Blick auf dieZentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main (vomMain Tower aus)Haupteingang der Deutschen Bundesbank an der Wilhelm-Epstein-StraßeMiquel-Anlage, „Vorgarten“ der BundesbankGenuss-Schein über 333,33 DM der Deutschen Bundesbank vom 2. Oktober 1961
Die Geschichte der Deutschen Bundesbank ist eng mit der WährungsgeschichteWestdeutschlands nach Ende desZweiten Weltkriegs verbunden. Angesichts der völligen Zerrüttung derdeutschen Währung nach dem Krieg wurde eineWährungsreform erforderlich. Dabei trat in denwestlichen Besatzungszonen einschließlichWest-Berlins am 21. Juni 1948 dieDeutsche Mark an die Stelle der praktisch wertlosenReichsmark. Die Währungsreform basierte auf Gesetzen der alliiertenMilitärregierung. Zur Vorbereitung errichteten die Westmächte in ihrenBesatzungszonen ein neues, zweistufiges Zentralbanksystem, das in seinem streng föderativen Aufbau das Federal Reserve System derVereinigten Staaten von Amerika (USA) zum Vorbild hatte. Es bestand aus den rechtlich selbständigenLandeszentralbanken in den einzelnen Ländern der westlichen Besatzungszonen und der am 1. März 1948 gegründetenBank deutscher Länder in Frankfurt am Main. Die Landeszentralbanken fungierten in ihren Bereichen als Zentralbanken. Die Bank deutscher Länder, deren Grundkapital bei den Landeszentralbanken lag, war für die Notenausgabe, die Koordinierung der Politik und für bestimmte zentrale Aufgaben – darunter auch dieDevisenbewirtschaftung – zuständig. Oberstes Organ des zweistufigen Zentralbanksystems war der bei der Bank deutscher Länder eingerichtete Zentralbankrat. Er bestand aus seinem Präsidenten, den Präsidenten der Landeszentralbanken und dem Präsidenten desDirektoriums der Bank deutscher Länder. Der Zentralbankrat bestimmte insbesondere dieDiskontpolitik und die neu eingeführteMindestreservepolitik. Er stellte ferner Richtlinien für dieOffenmarktpolitik und dieKreditvergabe auf.
Nach den schlechten Erfahrungen mit einer an Weisungen der Regierung gebundenenNotenbank setzte sich in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg das Prinzip einer unabhängigenZentralbank durch. Die Bank deutscher Länder war von Anfang an unabhängig von deutschenStaatsorganen, auch von der ab September 1949 tätig werdenden Bundesregierung (Kabinett Adenauer I). Ihre Autonomie gegenüber den Alliierten erlangte sie 1951.
DurchArt. 88 des am 24. Mai 1949 in Kraft getretenenGrundgesetzes wurde der Bund verpflichtet, eine Währungs- und Notenbank als Bundesbank zu errichten und damit das bis dahin geltendeBesatzungsrecht durch deutsches Recht abzulösen. Diesem Auftrag kam der Gesetzgeber allerdings erst 1957 nach. Mit demGesetz über die Deutsche Bundesbank (BBankG) vom 26. Juli 1957 wurde der zweistufige Aufbau des Zentralbanksystems beseitigt. Die Zuständigkeiten wurden der neu gegründeten Deutschen Bundesbank übertragen. Dafür wurden die Landeszentralbanken einschließlich der Berliner Zentralbank mit der Bank deutscher Länder verschmolzen. Die Landeszentralbanken waren nun rechtlich nicht mehr selbstständige Notenbanken, sondern wurden als Hauptverwaltungen Teil der Bundesbank. Sie behielten den Namen „Landeszentralbank“ bei und blieben teilweise in ihren Entscheidungen unabhängig, so in Bezug auf die Mitwirkung an den geldpolitischen Entscheidungen im Zentralbankrat (sog. Vorbehaltszuständigkeit).
Das in Frankfurt am Main ansässige Direktorium bestand aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank sowie bis zu sechs weiteren Mitgliedern. Als geschäftsführendes Organ war es für die Durchführung der Beschlüsse des Zentralbankrats verantwortlich. Das Direktorium leitete und verwaltete die Bank und war insbesondere für Geschäfte mit dem Bund und seinen Sondervermögen, für Geschäfte mit im gesamten Bundesgebiet operierenden Kreditinstituten, für Devisengeschäfte und Geschäfte im Verkehr mit dem Ausland sowie für Geschäfte am offenen Markt zuständig.
Als oberstes Entscheidungsorgan der Deutschen Bundesbank fungierte weiterhin derZentralbankrat, der über die Währungs- und Kreditpolitik der Bundesbank entschied und Richtlinien für die Geschäftsführung und Verwaltung aufstellte. Ihm gehörten neben den Mitgliedern des Direktoriums auch die elf Präsidenten der Landeszentralbanken an.
Die Landeszentralbanken führten die in ihren Bereich fallenden Geschäfte und Verwaltungsangelegenheiten in eigener Verantwortung durch. Das Bundesbankgesetz wies ihnen ausdrücklich Geschäfte mit öffentlichen Stellen und Verwaltungen sowie mit Kreditinstituten ihres Bereiches zu. Den Landeszentralbanken waren darüber hinaus die Zweiganstalten (heute Filialen) unterstellt. Die Leitung oblag einem Vorstand, der in der Regel aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Landeszentralbank bestand.
Am 5. Dezember 1974 kündigte die Deutsche Bundesbank nach der Übernahmemonetaristischer Grundsätze als erste Zentralbank überhaupt einGeldmengenziel für das darauffolgende Jahr an.[5]
Mit dem am 1. Juli 1990 in Kraft getretenen Staatsvertrag über die Schaffung einerWährungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der damaligenDeutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde die D-Mark alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel in beiden deutschen Staaten. Gleichzeitig ging die Zuständigkeit für die Geld- und Währungspolitik im erweiterten Geltungsbereich der D-Mark auf die Deutsche Bundesbank über. Dazu wurde am 3. Mai 1990 in vorgezogener Umsetzung des Staatsvertrages vom 18. Mai 1990 die Vorläufige Verwaltungsstelle in Berlin errichtet,[6] die über die staatliche Vereinigung am 3. Oktober 1990 hinaus noch bis zum 31. Oktober 1992 tätig war.Die Organisationsstruktur der Deutschen Bundesbank wurde über eine Novellierung des Bundesbankgesetzes an die veränderten Gegebenheiten aufgrund desBeitritts des DDR-Gebiets zum Geltungsbereich des Grundgesetzes am 3. Oktober angepasst und zugleich gestrafft. Aus den ehemals elf Landeszentralbanken und der Vorläufigen Verwaltungsstelle in Berlin wurden neun Landeszentralbanken mit wirtschaftlich annähernd gleich großen Hauptverwaltungsbereichen geschaffen.
Mit dem am 1. November 1993 in Kraft getretenen Vertrag von Maastricht wurden die Grundlagen für dieEuropäische Wirtschafts- und Währungsunion gelegt. Die nationalen Verantwortlichkeiten für die Geldpolitik wurden auf die Gemeinschaftsebene an dasEuropäische System der Zentralbanken (ESZB), bestehend aus derEuropäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken (NZBen) der EU-Staaten, übertragen. Das Bundesbankgesetz wurde im Hinblick auf die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion letztmals im Jahre 2002 mit dem 7. Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank vom 30. April 2002 grundlegend novelliert und gab der Bank ihre heutige organisatorische Verfassung.
Im Verlauf derFinanzkrise ab 2007 und derEurokrise erhöhten sichBilanzsumme,TARGET2-Saldo undEinlagefazilität der Deutschen Bundesbank deutlich. Im März 2012 stieg die Bilanzsumme erstmals über eine Billion Euro. Im Durchschnitt des Jahres 2002 betrug die Bilanzsumme 222,4 Mrd. Euro. Im August 2012 waren es mit 1.135,4 Mrd. Euro fünfmal so viel wie im Jahr 2002.[7] Die Notenbanken der Eurozone, darunter die Deutsche Bundesbank, betreiben das europäische Großbetragszahlungssystem TARGET2. Beim Start der Plattform im November 2007 betrug derSaldo der Bundesbank 72,6 Mrd. Euro. Im August 2012 stieg die Forderung der Bundesbank gegenüber den übrigen nationalen Zentralbanken der Eurozone (positiver TARGET2-Saldo) auf ein Allzeithoch von 751,4 Mrd. Euro. Seit November 2007 entspricht das einem Anstieg um 935 Prozent. Zwischen 1999 und 2006 lag der Durchschnitt der Auslandsposition bei 1,6 Mrd. Euro.[8]
Die Inanspruchnahme der Einlagefazilität der Bundesbank durch die Geschäftsbanken betrug im April 2012 die Rekordsumme von 276,9 Mrd. Euro. Der Mittelwert für den Zeitraum Januar 2002 bis August 2008 liegt bei 200 Mio. Euro.[9]
Im Zusammenhang mit ihrer Funktion als Clearingstelle (vgl. AbschnittZentralbank) kam die Bundesbank zusammen mit demAuswärtigen Amt undWirtschaftsministerium Ende März 2011 in die Kritik, als bekannt wurde, dass die Deutsche Bundesbank seit Anfang Februar 2011 durch die Ausführung von Überweisungen in einem Volumen von 9 Milliarden Euro derIslamischen Republik Iran ermöglicht haben soll, Sanktionen der USA zu umgehen.[10] Ölkäufer überweisen wegen der Sanktionen kein Geld direkt an den iranischen Staat, sondern über die Bundesbank an dieEuropäisch-Iranische Handelsbank (EIHB) in Hamburg. Die EIHB befindet sich im Eigentum der iranischen BankenBank of Industry and Mine,Bank Mellat,Bank Tejarat undBank Refah, welche alle unter Kontrolle – und zum Teil selbst von internationalen Sanktionen betroffen – derIslamischen Republik Iran wirtschaften.[10][11] Die Sanktionen, in Form von Handelsbeschränkungen und Einfrierungen von Vermögenswerten, sollen die Verbreitung von konventionellen und atomaren Waffen beschränken.
Der damalige BundesbankpräsidentJens Weidmann kündigte 2016 an, die 1967 bis 1972 errichtete Bundesbank-Zentrale sollesaniert werden. Zu diesem Zweck war der Umzug des dortigen Personals in noch anzumietende Büros vorgesehen. Nach der ca. zweijährigen Planungsphase sollten die Bauarbeiten frühestens 2018 beginnen können.[12]
Unter dem BegriffCampus sollten nach der Planung von 2021 mehrere Gebäude der Bundesbank in Frankfurt abgerissen werden und für rund 3,59 Milliarden Euro vier neue Bürogebäude sowie eine neue Kindertagesstätte, ein Sportzentrum, ein Logistikzentrum und ein Gastronomiepavillon gebaut werden. DerBundesrechnungshof kritisierte diese Planung als überzogen und ging wegen der Preissteigerungen Ende 2022 von 4,6 Milliarden Baukosten aus. Das wären pro Arbeitsplatz etwas mehr als eine Million Euro gewesen. Unter anderem, da Raumgrößen vorgegeben wurden, die über den geltendenHöchstflächenvorgaben für Bundesministerien lagen und obwohl seit mehreren Jahren die „Geschäftsprozesse verstärkt digitalisiert ablaufen“ würden. Kritisiert wurde auch, dass die Auskunftspflicht gegenüber dem Rechnungshof nur langsam und nicht ausreichend erfüllt worden sei. Die lange Geheimhaltung des als „vernichtend“ bezeichneten Berichts wurde kritisiert und grundsätzliche Transparenz gefordert.[13]
Wegen der zeitweise ausufernden Kostenplanung sah sich die Bundesbank erheblicher Kritik ausgesetzt. Auch wegen des durch Homeoffice-Möglichkeiten auf ca. 65 % der Beschäftigten gesunkenen Platzbedarfs wurde die Neubaupläne von der Bank im Mai 2024 ganz aufgegeben.[14][15][16]
Die Deutsche Bundesbank besteht auch nach dem Maastricht-Vertrag weiter. Ihre neuen Aufgaben wurden mit dem 7. Gesetz zur Änderung des „Gesetzes über die Deutsche Bundesbank“ vom 30. April 2002 neu festgelegt. Sie sind im § 3 desBundesbankgesetzes definiert. Dort heißt es: „Die Deutsche Bundesbank ist als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland integraler Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken. Sie wirkt an der Erfüllung seiner Aufgaben mit dem vorrangigen Ziel mit, die Preisstabilität zu gewährleisten, hält und verwaltet dieWährungsreserven derBundesrepublik Deutschland, sorgt für die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland und trägt zur Stabilität der Zahlungs- und Verrechnungssysteme bei.“
Aus dem Bundesbankgesetz und derEZB-Satzung leiten sich vier Tätigkeitsfelder der Bundesbank ab, die sie meist zusammen mit derEZB bearbeitet.
Die Deutsche Bundesbank unterstützt imFinanzplanungsrat die Koordination zwischen Haushaltsplanung und mehrjähriger Finanzplanung derGebietskörperschaften.
Werttransporter der Deutschen BundesbankBundesbank (BBk) – Deutsche Mark – Geschreddert
Die Bundesbank versorgt die Wirtschaft mit Bargeld und sichert die physische Umlauffähigkeit desBargeldes. MittelsBanknotenbearbeitung überprüft sie das von den Banken und Wertdienstleistern eingezahlte Bargeld, stellt Falschgeld sicher und übergibt es an die Polizei.Sie tauscht noch im Verkehr befindliche DM-Bestände ohne Frist um und ersetzt zerstörte Banknoten (NAC – Nationales Analysezentrum).Darüber hinaus informiert sie über die Bargeldsicherheitsmerkmale und wöchentlich über dieumlaufende Bargeldmenge.
Hierbei werden zwei Hauptfunktionen unterschieden:Zunächst ist die BundesbankRefinanzierungsquelle undClearingstelle fürKreditinstitute.Die Kreditinstitute können ihren Bedarf anZentralbankgeld über die Bundesbank / EZB durch sogenannteRefinanzierungsinstrumente decken.Die damit zusammenhängende Steuerung derGeldmenge war bis Ende 1998 wesentliche Aufgabe der Bundesbank. Seit dem 1. Januar 1999 ist es das vorrangige Ziel der EZB, mit Hilfe ihrer geldpolitischen StrategiePreisniveaustabilität zu gewährleisten.Kreditinstitute können nicht benötigte Gelder kurzfristig bei der Bundesbank / EZB anlegen (sogenannteEinlagefazilität).Die Bundesbank unterstützt den netzübergreifenden Zahlungsverkehr zwischen inländischen und ausländischenGeschäftsbanken, beispielsweise den Großbetragszahlungsverkehr überTARGET2. Damit sollen sekundengenau Beträge in Milliardenhöhe zwischen Banken in der ganzen EU übertragen werden.
DieBankleitzahl (BLZ) einer Bank fungiert bei der Bundesbank als Kontonummer der Bank.
Andererseits wirkt die Bundesbank an derBankenaufsicht mit. Hierbei arbeitet sie eng mit derBaFin zusammen. Dabei geht es vor allem um die Sicherung der Stabilität des Finanzsystems. Die Bundesbank übernimmt dabei die laufende Überwachung der Banken, wertet also die Jahresabschlussberichte der Institute aus und führtPrüfungen nach § 44 KWG (sieheKreditwesengesetz) durch. Sie liefert die statistischen Daten zur wirtschaftlichen Lage der Kreditinstitute. Die BaFin erlässt Verfügungen, Prüfungsanordnungen und Rundschreiben, meist in Abstimmung mit der Bundesbank.
Deutsche Bundesbank – Hauptverwaltung NRW in Düsseldorf
Die neun Hauptverwaltungen der BundesbankHauptverwaltung in Hessen, Frankfurt am MainBundesbank-Filiale in Chemnitz
Als Bank des Staates führt die Bundesbank kostenlos Konten für Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden (einschließlich Universitäten) sowie für die Sozialversicherungsträger und wickelt für diese normale Bankdienstleistungen ab; diese Funktion wird als Fiskalagent bezeichnet. Allerdings machen nicht alle Träger öffentlicher Gewalt von dieser Möglichkeit, ihre Bankgeschäfte über die Bundesbank abzuwickeln, Gebrauch; derFreistaat Bayern beispielsweise nutzt dieBayerische Landesbank als Hausbank.[17]
Sämtliche Konten werden auf Guthabensbasis geführt, d. h. der Bundesbank ist es aufgrund des in Art 101 des EU-Vertrages (jetzt: Art 123 Abs. 1 AEUV) verankerten Verbots der monetären Staatsfinanzierung durch die Zentralbanken grundsätzlich nicht gestattet,Kredite an die öffentliche Hand zu geben.
Die Bundesbank führt Girokonten und Depots außerdem auch für karitative Einrichtungen sowie für ihre eigenen Mitarbeiter. Der Service für Letztere geriet 2013 wegen seiner Kosten in die Kritik. Weiterhin unterliegen die Konten bei der Deutschen Bundesbank nicht der Überwachung laut Kreditwesengeschäft.[18] Bis Ende 2012 war noch die Depoteröffnung für alle Privatpersonen und der Kauf von Bundeswertpapieren möglich (ab 2003 über dieBundeswertpapierverwaltung, heuteDeutsche Finanzagentur, für die die Bundesbank allerdings weiterhin das Wertpapiergeschäft ausführte).[19][20] Daneben ermöglichte sie in ihren Filialen Privatpersonen ohne Girokonto gegen eine Gebühr von einem Euro pro Transaktion die Bargeld-Einzahlung auf Girokonten in Deutschland. Seit 1. März 2012 ist dies aus wirtschaftlichen Gründen nur noch für Zahlungen an Behörden oder Institutionen möglich, die eine Kontoverbindung bei der Bundesbank unterhalten.
Die Bundesbank erhebt außerdem statistische Daten zum Währungs- und Finanzsystem wie auch zur Außenwirtschaft. Diese sind teilweise in der makroökonomischen Zeitreihendatenbank[22] verfügbar. In ihremForschungsdatenzentrum stellt die Bundesbank ferner qualitativ hochwertige Mikrodaten für Forschungszwecke bereit.[23]
Die Bundesbank ist zuständig für die Verwaltung derWährungsreserven. Dies sind sämtliche Vermögen der Bundesbank, die nicht aufEuro lauten, beispielsweiseGoldreserven,Sorten, Wertpapiere in ausländischer Währung und Guthaben in ausländischer Währung bei Banken. Die Währungsreserven bilden dabei einen Gegenwert zur eigenen Währung. Sie werden möglichst rentabel angelegt und bilden zudem eine Möglichkeit zur Intervention bei starken Schwankungen desWechselkurses. Die Goldreserven der Bundesbank sind die zweitgrößten nach den Goldreserven der US-Notenbank. Derzeit verwaltet die Bundesbank von Frankfurt etwa 3.279 t Gold zu einem Marktwert von rund 190 Milliarden Euro (Stand 15. Dezember 2023).[24] Der größte Teil dieser Goldreserven lagerthistorisch und marktbedingt bei der Bundesbank in Frankfurt, derFederal Reserve Bank of New York und bei derBank of England inLondon. Die Bundesbank entschloss sich Anfang 2013 das Goldlagerkonzept zu überarbeiten. Daher wurde der Lagerstandort Paris bis 2017 komplett aufgelöst und damit die Hälfte der Goldreserven ins Inland verlagert.[25][26]
Forderungen nach einem Verkauf der Goldreserven, unter anderem mit dem Hinweis auf die fehlendenZinserträge, lehnte die Bundesbank immer wieder ab. Sie schreibt dazu:Nationale Goldreserven haben auch in einer Währungsunion eine vertrauens- und stabilitätssichernde Funktion für die gemeinsame Währung. […] Gold stellt für die Bundesbank auch vor diesem Hintergrund einen Vermögenswert dar, der ihren Ansprüchen nach Werthaltigkeit und Diversifikation ihres Portfolios – bestehend aus Devisen und Gold als Währungsreserven – gerecht wird.[27] Diese These ist unter Wirtschaftswissenschaftlern umstritten.
DerVorstand ist das oberste Organ der Bundesbank. Es setzt sich zusammen aus:
dem Präsidenten
dem Vizepräsidenten und
vier weiteren Mitgliedern des Vorstands.
Für drei Vorstandsmitglieder (Präsident, Vizepräsident und ein weiteres Mitglied) liegt das Vorschlagsrecht bei derBundesregierung. Die anderen drei Mitglieder werden vomBundesrat im Einvernehmen mit der Bundesregierung vorgeschlagen. Bestellt werden alle Mitglieder des Vorstands nach § 7 Abs. 3 desBundesbankgesetzes vomBundespräsidenten, in der Regel für acht Jahre, mindestens aber für fünf Jahre.
Die Bezüge des Präsidenten betrugen 2015 436.355,56 Euro, die des Vizepräsidenten 348.061,83 Euro.[29]
Der Vorstand der Bundesbank setzt sich momentan aus folgenden Mitgliedern zusammen:
PräsidentJoachim Nagel (Volkswirtschaft, Strategie und Innovation, Direktorat für Vorstandsangelegenheiten und Internationales, Recht, Kommunikation) – seit 1. Januar 2022
VizepräsidentinSabine Mauderer (Märkte, Nachhaltigkeit, Controlling, Rechnungswesen und Organisation) – seit 1. September 2018
Burkhard Balz (Bargeld, Digitaler Euro, Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme, Zentrum für internationalen Zentralbankdialog) – seit 1. September 2018
Lutz Lienenkämper (Personal, Compliance, Revision) – seit 1. September 2024
Michael Theurer (Banken und Finanzaufsicht, Finanzstabilität) – seit 1. September 2024
Fritzi Köhler-Geib (Informationstechnologie, Risiko-Controlling, Daten und Statistik, Forschungszentrum) – seit 1. November 2024
Die Deutsche Bundesbank beschäftigtBeamte,Angestellte undArbeiter (§ 31 Abs. 1BBankG). Die Deutsche Bundesbank hatte 12.022 Mitarbeiter (10.407,3Vollzeitäquivalente) zum Stichtag am 31. Dezember 2020, davon 6170 Beamte und 5852 Tarifbeschäftigte. Hinzu kommen 85 im Fremddienst tätige Mitarbeiter, 243 ohne Bezüge beurlaubte Mitarbeiter und 56 Mitarbeiter in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. In der Zentrale waren insgesamt 6249 Personen beschäftigt, in den Hauptverwaltungen 3087 und in den Filialen 2686. 736 Personen befanden sich in Ausbildung. 3122 Mitarbeiter waren in Teilzeit beschäftigt, 329 befristet. Der Personalbestand in Vollzeitäquivalenten ist seit Ende 2001 um 29,7 Prozent zurückgegangen.[30]
Beamte und Angestellte erhalten bei einer Verwendung in der Zentrale eine Bankzulage in Höhe von neun Prozent, bei einer Verwendung in einer Hauptverwaltung von fünf Prozent des maßgeblichen Grundgehaltes. Für die Besoldungsgruppen A 3 bis A 12 sowie die Entgeltgruppe E 1 bis E 12 ist das Grundgehalt zum Stichtag 1. März 2015 maßgeblich, für dieBesoldungsgruppen A 13 bis A 16 das Grundgehalt zum 1. März 2012 und für die Besoldungsgruppen derBundesbesoldungsordnung B das Grundgehalt zum 1. Januar 2011. Das heißt, dass die Bankzulage bei Besoldungs- oder Tariferhöhungen nicht steigt. (§ 2BBankPersV) Beispielsweise beträgt für einen Bundesbankdirektor in Besoldungsgruppe A 15 und Erfahrungsstufe 8 die Bankzulage bei Verwendung in der Zentrale 524,57 Euro brutto.
Bei der Deutschen Bundesbank können zusätzlich zu denLaufbahnen gemäß derBundeslaufbahnverordnung die Laufbahnen des mittleren Bankdienstes, des gehobenen Bankdienstes und des höheren Bankdienstes eingerichtet werden (§ 2BBankLV). Für die drei Laufbahnen sindVorbereitungsdienste eingerichtet. (MBankDVDV;GBankDVDV;HBankDVDV) Der Vorbereitungsdienst für dieAnwärter für den gehobenen Bankdienst wird in einem Studiengang an derHochschule der Deutschen Bundesbank inHachenburg durchgeführt (§ 4BBankLV). Die Befähigung für die Laufbahn des höheren Bankdienstes hat auch, wer dieBefähigung zum Richteramt hat (§ 5BBankLV). Beamte mit der Befähigung für die auslaufende Laufbahn des Geldbearbeitungsdienstes können durch eine einjährige berufspraktische Einführung dieBefähigung für die Laufbahn des mittleren Bankdienstes erlangen (§ 9BBankLV).
Eine mitBundesbank- beginnende Amtsbezeichnung wird grundsätzlich von allen Beamten in der Bundesbank geführt, nicht nur von Beamten in einer Bankdienst-Laufbahn.
Bundesbankgewinne und -verluste seit 1980 in Mrd. Euro[31]
1980
1,6
1990
4,7
2000
8,4
2010
2,2
2020
0,0
1981
6,7
1991
7,8
2001
11,2
2011
0,6
2021
0,0
1982
5,8
1992
7,5
2002
5,4
2012
0,7
2022
0,0
1983
6,0
1993
9,6
2003
0,2
2013
4,6
2023
0,0
1984
6,8
1994
5,5
2004
0,7
2014
3,0
2024
−19,2
1985
6,6
1995
5,6
2005
2,9
2015
3,2
1986
4,0
1996
4,8
2006
4,2
2016
0,4
1987
0,2
1997
12,4
2007
4,3
2017
1,9
1988
5,9
1998
8,3
2008
6,3
2018
2,4
1989
5,3
1999
3,9
2009
4,1
2019
5,9
Die Bundesbank erzielte bis einschließlich 2010 Gewinne in Höhe von über einer Milliarde Euro (siehe Grafik) vor allem aus derRefinanzierung der Kreditinstitute und aus einer zinsbringenden Anlage derWährungsreserven. Das Ergebnis aus der Anlage der Währungsreserven wird auch durch Währungsschwankungen beeinflusst: Steigende Wechselkurse ausländischer Währungen beeinflussen das Ergebnis tendenziell positiv, fallende dagegen negativ. Die Höhe der Gewinne aus der Refinanzierung der Kreditinstitute verläuft parallel zumZinsniveau.
Da sie keine privatrechtlichen Eigentümer hat, führt die Deutsche Bundesbank entsprechend der Regelung in § 27 des Bundesbankgesetzes ihre Gewinne an den Bund als Eigentümer ab.[32] Bis zur Höhe von 3,5 Mrd. Euro stehen diese dem laufendenBundeshaushalt zur Verfügung, der darüber hinausgehende Betrag wird seit 1995 zur Tilgung der Schulden desErblastentilgungsfonds verwendet. In den Jahren 1976–1979 erzielte die Bundesbank Verluste aus der Neubewertung ihrer Währungsreserven (Grund war die Schwäche vonUS-Dollar undPfund Sterling (Großbritannien)). 1997 erzielte sie einen Gewinn von umgerechnet 12,4 Mrd. Euro, den höchsten Gewinn ihrer Geschichte.
Durch dasGesetz zur Sicherung von Beschäftigung und Stabilität in Deutschland (Konjunkturpaket II) änderte sich ab 1. Januar 2010 die Verteilung des Bundesbankgewinns. Nicht zuletzt, da auch derErblastentilgungsfonds vollständig getilgt ist, fließt der über den Anteil für den Bundeshaushalt hinausgehende Gewinn ab 2010 in die Tilgung des Sondervermögens für das Konjunkturpaket II. Zugleich sinkt der Anteil des Gewinns, der an den Bund abgeführt wird, ab 2012 schrittweise auf 2,5 Mrd. Euro.[33]
Im März 2012 veröffentlichte die Bundesbank einen Gewinneinbruch für 2011 von 70 %. Lediglich 643 Mio. Euro, statt der erwarteten 2,5 Mrd. Euro konnten an das Bundesfinanzministerium überwiesen werden. Der Grund liegt in der Erhöhung derRisikovorsorge von 4,1 Mrd. Euro auf 7,7 Mrd. Euro. Die Gefahr von Ausfällen bei Staatsanleihen, beispielsweise von Griechenland, welche die Europäische Zentralbank (EZB) während der Finanzkrise kauft, machte diese Entscheidung laut Aussage von Bundesbankpräsident Jens Weidmann notwendig.[34]
2012 machte die Bundesbank nur einen Gewinn in Höhe von 664 Mio. Euro. Der Bundesfinanzminister hatte 1,5 Mrd. Euro einkalkuliert. Auch 2012 bildete die Bundesbank neue Milliardenrückstellungen für riskante Geschäfte im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB).[35]
2013 stieg der Gewinn auf 4,6 Mrd. Euro. Die Bundesregierung hatte in ihrem Haushalt mit mindestens 2,5 Mrd. Euro gerechnet. Das deutliche Plus erklärte der Bundesbankpräsident vor allem damit, dass es keinen Bedarf für weitere Risikovorsorge gegeben habe. Hintergrund war die Entspannung der Euro-Schuldenkrise.[36]
2014 belief sich der Gewinn auf 2,95 Mrd. Euro; ein Rückgang von 35 % gegenüber 2013. Da Zinserträge aus Refinanzierungsoperationen noch immer die größte Einnahmequelle für die Bundesbank darstellen, hatte die Senkung des Leitzinses auf 0,05 % im Jahr 2014 einen verringerten Erlös zur Folge. Auf die Auflösung der Wagnisrückstellung (Stand: 14,4 Mrd. Euro) zur Profitaufstockung wurde verzichtet, da das Niedrigzinsniveau laut Aussage von Joachim Nagel, Vorstandsmitglied der Bundesbank, einen erhöhten Risikofaktor im Rahmen der Kreditvergabe, wie auch eine verschlechterte Jahresprognose für 2015, mit sich bringt.[37]
Für 2015 wies die Bundesbank einen Gewinn von 3,2 Mrd. Euro aus. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Überschuss vor allem wegen einer Zunahme beim Nettoergebnis aus Finanzoperationen, Abschreibungen und Risikovorsorge. Der Nettozinsertrag ging dagegen zurück.[38]
2020 hat die Bundesbank, erstmals seit 1979, wegen der erhöhten Risikovorsorge keinen Gewinn an den Bund ausgeschüttet.[30]
DasInstitut für Zeitgeschichte erhielt 2017 von der Bundesbank den Auftrag für ein umfangreiches Forschungsprojekt. Der Zeitraum von 1923 bis 1969 sollte unter wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekten untersucht werden.[40]Das Projekt war auf vier Jahre angelegt mit zwei Blöcken mit je vier Teilprojekten. Im ersten Block stehen die Biografien des ersten BundesbankpräsidentenWilhelm Vocke und seines NachfolgersKarl Blessing sowie eine Gruppenbiografie des Führungspersonals der jungen Bundesbank im Mittelpunkt. Eine Länderstudie zumbesetzten Polen soll die Rolle der Reichsbank als Akteur im Eroberungskrieg untersuchen.Im zweiten Block stehen das institutionelle Selbstverständnis und politische Handlungsfelder der Zentralbank in Deutschland im Zeitraum von 1924 bis 1969 im Vordergrund.Untersucht werden auch
Gold- und Devisentransaktionen der Reichsbank im Dritten Reich
Währungspolitik (1940 bis 1944) in Westeuropa als Ausbeutungspolitik
Beteiligung der Reichsbank an der finanziellen Ausbeutung Griechenlands in den Jahren1941 bis 1943.
Im März 2024 wurde von dem Institut der Band „Von der Reichsbank zur Bundesbank Personen, Generationen und Konzepte zwischen Tradition, Kontinuität und Neubeginn“ über die Jahre 1924 bis 1970 veröffentlicht. Leitende der Studie warenMagnus Brechtken undAlbrecht Ritschl. Die im Team beteiligten Wissenschaftler untersuchten die Geschichte der Reichsbank als Zentralbank seit den 1920er Jahren. Forschungsschwerpunkt waren die Fragen nach personeller und konzeptioneller Kontinuität und Diskontinuität bis zum Ende der 1960er Jahre.[41]
Am 9. August 2007 gab die Bundesrepublik Deutschland anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Deutsche Bundesbank“ eine10-Euro-Silbergedenkmünze und eineSondermarke heraus.
Seit 2011 führt die Bundesbank für dieBundeskasse Halle (Saale) ein Sonderkonto (IBAN DE17860000000086001030, BIC MARKDEF1860), auf welches Bürger ohne die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit Gelder unter dem Betreff „Schuldentilgung“ zur Tilgung derStaatsverschuldung Deutschlands überweisen können.[44]
Magnus Brechtken, Ingo Loose (Hrsg.):Von der Reichsbank zur Bundesbank. Personen, Generationen und Konzepte zwischen Tradition, Kontinuität und Neubeginn. Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main 2024,ISBN 978-3-95729-977-2 (PDF).
Deutsche Bundesbank (Hrsg.):Die Deutsche Bundesbank. Aufgabenfelder, Rechtlicher Rahmen, Geschichte, Selbstverlag der Deutschen Bundesbank: Frankfurt am Main, April 2006,ISBN 3-86558-151-X (PDF (offline)).
Deutsche Bundesbank (Hrsg.):Währung und Wirtschaft in Deutschland 1876–1975. Frankfurt am Main 1976,ISBN 3-7819-0163-7.
↑Geschäftsbericht 2015. (PDF; 739 kB) In: bundesbank.de. Deutsche Bundesbank, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. August 2016; abgerufen am 3. August 2016.
↑„Der Preis für den Rettungswahnsinn“. Der geschrumpfte Bundesbankgewinn infolge der Eurokrise alarmiert die Politik. In der FDP wird befürchtet, dass weitere Lasten auf Deutschland zukommen. Die Grünen fordern von Schäuble mehr Ehrlichkeit in der Debatte. In:handelsblatt.com vom 12. März 2013, abgerufen am 14. Januar 2017.
↑Spenden ohne Spendenquittung: Das Schuldentilgungskonto des Bundes ist speziell. Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz schwimmt im Geld. Er nimmt so viele Milliarden Steuern ein wie keiner seiner Vorgänger. Trotzdem sitzt unser Land auf einem Riesenberg an Schulden. Doch es gibt eine kaum bekannte Möglichkeit, unserer Regierung beim Schuldenabbau zu helfen. Focus Online, 25. November 2020, abgerufen am 30. Januar 2021.