Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dunkerque im 7. Jahrhundert alsFischersiedlung. Dank seiner strategisch günstigen Lage am Eingang zumÄrmelkanal entwickelte sich der Ort rasch: 960 wurde eineStadtmauer, 1233 das ersteRathaus errichtet. Ein wichtiger Wirtschaftszweig Dünkirchens war über Jahrhunderte derHeringsfang und später derKabeljaufang vorIsland.
ImErsten Weltkrieg gehörte die Stadt zum unmittelbaren Hinterland der belgischenYser-Front und war Ziel deutscher Bombardements.
Im Zweiten Weltkrieg, im Frühjahr 1940, wurde Dünkirchen bei den Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und den nach derSchlacht von Dünkirchen dort eingekesselten Briten und Franzosen weitgehend zerstört. In derOperation Dynamo konnte die Royal Navy im Mai bis zum 4. Juni den größten Teil der in die Stadt zurückgezogenen britischen Truppen nach Großbritannien retten (über ca. 330.000 der 370.000 ihrer Soldaten und über 130.000 französische Truppen. Trotz der partiellen Niederlage war dies ein strategisch wichtiger Erfolg zur Fortführung des Kriegs gegen Hitlers Armeen.).
Ab 1940 unterhielt die deutsche Kriegsmarine in der Stadt ein Marinelazarett. 1944, nach der Operation Overlord, wurde Dünkirchen von der Wehrmacht zur Atlantikfestung erklärt, bis Kriegsende verteidigt und erst nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 9. Mai 1945 von den Alliierten besetzt.
Am 1. Januar 1970 fusionierte die zuvor selbstständige Gemeinde Malo-les-Bains mit Dunkerque und bildet seitdem eines der Quartiers der Stadt.[3]
Am 9. Dezember 2010 wurden die bis dahin selbstständigen GemeindenSaint-Pol-sur-Mer (21.783 Einwohner, Stand 1. Januar 2008) undFort-Mardyck (3563 Einwohner, Stand 1. Januar 2008) Ortsteile von Dunkerque. Die Einwohnerzahl stieg damit auf 93.945 an.[4]
Im Zuge derFlüchtlingskrise in Europa, nach der Räumung desDschungels von Calais im Oktober 2016, wurde Dunkerque zum Ziel zahlreicher Flüchtlinge und Migranten, die sich von dort aus Zutritt zumVereinigten Königreich erhofften. Im Februar 2017 hatten sich bereits rund 2.000 Personen im Lager beiGrande-Synthe gesammelt, in dem sie unter teils prekären Bedingungen lebten.[5]
DerTour du Leughenaer (nach dem flämischen Wort fürLügner, also „Turm des Lügners“) stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Die KapelleNotre-Dame-des-Dunes wurde im 15. Jahrhundert erbaut.
Die KircheSaint-Éloi (niederländischSint-Eligiuskerk) ist eine fünfschiffigeHallenkirche aus dem 16. Jahrhundert, ihre neugotische Fassade stammt aus dem späten 19. Jahrhundert.
DerBelfried Saint-Eloi, auchBelfried von Dünkirchen, wurde im 15. Jahrhundert durch weitere Aufstockung des Hauptwachturms der Stadt von 1233 erbaut. Im Erdgeschoss desBelfrieds befindet sich heute die Touristen-Information. Die Turmspitze ist zugänglich und bietet eine weite Aussicht. In der zweitobersten Etage kann das aus 50 Glocken bestehende Glockenspiel besichtigt werden.
Das Rathaus (Hôtel de Ville) wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut.
DasHafenmuseum Dünkirchen am Bassin du Commerce direkt am Rande des Stadtzentrums dokumentiert die tausendjährige Geschichte des Hafens von Dünkirchen und zeigt drei Museumsschiffe.
DasMuseum für Schöne Künste zeigt alte Kunst, sowie einige ethnographische und archäologische Stücke seiner reichen Sammlung.
Das MuseumLieu d’Art et Action Contemporaine (LAAC) liegt in einem Skulpturenpark und beherbergt eine Sammlung moderner Kunst von 1940 bis 1980.
DerFRAC Nord-Pas de Calais ist einer der 23Fonds régionaux d’art contemporain (Regionalfonds für zeitgenössische Kunst), kurz FRAC. Die Einrichtung ist im Hafen in einer großen Werfthalle untergebracht, neben dem in gleicher Kubatur ein Ausstellungsgebäude mit fünf Ebenen errichtet wurde. Gezeigt werden eine Sammlung zeitgenössischer Kunst und Ausstellungen aktueller Künstler.
Straßenbahn in der Rue de l’Église (vor 1915)Bahnhof mitTGV-HochgeschwindigkeitszugDerCanal de Bergues mit dem ehemaligenWassertorDK’BUS der Linie L3 auf dem Quai de Mardyck
Der früher als Dunkerque-Locale bezeichnete Bahnhof wird vonTGV-Zügen angefahren, die die Stadt überArras mitParis verbinden. Zudem verkehren dort TERGV-Hochgeschwindigkeits-Regionalzüge von und zumBahnhof Lille-Europe und Züge desTER Hauts-de-France, u. a. von und nachCalais,Hazebrouck, Arras und demBahnhof Lille-Flandres.
Von 1880 an hatte Dunkerque eineStraßenbahn, die zunächst alsPferdebahn betrieben wurde. Um 1900 wurde sie elektrifiziert, ab 1923 schrittweise wieder stillgelegt. Nach Unterbrechungen aufgrund von Kriegshandlungen und -schäden wurde 1952 der Betrieb endgültig aufgegeben (→Straßenbahn Dunkerque).
Der öffentliche Busverkehr wird von derSociété des transports de Dunkerque et extensions (STDE) unter der Marke DK’BUS durchgeführt. Seit September 2018 ist die Nutzung der Busse in Dunkerque kostenlos.[6]
Durch das Stadtgebiet verlaufen die AutobahnA 16 und die autobahnähnlich ausgebauteNationalstraßeN 225 mit ihrer Fortsetzung alsDepartementsstraße D 625. In West-Ost-Richtung wird Dunkerque von der D 601 gequert.
MehrereKanäle, die der Trockenlegung umliegenden Sumpflands und meist auch derBinnenschifffahrt dienen, verlaufen im Stadtgebiet von Dunkerque. DerCanal de Bourbourg, derCanal de Bergues und der Canal des Moëres verbinden den Hafen der Stadt mit dem Hinterland, der Canal Nieuport-Dunkerque (auch: Canal de Furnes) verläuft parallel zur Küste in Richtung Belgien. Im Stadtgebiet sind sie durch denCanal de Jonction miteinander verbunden.
2002 wurde Dunkerque von der bedeutenden SportzeitungL’Équipe zursportlichsten Stadt Frankreichs mit mehr als 20.000 Einwohnern gewählt.
International bekannt ist das seit 1955 jeweils Anfang Mai stattfindende Radrennen, dieVier Tage von Dünkirchen. AuchTour-de-France-Etappen fanden schon in Dunkerque statt, so2007 und2022,2001 wurde der Grand Depart (Tourstart) ausgetragen.
In Dunkerque findet alljährlich ein Triathlon der angesehenen, weil mit hochkarätigen internationalen Legionären besetzten französischen Club-MeisterschaftLyonnaise des Eaux statt, so etwa am 23. Mai 2010 mitAndrea Hewitt undJonathan Brownlee als Gewinner.
Der HandballvereinDunkerque Handball Grand Littoral wurde 2011 französischer Pokalsieger und stand ein Jahr später im Finale desEHF-Cups.2014 wurde Dunkerque HBGL französischer Meister.
Der 1909 gegründete FußballvereinUSL Dunkerque spielt seit der Saison 2023/24 wieder in der zweitklassigenLigue 2. Die Heimspiele trägt der Club im 5000 Zuschauer fassendenStade Marcel-Tribut aus.
Der EishockeyvereinCorsaires de Dunkerque wurde 1970 gegründet und spielt seit der Saison 2010/11 in derDivision 1, der zweithöchsten französischen Eishockeyliga.
DerKarneval ist das Hauptereignis der Stadt. Er findet von Ende Januar bis Anfang April in Dunkerque und seinen Vororten statt.
Teile des Karnevals sind:
Umzüge: Die Karnevalisten marschieren in Garden („bandes“) auf den Straßen vorbei, wobei sie einemTambourmajor folgen, der mit einer napoleonischen Uniform bekleidet ist.
Bälle: Die Karnevalisten feiern in der großen Festhalle der Stadt und singen karnevalistische Lieder. Die Bälle werden von den Karnevalvereinen organisiert.
1676 gab es einen maskierten Umzug in Dunkerque. Im 17. und 18. Jahrhundert boten die Reeder ihren Seeleuten ein Festessen am Tag vor ihrer Abfahrt nach Island. Diese Feiern waren der Ursprung derVisschersbende (Fischergarde). Jedoch war diese Veranstaltung von dem Maskenkarneval desMardi Gras getrennt. Ein Jahr später fanden die beiden Ereignisse am gleichen Tag statt, was den Karneval in Dunkerque begründete. Der Karneval überlebte die Französische Revolution und die beiden Weltkriege. 1946 fuhren diebandes im Slalom durch die Ruinen der Stadt.
Als in Frankreich ein universellesLängenmaß eingeführt werden sollte, dem die Maße derErde zugrunde liegen – nämlich als ein Zehnmillionstel der Entfernung vom Pol zum Äquator entlang einesLängenkreises die späterMeter genannte Maßeinheit –, wurde hierfür 1793 begonnen, denParis querendenMeridianbogen von Dunkerque nachBarcelona genau zu vermessen. Wegen auftretender Schwierigkeiten wurde im gleichen Jahr zunächst dermètre provisoire eingeführt, basierend auf Ergebnissen älterer Landesvermessungen vonCassini III. für die Nord-Süd-Ausdehnung Frankreichs beziehungsweise die Distanz Dünkirchen–Perpignan.
Dunkerque bietet eine Fährverbindung nachDover (Großbritannien) sowie seit 2022 fünfmal pro Woche nachRosslare (Irland).[9]
Seit September 2018 ist die Nutzung des Nahverkehrs in Dünkirchen kostenlos. „Ziel ist, die Leute wieder in die Busse zu bringen“, sagte der damalige BürgermeisterPatrice Vergriete. Damit sollten die Straßen der Stadt entlastet werden. Bei vorherigen Versuchen an Wochenenden war die Nutzung der Busse um bis zu 60 Prozent gestiegen.[10] Ein Jahr nach der Einführung ergab eine Auswertung eine Zunahme an Wochentagen um 65 Prozent und an Wochenenden um 125 Prozent.[11]
↑abDunkerque Internationale. Offizielle Website der Stadt, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. April 2013; abgerufen am 27. März 2013 (französisch).
↑Rostock – Dünkirchen. Offizielle Website des Rathauses Rostock, abgerufen am 26. März 2021.