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Ehrendoktor

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Ehrenpromotionen derRuprecht-Karls-Universität Heidelberg in derHeiliggeistkirche (Zeichnung, 1886)
Urkunde der Universität Erlangen (Jürgen Gebhard, 1998)
Festschrift der Universität Graz fürPeter Hartwig Wolff, 2000

DieEhrendoktorwürde ist eineehrenhalber verlieheneAuszeichnung einerUniversität oderFakultät, die für besondereakademische,wissenschaftliche, kulturelle oder öffentliche Verdienste auch an nichtakademische Personen verliehen werden kann. Eine mit der Ehrendoktorwürdepromovierte Person wird alsEhrendoktor bezeichnet (lateinischDoctor honoris causa „Doktor ehrenhalber“; abgekürztDr. h. c. oderDr. E. h., in der evangelischenTheologie auchD.).

Honoris causa

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Die Bezeichnunghonoris causa (h. c.) istlateinisch und bedeutet „ehrenhalber“ (ursprünglich „Ehren halber“ oder „derEhre wegen“). Die Eintragung der Ehrendoktorwürde in einen deutschen Pass erfolgt in der Regel als „Dr. hc.“ oder „Dr. Eh.“ und somit in Abgrenzung zu Doktorgraden, die als „Dr.“ ohne weiteren Zusatz eingetragen werden.[1] Die Ehrendoktorwürde, wie auch klerikale Titel, sind keineakademischen Grade und dürfen weder als solche noch mit ihnen verwechselbar dargestellt werden. Eine dahingehende Täuschungsabsicht (Vortäuschen des Innehabens eines akademischen Grades) ist in Deutschland nach§ 132aStGB strafbar. Hat eine Person drei oder mehr Würdigungen erhalten, so ist die AbkürzungDr. h. c. mult. üblich (in ÖsterreichDDr. h. c.), was fürhonoris causa multiplex steht, also die mehrfache Ehrendoktorwürde. Bei (nur) zwei Ehrendoktorwürden wird manchmal die AbkürzungDres. h. c., alsodoctores honorum causa, verwendet, was jedoch nach den Regeln der lateinischen Grammatik und auch der Logik unrichtig ist, dadoctores immer eine Mehrzahl von Personen (Dres. Schmitz und Meier) und nie eine Mehrzahl von Titeln bezeichnet.[2]

Verleihung

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Verleihung der Ehrendoktorwürde derUniversität Maryland an den deutschenBundeskanzlerLudwig Erhard (Heidelberg 1965)

Die Ehrendoktorwürde soll in erster Linie aufgrund hervorragender Verdienste aufwissenschaftlichem Gebiet verliehen werden. Die Ehrung wird häufig anlässlich allgemeiner oder unmittelbarer Verdienste um dieHochschule oder dieFakultät verliehen, auch wenn dies in der Regel keine formale Voraussetzung ist. Ein typischer Fall ist die Auszeichnung eines herausragenden Wissenschaftlers, der sich als Gründungsdekan in besonderer Weise für die Fakultät verdient gemacht hat (etwaManfred Broy oderThomas Hillenkamp). Häufig erfolgt die Verleihung der Ehrendoktorwürde auch aus politischen, finanziellen oder anderen Gründen, bei denen die Exzellenz der wissenschaftlichen Leistungen des Geehrten nicht immer erkennbar ist.[3][4] Im internationalen Vergleich handhaben deutsche Hochschulen die Verleihung zurückhaltend.

Die Ehrendoktorwürde ist eine Ehrung für Verdienste und keinakademischer Grad einesDoktors, der nach einem mitHochschulprüfung abgeschlossenenStudium undPromotion durch Urkunde verliehen wird. Zur Verleihung der Ehrendoktorwürde ist keine Prüfung vorgesehen. Die Vorgehensweise und die genauen Bedingungen für die Verleihung regeln die Promotionsordnungen der Universitätsfakultäten. In der Regel hält der Geehrte anlässlich der Verleihung einen Vortrag.

Nach einer Recherche des MagazinsDer Spiegel im Jahr 2012 können Ehrendoktortitel insbesondere bei wenig renommierten Hochschulen im Ausland durch finanzielle Leistungen und Spenden erworben, also „erkauft“, werden. Es gebe dazu zahlreiche Anbieter im Internet, die bei diesem Promotionsbetrug behilflich seien.[5]

Geschichte

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DieUniversität Leipzig hat den TitelDr. h. c. zum ersten Mal 1805 verliehen (1946 erstmals an eine Frau:Katharina Kippenberg).Josepha von Siebold war deutschlandweit die erste Frau, die 1815 den Titel verliehen bekam (von derUniversität Gießen im Fach „Entbindungskunst“).[6] Für dieTechnischen Hochschulen inPreußen wurde das Ehrenpromotionsrecht – wie auch das Promotionsrecht an sich – erst im Oktober 1899 durch Erlass von KönigWilhelm II. eingeführt.

Katholisch-Theologische Fakultäten in Deutschland verliehen ihren Ortsbischöfen, sofern diese nicht bereits promoviert waren, anlässlich der Ernennung zum Bischof üblicherweise den Dr. theol. InPreußen wurden sie von der Regierung dazu angewiesen, die Ehrenpromotionen erfolgten dort daraufhin durch die Fakultäten inBreslau und inMünster.[7]

DieMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erforschte aufgrund einer Resolution ihres Senats von 2018 die Geschichte der von der Universität zwischen 1933 und 1989 verliehenen 140 Ehrendoktorwürden, davon 126 aus der Zeit der DDR. Ein Großteil der Ehrenpromotionen erfolgte aufgrund einer Aufforderung von staatlicher Seite.[8]

Beispiele für Ehrenpromotionsverfahren

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In vielen Universitäten regeln die Promotionsordnungen derFakultäten auch die Ehrenpromotion. Einige Universitäten haben jedoch zentrale Regelungen für die Ehrenpromotion:

EinrichtungVoraussetzungVerfahrenseinleitungGutachterEntscheidungsgremium
Universität Augsburghervorragende Verdienste auf wissenschaftlichem GebietBegründeter Antrag der Mehrheit der Professoren des Fachbereichszwei fachlich zuständige ProfessorenFachbereichsrat[9]
Universität der Bundeswehr Münchenkeine AngabenBegründeter Antrag von mindestens drei Professoren derselben Fakultätkeine Angabender um die Professoren der Fakultät erweiterte Fachbereichsrat […] Die Ehrenpromotion bedarf der Zustimmung des Senats.[10]
Universität Regensburghervorragende wissenschaftliche LeistungenBegründeter Antrag von mindestens 3/4 der Professoren des Fachbereichsmindestens zwei fachlich zuständige ProfessorenFachbereichsrat[11]
Universität St. Gallenausgezeichnete Verdienste; z. B. um

a) die Wirtschaftswissenschaften oder um die Wirtschaftspraxis
b) die Staatswissenschaften oder um das öffentliche Wohl
c) das Recht oder
d) die Erforschung der Gesellschaft oder das Bemühen um die Lösung gesellschaftlicher Probleme

schriftlicher und begründeter Antrag eines Senatsmitgliedes oder einer Abteilungkeine AngabenSenat[12]

Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten

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DerDoctor of Humane Letters (lateinischLitterarum humanarum doctor;D.H.L.; oderL.H.D.) wird ehrenhalber verliehen, im kirchlichen und theologischen Bereich als kirchliche Ehrendoktorwürde derDoctor Divinitatis oderDoctor of Divinity (DDiv).

Rekorde

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Die meisten Ehrendoktorwürden, nämlich 150, erhielt derUS-amerikanische katholische TheologeTheodore Hesburgh (1917–2015), weshalb ihn dasGuinness-Buch der Rekorde als Titelhalter in dieser Beziehung führt. Über 120 Ehrendoktorate wurdenDaisaku Ikeda (1928–2023), dem Präsidenten derSōka Gakkai International, verliehen.Nelson Mandela (1918–2013) erhielt über 50 Ehrendoktorate. 47 Ehrendoktorate erhielt der US-AmerikanerRichard Buckminster Fuller (1895–1983).Recep Tayyip Erdoğan (* 1954) zählt 44 Ehrendoktorate,Tenzin Gyatso (* 1935), dem XIV.Dalai Lama, wurden 43 Ehrendoktortitel verliehen, zumeist von US-amerikanischen Hochschulen.Claus Roxin (1931–2025), ein deutscher Rechtswissenschaftler, hat 28 Ehrendoktorwürden verliehen bekommen.Elisabeth Kübler-Ross (1926–2004), schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin und Sterbeforscherin, wurden 20 Ehrendoktortitel zuteil.

Die deutscheAltkanzlerinAngela Merkel erhielt bislang 20 Ehrendoktortitel.[13][14]

Literatur

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Weblinks

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Commons: Ehrendoktor-Verleihungen(honoris causa ceremonies) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Ehrendoktortitel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. § 4.1.3 derPassverwaltungsvorschrift (PassVwV) vom 16. Dezember 2019; GMBl. 2020 Nr. 2/3, S. 24.
  2. Volker Rieble:Kolumne „Mein Urteil“: „Dres. h.c.“ In:FAZ.net. 24. Juli 2009, abgerufen am 12. November 2020.
  3. Hermann Horstkotte:Akademische Doktorspiele: Professor Dr. h. c. Volkswagen. In:Der Spiegel. 15. November 2007, abgerufen am 12. November 2020.
  4. Dirk Biernoth:Schwammige Kriterien für den Ehrendoktor. In:Deutschlandfunk. 8. Januar 2017, abgerufen am 12. November 2020.
  5. Armin Himmelrath:Promotionsbetrug im Selbstversuch: Wie ich mir einen Doktortitel erschummelte. In:Der Spiegel. 5. Juli 2012, abgerufen am 12. November 2020.
  6. Sarah Marak,Heike Paul:Gleichstellung: Frau Dr. h. c. Unerwünscht! In:Die Zeit. 11. November 2020, abgerufen am 12. November 2020.
  7. Erwin Gatz:Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder von 1785/1803 bis 1945. Bemerkungen zu einem biographischen Lexikon. In:Stimmen der Zeit, Bd. 202 (1984), S. 137–141, hier S. 140.
  8. Friedemann Stengel, Jakob Debelka, Katrin Löwe:Wie politisch waren Ehrenpromotionen? Eine Untersuchung der Rektoratskommission zur Aufarbeitung der Universitätsgeschichte in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts. In: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:Jahresmagazin 2021, S. 9–11 (online, PDF, abgerufen am 15. Oktober 2022).
  9. Auszug aus § 29 derAllgemeinen Promotionsordnung der Universität Augsburg vom 2. Juli 2009
  10. Auszug aus § 16 Abs. 1 und 2 derPromotionsordnung (Memento vom 3. März 2012 imInternet Archive) der Universität der Bundeswehr München vom 8. November 2000.
  11. Auszug aus § 1 bis 3 derEhren-Promotionsordnung der Universität Regensburg vom 23. April 1988.
  12. Auszug aus § XI derPromotionsordnung der Universität St. Gallen vom 11. Dezember 2006 (Stand am 7. Mai 2012).
  13. Angela Merkel erhält Ehrendoktorwürde an Pariser Elitehochschule Science Po. In:Der Spiegel. 2. Juni 2023,ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 6. Juni 2023]). 
  14. Michaela Wiegel, Paris:Merkel erhält Ehrendoktorwürde an französischer Elitehochschule. In:FAZ.net. 27. Juni 2023,ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. Juni 2023]). 
Normdaten (Sachbegriff):GND:4201589-3 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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