Emilie Schindler

Emilie Schindler, geb. Pelzl (* 22. Oktober1907 inAlt Moletein,Mähren,Österreich-Ungarn; † 5. Oktober2001 inStrausberg,Deutschland) war die Ehefrau vonOskar Schindler, mit dem sie zusammen etwa 1200Juden während desHolocausts vor dem Tod rettete.[1]
Leben
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Emilie Pelzl war das zweite Kind von Josef und Maria Pelzl. Der Vater war ein wohlhabender Gutsbesitzer ausAlt Moletein. InBrünn besuchte sie verschiedene Schulen, darunter auch eine Landwirtschaftsschule. Am 6. März 1928 heiratete sie den ein Jahr jüngerensudetendeutschen Industriellen Oskar Schindler, mit dem sie ins Haus der Schwiegereltern nachZwittau zog. Ihr Vater missbilligte die frühe Heirat seiner Tochter mit einem „unfertigen Mann“.[2] Durch dieWeltwirtschaftskrise musste die Fabrik ihres Mannes geschlossen werden. 1936 zog das Ehepaar nachMährisch Ostrau, wo sie ihren Mann aktiv bei der Arbeit für die deutscheSpionageabwehr unterstützte.[1]


Im Oktober 1939 ging Oskar Schindler nach dem deutschenÜberfall auf Polen nachKrakau und gründete dieDeutsche Emailwarenfabrik (DEF). Von Ostrau aus besuchte sie ihren Mann zweimal pro Woche, bis sie 1941 selbst nach Krakau zog. Emilie Schindler begann, ihren Mann bei der Versorgung von jüdischenZwangsarbeitern in der Fabrik zu unterstützen.
Aufgrund der vorrückenden Ostfront stand 1944 die Räumung des Rüstungsbetriebes und desKZ Plaszow (Plaschau) bevor und damit die drohende Deportation der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Das Ehepaar Schindler konnte erreichen, dass sein Rüstungsbetrieb nachBrünnlitz imBezirk Zwittau in die ehemalige TextilfabrikLöw-Beer verlegt werden durfte. Sowohl Maschinen als auch Arbeiter wurden in das dort errichteteKZ-Außenlager Brünnlitz verfrachtet. In den letzten Kriegsmonaten herrschte große Lebensmittelknappheit. In ihrer Biographie berichtete sie vom „Spendensammeln“ bei umliegenden Getreidemühlen.
Im Januar 1945 nahm sie in Abwesenheit ihres Mannes ca. 100 Juden in die Fabrik auf, die in Winterskälte drei Wochen ohne Lebensmittel in einem Güterwaggon gefangen auf ihren Abtransport in dasVernichtungslager Auschwitz gewartet hatten. Sie pflegte selbst die Kranken und Verwundeten in einem in der Fabrik aufgebauten Lazarett.[1]
Nach derKapitulation am 8. Mai 1945 floh sie mit ihrem Mann nachRegensburg. In den folgenden Jahren lebte das Ehepaar von der Unterstützung der jüdischen OrganisationJoint, bis es 1949 nach Argentinien auswanderte. Dort lebten sich Emilie Schindler und ihr Mann mehr und mehr auseinander, bis Oskar schließlich 1957 nach Deutschland zurückkehrte und sie inBuenos Aires zurückließ.[1]
In den folgenden Jahren lebte Emilie Schindler, unterstützt von jüdischen Organisationen, in bescheidenen Verhältnissen in Argentinien. Eine erste Idee zur Verfilmung vonSchindlers Liste in den 1960er Jahren konnte nicht verwirklicht werden; 1962 verkaufte sie ihr Haus und zog in eine Mietwohnung um. Im gleichen Jahr am 24. Juni wurde ihr Mann vonYad Vashem alsGerechter unter den Völkern ausgezeichnet (1994 auch sie selbst).[3] 1974 starb ihr Ehemann in Deutschland.
Emilie Schindler tauchte erstmals in der Öffentlichkeit auf, als 1993Steven Spielberg den FilmSchindlers Liste drehte. In der Schlussszene legt sie einen der Steine auf das Grab ihres Mannes.
Es gibt widersprüchliche Angaben über ihre Einnahmen aus dem Film, zum Teil auch aufgrund ihres nachlassenden Erinnerungsvermögens. Nach einem Vergleich erhielt sie von ihremUS-amerikanischen Vermögensverwalter die Summe von 13.000 Dollar ausbezahlt. Sie traf sich unter anderen mitBill Clinton, PapstJohannes Paul II. undRoman Herzog.
Im Herbst 1999 wurde inHildesheim auf einem Dachboden ein Koffer mit 7000 Schriftstücken und Fotos aus dem Nachlass Oskar Schindlers gefunden. DieStuttgarter Zeitung wertete den Fund aus; Emilie erhielt zwar Kopien, forderte jedoch die Originale als rechtmäßige Erbin für sich. Mitte 2001 erhielt sie nach einem Vergleich 25.000 DM von der Zeitung, nicht aber den Koffer, der sich im Museum vonYad Vashem befindet. Am 9. Juli 2001 eröffnete sie zusammen mit BundeskanzlerGerhard Schröder im BonnerHaus der Geschichte eine Ausstellung, die sich um ihre Rolle imWiderstand gegen den Nationalsozialismus drehte.[4]
In ihre Wahlheimat in Südamerika nicht mehr zurückgekehrt, starb Emilie Schindler am 5. Oktober 2001 nach einemSchlaganfall in einer Klinik in Strausberg bei Berlin. Am 19. Oktober wurde sie inWaldkraiburg beerdigt, der Münchner VerlegerHerbert Fleissner hatte sich um das Grab in Waldkraiburg bemüht.
Auszeichnungen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- 1994 Auszeichnung alsGerechte unter den Völkern inYad Vashem gleichzeitig mitMiep Gies
- 1994 Justice-Louis-D.-Brandeis-Preis durch die zionistische Organisation von Amerika
- 1995 Audienz beiPapst Johannes Paul II.
- 1995 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den damaligen deutschen BundespräsidentenRoman Herzog
- 1995 Verleihung eines israelischen Ordens
- 1995 Verleihung eines französischen Ordens
- 1995 Maiorden des argentinischen Heeres

- 1995 Verleihung der argentinischen Ehrenbürgerschaft
- 1998 Die Medaille „Le Grand Orient“ (verliehen inArgentinien)
- 1998 Verdienstorden des argentinischen Präsidenten
- 1999 Goldene Argentinische Medaille mit Urkunde
- 2001 postum Menschenrechtspreis derSudetendeutschen
Alle Auszeichnungen, Medaillen und Orden befinden sich imHaus der Geschichte inBonn.
Film
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]InSteven Spielbergs FilmSchindlers Liste von 1993 verkörperte die britische SchauspielerinCaroline Goodall Emilie Schindler.
Oper
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Der US-amerikanische Komponist Thomas Morse und der Librettist Kenneth Cazan brachten 2017 die OperFrau Schindler im MünchenerGärtnerplatztheater heraus.[5]
Fernsehen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Unter der Regie vonAnnette Baumeister produzierte derBayerische Rundfunk die FernsehdokuEmilie Schindler – Die vergessene Heldin über Schindler. Sie wurde am Pfingstmontag, 20. Mai 2024, aufarte ausgestrahlt.[6]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Emilie Schindler, Erika Rosenberg (Hrsg.):Ich, Emilie Schindler. Erinnerungen einer Unbeugsamen. 1. Auflage, Langen Müller, München 2022,ISBN 3-7844-3633-1.
- Emilie Schindler,Erika Rosenberg (Hrsg.):Ich, Emilie Schindler. Herbig, München 2001,ISBN 3-7766-2230-X.
- Emilie Schindler, Erika Rosenberg (Hrsg.):In Schindlers Schatten. Emilie Schindler erzählt ihre Geschichte, aufgeschrieben von Erika Rosenberg. Aus dem Spanischen übersetzt von Elisabeth Brilke. Deutsche Erstausgabe, 2. Auflage. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1997,ISBN 3-462-02585-6.
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Emilie Schindler im Katalog derDeutschen Nationalbibliothek
- Janca Imwolde: Emilie Schindler. Tabellarischer Lebenslauf imLeMO (DHM undHdG)
- Emilie Schindler auf der Website von Yad Vashem (englisch)
- Yitzak Stern:Zeugnisbericht auf der Website von Yad Vashem (englisch)
- Die Liste, der Koffer und das Alter: Frau Emilie Schindler wird heute 92 aufhaGalil am 22. Oktober 1999
- Beerdigung in Waldkraiburg: Emilie Schindler ist tot aufhaGalil am 17. Oktober 2001
- Die Wahrheit hinter Schindlers Liste.Mittelbayerische Zeitung online 24. Oktober 2019
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abcdJohannes Leicht: Emilie Schindler 1907-2001. Lebenslauf. In: www.dhm.de. Deutsches Historisches Museum, 14. September 2014, abgerufen am 24. Mai 2024.
- ↑Johannes-Michael Noack:„Schindlers Liste“. Authentizität und Fiktion in Spielbergs Film. Eine Analyse. Leipziger Universitätsverlag 1998,ISBN 3-933240-05-0, S. 17 f.
- ↑Emilie Schindler auf der Website von Yad Vashem
- ↑Frau Emilie Schindler wird heute 92. Die Liste, der Koffer und das Alter. In: www.hagalil.com. haGalil, Oktober 1999, abgerufen am 24. Mai 2024.
- ↑Thomas Morse. Komponist "Frau Schindler" (Memento vom 13. März 2017 imInternet Archive), bei Staatstheater am Gärtnerplatz
- ↑Video verfügbar in der ARD Mediathek:Emilie Schindler – Die vergessene Heldin (52:04 Min.), verfügbar bis 12. November 2026.
Personendaten | |
---|---|
NAME | Schindler, Emilie |
ALTERNATIVNAMEN | Pelzl, Emilie (Geburtsname) |
KURZBESCHREIBUNG | deutsche Unternehmergattin, Ehefrau von Oskar Schindler |
GEBURTSDATUM | 22. Oktober 1907 |
GEBURTSORT | Alt-Moletein (heute: Starý Maletín, Mähren) |
STERBEDATUM | 5. Oktober 2001 |
STERBEORT | Strausberg |