Zeughaus, Sitz des DHM | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Berlin-Mitte, Deutschland |
| Art | |
| Architekt | Andreas Schlüter(Zeughaus), Ieoh Ming Pei(Ausstellungsbau) |
| Gründungsdatum | 1987 |
| Besucheranzahl (jährlich) | etwa 800.000 |
| Leitung | |
| Website | |
| ISIL | DE-MUS-319517 |
DasDeutsche Historische Museum (kurz:DHM) ist einMuseum fürdeutsche Geschichte imBerliner OrtsteilMitte. Das Zeughaus ist derzeit zwecks Sanierung geschlossen; derPei-Bau ist regulär geöffnet. Dasbarocke Zeughaus steht am BoulevardUnter den Linden und der moderne Pei-Bau an der StraßeHinter dem Gießhaus. Das DHM versteht sich als Ort „zur Stärkung historischer Urteilskraft, an dem übergreifende philosophische, ethische und historische Fragen verhandelt werden“ und ist eines der meistbesuchten Museen der Stadt.



Gegründet wurde das Museum anlässlich der750-Jahr-Feier Berlins am 28. Oktober 1987 imReichstagsgebäude im damaligenWest-Berlin.[1] Nach dem großen Erfolg der Preußen-Ausstellung „Preußen – Versuch einer Bilanz“, die 1981 imMartin-Gropius-Bau gezeigt worden war, beauftragte der damaligeRegierende Bürgermeister von West-Berlin,Richard von Weizsäcker, vier prominente Historiker –Hartmut Boockmann,Eberhard Jäckel,Hagen Schulze undMichael Stürmer – mit der Erarbeitung einer Denkschrift, die im Januar 1982 unter dem TitelDeutsches Historisches Museum in Berlin vorlag. Das Vorhaben wurde intensiv von BundeskanzlerHelmut Kohl unterstützt, der die Gründung eines Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin in seiner Rede zur Lage der Nation, die er vor dem Deutschen Bundestag am 27. Februar 1985 hielt, als „eine nationale Aufgabe von europäischem Rang“ bezeichnete.[2] Eine aus 16 führenden Historikern, Kunsthistorikern und Museumsdirektoren bestehende Sachverständigenkommission erarbeitete 1985/1986 die Konzeption für das Museum und stellte sie in öffentlichen Anhörungen 1986 zur Diskussion. Die Schlussfassung wurde inhaltliche Grundlage der Museumsgründung. Deutsche Geschichte im internationalen Zusammenhang darzustellen, wurde zum Kern der Museumsaufgabe. Multiperspektivische Sichtweisen sollen Verständnis für die Sicht der Anderen ermöglichen, um so in der Zeit der Internationalisierung des Alltagslebens und der Globalisierung von Wirtschaft und Arbeit, Geschichte und Kultur auf höherem Niveau zu reflektieren. Am 1. September 1986 teilte derBerliner Senat mit, dass der Standort des geplanten Deutschen Historischen Museums neben derKongresshalle entstehen soll. Am 28. Juli 1987 wurde der Gesellschaftervertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Berlin zur Errichtung der Deutschen Historischen Museum-Gesellschaft als vorläufige Trägerschaft mit beschränkter Haftung unterzeichnet.
Ursprünglich sollte derSpreebogen in der Nähe des Reichstages der Standort des Museums werden. Den hierfür ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewann 1988 der italienische ArchitektAldo Rossi. 1989 veränderte derFall der Mauer aber die Planungen: Mit dem Tag derdeutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 übertrug die Bundesregierung dem DHM Sammlung und Grundstück des damaligenMuseums für Deutsche Geschichte, das bereits im September 1990 von der letzten DDR-Regierung dem Direktor des DHM unterstellt worden war. So wurde dasZeughaus von 1695 – das älteste GebäudeUnter den Linden – der Sitz des Deutschen Historischen Museums. Im September 1991 wurden die ersten Ausstellungen im Zeughaus gezeigt.
Kurz nach seiner Gründung begann der Sammlungsaufbau. Einen ersten Querschnitt präsentierte seit Dezember 1994 die DauerausstellungBilder und Zeugnisse der deutschen Geschichte mit mehr als 2000 Exponaten. Zwischen 1994 und 1998 wurde die Fassade des Zeughauses nach historischen Grundlagen saniert. Das Zeughaus wurde 1998 geschlossen und bis 2003 durch das Architekturbüro Winfried Brenne saniert. Der Zeughaushof, der Innenhof mit den Masken vonAndreas Schlüter, erhielt im Zuge des zwischen 1998 und 2003 errichteten Neubaus der Ausstellungshalle des ArchitektenIeoh Ming Pei wieder eine gläserne Überdachung. Seit 2003 ist der Neubau als Ausstellungshalle für Sonderausstellungen mit einer Fläche von 2700 Quadratmetern auf vier Etagen geöffnet. Die ständige AusstellungDeutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen im Zeughaus wurde am 2. Juni 2006 von BundeskanzlerinAngela Merkel eröffnet.
Seit dem 30. Dezember 2008 wird das DHM von derStiftung Deutsches Historisches Museum getragen, einer rechtsfähigen bundesunmittelbarenStiftung des öffentlichen Rechts. Diese ist auch Träger derStiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.[3] Im Jahr 2015 verzeichnete das DHM 810.000 Besucher.[4] Seit der Eröffnung der Dauerausstellung 2006 schwankt die jährliche Besucherzahl um 800.000.[5]
Seit Juni 2021 ist das Zeughaus wegen Renovierung und Erarbeitung der neuen ständigen Ausstellung geschlossen. Es muss u. a. die Klimatechnik erneuert werden.[veraltet] Der Erweiterungsbau des DHM von I. M. Pei ist weiterhin geöffnet.[6] Ein Termin für den Abschluss der Sanierung ist nicht absehbar (Stand: 2026).[7]
Generaldirektoren des Museums bzw. Präsidenten der Stiftung:
Im Zeughaus war die ständige Ausstellung „Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen“ auf 8000 Quadratmetern bis zum 27. Juni 2021 zu sehen. Für notwendige Instandsetzungen und die Erneuerung der ständigen Ausstellung ist diese geschlossen.[veraltet][8]
Die vier Etagen der Ausstellungshalle vonIeoh Ming Pei werden im Wesentlichen für die Sonderausstellungen des Museums genutzt.[9]

Seit 2015 finden unter dem Titel „Multaka – Treffpunkt Museum“ Führungen zur Vermittlung vonkunstgeschichtlichen Zusammenhängen fürArabisch undPersisch sprechende Besucher statt. „Multaka“ (arabisch: Treffpunkt) steht dabei als Bezeichnung für den pädagogisch vermittelten Austausch verschiedener kultureller und historischer Erfahrungen vonGeflüchteten und anderen Besuchern aus Ländern desVorderen Orients mit den Ausstellungen in Berliner Museen. Dabei vermittelt derinterkulturelle Dialog mit den Besuchern deren jeweilige Sichtweisen auf die historischen Zusammenhänge der Kulturobjekte und darüber hinaus auf das eigene Verständnis vomkulturellen Erbe ihres Heimatlandes.[19]
DasZeughauskino mit seinen 165 Plätzen ist integraler Bestandteil des Deutschen Historischen Museums und befindet sich im Zeughaus. Seine vorrangigen Ziele verknüpfen historische und filmgeschichtliche Fragestellungen zu einem Programm, das neben ausstellungsbegleitenden Reihen vor allem durch thematische Retrospektiven gekennzeichnet ist.
Die wissenschaftliche Spezialbibliothek zur deutschen und allgemeinen Geschichte sowie zum Museumswesen besitzt etwa 250.000 Bände, davon 13.000 BändeRara, 40.000 Bände Zeitschriften und Zeitungen, 5.000 BändeMilitaria und 15.000 Museumskataloge. Die öffentliche Präsenzbibliothek befindet sich im Verwaltungsgebäude des Museums hinter dem Zeughaus, das in den Jahren 1899 bis 1945 der Preußischen Central-Genossenschaftskasse gehörte und später dem DDR-StaatsbetriebMinol.
Das Museum stellt die umfassendste Objektdatenbank aller Museen in Deutschland für die Onlinerecherche zur Verfügung. Die Datenbank wird wöchentlich aktualisiert. In ihr werden alle Sammlungsbestände des Museums dokumentiert. Die Datenbank enthält derzeit Angaben zu über 600.000 Objekten und stellt für etwa 70 Prozent dieser Objekte ein digitales Foto bereit. Reproduktionsrechte für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzungen werden vom Bildarchiv des DHM verwaltet, das branchenübliche Nutzungshonorare berechnet.
Die Stiftung Deutsches Historisches Museum ist Kooperationspartner des Online-PortalsLebendiges Museum Online (LeMO).