| Dyna-Soar | |
|---|---|
Zeichnung der X-20 beim Wiedereintritt | |
| Typ | Raumgleiter |
| Entwurfsland | Vereinigte Staaten |
| Hersteller | Boeing |
| Indienststellung | Entwicklung abgebrochen |
| Produktionszeit | Wurde nie produziert |
| Stückzahl | 0 |



Dyna-Soar (abgeleitet vonenglischdynamic soaring ‚dynamischer Gleitflug‘, ausgesprochen wiedinosaur ‚Dinosaurier‘) war ein Projekt derUS Air Force (USAF) mit dem Ziel, einenRaumgleiter zu entwickeln, der sowohl als Aufklärer und Bomber als auch fürRettungseinsätze, Satelliten- oder Raumstationswartung oder -erweiterung[1][2][3][4] und Sabotage feindlicher Satelliten hätte genutzt werden können. Der auch alsX-20 bezeichnete, 10,77 Meter lange und 6,34 Meter breite Flugkörper sollte eine Besatzung von einem Mann haben. AlsTrägerrakete fürorbitale Flüge war eineTitan III vorgesehen. Die Trägerrakete sollte den Raumgleiter auf 160 km Höhe transportieren.
Im April 1952 schlugWalter Dornberger, damals bei derBell Aircraft Corporation tätig, das Konzept eines bemannten suborbitalen Bombers unter dem Namen BoMi (Bomber Missile) vor[5]. Grundlage waren die Entwürfe aus den späten 1930ern für denSilbervogel, die ihm aus seiner Zeit als Leiter des deutschen Raketenwaffenprogramms bekannt waren.
Das Konzept wurde in den nächsten Jahren in drei ähnlichen Programmen weiterverfolgt: Hywards, Brass Bell und RoBo (Rocket Bomber).[6] Hywards sollte verschiedene Flugsysteme beiHyperschallgeschwindigkeit und denWiedereintritt in die Erdatmosphäre testen[7], Brass Bell sollte Fernaufklärungsmissionen fliegen[8] und RoBo war eine Sammlung von Konzepten verschiedener Unternehmen für einen nuklearen Bomber.[9]
Am 10. Oktober 1957 wurden diese drei Projekte zum Dyna-Soar-Programm zusammengelegt. Mitte Juni 1958 gab die Luftwaffe den Vertrag mit Boeing undLockheed Martin bekannt sowie eine Finanzierung von etwa 150 Millionen Dollar für den ersten Prototyp.[10] Ab November 1958 beteiligte sich auch dieNASA an der Entwicklung.[11]
Die Planung der Testflüge im Jahr 1960 sah zuerst Höhenabwürfe durchB-52-Bomber vor. Danach hätten fünf unbemannte sub-orbitale Flüge stattfinden sollen, gefolgt von elf bemannten Flügen, bei welchen vorerst Sensoren, Navigation, aber auch schon Rendezvous-Systeme erprobt worden wären, danach weitere militärische Systeme sowie eine Satelliteninspektion.[12] Das Programm sollte in drei Stufen durchgeführt werden, einem Rettungsgleiter (Dyna-Soar I), einem Aufklärungsgleiter (Dyna-Soar II) und einem strategischen Bomber (Dyna-Soar III). ErsteGleitflüge für Dyna-Soar I sollten 1963 durchgeführt werden, der strategische Bomber Dyna-Soar III sollte 1974 voll funktionsfähig sein.
Bis 1961 beanspruchte die Air Force die Führung des amerikanischen Weltraumprogramms. Sie rückte aber bis zu diesem Zeitpunkt wesentlich von der noch 1958 beabsichtigten Stationierung von Waffen ab[13] und 1962 war vor dem US-Kongress von verbesserter Zusammenarbeit mit der NASA und einer friedlichen Nutzung des Weltraums die Rede, für die sich Präsident Eisenhower schon 1958 ausgesprochen hatte; eine Verwendung als Bomber war damit schon zu jenem Zeitpunkt obsolet.[14]
Ab Februar 1962 kam es zu einer Neuorientierung weg von einem operationellen System zu einem Versuchsprogramm und zur offiziellen Umbenennung des Programms in X-20. Das Problem der zuvor nicht wirklich definierten (militärischen) Mission verlagerte sich dabei auch in ein Größenproblem, da die Dimensionen zur Versorgung einer Raumstation sehr knapp schienen. So stellte sich mehr und mehr die Frage, ob das Geld richtig ausgegeben würde.[15] Am 20. September 1962 wurde zum Jahresbericht der Air Force die Zusammenarbeit mit der NASA (wie im Projekt X-15) und der Forschungsschwerpunkt betont, weg von einem spezifisch militärischen Potenzial.[16] Im September 1963 wurden bei einem Wiedereintrittstest neuartige Materialien und Legierungen getestet.[17]
Das Projekt wurde 1963, nachdem es 660 Millionen US-Dollar gekostet hatte, beendet, da alle Raumfahrtkapazitäten imMondlandeprogramm, respektive dem zur Vorbereitung dienendenGemini-Programm zusammengeführt werden sollten. Die Ergebnisse des Programms sind in den 1970ern in dasSpace-Shuttle-Programm eingeflossen.Die US Air Force begann ihrerseits mit den Arbeiten amManned Orbiting Laboratory (MOL).

Insgesamt achtAstronauten waren für das X-20-Projekt vorgesehen.
Armstrong wechselte zum NASA-Astronautenprogramm, Crews zum MOL-Projekt und Dana, Knight und Thompson zumX-15-Projekt.