Der römisch-katholischeOrden derDominikaner, auchPredigerorden,lateinischOrdo (fratrum) Praedicatorum (OrdenskürzelOP), wurde im frühen 13. Jahrhundert vom heiligenDominikus gegründet. Der Sitz der Generalkurie des Predigerordens istSanta Sabina inRom.
Dominikus wurde um das Jahr 1170[1] in derkastilischen OrtschaftCaleruega geboren. Schule und Studium absolvierte er inPalencia.[2] Im Jahr 1196 trat er in dasDomkapitel vonOsma in Kastilien ein, wurde dort zumPriester geweiht und wurde 1201 Subprior des Kapitels. Auf Reisen im Gefolge seines BischofsDiego de Acevedo wurde er inSüdfrankreich mit den dortigen Erfolgen derKatharer konfrontiert. Der Katharismus fand aufgrund derasketischen Lebensweise und rhetorischen Überzeugungskraft seiner Prediger großen Anklang in der Bevölkerung. Von den örtlichen Feudalherren wurde er toleriert oder auch gefördert, während die theologisch und seelsorgerisch wenig ambitionierte katholische Geistlichkeit hauptsächlich um die Sicherung ihrerPfründen und weltlichen Privilegien bemüht war. Auch die vonPapst Innozenz III. alsLegaten beauftragtenZisterzienser, die den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit nicht in der Missionierung, sondern in der politischen Diplomatie und der Herbeiführung repressiver Maßnahmen sahen, hatten sich vor allem den Hass der Bevölkerung zugezogen, aber dem Katharismus keine wirksamen Maßnahmen entgegensetzen können.
Bischof Diego hatte zunächst das Projekt einerMissionierung derTürken verfolgt und ersuchte den Papst Innozenz III. in Rom dafür um Befreiung von seinem Bischofsamt. Dem Papst war jedoch die Missionierung in Südfrankreich das vordringliche Anliegen. Ende des Jahres 1204 kehrten die beiden überCîteaux nach Südfrankreich zurück und stimmten ihre Missionstätigkeit mit den päpstlichen Legaten (u. a.Pierre de Castelnau) ab. Mit Unterstützung des neuen Bischofs von Toulouse, des Zisterziensers und ehemaligenTrobadorsFolquet de Marseille, gründeten sie 1206/1207 inProuille (okzitanisch:Prolha) in der Nähe vonFanjeaux einenKonvent für bekehrte Katharerinnen, die in den ersten Jahren nach der Regel der Zisterzienser lebten. Während Diego nach Osma zurückkehrte und dort Ende 1207 verstarb, blieb Dominikus in Südfrankreich und widmete sich von Prouille aus weiter seiner inneren Berufung, durch ein Wanderleben zu Fuß, statt herrschaftlich zu Pferde, in apostolischer Armut und durch rastlosen Einsatz als Prediger die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zu bekehren. Diesem Programm, welches das Betteln als Form des Lebensunterhalts einschloss und dadurch im Widerspruch zu den noch gültigen kirchlichen Vorschriften stand, erteilte am 17. November 1206 auch der Papst eine erste offizielle Genehmigung. Als es im Jahr 1208 zu dem vom Papst seit längerem vorbereiteten, militärischenKreuzzug gegen die Katharer kam (siehe:Albigenserkreuzzug), war Dominikus anscheinend nicht maßgeblich an der Organisation und Propaganda des Kreuzzuges beteiligt, sondern ihm fiel vor allem die Aufgabe zu, die Überlebenden in der militärisch unterworfenen Region nunmehr auch geistlich zu bekehren, wobei seine Missionstätigkeit unter anderem dadurch gefördert wurde, dass der militärische Anführer des Kreuzzuges,Simon IV. de Montfort, und die neuen katholischen Herren den Konvent von Prouille mit Schenkungen und Privilegien bedachten.
Im Jahr 1215 wurden Dominikus und sechs seiner Gefährten durchBischof Folquet vonToulouse in rechtsverbindlicher Form als Predigergemeinschaft approbiert. Grundlage des Ordens war von Anfang an dieAugustinusregel, weshalb die Dominikaner zu denaugustinischen Orden gezählt werden. Diesen Regeln fügte die Gemeinschaft Konstitutionen bei, die sich auf die Durchführung des Predigtauftrags bezogen. Die Brüder waren beauftragt, dieHäresie zu bekämpfen und den Glauben zu predigen, und erhielten dazu die Erlaubnis, als Wanderprediger ein Leben in religiöser Armut zu führen. Die dafür erforderlichen Mittel wurden ihnen durch Almosen der Diözese zugeteilt; was davon nicht gemäß der Zweckbestimmung verbraucht wurde, war am Ende des Jahres zurückzuerstatten. Diese neue Institution wurde noch im selben Jahr durch ein päpstliches Schreiben approbiert und 1215 dann durch den 10. Kanon desIV. Laterankonzils, dort allerdings ohne Festlegung des Prinzips apostolischer Armut, allen Bischöfen vorgeschrieben.
Zurückgekehrt nach Toulouse entsandte Dominikus am FestMariä Himmelfahrt des Jahres 1217 (15. August) seine Mitbrüder in die Welt – zunächst nachParis und nach Spanien – zur Gründung neuer Konvente, hierin dem biblischen VorbildChristi bei der Entsendung der Jünger folgend. Zum Jahreswechsel hielt er sich erneut inRom auf und erwirkte am 11. Februar 1218 eine päpstlicheEnzyklika, in der das Armutsprinzip der Prediger bekräftigt und die Amtsträger der Kirche zu deren Unterstützung aufgefordert wurden. Im selben Jahr folgten Gründungen der ersten italienischen Konvente, inBologna und durch Dominikus selber in Rom. Von Rom begab er sich über Toulouse nach Spanien, Nordfrankreich (Paris) und erneut nach Italien, um die Gründung und Organisation neuer Konvente persönlich zu unterstützen. Als besonders folgenreich erwiesen sich hiervon die frühen Gründungen in Paris und Bologna, die wesentlich dazu beitrugen, dass der Orden durch Lehrstühle an den entstehenden Universitäten und durch Einrichtung eigenerGeneralstudien bald eine führende Rolle in der mittelalterlichen Wissenschaft einnehmen konnte.
Im Jahr 1220, als bereits annähernd 60 Niederlassungen bestanden, hielt Dominikus zuPfingsten in Bologna die erste Generalversammlung des Ordens ab. DasGeneralkapitel ergänzte die erste Fassung (prima distinctio) der Satzungen von 1216 durch einesecunda distinctio und gab dem Orden seine in den Grundzügen bis heute gültige Organisationsform. Es besiegelte zugleich die Entwicklung von einemKanonikerorden zu einemBettelordensui generis durch die Verschärfung des Armutsprinzips, indem außer dem persönlichen auch der gemeinschaftliche Besitz und feste Einkünfte ausgeschlossen wurden. Nach neuerlichen Predigten in Oberitalien, woHonorius III. zum Vorgehen gegen die aus Südfrankreich zugelaufenenKatharer aufgerufen hatte, verstarb Dominikus am 6. August 1221 in Bologna.
Hochmittelalter und Spätmittelalter (13. bis 15. Jahrhundert)
Die von dem zweiten OrdensmeisterJordan von Sachsen alsConstitutiones zusammengestellten Satzungen und Regelwerke des Ordens wurden von dessen NachfolgerRaimund von Peñafort, einem der größtenKanonisten seiner Zeit, in eine systematische Ordnung gebracht und seither durch die Generalkapitel immer wieder geändert oder ergänzt. Seit der frühen Zeit herrschte allerdings ein gewisser Pragmatismus in der Anwendung der Vorschriften, indem in EinzelfällenDispensationen möglich waren und tatsächlich auch häufig erteilt wurden, um Hindernisse bei der Ausübung des Studiums oder der Predigt auszuräumen. Seit dem Generalkapitel von 1236 wurden Verstöße gegen die Constitutiones außerdem nicht mehr alsSünde, sondern als durchBuße abzugeltendesVergehen bewertet.
Das strenge Armutsprinzip wurde im Lauf des 14. Jahrhunderts vielfach dadurch gelockert, dass einzelne OrdensmitgliederBenefizien annahmen und dadurch dievita privata als Usus einführten. Durch dasgroße abendländische Schisma wurde der Orden zeitweise in drei „Observanzen“ zerrissen.Raimund von Capua als Generalmeister der römisch-urbanianischen Observanz initiierte 1390 eine Reformbewegung, die dievita privata zurückdrängen und dievita apostolica erneuern sollte. Dies führte zur Gründung von Reformkonventen, die sich ihrerseits zu Reformkongregationen und Reformprovinzen zusammenschlossen. Als bindende Vorschrift wurde das ursprüngliche Armutsprinzipde jure aufgehoben, alsMartin V. im Jahr 1425 zunächst einzelnen Konventen undSixtus IV. 1475 dem gesamten Orden Besitz und feste Einkünfte erlaubte.
Wie andereBettelorden entwickelten die Dominikaner im späten Mittelalter durch ihren missionarischen Eifer eine judenfeindliche Haltung. Die am meisten verbreitete antijüdische Schrift des Mittelalters stammte von einem Dominikaner, dem Spanier Alfonso de Buenhombre. Sein fingierterBrief des Rabbis Samuel, der sich als Werk eines bekehrten Juden ausgab, behandelte die Zerstreuung der Juden unter den Völkern und ihre Ursache. Der 1339 in lateinischer Sprache abgefasste Brief wurde in beinahe alle Sprachen des Abendlandes übersetzt und hat sich in mehr als dreihundert Handschriften erhalten.[3]
Der Dominikanerorden stellte seit dem Beginn derInquisition zu Beginn des 13. Jahrhunderts im päpstlichen AuftragInquisitoren zur Aufspürung und Verfolgung vonHäretikern. Aufgrund der Erfahrungen, die der Orden bereits früh in Auseinandersetzung mit Häretikern gesammelt hatte, sowie seiner intellektuellen Ausrichtung bot er dafür besonders gute Voraussetzungen. Bereits 1231–33 erteilte PapstGregor IX. in seinem mehrfach ausgestellten SendschreibenIlle humani generis mehreren Dominikanerkonventen den Auftrag zur Verfolgung von Häresien. Besonders aktiv wurden die Dominikaner, die man deshalb mit einem Wortspiel auch alsdomini canes (Hunde des Herrn) bezeichnete,[4] daraufhin in Südfrankreich bei der inquisitorischen Bekämpfung derKatharer. Neben Inquisitoren aus den Reihen anderer Orden, etwa derFranziskaner, wirkten Dominikaner als Inquisitoren während des gesamten Mittelalters und Renaissance vor allem in Frankreich, Italien und imHeiligen Römischen Reich. Bedeutende Dominikanerinquisitoren waren u. a.Bernard Gui († 1331),Walter Kerlinger († 1373),Tomás de Torquemada († 1498), der ersteGeneralinquisitor derSpanischen Inquisition, oderJakob van Hoogstraten († 1527). Umgekehrt fielen auch Mitglieder des Dominikanerordens der Inquisition zum Opfer, wieGiordano Bruno.
Im Jahr 2000 nahm das Provinzkapitel der Dominikanerprovinz Teutonia zur historischen Beteiligung der Dominikaner an der Inquisition und Hexenverfolgung kritisch Stellung (siehe hier).
In der ostwestfälischenHansestadt Warburg (Nordrhein-Westfalen) kann das Kuriosum von gleich zwei ehemaligen Dominikanerklöstern und -kirchengebäuden im Stadtgebiet besichtigt werden, die nicht mehr im Besitz des Ordens sind. Es handelt sich hierbei um die erste DominikanerkircheSt. Maria in vinea (Klosterkirche von 1281 bis 1803) mit ihrem seit 1826 alsGymnasium Marianum genutzten Klostergebäude sowie um die zweite Dominikanerkirche mit -klosterSt. Mariä Himmelfahrt (Klosterkirche von 1903 bis 1993). Im letztgenanntenKonvent befand sich bis zur Auflösung das Noviziat als Ausbildungsstätte der Ordensprovinz „Teutonia“.
In den 1950er- und 1960er-Jahren erlebte der Orden im deutschsprachigen Raum „eine erneute Blüte“.[5] Neue Konvente wurden gegründet bzw. wiederbegründet: inBraunschweig (1952), in Münster (1961), in Hamburg (1962) und in Bremen (1968).
Was den Orden der Predigerbrüder von seiner Gründung her auszeichnet, ist seine demokratische Verfassung. Alle Brüder tragen gemeinsam die Verantwortung für die Verwirklichung der Ziele der Ordensgemeinschaft. Es gibt ein Mitspracherecht auf allen Ebenen. Alle Oberen werden auf Zeit gewählt. Wichtige Entscheidungen werden von der Gemeinschaft der Brüder oder ihrer jeweiligen Delegierten imKonvents-, Provinz- oder Generalkapitel getroffen. Der Generalobere der Dominikaner wirdOrdensmeister (Magister Ordinis) genannt. Der derzeitige Ordensmeister (seit Juli 2019) istGerard Francisco Timoner.
Der kleinste Baustein des Ordens ist ein Kloster, der sogenannteKonvent, der traditionell aus mindestens sechs Mitgliedern besteht. Ist die Zahl der Mitglieder geringer, handelt es sich um ein „Domus“ (Haus). Hier leben die Brüder in Gemeinschaft zusammen, halten gemeinsam dasChorgebet und erfüllen ihre Aufgaben im Studium, in der Predigt innerhalb und außerhalb des Konvents und zum Teil auch in Übernahme von Aufgaben der pfarrlichen oder kategorialenSeelsorge (Krankenhaus, Gefängnis, Beratungsdienste etc.). Der Obere eines Konventes wirdPrior genannt, und auf drei Jahre gewählt. Er wird vom nächsthöheren Oberen, demProvinzial, bestätigt. Der Obere eines Domus wird als Superior bezeichnet. Er wird vom Provinzial nach Anhörung der Gemeinschaft für drei Jahre ernannt. Die Konvente und Häuser sind zu Provinzen zusammengeschlossen, heute insgesamt 42, denen jeweils ein Provinzial vorsteht. Er wird für vier Jahre auf dem alle vier Jahre tagendenProvinzkapitel gewählt, das sich aus den gewählten Prioren und zusätzlich gewählten Delegierten zusammensetzt. Der Provinzial wird vomOrdensmeister, dem höchsten Oberen des Ordens bestätigt. Der Ordensmeister wiederum wird vomGeneralkapitel, der obersten gesetzgebenden Versammlung, auf neun Jahre gewählt. Wähler sind hier jeweils die gewählten Provinziale sowie von den Provinzen gewählte Delegierte.
Die Spiritualität des Ordens wird vom Ziel her bestimmt: „den Namen des Herrn Jesus Christus aller Welt zu verkündigen“ (PapstHonorius III.). Die Predigt fließt aus der Fülle der Beschauung, so dassThomas von Aquin formulieren konnte: „contemplari et contemplata aliis tradere“ („sich der Kontemplation widmen und die Frucht der Kontemplation weitergeben“). Die spezifische Lebensform der Dominikaner, für die das Gemeinschaftsleben, das feierliche, gemeinsame Chorgebet und das ständige Studium charakteristisch sind, führt zur Verkündigung in Wort und anderen apostolischen Aktivitäten.
In der heutigen Zeit sind für die Dominikaner vor allem folgende Prioritäten für ihr Tun leitend:
DieKatechese in nichtchristlichen Kulturen, geistigen Systemen, sozialen Bewegungen und religiösen Traditionen.
Die Gerechtigkeit in der Welt: kritische Analyse der Ursprünge, Formen und Strukturen von Gerechtigkeit in unserer Welt und Einsatz für die Befreiung des Menschen.
Die Inanspruchnahme sozialer Kommunikationsmittel für die Verkündigung des Wortes Gottes.
Das Dominikanerkloster in Mainz (Neubau in der Bildmitte)
Heute gibt es weltweit ca. 6.000 Brüder, ferner 3.000Nonnen und über 30.000 tätige Schwestern inKongregationen desdritten Ordens (sieheDominikanerinnen).[6] DieDominikanischen Laiengemeinschaften beiderlei Geschlechts führen ein spirituelles Leben im Geiste der dominikanischen Tradition, leben aber in der Welt, gehen einem Beruf nach und können auch verheiratet sein.
Bis Anfang 2024 bestanden in Deutschland und Österreich zwei Ordensprovinzen:
Zur ProvinzTeutonia (gegründet 1221) gehörten 9 Konvente: Köln (Provinzialat), Düsseldorf, Vechta,Hamburg, Berlin,Braunschweig,Leipzig, Worms,Mainz (Studienhaus). DasNoviziat befand sich seit 1993 in Worms, wo die Dominikaner schon zehn Jahre nach der Ordensgründung im Jahr 1216 ansässig wurden.[7] Darüber hinaus gibt es eine kleinere Niederlassung (Domus) im Wallfahrtsort Klausen bei Trier sowie in Berlin (Institut M.-Dominique Chenu). Zur Provinz Teutonia gehörte bis 2013 ein Vikariat in Bolivien mit 6 Niederlassungen (Santa Cruz de la Sierra, Cochabamba, Pampagrande, Comarapa, Samaipata, Mairana, Potosi). Das Vikariat wurde 2013 als Vizeprovinz von Bolivien selbstständig. Seit 2020 ist Ungarn Provinzvikariat der Teutonia mit Häusern in Sopron, Debreczen und Sentendre.
Die Süddeutsch-Österreichische Provinz umfasste vier Konvente: einen Konvent in Baden-Württemberg (Freiburg), zwei in Bayern (Augsburg, München) und einen in Österreich (Wien).[8]
Am 28. Januar 2024, dem Fest des heiligenThomas von Aquin, wurden die ProvinzenTeutonia (Deutschland ohne Bayern und Baden-Württemberg, Ungarn) und die Süddeutsch-österreichische Provinz vom hl. Albert fusioniert.[9] Die neue Provinz heißt „Dominikanerprovinz des hl. Albert in Deutschland und Österreich“.Provinzial ist Pater Peter Kreutzwald, der vormalige Provinzial der ProvinzTeutonia.[10] Zur Provinz gehören 17 Konvente, davon 14 in Deutschland, einer in Österreich und zwei in Ungarn.[11] Das Noviziat wurde nach Vechta verlegt.
AlsWappen des Dominikanerordens sind zwei unterschiedliche Motive zu finden, dasLilienkreuz und dasMantelwappen.[12]
Das gegenwärtige Wappen der Dominikaner zeigt im von schwarz und silber achtfachgeständerten Schild ein schwarz und silber geständertesLilienkreuz. Das Lilienkreuz tritt seit dem 15. Jahrhundert auf und ist damit älter als das schwarz-silberneekklesische Mantelwappen. Es ist ein ursprünglich derInquisition zugeordnetes Emblem und findet erst seit dem 17. Jahrhundert allgemeine Verbreitung als Symbol für den Predigerorden.
Das Mantelwappen (heraldisch:Mantelzug) ist einesilberne Spitze auf schwarzem Feld. Es erscheint erstmals 1494 in einem venezianischenProcessionarium, wird dann in Europa zum üblichen Zeichen für die Dominikaner und trug ihnen in England die Bezeichnung als Blackfriars, schwarze Brüder, ein. Gedeutet wird es als „über dem weißen Gewand der Freude der schwarze Mantel der Buße als Zeichen der Demut und Bereitschaft zur Umkehr“.
Das eigentlich ältere Lilienkreuz verdrängte das Mantelwappen erst an der Wende zum 20. Jahrhundert, beim Generalkapitel in Bologna 1961 wurde das Mantelwappen wieder zum verbindlichen Abzeichen des Dominikanerordens erklärt, was aber bereits das Generalkapitel von 1965 in Bogotá wieder aufhob. Seitdem ist die Verwendung beider Wappenbilder freigestellt.
William A. Hinnebusch OP:Kleine Geschichte des Dominikanerordens (=Dominikanische Quellen und Zeugnisse, Bd. 4). Aus dem Amerikanischen von Christophe Holzer und Winfried Locher OP und Winfried Locher. St. Benno Verlag, Leipzig 2004,ISBN 3-7462-1688-5.
Wolfram Hoyer (Hrsg.):Jordan von Sachsen. Von den Anfängen des Predigerordens (=Dominikanische Quellen und Zeugnisse, Bd. 3). St. Benno Verlag, Leipzig 2002,ISBN 3-7462-1574-9.
Achim Todenhöfer:Apostolisches Ideal im sozialen Kontext. Zur Genese der europäischen Bettelordensarchitektur im 13. Jahrhundert. In:Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, Bd. 34 (2007), S. 43–75.
Ingo Ulpts:Die Bettelorden in Mecklenburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Augustiner-Eremiten im Mittelalter (=Saxonia Franciscana, Bd. 6). Coelde, Werl 1995,ISBN 3-87163-216-3.
Johannes Schütz:Hüter der Wirklichkeit. Der Dominikanerorden in der mittelalterlichen Gesellschaft Skandinaviens, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014.
Yvonne Arras:Die Dominikanerinnen und Dominikaner der Region Neckar-Alb in der Augsburger Chronik von Karl Welz OP († 1809) und Emerich Rueff OP († 1814). In:Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Zeitschrift für Hohenzollerische Landesgeschichte. 51./52. Band. Sigmaringen 2015/2016. (Mit einer Edition von Teil I der Handschrift 2002/90 Bistumsarchiv Augsburg).
Ulrich Engel (Hrsg.):Dominikanische Spiritualität (=Dominikanische Quellen und Zeugnisse, Bd. 1). St. Benno Verlag, Leipzig 2000,ISBN 3-7462-1358-4.
Timothy Radcliffe:Gemeinschaft im Dialog. Ermutigung zum Ordensleben (=Dominikanische Quellen und Zeugnisse, Bd. 2). St. Benno Verlag, Leipzig 2001,ISBN 3-7462-1450-5.
Thomas Eggensperger,Ulrich Engel:Dominikanerinnen und Dominikaner: Geschichte und Spiritualität. Topos-Tb, Kevelaer 2010,ISBN 978-3-8367-0709-1.
↑Dominikus. In: Robert-Henri Bautier:Lexikon des Mittelalters. Bd. 4, München 2002.
↑Martin H. Jung:Christen und Juden. Die Geschichte ihrer Beziehungen. Darmstadt 2008, S. 109–110.
↑Vgl. Pierre Mandonnet:Note de symbolique médiévale: Domini canes. In: Ders. u. a.:Saint Dominique. Paris 1938, Bd. 2, S. 69–81;Meinolf Schumacher:Ärzte mit der Zunge. Leckende Hunde in der europäischen Literatur. Bielefeld 2003.
↑Elias H. Füllenbach:Zur Geschichte des Ordens im 19. und 20. Jahrhundert. In: Ders. (Hrsg.):Mehr als Schwarz und Weiß. 800 Jahre Dominikanerorden. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2016, S. 147–165, Zitat S. 164.
↑Angelus Walz:Das Wappen des Predigerordens. In:Römische Quartalsschrift für christliche Altertumskunde und für Kirchengeschichte XLVII (1939), S. 111–147