Die Donau ist eine der ältesten und bedeutendsten europäischenHandelsrouten und verbindet dabei unterschiedliche Kulturkreise. Politische Spannungen und Kriege bewirkten immer wieder Sperren und Behinderungen derWasserstraße. Seit demFall des Eisernen Vorhanges hat die Donau wieder ihre wirtschaftliche Bedeutung erhalten. Der Fluss verbindet viele artenreiche und unverbauteNaturräume und ist ein wichtiger Standort fürWasserkraftwerke.
Die Donau hat einen weiblichen Namen. Im Mittelhochdeutschen wurde siediu Tuonowe (frühneuhochdeutschTonaw, Donaw) genannt. Das Grundwort-ouwe (‚Flussaue, -landschaft‘) ihres althochdeutsch zusammengesetzten Namens kann zum weiblichen Geschlecht beigetragen haben.
In der Antike hatte die Donau lange zwei Namen:Ister oderHister, zu AltgriechischÍstros (Ἴστρος), war eine Bezeichnung für den Unterlauf,Donau hieß nur der Oberlauf. Einige römische Städte am Unterlauf der Donau trugen den Zusatzad Istrum – so beispielsweiseNicopolis ad Istrum. Dieses Wort steht zu einem allgemein indogermanischenHydronym*heisr- ‚schnell, hurtig‘ und wird auch auf diekeltischen Worteys ‚schnell, reißend‘ undura ‚Wasser, Fluss‘ zurückgeführt. Nach einer anderen Interpretation stehtys zugleich für ‚hoch, tief‘ und bezeichnet damit, gleich dem lateinischenaltus, beide Aspekte derVertikale. Im Bereich des früheren keltischen Siedlungsgebietes leiten sich, neben den alten Namen der Donau, eine Reihe von weiteren Namen für andere Flüsse von diesem Stamm ab:
Hans Bahlow stellte den Wurzelanlaut*is- mit den Wurzeln*es-,*as-,*os,*us- oder*aus- (alle angeblich ‚Sumpf-/Moorwasser‘) zurück.[5] Eine andere Interpretation geht von einer hypothetischenindogermanischen Wurzel*es oder*is aus, die als generische Bezeichnung für ‚(fließendes) Wasser‘ interpretiert wird.
Erst um die Zeitenwende, als dasRömische Reich sich über den ganzen Donaulauf ausgedehnt hatte und die kartographischen Zusammenhänge erschlossen wurden, wurde die Einheit beider Flussabschnitte erkannt. Noch bis zum Ende der Antike warIster ein gebräuchlicher Name des Flusses, während sichDānuvius eher nur auf den Oberlauf bezog.
Erdgeschichtlich markiert die Donau die Linien, an denen sich imMiozän ab etwa vor zwölf Millionen Jahren im Zuge der noch andauernden Kollision derafrikanischen undeurasischen Kontinentalplatten das schmale Randmeer derParatethys von Westen nach Osten schloss und trocken fiel. DieAuffaltungen der Alpen und Karpaten waren bereits im Gange und schlossen zeitweise großebrackige Seen ein, in der heutigenungarischen Tiefebene derPannonsee und ebenso in der südlichen Randsenke der Karpaten, der heutigenWalachischen Tiefebene. Nördlich der Alpen, im heutigenAlpenvorland, entwässerte die sog.Graupensandrinne als Vorläufer der Donau nach Westen, bevor sich im älterenPliozän, vor etwa sieben Millionen Jahren, imMolassebecken die Urdonau zu formieren begann. Der Oberlauf der sog.Aare-Donau umfasste vor etwa acht Millionen Jahren zeitweilig sogar das alpineRhonetal, aber schon bei Wien mündete sie in die Restgewässer der Paratethys. Mit der folgenden weiteren Gebirgsbildung und der Landhebung im Donauraum wurden die Seen im heutigen Mittel- und Unterlaufzusedimentiert und das großeFlusssystem des Donau-Oberlaufes wurde von den gefälle- und erosionsstärkeren Nachbar-Flusssystemen der Rhone und besonders desRheins angeschnitten und aufgerieben. Das Donausystem verlagerte sich so ostwärts bis zur heutigen Lage.
Dieser Vorgang setzt sich in geologischen Zeiträumen wohl noch immer fort, indem im Westen das Einzugsgebiet von den Nebenflüssen des Rheins verkleinert wird. Nachdem zunächst im jüngeren Pliozän dieAare und zu Beginn des mittlerenPleistozän derAlpenrhein zum Rheingraben hin ausbrachen, ging in derWürmkaltzeit der Hauptquellast aus dem Schwarzwald an dieWutach verloren und mit derDonauversinkung in derSchwäbischen Alb ist der Verlust des gesamten Schwarzwälder Einzugsgebietes eingeleitet. Nach einer Strecke von 12–14 Kilometern durch Klüfte und HöhlenverkarstetenKalksteins tritt das Donauwasser imAachtopf aus,[6] von wo es über denBodensee in denRhein gelangt. Bei geringer Wasserführung kann es inzwischen über Monate zum völligen Trockenfallen der oberen Donau kommen und damit zu einem Verlust an dasFlusssystem des Rheins.
DasEinzugsgebiet der Donau umfasst etwa 817.000 Quadratkilometer[1] und ist damit nach der Wolga (1.360.000 km²) und vor demDnepr (531.817 km²) in Europa der Fluss mit dem zweitgrößten Einzugsgebiet. Es ist etwas asymmetrisch; links (nördlich) der Donau liegen 56 Prozent der Fläche, rechts 44 Prozent. Dennoch steuern die Nebenflüsse der kleineren rechten Seite rund zwei Drittel des Wasservolumens bei, was vom hier größeren Flächenanteilhoher Gebirge herrührt, die zudem einen großen Teil der von West- und Südwestwinden herangeführten Feuchte abfangen.
Dies spiegelt sich darin wider, dass im südlichenpannonischen Becken von rechts mit derSave der mit Abstand wasserreichste Nebenfluss mündet und von links mit der kaum halb so großenTheiß der deutlich längste Nebenfluss der Donau. Weiter unterhalb übertrifft dieWasserführung der von rechts kommendenMorava die des am Donaudelta von links kommenden, etwa fünfmal so langenPruth um gut das Doppelte. Und auch im deutschen Donaugebiet führen die drei größten linken Nebenflüsse (Altmühl,Naab undRegen) zusammen weniger Wasser als der in diesem Teil nur drittgrößte rechte NebenflussLech. Der weitaus wasserreichste Nebenfluss der oberen Donau, derInn, ist der Donau am Zusammenfluss inPassau in der Wasserführung mindestens ebenbürtig, und beiUlm wird die Donau in der Wasserführung von derIller sogar um gut ein Drittel übertroffen.
Die meisten der größeren Nebenflüsse entspringen in denOstalpen undKarpaten sowie in den Gebirgen derBalkanhalbinsel. Die Karpaten sind keinRandgebirge des Donaueinzugsgebiets, sondern ragen in es hinein, weil sie ostseitig vom Siret/Prut-System entwässert werden. Sie trennen den unteren Donauraum vom mittleren. DieAlpen springen mit ihren Nordostausläufern ebenfalls ein und gliedern in mittlere und obere Donau.
Die Kilometer der Donau und ihres gesamten Flusssystems werden flussaufwärts gezählt. OffiziellerNullpunkt derKilometrierung ist der alteLeuchtturm vonSulina am Schwarzen Meer. Von Kilometer 0 bis 150 erfolgt die Streckenangabe innautischen Meilen (0–81 sm). Auch alle Nebengewässer haben ihren Nullpunkt an ihrer Mündung, mit einer Ausnahme: DerDonaukanal in Wien bei Stkm 1933–1919,3 wird – 17 km lang – in Stromrichtung kilometriert.
BeiDonaueschingen fließenBrigach undBreg zur Donau zusammen. Von den beiden Quellflüssen ist die etwas südlicher und höher entspringende Breg nach allen gewässerkundlichen Merkmalen der etwas größere Fluss. Daneben gilt sinnbildlich derQuelltopf des Donaubachs in der Nähe der Vereinigung beider Quellflüsse traditionell alsDonauquelle. Ab hier hat die Donau eine Länge von gut 2810 Kilometern.[7]
Die FlüsseTheiß,Pruth,Save,Drau,Olt,Sereth undInn haben je eine Länge von über 500 Kilometern. Flüsse mit einer Wasserführung von über 500 m³/s sind Save, Theiß, Inn und Drau.
Nebenflüsse der Donau mit mehr als 140 Kilometern Flusslänge
Mehr als 300 Brücken überqueren zwischen der Quelle und der Mündung die Donau. Zwei der bekanntesten Brücken sind die mittelalterlicheSteinerne Brücke in Regensburg und dieKettenbrücke in Budapest.
Namentlich entsteht die Donau 1,4 Kilometer östlich vonDonaueschingen durch den Zusammenfluss der beiden QuellflüsseBrigach undBreg („Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“). Als Donauquelle wird nicht nur die Quelle des größeren der beiden Quellflüsse, der Breg beiFurtwangen, bezeichnet, sondern auch der gefasste Ursprung des in Donaueschingen entspringendenDonaubaches.
Von der Bregquelle bis zur österreichischen Grenze legt die Donau ihre ersten 618 Kilometer zurück; sie bildet damit die viertlängste Flussstrecke in Deutschland. Jedoch verliert sie etwa 75 Kilometer unterhalb des Bregursprungs den größten Teil ihres Wassers in derDonauversinkung, die meiste Zeit des Jahres sogar vollständig; es tritt größtenteils imAachtopf wieder zutage und fließt von dort über den Bodensee zum Rhein. Die größten Städte des Laufabschnitts sind nacheinanderTuttlingen,Ulm,Neu-Ulm,Neuburg an der Donau,Ingolstadt,Regensburg,Straubing undPassau.
Von Ulm bis Kelheim ist die Donau Landeswasserstraße; von Kelheim bis zur StaatsgrenzeBundeswasserstraße[11] mit 203 km Schifffahrtsweg (bei 9,8 kmnegativen Fehlstrecken, besonders durch die Abkürzungen inBad Abbach und Straubing, gegenüber der Differenz der Donaukilometerstationen).[12]
In diesem Abschnitt sind die wichtigsten rechtsseitigen Nebenflüsse dieIller in Neu-Ulm, derLech beiMarxheim (östlich vonDonauwörth), dieIsar beiDeggendorf und in Passau schließlich derInn. Linksseitig sind es in Donauwörth dieWörnitz, hinterKelheim die Altmühl und schließlich bei Regensburg die Naab und der Regen („Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin; Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen.“). Innerhalb des Stadtgebiets von Regensburg befindet sich im BezirkOber-/Niederwinzer-Kager der nördlichste Punkt der Donau.[13]
Das Dreiflüsseeck in Passau: Der Zusammenfluss von Inn, Donau und Ilz (von links nach rechts)
In Passau fließen zunächst die Ilz mit moorbraunem Wasser von links in die dunkelblaue Donau und gleich danach von rechts der grüngraue Inn. Die Donau hat diese drei Farben noch ein längeres Stück nach dem Zusammenfluss. Das Wasser des Inn dominiert hier das Bild; dies rührt weniger von seiner im Mittel größeren Wasserführung her als von seiner geringeren Tiefe (Inn: 1,90 Meter, Donau: 6,80 Meter – „der Inn überströmt die Donau“). Die im Jahresmittel etwa sieben Prozent größere Wasserführung des Inn (738 m³/s gegenüber 690 m³/s) fließt vor allem während seiner stärkeren Hochwasser zur Schneeschmelze ab. Mehr Wasser als der Inn führt die Donau mit ihrer ausgeglicheneren Wasserführung über die sieben Monate von Oktober bis April.
Das Donautal und seine Nebenlandschaften bilden denKernraum Österreichs: Es umfasst zwar nur etwa 15 Prozent des Staatsgebietes, aber ungefähr die Hälfte der acht Millionen Einwohner leben hier, davon mehr als zwei Millionen in der MetropolregionWien. In diesem Raum konzentriert sich die Wirtschaftsleistung des Landes, mit gewerblichen Kernzonen inOberösterreich und im Wiener Verdichtungsraum. Das Donautal ist mit den Alpentransitrouten (Brenner,Tauern undPyhrn) eine wichtige Transitachse Österreichs (West Autobahn,Westbahn).
Es folgen mitStrudengau undNibelungengau zwei weitere Engtäler, und rund 90 Kilometer hinter Linz erreicht der StromMelk mit seinem gewaltigenBarockstift. DenDunkelsteiner Wald abschneidend, durchfließt der Strom auf den folgenden knapp 35 Kilometern eine der schönsten Donaulandschaften, dieWachau, die anDürnstein vorüber bis nachKrems reicht; anschließend durchquert sie dasTullnerfeld, eine weitere landwirtschaftlich geprägte Niederungslandschaft. An derKorneuburger Pforte knickt sie um denWienerwald herum, den letzten Nordost-Ausläufer der Alpen, und erreicht dann durch dieWiener Pforte das weiträumigeWiener Becken. Hier liegt mit Österreichs BundeshauptstadtWien die über den Zeitraum mehrerer Jahrhunderte bedeutendste und mit 1,9 Millionen Einwohnern (Stand 2020) auch größte aller Donaustädte, gefolgt von Budapest (1,7 Mio. Einwohner, Stand 2016) und Belgrad (1,4 Mio. Einwohner, Stand 2016). Bis kurz hinter Wien hat der Strom eher Gebirgsflusscharakter, erst danach wandelt er sich allmählich zu einem Tieflandfluss. Durch dieDonau-Auen nähert sich die Donau der Staatsgrenze zur Slowakei, und bei derThebener Pforte erreicht sie dasPannonische Becken, womit ihr Oberlauf im eigentlichen Sinne zu Ende geht. Sie verlässt Österreich bei Bratislava.
Beinahe das gesamte Staatsgebiet Österreichs entwässert in die Donau und damit zumSchwarzen Meer. Wichtige Zuflüsse der Donau in Österreich sind derInn (rechts; mündet in Deutschland), dieAist (links), dieTraun (re.), dieEnns (re.), dieYbbs (re.), dieTraisen (re.), derKamp (li.), dieWien (re.), dieSchwechat (re.), dieMarch (li.) und dieLeitha (re.), die in Ungarn dieMoson-Donau erreicht.Hydrographisch gliedert sich der Donaueinzugsbereich in Österreich in die FlussgebieteDonau bis Jochenstein (DBJ) undDonau unterhalbJochenstein (DUJ). Das zweite umfasst den Hauptteil des Donaulaufs und den Donauzubringer in Österreich.
Auf österreichischem Staatsgebiet liegen elfDonaukraftwerke, sie bilden die Basis der österreichischen Stromversorgung.
Nur knapp 45 Kilometer von Wien entfernt, unmittelbar hinter der österreichisch-slowakischen Grenze, passiert die Donau die slowakische HauptstadtBratislava. Weiter flussabwärts bildet sie die Grenze zu Ungarn. In der Nähe von Bratislava zweigt am linken Ufer ein Seitenarm, dieKleine Donau, von der Donau ab und bildet mit derGroßen Schüttinsel die größteFlussinsel Europas. Die Kleine Donau verläuft in zahlreichenMäandern und mündet beiKolárovo in dieWaag, den größten slowakischen Nebenfluss der Donau. Diese wird daher ab diesem Punkt auchWaager Donau genannt und fließt selbst beiKomárno wiederum in die Donau zurück. Auf derElisabethinsel vor Komárno hatKaiserin Elisabeth (Sisi) das erste Mal den Boden ihres Königreiches Ungarn betreten. Kurz vor der Staatsgrenze zu Ungarn mündet dieHron beiŠtúrovo in die Donau.
InČunovo, dem südlichsten Stadtteil Bratislavas an der ungarischen Grenze, teilt sich die Donau erneut. Nur der nördliche Donauarm bildet die weitereslowakisch-ungarische Staatsgrenze. Der südliche Arm namensMosoni Duna (Moson-Donau oder Kleine Donau) durchfließt kurz nach seiner Abtrennung vom Hauptarm ausschließlich ungarisches Territorium. An seinen Ufern liegt die Industrie-, Handels- und UniversitätsstadtGyőr. Hier mündet dieRaab ein. Östlich von Győr fließt die Mosoni Duna wieder in den Hauptarm. Mit der Donau bildet die Moson-Donau dieKleine Schüttinsel, die teilweise unter Naturschutz steht.
Im Zweiten Weltkrieg zerstörte Donaubrücke in Esztergom, Ansicht von 1969Budapest, zusammengewachsen aus den StädtenBuda (undÓbuda) auf dem Westufer undPest auf dem Ostufer
Die für Ungarn historisch wohl bedeutendste Stadt am weiteren gemeinsamen Flusslauf noch vor dem Donauknie ist die ehemalige HauptstadtEsztergom.
Nahe der Einmündung desIpeľ (Ipoly) verlässt die Donau beiSzob die Staatsgrenze und ist nun an beiden Ufern ungarisch. Kurz darauf wird sie vomBörzsöny-Gebirge nach Süden abgedrängt und verläuft zwischen Gerecse- und Pilisgebirge. Ab dem eindrucksvollen, um rund 90 Grad abknickendenDonauknie beiVác strebt die Donau für rund 500 Kilometer strikt südwärts.
Ungefähr 40 Kilometer nach dem Knie durchfließt die DonauBudapest, die Hauptstadt Ungarns, die mit etwas mehr als 1,7 Millionen Einwohnern (Stand 2016) die zweitgrößte Stadt an der Donau nach Wien ist. Hier erreicht der Fluss eine Breite von 400 bis 500 Metern. Budapest ist flussabwärts die letzte Stadt, die beidseitig der Donau liegt. Zugleich verlässt die Donau an dieser Stelle das ungarische Mittelgebirge und markiert ab hier die westliche Grenze derGroßen Ungarischen Tiefebene. Nachdem sie zahlreiche kleinere Städte wieDunaújváros,Paks,Kalocsa undBaja passiert hat, verlässt sie kurz hinterMohács das ungarische Staatsgebiet.
Mit 137 Kilometern Gesamtlänge hat Kroatien den nach der Republik Moldau und der Ukraine kürzesten Anteil amDunav (wie der Fluss hier genannt wird), der im Dreiländereck mit Ungarn und Serbien beiBatina beginnt. Der Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen Kroatien und Serbien. Infolge von Flussregulierungen liegen allerdings auf zwei kurzen Abschnitten bei Batina beide Ufer in Kroatien. Die größte Entfernung östlich beziehungsweise jenseits der Donau reicht bis zum Dreiländereck Hármashatár und misst ca. 15 km. Die bedeutendste kroatische Stadt an der Donau istVukovar, das im Krieg mit Serbienschwere Schäden davontrug, aber auchOsijek liegt in Donaunähe, lediglich 20 Kilometer entfernt von der Mündung derDrau in die Donau.
Anfangs teilen sich Kroatien (rechtes Ufer) und Serbien (linkes Ufer) die Donau. Unweit Batina zweigt derGroße Batschka-Kanal nach links ab, der Teil des serbischen Donau-Theiß-Kanalsystems ist. BeiBačka Palanka macht die Donau einen Knick und durchquert dann Serbien in südöstlicher Richtung, von der kroatischen hin zur rumänischen Grenze.
Nur 25 Kilometer, nachdem die Donau von Ungarn her die Grenze und den GrenzrevisionspunktBezdan gegenüber von Batina passiert hat, liegt die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fast nur vonDonauschwaben bewohnte HafenstadtApatin, die erste größere serbische Stadt an der Donau.
Festung inSmederevo (Serbien) an der Donau mit Mündung der Jezava
Weiter stromabwärts passiert der Strom die StadtNovi Sad, deren Brücken 1999 imKosovo-Krieg schwer beschädigt wurden. Über sechs Jahre lief der Verkehr zwischen den beiden Stadthälften über eine provisorische Pontonbrücke. Da diese nur dreimal pro Woche geöffnet wurde, stellte sie das bedeutendste Hindernis für den Schiffsverkehr entlang der Donau dar. Seit der Wiedereröffnung derFreiheitsbrücke am11. Oktober 2005 ist die Donau wieder ungehindert befahrbar.
Nach noch einmal 75 Kilometern erreicht die DonauBelgrad, die mit 1,4 Millionen Einwohnern (Stand 2016) drittgrößte Stadt an der Donau und mit einer etwa 7000 Jahre zurückreichenden Besiedlung einer der ältesten ständig bewohnten Orte an ihren Ufern. Die Siedlung wurde um die Mündung derSave errichtet, ihren Kern bildet die FestungKalemegdan auf einer Anhöhe über der Mündung.
Auf ihrem weiteren Weg durch Serbien fließt die Donau an den IndustriestädtenPančevo, an der Mündung desTemesch, undSmederevo vorüber, wo dieMorava in die Donau mündet. BeiStari Slankamen mündet dieTheiß von links, der größte Nebenfluss der Donau.
Unterhalb der Ruine der serbischen FestungGolubac tritt sie in die beeindruckende Donauschlucht amEisernen Tor ein. Die Donau bildet hier die Grenze zwischen Serbien und Rumänien bis zu den beiden StaudämmenĐerdap 1 und 2. Auf serbischer Seite befindet sich derNationalpark Đerdap.
Auf 1075 Kilometern, über ein Drittel ihrer Gesamtlänge, passiert die Donau (rumänisch:Dunărea) Rumänien. Das ist der längste Abschnitt aller Anrainerstaaten. Die Donau ist für das Land anfangs Grenzfluss zu Serbien, dann zu Bulgarien. Nach einer Richtungsänderung nordwärts ist sie rumänischer Binnenfluss im Bereich der RegionenBărăgan undDobrudscha, um später Grenzfluss zu Moldau und zur Ukraine zu werden und schließlich ins Schwarze Meer über dasDonaudelta zu münden. Auf rumänischem Boden wird die Donau über denDonau-Schwarzmeer-Kanal schneller mit dem Schwarzen Meer verbunden.
Noch vor dem spektakulären Eisernen Tor, für die Schifffahrt vor der Entschärfung zu Beginn der 1970er Jahre der gefährlichste Stromabschnitt, beginnt der rumänische Donaulauf südwestlich desBanater Gebirges. NaheOrșova passiert sie den engsten Teil und erreichtDrobeta Turnu Severin, wo beiIslaz derOlt in die Donau mündet. Nun macht der Fluss einen Knick nach Süden vorbei anGruia,Pristol,Cetate undCalafat. Dann beginnt die Donau ihre 400 Kilometer lange Reise gen Osten als Grenze zu Bulgarien. Dabei fließt sie an den StädtenDăbuleni,Corabia,Turnu Măgurele,Zimnicea,Giurgiu (direkt gegenüber auf bulgarischer Seite liegt die StadtRusse),Oltenița, wo derArgeș in die Donau mündet, undCălărași vorbei. Nun begrenzen sie die Anhöhen derDobrudscha nach Westen hin, sie fließt vorbei anCernavodă,Topalu,Hârșova,Giurgeni undGropeni und erreicht die beiden größeren StädteBrăila undGalați. Kurz dahinter wird sie wieder Grenzfluss zur Ukraine, um in Richtung Osten bald das Donaudelta zu erreichen. Zuvor berührt sieTulcea undPardina.
Im Norden Bulgariens wird die Grenze nach Rumänien fast auf ganzer Länge von der Donau gebildet. Die Donau ist zwar der einzige schiffbare Fluss Bulgariens, hat aber verkehrstechnisch nur regionale Bedeutung für diesen dünn besiedelten Landesteil.
Entlang des fast 500 Kilometer langen bulgarischen Streckenabschnittes existieren nur zwei Brücken:
Die neue Brücke (auchDonaubrücke 2 genannt und im Jahr 2013 eröffnet) verbindet das bulgarischeWidin mit dem rumänischen Calafat.
Es gibt zwölf bulgarische Donauhäfen mit einer kleinen Handelsflotte, darunterSwischtow, Russe, Widin,Nikopol,Lom undSilistra. Als Grenzrevisionspunkt im Nordwesten ist darüber hinaus nochOrjachowo von Bedeutung. In der Stadt Swischtow erreicht die Donau auch ihren südlichsten Punkt, von hier an fließt sie allmählich nordwärts und verlässt dann hinter Silistra das bulgarische Territorium.
Blick von der ukrainischen Seite bei Reni auf das rumänische Ufer mit demMăcin-Gebirge im Hintergrund
Der Anteil Moldaus an der Donau ist der kleinste aller Anrainerstaaten. Nur auf einer Länge von 340 Metern berührte ursprünglich der südlichste Zipfel des Landes die Donau zwischen Rumänien und der Ukraine kurz hinterGalați beiGiurgiulești an der Mündung desPruth. Im Jahr 1999 überließ die Ukraine Moldau in einem Gebietstausch weitere 230 Meter, so dass die Gesamtlänge des moldauischen Ufers 570 Meter beträgt. Moldau verwendete diesen Zugang zur Donau für den Bau einesFreihafens in Giurgiulești.
Kurz hinter der Mündung desPruth bildet der Fluss dieGrenze zwischenRumänien auf dem rechten Ufer und derUkraine. Die bedeutendsten ukrainischen Städte an der Donau sindIsmajil,Kilija sowieWylkowe, wo derBystre-Kanal beginnt. Hinter dem ukrainischen Abschnitt wird die Donau in den beiden südlich gelegenen Mündungsarmen wieder auf beiden Ufern rumänisch, während der nördlicheKilijaarm weiterhin die Grenze zur Ukraine bildet. Sie formt bei ihrer Mündung in dasSchwarze Meer dasDonaudelta mit rund 800.000 Hektar Fläche (davon rund 680.000 Hektar in Rumänien).
Die Donau passiert viele Landschaften und Klimazonen, entsprechend vielfältig ist ihre Flora und Fauna. Trotz zahlreicher, teils schwerer, menschlicher Eingriffe ist die Flusslandschaft in vielen Abschnitten noch immer außerordentlich artenreich, auch weil einige besonders sensible Lebensräume unter Schutz gestellt wurden. Ein sehr großes Problem ist die ständige Erosion des Flussgrunds, der verschiedene staatliche Maßnahmen entgegenwirken sollen, unter anderem regelmäßiges Ausbaggern.
Insgesamt sind über 300 Vogelarten an der Donau beheimatet. Die Donau ist eine der bedeutendsten europäischen Vogelzugstraßen und die an ihr gelegenen noch naturnahen Gebiete bilden oftmals wichtige Areale für Überwinterung, Brut und Rast, darunter auch für seltene Arten wieUhu,Eisvogel,Seeadler,Schwarzstorch,Schwarzmilan undWürgfalke. Herausragend sind dabei die SchutzgebieteDonauauen,Kopački rit und vor allem das Donaudelta.
AuchKopački rit, ein noch unberührtes Sumpfgebiet an derDraumündung in die Donau im Nordosten Kroatiens, ist ein wichtiges Überwinterungsgebiet; über 260 Vogelarten nisten hier, darunter auch so seltene wie derSeeadler. Zahllose weitere Arten nutzen es als Rast- und Überwinterungsgebiet.
Am wichtigsten für die Vogelwelt an der Donau ist das Donaudelta, ein zentraler Punkt der europäischen Vogelzugstraße und zugleich Übergangszone von europäischer und asiatischer Fauna. Weit über 300 Vogelarten rasten, überwintern oder brüten hier, darunter zum BeispielPelikane,Reiher,Löffler,Greifvögel oder auch die selteneRothalsgans.
Um die Fischwanderung an Kraftwerken flussaufwärts zu ermöglichen, sollen bis 2027 durchgehend vom Schwarzen Meer bis hinauf nachRosenheim am InnFischwanderhilfen errichtet werden.[15]
Wichtige Baumarten der Weichholz-Auen sind dieSilber-Pappel (Populus alba) sowie dieSilberweide (Salix alba). Für die Hartholz-Auen ist dieSchmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) erwähnenswert, die von Wien abwärts vorkommt, des Weiteren sind nochFeld- (Ulmus campestris) undFlatter-Ulme (Ulmus laevis) undStieleiche (Quercus robur) belegt.
Die Donau fließt auf fast der gesamten Länge durchNatura-2000-Gebiete und ist somit ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks. Lediglich der Streckenabschnitt im Nicht-EU-Land Serbien und wenige Zwischenstrecken, etwa innerhalb größerer Städte, liegen nicht in europäischen Schutzgebieten.
Liste der Natura-2000-Gebiete entlang der DonauIm Folgenden sind alle Natura-2000-Gebiete, die die Donau durchfließt, aufgelistet. Flora-Fauna-Habitat-Gebiete sind mit „FFH“, europäische Vogelschutzgebiete mit „VSG“ gekennzeichnet. Die beiden Gebietskategorien überschneiden sich großflächig.
ZwischenImmendingen undErtingen durchquert der Fluss denNaturpark Obere Donau. Die landschaftlich attraktiven Felsen im DonaudurchbruchSchwäbische Alb gehören zu den wenigen natürlich unbewaldeten Pflanzenstandorten in Deutschland. Da dieser Untergrund sehr trocken ist und die Temperaturen stark schwanken, konnten sich viele sehr lichthungrige Pflanzen, teils als eiszeitliche Relikte, hier erhalten. So kommt es im Naturpark zur ungewöhnlichen Kombination von mediterraner, alpiner undtundrischer Flora. Mit fast 750 Pflanzenarten, darunter einigen bedrohten oder vom Aussterben bedrohten, ist die Region, die von menschlichen Einflüssen weitgehend verschont blieb, eine der artenreichstenBaden-Württembergs.
Das Naturschutzgebiet Donauleiten (NSG-00277.01) liegt donauabwärts zwischen Passau undJochenstein auf der linken, nördlichen Donauseite und umfasst 401 Hektar.[17][18] Es ist Teil des 68 km langen Donauengtals zwischen Vilshofen (Deutschland) und Aschach (Österreich) im Südosten des Böhmischen Grundgebirges. Es handelt sich um ein epigenetisches Durchbruchstal aus dem Jungtertiär. Durch die zentrale Stromtallage in Mitteleuropa finden sich Tier- und Pflanzenarten aus vier arealgeografischen Regionen: präalpine/montane, subatlantische, kontinentale und submediterrane Arten. Durch die Exponierung gegen Süden wärmen sichGranit undGneis der Donauhänge auf und sorgen für ein mildes Klima. Dementsprechend beheimaten die Donauleiten viele wärmeliebende Arten aus Fauna und Flora. So gelten die Donauleiten in Deutschland als bedeutendstes Vorkommen der bis zu zwei Meter langen schwärzlich-grünenÄskulapnatter. Weitere sechs Reptilienarten wie dieÖstliche Smaragdeidechse, dieMauereidechse, dieZauneidechse und dieSchlingnatter sind hier beheimatet. Beim Vorkommen der Mauereidechse handelt es sich um das größteallochthone Vorkommen in Deutschland. Es ging aus Aussetzungen von Mauereidechse der Unterartmaculiventris ab 1932 in den Donauleiten hervor, welches sich mit 4.000 bis 6.000 Eidechsen inzwischen auf 25 km entlang der Donau und in Nebentäler ausbreitete.[19] Die Vielfalt an Insekten ist bemerkenswert:Fetthennen-Bläuling,Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling,Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling,Segelfalter,großer Schillerfalter undHirschkäfer können häufig beobachtet werden. Aufgrund des Mosaiks unterschiedlicher Lebensraumtypen wie extrem trockenen Standorten auf waldfreien Blockhalden und Fels, mageren, eher bodensauren Eichen-Hainbuchenwäldern, feuchteren Buchenwäldern aufhumosen Böden und kühlen, feuchten Bachschluchten existiert eine abwechslungsreiche Flora, zu nennen sind etwaAlpenveilchen,Schneeglöckchen,Frühlingsknotenblume,Michelis-Segge,Besen-Beifuß,Ästige Graslilie,Türkenbund-Lilie,Großblütiger Fingerhut,Seidelbast und Orchideen wie dasMännliche Knabenkraut und dasWaldvöglein.
Eines der größtenAuengebiete in Mitteleuropa sind die Donauauen nahe Wien beiHainburg, dort erstreckt sich von derLobau (noch auf Wiener Stadtgebiet) bis zur Einmündung derMarch derNationalpark Donau-Auen, in dem rund 70 Fisch-, 30 Säugetier- und 100 Vogelarten leben.
Der Nationalpark Donau-Auen wurde nicht durch die Regierung Österreichs initiiert, sondern 1983/84 durch Bürgerproteste vor dem beabsichtigten Bau einesDonaukraftwerks gerettet, der die Auen zerstört hätte. Dabei kam es im Dezember 1984 zur spektakulärenBesetzung der Hainburger Au durch mehrere tausend Menschen und einem von über 350.000 Menschen unterzeichneten Volksbegehren. Diese Bürgerbewegung gilt als die Geburtsstunde der österreichischenGrünen. 1996 wurden die Auen zum Nationalpark erklärt.
Im 21. Jahrhundert ist dieser Nationalpark durch die geplanteLobauautobahn bedroht. Sie soll großteils unter dem Nationalpark als Tunnel verlaufen, müsste aber zahlreiche Oberbauten aufweisen. Das für die Donau-Auen wichtige, heikle Grundwassersystem könnte durch den Bau gestört werden.
DerNaturpark Kopački rit liegt am Zusammenfluss derDrau mit der Donau inKroatien. Die unberührten Sumpf-, Moor- undAuengebiete sind Heimstätte vieler Tier- und Pflanzenarten, darunter 260 Vogelarten. In den zahlreichen Seitenarmen leben 40 Fischarten. Der Naturpark Kopački rit ist nominiert für die Liste desUNESCO-Weltnaturerbes.
Das BiosphärenreservatSrebarna befindet sich an der Donau, im NordostenBulgariens, ca. 17 km westlich vonSilistra entfernt. Es erstreckt sich über 900 Hektar, auf denen 99 Vogelarten brüten und 80 Zugvogelarten überwintern, und gehört zumUNESCO-Weltnaturerbe.
DasSpezial-Naturreservat Deliblatska Peščara liegt imBezirkJužni Banat in der Autonomen ProvinzVojvodina inSerbien. Es erstreckt sich zwischen der Donau, denSüdkarpaten und dem FlussTamiš über 354 km und über eine Fläche von 30.000 Hektar. Das Reservat stellt ein wüstenartiges Phänomen dar, eineSanddünenlandschaft mitten im Balkan, mit einer einzigartigenOrografie, Flora und Fauna inEuropa. Daher wird es in Serbien auch umgangssprachlichEvropska Sahara (Europäische Sahara) genannt. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Sanddüne mit Akazien und anderen Bäumen befestigt. Inzwischen ist mehr als die Hälfte der Sandlandschaft bepflanzt und manche Teile sind reiche Saisonjagdorte. Die imposante Größe der Sandberge mit über 200 m überNN, ihre Schönheit, das ständige Wechseln der Blütenfarben der verschiedensten Pflanzenarten machen diese Düne für Besucher attraktiv.
Der Nationalpark Đerdap erstreckt sich entlang der Donau, von der StadtGolubac bis zur KleingemeindeTekija, über eine Länge von 100 km und über eine Fläche von 63.680 Hektar. Das Einzigartige an diesem Park sind die riesigen Schluchten undPässe, die die Donau durchquert.Đerdapska klisura wird der größte Pass bezeichnet, der zugleich der größte Europas ist. Die tertiäre Flora, Vegetation und Fauna machen ihn zu einem einzigartigen Naturreservat. Die über 1100 hier vorkommenden Pflanzenarten und auchBären,Luchse,Wölfe,Goldschakale,Schwarzstörche, einigeEulenarten und andere seltene Tiere bestätigen dies ebenfalls.
Trotz dieses Naturreichtums war der Mensch in diesem Gebiet stets präsent, was die zahlreichen Funde bezeugen.Lepenski Vir,Tabula Traiana und dieTrajansbrücke sind nur einige der bedeutenden archäologischen Funde in diesem Nationalpark. Bisher unerschlossene Funde befinden sich auf dem Grund des riesigen Stausees desEisernen Tores. Viele geborgene Funde sind in das Museum Lepenski Vir gebracht worden.
Der Naturpark Eisernes Tor ist einNaturschutzgebiet amDonaudurchbruchstalEisernes Tor im SüdwestenRumäniens. Der Naturpark Eisernes Tor erstreckt sich auf einem Areal von 115.655 Hektar und dehnt sich über die südlichen Ausläufer desBanater Gebirges aus. Der Naturpark Eisernes Tor wurde im Jahr 2000 von der rumänischen Regierung als Naturschutzgebiet vonnationaler Bedeutung gegründet und 2007 durch die WeltnaturschutzunionIUCN alsSchutzgebiet der Kategorie V (Naturpark) anerkannt. Im Jahr 2011 erfolgte die Eintragung des Naturparks Eisernes Tor in die Liste der Schutzgebiete voninternationaler Bedeutung derRamsar-Konvention.
Das Donaudelta inRumänien ist das Mündungsgebiet der Donau amSchwarzen Meer und – nach demWolgadelta – das zweitgrößteFlussdelta Europas. Es besteht aus drei Hauptarmen sowie unzähligen Seitenarmen, Röhrichten, schwimmenden Inseln, Altarmen und Seen, aber auch Auwäldern sowie extremen Trockenbiotopen auf Dünen. Kurz vorTulcea teilt sich der Strom in zwei Arme nachChilia und Tulcea, kurz hinter Tulcea teilt er sich erneut in zwei Arme nachSulina undSfântu Gheorghe. Das 5000 km² große, weltweit einmalige Ökosystem ist Europas größtes Feuchtgebiet, es gilt als größtes zusammenhängendes Schilfrohrgebiet der Erde und ist der Lebensraum von über 4000 Tier- und über 1000 Pflanzenarten. UrtümlicheGaleriewälder aus Eichen, Weiden und Pappeln säumen die Ufer des Donaudeltas.
Donaudelta Ufer
Im Jahr 1991 erklärte dieUNESCO das Delta zu einem Teil desWeltnaturerbes, seitdem ist esBiosphärenreservat. Am 5. Juni 2000 verpflichteten sich die Regierungen Rumäniens,Bulgariens, derRepublik Moldau und derUkraine zum Schutz und zur Renaturierung der Feuchtgebiete entlang der etwa 1000 Kilometer langen unteren Donau. DieserGrüne Korridor wurde damit zum größten grenzüberschreitenden Schutzgebiet Europas.
Nach der Jahrtausendwende entwickelte sich das Gebiet zunehmend zum Touristenziel. Allein zwischen Mai und Juli 2004 kamen fast 54.000 Gäste, was eine Steigerung von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Das Donaudelta gehörte aufgrund seiner Größe und Naturbelassenheit mit zu den weltbesten Fischrevieren für Wildkarpfen und Großwelse, letztere angeblich bis zwei Meter lang und 100 Kilogramm schwer. Durch jahrelangenRaubbau sind die Durchschnittsgewichte bei Hechten und Karpfen stark gesunken.[20]
Als gemeinsames Projekt der Staaten Slowenien, Serbien, Ungarn, Kroatien und Österreich wurde 2021 der UNESCO-Biosphärenpark „Mur-Drau-Donau“ durch die UNESCO anerkannt. Das Großschutzgebiet mit einer Gesamtgröße von 930.000 Hektar besitzt eine umgebende Pufferzone von weiteren 650.000 Hektar. Geschützt werden die wertvollen Auenlandschaften entlang der drei Flüsse in 13 einzelnen, nationalen Schutzgebieten in den fünf Ländern. Neben der Erhaltung der Biodiversität ist grenzüberschreitender angepasster Hochwasserschutz und Tourismus Bestandteil des Projekts.[21][22]
Donau bei Wien um 1770 (vor der Regulierung mit zahlreichen Hochwasserarmen)
Wie viele andere Flüsse hat die Donau seit dem Beginn der Industrialisierung zahlreiche schwere Eingriffe durch Menschenhand (vgl.Flussbau) erfahren. Nur 20 Prozent der Überschwemmungsgebiete, die im 19. Jahrhundert existierten, sind noch vorhanden und nur noch die Hälfte des Flusslaufs kann als zumindest „naturnah“ bezeichnet werden. DieInternationale Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) mit Sitz in Wien hat 2008 mit demJoint Danube Survey 2, Final Scientific Report einen umfangreichen Bericht über die Wasserqualität des Flusses vorgelegt.[23]
Um beispielsweise die Auswirkungen der Donau-Überschwemmungen in Wien zu vermindern, wurde der Fluss ab 1870 durch massive Eingriffe wie dieWiener Donauregulierung verändert. Dadurch entstanden derDonaukanal und dieAlte Donau, die ehemalige Flussarme waren, und in jüngerer Zeit Stadtviertel wie dieDonaucity und die als Erholungs- und Überschwemmungsgebiet genutzteDonauinsel. Teile der östlich von der heutigen Donau gelegenen Bezirke wieFloridsdorf undDonaustadt waren einst ausgedehnte Donauauen. Durch die zeitlich schon länger zurückliegenden starken Eingriffe werden diese Vorgänge subjektiv nicht so stark wahrgenommen wie Eingriffe in den Donauraum in jüngerer Vergangenheit.
Neben der zunehmenden Verschmutzung durch Industrie, Landwirtschaft, Tourismus und der Zuleitung von Abwässern sowie der Regulierung durch Staustufen und Schleusenkanäle, Letzteres vor allem in Deutschland und Österreich, setzen vor allem Großprojekte dem Lebensraum Donau stark zu. Da gleich zehn Staaten, darunter einige der ärmsten Länder Europas wie Rumänien, Moldau oder die Ukraine vor allem ihre wirtschaftlichen Interessen am Fluss wahrnehmen und von seiner Lage profitieren wollen, ist ein grenzüberschreitender Schutz schwierig.
Im Jahr 1964 begannen das damaligeJugoslawien undRumänien zwischen denSüdkarpaten und demSerbischen Erzgebirge an der Grenze von Rumänien zuSerbien mit dem gemeinsamen Bau desWasserkraftwerksEisernes Tor 1, das 1972 eröffnet wurde. Der Staudamm mit zwei Schleusen ließ einen 150 Kilometer langen Stausee entstehen, der Wasserspiegel wurde um 35 Meter gehoben. Neben der Energiegewinnung wurde auch dieWasserstraße Donau ausgebaut und die Schiffsdurchfahrt durch die Sprengung derKatarakte im Fluss erleichtert. Im Jahr 1977 begannen Planungen für dasKraftwerk Eisernes Tor 2, das 1984 fertig gestellt wurde.
Für den Stausee, dessen Ausläufer bis Belgrad reichen, mussten unter anderem die StadtOrșova und fünf Dörfer weichen und die seit 1669 von Türken bewohnte InselAda Kaleh wurde überflutet. Die meisten Türken verließen Rumänien und gingen in die Türkei. Insgesamt mussten 17.000 Menschen umgesiedelt werden, ihre angestammten und teils kulturell bedeutenden Wohnorte wurden vom Wasser begraben. Auch für die Umwelt hat die Errichtung des Damms Folgen gehabt, so können seitherStöre nicht mehr zum Ablaichen die Donau hinaufschwimmen.
Um den kulturellen und ökologischen Schaden zu begrenzen, sind Objekte der Flora und Fauna, ebenso wie geomorphologische, archäologische und kulturhistorische Artefakte in zwei Nationalparks und Museen bewahrt worden, in Serbien imNationalpark Đerdap, der seit 1974 besteht und 63.608 Hektar umfasst, und in Rumänien imNaturpark Eisernes Tor, der 2001 eingerichtet wurde und eine Fläche von 115.655 Hektar besitzt.
Im Budapester Vertrag vom 16. September 1977 vereinbarten die damaligeTschechoslowakei und Ungarn in Budapest den Bau des riesigenStaustufenverbunds Gabčíkovo zwischenGabčíkovo naheBratislava undNagymaros in Ungarn zur Energiegewinnung, erste Planungen für das Projekt reichten zurück bis in das Jahr 1946.
Durch den Bau befürchteten ungarische und teilweise auch österreichische Experten zerstörerische Auswirkungen auf die nahen österreichischen Donauauen, die Landschafts- und Siedlungsräume entlang der slowakisch-ungarischen Grenze sowie die Budapester Wasserversorgung. Nachdem bereits seit 1983 die Arbeiten daran verlangsamt wurden, gründete sich 1984 in BudapestDuna Kör, der „Donau-Kreis“. Diese Umweltbewegung, die vielfach als Keim der „samtenen Revolution“ in Ungarn angesehen wird, fand starken Rückhalt in der Bevölkerung. 140.000 Menschen unterzeichneten ihre Petition gegen den Staudamm und 1988 kam es zu einer Demonstration mit rund 40.000 Teilnehmern vor dem ungarischen Parlament.Im Rahmen derpolitischen Erschütterungen des Ostblocks 1989 zog sich die damalige ungarische Regierung (Ministerpräsident:Miklós Németh) im Mai 1989 unter dem Druck der Bevölkerung von dem Projekt zurück.[24]
Die Tschechoslowakei und seit 1993 die Slowakei betrieb den Weiterbau desKraftwerks Gabčíkovo an einer anderen Stelle und verklagte Ungarn 1993 und erneut 1997 beimInternationalen Gerichtshof (IGH) auch auf die Erfüllung des Budapester Vertrages von 1977. Ungarn warf nun der Slowakei zusätzlich vor, teilweise Wasser aus dem Grenzfluss in den neu gebildeten künstlichen Gabčíkovo-Kanal entzogen zu haben. Der IGH hat im Prinzip entschieden, dass der Vertrag von 1977 gilt und die beiden Länder vereinbaren sollen, wie sie ihn erfüllen. Am 3. September 1998 stellte die Slowakei einen Antrag auf ein zusätzliches Urteil des IGH.
Nachdem eine wirkliche Einigung nicht zustande gekommen war und der Rechtsstreit über ein Jahrzehnt lang nicht beigelegt werden konnte, forderte die slowakische Regierung den Internationalen Gerichtshof im Juni 2017 auf, die Einstellung des Verfahrens zu Protokoll zu geben. Daraufhin erklärte der Bevollmächtigte Ungarns im Juli 2017, dass seine Regierung keine Einwände gegen die Einstellung des Verfahrens erheben würde, das durch den Antrag der Slowakei vom September 1998 auf ein zusätzliches Urteil eingeleitet wurde. So stellte das Gericht fest, dass die Slowakei das mit ihrem Antrag auf ein ergänzendes Urteil eingeleitete Verfahren eingestellt hat.[25]
Im Jahr 1995 gründete die moldauische RegierungTerminal S. A., ein Joint-Venture mit griechischer Beteiligung zur Errichtung einesFreihafens mit angeschlossener Ölraffinerie an ihrem Uferstück beiGiurgiulești. 1996 gewährte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung einen Kredit über 19 Millionen Dollar und erhielt damit einen Anteil von 20 Prozent. 41 Prozent hält die moldauische Tirex-Petrol und 39 Prozent die griechische Technovax. Der Grundstein für den Bau wurde im November 1998 gelegt, seither kam das Projekt allerdings nur sehr mäßig voran. 2006 wurde der Hafen eröffnet, in der Folge weitere Terminals. Er wird von der moldauischen Tochter der niederländischenDanube Logistics Holding BV betrieben, die 2021 von derEuropäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung übernommen wurde.[26]
Da das Donaudelta sehr nahe ist, würden Einträge belastenden Materials insbesondere im Falle von Havarien schnell und unverdünnt dort hinein gelangen und das Schutzgebiet stark gefährden. Deshalb führten der Hafen bereits seit dem Planungsstadium zu Protesten durch Umweltschutzverbände.
Am 30. Januar 2000 ereignete sich in dem rumänischen OrtBaia Mare ein Dammbruch in einer Golderz-Aufbereitungsanlage, infolge dessen über 100.000 m³Natriumcyanidlauge über Nebenflüsse in die Theiß gelangten. Zwei Wochen später erreichte die Schadstoffwelle die Donau, in der – wie auch in der Theiß – ein Fischsterben die Folge war.[27] Darüber hinaus wurden bis zur Donaumündung insSchwarze Meer die Zyanid-Grenzwerte überschritten.[28]
Donaudelta und Bystre-Kanal (mit Bystroe beschriftet)
Am 27. August 2004 wurde in der ukrainischen KleinstadtWylkowe der Bau des 9 km langenBystre-Kanal begonnen.2022 wurde er von 3,90 m auf 6,50 m vertieft.[29]Er verkürzt den Wasserweg zwischen Donauhäfen wieReni undKilija und der ukrainischen Schwarzmeerküste um über 20 km.
DerWWF zählt die Donau aufgrund der massiven Ausbaubestrebungen für die Schifffahrt und die noch geplanten Wasserkraftnutzungen zu den zehn gefährdetsten Flüssen der Welt. Unter anderem sieht ein EU-Programm zum Ausbau der Infrastruktur zwischen West- und Osteuropa (Transeuropäische Netze, TEN-T) vor, auf einer Länge von etwa 1.000 Flusskilometern Hindernisse und Engstellen an der Donau zu beseitigen. Von diesen Baumaßnahmen wären Schutzgebiete und Naturräume betroffen.[30]
Der etwa 70 km lange Donauabschnitt zwischenStraubing undVilshofen gehört zu den letzten frei fließenden, nicht durch Staubauwerke zerteilten Donauabschnitten in Europa. Für diesen Bereich bestehen Pläne, die als Bundeswasserstraße ausgewiesene Donau für die Schifffahrt weiter auszubauen, da es derzeit nur 144 Tage im Jahr möglich ist diese Strecke mit voller Abladetiefe (also 2,5 m) zu befahren, im Gegensatz zu anderen frei fließenden Strecken wie demMittelrhein (310 Tage/Jahr) und derWachau (300 Tage/Jahr).[31] Zwei Ausbauvarianten[32] (dieVariante A und dieVariante C 2,80[33]) und einoptimierter Ist-Zustand wurden miteinander verglichen.2002 regierte das rot-grüneKabinett Schröder I. SPD und Grüne beantragten im März 2002 Variante A.[34]Die mit Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2002 vom Bund gewünschte Variante A beschränkt sich auf flussbauliche Maßnahmen und erhält das für das ökologische Gleichgewicht notwendige Fließen. Sie ermöglicht an 200 Tagen im Jahr eine Abladetiefe von 2,5 m.[35] Variante C 2,80 sieht das Abschneiden der Donauschlinge „Mühlhamer Schleife“ beiAicha mit einem Durchstichkanal (Schleusenkanal mit Schleuse für die Schifffahrt) und einer Staustufe in der Mühlhamer Schleife vor. Sie ermöglicht an 301 Tagen im Jahr eine Abladetiefe von 2,5 m.[36] Diese Variante wird vom Freistaat Bayern gefordert.
Vier Binnenschifffahrtsverbände (Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt, Europäische Binnenschifffahrtsunion, Verband für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen, Deutscher Wasserstraßen- und Schifffahrtsverein Rhein-Main-Donau e. V. (DWSV)) legten am 5. Oktober 2006 dem damaligen BundesverkehrsministerWolfgang Tiefensee eine gemeinsame Resolution vor, in der sie die Entscheidungsträger auf Bundesebene und Landesebene auffordern, unverzüglich den Ausbau der Donau voranzutreiben.[37]
Der Bund und der Freistaat Bayern vereinbarten 2009 „variantenunabhängige Untersuchungen zum Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen“; diese begannen Ende 2009. Die Abschlussberichte wurden bis Ende 2012 fertiggestellt.[38]
Die Ausbauvariante A ist derzeit (2023) in Ausführung. Der erste Teilabschnitt vonStraubing bisHafen Straubing-Sand ist seit August 2023 fertig.[39] In diesem Abschnitt ist die Donau um 65 cm vertieft, damit der Hafen 300 Tage im Jahr mit 2,5 m Tiefgang vom Westen erreicht werden kann, was mit der Variante C 2,80 für die ganze Strecke vorgesehen war. Derzeit wird die Strecke bis Deggendorf weiter ausgebaut und so um 20 cm vertieft. Planungen für die Strecke Deggendorf-Vilshofen laufen noch (2023).
Schon früh gab es Proteste gegen den Donauausbau.[40] Örtliche Widerstandsbewegungen wurden gegründet und vomBund Naturschutz unterstützt.[41] Die Bürgeraktion „Rettet die Donau“ hatte regen Zulauf und sammelte tausende Unterschriften gegen das Projekt.[42][43]
Bei einer Untersuchung der Uferbereiche der Donau zwischenWien undBratislava durch Forscher derUniversität Wien zwischen den Jahren 2010 und 2012 stellte sich der zweitgrößte FlussEuropas „sehr überraschend“ als wesentlich stärker mit Plastik verschmutzt als bisher angenommen dar: Es wurden pro 1000Kubikmeter Wasser im Schnitt 317 Plastikteilchen, aber lediglich 275Fischlarven gefunden. Dies ergibt einen geschätzten Eintrag von 4,2 TonnenPlastikmüll pro Tag von der Donau ins Schwarze Meer. Bei 79 Prozent der in den Proben entdeckten Plastikpartikel handelt es sich um industrielles Rohmaterial wie Pellets oder Flakes. Die restlichen Kunststoffteilchen sind nach derMeinung der Forscher auf kommunalen Abfall zurückzuführen. Das Risiko für dieFische bestehe darin, dass sie dasMikroplastik mit ihrer üblichen Nahrung wieInsektenlarven oderFischeiern verwechselten.[44]
2015 veröffentlichte dieIKSD Ergebnisse einer Studie, derJoint Danube Survey 3. MittelsWasseranalysen konnten im Donauwasser hohe Konzentrationen von Drogenrückständen und antibiotikaresistenten Keimen gemessen werden, auch wurde Fischarmut und ein hoher Verbauungsgrad der Donauufer festgestellt.[45][46] Renaturierungen von Flussauen verbessern dieWasserqualität, indem Nitrate durchDenitrifikation abgebaut werden.[47]
Im siebten Jahrhundert vor Christus segelten Griechen, die vom Schwarzen Meer her über die StadtTomis, das heutige Constanța, kamen, flussaufwärts. Ihre Erkundungsreise endete amEisernen Tor, einer felsigenKataraktstrecke voller Untiefen, deren gefährlicher Verlauf den griechischen Schiffen die Weiterreise über die Linie Südkarpaten undSerbisches Erzgebirge (an der heutigen Grenze von Rumänien zu Serbien) unmöglich machte. Den Unterlauf nannten die GriechenIstros, der Oberlauf war ihnen nicht bekannt. Dieser Name für den Unterlauf war zunächst bei denRömern in Gebrauch; den Oberlauf nannten sie nach dem keltischen NamenDanuvius, der in der Antike als Gott verehrt wurde.
Unter den Römern bildete die Donau fast von der Quelle bis zur Mündung die Grenze zu den Völkern im Norden und war zugleich Route für Truppentransporte sowie für die Versorgung der stromabwärts gelegenen Siedlungen. Vom Jahr 37 an bis zur Regierungszeit des KaisersValentinian I. (364–375) war derDonaulimes mit gelegentlichen Unterbrechungen, etwa dem Fall des Donaulimes 259, die nordöstliche Grenze des Reiches. Die Überschreitung der Donau nachDakien hinein gelang demImperium Romanum erst in zwei Schlachten 102 und 106 nach dem Bau einer Brücke 101 bei der GarnisonsstadtDrobeta am Eisernen Tor. Dieser Sieg über die Daker unterDecebalus ließ die ProvinzDacia entstehen; 271 ging sie wieder verloren.
Im neunten Jahrhundert war die Donau Wanderweg für das osteuropäische Hirtenvolk derMagyaren, die donauaufwärts über die Zwischenstation desChasarenreichs bis in das Gebiet des heutigenUngarn vordrangen und dort gemeinsam mit der slawischen Vorbevölkerung in den kommenden 150 bis 200 Jahren unterStephan I. die heutige ungarische Nation begründeten.
Auch die bereits zwischen 1096 und 1099 beimersten Kreuzzug vom HeerGottfried von Bouillons genutzteRoute Charlemagne führte von Regensburg bis Belgrad entlang der Donau. Rund 340 Jahre später kehrte sich die Richtung um, denn für dasosmanische Heer war die Donau auf ihrem Feldzug durch Südosteuropa die zentrale Route für den Transport von Truppen und Nachschub. Der Fluss ermöglichte ein rasches Vorrücken, bereits im Jahr 1440 führten sie die ersten Schlachten umBelgrad. Dessen Eroberung gelang 1521. 1526 zerschlug das osmanische Heer in der erstenSchlacht bei Mohács (1526) dasungarische Königreich. Da KönigLudwig II. dabei zu Tode kam, fiel Ungarn an dashabsburgische Österreich. Dies gilt als der Keim der Donaumonarchie.
Im Jahr 1529 erreichten die TürkenWien (damals das Zentrum Mitteleuropas) undbelagerten es, wurden aber geschlagen. So war die Expansion der Osmanen entlang der Donau gestoppt und ab der zweitenSchlacht bei Mohács (1687) verloren sie wieder Land und Macht. Das allmähliche Zurückdrängen der Türken ging im Wesentlichen auf die Initiative Österreich-Ungarns zurück, das daran erstarkte, zumal es gleichzeitig aus demHeiligen Römischen Reich Deutscher Nation verdrängt wurde. Neben den Österreichern blieb das Osmanische Reich aber weiterhin bis zum endgültigen Verlust seiner Balkangebiete durch dierussisch-türkischen Kriege (1768–1774) und dieBalkankriege 1912/13 der bedeutendste politische Faktor Südosteuropas. Die Donau war dabei nicht nur militärische und kommerzielle Hauptschlagader, sondern auch politische, kulturelle und religiöse Grenze zwischenMorgen- undAbendland.
Nach demZweiten Weltkrieg hatte die Sowjetunion auch Ungarn undTeile Österreichs besetzt und es wurde 1946 eine neue Regelung des Flussverkehrs ins Auge gefasst, die das Pariser Abkommen von 1921 ablösen sollte. ZurBelgrader Konferenz 1948 waren alle Anrainerstaaten bis auf Deutschland und Österreich zugelassen. Mit Unterzeichnung des fertigen Übereinkommens wurde zugleich ein Anhang signiert, der Österreich anschließend in dieDonaukommission aufnahm. DieBundesrepublik Deutschland konnte dem Übereinkommen und der Donaukommission aufgrund sowjetischer bzw. russischer Vorbehalte gegen eine deutsche Mitbestimmung erst im März 1998 beitreten, fast 50 Jahre nach der Belgrader Konferenz.
Durch diese Grenze war die seit jeher wichtige Verkehrsachse Donau, welche quer durch den Kontinent verschiedene Wirtschaftsräume verbindet, weitgehend blockiert. Aufgrund der eigenständigen Politik Titos wurde auch die jugoslawische Donaugrenze zu Ungarn und Rumänien stark bewacht. Erst mit der Öffnung des Eisernen Vorhanges und der dann folgenden Auflösung desOstblocks wurde auf der Donau wieder ein normaler Personen- und Güterverkehr zwischen West und Ost möglich. Die Donauschifffahrt war aber südlich von Ungarn nach dem Zerfall Jugoslawiens ab 1991 infolge des Krieges einige Jahre unterbrochen. Erst im Oktober 2005 wurde die Schifffahrt wegen der Bauarbeiten bei der Brücke von Novi Sad wieder uneingeschränkt freigegeben. Dadurch erlebten der Warentransport und der Kreuzfahrttourismus auch in diesem Teil der Donau einen starken Aufschwung.
1977 wurde der ungarisch-tschechoslowakischeStaatsvertrag zur gemeinsamen Nutzung der Donau-Energie besiegelt, in dem unter anderem dasStaustufenprojekt Gabčikovo-Nagymaros geplant war. Zwischen dem slowakischen OrtGabčíkovo und dem ungarischenNagymaros am Donauknie sollte ein 200 Kilometer umfassendes Staustufensystem aus verschiedenen Stauseen entstehen, und ein Teil des Donauhauptarms sollte verlegt werden. Ab 1983 verschleppte die ungarische Seite das Projekt aus finanziellen Gründen. Im Frühjahr 1984 bekräftigten ungarische Umweltschützer durch eine Unterschriftenaktion ihre Bedenken gegen das Mammutprojekt. Aus dem Protest entstand derUnabhängige Donau-Kreis (Független Duna Kör). Der Kreis erhielt 1985 denRight Livelihood Award. Nach dem Rücktritt des langjährigen PräsidentenJános Kádár im Mai 1988 lebte der Protest neu auf. Kritische Berichte erschienen nun in der Presse und Demonstrationen fanden statt. Im März 1989 wurden dem ungarischen Parlament 140.000 Unterschriften gegen das Projekt vorgelegt. Noch bevor es zu einer Entscheidung kam, verkündete MinisterpräsidentMiklós Németh die Einstellung der Bauarbeiten. Die einseitige Kündigung der Verträge von 1977 führte zu einem offenen Konflikt, der 1993 vor denInternationalen Gerichtshof in Den Haag kam.
In den 1980er Jahren wurden die vier Druckwasserreaktoren desKernkraftwerk Paks fertiggestellt und ans Stromnetz genommen. Sie nutzen Donauwasser alsKühlwasser, ebenso wie dasKernkraftwerk Kosloduj, das einzige Kernkraftwerk Bulgariens. Dort sind vier alte Kernreaktoren russischer Bauweise (WWER-440/230) stillgelegt; zwei neuere Blöcke (WWER-1000/320) sind (Stand 2013) in Betrieb.
Auch dasKernkraftwerk Cernavodă, das einzige Kernkraftwerk Rumäniens, verwendet Kühlwasser aus der Donau. 1996 wurde (nach einer Bauzeit von 14 Jahren) der erste Block fertiggestellt, 2007 der zweite (nach 25-jähriger Bauzeit).
Eine Besonderheit aus der Geschichte der Nutzung war die Gewinnung von Gold aus dem Sand der Donau zur Prägung vonFlussgolddukaten. Sie sind durch die Umschrift EX AURO DANUBII (= aus dem Gold der Donau) erkennbar.[49]
Schubverband bestehend aus kleinem Schubschiff hinten, einem Containerschubleichter (auf dem Bild rechts) und einem Massengutschubleichter (links) auf der Donau in LinzDDSG-AusflugsschiffPrinz Eugen in der Wachau
Für die Großschifffahrt ist die Donau erst ab km 2415 beiKelheim (etwa 440 Kilometer unterhalb der Quelle) befahrbar. Die 203 km[12] lange deutsche Strecke von Kelheim bis zur österreichischen Grenze ist eineBundeswasserstraße,[11] zuständig ist dasWasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau MDK. Von Kelheim bis zum Schwarzen Meer gibt es insgesamt 20 Staustufen mit Schleusen, davon sechs in Deutschland. Die Donau ist mit demMain-Donau-Kanal, der bei Kelheim in die Donau mündet, von derNordsee über denRhein und denMain bis ins Schwarze Meer auch eine durchgehende internationale Wasserstraße.
VerschiedeneSchifffahrtskanalprojekte in den Alpen, welche die Donau an den Alpenraum angeschlossen hätten, blieben unverwirklicht: So z. B. der Maloja-Inn-Kanal, der von Wien die Donau über denInn und weiter über denMalojapass hinweg mit demComer See verbunden hätte. Ebenso unverwirklicht blieb der Splügenkanal über denSplügenpass mitGenua und demMittelmeer als Endziel – die Donau wäre durch u. a. Donauseitenkanal, Bodensee und Rhein angebunden worden.
Die Donauschifffahrt unterscheidet auf dem schiffbaren Teil des Donaulaufs drei Abschnitte:
Neben derFrachtschifffahrt gibt es knapp 100 Flusskreuzfahrtschiffe, die zu Mehrtages-Kreuzfahrten vorwiegend zwischenPassau, Budapest und dem Schwarzen Meer ablegen, und viele Tagesausflugsschiffe, die in Deutschland vor allem in Passau (Wurm & Köck) und in Österreich vor allem in der Wachau (DDSG Blue Danube) unterwegs sind. Außerdem sind unzählige kleine, private Sportmotorboote auf dem Fluss unterwegs.
Ursprünglich war die Donau ein offener Handelsfluss, nutzbar für jedermann, trotzdem nahm jedes Uferland Handelszölle. ImPariser Frieden 1856 wurde das Recht des freien Handels auf der Donau erstmals kodifiziert und eineEuropäische Donaukommission[50] gegründet, angelehnt an die Bestimmungen derWiener Kongressakte von 1815 zur freien Schifffahrt. 120 Jahre später, am 18. August 1948, wurde auf derBelgrader Konferenz in derKonvention über die Regelung der Schifffahrt auf der Donau dieses Recht erneut festgeschrieben: das Befahren der Donau ist Schiffen aller Flaggen erlaubt, nur Kriegsschiffen fremder Flagge ist das Befahren der Donau untersagt. Für den Bereich des Eisernen Tores und der unteren Donau wurden internationale Stromsonderverwaltungen geschaffen.[51] Die Einhaltung der Regelungen des Vertrages und die Erhaltung der Schifffahrtstauglichkeit wird durch dieDonaukommission[50] überwacht. Sie beschließt auch dieGrundsätzlichen Bestimmungen für die Schifffahrt auf der Donau,[52] die zum Bestandteil der Vorschriften der Anrainerstaaten und der Stromsonderverwaltungen zu machen sind. Weiterer Bestandteil der Vorschriften sind die jeweiligen besonderen Bestimmungen, die von den lokal zuständigen Behörden verantwortet werden. In Deutschland gilt dieDonauschifffahrtspolizeiverordnung, in Österreich dieWasserstraßen-Verkehrsordnung.
Zahlreiche Donaulandschaften und Nationalparks sind auch von touristischer Bedeutung, so zum Beispiel derNaturpark Obere Donau in Deutschland, dieWachau sowie derNationalpark Donau-Auen in Österreich, dasEiserne Tor zwischen Serbien und Rumänien und das transnationale Donaudelta.
Auch der Flusskreuzfahrttourismus ist bedeutend, neben der vielbefahrenen Strecke vonWien nachBudapest fahren einzelne Schiffe auch vonPassau bis in das Donaudelta und zurück. Zur Hochsaison sind über 70Kreuzfahrtschiffe im Einsatz. Insbesondere auf der nicht schiffbaren und daher verkehrsfreien oberen Donau gibt es die Möglichkeit zu Kanu-, Paddel- und Bootstouren.
Der Donauraum bietet extensive touristische Infrastruktur. Rad-, Wander- und Reisemöglichkeiten wieDonauradweg, derDonausteig und dieStraße der Kaiser und Könige entlang des Flusses ziehen ein internationales Publikum an, allein der österreichische Donauraum kann rund 14 Millionen Nächtigungen und rund 6,5 Millionen Ankünfte im Jahr verzeichnen.[53]
Die Donau ist entlang ihres Laufes für rund zehn Millionen Menschen eine bedeutende Trinkwasserquelle. In Baden-Württemberg beliefert der Zweckverband Wasserversorgung den gesamten Raum zwischenStuttgart,Bad Mergentheim,Aalen und demAlb-Donau-Kreis mit Trinkwasser, von dem gut 30 Prozent (2004: 30 Millionen Kubikmeter) aufbereitetes Donauwasser sind. Auch Städte wieUlm oderPassau verwenden großteils noch Donauwasser als Trinkwasser.
Österreich dagegen bezieht zu 99 Prozent sein Trinkwasser aus Grund- und Quellwasser, nur sehr selten, zum Beispiel während Hitzeperioden, wird Wasser der Donau entnommen, um daraus Trinkwasser zu gewinnen. Dasselbe gilt in Ungarn, das zu 91 Prozent Grundwasser verwendet. Auch die anderen Staaten entlang des Mittellaufs verzichten aufgrund der starken Verschmutzung auf die Verwendung von Donauwasser als Trinkwasser. Nur Orte an der Donau in Rumänien, wo der Strom wieder sauberer ist, versorgen sich noch weitgehend mit dem Wasser aus der Donau (Drobeta Turnu Severin, Donaudelta).
Fünf Anrainerstaaten der Donau beziehen nennenswerte Anteile ihrer Energie aus Wasserkraftwerken an der Donau, nämlich Deutschland, Österreich, die Slowakei, Serbien und Rumänien. Anderen Staaten fehlt zum Bau entsprechender Wasserkraftwerke entweder die partielle territoriale Kontrolle über die Donau (Kroatien, Bulgarien und Moldau verfügen jeweils nur über ein Ufer des Flusses), oder sie sind politisch nicht durchsetzbar wie in Ungarn oder aber der Lauf der Donau gibt eine solche Verwendung schlicht nicht her wie in der Ukraine.
In Deutschland wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts erste Wasserkraftwerke gebaut, insbesondere in der Region der Oberen Donau, aber auch bei Ulm. Allerdings erlangte die Donau als Energielieferant niemals die Bedeutung wie weiter flussabwärts, da sie vergleichsweise schwach und energiearm ist.
Kraftwerk Ybbs-Persenbeug; erstes Wasserkraftwerk der Österreichischen Donaukraftwerke
In Österreich ist die Situation bereits gänzlich anders, wenn auch der Bau des ersten DonaukraftwerkesYbbs-Persenbeug erst relativ spät begann, nämlich 1953. Die Fertigstellung erfolgte 1957. Österreich hat in Europa nach Island und Norwegen den höchsten Anteil an Flussstauen (zumal das Gefälle der Donau hier stark ist): insgesamt werden rund 20 Prozent des öffentlichen Strombedarfs durch dieDonaukraftwerke gedeckt. Diese Entwicklung gilt allerdings nicht durchweg als positiv: Die Wasserkraft-Monokultur, die sich in Österreich insbesondere an der Donau konzentriert, die von der deutschen Grenze an, mit Ausnahme der Wachau, bis nach Wien mitLaufkraftwerken besetzt ist, verändert den Lauf und die Fließgeschwindigkeit des Gewässers und beeinträchtigt die reguläre Überflutung der ökologisch wertvollen Auwälder. Daneben bilden die Staustufen Barrieren für Fische und andere Lebewesen, die sich nicht mehr frei im Fluss bewegen können oder erfordern den gesonderten Bau vonFischtreppen.
In der Slowakei ist die Wasserkraft mit gut 16 Prozent Anteil amEnergiemix die zweitwichtigste Energiequelle nach der Braunkohle. Der größte Anteil davon, nämlich 11 Prozent der Gesamtproduktion der elektrischen Energie, entstammt demWasserkraftwerk Gabčíkovo, das ursprünglich als Teil der Doppelstaustufe Gabčíkovo-Nagymaros in Kooperation mit Ungarn geplant war, aus dessen Bau sich Ungarn allerdings später zurückzog und das daraufhin von der Slowakei allein vollendet wurde.
Das größte Wasserkraftwerk Europas am Eisernen Tor wurde 1972 nach achtjähriger Bauzeit gemeinsam von Jugoslawien (heute Serbien) und Rumänien in Betrieb genommen. Dadurch stellt die Wasserkraft mit 37,1 Prozent in Serbien und 27,6 Prozent in Rumänien eine der bedeutendsten Energiequellen der beiden Länder dar.
In Ungarn wird Wein fast überall entlang der Donau zwischenVisegrád und der Südgrenze des Landes kultiviert, die Hauptstadt des ungarischen Weins warVác. In der sozialistischen Ära verloren die früher berühmten ungarischen Weine stark an Qualität, seit den 1990er Jahren erlebt der ungarische Weinbau eine Renaissance.
Das Weinbaugebiet erstreckt sich nach Norden in die Slowakei hinein mit Schwerpunkten umDevín (deutsch:Theben) beiBratislava undŠtúrovo.
Eine wirtschaftlich unbedeutende Kuriosität und zugleich das letzte Relikt der bis auf die Römer zurückgehenden, ursprünglich lebendigen Kultur desBaierweins ist das deutsche Weinbaugebiet beiBach zwischenRegensburg undStraubing (RegensburgerLandwein).
Die Donau ist eine der ältesten und bedeutendsten europäischen Handelsrouten. Bereits in frühgeschichtlicher Zeit diente sie als Transportweg für Handelswaren wie zum Beispiel Pelze, die meist noch mit einfachen Flößen den Fluss entlang transportiert wurden. Bereits zur Römerzeit wurde Schifffahrt betrieben, wenn auch bis in die Neuzeit Boote, die nach dem langen und damals noch sehr gefährlichen Weg ihren Zielhafen erreicht hatten, häufig demontiert und als Bauholz verkauft wurden. Wenn mit dem beschwerlichen und langsamen Rückweg auf Schiffen nicht genug verdient werden konnte, wurde dieser vermieden. Typisch für die Donauschifffahrt waren deshalb einfache Schiffskonstruktionen wie Zillen (siehe auchUlmer Schachteln) undPlätten, die am Oberlauf ab Ulm (am Inn ab Hall in Tirol) verkehrten und den Holzverbrauch im Vergleich zum Bau von Flößen reduzierten. GrößereZillen mit Längen bis etwa 30 Metern und zwei Tonnen Zuladung, die sog. Kelheimer oder Ulmer Ordinarischiffe, wurden gelegentlich mit lohnender Ladung wie Wein oder Salz stromaufwärts zurückgezogen. In der Regel zog man jedoch nur kleinere Zillen mit den Habseligkeiten der Schiffer stromaufwärts.
Über die Jahrtausende konnten Boote stromaufwärts nur durchTreideln entlang der hier Treppelpfade genanntenLeinpfade vorankommen. Dabei wurden die Boote zuerst von Menschen, ab dem 15. Jahrhundert zunehmend von Zugtieren stromaufwärts gezogen.Diese späteren Schiffszüge waren streng organisiert und umfassten bis zu 60 Pferde und ebenso viel Mannschaft, als Schiffe einen Kelheimer (Hohenau genannt) oder deren mehrere (Nebenbei) und stets mehrere Zillen und Plätten als Funktionsschiffe für Tauwerk, Pferde und Vorräte. Wegen des weit verästelten Flusssystems mit wechselnden Untiefen war ein solcher Schiffszug sehr langsam unterwegs. Oft kam man an einem Tag nur wenige Kilometer voran. Häufig musste mitsamt Pferden die Flussseite gewechselt werden, Wetter und Wasserführung behinderten das Vorankommen.
Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt und später derLokomotiven begann der Niedergang der historischen Donauschifffahrt. Die letzten Schiffszüge wurden um 1900 stromaufwärts gezogen. Im Jahr 1812 wurde in Wien das erste Donaudampfschiff in Betrieb genommen. Kurze Zeit später, im Jahre 1829, gründete sich die ersteDonaudampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG). Dadurch wurden die Schiffe schneller, zum Beispiel fuhr das erste DampfschiffFranz I im Jahre 1830 die Talfahrt von Wien nach Budapest in 14 Stunden 15 Minuten. Für die Bergfahrt von Budapest nach Wien benötigte es 48 Stunden 20 Minuten. Im September 1837 fuhr das erste Schiff, dieMaria Anna, von Wien nach Linz.
In der Folge sollte die DDSG zur bedeutendsten Schifffahrtsgesellschaft auf der Donau werden, ihr Werbeslogan entsprach dem von ihr befahrenen Gebiet „von Passau bis zum Schwarzen Meer“. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die DDSG zur größten Binnenreederei der Welt geworden, erhielt aber nach und nach ernstzunehmende Konkurrenz durch nationale Gesellschaften wie die ungarische MFTR. Nach dem Ersten Weltkrieg sank ihr Stern aufgrund der entstandenen nationalen Donaureedereien der Nachfolgestaaten derDonaumonarchie.
Bis in die 1930er Jahre war das Dampfschiff das dominierende Verkehrsmittel auf dem Fluss, man unterschied in Passagier- und Zugdampfer. Ein Exemplar dieses Schiffstyps ist inRegensburg als Museumsschiff zu besichtigen.[54] In Österreich ist mit derSchönbrunn der letzte erhaltene DDSG-Schaufelraddampfer in Fahrt.
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts war auch die Blüte derKettenschleppschiffe, die sich an einer zuvor fest in der Fahrrinne des Flusses verlegten Kette mit Dampfmaschinenkraft den Fluss hinaufzogen. Solche Ketten wurden zuerst für die Strecke Wien–Pressburg verlegt, 1891 aber auch beiYbbs und Regensburg. ImEisernen Tor (Djerdap) wurde im 20. Jahrhundert bis zum Bau des Staudamms mit Lokomotivengetreidelt.
Abzweigung des Ludwig-Donau-Main-Kanals aus der Donau bei Kelheim, Stahlstich (1845) von Alexander Marx
Durch dieMittelwasserkorrektion mitDurchstichen,Buhnen undParallelwerken wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts versucht, die Donauschifffahrt zu fördern. Um das bayerische Kachlet, eine Kette von Felsriffen, oberhalb Passau zu überstauen, wurde 1928 dieStaustufe Kachlet mit dem damals größten Wasserkraftwerk fertiggestellt. Gleichzeitig begann flussabwärts von Regensburg eine Niederwasserregulierung mit dem Ziel einer Fahrwassertiefe von mindestens 1,40 m. Vier nur einschiffig zu befahrende Engstellen unterhalb Passaus wurden durch die 1956 in Betrieb genommene Staustufe Jochenstein an der deutsch-österreichischen Grenze beseitigt. Fahrzeit und Energiebedarf der Schiffe wurden dadurch fühlbar verbessert.
Der erste nachweisbare Plan einer Verbindung zwischen Rhein und Donau geht aufKarl den Großen im Jahr 793 zurück. Er ordnete den Bau derFossa Carolina(Karlsgraben) an. Zwischen 1836 und 1846 wurde im Zuge der Industrialisierung derLudwig-Donau-Main-Kanal zwischen Kelheim undBamberg mit einer Länge von 172,4 km verwirklicht. Die Idee einer Wasserstraßenverbindung wurde erst mit dem 1992 fertiggestellten 171 km[12] langenMain-Donau-Kanal (MDK) effektiv umgesetzt. Zwischen der Einmündung des MDK in Kelheim und Regensburg wurden parallel zum Bau des MDK zur Anpassung für die Großschifffahrt 1978 die Staustufen Bad Abbach und Regensburg fertiggestellt. Bis dahin war Regensburg Endstation der Donauschifffahrt. Unterhalb Regensburg folgten 1985 die Staustufe Geisling und 1995 Straubing.
DerDonaukanal in Wien ist kein künstliches Gewässer, sondern ein historischer Seitenarm der Donau. DerWiener Neustädter Kanal ist ein historischer künstlicher Wasserlauf von lokaler Bedeutung (1803 in Betrieb genommen, maximale Länge 63 km) für Wirtschaftstransporte nach Wien, der mit der Donau allerdings nie verbunden war. Seit dem Mittelalter gab es immer wieder Bestrebungen, die Donau mitOder (Donau-Oder-Kanal) bzw.Elbe (Donau-Oder-Elbe-Kanal) zu verbinden. Bis auf wenige kurze Abschnitte wurde dieses Projekt jedoch nicht realisiert. Im letzten Flussabschnitt verkürzt derDonau-Schwarzmeer-Kanal mit seiner Länge von 64,4 km den Weg ins Schwarze Meer durch die Umfahrung des Deltas um etwa 240 km.
Im 18. und 19. Jahrhundert diente die Donau als Transportweg für Holz unter anderem aus dem Böhmerwald. Holzscheiter wurden vom Böhmerwald aus über denSchwarzenbergschen Schwemmkanal in dieGroße Mühl geschwemmt, dort aus dem Wasser gezogen, in Schiffe verladen und anschließend bis nachWien transportiert, wo sie als Brennholz verkauft wurden. Weitere größere Holzschwemmen gab es von der Naarn, dem Weitenbach und der Traisen.
Die Bedeutung derFischerei, von der an manchen Orten imMittelalter die ganze Bevölkerung lebte, ist im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen. In Deutschland sind nur noch wenige Donaufischer aktiv. In Österreich wird in bescheidenem Maße noch um Linz und Wien gefischt. Im Donaudelta hat die Fischerei eine gewisse Bedeutung.
Als zweitgrößter europäischer Fluss hat die Donau in den Kulturen ihrer Anrainerländer und darüber hinaus viele Spuren hinterlassen. Die Donau wird mit ihrer griechischen Bezeichnung beiHesiod als Sohn desOkeanos und derTethys bezeichnet (Theogonie 339). Neben zahlreichen Sagen und Legenden haben sich auch Schriftsteller mit ihr auseinandergesetzt, vonOvid, der in denTristia (Buch 3, Gedicht 10) den starken Eindruck der zugefrorenen Donau besang, bis zuClaudio Magris,Ernst Trost undPéter Esterházy, die sich am Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Thema beschäftigten. Die Donau gilt in Osteuropa seit dem Mittelalter alsArchetyp eines Flusses. So ist sie inKonstantin KostenezkisLobpreisung Belgrads einer der vier Paradiesflüsse. Die Gleichstellung der Donau mit demPischon geht auf ältere antike Anschauungen beiSeverian von Gabala zurück und wurde von byzantinischen Schriftstellern wieMichael Psellos wieder aufgegriffen.[55] In den älteren apokryphischen Chroniken, einer anonymen Chronikensammlung in Bulgarien, wird die Donau ebenso mit biblischen Archetypen geographischer Objekte gleichgestellt, indem die Überquerung der Donau den Einzug der Bulgaren ins „gelobte Land“ begleitet.[56]
Verbreiteten kulturellen Widerhall fand die Donau auch in der Musik, so im (ursprünglich mit einem anderen Text komponierten und uraufgeführten)Donauwalzer vonJohann Strauss. Österreich hat ein besonders eng mit der Donau verbundenes Image, das an die einstigeDonaumonarchie (mit etwa 1300 Donaukilometern; seit 1945 nur noch etwa 350 km) anknüpft und unter anderem seinen Ausdruck in der PhraseLand am Strome derÖsterreichischen Bundeshymne findet. Auch in den Nationalhymnen der Anrainerstaaten Bulgarien (Mila Rodino), Kroatien (Lijepa naša domovino) und Ungarn (Himnusz) wird der Fluss erwähnt.
Amt der OÖ. Landesregierung. Kulturreferat:Die Donau: Facetten eines europäischen Stromes. Katalog zur oberösterreichischen Landesausstellung 1994 in Engelhartszell, Landesverlag, 1. Januar 1994.
↑abPéter Kovács: Characterization of the Runoff Regime and Its Stability in the Danube Catchment. Chapter 5 in: Mitja Brilly (editor): Hydrological Processes of the Danube River Basin. Perspectives from the Danubian Countries. Springer, Dordrecht etc. 2010.ISBN 978-90-481-3422-9.
↑T. Provoost:De Ijzer: Een Kleine Stroom Met Een Groot Verleden,PDF Online (Memento vom 29. September 2007 imInternet Archive). In: Water Nr. 97 – November/Dezember 1997, abgerufen am 8. April 2013.
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↑Ivan Biliarsky 2010: Old Testament Models and the State in Early Medieval Bulgaria. In: Paul Magadlino & Robert Nelson (Hrsg.):The Old Testament in Byzantium. Dumbarton Oaks, Washington 2010,ISBN 978-0-88402-399-9, S. 255–277.