkultur entwickelte und in die Fremde vom Osten (phönizische Seefahrer) sowie indogermanische Italiker eindrangen. Dadurch entstand die Villanovakultur. Hinzu kam eine sehr dünne Schicht von Einwanderern ausKleinasien (Tyrrhener). Aus der Vermischung mit der lokalen Bevölkerung entwickelte sich die etruskische Kultur.

    Geschichte

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    EtruskischeNekropole inNorchia

    Überblick

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    Die ersten Grabfunde stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Es sind steinerne Urnenbehälter inPozzo-Gräbern (kleinen Erdeintiefungen), die belegen, dass die Protoetrusker ursprünglich die Feuerbestattung pflegten. Ab dem 8. Jahrhundert entstand das sogenannteFossagrab, eine Mulde, in die der intakte Körper gelegt und die mit einer Platte verschlossen wurde. Um 750 v. Chr. entwickelte sich die etruskische Seeherrschaft über das Tyrrhenische Meer. Dabei ging die Entwicklung vor allem von den Städten im südlichen Etrurien aus. Um 600 v. Chr. standen die Etrusker auf der Höhe ihrer Macht. Sie beherrschten zusammen mit den verbündetenKarthagern das westliche Mittelmeer und expandierten sowohl nach Süden bis in die Gegend des heutigenKampanien (Salerno) wie nach Norden in diePo-Ebene (Bologna).

    Die Städte waren in einem losen Städtebund (Zwölfstädtebund) zusammengeschlossen, der vor allem religiösen, weniger politischen Charakter hatte. Religiöses Zentrum war das beiOrvieto oderBolsena gelegeneFanum Voltumnae. Einen etruskischen Zentralstaat gab es nicht. Zwischen den Etruskern und derlatialen Kultur im Süden bestand ein intensives Verhältnis, das sich durch große Mengen an Prestigegütern aus Südetrurien in Latium zeigte und besonders durch die Könige Roms, die einem etruskischen Geschlecht entsprangen. Auch in der Architektur gab es wechselseitige Beeinflussung. Von einer etruskischen Herrschaft über Latium ist keinesfalls zu sprechen[14]. Die Herrschaftsform in den Städten war monarchisch. In lateinischer Umschrift bezeichnetelucumo den etruskischen König einer Stadt. Ansonsten ist nur wenig über die inneren Verhältnisse bekannt, auch wenn viele etruskische Elemente von den Römern übernommen wurden. Dazu zählen unter anderem die Purpurtunika und der Purpurmantel, die Rutenbündel mit Beil (fasces) und die Vorzeichenschau (Auspizien, vor allem durch Deutung des Vogelflugs). Wahrscheinlich lebte der Großteil der Bevölkerung in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zum Adel. Außergewöhnlich war die Stellung der Frau, der ein recht hohes Maß an Prestige zukam. + Ref

    In Küstennähe und im Süden Etruriens waren die wichtigsten Zentren der etruskischen Kultur: Pupluna (Populonia) mit der Verhüttung des Eisenerzes der InselElba,Tarquinia mit der Bronzeverarbeitung,Caere (Cerveteri), das die Kupfer-, Eisen- und Bleigruben derTolfaberge ausnutzte,Vulci und schließlichVeji im südlichen Landesinneren. Im Norden und im Landesinneren entwickelten sichCortona,Arezzo,Perugia,Chiusi undVolterra zu wichtigen Zentren. Dabei waren hier vor allem die Metallverarbeitung, die Keramikproduktion und wohl auch die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse vorherrschend. In kultureller Hinsicht gab es trotz verschiedener militärischer Konflikte auch einen fruchtbaren Austausch mit dergriechischen Welt. So war die etruskische Kunst von der griechischen beeinflusst.

    Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. gab es Bestrebungen seitens der Etrusker, sich nach Norden und Süden auszubreiten. Im Norden überquerten sie seit dem Ende des 7. Jahrhunderts denApennin und gründeten in der Po-Ebene eigene Städte. Vor allem zwischen den Jahren 550 bis 520 v. Chr. begann eine starke Etruskisierung. Die vorher auch hier verbreitete Villanovakultur verschwand fast völlig. Wegen des Fehlens direkter schriftlicher Quellen sind die Vorgänge im Einzelnen jedoch unsicher. Zunächst kam es vermehrt zu Importen aus Griechenland, was auf die Errichtung eines Handelsnetzes deutet. Man hat auch etruskische Inschriften aus der Zeit um 500 v. Chr. gefunden.[15]

    Karthago und die Etrusker bezwangen um 535 v. Chr. in derSeeschlacht vor Alalia in einer gemeinsamen Aktiongriechische Siedler ausPhokaia und konnten damit die phokaische Kolonie Massilia (das heutigeMarseille) durch eine Blockade der Meerenge zwischenKorsika undElba von ihrer Verbindung zur phokaischen KolonieElea abschneiden. Wohl nicht im Jahre 510 v. Chr. (wie die Sage berichtet), sondern erst einige Zeit später begann mit der Vertreibung derTarquinier aus Rom der langsame, aber stetige Niedergang der Etrusker. Die Niederlage gegen eine griechische Flotte in derSchlacht von Kyme im Jahr 474 v. Chr. schwächte die Seeherrschaft Etruriens nachhaltig. In Kampanien brach einige Zeit später die etruskische Herrschaft infolge von Kriegszügen derSamniten zusammen. Um 396 v. Chr. wurde Veji von Rom erobert und zerstört. Wenig später überrannten dieGallier das etruskische Gebiet im Norden; wenngleich sie es nicht dauerhaft besetzten, trug dies zusätzlich zur Schwächung der Etrusker bei. Bis 265 v. Chr. wurde das südliche Etrurien Zug um Zug von Rom erobert. Die Städte im Norden (Arezzo, Volterra, Perugia, Cortona) schlossen Bündnisverträge mit Rom ab und erreichten damit eine weniger dramatisch verlaufende Assimilation ins Römische Reich. Mit der Gewährung der uneingeschränktenrömischen Bürgerrechte wurde sie im Jahr 90 v. Chr. auch formal abgeschlossen.

    Die kulturellen Besonderheiten der Etrusker verloren sich in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten langsam, auch wenn die Städte Etruriens bis in dieRömische Kaiserzeit einige Besonderheiten im kultisch-religiösen Bereich pflegten.[16] Versinnbildlicht wird das Aufgehen der etruskischen Kultur im Römischen Reich etwa durch die Person desGaius Maecenas, der aus einer altadligen etruskischen Familie stammte und ein Vertrauter des ersten römischen KaisersAugustus war. Noch in der Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts wurde auf Münzen der Ehefrau des römischen KaisersDecius (regierte von 249 bis 251) mit der Nennung der Namen der KaiserinHerennia Cupressenia Etruscilla und des gemeinsamen SohnesHerennius Etruscus auf die Abstammung aus einer alten etruskischen Familie Bezug genommen.

    Einer der letzten römischen Kenner etruskischer Kultur und Sprache war KaiserClaudius, der vor seinem Regierungsantritt eine 20 Bücher umfassende Geschichte der Etrusker verfasste; allerdings ist dieses Werk nicht überliefert.

    Zeittafel

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    Bronzenes Pferd, Grabbeilage, 600 v. Chr. (Replik)
    Wandmalerei mit Musikern und Dienern,Tomba dei Leopardi, 400–450 v. Chr.Monterozzi-NekropoleTarquinia
    Etruskische Reiter, 540–520 v. Chr., Castel San Marino
    • um 800 v. Chr.: Anfänge der etruskischen Kultur und Städtebildung in Etrurien
    • um 750 v. Chr.: Aufstieg zur Seemacht
    • um 700 v. Chr.:Tumulus-Gräber und Grabmalerei; reiche Grabbeigaben
    • um 600 v. Chr.:Bronze­kunst im orientalisierenden Stil, Produktion vonBucchero-Keramik
    • 550 v. Chr.: Etrurisch-karthagische Koalition gegen Griechenland
    • 540 v. Chr.:Seesieg bei Alalia
    • 524 v. Chr.: Niederlage beiKyme gegen die Griechen
    • um 500 v. Chr.: Blüte des etruskischenCapua
    • um 500 v. Chr.: Sturz der etruskischen Königsherrschaft desLucius Tarquinius Superbus in Rom, der Sage nach im Jahre 510 v. Chr.
    • 482 v. Chr.: Beginn der Auseinandersetzung zwischenVeji und Rom
    • 474 v. Chr.: Niederlage der Etrusker gegenSyrakus in derSchlacht von Kyme (auch Cumae)
    • 430 v. Chr.: Niederlage gegen dieSamniten inKampanien
    • 406 v. Chr.: Belagerung von Veji durch Rom
    • 396 v. Chr.: Zerstörung von Veji durch Rom
    • ab 396 v. Chr.: Einfall der Kelten in diePo-Ebene
    • 384 v. Chr.: Plünderung vonPyrgi (Santa Severa) durchDionysios I. von Syrakus
    • 358 v. Chr.: Bündnis vonTarquinia undCerveteri gegen Rom
    • 310 v. Chr.: Niederlage gegen die Römer am Vadimone-See
    • 300 v. Chr.: Pyrgi wird römische Kolonie
    • 280 v. Chr.: Niederlage vonVulci gegen Rom
    • 264 v. Chr.: Niederlage vonVolsinii gegen Rom
    • 260 v. Chr.: Unterwerfung durch die Gallier in der Po-Ebene
    • 205 v. Chr.: UnterstützungScipios im Feldzug gegenHannibal
    • 183 v. Chr.: Gründung der römischen Kolonie inSaturnia
    • 90 v. Chr.: Gewährung desrömischen Bürgerrechts
    • 82 v. Chr.: RepressionenSullas in Etrurien
    • 79 v. Chr.: Kapitulation vonVolterra
    • ab 40 v. Chr.: Endgültige Romanisierung Etruriens

    Kultur

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    Etruskischer Kammhelm

    Die Epochen der etruskischen Kultur entwickelten sich parallel zu denen Griechenlands und zeugen von intensiven Kontakten im Mittelmeerraum:

    • Orientalisierende Kunst (800 bis 650 v. Chr.): Parallelen der Kultur der Etrusker sind sowohl zum Nahen Osten (Kleinasien) als auch zuKarthago festzustellen.
    • Archaische etruskische Kunst (650 bis 500 v. Chr.): starker Einfluss derionischen undkorinthischen Kultur. Eine Reihe griechischer Künstler und Handwerker sind in Etrurien nachweisbar.
    • Blütezeit (500 bis 300 v. Chr.): Der griechische Einfluss ist sehr groß, inklassischer wie auch inhellenistischer Zeit. Die Kunst erlebt ihre Blütephase trotz des langsamen wirtschaftlichen und politischen Niedergangs.
    • Spätzeit (300 bis 100 v. Chr.): Man kann von einem Dialekt des Hellenismus sprechen. Der etruskische Charakter ging im Hellenismus auf.

    Der größte Teil der Kunstgegenstände wurde in den etruskischenNekropolen (Cerveteri,Tarquinia,Populonia,Orvieto,Vetulonia,Norchia) ausgegraben. Bauliche Hinterlassenschaften fand man nur selten; meist handelt es sich lediglich um die Fundamente größerer Komplexe. Die am häufigsten vertretene Gruppe bilden dabei dieetruskischen Tempel, die seit ca. 1870 systematisch ergraben werden. Erst in letzter Zeit sind auch Reste derProfanarchitektur (Murlo bei Siena,Marzabotto bei Bologna, Acquarossa bei Viterbo,Talamone) wissenschaftlich ausgegraben und ausgewertet worden.

    Die wichtigsten Museen für etruskische Kunstgegenstände sind dasMuseo Nazionale Etrusco di Villa Giulia in Rom und dasArchäologische Museum in Florenz. Daneben sind die Sammlungen in Tarquinia, Chiusi, Orvieto, Arezzo, Volterra und Cortona wichtig.

    Die berühmteBucchero-Keramik, die Metallgefäße imitiert, war ebenfalls aus etruskischer Produktion und ein verbreitetes Exportgut.

    Religion

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    Hauptartikel:Etruskische Religion

    Auch die Religion der Etrusker wurde von der griechischen Überlieferung beeinflusst. Obwohl es sich – im Gegensatz zu allen anderen vorchristlichen Religionen des Abendlandes – um eineOffenbarungsreligion handelt, wurden die Gottheiten durch griechischen Einflussanthropomorphisiert und lehnten sich, vor allem in der Spätzeit, stark an die des griechischenOlymp an.

    Im Altertum berühmt war dieEtrusca disciplina, die Lehre von der Interpretation göttlicher Signale und vom korrekten Umgang mit der Götterwelt.Leberschau (Haruspizium) und eine Interpretation desVogelfluges und derBlitze waren ebenso Teil dieser Lehre wie das korrekte Vorgehen bei derLandvermessung. Diese Überlieferungen wurden von der etruskischenPriesterschaft streng gehütet.

    Voltumna galt als oberster Gott der Etrusker.

    Schrift und Sprache

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    Hauptartikel:Etruskische Schrift undEtruskische Sprache
    Etruskische Inschriften

    Es sind nur wenige längere Schriftstücke in etruskischer Schrift erhalten. Die vielenGrabinschriften sind sehr kurz und geben keinen tieferen Einblick in die Sprache. Von den längeren Schriftstücken sind vor allem dieAgramer Mumienbinde, die schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt und im Archäologischen MuseumZagreb ausgestellt ist, dieTontafel von Capua, dieGoldbleche von Pyrgi und dieBleiplatte von Magliano zu nennen.

    Die etruskische Schrift hat sich aus einem frühengriechischen Alphabet entwickelt, wird von rechts nach links geschrieben und kann leicht abgelesen werden. Die Sprache ist wegen des spärlichen Materials unvollständig entschlüsselt. Vorhandene Texte können jedoch, mit einigen Unschärfen, übersetzt werden. Gegenwärtig ist einWortschatz von etwa 150 Wörtern bekannt.[17]

    Die Verwandtschaftsverhältnisse des Etruskischen zu anderenSprachgruppen sind unklar.[17]

    Anatomisches Wissen

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    Eine im Pariser MuseumLouvre ausgestellte steinerne Skulptur, wahrscheinlich aus dem 3. oder 2. Jahrhundert vor Christus und der etruskischen Kultur zugeordnet, demonstriert in Einzelheiten besondereanatomische Kenntnisse. Sie zeigt als 68 cm hohe Büste den Torso eines jugendlichen Menschen, bekleidet bis auf den Bereich, der die vordere Leibeswand unterhalb des Brustkorbs gefenstert darstellt, mit Blick auf dieinneren Organe. Der Louvre hat die Büste 2011 für eine Viertelmillion Euro aus dem Besitz eines französischen Arztes ersteigert, der sie 1960 erworben hatte. Die Skulptur soll nach dessen Angaben aus der Grabungsstätte Canino nordwestlich von Rom stammen, dem antikenVulci, und war wohl eineVotivgabe.[18]

    Ausstellungen

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    Literatur

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    Für Literatur zu Spezialthemen siehe unter anderem die Literaturverzeichnisse in den ArtikelnEtruskologie,Etruskische Religion,Etruskische Sprache undEtruskische Schrift. Die folgende Aufstellung ist nach Erscheinungsdatum sortiert.

    Filme

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    • Die Etrusker – Eine antike Supermacht. 90-minütige Filmdokumentation von Alexis de Favitski (Frankreich 2020).
    • Die Botschaft der 12. Etruskerstadt. 45-minütige Dokumentation zur Ausgrabung von Vetulonia. (Deutschland 2010)

    Weblinks

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    Commons: Etruskische Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    Wiktionary: Etrusker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Anmerkungen

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    1. Dionysios von Halikarnassos: Ῥωμαϊκὴ ἀρχαιολογία (Antiquitates Romanae),1,30 (englische Übersetzung); sieheFriedhelm Prayon:Die Etrusker. Geschichte – Religion – Kunst. 5., überarbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2010, S. 31.
    2. Helmut Rix:Etr. meχ rasnal = lat. res publica. In: Maria Grazi Marzi Costagli (Hrsg.):Studi di antichità in onore di Guglielmo Maetzke. Band 2, Rom 1984, S. 455–468;Dirk Steuernagel:Rezension zu Luciana Aigner-Foresti, Geschichte und Erbe der Etrusker.Bryn Mawr Classical Review 2025.02.22.
    3. Siehe Brockhaus Conversations-Lexikon, Band 1, Amsterdam 1809,S. 395.
    4. abGuido Barbujani:Die Etrusker – eine populationsgenetische Studie. In: Günter Hauska (Hrsg.):Gene, Sprachen und ihre Evolution. Universitätsverlag, Regensburg 2005,ISBN 3-930480-46-8, S. 185 ff.
    5. Marco Pellecchia:The mystery of Etruscan origins – novel clues from Bos taurus mitochondrial DNA. In:Proceedings of the Royal Society of London B. Nr. 274, London 2007,doi:10.1098/rspb.2006.0258,ISSN 0080-4649, S. 1175–1179.
    6. Alessandro Achilli, Anna Olivieri, Maria Pala, Ene Metspalu, Simona Fornarino, Vincenza Battaglia, Matteo Accetturo, Ildus Kutuev, Elsa Khusnutdinova, Erwan Pennarun, Nicoletta Cerutti, Cornelia Di Gaetano, Francesca Crobu, Domenico Palli, Giuseppe Matullo, A. Silvana Santachiara-Benerecetti, L. Luca Cavalli-Sforza, Ornella Semino, Richard Villems, Hans-Jürgen Bandelt, Alberto Piazza, Antonio Torroni:Mitochondrial DNA Variation of Modern Tuscans Supports the Near Eastern Origin of Etruscans. In:The American Journal of Human Genetics.Nr. 80(4). Elsevier, 2007,ISSN 0002-9297,S. 759–768,PMC 1852723 (freier Volltext) – (englisch). 
    7. Etrusker stammten aus Anatolien. DNA-Vergleich beantwortet Frage nach dem Ursprung der rätselhaften Kultur. Scinexx, das Wissensmagazin, 19. Juni 2007; abgerufen am 4. Oktober 2021. 
    8. Herkunft der Etrusker geklärt. Genvergleich mit Ergebnis. Archiviert vom Original am 28. September 2007; abgerufen am 6. März 2018. 
    9. „Genetic tests: Italians were from Turkey. DNA of men whose forebears probably were Etruscans show they weren’t local, but migrated, study says.“,Los Angeles Times, Juni 2007
    10. C. Vernesi, D. Caramelli, I. Dupanloup, G. Bertorelle, M. Lari, E. Cappellini, J. Moggi-Cecchi, B. Chiarelli, L. Castrì, A. Casoli, F. Mallegni, C. Lalueza-Fox, G. Barbujani:The Etruscans: a population-genetic study. In:The American Journal of Human Genetics. Band 74, Nummer 4, April 2004, S. 694–704,doi:10.1086/383284,PMID 15015132,PMC 1181945 (freier Volltext). Zitat:
      „Die kürzesten genetischen Distanzen der Etrusker bestehen zu modernen Toskanern (FST=0,036; P=.0017) und Türken (FST=0,037; P=.0001); […]. Mutmaßliche Beiträge der einzelnen Ursprungsvölker bzw. die Vermischungskoeffizienten sind für die drei modernen italienischen Populationen ähnlich, doch unterscheiden sich Etrusker in zweierlei Hinsicht: Sie zeigen engere Beziehungen zu Nordafrikanern als auch zu Türken als jede andere zeitgenössische Population. Insbesondere ist die türkische Komponente in ihrem Genpool dreimal so groß wie in den anderen Populationen.[…] die Ähnlichkeit zwischen dem etruskischen und dem türkischen Genpool könnte einen gewissen Genfluss widerspiegeln.“
    11. Barker, Rasmussen:The Etruscans, 83-84
    12. Neue Hinweise zum Ursprung der Etrusker auf wissenschaft.de vom 24. September 2021; abgerufen am 10. Juni 2022.
    13. Cosimo Posth, Valentina Zaro, Maria A. Spyrou, Stefania Vai, Guido A. Gnecchi-Ruscone, Alessandra Modi, Alexander Peltzer, Angela Mötsch, Kathrin Nägele, Johannes Krause u. a.:The origin and legacy of the Etruscans through a 2000-year archeogenomic time transect. In:Science Advances.Band 7,Nr. 39. American Association for the Advancement of Science, 2021,ISSN 2375-2548,doi:10.1126/sciadv.abi7673 (englisch). 
    14. Bentz, Martin, “2.3.5. Etrurien, Etrusker”, in: Der Neue Pauly Supplemente II Online - Band 10 : Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen, Herausgegeben von Anne-Maria Wittke. Serie: Der Neue Pauly – Supplemente, 2. Staffel, herausgegeben von Manfred Landfester und Helmuth Schneider, Band 10. Stuttgart. J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH (2015).doi:10.1163/2468-3418_dnpo10_COM_005794
    15. Graeme Barker, Tom Rasmussen:The Etruscans. Wiley-Blackwell, Oxford 1998,ISBN 0-631-22038-0, S. 140
    16. Zur Religionsgeschichte des kaiserzeitlichen Etrurien siehe Annalisa Calapà:Sacra civitatium Etruriae. Untersuchungen zur Religionsgeschichte des römischen Etrurien. W. Kohlhammer, Stuttgart 2022,ISBN 978-3-17-041010-7.
    17. abHelmut Glück:Etruskisch. In: Helmut Glück (Hrsg.):Metzler Lexikon Sprache. 3. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2005,ISBN 3-476-02056-8,S. 182,Sp. 1. 
    18. Spiegel online-ArtikelAntike Statue zeigt menschliche Innereien vom 1. September 2011
    Normdaten (Sachbegriff):GND:4015627-8 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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