Edward Burne-Jones besuchte das Gymnasium, wo er ersteKarikaturen von seinen Lehrern anfertigte. Zusätzlich besuchte er mit 15 Jahren an drei Abenden in der Woche die staatliche Schule für Design.Ab 1853 studierte er Theologie amExeter College inOxford, wo er sich mitWilliam Morris anfreundete und erstmals ein Werk derPräraffaeliten,John Everett Millais’Die Rückkehr der Taube zur Arche, sah. Sein Studium schloss er nicht ab, da er unter dem Einfluss von Morris nach der gemeinsamen Besichtigung desLouvre beschloss, Künstler zu werden.
Edward Burne-Jones (links) und William Morris, 1890
Im Jahr 1856 lernte erJohn Ruskin undDante Gabriel Rossetti kennen. Im gleichen Jahr verlobte er sich mitGeorgiana MacDonald, einer Malerin undHolzschneiderin; sie heirateten 1860. Im Jahr 1857 unternahm er Versuche in Ölmalerei, beschäftigte sich mit Glasmalerei und schuf erste bedeutende Zeichnungen mit Bleistift und Tusche. Anfangs waren seine Arbeiten stark von Rossetti beeinflusst. Aber profitierte er vonGeorge Frederic Watts, den er durch Rossetti kennenlernte.
Ab 1860 erfolgte der Wechsel zu Aquarellfarben. Zu den ersten Ergebnissen gehören die durch den gleichnamigen Roman des pommerschen Pfarrers und Schriftstellers JohannWilhelm Meinhold inspirierten BilderSidonia undClara von Bork, die heute in derTate Gallery,London ausgestellt sind.[1]
Burne-Jones gehörte 1861 zu den Gründungsmitgliedern von „Morris, Marshall, Faulkner and Company“ und wurde der Haupt-Designer für Glasmalerei für diese Firma. Er stellte über 500 Einzelfiguren für unterschiedliche Themen her.
1866 lernte erMaria Zambaco kennen, deren Mutter ihn mit einem Porträt von ihrer Tochter beauftragte. Burne-Jones wählte dafür „Cupid finding Psyche“. Sie begannen eine außereheliche Beziehung und er malte sie oft in seinem Atelier. Im Januar 1869 fand seine Ehefrau Georgina einen Brief von Maria in seiner Kleidung und Burne-Jones beendete widerwillig die Affaire. Aber er konnte Maria nicht aus seinen Gedanken verbannen. Er malte sie wieder und wieder, mal als Hexe, Zauberin oder Verführerin, so z. B. „The Beguiling of Merlin“ (Die Verführung von Merlin).[2] Wie so oft machte Burne-Jones starke sexuelle Leidenschaft, Liebe, Betrug, Reue und Vergebung in seinen Bildern sichtbar, indem er sie in Sagen und Mythen kleidet. Damit verstärkt er die Ausdruckskraft der Erzählung.[3]Im Jahr 1867 zog Burne-Jones mit seiner Frau in den Londoner StadtteilFulham. Lange Jahre stellte Burne-Jones nicht aus. Seinen Durchbruch erlebte er 1877, als mehrere Ölgemälde von ihm in derGrosvenor Gallery gezeigt wurden. Anschließend waren seine Werke auch amGlasgow Institute of the Fine Arts zu sehen.Für die Morris Werkstätten inMerton Abbey entwarf er 1890–1895 Wandteppiche mit dem Zyklus „Die Suche nach dem Heiligen Gral“[4] und 1891 begann er mit Buch-Illustrationen für MorrisKelmscott Press. Für die Herstellung von „The Works of Geoffrey Chaucer“ benötigten die beiden Künstler vier Jahre. Burne-Jones fertigte 87 Illustrationen an für dieHolzstiche von William Hooper. Viele dieser Arbeiten wurden auf der Arts and Crafts Exhibition Society ausgestellt.
Über seine Frau war Burne-Jones sowohl mit dem späteren PremierministerStanley Baldwin als auch mit dem SchriftstellerRudyard Kipling verwandt, die beide seine Neffen waren.
1885 wurde er Präsident der Künstlervereinigung von Birmingham. 1894 wurde er zumBaronet, of Rottingdean in the County of Sussex, erhoben. Im Anschluss an die Pariser Weltausstellung 1889 wurde er für seine Werke mit dem Kreuz der Légion d’Honneur ausgezeichnet. 1897 wurde er als assoziiertes Mitglied in dieAcadémie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique aufgenommen.[5]
Er starb am 17. Juni 1898 an Herzschwäche. Seine Asche wurde in der Kirche vonRottingdean, Sussex, bestattet, wo er ein Feriendomizil hatte.
Neben der Malerei beschäftigte sich Burne-Jones mit Kunsthandwerken wieGlasmalerei,Keramik,Bildwirkerei und Buchschmuck. Seine Gemälde und Illustrationen beeinflussten den französischenSymbolismus und denArt Nouveau. Bald nach seinem Tod geriet Burne-Jones’ Werk in Vergessenheit, da es in seiner Gegenständlichkeit mit seinemornamentalen Schmuck den Prinzipien der klassischen Moderne widersprach. Erst ab den 1970er Jahren wurde es wiederentdeckt. Heute gilt Burne-Jones als einer der bedeutendsten britischen Künstler des 19. Jahrhunderts.
Edward Burne-Jones – Victorian Artist-Dreamer. The Metropolitan Museum of Art, New York 1999.
Edward Burne-Jones Flower Book. Hrsg. von Gabriele Uerscheln, Stiftung Schloss und Park Benrath (mit Beiträgen von Gabriele Uerscheln, Nadja Putzert, Silvia Carmellini, Matthias Koch), Hirmer, München 2010,ISBN 978-3-7774-3121-5.
Fiona MacCarthy:The last Pre-Raphaelite. Edward Burne-Jones and the Victorian imagination. Faber, London 2011,ISBN 978-0-571-22861-4.
Judith Flanders:A Circle of Sisters. W. W. Norton & Co., New York 2005,ISBN 0-393-05210-9.
Karen Yuen:Fashioning Elite Identities: Dante Gabriel Rossetti, Edward Burne-Jones, and Musical Instruments as Symbolic Goods. In:Music in Art: International Journal for Music Iconography. 39. Jahrgang,Nr.1–2, 2014,ISSN1522-7464,S.145–158 (englisch).