Hoffman über seine Probleme, anfangs Hauptrollen zu bekommen (2012, englisch)
Dustin Hoffman, der von seiner Mutter nach demStummfilmschauspielerDustin Farnum benannt wurde, wollte ursprünglichPianist werden und studierte am Santa Monica City College Musik. 1956 brach er seine Ausbildung ab und nahm Schauspielunterricht amPasadena Playhouse. Dort traf erGene Hackman, mit dem er bis zu dessen Tod 2025 gut befreundet war. 1958 zog er nachNew York und setzte sein Schauspielstudium am renommiertenActors Studio fort. Zeitweilig teilte er sich mit Hackman undRobert Duvall eine Wohnung. Alle drei hatten anfangs Schwierigkeiten, Rollen zu bekommen: „Bis ich 31 war, lebte ich unterhalb der offiziellen amerikanischen Armutsgrenze“, erzählte Hoffman später.
Dustin Hoffman war von 1969 bis 1980 mitAnne Byrne, einerTänzerin, verheiratet, mit der er eine Tochter hat und die eine weitere Tochter in die Ehe einbrachte. Zwei Wochen nach ihrer Scheidung heiratete er die 17 Jahre jüngere Anwältin Lisa Gottsegen. Das Ehepaar hat zwei Söhne und zwei Töchter. Vier von Hoffmans sechs Kindern wurden ebenfalls Schauspieler, darunterJake undMax Hoffman.
Seine erste Bühnenrolle erhielt Dustin Hoffman in dem StückYes Is For a Very Young Man vonGertrude Stein. 1961 gab er mitA Cook for Mr. General von Steven Gethers seinBroadway-Debüt. Für seine Darstellung inThe Journey of the Fifth Horse von Ronald Ribman erhielt er 1964 einenObie Award und fürFarce, eh? einen Theatre World Award sowie denDrama Desk Award. Hoffman spielte danach kleinere Fernsehrollen und debütierte 1967 inHollywood.
Im selben Jahr erhielt er eine Hauptrolle inMike Nichols’ FilmDie Reifeprüfung, der zu einem internationalen Erfolg und einem Klassiker desNew Hollywood wurde. In der Rolle des College-Absolventen Benjamin Braddock wird er von der doppelt so alten Mrs. Robinson (Anne Bancroft) verführt, verliebt sich aber in deren Tochter. Als sympathischerAntiheld traf Hoffman das Lebensgefühl junger Kinogänger und wurde zum Star einer neuen, nicht mehr auf Glamour setzenden Schauspielergeneration, deren Protagonisten nicht mehr dem klassischen Idealbild des Hollywoodstars entsprachen, sondern Wert auf eine realitätsbezogene Darstellung legten. Für die Rolle erhielt Hoffman zudem seine ersteOscarnominierung.
Danach war er in unterschiedlichen Rollen zu sehen und erwarb sich den Ruf eines wandlungsfähigen Perfektionisten, der keine Herausforderung scheute und sich akribisch auf seine Darstellungen vorbereitete. Bei den Dreharbeiten zuDie Reifeprüfung war Hoffman 30 Jahre alt, verkörperte aber sehr glaubwürdig einen 20-Jährigen. In dem SozialdramaAsphalt-Cowboy spielte er 1969 nebenJon Voight den todkranken Straßenganoven Ratso Rizzo und erhielt dafür seine zweite Oscarnominierung. In dem komödiantischenAnti-WesternLittle Big Man (1970) war er als Veteran derIndianerkriege zu sehen und stellte den Protagonisten Jack Crabb in der Lebensspanne von 17 bis 120 Jahren dar. Außerdem spielte 1971 er die Hauptrolle des David Sumner in demPsychothrillerWer Gewalt sät vonSam Peckinpah, der damals für die Gewaltdarstellungen und die Vergewaltigungsszene kontrovers beurteilt wurde. Für die Rolle des Sträflings Louis Dega in dem GefangenendramaPapillon nahm Hoffman, der für die Filmaufnahmen inMontego Bay aufJamaika wohnte,[2] 1973 deutlich ab.
Im Jahr 1974 verkörperte Hoffman den EntertainerLenny Bruce, der für seine provokanten Auftritte bekannt war, in derFilmbiografieLenny vonBob Fosse und 1976 den JournalistenCarl Bernstein nebenRobert Redford alsBob Woodward in demWatergate-DramaDie Unbestechlichen. Im selben Jahr spielte er in dem ThrillerDer Marathon-Mann vonJohn Schlesinger einen jüdischen Studenten und Marathonläufer in New York, der in Geheimdienstintrigen um einen NS-Verbrecher verwickelt wird. In der bekanntesten Szene des Films wird Hoffman von dem ehemaligen KZ-Arzt Szell (Laurence Olivier) mit einem Zahnbohrer gefoltert. 1978 spielte er inStunde der Bewährung einen auf Bewährung entlassenen Kriminellen, der rückfällig wird. Dieser Film lag ihm so am Herzen, dass er dafür auch Produktions- und Regieaufgaben übernahm.
Für seine Rolle als alleinerziehender Vater in dem ScheidungsdramaKramer gegen Kramer erhielt Hoffman 1980 seinen ersten Oscar. Der Film löste eine gesellschaftliche Debatte um dasSorgerecht aus.1982 hatte Hoffman bei Kritik und Publikum mit derTravestie-KomödieTootsie vonSydney Pollack großen Erfolg. Darin spielte er einen arbeitslosen Schauspieler, der sich als Frau verkleidet, um ein Engagement zu bekommen. Hoffman wurde für seine Leistung erneut für den Oscar nominiert, unterlag jedochBen Kingsley inGandhi. Mitte der 1980er Jahre war er inArthur Millers DramaTod eines Handlungsreisenden am Broadway zu sehen.Volker Schlöndorff adaptierte danach das Stück für seinengleichnamigen Fernsehfilm, der in Deutschland im Kino gezeigt wurde. Für seine Darstellung eines hochbegabtenAutisten, der in dem RoadmovieRain Man von seinem selbstsüchtigen Bruder (Tom Cruise) entführt wird, erhielt Hoffman 1989 seinen zweiten Oscar. In den 1980er Jahren drehte er nur fünf Filme, darunter auch 1987 nebenWarren Beatty die hochbudgetierte KomödieIshtar vonElaine May, die zu einem der größten Kassenflops des Jahrzehnts wurde.
Im Jahr 2011 wirkte Hoffman erstmals in einer Fernsehserienproduktion mit, in demHBO-DramaLuck. Darin verkörperte er einen hochintelligenten Glücksspieler, der nach seinem Gefängnisaufenthalt mit Pferdewetten das große Geld machen will.[3] Die Serie wurde 2012 vorzeitig nach der ersten Staffel eingestellt, nachdem zuvor am Set drei Pferde zu Tode gekommen waren.
Kung Fu Panda war der erste Animationsfilm, an dem Hoffman als Sprecher mitwirkte.[4] In den drei Fortsetzungen aus den Jahren 2011, 2016 und 2024 sprach er wie schon im ersten Teil die Stimme von Meister Shifu.
Dustin Hoffman war zwischen 1968 und 1998 sieben Mal für einen Oscar nominiert und erhielt den Preis 1980 und 1989. 1999 ehrte ihn dasAmerican Film Institute für sein herausragendes Lebenswerk mit demAFI Life Achievement Award. Im Verlauf seiner Karriere wurden dem Charakterdarsteller viele internationale Preise zugesprochen, darunter derGoldene Ehrenbär, derGoldene Löwe und derEhren-César für sein Lebenswerk. Ende Februar 2009 wurde Hoffman zumCommandeur des Arts et Lettres ernannt, der höchsten Stufe des französischen Kulturordens.[5] Im gleichen Jahr wurde er in dieAmerican Academy of Arts and Sciences gewählt. 2012 wurde ihm für seine Beiträge zur amerikanischen Kultur derKennedy-Preis zuteil.
Im Jahr 2017 wurde Hoffmann von der Schriftstellerin Anna Graham Hunter vorgeworfen, sie sexuell belästigt und vor ihr in unangemessener Weise über Sex gesprochen zu haben. Dies soll während der Dreharbeiten vonTod eines Handlungsreisenden, bei denen Hunter als Praktikantin beschäftigt war, geschehen sein. Hunter war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt, also minderjährig. ImHollywood Reporter schrieb sie: „Als ich ihn fragte, was er zum Frühstück haben wolle, meinte er: ‚Hartgekochte Eier und weichgekochte Klitoris‘. Seine Entourage brach in Gelächter aus. Ich wurde sprachlos. Dann bin ich ins Bad gelaufen und habe geweint.“[8]
Im November 2017 warf die Fernsehproduzentin Wendy Riss Gatsiounis Hoffman sexuelle Belästigung vor.[9] Im Dezember 2017 behaupteten drei weitere Frauen, in den 1980er Jahren sexuelle Belästigung durch Hoffman erfahren zu haben.[10] Im Zuge der Berichterstattung über diese Anschuldigungen griff das OnlinemagazinSlate ein Interview des MagazinsTime mitMeryl Streep von 1979 auf, wonach Hoffman Streeps Brust während des Vorsprechens für eine Rolle betatscht habe.[11][12] Ein Sprecher Streeps widersprach daraufhin demTime-Artikel und stellte klar, dass dieser keine „genaue Wiedergabe dieses Treffens“ geboten habe; es habe „eine anstößige Situation gegeben und es ist etwas, wofür Dustin sich entschuldigt hat.“ Streep habe dessen Entschuldigung akzeptiert.[12]
↑Paul McCartney:The Lyrics: 1956 to Present. W. W. Norton & Company, New York 2021; deutsch:Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung vonPaul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021,ISBN 978-3-406-77650-2, S. 589–590.