Emil Mangelsdorff spielte zunächst Akkordeon. Als Mitglied der illegal auftretenden FrankfurterHotclub Combo wechselte er zurKlarinette, die er von 1942 bis 1943 amDr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt studierte.[2] Aufgrund seines Eintretens für den Jazz wurde er mehrfach von derGestapo schikaniert und Anfang 1943 verhaftet und für 14 Tage interniert.[3] NachWehrmacht undKriegsgefangenschaft schloss sich Mangelsdorff 1949 der Frankfurter Jazzszene an und spielte mit vielen unterschiedlichen Gruppierungen (zunächst bei Joe Klimm, dann beiJutta Hipp, denTwo Beat Stompers und denFrankfurt All Stars, später in eigenen Gruppen, aber auch beiWolfgang Lauth). 1966 gründete er dieSwinging Oil Drops mitJoki Freund,Volker Kriegel,Fritz Hartschuh undGünter Lenz. Nach dem Tod seiner Frau, derSopranistinSimone Mangelsdorff, zog er sich für ein Jahr von der Szene zurück, um 1974 mit einem neuen Quartett zurückzukehren.Bert Noglik zufolge entsteht im Zusammenspiel mit seinem Quartett „eine enorme Leichtigkeit, fast so etwas wie Unbeschwertheit, ohne dabei auf die Tiefe des musikalischen Gefühls und Gedankens zu verzichten“.
Seine musikalische Entwicklung verlief parallel zu der des Jazz. War er anfangs stark vonDixieland undSwing beeinflusst, griff er auch die von den zeitgenössischen Entwicklungen des Jazz wieBebop undFusion ausgehenden Anregungen kreativ auf. Parallel ließ er sich auf Experimente wieJazz & Lyrik ein. Diese persönliche Entwicklung wird durch Schallplatteneinspielungen mit seinem Quartett und seit 1958 durch die Mitgliedschaft imJazz-Ensemble des Hessischen Rundfunks belegt, wo er eher als Solist und Ensemblespieler, weniger als Komponist hervortrat (Jürgen Schwab zufolge hat er dort weniger als zehn Kompositionen bzw. Arrangements beigesteuert[4]). Er spielte nun vorrangig Altsaxophon, aber auch Flöte und Sopransaxophon. Im Bereich des Jazz war er lautTom Lord zwischen 1941 und 2007 an 100 Aufnahmesessions beteiligt, zuletzt mit dem HR Jazzensemble.[5]
Mangelsdorff war auch jazzpädagogisch tätig; von 1960 bis 1966 leitete er mitCarlo Bohländer eine Jazzklasse an der Frankfurter Jugendmusikschule und verfasste eine „Anleitung zur Improvisation für Saxophon in B“ (Mainz: Schott 1964).
Mangelsdorff begleitete auch seinen alten WeggefährtenFritz Rau auf dessen Lesereisen.Über seine Erlebnisse in der sogenanntenSwing-Jugend hat er häufig in Schulen als Zeitzeuge Auskunft gegeben. Im FrankfurterHolzhausenschlösschen hatte er seit 1995 seine eigene Konzertreihe; zum letzten Mal trat er dort – nach insgesamt 212 Auftritten[6] – am 1. November 2021 auf.[7]
Grab von Emil Mangelsdorff auf dem Hauptfriedhof Frankfurt
Für den Film des Frankfurter RegisseursMalte RauchBlues March Soldat Jon Hendricks komponierte er die Filmmusik.