| Deutsche Lufthansa | |
|---|---|
| IATA-Code: | DH |
| Gründung: | 1955 |
| Betrieb eingestellt: | 1963 |
| Sitz: | Schönefeld
|
| Drehkreuz: | Flughafen Berlin-Schönefeld |
| Flottenstärke: | (keine Angabe) |
| Ziele: | national und international |
| Deutsche Lufthansa hat den Betrieb 1963 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes. | |
DieDeutsche Lufthansa GmbH war die ersteFluggesellschaft in derDDR und bestand unter diesem Namen von 1955 bis 1963. Sie stand in keiner Beziehung zurDeutschen Lufthansa AG.
Am 28. April 1955 wurde in Abstimmung mit der sowjetischen Botschaft ein Beschluss des Präsidiums desMinisterrates der DDR vom 27. April 1955 mit folgendem Wortlaut veröffentlicht: „Zur Durchführung des zivilen Personen- und Frachtluftverkehrs ist mit Wirkung vom 1. Mai 1955 die deutsche Lufthansa zu gründen. Die deutsche Lufthansa untersteht dem Ministerium des Innern.“ Diesem Beschluss waren seit Mai 1954 Vorarbeiten für ein am 27. April 1955 zwischen der DDR und derUdSSR unterzeichnetes Abkommen zur Überlassung desFlugplatzes Schönefeld (Südteil) als Zentralflughafen der DDR vorausgegangen, der ab Mai 1955 betriebsfähig war. Am 1. Juli 1955 ernannte der Ministerrat die erste Betriebsleitung der Deutschen Lufthansa. Dieses Datum wird allgemein als Gründungstag derDeutschen Lufthansa GmbH der DDR angesehen.
Am 8. Juli 1955 trat das eine Woche zuvor berufene Direktorium erstmals zusammen. Tagungsort war der Sitzungssaal des Hauptamtes Verwaltung der DDR-Regierung. Geleitet wurde die Sitzung vom HauptdirektorArthur Pieck, dem SohnWilhelm Piecks. Arthur Piecks erster Stellvertreter, der für den Flugverkehr zuständige DirektorFritz Horn, war gelernter Flugzeugführer. Der technische Direktor Ernst Wendt war nach seiner Tätigkeit als Schlosser und Werkmeister bei der Deutschen Lufthansa AG inStaaken 1937 in deren Werkstätten inSchkeuditzBetriebsingenieur geworden und nach Kriegsende von der sowjetischen Besatzungsmacht alsBetriebsleiter eingesetzt worden, um für dieHauptverwaltung Nördlicher Seeweg deutscheFw-200- undSi-204-Flugzeuge instand zu setzen. Den 1947 zumMAB Schkeuditz umgewandelten Betrieb leitete er dann weiter bis zu seiner Berufung zur Lufthansa.[1] Direktor Karl Heiland schließlich war für die politische Arbeit zuständig, er war jedoch insofern vom Fach, als er bei derLuftwaffe eine Pilotenausbildung absolviert hatte, wenn auch kriegsbedingt ohne Abschluss.
| Bezeichnung | Vorname, Name | Dienstzeit |
|---|---|---|
| Hauptdirektor | Arthur Pieck | 1955–1960[2] |
| Direktor Flugverkehr | Fritz Horn | 1955 |
| Direktor Flugbetrieb | Walter Lehweß-Litzmann | 1959–70 |
| Direktor Flugtechnik | Ernst Wendt | 1955–1961 |
Am 30. Juli 1955 landete die erste Maschine der neuen Gesellschaft, eineIljuschin Il-14 mit demLuftfahrzeugkennzeichenDDR-ABA, auf demZentralflughafen Berlin-Schönefeld. Am 16. September 1955 fand der erste offizielle Flug statt. Die Maschine brachte eine Regierungsdelegation unter MinisterpräsidentOtto Grotewohl zur Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen der Sowjetunion und der DDR nachMoskau.
Am 4. Februar 1956 eröffnete die Lufthansa auf der Strecke Berlin–Warschau den Linienverkehr. Im selben Jahr folgten am 27. Februar der Messeflugverkehr Berlin–Leipzig sowie am 16. Mai die Linie Berlin–Prag–Budapest–Sofia, am 19. Mai Berlin–Prag–Budapest–Bukarest und am 7. Oktober Berlin–Vilnius–Moskau.
Zuerst stellte die DDR-Lufthansa nur das Bodenpersonal. DieBesatzungen und die Maschinen des Typs Iljuschin Il-14 stammten anfangs ausschließlich aus der Sowjetunion. Am 13. März 1957 flog Gerhard Frieß als erster deutscher Kommandant auf einem Linienflug der Lufthansa nach Moskau. Waren die ersten 14 Iljuschin Il-14 noch aus der Sowjetunion importiert worden, so war die 15. bereits ein Lizenzbau derElbe Flugzeugwerke in Dresden. Fast hätte die Lufthansa nicht nur im eigenen Land gebaute, sondern auch in der DDR entworfene Maschinen erhalten. Weder derTyp 152 noch derTyp 153 gingen jedoch in Serie, und so deckte die Lufthansa ihren Bedarf an größeren Passagierflugzeugen weiterhin mit Iljuschin-Maschinen. Zu den Il-14 kamen ab dem 28. März 1960Il-18, immerhinTurboprop-Maschinen. Ende 1962 verfügte die Lufthansa der DDR über 26 ältere Il-14 und fünf Il-18.
Vor dem Hintergrund, dass diewestdeutsche Lufthansa bereits vor der Gründung der DDR-Lufthansa Markennamen und Markenzeichen der in Liquidation befindlichenalten Lufthansa rechtswirksam gekauft hatte, nahm Arthur Pieck wenige Monate nach der Gründung der Lufthansa der DDR gegenüber Otto Grotewohl wie folgt Stellung: „Formaljuristisch gesehen befinden wir uns in einer Situation, nach der selbst unsere eigenen Gerichte uns das Recht auf Führung des NamensDeutsche Lufthansa und des stilisierten Kranichs als Warenzeichen untersagen müssen.“
Am 13. März 1958 beschloss eine Runde beiErich Honecker, zu der auch Arthur Pieck gehörte, für den „Notfall“ eine neue Gesellschaft zu gründen und im Warenzeichenregister (DDR, Madrid, Bern) einzutragen. Am 8. September 1958 wurde dieInterflug, Gesellschaft für internationalen Flugverkehr mbH gegründet. Die Lufthansa der DDR stellte mit 1,1 Millionen Mark die Mehrheit der insgesamt zwei Millionen Mark Grundkapital und mit Arthur Pieck den Hauptgeschäftsführer.
Angesichts der drohenden rechtlichen Niederlage der Lufthansa (DDR) gegenüber der Lufthansa (West) in einem Prozess in Belgrad begann der Rückzug in die ausgebaute Auffanglinie. Im Juli 1963 erklärte sich dasSED-Politbüro damit einverstanden, „dass die Lufthansa liquidiert wird, weil es unrentabel ist, zwei Gesellschaften zu haben, und dass eine Gesellschaft unter dem NamenInterflug gebildet wird“. Am 1. September 1963 wurden die Luftverkehrsbetriebe der DDR zusammengelegt und mit der personellen Spitze der DDR-Lufthansa, aber unter der FirmenbezeichnungInterflug weitergeführt.
Die weitere Geschichte der Luftfahrt der DDR ist im ArtikelInterflug beschrieben.