Dhaka ([ˈdaka],bengalischঢাকাḌhākā [ˈɖʱaka]; bis 1983 anglisiertDacca und davon abgeleitetDakka) ist dieHauptstadtBangladeschs und mit 10,3 Mio. Einwohnern in der eigentlichen Stadt (Stand: 2022)[1] und 36,6 Mio. in derAgglomeration (Stand: 2025) die größte Stadt des Landes, vorChittagong undKhulna. Sie ist auch die Hauptstadt der gleichnamigenDivision (Verwaltungseinheit). Dhaka hat im Schnitt mindestens 34.000 Einwohner pro Quadratkilometer und gilt damit als die am dichtesten bevölkerte Stadt der Welt.[2][3]
Dhaka liegt an einem Seitenarm des FlussesDhaleshwari im Herzen der größtenJute-Anbauregion der Welt. Das umliegende Gebiet wird von starkenMonsun-Überschwemmungen heimgesucht. Der Stadtteil Hāzāribāgh wurde 2013 aufgrund der Abwässer von rund 250 Gerbereien von der UmweltorganisationBlacksmith Institute zu einem der am stärksten verseuchten Orte der Welt gewählt.[4]
Dhaka liegt am FlussBuriganga. Die Stadt liegt nur etwa sechs Meter über dem Meeresspiegel. Es herrschtSubtropisches Klima; während des Monsuns von Mai bis September können die stürmischen Regenschauer zum Zusammenbruch der Kanalisation führen und Überschwemmungen großen Ausmaßes verursachen. So standen im Sommer 2004 nach gewaltigen Monsunregenfällen 40 Prozent Dhakas unter Wasser.
Das Pferderennen „Derby“ fand im Jahr 1890 in Dhaka statt.Lord Curzon (links stehend) mit frühen Automobilen im Stadtviertel Shahbag im Jahr 1904
Dhakas Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1000, aber berühmt wurde es als HauptstadtBengalens. Die Stadt fiel 1765 unterbritische Herrschaft und war zur Zeit der Selbstständigkeit Bengalens zeitweise Regierungssitz. Die Bevölkerungszahl Dhakas fiel von etwa 150.000 im Jahr 1757 auf 30–40.000 im Jahr 1840. Hatten die Exporte über den Ort 1787 noch 3 Mio. Rupien betragen, waren sie bis 1817 praktisch null.[5] Zur gleichen Zeit stieg die Bedeutung des relativ nahe gelegenenKolkata. Die Ursache dafür lag in der De-Industrialisierung Bengalens (und später ganz Indiens[6]) aufgrund der britischen Handelspolitik, die im Mutterland maschinell hergestellte Waren durch die Abschaffung von Zöllen massiv begünstigte. Dadurch wurde vielen indischen Handwerkern die Lebensgrundlage entzogen. Die mittellos gewordenen Arbeiter kehrten aufs Land zurück.
Am 6. August 1874 wurde der Grundstein zu einem großen Wasserwerk gelegt. Europäer hatten Jutereinigungsmaschinen errichtet und man erhoffte sich von dem seit 1874 wachsenden Interesse der einheimischen Bevölkerung für mechanische Spinnereien und Webereien eine Wiederbelebung der stark zurückgegangenen Weberei, welcher bisher die englischenKalikos erfolgreiche Konkurrenz machten. Bei der bequemen, durch Dampfer vermittelten Wasserverbindung mit dem Meer vermutete man für den Bezirk eine gute Zukunft; die Eisenbahn endet seit dem 1. Januar 1871 an seiner Westgrenze, beiGoalundo amGanges.
Die Stadt hatte im Jahr 1881 79.076 Einwohner. Die Bevölkerung setzte sich zu dieser Zeit zu fast gleichen Teilen ausHindus undMuslimen zusammen. Sie war damals auch ein bedeutender Handelsplatz für Reis aus dem Delta,Indigo und Hölzer ausTippera und Tee ausAssam sowie, unter der englischen Verwaltung, Sitz vieler Behörden und Schulen. Eine Besonderheit war das hier angelegte Elefantendepot.
Im Jahr 1905 erfolgte die administrativeAufteilung Bengalens. Dhaka wurde zum Verwaltungssitz der neu gebildeten ProvinzOstbengalen und Assam erhoben. Aufgrund von Protesten musste dies jedoch 1912 teilweise wieder rückgängig gemacht werden und die Stadt verlor ihren Status als Provinzhauptstadt wieder an Kolkata.
Nach derTeilung Indiens undBengalens im Jahr 1947 wurde Dhaka zur Hauptstadt desPakistan zugehörigen Ostbengalens. 1970 wurde die Stadt von dem schwerenBhola-Zyklon getroffen, der kurz darauf zum Auslöser desBangladesch-Krieges zwischen Ost- und Westpakistan wurde. Als Folge der aus dem Krieg resultierenden Unabhängigkeit vonBangladesch wurde die Stadt zur Hauptstadt des neuen Staates. Am 5. Oktober 1982 wurde die Änderung der Schreibweise vonDacca inDhaka bekanntgegeben und am 19. Januar 1983 rechtskräftig.[7][8]
Die Einkaufsstraße Kawran Bazar, eine der meistbesuchten Einkaufsmeilen in Dhaka.Sadarghat, einer der Haupthäfen.
Dhaka ist nach einer UN-Definition von 2025 die zweitgrößte urbane Agglomeration weltweit. Für 2025 wird die Einwohnerzahl auf 36,6 Millionen Einwohner geschätzt.
Seit den 1960er Jahren erlebt die Stadt, vor allem durch Zuzug vom Land, ein ungebremstes Wachstum. 30 bis 40 Prozent der Einwohner leben in Elendsvierteln. Mit rund 400 Euro liegt in der Hauptstadt das jährliche Durchschnittseinkommen pro Kopf über dem im Rest des Landes. In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte Dhaka im Jahre 2018 den 216. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit.[9]
Folgen des schnellen Wachstums: Die Infrastruktur kann mit dem schnellen Wachstum der Stadt nicht mithalten. Die Stadt ist von Verkehr total überlastet. Die Luftverschmutzung ist enorm. Es kommt immer wieder zu Ausfällen der Strom- und Wasserversorgung, da städtische Gesamtpläne (von 1959 und 1997) nur halbherzig umgesetzt wurden. Im Sommer führt derMonsun immer wieder zu großen Überschwemmungen, das städtische Leben kommt zum Erliegen.
Für 2050 wird mit einer Bevölkerung von über 50 Millionen Menschen gerechnet. Dhaka wird damit nach der Studie der UN auf Platz eins weltweit liegen.[10]
Dhaka ist das industrielle, wirtschaftliche und administrative Zentrum von Bangladesch und ein Handelszentrum fürJute,Ölsaaten,Zucker undTee. Die wichtigsten Erzeugnisse sindTextilien und Jute-Produkte. Vor allem Textilien gehören zu den Exporten (75 %), aber auch Leder. Aus dem landwirtschaftlichen Bereich kommen noch (Roh)Jute, Tee und Tabak dazu. Außerdem werden oftmals Garnelen und auch Fisch in andere Länder exportiert. Der Exportwert betrug 2000/2001 6.500 Millionen $ (Steigerung von 12,4 %). Die Hauptexportpartner sind die USA (32 %), Deutschland (11 %), Großbritannien (8 %) und Frankreich (5 %).
Der Straßenverkehr in Dhaka gilt vor allem im Zentrum als chaotisch und ist durch häufige Staus geprägt.[11] Die Orientierung ist dadurch erschwert, dass Hauptstraßen nach den Gebieten benannt sind, durch die sie führen, und nicht ihre offiziellen Namen tragen. Seitenstraßen und Gassen haben häufig dieselben Namen wie die Hauptstraßen in der Nähe.Rikschafahrer gehören nach wie vor zum Straßenbild.
Dhaka besitzt seit dem 28. Dezember 2022 ein oberirdisches U-Bahn-Netz namensDhaka Metro Rail. Es wird von Japan kofinanziert und soll im Endausbau aus fünf Linien bestehen. Die Eröffnung der ersten 12 Kilometer langen Linie erfolgte am 28. Dezember 2022.[12]
Auch wenn die Situation in Dhaka besser ist als im Rest des Landes, sind auch dort viele der Gebäude marode. Regelmäßig kommt es zu Gebäudeeinstürzen oder -bränden.
Einige der todesreichsten menschengemachten Unglücke seit der Unabhängigkeit Bangladeschs passierten im Stadtgebiet Dhakas bzw. in der Metropolregion:
das schwerste Schiffsunglück: 1986 sank die überfüllte FähreMV Shamia im FlussMeghna nahe Dhaka, wobei etwa 500–600 Menschen ums Leben kamen.
die beiden schwersten Flugzeugabstürze: 1984 stürzte ein Passagierflugzeug bei der Landung auf demFlughafen Dhaka ab, wobei alle 49 Insassen starben. 2025 stürzte ein Militärjet des chinesischen TypsChengdu F-7 bei einem Übungsflug kurz nach dem Start in Dhaka auf eine Schule, wobei mindestens 32 Menschen getötet und 165 verletzt wurden, größtenteils Schulkinder.
Ein schwerer Busunfall auf der Ausfallstraße zum Flughafen führte 2018 zulandesweiten Protesten für bessere Verkehrskontrollen und bessere Verkehrsregeln.
Die Bevölkerung Dhakas ist relativ homogen. Der Großteil gehört demIslam an, die meisten von ihnen sindSunniten. Es gibt einehinduistische Minderheit von knapp 10 Prozent und eine geringe Anzahl vonBuddhisten undChristen.
Jatiya Sangsad Bhaban: Haus der Nationalversammlung, entworfen von dem US-amerikanischen ArchitektenLouis Kahn, gilt als eines der größten Parlamentsgebäude der Welt
Bangabhaban, die Residenz des Präsidenten, ein Gebäude aus der britischen Kolonialzeit
Ahsan Manzil: „Rosa Palast“, einst Residenz, heute Museum
Bait ul-Mokarram: Bangladeschs Nationalmoschee im Zentrum von Dhaka
Nizamuddin Ahmed, Nayma Khan:Evolution of House Form in Dhaka City. Department of Architecture, Dhaka; Global Built Environmental Review, Vol. 3, No. 3, 2004, S. 38–48
↑ähnliche Zahlen sind für Agra, Surat und Murshidabad belegbar. Krishna Mukherjee, „The Rise and Fall of the East India Company;“ Berlin 1957 (VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften)
↑Indiens relativer Anteil am BSP der Welt: 1700: 22,6 %, 1820: 15,7 %, 1890: 11 %, 1952: 3,8 %. An Fertiggütern: 1750: 24,5 %, 1800: 19,7 %, 1860: 8,6 %, 1900: 1,7 %. Davis, Mike;Late Victorian Holocausts; London 2001;ISBN 1-85984-739-0; zit. in Tab. 9.2, 9.4
↑Salahuddin Ahmed:Bangladesh: Past and Present. APH Publishing Corporation (1. Dezember 2004) ISBD: 8176484695.17
↑Dacca becomes Dhaka. Wilmington Morning Star, 20. Januar 1983, abgerufen am 19. März 2016 (englisch, Google Digitalisat).