Djerba ([dʒ-],arabisch جربة Dschirba,DMGǦirba,tunesisch-arabisch [ʒɪrbæ]) ist eine flache Insel an der OstküsteTunesiens im Golf vonGabès. Mit 514 km² ist sie die größte InselNordafrikas. Hauptort istHoumt Souk. Unter den knapp 164.000 Inselbewohnern zum Zensus 2014, meist arabisierteBerber, befindet sich seit vielen Jahrhunderten einejüdischeGemeinde. Mit dem Festland ist die Insel durch denRömerdamm verbunden.
Laut einer Legende ist Djerba die Insel derLotophagen, auf dieOdysseus auf seiner Irrfahrt durch das Mittelmeer gelangte.
Die Insel, die bis zum dritten Jahrhundert v. Chr.Meninx genannt worden ist, war Standort dreier wichtiger Städte. Eine von ihnen, deren heutiger NameBūrgū ist, liegt in der Nähe vonMidoun im Zentrum der Insel. Eine andere Stadt an der südöstlichen Küste in der Gegend der heutigen archäologischen Ausgrabungsstätte Meninx war lautPlinius dem Älteren zweitwichtigster Ort fürPurpurherstellung neben dem phönizischenTyros im heutigenLibanon. Eine dritte wichtige Stadt war das altertümlicheHaribus. Inrömischen undbyzantinischen Zeiten war die Insel dicht bevölkert und importierte wahrscheinlich den Großteil der Getreide, die vom Volk konsumiert wurden. Die Insel erscheint auch auf derPeutingerschen Tafel aus dem 4. Jahrhundert.
Im Mittelalter war Djerba von denIbaditen besetzt, die die Insel für sich beanspruchten. Die christlichen Gemeinschaften vonSizilien undAragón fochten diese Beanspruchung an. Überreste aus dieser Zeit sind in mehreren kleinen Moscheen aus dem zwölften Jahrhundert zu finden, sowie in zwei umfangreichen Festungsanlagen.
Die Insel stand zweimal unter der Herrschaft dessizilianischen Königreiches, von 1135 bis 1158 und von 1284 bis 1333. In der zweiten Herrschaftsperiode war die Insel ein feudales Herrschaftsgebiet, mit den folgenden Herren von Djerba: 1284–1305 Roger І, 1305–1307 und 1307–1310 Roger ІІ, 1310 Charles, 1310 Francis-Roger ІІІ; ebenfalls gab es zwei königliche Herrscher, deren Herrschaftszeiten sich mit denen der Herren von Djerba teilweise überschneiden: 1305–1308 Simon de Montelieu, 1308–1315Ramon Muntaner.
1503 übernahmen die korsarischen BrüderArudsch (Oruç) undKhair ad-Din Barbarossa die Insel und verwandelten sie in ihre Hauptbasis im Mittelmeer, sodass Djerba fortan unterosmanischer Kontrolle stand. Spanien erlebte eine desaströse Niederlage bei dem Versuch einer Eroberung im November 1510. Im Jahre 1513 endete das dreijährige Exil derFregoso-Familie und sie kehrten von Rom nach Genua zurück.Ottaviano wurde zum Dogen gewählt und sein Bruder, Erzbischof und späterer KardinalFederigo Fregoso wurde als Armeeführer eingesetzt, um dieRepublik Genua gegen innere Gefährdungen zu verteidigen (Revolten der Adorni undFieschi), sowie auch äußere Gefahren, vor allem gegen die Unterdrückung durchBarbaresken-Korsaren. Cortogoli, ein Korsar aus Tunis, blockierte die Küste mit einer Flottille und hatte innerhalb weniger Tage achtzehn Kaufleute gefangen genommen. Federigo überraschte Cortogoli mit der genuesischen Flotte vorBizerta, in der auchAndrea Doria diente. Kurz darauf besetzte er die Insel und kehrte mit großer Beute nach Genua zurück.
Spanische Flotten kehrten 1520 nach Djerba zurück und konnten dieses Mal erfolgreich die Insel besetzen. Sie war zweimal von Spanien besetzt, und zwar von 1521 bis 1524 und von 1551 bis 1560.
Am 11. April 2002 wurde einAnschlag auf Touristen verübt, die dieEl-Ghriba-Synagoge besuchten. Dabei fuhr ein Lastwagen, der mit 5000 Litern Flüssiggas beladen war, gegen die Synagoge und explodierte. Infolge des Anschlags starben 19 Touristen[2] (14 davon aus Deutschland); weitere ca. 30 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.
Seit 2018 erfolgt die externe Trinkwasserversorgung der Insel durch eine örtlicheMeerwasserentsalzungsanlage, der seinerzeit ersten ihrer Art in Tunesien. Damit wird die Versorgung der touristischen Anlagen bei Schonung der natürlichen Ressourcen sichergestellt.[3] Weitere, zur Versorgung der Insel und des Festlandes im Süden von Tunesien, sind geplant.[4]
Strand eines Clubhotels bei NachtStrand auf Djerba
Djerba ist ein populäres Reiseziel. Besonders an der Ostküste sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Touristenanlagen entstanden, vor allem für preisbewusste Pauschaltouristen, welche u. a. die Wassersportmöglichkeiten schätzen. Vor allem der nordöstliche Küstenstreifen hat lange Sandstrände. Besonders beliebt sind die „Piratenfahrten“ mit altertümlich aussehenden Booten auf die sechs Kilometer lange Flamingo-Halbinsel.
Die Fähren zwischen der Insel (Ajim) und dem Festland (Jorf) fahren die 2,5 Kilometer Seestrecke in der Hochsaison regelmäßig. Acht Kilometer westlich vonHoumt Souk liegt der internationaleFlughafen Djerba.
Der Römerweg beiAl-Kantara ist eines der Relikterömischer Bauwerke auf dem Eiland.
Eine der ältesten und bekanntestenSynagogen der Welt, dieel-Ghriba-Synagoge, befindet sich einige Kilometer südwestlich von Houmt Souk. DieHara-Seghira-Synagoge wurde in den 1930er Jahren errichtet.
Etwa drei Kilometer hinter Sedouikech, zwischen dem Kilometer 32 und 33 auf dem Weg nach El Kantara, befindet sich auf der rechten SeiteeineUnterirdische Moschee. Die in einem Olivenhain gelegene Anlage ist etwas schwierig zu finden, da sie nicht ausgeschildert ist. Sie ist frei zugänglich.
Nach Süden hin ist die Insel mit einem befahrbaren, 6,5 Kilometer langem und gut zehn Meter breiten Damm mit dem Festland verbunden. Der Damm geht auf die römische Zeit, eventuell sogar schon auf die punische Zeit zurück. Später wurde der Damm vom Meer überflutet. Während der AuseinandersetzungenDraguts mit denSpaniern wurde er um 1551 aus Sicherheitsgründen durchbrochen. Nach demZweiten Weltkrieg wurde er wiederhergestellt. Er ist etwa in der Mitte durchbrochen, um den Wasseraustausch mit derLagune sicherzustellen. Über den Damm erfolgte früher auch die hauptsächliche Trinkwasserversorgung der Insel über eine parallel zur Straße verlaufendePipeline, mit der Wasser aus der Gegend vonMedenine auf die Insel transportiert wurde.[5]
Eingang zur Festung Bordj-el-Kebir in Houmt SoukDattelpalmen vor der Ernte auf Djerba
Houmt Souk hat etwa 65.000 Einwohner und ist der Hauptort von Djerba. Der Ort hat eine lange Handelstradition. Hiervon zeugen mehrere alte Karawansereien. Schon dieRömer gründeten hier einen Ort namens Griba. In Houmt Souk befinden sich viele touristische Einkaufsmöglichkeiten, die Verwaltung der Insel und ein kleiner Fischereihafen. Sehenswert ist dieFestungBordj-el-Kebir (eine Piratenfestung) und das Volkskundemuseum.
Die malerische Ruine einer 1289 durch den spanischen ErobererRoger de Loria erbautenFestung, die auf einer Landzunge etwa zehn Kilometer von El Kantara entfernt liegt. Im 15. Jahrhundert wurde die Festung erweitert. Heute ist der Ort nur mit geländegängigen Fahrzeugen bei Ebbe zu erreichen.
Meninx ist eine archäologische Stätte an der südöstlichen Küste in der Nähe des Römerdammes. Es handelt sich um eine antike Stadt, die von den Phöniziern gegründet wurde. Die Ausdehnung beträgt etwa zwei Kilometer mal 0,8 Kilometer – evtl. liegt auch ein Teil unter dem Meeresspiegel. Genauere Daten hierzu fehlen, da gründliche Ausgrabungen noch nicht stattgefunden haben. In römischer Zeit war es die Hauptstadt der Insel und besaßThermen, einAmphitheater, Theater,Basilika und eventuell auch einForum.
Midoun ist die zentrale Stadt auf Djerba. Jeden Freitag findet ein Markt statt, und es gibt viele alte Basarläden sowie moderne Warenhäuser, in denen das Handeln entfällt.
Die Inselvegetation ist geprägt vonPalm-,Granatapfel- undOlivenbäumen sowie Feigenkakteen mit ihren stacheligen Früchten. Mit Hilfe künstlicher Bewässerung erfolgt intensiver Gartenbau. DasKlima ist mild und sonnig. Bei mehr als 3000 Sonnenstunden jährlich und 200 mm Jahresniederschlag liegt die mittlere Temperatur im Winter bei 13,6 °C, im Sommer bei 26 °C.[6] Von daher eignen sich die Strände hervorragend für Badeurlaube.
↑Christoph Albrecht-Heider: Trinkwasser aus dem Mittelmeer. In: kfw.de. Kreditanstalt für Wiederaufbau, Frankfurt am Main, 16. März 2020, abgerufen am 27. November 2023.
↑Der Römerdamm. In: djerba-reiseinfo.de. Travianet GmbH, Deggendorf, abgerufen am 27. November 2023.
↑Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. Band 5, 1988.