Durban ist eine bedeutende Industrie- und Hafenstadt mit dem größten HafenAfrikas und aufgrund der Strände und dessubtropischen Klimas ein vielbesuchtes Urlaubszentrum des Landes.
Durban liegt an der südöstlichen Küste Südafrikas in der Provinz KwaZulu-Natal, die im Osten vomIndischen Ozean und im Westen von denDrakensbergen mit Gipfeln von über 3000 Meter Höhe begrenzt wird.
Während das Hinterland vor allem ausSavanne besteht, herrscht an der Küste einfeucht-subtropisches Klima (effektive Klimaklassifikation: Cfa) vor. Die Jahresniederschläge betragen etwa 1000 mm und fallen vor allem im Sommer, der sehr heiß wird. Das Klima von Durban als Küstenstadt wird vom warmen Wasser desAgulhasstromes beeinflusst, der vonMosambik die Küste entlang nach Süden verläuft.
Die Meerwassertemperaturen sind in Durban verglichen mitKapstadt wesentlich höher. Das Wasser hat eine durchschnittliche Temperatur von 21,8 °C. Im Februar ist es mit 24,6 °C am wärmsten, im August mit 19,25 °C am kältesten. Die Winter sind sehr mild, relativ trocken und völlig frostfrei.[2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Durban
Die ältesten Spuren von Menschen in dieser Region sindFelszeichnungen in Höhlen der Drakensberge, deren Alter auf das Jahr 100.000 v. Chr. geschätzt werden. Diese ursprünglichen Einwohner wurden von denBantu, die vom 2. Jahrtausend v. Chr. an aus dem Norden kommend die Gegend bevölkerten, vertrieben. Insgesamt ist über die Zeit vor der Landung des portugiesischen SeefahrersVasco da Gama nur wenig bekannt.
Da Gama entdeckte die Bucht, die von denZuluThekwini („Lagune“) genannt wurde, an der später die Stadt entstand, am 25. Dezember 1497 auf seiner ersten Indienreise bei der Suche nach einem Seeweg von Europa nach Indien. Sie stellte einen der wenigen natürlichen Häfen an der afrikanischen Ostküste dar. Er nannte den Ort nach dem Entdeckungstag (lateinischdies natalis „Weihnachtstag“)Rio de Natal oder „Weihnachtsfluss“ in der falschen Annahme, dass es sich bei der Bucht um die Mündung eines großen Flusses handeln würde. Später wurde darausPort Natal.[3]
Für etwa dreihundert Jahre warPort Natal vor allem eine Zufluchtsstätte für Schiffbrüchige,Sklavenhändler und Kaufleute. Erst 1823 gründeten britische Siedler unter der Führung vonHenry Fynn eine permanente Siedlung. Mittlerweile zu einer Stadt angewachsen, erhielt sie 1835 zu Ehren des damaligen Gouverneurs derKapkolonieBenjamin D’Urban ihren heutigen Namen.
1838 überquertenVoortrekker,burische Siedler auf ihremgroßen Treck, die Drakensberge und gründetenPietermaritzburg, 80 Kilometer nordwestlich von Durban.Als der Anführer der Buren,Pieter Retief, mit dem Zulu-KönigDingane über das Abtreten von Zulu-Gebieten an die Buren verhandeln wollte, ließ dieser ihn und seine Delegation ermorden. Dingane war 1828 seinem HalbbruderShaka auf den Thron gefolgt. Während dieser ein gutes Verhältnis zu den weißen Siedlern pflegte, zeigte Dingane offen Feindseligkeit und Aggressivität. Nach dem Tod Retiefs kam es zu blutigen Kämpfen zwischen Buren und Zulu, die erst mit dem Sieg in derSchlacht am Blood River für die Buren entschieden wurden.[3]
Auf eine kurze Zeit der relativen Ruhe folgten 1842 mehrere Kämpfe zwischen Buren und Briten. Nachdem sie die Briten in der Schlacht von Congella besiegt hatten, besetzten die Buren Durban für kurze Zeit und belagerten das dortige britische Fort, wurden jedoch von britischen Verstärkungen, die auf dem Seeweg eintrafen, wieder vertrieben. 1843 wurde die Region dauerhaft von den Briten annektiert und zu einem Teil derKapkolonie, bevor sie 1856 den Status einer eigenständigen Kolonie erhielt.[3]
Durch den Kolonialstatus stieg Durban zum wichtigen Hafen- und Handelsplatz im südlichen Afrika auf. Ab 1860 brachten die Briten Tausendeindische Landarbeiter nach Natal, die über denHafen Durban einwanderten. Sie erlangten nach und nach einen deutlichen Einfluss auf die Stadt und deren Nachkommen machen heute einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung dieser Metropole aus. Während seines Aufenthalts in Südafrika von 1893 bis 1915 arbeiteteMahatma Gandhi für längere Zeit als Anwalt in Durban.
Anfang April 2015 kam es in einigen Stadtteilen von Durban zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen, auf die es landesweit sowie international Reaktionen gab.
Blick auf Durban und die Hafenbucht (Port Natal)
Indische Arbeiter in Südafrika
Asiatische Früchtehändler auf dem Markt
Hafenanlagen im Jahre 1911
Rassentrennung während derApartheid auch in Durban
Die demografische Struktur Durbans wurde bei der Volkszählung 2011 statistisch ausführlich untersucht. Demnach hatte die Stadt im Jahre 2011 595.061 Einwohner. Schwarze Afrikaner machten 51,12 % der Bevölkerung aus, gefolgt von Asiaten, hauptsächlichindischer Abstammung mit 24,03 %, Weißen mit 15,33 % und den sogenanntenColoureds mit 8,59 %.[4]
ImMercer Quality of Living Index, welcher Lebensqualität in Städten vergleicht, belegte Durban im Jahre 2019 den 88. Platz von 231 untersuchten Städten und den ersten innerhalb Afrikas.[5]
Die Metropolregion Durban besitzt eine umfangreiche Wirtschaft mit starkerIndustrie,Handel,Logistik, Finanz- und Regierungsinstitutionen sowieTourismus. Die Küstenlage und der Hafen verschaffen Durban einen Vorteil im Vergleich zu anderen Ballungsräumen in Südafrika. Das milde Klima, die warme Meeresströmung sowie die Drakensberge im Hinterland sind die Grundlage für einen ausgeprägten Tourismussektor.
Durban ist der wichtigste Wirtschaftsstandort in KwaZulu-Natal, der über die Hälfte des Einkommens und der Arbeitsplätze beinhaltet. Im nationalen Vergleich ist Durban nachGauteng das zweitgrößte industrielle Zentrum, das 15 % des nationalen Einkommens, 14 % des Haushaltseinkommens und 11 % der Arbeitsplätze stellt. Wichtige wirtschaftliche Verbindungen bestehen im Norden nachRichards Bay und Maputo, im Westen nachPietermaritzburg und Johannesburg.
Die Hauptexportgüter über den Warenumschlagplatz Durban sindMangan- und andereErze,Stahlprodukte,Kohle, Zucker und Mais.
Trotz der vielfältigen Wirtschaft wurden auf dem offiziellen Arbeitsmarkt seit den 1990er Jahren nur wenig neue Arbeitsplätze geschaffen. Im produzierenden Gewerbe, das zweitgrößte nach dem Regierungs- und Verwaltungsbereich, ist die Zahl der Arbeitsplätze rückläufig. Die steigendeKriminalitätsrate wirkt sich negativ auf viele Bereiche aus, vor allem auf den Tourismus. Trotz einer wachsenden Anzahl an sogenannten Mikroarbeitsplätzen hat Durban eine hoheArbeitslosenquote, die in den früherenTownship-Gebieten über 30 % liegt.
Der Hafen von Durban ist ein Umschlagsplatz für das gesamte südliche Afrika
Nördlich von Durban wurde beiLa Mercy, etwa 30 Kilometer von der Innenstadt entfernt, seit 2007 der neue FlughafenKing Shaka International Airport errichtet, er ging am 1. Mai 2010 in Betrieb. Es besteht hier Anschluss an zahlreiche Inlandsziele und Verbindung mit einigen internationalen Flughäfen, wenn auch kleiner alsKapstadt undJohannesburg.
Der alteInternationale Flughafen Durban,Durban International Airport, liegt, eingeklemmt von der ihn umgebenden Bebauung, südlich der Stadt und diente als Tor in die RegionKwaZulu-Natal und die Drakensberge. 2009 wurden hier rund 4,4 Millionen Passagiere abgefertigt. Am 30. April 2010 wurde er als Zivilflughafen geschlossen, ist aber weiterhin alsAir Force Base Durban in Nutzung.
Durban, früherPort Natal, hat eine lange Tradition als Hafenstadt. DerHafen Durban ist einer der wenigen natürlichen Häfen an der Küste zwischen den traditionell konkurrierenden HafenstädtenGqeberha undMaputo. Dieser Umstand sowie die oft stürmische See in der Gegend machten Durban zu einem vielgenutzten Hafen, oft auch für Schiffsreparaturen. Der Hafen von Durban ist derjenige mit dem größten Umsatz in Südafrika sowie der zweitgrößte Containerhafen der südlichen Hemisphäre.
Der heutige Hafen, 1840 etabliert, wuchs mit der Handelsentwicklung in und um Durban, ferner mit dem KohlebergbauNatals und durch die Industrie in der Region von Johannesburg, das als Industrie- undBergbauzentrum Südafrikas über keinen direkten Anschluss an Seewege besitzt. Der Hafen von Durban dient als Umschlagsplatz für einen Großteil von Produkten, die mit Lastwagen und Zug aus und nach Johannesburg transportiert werden. Seit dem Ende desBürgerkriegs in Mosambik in den frühen 1990er Jahren stellt derHafen Maputo wieder eine Alternative für die Industrie und den Handel im südlichen Afrika dar, es herrscht ein intensiver Wettbewerb zwischen den beiden Hafeneinrichtungen.
Ein kleiner Teil des Hafens,Salisbury Island, ist inzwischen wieder ein aktiver militärischer Stützpunkt dersüdafrikanischen Marine. Im Jahre 2007 hatte VizeadmiralRefiloe Mudimu,Chief of the South African Navy in einer parlamentarischen Ausschusssitzung erklärt, diesen Stützpunkt wegen der Verminderung der militärischen Schlagkraft Südafrikas zu verkleinern und später an einen anderen Ort zu verlegen.[6] Schon 1994 begann die Streitkräftereduzierung an diesem Marinestandort, indem dieser als bisherigeDurban Naval Base zurNaval Station abgestuft wurde.[7] Im Jahr 2013 kam es zur Wiedereröffnung dieser Militäranlagen, da sich Südafrika an der Piratenbekämpfung vor der afrikanischen Ostküste bei Mosambik zu beteiligen begann.[8] Dieser Schritt war bereits 2012 durch die damalige VerteidigungsministerinLindiwe Sisulu angekündigt worden.[9]
Durban ist gut an das südafrikanische Streckennetz vonTransnet angeschlossen. Die AutobahnN2 verbindet Durban mit East London und Port Elizabeth im Süden sowie Richards Bay im Norden, dieN3 führt Richtung Pietermaritzburg und Johannesburg. Daneben existiert ein Netz vonMotorways, die Landstraßen entsprechen. Verschiedene Gesellschaften bieten Verbindungen mit Langstreckenbussen an.
Der Nahverkehr ist mit derMetrorail Durban vorhanden. Der Busverkehr wird von der privatisierteneThekwini Municipal Bus Company durchgeführt. Durban lebt von einer großen Anzahl privater Busse undSammeltaxis (minibus), die einen hohen Anteil der Pendler befördern. Die Minibusse stellen dabei für weite Teile der Bevölkerung das einzige finanzierbare Verkehrsmittel dar. Da sie oft überladen und schlecht gewartet sind, kommt es häufig zu schweren Unfällen. Neben den Minibus-Taxis gibt esmetered taxis, die jedoch nicht an der Straße angehalten werden können, sondern telefonisch bestellbar sind. Traditionelle Zulu-Rikschas dienen vor allem als touristische Attraktion.
1935 bis 1964 verkehrten in Durban auchOberleitungsbusse, die eine 1902 in Betrieb gegangene elektrischeStraßenbahn ablösten, welche wiederum aus einer 1880 eröffnetePferdestraßenbahn hervorging.[10]
Durban ist der Sitz derUniversität von KwaZulu-Natal, abgekürzt UKZN. Diese entstand 2004 durch die Zusammenlegung der zwei größten Bildungseinrichtungen von KwaZulu-Natal, derUniversität von Natal und derUniversität von Durban-Westville. Etwa 38.000 Studierende sind eingeschrieben; es werden alle wichtigen Fachbereiche unterrichtet. Die Universität beziehungsweise ihre Vorgängerinstitutionen, insbesondere die Universität von Durban-Westville, war in der Zeit der südafrikanischenApartheid ein wichtiges Zentrum der Anti-Apartheid-Bewegung. Neben der UKZN gibt es dieDurban University of Technology, eine technische Universität, an der etwa 20.000 Studierende eingeschrieben sind.
Trotz dieser breitenuniversitären Bildungsangebote haben etwa zehn Prozent der Bevölkerung keine und weitere 20 % nur eine marginale Schulbildung (sieheAbschnitt Demografie).
Durban bietet eine breite Palette an kulturellen Angeboten, Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten. An derBeachfront oderGolden Mile konzentrieren sich Bars und Restaurants. Durban ist ein beliebtes Revier fürWellenreiter,Kitesurfer undBodyboarder. Wegen der Gefahr durch Sambesi- undTigerhaie sind die Strände mit Hainetzen gesichert. In der Umgebung von Durban und in der Stadt selbst sind verschiedene große kommerzielle Angebote zu finden, so dasGateway-Einkaufszentrum, das größte Afrikas, oderuShaka Marine-World mit Aquarien und verschiedenen Shows. Etwas nördlich von Durban an der Küste gelegen befinden sich unter anderem derNorth Beach sowie das Ausflugs- und FerienzielUmhlanga Rocks.
DieBotanischen Gärten von Durban umfassen 20 Hektar. Die Anlage diente britischen Kolonialisten als Versuchsanstalt für den Import von Wirtschaftspflanzen, weshalb sich dort Pflanzen aus aller Welt finden.[12]
DasBat-Centre am Hafen ist eine ehemalige Lagerhalle, die mit Geldern derUNESCO zum Kulturzentrum umgebaut wurde. Im Obergeschoss ist der Trans African Express untergebracht, ein Kulturrestaurant, dessen Speisekarte Menüs aus ganz Afrika enthält. Im Hinterhaus finden sich verschiedene Ausstellungs- und Verkaufsateliers moderner afrikanischer Kunsthandwerker.[13]
DasDurban Natural Science Museum (DNSM) in der historischenTown Hall beinhaltet eine beachtliche naturkundliche Sammlung.[14] Dort befindet sich auch dieDurban Art Gallery mit zeitgenössischer südafrikanischer Kunst.[15] DasLocal History Museum hat mehrere Standorte und vereinigt auf diese Weise mehrere Sammlungen. Dazu gehören beispielsweise das KwaMhule-Museum. Dieses Museum dokumentiert die früheren Lebensverhältnisse in den Townships der Stadt, informiert über die Geschichte der schwarzen politischen Gewerkschaften sowie über kulturelle Organisationen und Gruppen derschwarzen Bevölkerung. Zudem werden Lebensleistungen vieler Menschen gewürdigt, die an der Basis der Stadtgesellschaft zur Entwicklung Durbans maßgeblich beigetragen haben.[16][17]
Die 1902 gegründeteKwaZulu Natal Society of Arts ist ein Kunstzentrum mit Ausstellungen internationaler Künstler, sie fördert den Austausch diverser Kulturen.[18]
Daneben existieren viele weitere Museen mit speziellen Themen, wie dasCato Manor Museum,Loram House Museum,Phoenix Settlement Museum oderPort Natal Maritime Museum.[19][20]
Die Einrichtungen vieler Religionsgemeinschaften sind in Durban zu finden, unter anderem dieJuma-Mosque, die größteMoschee der südlichen Hemisphäre, und derHare KrishnaTemple of Unterstanding. DerAlayamHindu Temple ist der älteste und größte in Südafrika. Es findet sich auch eine große Zahl Kirchen verschiedener christlicher Glaubensrichtungen.
Bill Freund:Insiders and Outsiders. Indian Working Class of Durban, 1910–90. Social History of Africa. James Currey Publishers, Portsmouth NH 1995,ISBN 0-85255-616-0.
Paul Maylam, Iain Edwards (Hrsg.):A People’s City. African Life in Twentieth-Century Durban. University of KwaZulu-Natal Press, Portsmouth NH 1996,ISBN 0-86980-916-4.
↑International Geographical Congress:Comptes Rendus Du Congres International de Geographie Amsterdam. Brill Archive, 1. Januar 1938 (Google Buch [abgerufen am 26. März 2016]).