KastanienVerbreitungsgebiet :✖ Ursprüngliches Verbreitungsgebiet :✖ Angebaut und isoliert vorkommendBlätterAuf dem Boden liegende Kastanien
DieEdelkastanie (Castanea sativa), auchEsskastanie undEchte Kastanie (abgeleitet von lateinischcastanea) genannt, ist der einzige europäische Vertreter derGattungKastanien (Castanea) aus derFamilie derBuchengewächse (Fagaceae). Die Edelkastanie ist ein sommergrüner Baum und bildetstärkereicheNussfrüchte. In Süd- und Westeuropa wird sie wegen dieser essbaren Früchte und als Holzlieferant angebaut. Im 20. Jahrhundert gingen die Bestände durch den Befall mit demKastanienrindenkrebs stark zurück, erholten sich jedoch Ende des 20. Jahrhunderts wieder. Die Esskastanie wurde zumBaum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf denKlimawandel seit einiger Zeit als Baum der Zukunft.[1]
Die Früchte werden zum einen mit dem ÜberbegriffKastanien bezeichnet, mit dialektalen Varianten wieKeschde in derPfalz[2] undKeschtn inSüdtirol.[3] In weiten Teilen Österreichs ist sie imDialekt unter dem BegriffKestn[4] oderKästen[5] bekannt. Zum anderen sind sie alsMaronen bekannt, mit den VariantenMaroni inÖsterreich undMarroni in der Schweiz. Vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Edelkastanie in den Bergregionen Südeuropas das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung, da sie anspruchsloser als z. B. Weizen ist. Die in Europa weit verbreitet gepflanztenRosskastanien sind trotz vieler Ähnlichkeiten weder mit der Edelkastanie verwandt noch sind die Früchte der Rosskastanie zum menschlichen Verzehr geeignet.
Selten wachsen Edelkastanienstrauchförmig. Sie werden durchschnittlich 15 bis über 25 Meter, selten bis über 35 Meter hoch.[6] Der Stammumfang liegt meist bei 1 bis 5 Metern,[7] kann bei sehr alten Bäumen aber durchaus über 10 Meter erreichen.[8] Der Stamm ist meistens gerade und kräftig, die Verzweigung beginnt oft in geringer Höhe, wobei wenige starke Äste gebildet werden. Die Krone ist weit ausladend und hat eine rundliche Form. Über 100 Jahre alte Bäume werden oft hohl.[9]
Edelkastanien erreichen in der Regel ein Alter von 500 bis 600 Jahren. In Mitteleuropa werden sie kaum über 200 Jahre alt, in Westeuropa können sie bis 1000 Jahre alt werden.[9] Der größte bekannte Baum ist der sehr dickeCastagno dei Cento Cavalli (Kastanienbaum der hundert Pferde) bei Sant’ Alfio aufSizilien, der auf ein Alter von mindestens 2000 Jahren geschätzt wird. Sein Stammumfang wird mit rund 50 Metern angegeben. Er macht damit beinahe dem stärksten Baum der Welt, der SumpfzypresseÁrbol del Tule (Taxodium mucronatum) in Mexiko Konkurrenz, dessen Umfang zwischen 46 und 58 Metern liegen soll.[10]
Das Wurzelsystem der Edelkastanien ist sehr kräftig ausgeprägt. Sie bilden einePfahlwurzel, die allerdings nicht sehr tief in den Boden eindringt. Es gibt relativ wenige Seitenwurzeln, die aber intensiv verzweigt sind und den Boden vertikal und horizontal gut erschließen. Sämlinge bilden in ihrem ersten Jahr eine bis 40 Zentimeter lange Pfahlwurzel, der im zweiten und dritten Jahr die Seitenwurzeln folgen.
Die jungen Zweige sind hell-rotbraun gefärbt. Sie tragen etliche runde bis elliptische, weißlicheLentizellen. DieRinde junger Triebe ist von einem Reifbelag bedeckt, der später meist verschwindet. DieBlattnarben zeichnen sich auf den Zweigen als leicht erhabene Dreiecke mit drei Gruppen vonLeitbündelspuren ab. Im Zentrum der Zweige befindet sich einMark, das im Querschnitt fünfeckig, seltener dreieckig ist.
Junge Äste haben eine glatte, rötlichbraune Rinde mit länglichen, quer verlaufenden Lentizellen. Bei jungen Stämmen ist sie noch glatt, jedoch silbrig-grau. Im Alter wird sie graubraun und reißt auf. Es bildet sich eine dickeBorke mit breiten Streifen, die meist spiralig um den drehwüchsigen Stamm laufen. Fast immer ist es eine linksdrehende Spirale. Die Borke ist mit einemTanningehalt von 4 bis 12 % des Trockengewichts sehr reich anGerbstoffen.
DasHolz der Edelkastanie ist ringporig und mittelschwer. Es hat eine Rohdichte (bei 15 % Feuchte) von 0,63 Gramm je Kubikzentimeter. DasSplintholz ist schmal und weißlich gelb. Es ist deutlich vom braunenKernholz abgegrenzt. DieJahresringe sind deutlich zu erkennen.Holzstrahlen sind zahlreich vertreten, gleichmäßig aufgebaut, ein- oder zweireihig und werden 15 bis 30 Zellreihen hoch. Das Holz weist einen hohen Tanningehalt von bis zu 13 % des Trockengewichts auf. Der hohe Tanningehalt bewirkt eine hohe Beständigkeit gegen Fäulnis, darum werden Pfosten aus diesem Holz im Weinbau eingesetzt, sie sind außerdem leichter als entsprechende Pfosten aus Eichenholz.
Aufgeschnittener Stamm eines Kastanienbaumes
Querschnitt durch einen Stamm
Männlicher Blütenstand inAnthese auf einem Blatt liegend
DieWinterknospen sind 8 bis 10 Millimeter lang, leicht gestaucht und rötlich. Sie haben zwei bis drei Knospenschuppen. Die Knospen stehen einzeln an den Triebspitzen oder als Seitenknospen in spiraliger Anordnung (wie später auch die Blätter). Die Verzweigung der Edelkastanie erfolgtsympodial: die Endknospen sterben im Herbst ab, die nächsttiefere Seitenknospe übernimmt im Frühjahr das Längenwachstum des Triebes.
Die kurz gestieltenLaubblätter erscheinen aufgrund der Drehung ihrer Blattstiele zweizeilig angeordnet. Der Blattaustrieb erfolgt Ende April bis Anfang Mai. Die zunächst leicht behaarten, unterseits helleren Blätter verkahlen rasch. Die Länge der Blätter beträgt 12 bis 20 Zentimeter, die Breite 3 bis 6 Zentimeter, der Blattstiel misst 1,5 bis 2,5 Zentimeter. Die Blattform ist eiförmig bis verkehrt-eiförmig oder elliptisch, lanzettlich, die Blattspitze ist spitz bis zugespitzt, die Basis ist spitz bis abgerundet oder leicht herzförmig. Der Blattrand ist spitzig, teils buchtig, gesägt, die Zähne enden in einer kleinen, nach vorne gerichtetenGranne oder Stachelspitze. Die Blätter sind leicht ledrig, die Oberseite ist glänzend tiefgrün und kahl, die Unterseite ist heller, hier treten die 12 bis 20 Aderpaare klar hervor. Die Herbstfärbung ist gelbbraun, direkt vor dem Abfallen braun. Die beiden linearen, 1,5 bis 2 Zentimeter langenNebenblätter fallen früh ab.
Mit 20 bis 30 Jahren beginnen die Edelkastanien zu blühen.[11] Die Blüten erscheinen im Juni/Juli. Sie sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), ihre männlichen und weiblichen Organe befinden sich in getrenntenBlüten, aber auf einer Pflanze.
Die funktionell männlichen Blüten stehen in achselständigen, schlanken, 20 bis 25 Zentimeter langen Blütenständen,Kätzchen. Die männlichen Blüten besitzen eine sechszähligeBlütenhülle (Perigon) und acht bis zwölfStaubblätter sowie oft einen Pistillode. Der reichlich produziertePollen riecht intensiv durch die Bildung vonTrimethylamin.
Die weiblichen Blüten stehen meist zu dritt in einem schuppigenFruchtbecher zu wenigen am Grund der oberen männlichen Blütenstände (zwittriger Blütenstand). Sie besitzen ebenfalls ein sechszähliges, behaartes Perigon. DerFruchtknoten ist unterständig und besteht aus sechs (bis acht)Fruchtblättern, die ebenso viele Fächer bilden, wobei im Zentrum eine kräftige Säule (Columella) steht. Er trägt ebenso sechs (selten vier bis neun) starre, an der Basis behaarteGriffel. Jeder Fächer besitzt zweizentralwinkelständigeSamenanlagen. Nur eine Samenanlage pro Fruchtknoten entwickelt sich zum Samen.
Fruchtstand der Edelkastanie im SommerGeöffneteCupula mit FrüchtenBehaarte Spitze der Nuss mit den Griffelästen und Perianthresten
Die Früchte sind glänzende, dunkelbrauneNüsse. Sie sind von einem stacheligen Fruchtbecher (Cupula) umgeben. Die Stacheln sind anfangs grün und zur Reife gelbbraun. Bei der Wildform hat der Fruchtbecher einen Durchmesser von 5 bis 6 Zentimetern, bei Kulturformen kann er bis 10 Zentimeter erreichen. Bei Vollreife öffnet sich der Fruchtbecher mit vier Klappen und entlässt die ein bis drei Früchte. Bei manchen Sorten fällt der Fruchtbecher mitsamt den darin enthaltenen Nüssen ab.
DasPerikarp der Nüsse ist ledrig, glatt sowie gleichmäßig braun und gestreift. An der Basis der Frucht befindet sich ein großer, weißlicher Nabelfleck (Hilum), die Trennstelle, an der sich die Frucht von der Cupula löst. Sie entspricht einem Querschnitt durch den stark verdickten, stark verkürzten Blütenstiel. Mit freiem Auge zu erkennen ist hier der Leitbündelring. Die Leitbündel sind am Perikarp häufig als Längsrippen zu erkennen. Das meist behaarte Ende der Frucht ist bespitzt und besteht aus denPerianthresten und den Griffelästen. Im Inneren liegt dem Perikarp ein behaartesEndokarp an. Die Scheidewände des Fruchtknotens haben sich aufgelöst, die Columella ist durch den Samen zur Seite gedrängt. DerSamen hat eine häutige, gerbstoffreicheSchale. Das Innere des Samens wird vollständig von denKotyledonen eingenommen, die aus zwei großen Keimblättern bestehen. Die Keimwurzel (Radicula) befindet sich nahe der Fruchtspitze. Die Kotyledonen sind mehr oder weniger gefurcht. Dadurch haftet die Samenschale gut an und lässt sich so schlecht entfernen.
DieAusbreitung der „Plumpsfrüchte“ erfolgt durchEichhörnchen,Siebenschläfer,Krähen undHäher. Die Tiere verstecken Nahrungsvorräte im Boden, vergessene Früchte keimen dann im Frühjahr aus.[13] Aus Samen gekeimte Bäume tragen erstmals mit etwa 25 bis 35 Jahren Früchte.
Die Nüsse haben einen hohen Gehalt anKohlenhydraten,Stärke undSaccharose. Der hohe Zuckergehalt zusammen mit dem hohen Wassergehalt frischer Früchte macht sie leicht verderblich. Der hohe Kohlenhydratgehalt unterscheidet die Kastanien von den meisten anderen Nüssen, die vorwiegendFette enthalten. Der Proteinanteil ist frei vonProlamin undGlutenin, Kastanienmehl ist daher nur in Mischung mit anderem Mehl backfähig. Der Gehalt an für den Menschenessentiellen Aminosäuren ist hoch. Der Proteingehalt ist höher als inKartoffeln, aber geringer als inGetreide. Der Fettgehalt ist gering, hat aber einen hohen Anteil anLinol- undLinolensäure (550–718 Milligramm Linolsäure und 78–92 Milligramm Linolensäure je 100 Gramm Frischmasse).[14] DerKalium-Gehalt ist hoch, der Natriumgehalt sehr niedrig (9 Milligramm je 100 Gramm Frischmasse).[14] An Vitaminen sind nur zwei Vitamine der B-Gruppe in größeren Mengen vorhanden:Riboflavin (B2) undNicotinsäure (B3), die auch temperaturstabil sind.[15] Ein weiterer, 2021 gefundener Inhaltsstoff der Blätter istCastaneroxy A,[16] wirksam gegenMRSA (Methicillin/Multi(drug)-resistenteStaphylococcus aureus).[17]
Die Edelkastanie blüht relativ spät, im Juni nach der Laubbildung. Die Pflanzen sindproterandrisch, die männlichen Blüten öffnen sich bis sieben oder zehn Tage vor den weiblichen, abhängig von der Sorte. Die eingeschlechtlichen Kätzchen blühen vor den zwittrigen – ein Phänomen, das Duodichogamie genannt wird. Ein Baum produziert rund einen Monat lang Pollen.
Die Art der Bestäubung ist in der Literatur umstritten. Manche Autoren bezeichnen die Edelkastanie alswindbestäubt, andere alsinsektenbestäubt, wieder andere nennen beide Bestäubungsarten. Die Bildung vonNektar, klebrigen Pollen, steifen, aber weichenStaubblättern und der starke Geruch der Kätzchen entsprechen einer Anpassung an Insektenbestäubung. Neben Bienen wurden 134 weitere Insektenarten aus sechsOrdnungen, vorwiegendKäfer, beobachtet. Insekten besuchen jedoch fast ausschließlich männliche Blüten. Windbestäubung kann über Distanzen von 20, sogar 100 Kilometern erfolgen, allerdings ist die Pollendichte nur innerhalb von 20 bis 30 Metern einigermaßen ausreichend.
Nach Marco Conedera befindet sich die Edelkastanie in einem Übergangsstadium von Insekten- zu Windbestäubung. Insektenbestäubung erfolgt demnach vor allem bei feuchter Witterung, der Pollen ist dann klebriger.[18]
Die Edelkastanie istselbstinkompatibel, eine Pflanze kann sich nicht selbst bestäuben, es istFremdbestäubung nötig. Viele kultivierte Sorten sind allerdings männlich-steril, sie bilden keinen funktionsfähigen Pollen. In diesem Fall müssen in den Plantagen in regelmäßigen Abständen pollenspendende Bäume anderer Sorten gepflanzt werden.
Wurzelstock einer Edelkastanie inLas MédulasStamm und Borke eines alten Baums mit einer erwachsenen Person als Größenvergleich
Da die Edelkastanie seit derAntike im gesamtenMittelmeerraum wie auch den nördlich angrenzenden Gebieten angebaut wird, lässt sich ihr natürliches Verbreitungsgebiet nicht genau feststellen. Als Nordgrenze des natürlichen Verbreitungsgebiets werden vonBottacci (2006) diePyrenäen und derAlpensüdrand angenommen, weiterhin die Gebirge Bosniens, dieRhodopen und derKaukasus. Sie kommt inKleinasien, im nördlichen Syrien sowie an den Nordhängen desAtlasgebirges vor. Die Höhengrenze liegt in den Alpen und imApennin bei 1000 m, aufSardinien und Sizilien bei 1500 m, in Spanien bei 1600 m und im Kaukasus bei bis zu 1800 m.Großflächige Pflanzungen gibt es in weiten Teilen Frankreichs (vor allem jedoch im Gebiet derArdèche, in denCevennen und imPérigord), im Süden Englands und Irlands sowie von der ungarischen Tiefebene bis zum Schwarzen Meer etwa im Gebiet südlich der Donau. Vereinzelte Pflanzungen und Bestände finden sich nördlich der Alpen bis nach Deutschland und Südskandinavien. Nördlich des 48. bis 50. Breitengrades reifen die Früchte nicht regelmäßig, hier wird die Edelkastanie als Holzlieferant und als Parkbaum gepflanzt (siehe z. B. die Esskastanienbäume in derParkanlage von Kynast).
Im östlichen Verbreitungsgebiet gibt es drei Regionen mit jeweils einheitlichem Genpool:
Nordost-Türkei (dieses Gebiet dürfte das Refugium der Art während der letzten Eiszeit gewesen sein)
Griechenland
türkische Mittelmeerküste
Die zugrunde liegenden genetischen Untersuchungen stützen frühere Annahmen, dass alle europäischen Bestände (mit Ausnahme Griechenlands) in den letzten rund 2000 Jahren mit kleinasiatischen Pflanzen begründet wurden.[19]
An der Alpensüdseite inSüdtirol, in Höhenlagen zwischen 700 und 900 m besitzt die Edelkastanie eine wichtige touristische Rolle in der regionalen Direktvermarktung.
Die Edelkastanie bevorzugt temperat-humide, ozeanische Klimabedingungen sowie saure Böden. Sie ist wärmeliebend und einesubmontan-mediterrane Baumart. Die Jahresmitteltemperatur sollte zwischen 8 und 15 °C liegen bei warmen Herbsten und mindestens sechs Monaten über +10 °C. Sie ist sehr empfindlich gegen Spätfröste. Für eine gute Entwicklung benötigt sie eineWärmesumme der Tagesmittelwerte von 3600Gradtagen. Ältere Exemplare imElbe-Weser-Dreieck zeigen keine Frostschäden.
Bei den benötigten Niederschlägen gilt die Edelkastanie alsmesophil: Sie entwickelt sich gut bei Niederschlägen zwischen 600 und 1600 mm pro Jahr. Eine verregnete Blütezeit im Juni verträgt sie schlecht. In dürregefährdeten Lagen, in Gebieten mit ausgeprägter Sommertrockenheit, sowie auf staunassem Boden gedeiht sie nicht. Die Edelkastanie ist eine Lichtbaumart und wird bei zunehmender geographischer Breite noch lichtbedürftiger.
Der beste Boden für die Edelkastanie ist frisch, locker und tiefgründig mit einem hohenKalium- undPhosphor-Gehalt. Auf älteren, tiefgründigen Kalkböden mit genügend verfügbarem Kalium und Phosphor und einem Kalkgehalt unter 20 Prozent kann sie gedeihen, ansonsten meidet sie Kalk. Auf schweren, tonigen Böden gedeiht sie nicht. Sehr gut geeignet sind phosphorreiche vulkanische Böden.
Die Edelkastanie kommt vor in Gesellschaften der KlasseQuerco-Fagetea, besonders imBetulo-Quercetum aus dem VerbandQuercion roboris und in Gesellschaften des UnterverbandsLuzulo-Fagenion.[12]
Die zwei wichtigsten Krankheiten wurden durchPilze verursacht. DerKastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) wurde 1938 aus Amerika eingeschleppt und hat in den folgenden Jahrzehnten große Teile der Kastanienbestände vor allem in Südeuropa vernichtet. Durch die biologische Bekämpfung mit hypovirulenten Stämmen ist die Edelkastanie nicht mehr in ihrem Bestand bedroht und beginnt sich in vielen Gebieten wieder zu erholen.
DieTintenkrankheit, ausgelöst durch diePhytophthora-ArtenPhytophthora cambivora undPhytophthora cinnamomi, befällt Bäume bevorzugt auf feuchteren Böden. DasMycel dringt in die Wurzeln ein und führt zu Blattwelke, fehlender Fruchtbildung bis zum Absterben der Krone. An der Stammbasis bilden sich häufig schwarzeExsudate, die zum Namen der Krankheit geführt haben.
Die Edelkastanie wird innerhalb der GattungKastanien (Castanea) in dieSektionEucastanon gestellt, die durch drei Früchte proCupula ausgezeichnet ist. In diese Sektion gehören auch die beiden anderen als Schalenobst genutzten ArtenChinesische Kastanie (Castanea mollissima) undJapanische Kastanie (Castanea crenata).[23]
DieRosskastanien (Aesculus) gehören zur Familie derSeifenbaumgewächse und sind nicht mit den Kastanien verwandt, der gleiche Name beruht auf der oberflächlichen Ähnlichkeit ihrer Früchte mit dem Fruchtstand der Kastanien (brauner Kern instacheliger Hülle).
Die Edelkastanie wird in unterschiedlichen Formen angebaut:[24][9]
DerHochwald ist die extensive Form der Bewirtschaftung. Er entsteht meist aus Samen und bildet häufig eine geschlossene Kronschicht.
EineSelve ist eineHochstamm-Plantage bestehend aus gepfropften Bäumen. Hier haben die Bäume einen kurzen Stamm und eine große Krone, die Hauptäste setzen tief am Stamm an. Das Hauptprodukt ist die Frucht. Die Dichten betragen häufig 80 bis 100 Bäume je Hektar. In modernen Plantagen sind die Bäume relativ niedrig. In den traditionellen Selven wie im Tessin und aufKorsika sind es hohe Bäume, zwischen denen das Vieh geweidet wird.
Niederwald wird imUmtrieb von 15 bis 30 Jahren bewirtschaftet, in Frankreich bis 40 Jahre. Die Niederwaldwirtschaft war traditionell mit dem Weinbau verbunden, das Kastanienholz wurde zuFassdauben und Stecken verarbeitet.
Die Welternte 2023 an Kastanien betrug laut FAO 2.095.741 Tonnen, wovon allerdings nur ein Teil auf die Edelkastanie entfiel. InOstasien sowie inPortugal werden vorwiegend die chinesische (Castanea mollissima) und die japanische Kastanie (Castanea crenata) angebaut.[25]
In Europa werden neben der Edelkastanie auchHybriden aus dieser und der Japanischen Kastanie angebaut. Diese sind resistenter gegen Kastanienrindenkrebs, aufgrund ihres früheren Austriebs aber empfindlicher gegen Spätfröste.
Es gibt mehrere hundert Sorten, die meist nur kleinräumig angebaut werden und häufig an das Lokalklima angepasst sind. Allein in Frankreich sind über 700 Sorten registriert.[26] Die Vermehrung der Sorte erfolgt überwiegend vegetativ durch dasAufpfropfen aufUnterlagen.
Das WortMaroni wird nicht einheitlich verwendet. Häufig werden damit einfach besonders große Früchte bezeichnet. In Frankreich istmarron definiert für Früchte, bei denen keine Samenhaut eingewachsen ist und weniger als 12 Prozent der Nüsse gespalten sind, wenn also die Samenhaut die beidenKeimblätter einzeln umschließt. In Italien wiederum werden mitmarroni große Sorten von herausragender Qualität, länglicher Form, und rötlicher, glänzender Schale mit dichten Streifen und einer kleinen Narbe bezeichnet. Sie sind süß, nicht gespalten und nicht hohl sowie leicht zu schälen. Maroni bilden darüber hinaus meist nur eine, seltener zwei Früchte pro Fruchtbecher, sind dadurch runder. Die meisten Maroni-Sorten sind männlich steril.[15] In der Steiermark wird zwischen Maroni und den Sorten unterschieden, die in Wäldern wild wachsen.[5]
Frische Kastanien sind leicht verderblich und müssen zur Lagerung vorbehandelt werden. Eine traditionelle, nur mehr in der Türkei übliche Methode ist die „Ricciaia“, bei der die Kastanien in den Fruchtbechern zu Haufen geschichtet werden, hierfermentieren und dadurch für einige Monate haltbar werden. Auch eine Aufbewahrung in Erdgruben und Mieten wird beschrieben.[27] Industriell weit verbreitet ist die Hydrotherapie: die Früchte werden für einige Tage in kaltem Wasser eingelegt, dieMilchsäuregärung führt zu einer Konservierung der Kastanien, anschließend werden sie getrocknet. Weitere Konservierungsmethoden sind Trocknen, gekühlte Lagerung, Begasung mitMethylbromid, Lagerung unterKohlendioxid-Atmosphäre und Tiefgefrieren sowie Räuchern.
Holz der EdelkastanieTraditionelles Mobiliar aus Edelkastanienholz in derHaute-Vienne
DasHolz der Edelkastanie hat einen warmen, goldbraunen Ton. Verglichen mit Eichenholz fehlen Markstrahlen, so dass die Maserung nicht so stark ausgebildet ist. Es ist leicht zu bearbeiten und im Freien auch ohne chemische Behandlung weitgehend witterungs- und fäulnisbeständig. Daher erfolgte über die Römer eine Ausbreitung gen Norden zur Nutzung als Rebstöcke.
Das Holz ist bzgl. der Dauerhaftigkeit mit dem der Eiche vergleichbar. Bei erheblich schnellerem Wachstum.
Da der Faserverlauf meist gerade ist, kann es verhältnismäßig gut gebogen werden.[28] Es nimmt Politur, Beizen, Lack und Farbe gut an.[9]
Holz vonHochwald-Bäumen wird zu Möbeln und zu Fenster- und Türrahmen verarbeitet, aber auch zu Telegraphenmasten und ähnlichem. Kleinere Hölzer aus dem Niederwald werden zu Gartenzäunen, Weidepfosten, Wein- und Likörfässern verarbeitet. In der Vergangenheit war die Holzkohlenerzeugung und die Nutzung als Feuerholz von großer Bedeutung.[29] Das Holz wird außerdem für Eisenbahnschwellen, Decken- und Dachbalken und bei Hang- und Lawinenbauten sowie im Schiffbau eingesetzt.[9] Weiterhin werden drei- bis vierjährige Schößlinge zur Herstellung von Wanderstöcken verarbeitet.
Die Borke wurde in der Vergangenheit zum Ledergerben verwendet.[30]
Kastanien haben eine breite Verwendungspalette. Als Halbfertigprodukte werden geschälte Maroni und Kastanien sowieKastanienpüree hergestellt, sie werden weiterverarbeitet, bevor sie an den Endverbraucher gelangen. Die Palette an Fertigprodukten ist wesentlich größer: ganze geschälte Kastanien werden vor allem in Frankreich zum Kochen im Haushalt verwendet, sie dienen häufig als Beilage. Kastanien können auch in Wasser, trocken oder vakuumverpackt sein, tiefgefroren oder in Zuckersirup eingelegt. Große Maroni (55 bis 65 Stück je kg) werden kandiert, das heißt langsam in Zuckersirup gekocht. Sie dienen unter anderem als Grundlage für die Herstellung vonMarrons Glacés, glasierten Maroni. Weitere Produkte sind Maroni in Alkohol,Maronenkrem, -mehl und -flocken. Maronenmehl wird aus getrockneten und geschälten Kastanien hergestellt und meist mehrfach gemahlen. In der Vergangenheit war es sehr weit verbreitet und in vielen Gebieten ein Hauptnahrungsmittel. Es wird zuGnocchi,Pasta,Brot,Polenta und Gebäck verarbeitet. Maronenflocken werden in Frühstücks-Müslis verwendet. In Frankreich und Italien wird aus Kastanien Likör hergestellt, auf Korsika und in der Schweiz Bier.[15]
Vermicelles mit Vanilleeis
Kastanien sindglutenfrei, das Mehl kann daher vonZöliakie-Kranken als Getreide-Ersatz verwendet werden.[15] Kastanien werden gekocht oder geröstet alsBeilage verwendet oder als Salatzutat. Sie werden zuHuhn,Truthahn,Schwein,Gans undHase als Beilage gereicht oder zum Füllen verwendet. Als Süßigkeit werden Kastanien zu den erwähnten marrons glacés, zuVermicelles,Mousse,Soufflé, Creme undEiscreme verarbeitet. Traditionelle Desserts sindcastagnacci (Kastanienbrot),necci (Pfannkuchen), Pudding undballotte (Kastanien in Fenchelwasser gekocht). Weit verbreitet sind geröstete Kastanien, die auch außerhalb der Anbaugebiete im Winter auf Straßen verkauft werden.[15] Maronen haben einen zart süßen, nussigen und etwas mehligen Geschmack.
Aus den Kastanien kann auch einBier gebraut werden.
ImBurgenland werden dieKaesten, wie die Edelkastanien im dortigen Dialekt bezeichnet werden, zu dentraditionellen Lebensmitteln gezählt. Bereits dieZisterzienser, die hier als Urbarmacher der Region gelten, pflanzten Kastanien. Unter ungarischer Herrschaft vor 1918 waren zahlreiche Kulturen vorhanden.[31] Edelkastanienbäume werden alsBrotbaum der weisen Voraussicht und ihre Früchte als wichtige kalorienreiche Dauernahrung im Winter beschrieben.[32]
Kastanienhonig ist bernsteinfarben oder noch dunkler und aromatisch. In traditionell bewirtschafteten Wäldern können verschiedene Pilze geerntet werden, die einen Zuverdienst für die Kastanienbauern darstellen. Die Blätter werden zu einem kleinen Teil für die Produktion von Aftershave-Lotions und zum Färben von Stoffen verwendet.[15] Neue Forschungsberichte belegen eine Wirksamkeit gegenMRSA-Bakterien.[33]
Traditionell ist die Schweinemast mit Kastanien, besonders in Spanien, Süditalien und auf Korsika. Aus ihrem Fleisch wird vorwiegend Schinken und Salami hergestellt.[15] Traditionell wurden die abgefallenen Blätter als Streu sowohl als Dünger oder Einstreu in Stallungen verwendet. Die Blätter werden in der Volksmedizin bei Husten, zur Wundbehandlung und bei Durchfall eingesetzt.[9]
Die Edelkastanie hat während der letzten Eiszeiten ihr Areal mehrmals vergrößert und verkleinert. Im kaukasisch-armenischen Gebiet wurde sie bereits in prähistorischer Zeit gegessen sowie das Holz verarbeitet. Die Kultivierung als Obstbaum dürfte in der Zeit zwischen 9. und 7. Jahrhundert v. Chr. erfolgt sein im Gebiet zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer. Von hier verbreitete sie sich rasch nachKleinasien, Griechenland und auf den Balkan.
In dergriechischen Antike wurde die Edelkastanie verbreitet kultiviert, inSparta etwa wurden daraus schwarzes Brot, Mehl und Suppen hergestellt. Erwähnt werden Kastanien in den Werken vonJesaja,Homer,Xenophon undHippokrates. Griechen undPhönizier handelten die Früchte im ganzen Mittelmeergebiet. In Großgriechenland (Magna Graecia), besonders inKalabrien, wurde die Edelkastanie angepflanzt.
Die Römer verbreiteten die Edelkastanie im ganzenRömischen Reich bis nachBritannien, neben Kastanien und Holz wurden auch der Honig und als Medizin Rinde, Blätter und Blüten verwendet. Viele Schriftsteller beschäftigten sich unter verschiedensten Aspekten mit der Edelkastanie, soPlinius der Ältere,Columella,Vergil,Ovid undDioskurides.Augustus’ KochApicius überlieferte Kochrezepte. Generell stand die Edelkastanie in hohem Ansehen.
Imfrühen Mittelalter war die Edelkastanie im südlichen Europa eine wichtige Nahrungspflanze. DerLangobarden-KönigRothari führte sie 641 in seiner Liste der geschützten Bäume auf, Ende des 8. Jahrhunderts befahlKarl der Große imCapitulare de villis ihren Anbau auf denKönigsgütern. Im 10. Jahrhundert waren diecastagnatores eine eigene Form der Bauern. Klöster ließen in vielen Mittelgebirgslandschaften Edelkastanien pflanzen. Kastanien waren zu dieser Zeit jedoch nur ein Grundnahrungsmittel von vielen. Sie wurden frisch und getrocknet, roh oder gekocht, geröstet oder als Mehl verspeist. In Berggebieten war sie besonders im Winter eine wichtige Kohlenhydratquelle. Im 11. bis 13. Jahrhundert intensivierte sich aufgrund des Bevölkerungswachstums der Kastanienanbau in den Gebieten, wo kein Getreide angebaut werden konnte, Kastanien wurden immer mehr dasBrot der Armen. Die wichtigste Konservierungsmethode war damals das Trocknen, teilweise durch Räuchern. Das Mehl war ein bis zwei Jahre haltbar. Im 12. Jahrhundert kam in derLombardei das WortMarroni auf, mit dem Kastanien der besten Qualität, groß, süß, schmackhaft und leicht zu schälen, bezeichnet wurden.
Gegen Ende des Mittelalters wurden Kastanien mit schlechter Verdauung, Kopfschmerzen, Blähungen und verstärktem Sexualtrieb assoziiert. Daher wurden sie als Nahrung für die arbeitende Bevölkerung und zur Schweinemast angesehen, weniger als Nahrung für die höheren Stände.
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert stieg der Anbau von Edelkastanien weiter an. Zentren waren die Gebirge derIberischen Halbinsel, Zentral- und Süd-Frankreich, Korsika, Zentral- und Nord-Italien, Tessin und der Balkan. Unabhängig vom jeweiligen Land ähnelten sich die Kastanien-Kulturen, die vonEmmanuel Le Roy LadurieInternationale der Armut und der Kastanie genannt wurde. Die Kastanie war in diesen Gebieten vielfach die praktisch einzige Nahrungsquelle. Je nach Region wurden ein bis zwei Bäume für die ganzjährige Ernährung einer erwachsenen Person veranschlagt.[9]
Ein Rückgang der Kastanienkultur setzte im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung und der beginnendenLandflucht ein, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts setzte die Tintenkrankheit den Beständen zu. Auf der anderen Seite stieg der Export in dieVereinigten Staaten sowie nach Zentral- und Nordeuropa. Dies konnte den großflächigen Niedergang der Kastanienwälder nicht aufhalten, denen zusätzlichEntwaldung und die Gerbstoffindustrie zusetzten. InItalien ging die Anbaufläche von 650.000 Hektar 1911 auf rund 250.000 in den 1980er Jahren zurück. Ein weiterer Faktor für den Rückgang war der Kastanienrindenkrebs, dem große Teile der Edelkastanienbestände zum Opfer fielen. Seit der Mitte der1990er Jahre erholen sich die überlebenden Bestände durch das Auftreten vonHypovirulenz, und augenblicklich wächst die Anbaufläche wieder.
Hermann Hesses ErzählungNarziss und Goldmund beginnt mit der Vorstellung einer vor dem Klostereingang vonMariabronn stehenden Edelkastanie alsvereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vorzeiten mitgebracht undzartgesinnter und leicht fröstelnder Gast …, geliebt von den Welschen und Lateinern, von den Einheimischen als Fremdling begafft, auffallend auch dem ankommenden jungen Goldmund als:Ein schöner, merkwürdiger Baum! Und als Goldmund Ende des 17. Kapitels als reifer Mann und Künstler nach Mariabronn zurückkehrt, begrüßt er den Baumzärtlich – wohl als Ausdruck von Seelenverwandtschaft. Es deutet sich hierin eine Parallele zwischen Goldmund und der Edelkastanie an: Beide sind Fremdlinge in der kalten Welt (des Nordens und der Ratio und Askese); von manchen geliebt, doch fremd – weil unbekannt – den meisten.
Der Artikel beruht unter anderem auf folgenden Unterlagen:
M. Adua:The Sweet Chestnut throughout History from the Miocene to the third Millennium. In: G. Salesses:Proceedings of the Second International Chestnut Congress. In: Acta Horticulturae, Band 494, 1999, S. 29–35,ISBN 90-6605-941-9, (Geschichte).
G. Bounous, D.T. Marinoni:Chestnut: Botany, Horticulture, and Utilization. In: Horticultural Reviews, Band 31. John Wiley & Sons 2005, S. 291–347,ISBN 0-471-66694-7, (Blütenökologie, Verarbeitung).
Wilhelm Troll:Praktische Einführung in die Pflanzenmorphologie. Zweiter Teil:Die blühende Pflanze. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1957, S. 169–171, (ohne ISBN) (Früchte).
Claude Brioude:Kastanie – Die ungekrönte Königin der Küche. Verlag 99pages, Hamburg 2013,ISBN 978-3-942518-13-0.
Stephan Hahn:Die Esskastanien. Nahrungsquelle und bedrohte Naturressource. Ein Beitrag zur Kenntnis der Artenvielfalt. Books on Demand, 2004,ISBN 978-3-8334-2192-1.
Hannes Mayer:Die Wälder Korsikas. Wanderungen durch ein Waldparadies. 2. durchgesehene Auflage. Fischer, Stuttgart u. a. 1990,ISBN 3-437-30624-3.
Franz Schmidt:Die keusche Frucht. KastanienGeschichten und KastanienRezepte. Höma, Offenbach 2003,ISBN 978-3-937329-02-4.
Peter Strallhofer (Hrsg.), Josef Klement, Thomas Rühmer, Helmut Ecker, Markus Klug, Johannes Schantl:Edelkastanie – Waldbaum und Obstgehölz. Sorten, Anbau, Pflege, Pflanzenschutz, Verarbeitung. Zoppelberg, Ehrenhausen 2006,ISBN 978-3-9502349-0-9.
↑Edelkastanie oder „Kestn“. In: Burgenland – die Sonnenseite Österreichs. Burgenland Tourismus GmbH, abgerufen am 22. Juni 2024 (deutsch).
↑abMichael Machatschek:Techniken des traditionellen Anröstens und Dörrens der Kästen in verschiedenen Regionen. In:Zeitfenster: unsere Heimat neu entdeckt! Hrsg. vom historischen Verein Viana Styria, Stainz, Ausgabe 2, Jahrgang 2025,ZDB-ID 2986047-7, S. 28.
↑Anton Entleutner:Die sommergrünen Ziergehölze von Süd-Tirol. Verlag der Handels- und Gewerbekammer, Ellmenreich, 1892, S. 23 f.
↑Das Gebiet des Schwechatflusses in Nieder-Oesterreich. Vernay, 1878, S. 367.
↑abcdefghStephan Hahn:Die Esskastanien. Nahrungsquelle und bedrohte Naturressource. Book on Demand GmbH, Norderstedt 2004, S. 133–250,ISBN 3-8224-2194-4.
↑Jürgen Blümle:Baumschätze Baden-Württembergs. Zu Besuch bei den 500 ältesten und bedeutsamsten Bäumen des Landes. 2. Auflage, Verlag Oertel & Spörer, Reutlingen 2023,ISBN 978-3-96555-133-6, S. 313.
↑Schauer/Caspari:Der große BLV Pflanzenführer. München, Wien Zürich 1984, S. 324.
↑abErich Oberdorfer:Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001,ISBN 3-8001-3131-5. S. 316.
↑Doris Laudert:Mythos Baum. Geschichte, Brauchtum. 40 Porträts. blv, München 2004,ISBN 3-405-16640-3, S. 87.
↑abcMarco Conedera, Mauro Jermini, Alberto Sassella, Thomas N. Sieber:Ernte, Behandlung und Konservieren von Kastanienfrüchten. Merkblatt für die Praxis 38, 2004. WSL Birmensdorf,ISSN1422-2876(PDF; 570 kB).
↑abcdefghGiancarlo Bounous:The Chestnut: A Multipurpose Resource for the New Millennium. In: C. G. Abreu, E. Rosa, A. A. Monteiro:Proceedings of the Third International Chestnut Congress. In:Acta Horticulturae. Band 693, 2005, S. 33–40.
↑G. Eriksson:Management of Genetic Resources of the Multi-Purpose Tree Species Castanea sativa Mill. In: C. G. Abreu, E. Rosa, A. A. Monteiro:Proceedings of the Third International Chestnut Congress. In:Acta Horticulturae. Band 693, 2005, S. 373–386.
↑Ernst Furrer:Die Edelkastanie in der Innerschweiz. In: A. Kurth (Hrsg.):Mitteilungen der schweizerischen Anstalt für das forstliche Versuchswesen.Band34,Nr.3, 1958.
↑Der Abschnitt beruht auf: Henri Breisch:Châtaignes et marrons. Centre technique interprofessionnel des fruits et légumes, Paris 1995, Kapitel 6,ISBN 2-87911-050-5; Alessandro Bottacci:Castanea sativa. In: Schütt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff:Enzyklopädie der Laubbäume. Nikol, Hamburg 2006, S. 191,ISBN 978-3-937872-39-1.
↑Henri Breisch:Châtaignes et marrons. Centre technique interprofessionnel des fruits et légumes, Paris 1995, S. 29,ISBN 2-87911-050-5.
↑F. Giudici:Research Activities on Chestnut: Recommendations for Terminology and Measurement Standards. In: C. G. Abreu, E. Rosa, A. A. Monteiro:Proceedings of the Third International Chestnut Congress. In:Acta Horticulturae. Band 693, 2005, S. 117–130.
↑Henri Breisch:Châtaignes et marrons. Centre technique interprofessionnel des fruits et légumes, Paris 1995, S. 12,ISBN 2-87911-050-5.
↑Henri Breisch:Châtaignes et marrons. Centre technique interprofessionnel des fruits et légumes, Paris 1995, Kapitel 4,ISBN 2-87911-050-5.
↑Michael Machatschek:Ältere Lagerungstechniken frischer Esskastanien inMieten undErdgruben für den Wintervorrat. In:Zeitfenster: unsere Heimat neu entdeckt! Hrsg. vom historischen Verein Viana Styria, Stainz, Ausgabe 2, Jahrgang 2025,ZDB-ID 2986047-7, S. 26–31.
↑Andrew Duncan, Gwen Rigby:Der Hobbytischler – Technik der Holzverarbeitung. Deutsche Ausgabe in Zusammenarbeit mit der Meisterschule Ebern für das Schreinerhandwerk, Orbis Verlag, München 1984,ISBN 3-572-00763-1, S. 200.
↑Elvio Bellini:The Chestnut and Its Resources: Images and Considerations. In: C. G. Abreu, E. Rosa, A. A. Monteiro:Proceedings of the Third International Chestnut Congress. In:Acta Horticulturae. Band 693, 2005, S. 85–92.
↑N. Braden, K. Russell:Chestnut in the United Kingdom: Forest Area, management and utilisation as timber. In:Forest, Snow and Landscape Research. Band 76, 2001, S. 505–510.
↑Michael Machatschek:Ältere Lagerungstechniken frischer Esskastanien inMieten undErdgruben für den Wintervorrat. In:Zeitfenster: unsere Heimat neu entdeckt! Hrsg. vom historischen Verein Viana Styria, Stainz, Ausgabe 2, Jahrgang 2025,ZDB-ID 2986047-7, S. 26.
↑C. L Quave, J. T. Lyles u. a.:Castanea sativa (European Chestnut) Leaf Extracts Rich in Ursene and Oleanene Derivatives Block Staphylococcus aureus Virulence and Pathogenesis without Detectable Resistance. In:PLOS ONE. 11(9): e0163655,doi:10.1371/journal.pone.0136486.
↑Pedanios Dioskurides. 1. Jh.:De Medicinali Materia libri quinque. Übersetzung.Julius Berendes.Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, S. (Buch I, Kapitel 145)(Digitalisat).
↑Abu Muhammad ibn al-Baitar, 13. Jh.,Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya. Übersetzung. Joseph Sontheimer unter dem TitelGroße Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Stuttgart Band I 1840, S. 164:Balluth Quercus (darin Erwähnung von Castanea)(Digitalisat); Band II 1842, S. 78:Schahbaluth. (Castania vesca).Dieses ist die Castanie, die ich schon im Buchstaben B unter dem Wort Balluth erwähnt habe(Digitalisat).
↑Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868).S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem.Physica, Buch III, Kapitel 12:Kestenbaum. Migne, Paris 1855. Sp. 1226–1227(Digitalisat) – Übersetzung: Marie-Louise Portmann. Basel 1991, S. 248–249:Der Kastanienbaum ist sehr warm, hat aber doch große Kraft, die der Wärme beigemischt ist, und bezeichnet die Weisheit. Und was in ihm ist und auch seine Frucht ist sehr nützlich gegen jede Schwäche, die im Menschen ist. Der Mensch aber, der gichtkrank ist und daher jähzornig, weil die Gicht immer mit dem Zorn einhergeht, der koche Blätter und Schalen der Frucht in Wasser und mache damit ein Dampfbad, und er mache das oft, und die Gicht in ihm wird weichen, und er wird einen milden Sinn haben. Und wenn die Seuche das Vieh tötet, zerquetsche seine Rinde und lege sie so in Wasser, damit dieses davon den Geschmack annehme und gib es oft in den Trank für Esel und Pferde, Rinder und Schafe und Schweine und für alles übrige Vieh, und die Seuche wird von ihnen weichen, und sie werden geheilt werden. Wenn ein Pferd oder ein Rind oder ein Esel oder ein anderes Vieh zu viel gefressen hat, gib ihm Blätter im Futter zu fressen, wenn es geht, oder wenn es nicht fressen will, pulverisiere die Blätter und wirf jenes Pulver ins Wasser, und gib es ihm oft im Trank zu trinken, und es wird geheilt werden. Aber ein Mensch, der aus seinem Holz einen Stock macht und diesen in seiner Hand trägt, so dass die Hand dadurch warm wird, dem werden aus dieser Erwärmung die Adern und alle Kräfte des Körpers gestärkt. Und nimm auch oft den Duft dieses Holzes auf, und es wird deinem Kopf Gesundheit bringen. Aber auch der Mensch, dem das Gehirn infolge Trockenheit leer ist und der daher schwach im Kopf ist, der koche die Fruchtkerne dieses Baumes in Wasser, und er füge nichts anders hinzu, und wenn das Wasser ausgegossen ist, soll er es oft nüchtern und nach dem Essen nehmen, und sein Gehirn wächst und wird gefüllt, und seine Nerven werden stark, und so wird der Schmerz im Kopf weichen. Und wer im Herz Schmerzen hat, so dass seines Herzens Stärke keine Fortschritte macht, und wenn er so traurig wird, dann esse er oft diese rohen Kerne, und dies gießt seinem Herzen einen Saft wie Schmalz ein, und er wird an Stärke zunehmen und seinen Frohsinn wieder finden. Aber auch wer an der Leber Schmerzen hat, zerquetsche oft diese Kerne, und lege sie so in Honig und esse sie oft mit diesem Honig, und seine Leber wird gesund werden. Wer aber Schmerzen in der Milz leidet, brate diese Kerne etwas am Feuer, und dann esse er sie oft etwas warm, und die Milz wird warm und strebt nach völliger Gesundheit. Aber auch wer Magenschmerzen hat, koche diese Kerne stark in Wasser und zerkleinere die gekochten in Wasser, nämlich zu Brei, und dann mische er in einer Schüssel etwas Semmelmehl mit Wasser, das heißt (er) klopfe (es), und er gebe zu diesem Mehl Süßholzpulver und etwas weniger Pulver der Wurzel von Engelsüß, und dann koche er es nochmals mit den genannten Kernen und bereite ein Mus und esse es dann, und es wird seinen Magen reinigen und ihn warm und kräftig machen.
↑Philipp Lorenz Geiger:Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen & zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker & Droguisten. Wolters, Stuttgart, 2. Band, 2. Hälfte 1830, S. 1486:Castanea vesca(Digitalisat).
↑Wolfgang Schneider:Lexikon zur Arzneimittelgeschichte. Sachwörterbuch zur Geschichte der pharmazeutischen Botanik, Chemie, Mineralogie, Pharmakologie, Zoologie. Govi-Verlag, Frankfurt a. M. Band 5/1 (1974), S. 252:Castanea(Digitalisat).
↑Übersetzung des Textes durch Franz Unterkircher.Tacuinum sanitatis … Graz 2004, S. 57:Kastanien. (Edel-)Kastanien: Komplexion: warm im ersten, trocken im 2. Grad. Vorzuziehen sind volle und gut reife. Nutzen: für die Brust und gegen Harnbeschwerden, sie stärken den Appetit, beseitigen Ekel und Brechreiz. Schaden: sie beschweren Gehirn und Magen durch ihre Windigkeit. Verhütung des Schadens: wenn sie geröstet und mit Salz und feinem Wein genossen werden. Was sie erzeugen: mittelmäßig guten Nährstoff. Zuträglich Für Menschen mit warmer Komplexion, Jugendliche und Kinder, im Winter und in kalten Gegenden.
↑Otto Beßler:Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 169 („Castaneus – kestenbaum, Balanos“, „Castanea – und glans …“).