DieEmsanhörenⓘ/? (lateinischAmisia,westfälischiems, nordniedersächsisch und niederländischEems,saterfriesischOamse) ist ein 371 km[2] langerStrom zurNordsee im Nordwesten vonDeutschland. Sie ist nach derWeser der zweitlängste Fluss, der in Deutschland entspringt und ins Meer mündet[7] und der längste Fluss in Deutschland, der von der Quelle bis zur Mündung denselben Namen trägt.
Der Fluss wird erstmals im 1. Jahrhundert n. Chr. von mehreren Geschichtsschreibern unter verschiedenen Namensvarianten erwähnt (Amasiā, Amissis, Amisis, Amisia, Amisiou). Nach der gängigen wissenschaftlichen Auffassung lässt sich der NameAmisia in zwei Bestandteile gliedern:am- und-isi(a). Der zweite Bestandteil,-isi(a), ist kein eigenständiges Wort, sondern ein Wortbildungselement, also ein sogenanntesSuffix. Solche Suffixe dienen der Ableitung neuer Wörter und sind auch im heutigen Deutschen noch gebräuchlich, etwa in Formen wie-heit,-keit oder-ung.[8]
Als Grundlage des GewässernamensEms wird somit ein rekonstruierter Wortstammam- angenommen. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Bezeichnung mit der Bedeutung „Flussbett“, „Graben“ oder „Kanal“. Entsprechende Parallelen finden sich in anderenindogermanischen Sprachen, etwa im Griechischenamára („Graben, Kanal“) oder im Hethitischenamiiara („Kanal“).
Der Wortstamm ist in verschiedenen weiteren europäischen Gewässernamen belegt. Aufgrund der weiten Verbreitung wird er der sogenannten alteuropäischenHydronymie zugerechnet und als indogermanischen Ursprungs betrachtet. Gewässernamen mit diesem Namenelement gelten daher als sehr alt und werden zeitlich in eine Epoche vor der Zeitenwende eingeordnet.
Aus der NamensformAmisia entwickelte sich durch den Einfluss des im Suffix folgenden „i“ einLautwandel, bei dem das anfänglichea zu e wurde. SolcheUmlautprozesse sind in der historischen Sprachwissenschaft gut belegt und treten auf, wenn in der Folgesilbe ein i steht. Vergleichbares lässt sich auch an heutigen Wortpaaren wie „Nacht – nächtlich“ oder „Gast – Gäste“ (alt:Gesti) beobachten. In der weiteren sprachlichen Entwicklung wurde der Name schrittweise verkürzt: AufEmisia folgten die FormenEmisa undEmse, woraus schließlich die heutige BezeichnungEms hervorging.[8]
In jüngerer Zeit hat der Regensburger NamenforscherAlbrecht Greule einen alternativen etymologischen Deutungsansatz vorgeschlagen, der von der traditionellen Erklärung abweicht. Demzufolge könnte sich der Name auch von germanisch*ama für 'energisch vorgehen, anpacken' ableiten mit Bezug auf die Wasserkraft.[8][9]
Die Ems ist 371 km lang; davon sind 206 km[5] schiffbar. Ihre mittlere Durchflussmenge liegt in ihrem Mittellauf bei 80 m³/s (PegelVersen) und an ihrer Mündung bei 125 m³/s.[4]
DasEinzugsgebiet der Ems ist 13.160 km²[2] groß. Es liegt als schmales, sich südnördlich erstreckendes annäherndes Rechteck zwischen demFlusssystem des Rheins im Westen und dem derWeser im Osten. Die Ems verläuft auf mehr als der Hälfte ihres Verlaufs nahe dem Westrand, so dass das Flusssystem asymmetrisch ist. Von rechts (Osten) münden die größten Nebenflüsse,Hase undLeda, ein. Sie steuern zusammen über 45 m³/s zur Wasserführung der Ems bei. Der größte linke Nebenfluss ist dieWerse mit rund 6 m³/s.
Die nach Westen gerichteten Unterläufe von Hase und Leda verlaufen in Schmelzwasserrinnen vor einstigen Eisrandlagen derSaalekaltzeit (Urstromtäler). In der südlichsten einstigen Schmelzwasserrinne, zwischenTeutoburger Wald undWiehengebirge, liegt die bekannte, wenn auch künstlicheBifurkation der oberen Hase (in die nach links fließende untere Hase und die nach Osten fließendeElse). Auch der westliche Rand des Einzugsgebietes ist wesentlich durch eiszeitliche Formung bedingt: DerMünsterländer Kiessandzug trennt das Gebiet der Ems von dem derStever (Lippe) und derVechte im Westen.
DieSchichtrippe des Teutoburger Waldes ist die prägnanteste Erhebung des ansonsten weitgehend von Niederungen und eher gering reliefierten Erhebungen bestimmten Emsgebietes. Hier liegt mit demBielstein (393,6 m) die höchste Erhebung des Emsgebietes.
Die Ems beginnt als einer jener zahlreichen Bäche derSenne, die nicht in einem Tal desTeutoburger Wald entspringen, sondern unterhalb dessen Fußes im nur noch leicht abschüssigen Vorland.
Die Quelle liegt auf etwa130 m ü. NHN an der Grenze der StadtSchloß Holte-Stukenbrock, Ortsteil Stukenbrock-Senne, und der GemeindeHövelhof.Sie schüttet und ist eineSickerquelle, d. h. der Quellbach entsteht aus einer Vielzahl von Wasseraustritten.
BisTelgte fließt die Ems mit wenig Flussschleifen überwiegend westwärts. Von da anmäandriert sie zunehmend und abGreven ist ihre Hauptrichtung nordwärts. Sie entwässert den Osten (ohne den weiter südlich liegenden östlichsten Teil) derMünsterschen Tieflandsbucht, indem sie zahlreiche Bäche aus dem Teutoburger Wald und dessen Vorland aufnimmt, aber auch denAxtbach, die Werse aus denBeckumer Bergen, die ein langes Stück parallel zu ihr verläuft, und dieMünstersche Aa.
Die ersten Städte, die die Ems durchfließt, waren im Mittelalter Zentren kleiner selbständiger Territorien:Rietberg war Sitz derGrafschaft Rietberg. InRheda, der flussabwärts gelegenen Teilstadt vonRheda-Wiedenbrück, residierten die Landesherren derHerrschaft Rheda. Der NameRheda (vonReede) verweist darauf, dass die Stadt im Mittelalter der oberste Anlegeplatz der Emsschifffahrt war.
BeiVadrup bildet die Ems einige Kilometer lang die Stadtgrenze vonMünster, jedoch weit von deren städtischem Siedlungsgebiet entfernt. BeiGittrup (zu Münster) wird sie vomDortmund-Ems-Kanal gekreuzt. Die „Alte Fahrt“ dieserKanalüberführung Münster-Gelmer (kurz „KÜ“), ist ein bedeutendes Industriedenkmal des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der Kanal verläuft zunächst in einem Abstand von bis zu 10 km, wurde aber abRheine zwischen 3 km Abstand und ganz nahe parallel östlich des Flusses angelegt.
Die Ems wenige hundert Meter von ihrer Quelle entfernt
Nach Rheine passiert die Ems die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen, Landesteil Westfalen, und Niedersachsen. Danach hat sie vor ihrem Ästuar kaum noch westliche Zuflüsse, da die hier nahe parallel verlaufendeVechte das Gebiet zurIJssel, also zumRheindelta hin entwässert. Das Wasser aus Osten, von Nordseite des westlichenOsning und von derAnkumer Höhe sammelt dieGroße Aa, die beiHanekenfähr in die Ems mündet. InSalzbergen wird die Ems von einer über 100 Meter langen Brücke derBundesautobahn 30 gequert.
Zwischen Hanekenfähr undLingen stößt von Osten derMoränenrücken derLingener Höhe an den Fluss.Nördlich davon erstreckt sich die Niederung der Hase, die inMeppen mündet. Danach reichen Ausläufer des sandigenHümmling bis nahe an die Ems. Nördlich davon liegt dasWilde Moor mit dem NaturschutzgebietAschendorfer Obermoor/Wildes Moor als Teil des großen zusammenhängenden Gebietes derEmslandmoore. Westlich fast des gesamten Mittellaufs erstreckt sich dasBourtanger Moor. Etwas unterhalb von Meppen passiert die Ems im Stadtgebiet vonHaren den rechtsseitig liegendenEurohafen Emsland.
Das Wehr inHerbrum bildet seit 1899 die obere Grenze des über 100 km langenTidenbereichs der Ems, auchTidenems genannt.Der mittlereTidenhub beträgt drei Meter, beiNiedrigwasser kann es zu einerGezeitenwelle kommen.Bis zur Mündung derLeda ist diesesÄstuar noch schmal wie ein Fluss.
An der Ledamündung liegt die zweitgrößte der alten Hafenstädte an der Unterems,Leer, deren Hafen genau genommen nicht von der Ems abzweigt, sondern von der Leda.
Unterhalb gewinnt das Ästuar andeutungsweise Trichterform. Zwischen Ledamündung und Dollart gibt es ein paar Sandbänke und Inseln: DerBingumer Sand ist eine echte Insel mitSommerdeich. Jemgumer Sand und Midlumer Sand sind jeweils Gruppen kleiner Sandbänke. DerHatzumer Sand besteht aus etwas Sumpf und etwas Sand.
Seit 2002 gibt es beiGandersum kurz vor dem Dollart dasEmssperrwerk, das normale Gezeitenströme kaum behindert, aber bei bedrohlichenSturmfluten geschlossen wird. Anders als bei ähnlichen Sperrwerken über kleinere Flüsse wurde nicht die Chance genutzt, die für den Betrieb erforderlichen Stege zu einer Klappbrücke für Fußgänger und Leichtfahrzeuge zu verbinden. Das Sperrwerk wird zudem nicht nur genutzt, um flussaufwärts bedrohliche Wasseranstiege zu verhindern, sondern auch, um für die Überführung von auf derMeyer Werft gebauten Schiffen das Oberwasser durch Stau anzuheben und so flussaufwärts die Wassertiefe zu vergrößern.
22 km flussabwärts der Ledamündung geht beiPogum das innere in das äußere Ästuar der Ems über. Hier beginnt auch der erste Abschnitt der Emsmündung („innere Emsmündung“), zu dem das Emder Fahrwasser, der Dollart und der im Folgenden als „Hals“ bezeichnete Abschnitt gehören. Sodann bilden die Rinnen Ostfriesisches Gatje, Bocht van Watum, Dukegat, Randzelgat und Oude Eems zusammen die mittlere Emsmündung. Es schließen sich das „Seegat Ems“ zwischen den Inseln Borkum und Rottumeroog sowie die äußere Emsmündung mit den westlich von Borkum und nördlich von Rottumeroog und Rottumerplaat gelegenen Rinnen Hubertgat (Hauptfahrwasser bis 1989) und Westerems (Hauptfahrwasser seit 1989) an.[10] Ebenso ist die Osterems Bestandteil der Emsmündung.
Tidenbereich der Ems: Watt in blassen, Flächen unter demSeekartennull in leuchtenden Blautönen; vor den Gezeiten abgeschirmte Gewässer gedeckt blau
DasWasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden (WSA Emden) schrieb über die Unterems: „Südlich von Emden durchfließt sie denDollart“.[11] Tatsächlich ist jedoch die Strömungsrinne der Ems, vom Emder Hafen anEmder Fahrwasser[12] genannt, durch die Wattfläche derGeise vomPrielsystem des Dollart getrennt. Am Nordufer dieses Flussabschnittes liegt die größte der Hafenstädte an der Ems,Emden. Am Südufer des Dollarts liegt dasRheiderland beiderseits der deutsch-niederländischen Grenze. An der südlichsten Stelle des Dollart mündet dieWesterwoldsche Aa. Von hier bis zur Nordsee gehört das linke Ufer der Ems zurniederländischenProvinz Groningen.
Die nordostwärts gerichtete Landzunge desPunt van Reide bildet die westliche Begrenzung des Dollart.
Vom Punt van Reide im Südosten bis zur Mündung desKnockster Tiefs auf deutscher Seite und der Mündung desDelfzijler Zeehavenkanaals auf niederländischer Seite hat die Außenems einen 3 bis 4 km breiten und etwa 5 km langen Hals. Dessen östliche Hälfte ist durch die Wattzunge desGeisesteert in den äußeren Teil des Emder Fahrwassers im Norden und die Mündung des Dollart im Süden geteilt. Am Südufer des Halses liegtTermunten. Hier mündet dasTermunterzijldiep, dessen Einzugsgebiet sich über 20 km landeinwärts bis hinterWinschoten erstreckt.
Der Flusslauf der Ems hat sich im Laufe der Jahrhunderte vor allem durch das Einwirken derTide desMeeres, hierSturmfluten, besonders an seinem unteren Lauf stark verändert. Als 1509 dieZweite Cosmas- und Damianflut weit ins Innere desRheiderlandes vordrang, wurde das heutige Nesserland (die Nesse) bei Emden vom Rheiderland abgetrennt. DerDollart entstand. Dadurch auch bahnte sich die Ems in den folgenden Jahrzehnten einen anderen Lauf. Um den am EmderEmsbogen gelegenenEmder Hafen weiterhin seegängig zu halten, wurde bereits 1583 damit begonnen, die Strömungsverhältnisse in der Ems durch denNesserlander Höft, eine südlich der Stadt am Einfluss der Ems in den Dollart errichtete Eichenholz-Spundwand, zu regeln. Dennoch versandete der Emsbogen.
Parallel zur Ems verläuft dieEmslandstrecke (Bahnhof Rheine –Norddeich-Mole). Von dieser Eisenbahnstrecke zweigt nach Westen dieBahnstrecke Leer–Groningen ab. Teil der Letzteren ist die östlich vonWeener über die Ems führendeFriesenbrücke. Die Brücke wurde durch eine Schiffshavarie vom 3. Dezember 2015 unbrauchbar.[13][14] 2021/22 wurde die Brücke abgerissen. Ein Neubau befindet sich im Bau. Die Arbeiten sollen voraussichtlich Mitte 2025 abgeschlossen sein.[15]
Der breite Teil des Ästuars flussabwärts von Pogum wird amtlicherseits alsAußenems bezeichnet[16][17] Rechtlich wird die Außenems in einen inneren und einen äußeren Abschnitt geteilt, durch eine gerade Linie von der niederländischen Küste drei Kilometer östlich der Hafeneinfahrt vonEemshaven zum Ufer derKrummhörn beiPilsum. Der innere Abschnitt gilt als Teil des Emsflusses, während der äußere Abschnitt, nordwestlich dieser Linie, demKüstenmeer zugerechnet wird. Nautisch zählt das die Strömungsrinnen begrenzende Watt zu denInneren Küstengewässern. Zur besseren Erreichbarkeit des Emder Hafens wurde sie mehrfach vertieft, eine weitere Vertiefung ist in Planung.[18]
Die äußere Außenems wird durch die InselBorkum in zwei Arme geteilt:
DieWesterems, südlich und westlich von Borkum, bildet Hauptfahrwasser und Hauptabflussrinne der Ems durchsWattenmeer. An ihrem niederländischen Südufer liegt der Hafen von Eemshaven.
DieOsterems, östlich und nördlich von Borkum, ist das kleinereGatt. Ihre Strömungsrinne ist zunächst relativ flach und längs geteilt (vgl. Westerbalje). Sie zweigt rechts von der Hauptrinne ab und führt östlich der südöstlich an Borkum anschließenden Wattfläche desRandzel nach Norden. Sie vereinigt sich mit dem aus derLeybucht kommendenPriel Ley und dann mit dem Priel Memmertbalje, in dessen Fortsetzung sie sich nach Westen, und zwischen der kleinen InselMemmert im Norden und der Sandbank Lütje Hörn und der Insel Borkum im Süden dem offenen Meer zuwendet.
Die Wasserführung der Ems als Fließgewässer des Tieflands wird stark vom Grundwasserregime beeinflusst und ist im Winter wesentlich größer als im Sommer. Große Abflüsse treten vor allem im Januar und Februar auf. Besonders in diesen Monaten kann lange anhaltender ergiebiger Regen auf gesättigten oder gefrorenen Böden zu außergewöhnlich starkem Hochwasser führen. Der Beitrag der Schneeschmelze am Hochwassergeschehen ist relativ gering.
DieBundesanstalt für Gewässerkunde listet für die Zeit zwischen 1850 und 2000 die Daten von dreizehn „extreme[n] Hochwasserereignisse[n]“ auf, und zwar: Dezember 1854, Februar/März 1876, Dezember 1880, März 1881, November 1890, Januar/Februar 1891, Januar 1918, Januar 1926, Februar 1946, Dezember 1960, Februar 1970, Januar 1987 und November 1998.[19] Das schlimmste davon war das Februarhochwasser 1946.[20]
Die „Flussgebietseinheit Ems / Stroomgebieddistrict Eems“ führt als weitere „historische Hochwassereignisse an der Ems“ an: die Sturmflut 1717, die Sturmflut 1825, das Werse-Hochwasser 2001 und das Hase-Hochwasser 2010.[21] Weil damals die Ems und ihre Nebenflüsse noch nicht durch Sperrwerke geschützt waren, konnte dieSturmflut 1962 Nordseewasser weit in die Ems hinein drücken, was auf der Ems und ihren Nebenflüssen zu Rekord-Pegelständen führte.
Erster wiederangeschlossener Ems-Altarm inVerth links der EmsIn Terborg hat einer der letzten Fischer auf der Ems seinen Kutter liegen
Die Ems ist vielerorts begradigt, einige wenige Stellen des natürlichen Flusslaufs sind erhalten geblieben. Etwa zu Beginn des 21. Jh. wurde begonnen, Flussabschnitte zurenaturieren, dabei wurden einige verbliebene Altarme wieder angeschlossen, um die Fließgeschwindigkeit herabzusetzen. DreiAuenabschnitte beiWestbevern nordöstlich vonMünster werden von derNABU-Naturschutzstation Münsterland betreut. Dort werdenHeckrinder undKoniks eingesetzt, um das Grünland zu pflegen und nach und nach die Auenlandschaft wieder in eine von Großsäugern gestaltete Landschaft zu verwandeln.In Telgte wurden die Wehre der Mühlen im Dümmert-Park 1999/2000 mit Fischaufstiegsanlagen versehen. Diese sollen, angelegt als Umgehungsgerinne, die Barriere für Fische und Kleinstlebewesen durchgängig machen.[22]Zwischen 2010 und 2013 wurden mehrere Kilometer zwischenTelgte undWarendorf (Bereich Einen) renaturiert, wobei zwecks Entstehung von Sekundärauen sogenannte Initialgerinne gegraben wurden, während der kanalisierte Hauptlauf zugeschüttet wurde.
Zwischen Emsdetten und Saerbeck wurde ab Oktober 2016 bei Hembergen ein 2 km langer Altarm der Ems wieder angebunden. Am 10. August 2018 wurde mit dem Öffnen des Altarms und der gleichzeitigen Anlage eines Dammes zum Abbinden des Durchstichs die Arbeiten beendet. Der Altarm wurde wieder Teil des Flusses, der Durchstich hingegen wurde nun ein Altarm. Der Durchstich bildet nun ein Biotop und ist als Entlastungsrinne bei Hochwasser vorgesehen.[23]
2014/2015 entwickelte dasLand Niedersachsen denMasterplan Ems 2050 zur Wiederherstellung desÖkosystems der Ems inNiedersachsen. Weite Abschnitte der Ems sindFFH- bzw.EU-Vogelschutzgebiete. Im Rahmen von Forderungen derEU-Kommission zur Umsetzung der Richtlinien für die ausgewiesenenNatura 2000-Gebiete an der Ems drohte dem Land Niedersachsen ein Vertragsverletzungsverfahren mit Strafen in Millionenhöhe. Die Entwicklung des Masterplans war die letzte von der EU-Kommission akzeptierte Möglichkeit, ein solches Strafverfahren abzuwenden.[24]
Die größten Zuflüsse sind dieHase in Meppen und dieLeda in Leer.Die Hase ist mit dem von der Quelle bis zur Mündung annähernd durchgehenden Flussnamen und der gegenüber ihren Zuflüssen überragenden Länge unter den Emszuflüssen eine Ausnahme. Bei den meisten heißt der Oberlauf anders als der Unterlauf, und bei vielen gibt es längere Sekundärzuflüsse.
Die Ems ist auf dem größten Teil ihrer schiffbaren Strecke eineBundeswasserstraße,[28] und zwar alsBinnenwasserstraße von Ems-km 44,8 südlichRheine bis zu ihrer seewärtigen Begrenzung nach demBundeswasserstraßengesetz bei Unterems-km 67,76.[5] Die Teilstrecke von Rheine bis Gleesen (km 82,7) gehört zu den sog. sonstigen Binnenwasserstraßen des Bundes. Bis 1998 gehörte auch der Abschnitt zwischen Greven und Rheine zu den Bundeswasserstraßen, wurde aber an das Land Nordrhein-Westfalen abgetreten.[29] Dieser Abschnitt ist für Sportboote ebenfalls schiffbar. Der Außenbereich der Ems gehört zurSeewasserstraße Nordsee. Die Bundeswasserstraße wird vonWasserstraßen- und Schifffahrtsämtern (WSA) verwaltet, zunächst vomWSA Westdeutsche Kanäle bisGleesen, dann vomWSA Ems-Nordsee. Bis zur Einmündung in den Dortmund-Ems-Kanal bei Meppen wird die Ems ausschließlich vom motorisierten Sport- und Freizeitbootverkehr genutzt. Die Annahme eines Lotsen wird empfohlen.[30]
Im weiteren Verlauf dient der Fluss als Bestandteil des Dortmund-Ems-Kanals der kommerziellen Schifffahrt, unterhalb von Papenburg zudem als Transportweg für Großschiffe derMeyer Werft. Um die Überführung dort gebauter großer Schiffe in die Nordsee zu erleichtern, wird die Ems mit Hilfe desEmssperrwerkes beiGandersum aufgestaut. Dies ermöglicht die Überführung von Schiffen mit einem Tiefgang von bis zu 8,50 Metern.[31] Die maximale Stauhöhe und -dauer ist abhängig von der Jahreszeit. Anm. 1 Grund hierfür ist die Rücksichtnahme auf die brütenden Vögel imDeichvorland der Ems, da ihre Gelege sonst überflutet würden.
Zuvor war die Ems im Jahr 1985 auf Initiative derniedersächsischen Landesregierung und der Werften an der Ems auf 5,70 Meter vertieft worden. Im Jahr 1995 erfolgte eine weitere Vertiefung auf 7,30 Meter.[31] Bereits im Jahr 1884 war eine Vertiefung auf 4,50 Meter erfolgt.[32]
Es existieren aktuell auch Pläne für den Bau eines Kanals von Papenburg nach Leer zur Entlastung der Ems bei Schiffsüberführungen der Meyer Werft. Angedacht ist auch eine Verlängerung des geplanten Emskanals über Papenburg hinaus bis zumDortmund-Ems-Kanal bei Dörpen.[33] Eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben worden.[34] Der Kanalneubau könnte dann eine Renaturierung des Flusses zwischen Papenburg und Leer bedeuten.[35]
Bis 2025 soll zudem die Außenems auf einer Länge von 13 Kilometern bis zum Emder Hafen vertieft werden.[36]
Die Kilometrierung der Ems als Binnenwasserstraße des Bundes beginnt in Greven mit km 0 und endet in Meppen mit km 124,10. Von dort an gilt bis Papenburg die Kilometrierung des Dortmund-Ems-Kanals. Die Kilometrierung der Unterems als Seeschifffahrtsstraße hat ihren km 0 in Papenburg und endet an der Linie Eemshaven–Pilsum mit km 67,76.
DasLotsenwesen auf der Ems wird durch dieLotsenbrüderschaft Emden gewährleistet, deren Mitglieder auch „Emslotsen“ genannt werden und von ihren Lotsenstationen auf Borkum und in Emden aus zum Einsatz kommen.
Die Ems ist in ein Netz von Schifffahrtskanälen eingebunden, von denen die größeren wichtige Transportwege sind, die kleineren allerdings heutzutage hauptsächlich oder nur noch von Freizeitskippern befahren werden:
DerDortmund-Ems-Kanal wurde 1899 eröffnet und bezog den älteren (1824/25)Ems-Hase-Kanal mit ein. Er hat inHörstel Anschluss an denMittellandkanal und ist im Süden durch denWesel-Datteln-Kanal und außerdem durchRhein-Herne-Kanal mit dem Rhein verbunden. AbPapenburg ist die Ems auf 59 Kilometer Länge Schifffahrtsweg aus dem Binnenland zur Emsmündung mit einbezogen.[5] Flussaufwärts betrachtet verlässt der Dortmund-Ems-Kanal das Flussbett der Ems inMeppen und verläuft nach Benutzung der Mündungsstrecke der Hase bisHanekenfähr südlich vonLingen etwa 26 Kilometer lang parallel östlich der Ems. Ab Hanekenfähr benutzt der Kanal wieder das Flussbett der Ems für 1,7 Kilometer,[5] danach verlässt der Kanal endgültig die Ems.
DerHaren-Rütenbrocker Kanal, angelegt 1870–1878, verbindet die Ems inHaren mitTer Apel, wo derStads Compascuumkanaal–Ter Apelkanaal Anschluss nach Süd(west)en und Nord(west)en vermittelt. Diese niederländischen Anschlüsse sind nicht mehr klassifiziert, aber für den Freizeitverkehr weiterhin zugelassen.
DerEms-Vechte-Kanal, angelegt 1870–1879, verbindet die Ems in Hanekenfähr mit der Vechte inNordhorn. Die anschließenden niederländischen Gewässer sind nicht mehr klassifiziert, aber für den Freizeitverkehr weiterhin zugelassen.
DieBundesautobahn 31 verläuft in Niedersachsen weitgehend parallel zur Ems. Oberhalb von Leer begleitet sie den Fluss im Osten, zwischen Leer und Emden im Westen und im Norden. Die A 31 unterquert den Fluss westlich von Leer imEmstunnel.
Die Ems wird von verschiedenenRadfernwanderwegen begleitet und gekreuzt:
Viele Abschnitte der Ems sind Landschaftsschutzgebiete. Die naturbelassenen und nicht schiffbaren Bereiche sind beliebte Ziele von Kanuten. Unter anderem ist ein Teil der Ems zwischenLingen-Hanekenfähr und Meppen-Innenstadt (Gesamtstrecke etwa 40 Kilometer) durch motorisierte Boote nicht bzw. nur eingeschränkt nutzbar. An festen Anlegestellen ist allerdings das Be- und Entsteigen von Kanus möglich und gestattet. Zwischen Lingen-Schepsdorf und Lingen-Holthausen sind zwei kleinere Stromschnellen zu bewältigen.[37]
Die Ems-Erlebniswelt inSchloß Holte-Stukenbrock in der Nähe der Emsquellen bietet eine interaktive Informationstour mit Informationen zum Fluss von der Quelle bis zu seiner Mündung in die Nordsee und seiner Umgebung.[38]
Ems-km 124,1 gemeinsames Bett mit dem Dortmund-Ems-Kanal
Ems-km 124,15 Meppen, Zufluss der Hase von rechts als Bett des Dortmund-Ems-Kanals. Die Kilometrierung der Ems endet hier und wird bis Papenburg durch die Kilometrierung desDortmund-Ems-Kanals (DEK) fortgeführt. Ab hier zahlreiche Wehrarme und Altarme, die zum Teil noch die alten Emskilometersteine haben.
DEK-km 166,6Meppen, Anfang der Ems als Teil des Dortmund-Ems-Kanals
↑abB. Schuchardt, M. Schirmer, G. Janssen, S. Nehring und H. Leuchs:Estuaries and brackish waters (Memento vom 31. Januar 2012 imInternet Archive) (PDF-Datei; 342 kB). In: F. De Jong, J. F. Bakker, C. J. M. van Berkel, N. M. J. A. Dankers, K. Dahl, C. Gätje, H. Marencic und P. Potel (Hrsg.):Wadden Sea Quality Status Report. Common Wadden Sea Secretariat Wilhelmshaven, Wadden Sea Ecosystem No. 9; S. 176.
↑Ständige deutsch-niederländische Emskommission:Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Emsmündung. Eine Brochüre zur 35. Sitzung der Emskommission. Bonn / Den Haag 1995, S. 6–9
↑Faltblatt Krummhörn-Dollart. In: nationalpark-wattenmeer.de. 9. März 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. August 2016; abgerufen am 5. Januar 2017.