Ein Stück imDrumfunk-Stil:Level 99 boss von NorausSmall Talk Build IV, ein Song im Stil desLiquid Drum and Bass von Ars Niemo
Drum and Bass (Drum ’n’ Bass, kurzD’n’B) ist eineRichtung derElektronischen Musik, die inEngland Anfang der 1990er-Jahre entstanden ist und auf beschleunigtenFunk-Breakbeats mit einer Geschwindigkeit von etwa 160 bis 190BPM basiert. Drum and Bass kann als eine Weiterentwicklung derJungle-Musik mit einfacheren,minimalistischeren Beats betrachtet werden. Charakteristisch für fast alle Spielarten und Sub-Stile des Drum and Bass ist der praktisch vollständige Verzicht aufGesang, eher selten mit der Ausnahme von (kurzen) eingespieltenStimm-Samples. Analog zur immer weiteren Kommerzialisierung und Anpassung an den Mainstream vonTechno wurde auch Drum and Bass häufiger mit Gesang produziert, beispielsweise als Drum-and-Bass-Version eines bekannten Pop-Songs. Auch imDeutsch-Rap wird sich immer häufiger an Drum-and-Bass-Beats bedient.
Ebenso wie Jungle ist Drum and Bass ein wenig massenkompatiblerUnderground-Musikstil, der sich abseits des kommerziellen musikalischenMainstreams entwickelte. Während es in Deutschland ein Underground-Musikstil ohne größere kommerzielle Relevanz blieb und auch nur sehr wenige Titel in die kommerziellenVerkaufs-Charts gelangten, kommen in England regelmäßig Songs in die Top 100, einige erreichten sogar Spitzenplätze. Im deutschsprachigen Raum ist die Verbreitung dagegen – abseits einer eher kleinen Fangemeinde und der Szene selbst – hauptsächlich auf die Untermalung von Werbeclips oder die Verwendung als Hintergrundmusik in TV-Produktionen begrenzt. Nur vereinzelt sind Künstler bei großenMusiklabeln(Major Label) derMusikindustrie unter Vertrag. Drum and Bass wird bis heute im Umfeld derDJ- undClubszene stetig weiterentwickelt, viele Künstler veröffentlichen auf ihren eigenen, teils sehr kleinenIndependent-Labels. Im Lauf der Zeit entstand eine Vielzahl von Sub-Stilen.
Dem AusdruckJungle entsprechend geht Drum & Bass als musikalische Bezeichnung vermutlich auf dieKingstonerReggae-Szene zurück. Dort trat sie erstmals Anfang der 1970er Jahre in Erscheinung, so beispielsweise auf zwei frühen Split-Singles vonJohn Holt (Drum & Bass Ecstasy, 1970) undThe Now Generation (Drum & Bass Version, 1971) sowie der vom jamaikanischen DJ Peter Metro (unter dem Pseudonym Peter Rankin) im Jahre 1978 veröffentlichten SingleDrum & Bass Style. Die bis dahin häufigste Verwendung fand der Ausdruck Drum & Bass aufTristan Palmers 1982er AlbumShow Case (In a Roots Radics Drum and Bass), auf dem jeder der sechs Songs mit einem Drum-&-Bass-Leitspruch als Titelzusatz versehen wurde.
Früheste Erwähnungen der Bezeichnung Drum & Bass im Zusammenhang mit einer aus dem Breakbeat entwickelten Stilvariante der elektronischen Tanzmusik finden sich in Großbritannien seit 1992 (u. a.Brooklyn – Drum & Bass Psykho). Maßgeblich gestützt durch Compilation-Serien wieJungle Tekno (ab 1992) undThe Dark Side – Hardcore Drum & Bass Style (ab 1993) wurde sie dort zeitweise synonym zu Jungle, Breakbeat und Hardcore verwendet.
Nachdem sich die englischeBreakbeat-Szene zwischen 1989 und 1994 immer wieder anderer Musik-Genres wieHip-Hop,Ragga,Techno undHouse bedient hat, um die eigenen Beats mit derenSamples zu bereichern, entwickelte sich 1995 die Einstellung, sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Musiklabel wieV Recordings (SublabelPhilly Blunt),Moving Shadow,Formation,Reinforced undSuburban Base waren maßgeblich am dunklen Sound des Jungles beteiligt. Dies äußerte sich durch Weglassen der Samples im Hauptteil der Musikstücke und das Nutzen alterSynthesizer wie Juno 106 undTR-606 vonRoland, um dem Sound einen elektrischen und düsteren Charakter zu geben. Auch Stimmensamples vonRaggatunes oderHorrorfilmen wurden in dieser Zeit bevorzugt verwendet. BestimmteDrumloops wie der charakteristischeAmen Break und bestimmte Bässe wie z. B.Wobble Basslines setzten von nun an Leitlinien, die entscheidend für den weiteren Verlauf waren. Harte Beats und harte Bässe wurden mehr und mehr zur Mode, Tanzbarkeit und bessere Strukturen zum Abmischen wurden weiterentwickelt.
Der britische KünstlerGoldie schuf einige stilbildende Tracks und gründete das einflussreicheMetalheadz-Label.
Goldie schuf mit seinem Track „Terminator“ auf dem Label Reinforced die Blaupause von Drum and Bass und gab dem Entstehen einer eigenen Drum-and-Bass-Jugendkultur Vortrieb. Später sollte Goldie zusammen mit den DJsKemistry & Storm mitMetalheadz eines der wichtigsten und einflussreichsten Drum-and-Bass-Labels gründen.
Ab Mitte der 1990er-Jahre entwickelte Drum and Bass diverse Untergenres, die sich oft mitStep im Namen auszeichneten, was von der Bezeichnung der reduzierten Drum-and-Bass-Beats alsTwo Step herrührt.
Es geht seit dieser Zeit darum, die rohen Beats, das heißt die immer wieder verwendeten Standard-Breaks, einer komplizierten digitalen Verjüngungskur zu unterziehen. Das geht nicht zuletzt mit der Verfügbarkeit von besserenSamplern undSequenzerprogrammen einher. Seit dieser Zeit wird mit den Kernelementen der Tracks, also den Beats und den Basslines, immer weiter experimentiert und diese immer weiter ineinander verschachtelt, wodurch sich der typische Sound des heutigen Drum and Bass ergibt. Überhaupt wird in der Drum-and-Bass-Szene großer Wert auf die ständige Weiterentwicklung des Klanges gelegt. So produzieren einige der Künstler, die schon seit den Anfangszeiten der Hardcore- undJungle-Szene dabei sind, heute völlig andere Musik als noch vor einigen Jahren. Heute bestehen Drum-and-Bass-Grooves häufig gar nicht mehr aus gesampelten Schlagzeugloops, sondern sind oft von Grund auf neu programmiert, wobei der typische rhythmische Charakter der gecutteten Loops nachgeahmt oder aufgegriffen wird.
Drum and Bass wurde seit etwa 1996 auch außerhalb Englands immer populärer. Es entstanden eigenständige Szenen, etwa inDeutschland, denUSA undSüdamerika. Dennoch blieb das Zentrum der Bewegung in den großen englischen Städten, besondersLondon undBristol.
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mitBelegen (beispielsweiseEinzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst undgute Belege einfügst.
DerMannheimerMilk!-Club war wohl der erste Ort in Deutschland, der nur dieser Musik gewidmet war. Größen der britischen Szene kamen zuerst hierher.Bassface Sascha, neben „Groover Klein“ einer der dort residierenden DJs, gründete später die ersten größeren deutschen Drum-and-Bass-Labels und stellte auch die ersten weit verbreiteten Sampler, wie etwaJungle Fever undHardstep Upfront, zusammen. Das Milk! wurde 1992 vom Groove-Magazine zum Club des Jahres gewählt, als Love-Pirates präsentierte sich das Milk! und die Milk!-Posse auch auf derLoveparade inBerlin. Des Weiteren etablierte die Milk!-Posse einen neuen Club in Frankfurt am Main – das XS. Aus dem Umfeld des Milk!-Clubs entstanden auch die Großveranstaltungen der legendären Euphoria sowie die Future-Veranstaltungen, die neben der neuerenKings of the Jungle bis heute die größten in Deutschland sind. Aus dem ebenfalls legendären Vibration-Club (in Forst bei Bruchsal), in dem erstmals ab 1994 in Deutschland wöchentlich UK-DJs und MCs anreisten, entstand aus einer zufälligen Überbuchung die bekannteste Großveranstaltung, dieMeditation-Reihe.
In Berlin entwickelte sich zeitgleich eine Drum-and-Bass-Szene, die in Deutschland, wie die Stadt selbst, eine Inselstellung einnahm. Hier stand stets der „Underground“-Gedanke im Vordergrund, weshalb große Events wie in Mannheim nicht stattfanden, obwohl in vielen kleinen Clubs Drum and Bass zu hören war.
Für die österreichische Szene spielt dasFlex inWien eine wichtige Rolle.
Die sehr aktive Drum-and-Bass-Szene Österreichs hat ihr Hauptaugenmerk aufWien, als auchLinz,Graz,Salzburg,St. Pölten,Innsbruck und im TirolerUnterinntal,Kufstein und Umgebung, sowie inDornbirn. Darunter sind Clubs wieFlex,Arena,WUK,Pratersauna, „Roxy“ oder „Fluc“ in Wien, „Q-West“ in Kufstein, dieStadtwerkstatt in Linz, „Hafen“ Innsbruck, „Die Kantine“ in Salzburg, „ppc“ und „Postgarage“ in Graz, das „Warehouse“ in St. Pölten, oder dasConrad Sohm in Dornbirn. Zu den wichtigsten fixen Veranstaltungsreihen zählen „Beat It“ und „Future Beatz“ im Flex, als auch „Therapy Sessions“ und „Mainframe“ in der Wiener Arena, sowie „Vollkontakt“ im Fluc, „Audio Cortex“ im Q-west Kufstein und „Low-Cut“ im Conrad Sohm. Mit demUrban Art Forms Festival, zuerst in Wiesen, dann am Schwarzlsee in der Nähe von Graz fand in Österreich von 2005 bis 2015 eines der größten europäischen Drum-and-Bass-Festivals statt. Seit 2016 trägt es den Namen Nu Forms Festival und ist an seinen Ursprungsort im Burgenland zurückgekehrt. Wichtigster Vertreter istD.Kay, der 2003 vom britischenKnowledge Magazine zum „Best Breakthrough Producer“[1] nominiert wurde. In Wien wurde auch das deutschsprachige Drum-and-Bass-Magazinresident herausgegeben. In den letzten Jahren konnte auch das DuoCamo & Krooked internationale Erfolge feiern und gewann unter anderem 2011 den Titel der besten Produzenten des Jahres bei den Drum and Bass Arena Awards.[2]
Drum and Bass hatte Einfluss auf viele spätere experimentelle Stilrichtungen der elektronischen Musik. Zu diesen gehört auchDigital Hardcore, welches Mitte der 1990er Jahre von der BandAtari Teenage Riot eingeführt wurde. Die Gruppe kombinierte Drum and Bass mitHardcore Punk undGabber-Einflüssen. Im Digital Hardcore finden auchNoise-Elemente undSoundscapes Verwendung. Beispiele für Digital Hardcore sind „Deutschland has gotta die“ von Atari Teenage Riot sowie „Kiss of Death“ vonAlec Empire (Ersterer Track ist sehr D’n’B-lastig, letzterer sehr punkrocklastig).
Eine ganz eigene Interpretation des Drum and Bass wurde in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre von Künstlern wieSquarepusher,Aphex Twin, undTim Exile entwickelt. In diesen Tracks werden die Beats extrem „zerhäckselt“ und zu sehr komplexen Rhythmen transformiert. Das Tempo ist oft noch höher als beim üblichen Drum and Bass und die Tracks besitzen keine repetitive Struktur mehr. Stattdessen verändern sich die Beats in rasantem Tempo und werden in Sekundenschnelle dekonstruiert, neu zusammengesetzt und variiert. Diese Musikrichtung wird oft als „Drill ’n’ Bass“ bezeichnet, wobei dieser Begriff die Musik nur schwer zu fassen vermag. Die genannten Künstler interpretieren oft ein breites Spektrum an Stilen und es finden sich auch zahlreiche Songs, die eher im Bereich desTechno,Jazz oderAmbient anzusiedeln sind. Ein relativ typischer „Drill’n’Bass“-Track istMenelec auf dem Squarepusher-AlbumUltravisitor.
Auf Basis dieser zwei Entwicklungen entstandBreakcore durch die Arbeit von Alec Empire durch seine Soloprojekte neben ATR. Der bekannteste Breakcore-Künstler istVenetian Snares. Auch dieCybergrind-GruppeThe Berzerker ist stark von D&B beeinflusst.
Jump Up nennt man eine schnelle, treibende, extrem auf die wesentlichen Elemente (Beats und Bassline) reduzierte Variante des Drum and Bass, die sich zu einer der populärsten Varianten entwickelte. Oft werden Jump-Up-Tracks von einemMC begleitet. Jump Up war von 1995 bis 1998 sehr populär.
Hardstep ist ein 1994 aufgekommenes Subgenre des Drum and Bass und die Urform der sog. Step-Varianten. Es zeichnet sich durch schnelle, manchmal verzerrte Beats und eine Reduzierung des Rhythmus aus. Die Tracks werden von harten Beats und Basslines dominiert. Die bekanntesten Vertreter dieses Genres sind Dieselboy, Evol Intent, Technical Itch,Phace, Limewax,Current Value, Ram Trilogy (Andy C und Ant Miles), Dylan Hisley undEd Rush & Optical.
Der sog.Techstep etablierte sich 1997, ist in seinen Elementen noch wesentlich reduzierter als der klassische Drum and Bass, weist aber auch Einflüsse aus demTechno (insbesondere Synth-Sounds) auf. Er hat eine sehr düstere, hypnotische Grundstimmung, ähnlich dem Jungle-Subgenre Darkside. Die rollenden Basslines wirken bedrohlich, aggressiv undbellend.
Darkstep ging Ende der 1990er-Jahre aus dem Techstep hervor, orientierte sich anfangs aber noch stärker am Darkside. „Rollende“ Breakbeats sowie charakteristische Basslines wie derReese Bass werden verwendet. Einige bekannte Vertreter sind ebenfalls in den Subgenres Hardstep, Techstep oder Neurofunk wiederzufinden.
Jazzstep zeichnete sich durch das Einbeziehen von Jazz-Samples und typischjazzigen Harmonien aus. Der Stil entwickelte sich später weiter zumLiquid Funk.
Der typische Sound bestimmterSynthesizer, wie des analogenTB-303 vonRoland, beeinflussten ähnlich wie imTechno den Sound ganzer Sub-Stile wie desNeurofunk.
Atmospheric Drum and Bass (oder Ambient Drum and Bass/Intelligent Drum and Bass) war eine ruhigere Variante, in der flächige Pad-Sounds mit für Drum and Bass relativ langsamen Beats (140–160 bpm) undEthno-Elementen kombiniert wurden und so einehypnotische,Trance-artige Stimmung schufen. Bekanntester Vertreter istLTJ Bukem. Anfang der 2000er wurde der Stil durch Leadsounds und einen treibenderen Grundcharakter erweitert und so weiterentwickelt, es entstand derTrancestep.
Neurofunk entstand Ende der 1990er-Jahre durch Kombination des Drum and Bass mit Techno- und Acid-Einflüssen, wie die verbreitete Verwendung des Sounds des SynthesizersRoland TB-303.
Drumfunk, auch bekannt alsEdits oderChoppage entstand Anfang 2000. Der Fokus von Drumfunk liegt hauptsächlich bei den Drums. Es werden häufig klassische Funkbreaks verwendet und zu komplexen Beats arrangiert. Als Hauptvertreter kann man Paradox, Equinox, Fanu, Seba und Chris Inperspective nennen. Die wichtigsten Labels wären Inperspective Rec., Breakin und Paradox Music – im Netlabelbereich Exegene und Plainaudio.
Sambass wird die Mischung von Drum and Bass und Samba genannt. Das Genre ist sowohlSamba als auch D’n’B zuzuordnen, da es von DJs wie z. B.DJ Marky und Samba-Gruppen gespielt wird.