Titelblatt der ersten Auflage 1771Inserat für dieEncyclopædia Britannica von 1911, erschienen inNational Geographic, Mai 1913
DieEncyclopædia Britannica [ɪnˌsaɪkləˈpiːdiə bɹɪˈtænɪkə], kurz auchBritannica, ist eine 1768 begründeteenglischsprachigeEnzyklopädie. Sie beansprucht für sich, das menschlicheWissen in möglichst großer Breite zusammenfassend darzustellen. Sie steht insbesondere im Ruf, in wissenschaftlicher Hinsicht zuverlässige Angaben zu enthalten.[1] Die Autoren sind in vielen Fällen namhafte Wissenschaftler oder bekanntePublizisten; ihre Urheberschaft wird jeweils nachgewiesen. Seit 1911 wird das Werk in den USA herausgegeben. Seit 2012 erscheint die Enzyklopädie in digitaler Form.
Die Encyclopædia Britannica ist ein Produkt derschottischen Aufklärung. Sie wurde zunächst inEdinburgh herausgegeben. Die erste Auflage erschien ab 1768 in wöchentlichen Lieferungen, die 1771 zu drei Bänden zusammengefasst wurden. Um 1870 zog der Verlag für die 9. und 10. Auflage vonSchottland nachLondon um und wurde mit der ZeitungThe Times verbunden.
Für die elfte Auflage arbeitete der Verlag mit derUniversität Cambridge zusammen. Danach stand erneut ein Umzug an, da die Marken- und Veröffentlichungsrechte anSears Roebuck verkauft worden waren. Neuer Firmensitz wurdeChicago. Der gegenwärtige Verlag, der auch die Markenrechte für den Begriff „Britannica“ erworben hat, ist dieEncyclopædia Britannica, Inc.
Im Jahre 2004 enthielt dieBritannica 75.000 Artikel mit 44 Millionen Wörtern. Sie kann in der Ausgabe von 2010 noch in Papierform erworben werden (32 Bände, Listenpreis 1400 Dollar), perInternet abonniert (knappe Erläuterungen sind kostenlos) oder alsCD-ROM bzw.DVD ohneInternetverbindung gelesen werden. Am 13. März2012 gab der Verlag bekannt, dass die Enzyklopädie in Zukunft nur noch digital erscheinen werde.[2]
Der Umfang derBritannica wuchs bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts kontinuierlich, verringerte sich aber ab der 11. Auflage (1910–1911) wieder leicht.
Auflage
herausgegeben
Umfang
Bemerkung
01.
1768–1771
3 Bände
Herausgeber:William Smellie. Ab 6. Dezember 1768 wurden wöchentliche Lieferungen (Nummern genannt) fürSubskribenten produziert. Die 100 Nummern wurden 1771 in drei Bänden vereinigt. Zusammen 2391 Seiten mit 160Kupferstichen. Preis: 12 Pfund. Verkauf: ca. 3000 Stück.
Die 9./10. Auflage wird jetzt zusammenfassend mit 1–35 durchnummeriert. Dies kann bei Nr. 25 zu Verwirrung führen: Es gibt einen Indexband Nr. 25 in der 9. Auflage, andererseits gibt es Nr. 25 als ersten Band der 10. Auflage (die mit Nr. 35 einen neuen Index bekommt). Eine wirklich komplette 9./10. Auflage würde beide Indexbände enthalten und aus 36 Bänden bestehen. Auf dem freien Markt wird die „vollständige“ 9./10. Auflage oft mit 35 Bänden angeboten, das heißt mit nur einem Band 25. In diesem Fall sollte man darauf achten, dass es sich bei Band 25 um den ersten Textband der 10. Auflage handelt, sonst fehlt dieser.
11.
1910–1911
29 Bände
Die 11. Auflage wird als die klassische Edition der Encyclopædia betrachtet und istgemeinfrei. Sie enthält lange und detaillierte Biografien, aber nur wenige allgemeine oder Gesellschaftsgeschichte.[3] So sind bspw. alle Informationen über dieVölkerwanderung unterAttila dem Hunnen zusammengefasst.[4] Auch Sitten und Politik derWestgoten finden sich im Eintrag über ihren KönigAlarich I. wieder.[5] Da diese Auflage Weltgeschichte anhand Biografien großer Persönlichkeiten erzählte, wurde dadurch die Vorstellung einerGreat-Man-Theorie populär.[6]
12.
1921–1922
11. Auflage + 3 Bände Supplement
13.
1926
11. Auflage + 3 Bände Supplement
Ersetzung der 12. Auflage durch 3 verbesserte Supplementbände, seit 1.1.2022 gemeinfrei[7]
Die 15. Auflage, zweite Version: – 1 BandPropædia (grün) – 12 BändeMicropædia (rot) – 17 BändeMacropædia – 2 Registerbände (blau). Vor den blauen Indexbänden ist noch dasBritannica book of the year 2002 eingereiht.
Seit der 15. Auflage wird die gedruckte Britannica in drei Teilen präsentiert (erste Version, ab 1974) bzw. in vier Teilen (zweite Version, ab 1985), die jeweils eine unterschiedliche Funktion haben:
Die sogenannteMicropædia mit eher knappen Artikeln dient der schnellen Suche.
Wem das nicht reicht, der kann in derMacropædia sehr ausführliche, in die Tiefe gehende Artikel finden.
DiePropædia ist eine thematische Auflistung der Wissensgebiete. Unterhalb einer Ebene von zehn Großthemen wird man zu weiteren Abschnitten geführt. Dort werden Artikel in derMacropædia und derMicropædia empfohlen.
Seit 1985 kommen noch zwei Indexbände hinzu, mit denen man nach Begriffen aus derMacropædia und derMicropædia suchen kann.
Die erste CD-ROM-Edition derBritannica wurde 1994 veröffentlicht. 1996 wurde der Haustürverkauf eingestellt.
1996 kaufte der InvestorJacob Safra die Firma für 135 MillionenDollar und rettete sie vor dem Aus. Zur Encyclopædia Britannica Inc. gehört als Tochterunternehmen auch der VerlagMerriam-Webster.
Die gegenwärtige Version derBritannica entstand unter Mitwirkung von über 4 000 Fachleuten, einschließlich bekannter Gelehrter wieMilton Friedman,Carl Sagan undMichael E. DeBakey und 100 festangestellten Bearbeitern. 35 Prozent des Inhaltes sollen innerhalb der letzten zwei Jahre neu geschrieben worden sein (Stand 2016).
Die OnlineversionBritannica Online wurde ab Juni 2012 für 49,95 £ jährlich im Abonnement angeboten. Seit Anfang 2008 werden im Rahmen einer Aktion Zugänge für „Webpublisher“ angeboten, die für die Dauer eines Jahres kostenlos sind. Die Teilnehmer sind im März 2009 per E-Mail davon verständigt worden, diese besonderen Konditionen könnten auf Wunsch verlängert werden. Der Inhaber eines solchen Zugangs kann Artikel der Britannica über Link oderWidget von seiner Website aus freischalten, so dass jeder sie frei lesen kann, der die Seite über diesen Link aufruft. Die Seite kann aber nicht ausgedruckt werden. Die Encyclopædia Britannica betreibt auch denTwitteraccount „Britannica“.[8][9]
Am 22. Januar 2009 gab der Britannica-Präsident Jorge Cauz bekannt, dass jedermann ab dem 23. Januar 2009 die Enzyklopädie im Internet erweitern könne. Die Änderungen müssten jedoch von einem Administrator freigegeben werden, bevor sie in der Internetversion erscheinen.
Am 13. März 2012 wurde die endgültige Einstellung der gedruckten Britannica und die vollständige Konzentration auf die digitalen Angebote bekannt gegeben.[10][11] Der frühereCEO der Encyclopaedia Britannica, Inc., Joe Esposito, sagte zur rückläufigen Nachfrage bei gedruckten Enzyklopädien: „Das Internet war der letzte Nagel zum Sarg“.[12]
Seit 2014 wird vomUnited Soft Media Verlag eine DVD alsUltimate Edition vertrieben.[13]
Seit 2016 ist eine Replik der ersten Britannica-Ausgabe aus dem Jahr 1768 im Online-Shop erhältlich.[14]
Am 7. Juni 2018 veröffentlichte Britannica die Google-Chrome-Erweiterung„Britannica Insights“. Sie blendet bei Google-Suchanfragen kurze Informationsauszüge ausBritannica Online in einem separaten Feld rechts neben den Suchergebnissen ein.[15]
Im Jahr 2020 brachte Encyclopædia Britannica dieBritannica All New Children’s Encyclopedia: What We Know and What We Don’t heraus. DasNachschlagewerk richtet sich vor allem an junge Leserinnen und Leser und deckt die wichtigsten Themen ab. Anerkennung erhielt die Enzyklopädie dafür, dass sie das klassische Printformat neu belebt.[16] Zugleich war es die erste Kinderenzyklopädie der Britannica seit 1984.
Die Artikel derEncyclopædia Britannica gelten im Allgemeinen als durchdacht, zuverlässig und gut verfasst. 1994 beschrieb dieNew York Times dieEncyclopædia Britannica als „das älteste und renommierteste Nachschlagewerk der Nation [Vereinigte Staaten]“.[17] Sie vermittelt aber auch ein eherangloamerikanischesWeltbild, das mit dem anderer Enzyklopädien nicht immer übereinstimmt. Der Vergleich mit Werken ähnlicher Größenordnung zeigt oft Unterschiede, besonders bei wertorientierten Themen.
Der US-amerikanische JournalistA. J. Jacobs erzählt in seinem BuchBritannica & ich. Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden, wie er sein Vorhaben umsetzte, die kompletteEncyclopædia Britannica zu lesen.[18]
Im Dezember 2005 publizierte die ZeitschriftNature einen Artikel, der die Qualität der Online-Ausgabe derBritannica mit derjenigen der englischenWikipedia verglich.[19] Der Autor kam zum Schluss, dass es bei der Stichprobe bezüglich Korrektheit und Vollständigkeit der Naturwissenschaftsartikel nur wenig Unterschiede gebe. Die Herausgeber derBritannica kritisierten diesen Artikel scharf,[20]Nature hielt jedoch daran fest,[21] auch nachdem dieBritannica den Streit in Anzeigen thematisierte.[22]
Harvey Einbinder:The Myth of the Britannica. MacGibbon & Kee, London 1964 (Auch: Grove Press, New York NY 1964).
Arnold J. Jacobs:Britannica & ich. Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden. Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr. List, Berlin 2006,ISBN 3-471-79513-8.
Maren Runte, Julia C. Steube:Encyclopædia Britannica. In: Ulrike Haß (Hrsg.):Große Lexika und Wörterbücher Europas. De Gruyter, Berlin/Boston 2012,ISBN 978-3-11-019363-3, S. 79–104.
↑All there is to know: readings from the illustrious eleventh edition of the Encyclopaedia Britannica. Simon & Schuster, New York 1994,ISBN 978-0-671-76747-1.
↑Hugh Chisholm:The Encyclopaedia Britannica : a dictionary of arts, sciences, literature and general information. New York : Encyclopaedia Britannica, 1911 (archive.org [abgerufen am 28. Juni 2025]).
↑Hugh Chisholm:The Encyclopaedia Britannica : a dictionary of arts, sciences, literature and general information. New York : Encyclopaedia Britannica, 1911 (archive.org [abgerufen am 28. Juni 2025]).
↑Britannica & ich. Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden. Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr. List, Berlin 2006,ISBN 3-471-79513-8