Die Stadt liegt im ehemaligenWestpreußen, am Südwestrand derElbinger Höhe in derElbinger Niederung, nahe der Mündung der FlüsseElbląg(Elbing) undNogat in dasFrische Haff (Zalew Wiślany). Sie liegt etwa 30 Kilometer südwestlich vonFrombork(Frauenburg), 30 Kilometer nordöstlich vonMalbork(Marienburg) und etwa 60 Kilometer südöstlich vonDanzig (Gdańsk).
Im Jahr 1237 errichtete derDeutsche Orden unter demLandmeisterHermann von Balk in der Nähe desDrausensees eine Festung.[2]Die Stadt wurde im Jahr 1237 als Elbing unter dem Schutz desDeutschen Ordens von ausLübeck stammenden Handwerkern und Kaufleuten gegründet.[3][4] Es wurde zunächst eine Siedlung mit rasterförmigem Straßennetz angelegt. Das Zentrum bildete der spätere „Alte Markt“, der an dem großen Handelsweg zwischenThorn und dem Samland gelegen war. Vor 1238 wurde die Stadtpfarrkirche St. Nikolai erbaut. 1238 ließ Landmeister Hermann von Balk die Liebfrauenkirche und einDominikanerkloster errichten. Bis 1246 erfolgte die Einwanderung von weiteren Bürgern, die ebenfalls überwiegend aus Lübeck stammten. 1246 erhielt Elbing das Stadtrecht nachLübischem Recht und erhielt das Privileg, eigene Münzen zu schlagen. Im Süden der Stadt wurde während der 1240er Jahre das Ordensschloss mit einem Heilig-Geist-Hospital errichtet. In den Jahren 1251 bis 1309 war dieBurg Elbing der stellvertretende Hauptsitz des Ordensstaates (Hauptsitze waren damalsAkkon und späterVenedig) und Sitz derLandmeister von Preußen und desGroßspittlers, gleichzeitig Residenz desermländischen BischofsAnselm, der hier 1274 starb.
Die Kirche zum Heiligen Jakob (Filiale der Stadtpfarrkirche) entstand 1256. Die Corpus-Christi-Kirche mit einemAussätzigenhospital wurde 1292 erbaut. Der Orden erbaute um 1300 die Befestigungen der Stadt mit 14 Wehrtürmen. In dieser Zeit war Elbing zu einer bedeutenden Handelsstadt angewachsen, die bedeutende Handelsprivilegien bei denKönigen von Polen, denHerzögen von Pommern, den skandinavischen Herrschern und sogar bei KönigPhilipp IV. von Frankreich erworben hatte. Im 13. Jahrhundert wurde dieschola senatoria (Ratsschule).[5] gegründet, und 1314 wurde der Elbinger Stadtturm erbaut.
Siegel von Elbing, um 1350
Elbing entwickelte sich gemeinsam mitDanzig undThorn zu einer der führendenHansestädte im östlichen Mitteleuropa. Anfang des 14. Jahrhunderts war die Stadt so angewachsen, dass 1337 durch den Elbinger Komtur Siegfried von Sitten vor den Toren die Elbinger Neustadt angelegt wurde. Sie verfügte über einen eigenen Rat und wurde nach Lübischem Recht regiert. Dieser Neustadt erteilte am 25. Februar 1347 der HochmeisterHeinrich Dusemer das Privilegium.
Ab 1350 beteiligte sich die Elbinger Flotte an den Kämpfen derHanse gegen norwegische und dänische Seeräuber in der Ostsee. 1360 wütete in Elbing diePest, der etwa 13.000 Einwohner (etwa 90 %) zum Opfer fielen.
1367 trat Elbing mitKulm undThorn derKölner Konföderation bei. Die Kirche zur HeiligenBrigitta von Schweden wurde nach 1379 erbaut. 1397 entstand derEidechsenbund: Der Aufstand des Adels und der Städte gegen die Herrschaft des Ordens begann. Nach derSchlacht bei Tannenberg wurde Elbing acht Wochen lang von polnischen Truppen besetzt. Polnische Truppen belagerten 1414 das Elbinger Ordensschloss, jedoch ohne Erfolg.
1440 gründeten die preußischen Hansestädte, unter ihnen Elbing, gemeinsam mit den Landesständen denPreußischen Bund, der gegen die Herrschaft des Ordens gerichtet war und eine autonome Selbstverwaltung unter der Oberhoheit des polnischen Königs anstrebte. 1452 ließen sie sich ihre Rechte und Privilegien von Kaiser Friedrich III. bestätigen. Im daraufhin einsetzendenDreizehnjährigen Krieg des Preußischen Bundes gemeinsam mit Polen gegen den Deutschen Orden (1453–1466) nahmen die Bürger Elbings an der Belagerung des Ordensschlosses durch die Polen teil und zerstörten das Schloss nach dessen Kapitulation. Die Ruinen des Schlosses wurden 100 Jahre später abgetragen. Ein Teil steht bis heute. Die Stadt huldigte 1454 demJagiellonen PolenkönigKasimir IV. als Schutzherrn. Er und seine Nachfolger bestätigten der Stadt sämtliche alten Privilegien und verliehen viele neue. 1478 schlossen sich die bis dahin eigenständigen Stadthälften der Alt- und Neustadt Elbings zusammen.
Elbing als freie Stadtrepublik im Königlichen Preußen
Ein Bäckerjunge soll der Legende nach 1521 die Einnahme Elbings durch die Ordensritter verhindert haben. Sein Denkmal am Markttor schuf Waldemar Grabowiecki 2006.Panorama von Elbing von 1554
Der Dreizehnjährige Krieg endete 1466 mit demZweiten Thorner Frieden, bei dem der OrdenPommerellen, dasCulmer Land undErmland sowie Danzig, Elbing und Marienburg verloren geben musste. Diese Gebiete unterwarfen sich alsPreußen Königlichen Anteils freiwillig der polnischen Krone. Dadurch entstand eine Zweiteilung Preußens in einen westlichen polnischen Teil und einen östlichen Teil des Deutschen Ordens, der allerdings die polnische Oberhoheit anerkennen musste. Das Ordensland wurde 1525 in das weltlicheHerzogtum Preußen umgewandelt. Das Heer des letzten HochmeistersAlbrecht von Brandenburg-Ansbach belagerte noch 1521 unter Führung von Komtur Kaspar von Schwalbach die Stadt Elbing. Die Belagerung konnte abgewehrt werden. Der Tag des Sieges wurde mehrere Jahrhunderte am ersten Freitag nach SonntagLaetare als „Freudetag“ in der Stadt gefeiert.
Im Jahr 1536 wurde das erste evangelische Gymnasium vonWillem van de Voldersgraft, einem Glaubensflüchtling aus Den Haag, eingerichtet.Christoph Hartknoch beschrieb in seinerActa Borussica III dessen Leben oderVita Guilielmi Gnaphei. In Hartknochs Arbeiten sind ebenfalls die preußischen Städte einschließlich Elbing dargestellt. Der Rektor des Elbinger Gymnasiums musste auf Grund des Erlasses des katholischenFürstbischofs vonErmland Elbing verlassen und wurde dann Rat des Herzogs Albrecht von Preußen sowie Rektor und Professor der Universität Königsberg. 1576 bestätigte KönigStephan Báthory das Privileg der protestantischen Schule, die bis zum DirektoratJohann Wilhelm Süverns 1803 einen akademischen Anspruch hatte. 1558 sicherte KönigSigismund II. August der protestantischen Stadt Elbing die vorläufige Religionsfreiheit zu.
Anlässlich der Errichtung derUnion von Lublin auf demLublinerSejm kündigte KönigSigismund II. August am 16. März 1569 die Autonomie Westpreußens jedoch unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[6][7] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[8]
1567 konnte die Stadt die volle religiöse Autonomie durchsetzen und verwies dieJesuiten der Stadt. Die Lutheraner übernahmen 1577 die Nikolaikirche. Seit dieser Zeit sind auchKirchenbücher mit Eintragungen der Taufen, Heiraten und Bestattungen vorhanden.
Ab 1579 unterhielt die Stadt enge Handelsbeziehungen zuEngland, das freien Handel in Elbing ausüben konnte. Viele englische und schottische Kaufleute ließen sich in Elbing nieder und wurden Bürger der Stadt. Sie organisierten sich in derFellowship of Eastland Merchants. DieChurch of Scotland gründete dieBruderschaft der Schottischen Nation in Elbing. Familiengräber mit Namen Ramsay, Slocombe waren noch bis 1945 auf dem St.-Marien-Friedhof in der Altstadt Elbings zu finden. Andere Familien aus diesem Kreis waren unter anderem die Lamberts, Paynes, Lardings, Wilmsons.
Der Aufruhr der Danziger gegen KönigStephan Báthory von Polen wurde 1580 von den Elbingern, die dem König treu blieben, geschickt ausgenutzt. Für Polen spielte Elbing nun eine Schlüsselrolle im Überseehandel. Über die Nogat, die damals tiefer war als die Weichselmündung bei Danzig, erfolgte der polnische Getreideexport nach Westeuropa und umgekehrt der Import westlicher Luxuswaren bis weiter nach Polen. Die Stadt zählte im Jahr 1594 30.000 Einwohner, und der Umsatz von Waren, die von Elbinger Handelsleuten in diesem Jahre verkauft wurden, erreichte die für damalige Zeiten hohe Summe von 1.247.850Talern.Die Stadtpfarrkirche wurde 1617 dem katholischen Klerus übergeben.
Um 1620 trat die Stadt aufgrund ihrer starken Handelsbeziehungen mit England aus derHanse aus. 1625 folgte ein Ausbruch derPest, in dessen Folge 3.608 Menschen starben. Die Truppen des SchwedenkönigsGustav II. Adolf nahmen 1626 die Stadt ein und hielten sie bis 1635 als Hauptquartier im Kampf zur Unterstützung der Evangelischen gegen die Katholischen imDreißigjährigen Krieg. Der schwedische König setzte seinen Vertrauten und ReichskanzlerAxel Oxenstierna in Elbing als Generalgouverneur für die neuen schwedischen Besitzungen ein. Dieser führte von 1626 bis 1631 neben den regionalen Geschäften auch einen Teil seiner nationalen Aufgaben von Elbing aus. In den etwa 1500 erhaltenen Briefen Oxenstiernas aus Elbing spiegeln sich militärische, ordnungs-, wirtschafts- und außenpolitische Themen der Zeit. Die Schweden nahmen Preziosen, Möbel, Bücher als Kriegsbeute und schickten diese in ihre Heimat.
1646 dokumentierte der Elbinger StadtschreiberDaniel Barholz, dass der Elbinger Stadtrat Bernsteindreher (Paternostermacher) angestellt habe. Spätere Mitglieder der Familie Barholz waren prominent als Stadtrat und Bürgermeister. Auch der BarockdichterDaniel Bärholz gehörte dieser Familie an. Die Verarbeitung von Bernstein (preußisches Gold), nicht nur zu Schmuck und kirchlichen Artikeln, sondern als Heilmittel und zu Polierlack, war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor jener Zeit. Die Gildemitglieder der Paternostermacher unterstanden besonderen Gesetzen.In den Jahren 1655 bis 1660 wurde Elbing im Zuge desZweiten Nordischen Krieges ein zweites Mal durch schwedische Truppen unterKarl X. Gustav besetzt.[9] Karl X. Gustav verfuhr dabei auf ähnliche Weise wie sein Onkel Gustav Adolf.
Der polnische KönigJohann II. Kasimir verpfändete Elbing und dessen Umland, das sogenannte „städtische Territorium“, 1657 imVertrag von Wehlau an denGroßen Kurfürsten für die Summe von 400.000 Talern und sicherte ihm außerdem die Souveränität über das Herzogtum Preußen zu. Als die polnische Krone die obige Summe nicht erstattet und die Stadt weiter in Besitz behalten hatte, traf der Nachfolger des Großen Kurfürsten, KurfürstFriedrich III., mit dem polnischen KönigAugust II. eine geheime Abmachung, nach der die Stadt gegen eine Zahlung von 150.000 Talern von Polen verpfändet werden sollte. Am 10. November 1698 wurde die Stadt kampflos von brandenburgisch-preußischen Truppen besetzt. Dagegen regte sich jedoch erheblicher Widerstand im polnischen Sejm. In einem am 12. Dezember 1699 mit Polen geschlossenenTractatus retraditae Elbingae (Elbinger Rückgabevertrag) kam die Stadt wieder an Polen und wurde am 1. Februar 1700 von brandenburgisch-preußischen Truppen geräumt, jedoch erhielt Friedrich III. das Pfandrecht für das Elbinger Territorium, falls Polen die noch ausstehenden 300.000 Taler aus dem Vertrag von Wehlau nicht binnen drei Monaten nach dem nächsten gehaltenen Sejm begleichen sollte. Letzteres geschah nicht, auch weil die polnische Adelsrepublik infolge des ausgebrochenenGroßen Nordischen Kriegsde facto zahlungsunfähig war. Preußische Truppen besetzten daher am 13./14. Oktober 1703 das Gebiet um die Stadt Elbing. Die Stadt selbst geriet zunächst in die Hand der Schweden und ab 1710 der Russen. 1712 wurde die mehrfach geplünderte und gebrandschatzte, verarmte und hochverschuldete Stadt an Polen zurückgegeben.[10][11][12] Das einstige städtische Territorium hingegen blieb preußisch.[13]
Durch den Verlust des Umlandes wurden die ansehnlichen Erträge, die bis dahin aus dem Territorium an die Stadt geflossen waren, erheblich beschnitten, was zu einer Lähmung der Wirtschaft und einem damit einhergehenden Rückgang der Bedeutung der Stadt führte.[14] Hinzu kam, dass die Stadt Elbing zwar ihre Autonomie wahrte, doch in den folgenden Jahrzehnten mehrfach Besatzungen über sich ergehen lassen musste und damit einhergehende Kontributionen zu leisten hatte. Während desSiebenjährigen Krieges wurde die Stadt 1758 von russischen Truppen erobert und bis 1762 besetzt gehalten. Im 18. Jahrhundert kam es auch zu wiederholten Streitigkeiten zwischen der mehrheitlich lutherischen Stadtbevölkerung und den katholischen polnischen Autoritäten.[12]
Karte von Elbing (um 1750)Elbing im 18. Jahrhundert
Der kaiserliche Mathematiker und GeographJohann Friedrich Endersch vollendete 1755 eine Karte Ermlands mit dem TitelTabula Geographica Episcopatum Warmiensem in Prussia Exhibens. Diese Karte zeigt Stadt und Land Elbing westlich desErmlands und jedes Dorf in der Gegend. Die Karte von 1755 führt auch den NamenPrussia Orientalis (auf Deutsch: Ostpreußen).[15] Endersch fertigte ebenfalls einen Kupferstich des Segelschiffes (Galiot), benanntD.Stadt Elbing (D=der Erbauer), später auch alsDie Stadt Elbing bekannt, welches 1738 in Elbing erbaut worden war.
1772 kam Elbing im Rahmen derersten Teilung Polens zumPreußischen Staat. Zwar verlor Elbing dadurch seine städtische Autonomie und einige damit einhergehende Privilegien, doch gewann die Stadt nun neue Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Preußischen Staats.[16]
Friedrich II. unterstützte Elbing durch viele Steuererleichterungen, und der Handel begann wieder aufzublühen. 1807 besetztenNapoleons Truppen Elbing und erzwangen innerhalb von vier Tagen eineKontribution von 200.000 Talern. Am 8. Mai 1807 hielt Napoleon I. in Elbing eine große Truppenparade ab. Vom Dezember 1812 bis Januar 1813 musste die Stadt nach seinem gescheitertenRusslandfeldzug 60.000 zurückflutende französische Soldaten, 8.000 Offiziere und 22.000 Pferde ernähren.
Anfang der 1830er Jahre war Elbing von einer hohen Stadtmauer und von Wällen umgeben und hatte fünf Land- und zwei Wassertore, zwei Pforten, drei innere und elf äußere Vorstädte, acht evangelische und eine katholische Kirche, einmennonitisches Bethaus, zweiBaptistenkapellen,[17] eine Synagoge, ein Gymnasium mit einer beachtlichen Bibliothek, eine Armenschule, zehn Parochialschulen, fünf Hospitäler, einenKonvent für unbemittelte Frauen, ein Waisenhaus, ein Armenhaus, eine Spinnanstalt, eine Inustrieanstalt und mehrere andere mustergültige Armenanstalten.[18]
Industrialisierung und Verkehrswegebau beschleunigten das Wachstum der Stadt im 19. Jahrhundert. 1828 stellten die Elbinger das ersteDampfschiff Ostpreußens in Dienst. 1837 wurden dieSchichau-Werke gegründet. 1840 bis 1858 wurde derOberländische Kanal zwischenDeutsch Eylau,Osterode und Elbing nach Plänen und unter Leitung des Königlich-Preußischen BauratsGeorg Steenke angelegt. Am 23. Oktober 1844 erfolgte die Gründung derBaptistengemeinde Elbing.
In den 1840er Jahren wurde zusätzlich zu dem bereits bestehendenGymnasium eineRealschule ins Leben gerufen.[5] Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verfügten die im Hafen von Elbing vertretenen Reeder über 14 Handelsschiffe.[19] 1853 wurde die Eisenbahnlinie nachKönigsberg fertiggestellt. 1858 bis 1918 erfolgte ein großer wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt. Die Stadt hatte viele Fabriken: dieSchichau-Werke, die jetzt auch unter anderem Lokomotiven herstellten, die ZigarrenfabrikLoeser & Wolff, eine große Brauerei und Schnapsbrennerei, eine Schokoladefabrik und viele andere Betriebe. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Elbing sieben evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, vier Bethäuser verschiedenerFreikirchen und Glaubensgemeinschaften sowie eineSynagoge.[20]
In der Industriestadt Elbing erhielt dieSPD stets die Mehrheit der Wählerstimmen, bei den Reichstagswahlen 1912 sogar 51 %. Laut der preußischen Volkszählung von 1905 waren in den Kreisen Elbing Stadt und Elbing Land 94.065 Personen deutschsprachig und 280 Personen polnisch- bzw. kaschubischsprachig.
Kaiser-Wilhelm-Platz mit Rathaus, um 1930Blick auf die Nikolaikirche vor 1945Blick von der Speicherinsel auf die Häuserzeile am Elbing-Fluss, um 1930
Nach demErsten Weltkrieg musste Deutschland aufgrund der Bestimmungen desVersailler Vertrags 1920 den größten Teil Westpreußens zum Zweck der Einrichtung desPolnischen Korridors anPolen abtreten. Gleichzeitig wurde die ethnisch deutsche, politisch aber von Polen abhängigeFreie Stadt Danzig gebildet und ebenfalls vom Reichsgebiet abgetrennt. Die westlich der Nogat gelegenen Teile des Landkreises Elbing fielen an den neuen Freistaat Danzig. Die Stadt Elbing gehörte zu den Gebieten, die bei Deutschland verblieben, und wurde nach Auflösung der Provinz Westpreußen an das benachbarteOstpreußen angegliedert. Die neu hinzugekommenen westpreußischen Gebiete bildeten dort denRegierungsbezirk Westpreußen (bis 30. Juni 1922Regierungsbezirk Marienwerder), dessen Verwaltungssitz sich inMarienwerder befand, in dem Elbing jedoch die größte Stadt war. 1926 wurde diePädagogische Akademie Elbing zur Ausbildung vonVolksschullehrern eingerichtet.[21]
In den Jahren der Weimarer Republik war Elbing eine Hochburg derKPD. Die auf Deutschlands Aufrüstung gerichtete Politik derNSDAP brachte ab 1933 einen großen wirtschaftlichen Aufschwung für Elbing, hauptsächlich durch den Ausbau der Schichau-Werke, den Bau einer Flugzeugfabrik und die Eröffnung vieler neuer Schulen. 1937 hatte die Stadt 76.000 Einwohner. Nach demÜberfall auf Polen 1939, durch den die 1920 entnommenen Territorien wieder an das Reichsgebiet zurückkamen, wurde Elbing an denRegierungsbezirk Danzig im ReichsgauDanzig-Westpreußen angegliedert.
Nachdem ein großer Teil der Einwohner im Januar 1945 Elbing verlassen hatte, begann um den 23. Januar 1945 eine Belagerung durch dieRote Armee. Die Stadt mit ihrer strategisch wichtigen Lage wurde bis zum 10. Februar verteidigt. Am Ende lagen 60 Prozent der Gebäudesubstanz der Stadt in Trümmern (insgesamt 5255 Gebäude). Alle Baudenkmäler waren stark beschädigt, nur sechs Häuser in der Altstadt blieben stehen, darunter dasKramer-Zunfthaus und das Postamt. Etwa 5000 deutsche Soldaten fielen, viele Zivilisten ertranken bei der Flucht aus der belagerten Stadt imFrischen Haff.
Elbing beherbergte Bücherschätze von europäischem Rang. ImStadtarchiv, das im 17. Jahrhundert gegründet worden war, befanden sich viele wertvolle Pergamente aus dem 13. Jahrhundert und wertvolle historische Sammlungen aus dem 15. Jahrhundert. DieBibliothek am Gymnasium (15.000 Bände) besaß unter anderem ein polnisches Gesetzbuch aus dem 13. Jahrhundert, dieBibliothek an der Nikolaikirche (gegründet vor 1403) 23 alte Handschriften und 1.478 alte theologische Werke. DieBibliothek an der Marienkirche verfügte über eine herausragende Sammlung von Musikhandschriften – 520 Werke aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. DieStadtbibliothek (gegründet 1601) hatte die wertvollste Sammlung: 30.000 Bände, darunter 214 Handschriften, 123 Inkunabeln und 770 Landkarten. DasStadtmuseum beherbergte die ehemalige Bibliothek derDominikaner, unter anderem 50 Handschriften und 15Inkunabeln. Alle diese Bücherschätze sind seit 1945 verschollen.
Plattenbausiedlung im Vorort von Elbląg, 1990Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen – 1975 erbaut
Nach der Eroberung durch die Rote Armee wurde Elbing unter polnische Verwaltung gestellt und sämtliche Maschinen in den Fabriken, die unzerstört geblieben waren – zum Beispiel in den Schichau-Werken – bis 1946 demontiert und alsReparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert. Auch Küchenherde, Kachelöfen, Badewannen,Junkers-Öfchen, Türschlösser und -klinken aus unzerstörten Privathäusern wurden dorthin verbracht.
Die sowjetischen Militärbehörden übergaben 1946 den Seehafen der polnischen Stadtverwaltung. Da die Ausfahrt zur Ostsee beiBaltijsk(Pillau) nunmehr unter sowjetischer Kontrolle stand, war die Nutzung des Hafens nur sehr eingeschränkt möglich.
Im Jahr 1948 hatte die Stadt 40.000 Einwohner. Ab 1950 begann der Wiederaufbau der Elbinger Industrie. Die Stadt wurde wieder zu einem wichtigen Zentrum der Maschinen- und Transportindustrie, außerdem hatte die Stadt Holz-, Lebensmittel- und Textilindustrie. Die Stadt hatte im Jahr 1962 81.400 Einwohner. Viele Bewohner von Elbląg beteiligten sich 1970 zusammen mit Bürgern inDanzig undStettin amAufstand gegen die kommunistische Regierung in Polen.
Rekonstruktion und Wiederaufbau alter Häuser in der Altstadt
Ab 1990 wurde die Altstadt unter Verwendung historistischer Bauformen wie spitzer Giebel zur Straße sowie von Fachwerkimitationen wieder aufgebaut. Nach dem Jahr 2000 stehen wieder viele Gebäude nahe, aber nicht direkt an der Elbląger „Waterkant“. Die Stadt wurde 1992 zum Sitz des katholischenBistums Elbląg erhoben, das zum neugeschaffenenErzbistum Ermland gehört. Der Hafen bekam 1994 seine Rechte als Seehafen mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten zurück, da die einzige Ausfahrt zur offenen Ostsee seit Jahrhunderten durch dasPillauer Tief in derFrischen Nehrung verlief, das seit 1945sowjetisches bzw. russisches Hoheitsgewässer ist. Seit 2022 besteht jedoch durch denKanal durch die Frische Nehrung und die dazugehörige Fahrrinne eine direkte Anbindung an die Danziger Bucht.
Elbląg verlor bei der Verwaltungsreform 1998 seinen Rang als Hauptstadt einer Woiwodschaft, gehört seitdem zur vonOlsztyn(Allenstein) aus verwaltetenWoiwodschaft Ermland-Masuren und ist dort wieder Stadtkreis und Sitz der Kreisverwaltung für denPowiat Elbląski. Die Stadt erhielt 1999 denEU-Preis für Umweltpflege. Die Stadt erhielt 2000 die internationale Auszeichnung „Europäische Fahne“.
am Jahresende, Stadt, umgeben von einer Stadtmauer, mit drei inneren und elf äußeren Vorstädten sowie 2950 Häusern, ohne dieGarnison: 2. Eskadron des1. Husaren-Regiments[18][24]
am 1. Dezember, davon 45.638 Evangelische, 10.819 Katholiken, 369 Juden, 1.610 Sonstige (58.330 mitdeutscher, 115 mitpolnischer und 1 Einwohner mitkaschubischer Muttersprache, 128 Einwohner sprechen Deutsch und eine andere Sprache);[29] nach anderen Angaben 58.636 Einwohner, davon 45.713 Evangelische, 10.940 Katholiken und 371 Juden[30]
1925
67.878
davon 54.835 Evangelische, 11.755 Katholiken, 143 sonstige Christen und 434 Juden[28]
1933
72.409
davon 57.724 Evangelische, 12.308 Katholiken, 20 sonstige Christen und 357 Juden[28]
1939
83.190
davon 63.530 Evangelische, 14.418 Katholiken, 624 sonstige Christen und 48 Juden[28]
1945
22.179
davon 16.838 Deutsche, 5.341 Polen (Stand 1. November 1945)[31]
Die ersten Schulen in Elbing wurden zu Beginn des 14. Jahrhunderts gegründet, keine 100 Jahre nach der Gründung der Stadt im Jahr 1237. Zunächst waren dies kirchliche Gemeindeschulen, in späteren Jahren auch weltliche Schulen, private, städtische oder staatliche Schulen. Die erste Erwähnung einer Volksschule in Elbing betraf die Pfarrschule von St. Nikolaus, die sich im Dorf Elbing befand. Die erste Erwähnung einer Elementarschule (Grundschule) in Elbing, die die Pfarrschule St. Nikolaus war, die sich in der heutigen Rybacka-Straße 14 befand, stammt aus dem Jahr 1310. Nach der Übernahme Elbings durch Preußen im Jahre 1772, als Folge der Ersten Teilung Polens, wurde ähnlich wie im übrigen Deutschland ein obligatorisches Volksschulsystem eingeführt, das 1773 der preußische König Friedrich II. proklamierte. So gab es 1828 in Elbing 19 Volksschulen von unterschiedlicher und nicht sehr hoher Qualität, darunter 10 öffentliche, 7 kirchliche und 2 private Schulen, die 1.914 Schüler im Alter von 6 bis 12–14 Jahren besuchten.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Gründung der ersten preußischen Universität in Elbing erwogen, aber vor allem wegen religiöser Streitigkeiten über die Gründung und Ausstattung der Universität nicht realisiert.
Im Gebäude der beliebten Hala Targowa, des inzwischen erheblich erweiterten Kaufhauses in der Gwiezdna-Straße, befand sich die städtische Margaretenschule. Sie wurde am 10. Oktober 1830 eröffnet und von Kindern aus den ärmsten Elbinger Familien besucht. Die Ritterschule befand sich im Gebäude der heutigen Vermessungs- und Kartographiegesellschaft in der Tysiąclecia-Allee 11. Im Gebäude des heutigen Priesterseminars der Diözese Elbląg in der Bożego Ciała Straße 10 war ab dem 12. Oktober 1891 die katholische Nicolaischule untergebracht. Im Gebäude des heutigen Lehrerkollegiums für Fremdsprachen in der Czerniakowska-Straße 22, 1886 erbaut, befand sich die Luisenmädchenschule. Im Gebäude der heute nicht mehr existierenden Zweigstelle der Ermländisch-Masurischen Pädagogischen Landesbibliothek in Olsztyn in der Pocztowa-Straße 1, neben der 1. allgemeinbildenden Mittelschule, die 1886 gebaut wurde, befand sich die Hansaschule. Im heutigen Gebäude des Gimnazjum Nr. 2 in der Robotnicza-Straße 173, bis vor kurzem die Grundschule Nr. 2, die mit den Sportanlagen in der Krakusa-Straße in den Jahren 1925–1927 gebaut wurde, befand sich die Paulusschule, die am 20. Dezember 1927 feierlich eröffnet und in den 1930er Jahren in Horst-Wessel-Schule umbenannt wurde.
Das monumentale, prächtige Gebäude des heutigen Gimnazjums Nr. 5, bis vor kurzem Grundschule Nr. 3 in der Agrykola-Str. 6, wurde mit den Sportanlagen der Schule Ende der 1920er Jahre gebaut, als die Sportgrundschule, deren Einweihung am 10. Oktober 1929 stattfand, den Namen des deutschen Sport- und TurnförderersFriedrich Ludwig Jahn (1778–1852) erhielt, der als „Vater des Turnens in Preußen“ bezeichnet wird.
Im Gebäude der heutigen Grundschule Nr. 4 in der A.-Mickiewicza-Straße 41, gebaut 1912/13, befand sich die Trusoschule. Im Gebäude der heutigen Universität für Geisteswissenschaften in der Robotnicza-Straße 197, wo sich bis Anfang der 90er Jahre die Grundschule Nr. 5 befand, wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Pfarrgrundschule (Adalbertusschule) gebaut. An der Stelle der heutigen Volksschule Nr. 7 in der Browarna-Str. 1, die 1926 erbaut und inzwischen stark umgebaut wurde, befand sich seit 1873 eine Grundschule für Mädchen, die Elisabethschule. Im Gebäude der heutigen Grundschule Nr. 8 in der Szańcowa-Straße 2, erbaut 1891 und stark umgebaut, war die kirchliche Marienschule untergebracht.
Die bekannteste Bildungseinrichtung im ehemaligen Elbing war dasElbinger Gymnasium, gegründet vonJacob Alexwangen, Bürgermeister von Elbing, und Wilhelm van der Voldergraft, einem holländischen religiösen Emigranten, der sich 1531 in Elbing niederließ und der erste Rektor der Schule wurde. Ursprünglich war die Schule in verlassenen Klostergebäuden des Ordens derheiligen Brigida untergebracht, die der Rat der Stadt Elbing nach der Reformation kaufte. Die Einweihung fand am 29. September 1535 statt. Am 25. November 1599 wurde es in ein neues Gebäude verlegt (heute Museum für Archäologie am Zygmunt II.-August-Boulevard 11), wo es fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb und währenddessen unter dem rechtlichen und finanziellen Schutz der Stadt Elbing stand. AmAkademischen Gymnasium unterrichtete u. a. der berühmte böhmische Pädagoge und BildungsreformerJohann Amos Comenius, der sich in den Jahren 1642–1648 in Elbing aufhielt. Das Elbinger Gymnasium war das erste weltliche Gymnasium in Westpreußen und das zweite auf dem Gebiet des heutigen Polens, nach der Schule in Posen, die 1519 gegründet wurde.
Das Gymnasium wurde am 1. Januar 1847 verstaatlicht und 1882 in ein neues Gebäude verlegt, heute der Sitz des II. Liceums in der Królewiecka-Straße 42, wo es bis 1944 als Staatliches Gymnasium bestand. Das Gebäude des heutigen I. LiceumsJuliusz Słowacki in der Pocztowa-Straße 2 wurde in den Jahren 1873 bis 1875 erbaut und beherbergte dasKaiserin-Auguste-Victoria-Lyzeum, einehöhere Töchterschule, die ab 1909 zum voll anerkannten Abitur führte.
Im heutigen Gebäude des 1909 errichteten Oskar-Lange-Wirtschaftsschulkomplexes in der General-J.-Bema-Straße 50 war bis 1926 das Evangelische Pädagogische Lehrerseminar untergebracht. DiePädagogische Akademie Elbing, die erste ihrer Art in Ostpreußen, wurde 1933 inHochschule für Lehrerbildung umbenannt.
Im Gebäude des heutigen Mechanischen Schulkomplexes in der J.-A.-Komeński-Straße 39, das 1929 gebaut wurde, befand sich die Höhere Lehranstalt für Praktische Landwirte.
1919 wurde in dem Gebäude in der heutigen Zacisze-Straße 11 eine Städtische Berufsschule für Mädchen – die Städtische Mädchenberufsschule – eröffnet. Królewiecka 128, erbaut in den Jahren 1926–1929, wo die Staatliche Berufsschule für Hauswirtschaft für Mädchen und die Höhere Berufsschule für Mädchen – Mädchenberufsschule, von den damaligen Elbinger Einwohnern gemeinhin als „Klopsakademie“ bezeichnet, untergebracht war.Im Gebäude des heutigen Rathauses von Elbing in der Łączności Straße 1, das in den Jahren 1910–1912 erbaut wurde, befand sich das Reform-Realgymnasium für Männer, das am 17. April 1912 feierlich eröffnet und 1931 nachHeinrich der Ältere von Plauen benannt wurde – Reform-Realgymnasium Heinrich von Plauen, das aus der heutigen Wapienna Straße, dem heutigen Gebäude des Internats, in dem es seit 1837 funktionierte, verlegt wurde.
Im heutigen Polizeigebäude in der Królewiecka-Straße 106 wurde am 15. März 1941 die staatliche, nachFerdinand Schichau benannte Ingenieurschule eingeweiht. Wegen des andauernden Krieges musste der Betrieb 1942 eingestellt werden, weil studierende Männer an die Front geschickt wurden.
In Elbląg wirken folgende höhere Lehranstalten (Stand in den 2010er Jahren):
Akademie für angewandte Wissenschaft zu Elbląg (Akademia Nauk Stosowanych w Elblągu) mit den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Technische Wissenschaften, Anwendungsorientierte Informatik, Bildungswissenschaften und moderne Sprachen.[32]
Höheres Priesterseminar
Hochschule für Geistes- und Wirtschaftswissenschaften (EUHE)[33]
Zweigstelle der WarschauerBogdan-Jański-Hochschule für Wirtschaftswissenschaften
An der Spitze der Stadtverwaltung steht einStadtpräsident, der von der Bevölkerung direkt gewählt wird. Seit 2014 war dies Witold Wróblewski, der 2024 nicht mehr antrat. Zu seinem Nachfolger wurde Michał Missan (PO) gewählt.
Bei der Wahl 2024 ergab sich folgendes Ergebnis:[34]
Paweł Rodziwicz (Wahlkomitee „Paweł Rodziwicz – Neues Elbląg“) 12,9 % der Stimmen
Sławomir Malinowski (Wahlkomitee „Gemeinsam für Elbląg“) 5,4 % der Stimmen
Stefan Rembelski (Wahlkomitee „Stefan Rembelski – Mega Elbląg – Lasst uns Elbląg wieder groß machen“) 2,6 % der Stimmen
In der damit notwendigen Stichwahl setzte sich Missan, der 2018 noch im ersten Durchgang ausgeschieden war, mit 57,9 % der Stimmen gegen denPiS-Kandidaten Śliwka durch und wurde zum neuen Stadtpräsidenten gewählt.
Bei der Wahl 2018 trat Wróblewski erneut mit seinem eigenen Wahlkomitee, zu dem auch diePSL gehörte, an. Darüber hinaus unterstützte ihn auch dieSLD. Die Abstimmung brachte folgendes Ergebnis:[35]
Witold Wróblewski (Wahlkomitee Witold Wróblewski) 48,8 % der Stimmen
In der damit notwendigen Stichwahl setzte sich Wróblewski mit 72,0 % der Stimmen gegen denPiS-Kandidaten Wilk, der bis 2014 sein Vorgänger als Stadtpräsident war, durch und wurde wiedergewählt.
Blasonierung: „Von Silber und goldgegittertem Rot geteilt, oben und unten je ein Kreuz in verwechselten Tinkturen.“[38]
Die beidenTatzenkreuze verweisen auf die Gründung durch den Deutschen Orden. Silber und Rot sind auch die Farben der „Mutterstadt“ Lübeck. Das untere Netz steht vermutlich für Fischfang.[39]
Der noch erhaltene Bronzestempel des 1242 gebrauchten SIGILLVM BVRGENSIVM IN ELVIGGE zeigt auf Wellen eine von einem Schiffer linkshin gesteuerte Kogge, über der ein Kreuzlein schwebt. Auch der silberne Stempel des zweiten großen Siegels ist noch vorhanden; hierbei steht das Kreuzchen in der Flagge, während das dritte Schiffssiegel (15. Jahrhundert) darin die beiden Kreuze aufweist, die schon das Dekret des 14. Jahrhunderts im Dreieckschilde zeigt und die alle späteren Siegel enthalten.[40]
Kirche zur Heiligen Jungfrau MariaBaptistenkirche Elbląg
Kathedrale St. Nikolai (gotisch, 13.–15. Jahrhundert, umgebaut im 18. Jahrhundert; Bild s. o.)
ehemaligeMarienkirche (13. bis 16. Jahrhundert), wiederaufgebaut 1960 bis 1982, seit dem 21. Jahrhundert KunstgalerieGaleria EL, gehörte zumDominikanerkloster
Für den Schiffsverkehr wurde im Juni 2006 ein neuerSeehafen am FlussElbląg in Betrieb genommen, in dem jährlich bis zu 750.000 Tonnen Güter umgeschlagen werden können. Der Hafen ist auch für den Personen- und Autofährverkehr auf der Ostsee vorgesehen. Des Weiteren wurde der Jachthafen modernisiert. Elbląg verfügte jedoch über keinen freien Zugang zur Ostsee, weil der traditionelle Schifffahrtsweg über dasFrische Haff (polnischZalew Wislany, russischKaliningradski saliw) und dasPillauer Tief durch russische Hoheitsgewässer (Oblast Kaliningrad) führte. Zwischen Mai 2006 und Anfang 2011 war dieser Weg von russischer Seite für den internationalen Verkehr gesperrt.[43] Um derartigen Sperren zukünftig aus dem Weg zu gehen, errichtete Polen einenKanal durch die Frische Nehrung, der am 17. September 2022, dem 83. Jahrestag derSowjetischen Besetzung Ostpolens, eröffnet wurde.[44]
Zu den historischen Unternehmen zählen die vom 17. bis 19. Jahrhundert betriebene DruckereiNeumann-Hartmann oder die 1886 bis 1940 bestehende DruckereiReinhold Kühn.
Die ehemaligenSchichau-Werke wurden 1945 in ELZAM umbenannt und gehörten seit 1990 zuAsea-Brown-Boveri (dannAlstom, heuteGeneral Electric). Der Betrieb produziert mit über 1000 Mitarbeitern Turbinen und Elektromotoren. Die BrauereiElbrewery (MarkeEB) ist der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt. Außerdem besitzt die Stadt bedeutende Transportmittelfabriken, eine Schiffswerft, und es haben sich Milch-, Fleisch-, Leder-, Textil- und Möbelindustrie angesiedelt.
Die Stadt Elbing war bereits zu deutscher Zeit eine Garnisonsstadt und blieb es auch unter polnischer Verwaltung. Heute befindet sich in Elbląg neben einer Kaserne derpolnischen Landstreitkräfte das Hauptquartier derMultinationalen Division Nordost derNATO.
Bewohner und Besucher der Stadt treffen an Straßen und Plätzen auf Skulpturen polnischer und internationaler Künstler und Künstlerinnen. Seit 1965 die ersteBiennale derRäumlichen Formen stattfand, sind zahlreiche bleibende Werke entstanden, die das Stadtbild von Elbląg mitprägen.
Prominenteste Teilnehmerin der ersten Biennale warMagdalena Abakanowicz mit der StahlplastikStanding Shape. 1973 fanden die Ausstellungen erst einmal ein Ende. Seit 1986 gibt es sie wieder.
Eine wichtige Rolle bei der Durchführung der Biennale spielt dieGaleria-EL (Pani Marii), die sich in dem Gebäude der ehemaligen St. Marien-Kirche, der ältesten Kirche Elbings, befindet. Diese entstand im 13. Jahrhundert alsKirchengebäude des Dominikaner-Ordens. Bis 1945 evangelische Kirche, wurde sie nach 1945 nicht mehr als Kirche genutzt. Die Stadtverwaltung hat hier eine Kunstgalerie eingerichtet, in der Bilder und Skulpturen zeitgenössischer Künstler gezeigt werden, die neben erhaltenen Grabplatten und Grabinschriften der Marienkirche ausgestellt sind und an die Verdienste ehemaliger Adels- und Kaufmannsfamilien, Stadtpatrizier und Geistlicher erinnern.
Skulptur von Julian Boss-Goslawski (* 1926) vor derGalerie EL
Skulptur von Antoni Starczewski (1924–2000)
Stanislaw Sikora (1911–2000):Auf See
Jan Eric Visser (* 1962):Kreuzritterkopf im Innenhof der Bibliothek
Die Stadt ist Verwaltungssitz der gleichnamigenLandgemeinde Elbląg, gehört ihr aber als eigenständige Stadtgemeinde nicht an. Die Landgemeinde Elbląg ist Teil desPowiat Elbląski(Kreis Elbing) und bildet einen Gürtel um die kreisfreie Stadt Elbląg. Die Gemeinde zählt 7061 Einwohner (2020) auf einer Fläche von 192 km²[45] und gliedert sich in 37 Ortschaften, davon 24 mit einemSchulzenamt.
Elbing, Stadt und Stadtkreis, am Elbingfluss und Endpunkt des Elbing-Oberländischen Kanals, Regierungsbezirk Danzig, Provinz Westpreußen. In:Meyers Gazetteer, mit Eintrag ausMeyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Elbing (meyersgaz.org)
750 Jahre Elbing. Ordens- und Hansestadt – Industrie- und Hochschulstadt. Schriftenreihe des Westpreußischen Landesmuseums 18 (1987) [Katalog zur Ausstellung 11.04.1987 – 20.09.1987].
Hans-Jürgen Schuch:Elbing. Aus 750 Jahren Geschichte der Ordens-, Hanse- und Industriestadt. Westkreuz-Verlag, Berlin / Bonn / Bad Münstereifel u. a. 1989,ISBN 3-922131-65-4 (Ostdeutsche Städtebilder 5).
Bernhard Jähnig, Hans-Jürgen Schuch (Hrsg.):Elbing 1237–1987. Beiträge zum Elbing-Kolloquium im November 1987 in Berlin. Nicolaus-Copernicus Verlag, Münster 1991,ISBN 3-924238-14-6 (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens 25).
Dehio Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen. Berlin 1993,ISBN 3-422-03025-5, S. 162–169.
Historia Elbląga. 6 Bände. Gdańsk 1993–2006
Stanisław Gierszewski, Andrzej Groth (Hrsg.):Historia Elbląga. Band 1:do 1466r. Wydawnictwo Marpress, Gdańsk 1993,ISBN 83-85349-25-1.
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Krystyna Greczychom (Bearb.):Historia Elbląga. Band 6:Bibliografia Elbląga. Wydawnictwo Marpress, Gdańsk 2006,ISBN 83-89091-75-5.
Matthias Blazek:„Wie bist du wunderschön!“ Westpreußen – Das Land an der unteren Weichsel. Stuttgart 2012,ISBN 978-3-8382-0357-7.
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Teil 1:1242–1430, Elbing 1875, als Beilage zum Schulprogramm des Gymnasiums Elbing, 1874/75 (Google Books).
Teil 2:1431–1500, Elbing 1876, als Beilage zum Schulprogramm des Gymnasiums Elbing, 1875/76 (Google Books).
Teil 3:1501–1632, Elbing 1880, als Beilage zum Schulprogramm des Gymnasiums Elbing, 1879/80 (Google Books).
Michael Rademacher: Stadt und Landkreis Elbing. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 16. Mai 2023 (Gemeindeverzeichnis 1939).
↑Johannes Voigt:Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergang der Herrschaft des Deutschen Ordens, 2. Band:Die Zeit von der Ankunft des Ordens bis zum Frieden 1249. Königsberg 1827, S. 290.eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
↑abL. Wiese:Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864,S. 71–75.
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↑Albert Reusch:Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten im Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In:Altpreußische Monatsschrift. Band 10, Königsberg 1873,S. 140–154.
↑Eine Gemeinde hatte ihre Kirche in der Johannisstr. 23, die andere Gemeinde in der Leichnamstr. 121/122; sieheSonstige Kirchen und Gemeinden; abgerufen am 30. November 2025.
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